Schleier der Mystik - Wege zum erleuchteten Glauben - Monika Petry
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Dieses Buch können Sie gratis lesen, die Texte ausdrucken oder die MP3-Dateien herunterladen, dabei müssen sämtliche Textteile und Hinweise stets zusammen bleiben und dürfen in keiner Weise verändert bzw. bearbeitet werden. Eine Nutzung für kommerzielle Zwecke ist untersagt. Das Urheberrecht sowie die Rechte des FROMM-Verlages müssen selbstverständlich beachtet werden.
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Schleier der Mystik - Wege zum erleuchteten Glauben - Monika Petry Schleier der Mystik - Wege zum erleuchteten Glauben - Monika Petry Document Transcript

  • MONIKA PETRY SCHLEIER DER MYSTIK Wege zum erleuchteten Glauben Erschienen im FROMM-Verlag am 07.07.2011 ISBN 978-3-8416-0165-0 – alle Rechte vorbehalten – Englische ÜbersetzungVEIL OF MYSTICISM – Paths to Enlightened Faith Erschienen im FROMM-Verlag am 09.11.2011 ISBN 978-3-8416-0236-7 – alle Rechte vorbehalten – 1
  • Dies ist ein Buch über die Entwicklung meiner Liebe zu Gott und den Menschen, inAnlehnung an die Beschreibungen der Hl. Teresa von Àvila als Mystikerin undKirchenlehrerin. Mystik bedeutet ursprünglich das Aufleuchten des Geheimnisses desLebens, der letzten Wirklichkeit, die wir GOTT nennen.Ein Mystiker versteht sich als Wanderer, der dem Ruf Gottes folgt und immer vorwärtsschreiten muss, um seine Sehnsucht zu stillen. Durch die Vollkommenheit seinerBewusstheit in Wahrhaftigkeit und Liebe wird er eins mit Gott. Diese Erfahrung lässtden Menschen glücklich und zufrieden sein mit der Göttlichen Vorsehung. SeinVertrauen ist stets begleitet durch die Leidenschaft zu Gott und der Annahme desLebens. Es ist ein Weg aus der Finsternis ins Licht.Auch ich war mein Leben lang von der Sehnsucht erfüllt und schritt unaufhörlichvorwärts. Ich suchte Gott, Er fand mich, und seitdem bin ich eine Wanderin zwischenHimmel und Erde. Ich möchte Sie mit meiner Liebe zu Ihm und den Menschenanstecken. Jetzt ist die Zeit gekommen. Lüften wir den Schleier der Mystik. * 2
  • Kurzvita:Monika Petry, geb. November 1955, ehemals evangelisch, Kauffrau, Übersetzerin/Dolmetscherin. Sie war 35 Jahren Atheistin und konvertierte 2009 zum katholischenGlauben. Seit ihrer mystischen Verwandlung unterstellt sie ihr Leben vollkommen derGöttlichen Vorsehung. Sie ist Gebetsheilerin und befasst sich mit Christlicher Mystik,Spiritualität und Bewusstsein. * 3
  • InhaltEinführung: Hl. Teresa von ÀvilaI. Absolutes Vertrauen – UrvertrauenWas bedeutet das absolute Vertrauen, und wie erhalte ich es?II. Die VorsehungLeben mit der Vorsehung – ein Leben in Freude und HingabeVorsehung statt WunscherfüllungWie reagiert Ihr Umfeld, wenn Sie sich Gott zuwenden?III. GOTTWer oder was ist Gott?Wer oder was sind wir?Wie finden wir Gott?Mein Gott warum? - Wenn wir zweifeln und verzweifelnDer ZweifelDie VerzweiflungIV. Der Heilige GeistWer oder was ist der Heilige Geist?Die sieben Gaben des Heiligen Geistes (Charismen)Die zwölf Früchte des Heiligen GeistesDie sieben Tröstungen des Heiligen GeistesV. JesusMein Weg zu JesusErmutigende Worte Jesu an dichVI. MariaGottesmutter MariaSchwester MariaVII. Erleuchteter GlaubeDas Licht Gottes im MenschenAchtsamkeit/ Bewusstheit / ErleuchtungGedanken und GefühleVIII. Das GebetDie GebetsartenStufen des inneren BetensIX. Vergebung und BefreiungSünde, Reue und BußeX. Heilung durch Glaube und GebetDas größte Geheimnis der Heilung 4
  • XI. Demut„Nimm mich wie ich bin“ oder:Mein Weg durch das NadelöhrXII. Von der Liebe zur ErleuchtungLiebeDolorismusEgoAchtsamkeitErleuchtungXIII. MystikBrauchen wir eine neue Mystik?Schöne Worte von lieben Menschen: Was ist Mystik?LiteraturAnhang: TransverberationDank * 5
  • Einführung Hl. Teresa von ÀvilaTeresa Sánchez de Cepeda y Ahumada wurde am 28. März 1515 in Àvila geboren; ihrVater war ein zum Christentum konvertierter Jude. Um den Vorwurf der Häresie zuumgehen, nahm er einen Adelstitel an. Teresa genoss eine strenge Erziehung. Aus Angstvor der Ehe trat sie endgültig 1535 in den Orden der Karmelitinnen in Àvila ein. IhreGesundheit verschlechterte sich ständig, bis sie ein Jahr später im Koma lag und fastlebendig begraben wurde. Während ihrer dreijährigen Rekonvaleszenz hatte sie dieersten mystischen Visionen. Je weiter sie in ihrer Spiritualität wuchs, desto besser wurdeihr Befinden. In vielen Prüfungen fand Teresa ihren Weg zu Gott und perfektionierteihre Anbetung zu Ihm. Ihr freundliches Wesen, ihre natürliche Autorität und ihreweibliche Klugheit verhalfen ihr auf den Weg der eigenen Klostergründung derUnbeschuhten Karmelitinnen, einer strengeren Form des Ordens. Weitere Schwestern-und Mönchskonvente folgten; insgesamt wurden es siebzehn Klöster.Teresas Leben war eine unaufhörliche Entwicklung zu einer geistigen Reifung undinneren Stärke, an deren Ende sich die Geheimnisse des Dreifaltigen Gottes offenbartenund ihre Seele in der mystischen Vermählung, der vollkommenen Vereinigung mit Gott,ihren wahren Frieden fand. Teresa starb am 4. Oktober 1582. Sie hinterließ zahlreicheWerke: mehr als 400 Briefe, Gedichte, Dokumentationen für die Inquisition über diePrüfungen ihrer Beichtväter und Klostergründungen sowie der Gnadengaben ihrermystischen Erfahrungen. Sie beschrieb ihren Reifeprozess der Versenkung, derVerwandlung und der Erleuchtung in ihren Büchern „Wege der Vollkommenheit“,„Buch meines Lebens“ und „Die Innere Burg“.Die Mystik dieser Frau ist ein Ausdruck der absoluten und bedingungslosen Liebe zuGott und zu den Menschen; demütig und in dankbarer Freude. Ihre Hingabe vor Gottwar nicht nur von dieser starken Liebe geprägt, sondern zeugte von einem unendlichenVertrauen und der Bereitschaft, alles, aber auch wirklich alles hinzunehmen, was Gottihr zugedacht hatte; immer wissend, dass Gott es gut meinte und sie von einemRohdiamanten zu einem schillernden Brillanten schleifen wollte.Wie der Heilige Johannes vom Kreuz und der Heilige Pater Pio, so erlebte auch Teresadie Transverberation, die Durchbohrung ihres Herzens. Dieses Ereignis ist im Anhangdieses Buches dargestellt. Teresa beschrieb es mit einer großen Sinnlichkeit. IhreWortwahl sowie die Darstellung dieser Durchbohrung ihres Herzens durch denBildhauer Lorenzo Bernini in einer wunderschönen Marmorskulptur hinterließen denEindruck, es handele sich um Teresas Art, ihre Erotik auszudrücken. Es war dasGöttliche Finale ihrer Herzensöffnung, die sie körperlich und geistig erlebte. Am 4. Juli1585 wurde ihr Sarg geöffnet - sie war unverwest. Im Jahre 1614 folgten dieSeligsprechung und am 12. März 1622 die Heiligsprechung. Papst Paul VI. ernannte sieam 27. September 1970 zur Kirchenlehrerin. * 6
  • Ich kam über Edith Stein zu Teresa von Àvila, denn auf einem großen Portrait EdithSteins faszinierte mich etwas, was ich erst seit kurzer Zeit an mir selbst beobachte: einedunkle Stelle auf der Stirn über der Nasenwurzel. Sie zeigte sich nach meiner Firmungim Juni 2009, als der Heilige Geist mit großer Wirkung über mich kam. Diese Firmungwar ein mystisches Erlebnis, was sich an diesem Tag in einer starken Benommenheitund dem noch stärkeren Wunsch nach innerer Einkehr zeigte. Während der dreifolgenden Tage und Nächte vollzog sich in mir ein großer Wandel. Rückblickendbetrachtet, war seit diesem Tag alles anders.In den nächsten Tagen wurde dieser Eindruck auch äußerlich durch zwei senkrechte,rote Linien auf meiner Stirn sichtbar. Sie erschienen, wenn ich mich mit Gott verband.Bei Gebeten für andere Menschen und für mich selbst. Diese Linien wurden jeden Tagstärker, so wie auch der Heilige Geist Seine Gnaden, die Er mir geschenkt hatte,tagtäglich neu strukturierte und verfeinerte. Ich wurde von einer damaligen Klientin aufdie Veränderung auf meiner Stirn hingewiesen. Fast zwei Monate lang kam sie täglichund hatte somit die Gelegenheit, meine Entwicklung zu beobachten. „Da sind wiederdie Linien auf deiner Stirn“, sagte sie oft nach einer Behandlung. Es erinnert mich andie Offenbarung des Johannes: „Und sie werden Sein Angesicht sehen; und Sein Namewird an ihren Stirnen sein.“ (Offb.22,4)An einem Nachmittag besuchte ich die St. Marienkirche in Bad Bergzabern, um Ruhezu finden und Kraft zu tanken. Dort hing ein großes Bild von Edith Stein. Ich stelltemich davor und sprach mit ihr. Es dauerte nicht lange, da fing sie an zu leuchten, so wieauch die Gottesmutter Maria leuchtet, wenn ich mit Ihr spreche. Nun war ich also mitEdith Stein bekannt geworden, und somit interessierte mich auch diese Frau und ihreGeschichte. Ich las einiges von ihr, es war zu hart; es war in dieser Phase meines Lebenszu schwer für mich. Edith Stein starb am 9. August 1942 im KZ Auschwitz-Birkenau.Papst Johannes Paul II. sprach sie 1987 selig und 1998 heilig. „Selig sind, die aus dergroßen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut desLammes weiß gemacht“ (Offb 7,14). So begann Papst Johannes Paul II. seineAnsprache bei der Seligsprechung von Edith Stein in Köln 1987.Edith Stein führte mich zu ihrer Lehrerin und ihrem großen Vorbild: Teresa von Àvila.Als ich von ihr las, war ich von ihr gefesselt, und das hat sich bis heute nicht verändert.Teresa von Àvila war mit Gott eins geworden. Sie hat sich ganz und gar hingegeben, umvon Gott neu erschaffen zu werden. Sie war am Ende ein Wesen, das den menschlichenZustand zum Höchstmöglichen verfeinert und vergöttlicht hatte. Das ist der Zustand,der für uns Menschen auf Erden erreichbar ist. Es ist der sprichwörtliche Himmel aufErden.Vom weltlichen Blickpunkt her betrachtet, ist Teresa durch und durch Frau, eineerleuchtete Frau. Sie ist stark, intelligent, humorvoll, sinnlich, leidenschaftlich undhingebungsvoll. Irgendwie fand ich mich selbst in ihr. Alles und nichts, niemals aufeiner Welle mitschwingend, sondern immer obenauf und zuvorderst, eigentlichungewollt, irgendwie getrieben durch die eigene Kraft und die Kraft der Menschen, mitderen Seele ich verbunden bin; trotzdem in absoluter Treue und Demut und Hingabe vordem Einen, der mein ganzes Leben ausmacht: Gott. Teresas Schriften faszinierten mich!Ich fasste den Mut, auch in der heutigen Zeit eine starke, kraftvolle, hingebungsvolle,leidenschaftliche und fröhliche Spiritualität zu leben und mich zu meiner eigenen 7
  • Mystik zu bekennen. Ich möchte meinen Mitmenschen mit meiner Liebe zurunendlichen Liebe dienen. * „Erhalte mich so liebenswert wie möglich. Ich möchte keine Heilige sein – mit ihnen lebt es sich so schwer – aber eine alte Griesgrämin ist das Krönungswerk des Teufels.“ (Teresa von Àvila) * 8
  • I. Absolutes Vertrauen - UrvertrauenWas bedeutet das absolute Vertrauen, und wie erhalte ich es?Das allumfassende, unwiderrufliche und unzerstörbare Vertrauen ist das Urvertrauen desMenschen, das in unserem Stammhirn angelegt ist. Es ist die angeboreneHingabebereitschaft eines Menschen an seinen Schöpfer und an seine als Geschwistererkannten Mitmenschen. Wir müssen das Urvertrauen jedoch – im Gegensatz zu dem imUnterbewusstsein verankerten Ur-Instinkt – in unserem Bewusstsein mental aktivieren.Es hängt eng mit der Lebensenergie, der Lebensbejahung und der Sexualkraftzusammen. Ein energetischer, kraftvoller Mensch, der gern lebt und immer wieder Jazum Leben sagt, besitzt das Urvertrauen. Fehlt dieses Urvertrauen, fehlen auch die Ur-Lebensenergie und die Lebensbejahung, und er muss sich immer wieder von außen dieKraft zum Leben verschaffen.Die Aktivierung des Urvertrauens geschieht gemäß der Tiefenpsychologie während desersten Lebensjahres eines Kindes. Meiner Erfahrung nach wird der Samen hierfür schonbei der Zeugung gelegt: Ein willkommenes und in tiefer Liebe und Hingabe gezeugtesBaby wird immer ein geliebtes Kind sein; in dieser Liebe steckt oftmals eine jahrelangeSehnsucht nach einem Kind und die grenzenlose Freude, wenn es endlich geklappt hat.Diese Gefühle der Sehnsucht, der Freude und der Liebe sind Energien, die sich niemalsauflösen, sie bleiben im Herzen der Eltern gespeichert und übertragen sich auf ihr Kind;dieses wird sein Leben lang vertrauen und lieben können, weil es dieses Vertrauen unddiese Liebe in sich selbst trägt.Daher ist dieses Vertrauen auch unwiderruflich und unzerstörbar. Es kann durch einestarke Enttäuschung kurzfristig erschüttert werden – aber es wird niemals ausgelöscht!Denn es wird immer wieder durch die Liebe zu Gott genährt, und diese Liebe zu Gottlässt uns durch Seine Tröstungen jede Enttäuschung verarbeiten, vergeben undvergessen.Ein Zufallsprodukt der Eltern wird diese tiefe Liebe niemals kennenlernen; natürlichwird es auch geliebt, aber es ist eine andere Form, die diesen Samen des Urvertrauensnicht beinhaltet. Meine gute Nachricht an alle „Zufallsprodukte“: Gott hat gewollt, dassSie gezeugt wurden! Er hat Ihre Eltern zusammengeführt. Sie sind in dem LebensbuchIhrer Mutter und Ihres Vaters eingeschrieben. Wenn Sie auch nicht geplant waren: ImUnterbewusstsein, tief verborgen, wussten es Ihre Eltern.Wenn es nun nicht ganz reichte zum Urvertrauen; das Vertrauen können Sie in jedemAlter neu erlernen und üben. Sie werden vielleicht nie Ihr Misstrauen völlig verlieren,aber letztendlich kann Sie das auch vor manch einer Dummheit bewahren.Am besten erlernen Sie das Vertrauen, indem Sie an Gott glauben. Ihm können Siebedingungslos vertrauen. Dann glauben Sie an sich selbst, und nach und nach öffnen Siesich für andere gläubige Menschen. Sie werden immer die Erfahrung machen, dassdiese Menschen es ernst meinen mit Ihnen und Sie von ihnen nicht betrogen werden.Natürlich gilt bei allen Menschen: Sie kommen und gehen in unserem Leben. Wenn Siesich an jemanden klammern, ist es kein Betrug, wenn dieser Mensch sich zurückzieht.Vertrauen heißt, dem Anderen die Freiheit zu geben, sein eigenes Leben zu leben. Es 9
  • wird sich nur so weit mit Ihrem Leben überschneiden, wie Gott es für Sie vorgesehenhat bzw. wie Sie beide es brauchen, um sich zusammen zu entwickeln.Blicken Sie vertrauensvoll in die Zukunft, auch wenn Ihre Lebenssituation unsicher ist.Glauben Sie an Gott, dann wissen Sie: Er hilft Ihnen, Sie können in das kalte Wasserspringen. Das bedeutet Leben mit der Vorsehung. Sich dem Strom des Lebenshinzugeben und zu sagen: – „Vielleicht stehe ich an einem Wendepunkt des Lebens.“ – „Vielleicht sollte ich diesen Arbeitsplatz verlieren, weil irgendwo ein besserer auf mich wartet.“ – „Vielleicht sollte ich diese Krankheit durchmachen, um daraus zu lernen und in meinem Leben zu wachsen.“ – „Vielleicht sollte ich gar nichts verlangen, sondern einfach nur geschehen lassen!“„Du lässt dich also einfach so treiben und entscheidest nicht selbst?“, werde ichmanchmal gefragt. Nein, ich lasse mich nicht treiben. Ganz im Gegenteil. Ich lebeachtsam, aufmerksam, bewusst, hinschauend und einfühlend, intensiv, konzentriert aufalles, was ich tue und andere um mich herum tun. Ich beobachte, öffne mich, lasse eszu, gebe mich hin; ich vertraue und weiß, es ist gut so, hier ist alles in GöttlicherOrdnung. Das ist die Freiheit, die ich meine.Sobald ein Mensch eigenmächtig seinen Lebensweg beschreitet, schlägt er seinLebensbuch zu, das von Gott geschrieben ist, und öffnet sein eigenes, in dem er seinenfreien Willen austoben kann, den Gott ihm ebenfalls zur Verfügung gestellt hat. Das istdas Buch der Umwege. Er ist frei, unzählige Umwege zu gehen, keine Frage. Aber es istnicht sein Leben. Wir dürfen Entscheidungen treffen und Konsequenzen ziehen, wirdürfen die Welt auf den Kopf stellen und jeden Tag beginnen, als wäre es der erste Tagunseres Lebens. Hauptsache, wir sind mit Gott verbunden und wissen, es ist unser Buchdes Lebens. Dafür übernehmen wir natürlich auch die Verantwortung; wir nehmen esan.Stellen Sie sich vor: Gott kennt jedes einzelne Haar auf Ihrem Kopf – also kennt Erauch schon den nächsten Schritt in Ihrem Leben. Er kennt Ihren nächsten Chef, Ihrenächste Wohnung, Ihren Lebenspartner, und Er weiß, wie Ihr Kind aussehen wird. „Ersah alles an, was Er gemacht hatte, und siehe da, es war sehr gut“ (Buch Genesis 1,31).Und Sie wissen: Die Schöpfung wurde niemals beendet. Gott erschafft tagtäglich unserLeben neu. Deshalb schaut Er sich immer wieder alles an, was Er geschaffen hat, und Erwird immer wieder alles für gut befinden.Vorausgesetzt, wir bringen Ihm das, was wir von Ihm erhalten haben, immer wieder dar,sozusagen zur Inspektion. „Schau mal nach, passt das noch zu meinem heutigen Lebenoder müssen wir etwas daran verändern?“ Lassen wir ständig die Energien fließen,damit sich alles unserem Lebensweg anpassen kann, und machen wir nie den Fehler,uns, auf die faule Haut legend, zu denken: „Jetzt bleibt alles so, wie es ist.“ Das ist einegefährliche Illusion. So wie sich jede Zelle in unserem Körper ständig verändert, somuss sich auch alles um uns herum verändern und anpassen. Dafür sorgt Gott, solangewir Ihn arbeiten lassen, denn Er hat den großen Netzplan schon längst fertiggestellt undaktualisiert ihn ständig. So ist es wichtig, uns nicht zu sehr auf die „Rat-Schläge“ 10
  • unserer Freunde und Bekannten oder der vielen professionellen Lebensberater zuverlassen.Auch ich habe schon viele Menschen begleitet. Dabei achte ich darauf, Sie alsHilfesuchende nicht zu beeinflussen. Die als Coaching bezeichnete lösungs- undzielorientierte Begleitung ist ideal. Dabei richte ich mich nach Ihrer Seele. Was brauchtIhre Seele, wohin zieht es Ihr Herz? Das sagt mir Ihr Unterbewusstsein, und ich helfeIhnen dabei, die Botschaften Ihrer Seele wahrzunehmen, sie zu respektieren und IhreWünsche in die Realität umzusetzen.Sie sehen es in der Natur: Sobald der Mensch eingreift, gerät die Natur aus demGleichgewicht. Löscht er eine Tierart aus, hat das immense Auswirkungen auf diegesamte Tierwelt. Besprüht der Landwirt seine Felder, um das Unkraut fernzuhalten,tötet er damit die Wildpflanzen ab, die den Insekten als Nahrung dienen, die Vögelbleiben weg und so weiter. Sobald wir beginnen, ohne Anbindung an Gott unsereneigenen Kopf durchzusetzen, bringen wir nicht nur uns selbst aus der Balance, sondernauch unsere Umwelt, denn wir sind keine Einzelwesen.Es überträgt sich auf unsere direkte Umgebung und zieht immer weitere Kreise.Entscheiden Sie sich für eine neue Arbeitsstelle, beeinflussen Sie damit Ihre kompletteFamilie, und Sie mischen sozusagen die Karten neu für Ihre Zukunft und die ZukunftIhrer Familie, Ihrer Freunde, Ihrer Kollegen und wiederum deren Zukunft – und so gehtes endlos weiter. Verlassen Sie sich auf Ihre innere Stimme, die von Gott kommt, undseien Sie bereit für alles Kommende. Er kennt Ihren Plan, in dem nicht nur Sie, sondernalle anderen Menschen eingebunden sind.Nun, da Sie sicher nicht in einer Zeitschleife hängen und Ihr Leben wiederholen könnenwie der Schauspieler, der in dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ täglichdieselbe Szene erlebt, bis er durch seine Selbsterziehung ein besserer Mensch wird undeines Morgens endlich einen neuen Tag erreicht hat, wird es also von Ihnen abhängen,wie Sie wieder auf Ihren Lebensweg zurückkommen zu Ihrem Buch des Lebens, in demgeschrieben steht, dass Sie an einem bestimmten Tag eine bestimmte Personkennenlernen oder einen neuen Arbeitsplatz finden werden, was Ihr Leben in einebestimmte Richtung weiterführen wird. Diese Ereignisse warten schon auf Sie.Welche Personen hat Gott wohl in Ihr Buch des Lebens hineingeschrieben? Denken Siean Situationen, die irgendwie besonders waren, wo Sie spürten: Jetzt hat Gott gerade dieWeichen gestellt für einen wichtigen, neuen Lebensabschnitt. Als Sie beispielsweiseIhren Partner kennenlernten. Da spürten Sie vielleicht: Sie haben nicht einfach auf einenMenschen gewartet, sondern auf diesen Menschen, auf diese Seele. Sie haben sich Ihrganzes Leben lang unbewusst gesucht, bis Sie sich jetzt gefunden haben.Wie alt waren Sie, als die wichtigsten Menschen in Ihr Leben eintraten bzw. als sich IhrLeben veränderte? Es gibt den bekannten Siebener-Rhythmus in unserem Leben, dasheißt bestimmte Perioden, die in sieben Lebensphasen unterteilt werden können, und indenen sich Gravierendes verändert. Jede Lebensphase ist mit einer bestimmten Periodegekoppelt: 11
  • 0 – 7 – Kleinkind 7 – 14 – Kind 14 – 21 – Pubertät/Schulabschluss 21 – 28 – Studium/Familienplanung/Beruf 28 – 35 – Beruf/Karriere/Familie 35 – 42 – Berufsausübung 42 – 49 – Das war noch nicht alles 49 – 56 – Das Leben neu ordnen 56 – 63 – Die Saat des Lebens ernten 63 – 70 – Rentenalter/Weise und gelassen werdenDer Rest hängt davon ab, wie Sie sich Ihr Leben vorgestellt haben. Sprachen Sie ständigvon dem Lebensabend ab 65 Jahren, wird es auch schnell Abend werden, und Siewerden sich so fühlen. Dachten Sie: „Ich werde früh sterben“, wird es auch so sein. Siewerden leben, als seien Sie schon tot. Nahmen Sie es eher gelassen, können Sie auchgelassen hundert werden. In unserem Buch des Lebens steht die Endzahl unseresLebens geschrieben. Wie wir diese erreichen, ob wir uns bis dahin jung fühlen oder altund verbraucht, ob wir gesund bleiben oder krank sind, das bestimmen wir durch unsereGedanken. Für diese Lebensphasen sind die Weichen gestellt und die Eckpfeiler gesetzt.Natürlich können wir wählen! Wenn wir nicht vergessen, dass wir aus Körper, Geist undSeele bestehen, ist alles in Ordnung. Dann tut der Verstand nichts, was er nicht mit derSeele abgesprochen hat. Und diese Seele ist verbunden mit Gott. Im Idealfall sind Siemit Jesus Christus eins. Im Idealfall schwebt der Heilige Geist über Ihnen. Solangedieser Idealfall noch nicht eingetreten ist, wird Ihre Seele es Ihnen zeigen. Durchsogenannte Schicksalsschläge, Pechsträhnen oder auch durch Krankheiten. Dann habenSie wieder die Chance, zu Gott zu finden und sich von Ihm finden zu lassen. Sie habendie Chance, Jesus zu finden und Maria – Gott ist sehr einfallsreich, wenn es darum geht,Ihnen Seine Helfer zu schicken. Vielleicht bin auch ich Ihr Helfer mit diesem Buch.Nun sind wir wieder bei den Personen Ihres Lebensbuches angelangt. Denn auch siesind die Göttlichen Helfer. In meinem Lebensbuch gibt es einige wichtige Helfer. Untereinem Helfer verstehe ich einen Menschen, der uns im Positiven hilft. Manche helfenauch, indem sie nichts tun, weil wir dann wieder auf uns selbst reduziert werden.Allerdings gibt es auch Menschen, die uns aufrütteln, die uns auf den ersten Blickschaden, was – im Nachhinein gesehen – uns wieder auf den richtigen Weg bringt. Alsosind sie auch Helfer, aber eben Menschen, an die wir nicht so gern zurückdenken unddenen wir auch vergeben müssen, bevor wir überhaupt weiterkommen. Diese Helferstehen nicht im Buch des Lebens. Sie stehen in den „Hilfsbüchern“, die wir für unseremöglichen Umwege geschrieben haben. Sie helfen uns auf dem Sprung in unser Buchdes Lebens zurück.Überlegen Sie einmal, wer Ihnen in Ihrem Leben sehr geschadet hat, wer Sie sehrverletzt hat – und was hat sich daraus ergeben, wie hat sich Ihr Leben dadurchverändert?Viele Menschen haben einen einzigen großen Umbruch in ihrem Leben. Dieser wirdmeist durch eine Krankheit oder Leid ausgelöst, wonach sich das Leben mehr oderweniger stark verändert. Nach meiner Erfahrung, nach tausenden von Beratungen,geschieht das überwiegend um das 42. und um das 49. Lebensjahr – und das ist dann die 12
  • letzte Warnung. So war es bei mir. Ich war 48 Jahre alt, als ich Gottes Geduld genugstrapaziert hatte und Er mich packte. Meine damals vierzehnjährige Tochter und ichlebten zusammen mit unserem siebenjährigen Hund, einem fröhlichen und klugenBordercollie namens Timmi, und diesem Hund verdanke ich mein jetziges Leben. Ergab seines dafür hin.Mehr möchte ich dazu nicht erklären. Es genügt zu wissen, warum es so kam: Ichbefand mich nicht auf meinem Lebensweg, hatte meinen Heilsweg nicht im Blick. Dennschon in jungen Jahren hatte ich Gott aus meinem Leben verbannt in der Annahme, Erschicke mir zu viele Katastrophen in meine Familie, zu viele Verluste; alle starben sieoder zogen sie weg. Und was das Schlimmste war: Irgendwie fühlte ich mich schuldig,ahnend, dass mit meinen Energien etwas nicht stimmte. Ständig hatte ich zu vieledavon. Nicht in Form von Kraft in meinen Muskeln, sondern diese Energie, die mannicht benennen kann, die aber innerlich zu spüren ist und ständig brodelt wie einVulkan. Ich wusste nur, ich zog die Menschen an, die nicht mehr lange zu leben hatten;Menschen jeden Alters.Wer sein Leben mit einer Nahtod-Erfahrung beginnt, erfährt eine tiefe Prägung Gottes.So geschah es bei meiner Geburt. Gott zeigte mir an einem Sonntagnachmittag,pünktlich um 15 Uhr zur Marienstunde, Sein Licht und beförderte mich ins Leben, umdas meine Eltern mit der Hebamme zu Hause kämpften und das der Rest meiner Familiein der Kirche erflehte. Dieses Licht, das ich damals nicht bewusst erlebte, das sichjedoch tief in mein Unterbewusstsein einprägte, suchte ich mein Leben lang und fand esbei meiner Firmung wieder. Da erleuchtete mich der Heilige Geist noch einmal, und eswar um mich geschehen.Vielleicht war dieses tiefgreifende Geburtserlebnis auch der Grund, dass ich als Kind inSachen Gott und Evangelium eine Art Wunderkind war. Ein evangelisches Wunderkindwohlgemerkt! Dank meiner katholischen Familie mütterlicherseits wurden auch dieEngel und Heiligen in mein Leben integriert. Woher kam aber meine Bibelfestigkeit? Esgab keine Bibelstelle, die ich nicht kannte und zitieren konnte; natürlich mit Angabe desVerfassers, des jeweiligen Kapitels und allen Querverweisen. Die Religionslehrer undPfarrer beanspruchte ich sehr, indem ich darüber ständig mehr erfahren und diskutierenwollte.Denn damals schon war mir bewusst: Das kann doch nicht alles gewesen sein, da musses doch noch mehr geben. Ich las und lernte und diskutierte; aber niemand sprach überdie Liebe Gottes, niemand erreichte mein Herz. So ging das weiter bis zu meinerKonfirmation, – der Pfarrer überreichte mir die Hostie und den Wein – und irgendwiewar es vorbei. Der Heilige Geist wollte die große Flamme in mir noch nicht entzünden,er beließ es bei der kleinen, die seit der Geburt in mir glimmte. Er zog es vor zu warten.Wohl wissend, dass ich meine „Lebenserfahrung“ auch allein machen könnte.Selbstständig, im Alleingang, immer alles wissend, alles könnend, mit großer Klappeund wehenden Fahnen durchs Leben schreitend und nicht wenige Spuren vonVerwüstung hinter mir lassend. Das hielten nicht viele Menschen aus! * „Ich bin ein Weib und obendrein kein gutes“ (Teresa von Àvila) * 13
  • So wandelte ich weitere 35 Jahre ohne Gott durchs Leben, voller Vertrauen in michselbst – ich besitze das Urvertrauen, das ich schon anfangs erwähnt habe. Gott war mitSicherheit da, aber ich machte mir über Ihn keine Gedanken. Ich hatte auch immerausgesprochenes Glück. Es war natürlich nicht einfach Glück, es war die Fügung Gottesund mein Können, dass ich in namhaften deutschen Firmen arbeitete – bzw. ich erlebtederen Umbrüche – und zwischendurch ein Mal nach Paris und ein zweites Mal in dieBretagne auswanderte, um nach jeweils einem Jahr wieder nach Deutschlandzurückzukehren mit der Erkenntnis: Das französische Essen wird auch nur mit Wassergekocht, und in Deutschland lässt sich besser arbeiten. Der Trend setzte sich fort: Woauch immer ich hinging, traf ich auf Menschen und Situationen, die sich im Umbruchbzw. kurz davor befanden. Gott wollte mir einfach nicht erlauben, mich irgendwobequem niederzulassen. Ständig befand ich mich in einer Übergangssituation und wardie Fachfrau für das Krisenmanagement in jeder Hinsicht. Und wenn keiner mehrweiterwusste, lief ich zur Höchstleistung auf.Vor sieben Jahren war es also so weit, mein Schicksal hatte zugeschlagen. Vor derWende kam eine Herausforderung, die ich bisher nicht gekannt hatte: Ich musste demMenschen vergeben, der die größte Krise meines Lebens verursacht hatte, als er unserenHund Timmi tötete. Ganz allmählich gelang es mir. Gott ließ mich meine eigeneVerantwortung erkennen und annehmen. Damit konnte ich diesen Groll aus meinerSeele entfernen. So bereitete ich den Weg für die Menschen, die meine Kräfte spürtenund in die richtigen Bahnen lenkten. Mir darüber klar werdend, was in mir steckt,erkannte ich Gott. Noch nicht ganz, aber ich wusste: Das bin nicht ich, die Menschenheilen, Flüche von Häusern weg beten, Stürme umleiten und sonstige unerklärlicherscheinende Dinge tun kann – das ist Gott.Mein erstes wirksames Vaterunser betete ich mit einer Frau, die ebenfalls vieleCharismen des Heiligen Geistes besaß. Sie wurde oftmals um Hilfe gebeten, wennMenschen, Tiere oder Besitztümer unter einem Fluch standen, was sich durch ständigwiederkehrendes Unglück zeigte. Ich befand mich in ihrer Nähe, als ein telefonischerHilferuf einer Familie sie erreichte: Wieder einmal stand eine Scheune in Flammen!„Monika, komm, wir beten“, befahl sie. Ich fragte nicht, zweifelte nicht, zögerte nicht;ich setzte mich zu ihr und betete nach 35 Jahren mein erstes Vaterunser. Und noch eines.Und ein drittes Mal. Ich erinnere mich heute noch daran, wie eine große Kraft in miraufstieg und an das Mitgefühl – nicht nur mit dieser Frau, die mich einfach miteinbezogen hatte, wohl ahnend, dass Gott in mir diesen Samen zum Keimen gebrachthatte und dieser gerade dabei war zu sprießen, sondern auch mit diesen gepeinigtenMenschen und ihren in Lebensgefahr schwebenden Tieren. Nach einer Stunde beruhigtesich die Situation. Die Feuerwehr hatte das Ihre getan, und der Feuerteufel war von Gottbesiegt worden, dessen waren wir uns gewiss! 14
  • „Das war alles?“, dachte ich damals. „Einfach nur das Vaterunser beten? Das kann ich!Wenn es mehr nicht ist, das kann ich!“ Es war damals nicht mehr als beten. Auch heuteist es nicht mehr als beten. Es ist das Gleiche auf verschiedenen Ebenen mit einergroßen Liebesgeschichte mit Gott dazwischen. * „Hätte ich früher erkannt, dass der winzige Palast meiner Seele einen so großen König beherbergt, dann hätte ich Ihn nicht so häufig allein gelassen.“ (Teresa von Àvila) * 15
  • II. Die VorsehungJoh 1,1.14: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott und Gott war dasWort. ... Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen SeineHerrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnadeund Wahrheit.“ Zuerst war die Stille. Jesus Christus existierte zuerst als Gedanke Gottesund als Sein Wort in Seiner Vorsehung, in Seinem Plan. Als die Zeit reif war, wurde dasWort zu Fleisch, und Jesus kam als unser Erlöser auf die Erde. Erlösung bedeutetErleuchtung. Durch Ihn können wir das Licht Gottes durch uns leuchten lassen undselbst zu einem Licht Gottes werden.Wie auch wir im Anfang in der Stille Gottes Sein Wort, Sein Gedanke waren, so gehenauch wir in die Stille und erschaffen mit unseren Gedanken und unseren Worten Neues.Wir sind die Erschaffer und Erhalter unserer Gesundheit. Unsere destruktiven Gedankenlassen unseren Körper erkranken. Sie führen zu einem destruktiven Leben. Unsereliebevollen, zukunftsweisenden Gedanken erschaffen ein Leben in Gesundheit undWürde. Liebe erschafft Liebe. Es liegt einzig und allein an uns selbst, was wir ausunserem Leben machen. Wenn wir den Sinn des Lebens nicht begriffen haben, werdenwir es zu erleiden haben. Der Sinn des Leidens ist Leid. Es ist nicht Gott. Er hältunseren Plan mit einem groben Raster in Seiner Hand.Der Kern allen Seins sind Sein Licht und Seine Liebe; Gott ist die Freude und die Fülle– für alle Zeit. Wir dürfen durchaus schon in diesem irdischen Leben Seine Gabengenießen, denn nur in diesem Augenblick leben wir ganz bewusst. Die Vergangenheit istvorbei, die Zukunft liegt vor uns; nur in der Gegenwart geschieht jedoch das Gewahrsein, die Achtsamkeit, und nur jetzt leben wir bewusst und eigenverantwortlichhandelnd.Warum hat Gott uns diese wunderschöne Erde geschenkt, wenn nicht für dieses Lebenim Hier und Jetzt? Also sollten wir sie auch annehmen. Achten wir auf die Erhaltungdieser Erde. Achten wir auch darauf, uns mit Seinen Gaben zu entwickeln und sie nichtin einem oberflächlichen Leben zu missbrauchen. Wir leben mit Körper, Geist undSeele in diesem Leben im Hier und Jetzt. So wie wir es wollen. Wenn wir mit Gottvollkommen eins und uns dessen bewusst sind, können wir dieses Denken und Handelnwiederum gänzlich Ihm überlassen. In der Gewissheit, gemäß Seines Heilsplans inLiebe und Fülle zu leben.Das ist Seine zuvorkommende Gnade und die Mitwirkung des freien Willens dervernunftbegabten Geschöpfe, wie der Begriff Vorsehung laut Wikipedia beschriebenwird: „Eine höhere Macht, die das Schicksal der Menschen und den Lauf derWeltgeschichte beeinflusst“. – „Die Vorsehung ist der allmächtige und allwissende Gott,insofern Er den Verlauf des Welt- und Heilsgeschehens ordnet und schon im Vorausweiß. Dies kann auf verschiedene Weise geschehen: gemäß der Naturgesetze, durchWunder, durch zuvorkommende Gnade, durch Mitwirkung mit dem freien Willen dervernunftbegabten Geschöpfe oder durch Zulassung der Sünde, die aber jedes Mitwirkenausschließt. ...“Die Vorsehung brachte mich in die Altstadt nach Limburg an der Lahn zum Katholischwerden. Dieses Ziel verfolgte ich, ohne mir auch nur irgend einen Gedanken darüber zu 16
  • machen; einfach wissend, so muss es sein! Ich wusste bereits das ganze Jahr davor, eswürde im November 2008 signifikant weitergehen in meinem Leben. Schon imSeptember zeichnete es sich ab, dass es Limburg an der Lahn sein würde.In dem Kapitel Maria beschreibe ich, wie ich die Wohnung in Limburg gefunden hatte.Einfach so, ich wurde hingeführt; zwei Minuten nach dem Gebet zu Maria im Dom zuLimburg stand ich vor dem Haus in der kleinen Straße, die zum Dom führt, und imNovember zog ich ein. Ich hatte kaum Möbel, das war auch gut so, denn in ein 550Jahre altes Fachwerkhaus passen nicht viele Möbel hinein. Dafür hatte ich meineHeiligenfiguren, und das Haus selbst strahlte eine heilige Atmosphäre aus.Es war für mich das Beste zu dieser Zeit. Denn es führte mich auf dem geraden Wege zuGott. Ihn besuchte ich im Dom, täglich mehrere Male. Nicht nur während derGottesdienste, nein, auch zwischendurch. Dieses Gotteshaus zog mich magisch an. Esgab Momente, in denen ich förmlich die Energie spürte, die mich auf den Domberghinauf zog, bei Tag und bei Nacht. Gott zog mich, Er wollte mich in Seiner Kirchehaben!Ich verbrachte im Jahr 2008 ein wunderschönes Weihnachtsfest sowie denSilvesterabend im Dom. Im Januar 2009 erlebte ich das erste Pontifikalamt, und es warum mich geschehen: In der Liturgie war eine große Kraft, ich sah bei geschlossenenAugen ein tiefes Lila, das die höchste Spiritualität anzeigt; die Gebete gingen durch unddurch, und der Domchor sang fast unerträglich schön.Von unerwarteter Seite her sandte Gott mir noch einen Helfer: Johannes. Sein Leben liefnicht wie geplant, und als er aus Berlin anrief und mir berichtete, er sei gar nichtglücklich, war meine Antwort: „Komm doch nach Limburg!“ Am nächsten Tag war erda und wurde mein Mitbewohner. Ich hatte Johannes schon im vorigen Jahr die Vorzügedes Vertrauens in Gott gelehrt. Er kannte dieses Denken sehr gut, er stammt aus einersehr katholischen Familie mit zwei Priestern. Eigentlich hätte Johannes auch Priesterwerden sollen, er übte schon als Kind fleißig im Sandkasten und verteilteselbstgebackene Hostien an die entzückten Nachbarinnen – aber als es soweit war, zoger die Bretter der Welt dem Altar in der Kirche vor. Nun, diese Zeit war nun auch vorbei– und so erinnerte ich ihn mit meiner neu entdeckten Leidenschaft für Gott und dieKirche an seine eigene Vergangenheit als Katholik. Nun war es an ihm, mich etwas zulehren, und das tat er dann auch.„Du willst katholisch werden?“, lachte er, „dann lass uns üben.“ Er holte einGebetsbuch hervor und begann mit dem Unterricht: „Gegrüßet seist Du Maria, voll derGnaden. Der Herr ist mir Dir. Du bist gebenedeit unter den Weibern...“ – „Was?!?“, riefich, „gebenedeit unter den Weibern! – was heißt das denn?“ – „Na, gesegnet unter denFrauen, heißt das“, erklärte Johannes. „Ja aber solche Worte habe ich noch nie gehört,das kann ich mir auch nicht merken!“ Nein, das begeisterte mich nun gar nicht. Ichwollte lieber etwas anderes. Johannes war es recht. Er besuchte mit mir denGottesdienst im Dom. Ich wollte mich auf den Stuhl setzen, aber er klappte dasFußbänkchen, jedenfalls das, was ich als solches ansah, nieder und befahl: „Knie dich!“Ich tat es; oh, und es tat weh. „Das ist zu hart, das kann ich nicht!“, protestierte ich.„Wenn du katholisch werden willst, musst du knien“, war sein Kommentar. Und erdrückte mich auf die Bank. So kniete ich und murrte vor mich hin. Das hatte ich miranders vorgestellt. 17
  • In der Messe wurde ich entschädigt. Jetzt passte Johannes auf, dass ich mich katholischbenahm. Aufstehen, setzen, aufstehen, knien, singen, beten, nochmals knien; eine sehrsinnliche Erfahrung. Es war nicht langweilig: viel Bewegung, der Weihrauch duftete,wunderschöne Eindrücke durch die Orgelmusik und den Chor, und die Priester sahen inihren Gewändern auch gut aus. Ich lernte: Katholisch ist man mit Körper, Geist undSeele und mit viel Liebe im Herzen!Es dauerte jedenfalls nicht lange, da wusste ich: Ich wollte nicht mehr nichts sein, ichwollte nun wirklich katholisch sein und dazugehören! Und vor allem wollte ich endlichzur Kommunion gehen. Ich meldete mich im Dompfarramt an, absolvierte einigeVorbereitungsgespräche, und am 25. Juni 2009 hatte ich mein erstes Etappenzielerreicht: meine Firmung. Johannes war mein Firmpate. Er schwärmt heute noch davon,wie ihm die Haare zu Berge standen durch die Kraft und Energie, die der Heilige Geistdurch den begnadeten Priester über uns ausschüttete.Als ich endlich gefirmt war, ging es richtig los. Jeder Gottesdienst in der Pfarrgemeinde„St. Georg“ war mein Gottesdienst. Grob geschätzt, besuchte ich im Folgejahr etwasiebenhundert Mal die Gottesdienste, im Schnitt zwei Mal pro Tag: Die alltäglicheMorgenmesse, die Frauenmesse, die Abendmessen unter der Woche, Freitagabend denökumenischen Gottesdienst, den ich bald wegen der vermissten Leidenschaft aufgab –selbst der Abschlusssegen war mir nicht stark genug; und alle vierzehn Tage die Messeim Lateinischen Ritus, die mich ganz stark berührte. „Die Seele erinnert sich“, schreibtder Papst dazu. Ja, meine Seele erinnerte sich sehr gut, und zuerst einmal war ich soberührt von dieser Art des Zelebrierens, dass es mich schier innerlich zerriss. Vielleichtlag es auch an dem wunderbaren Priester, denn auch seine ganz normalen Messenmorgens im Dom hatten diese Wirkung. Kaum war er zugegen, war Jesus auch da, undzu dieser Zeit hatte ich eine ganz heftige Zeit der Reue, dass ich Ihn so lange alleingelassen hatte. Am Wochenende besuchte ich die Vorabendmesse am Samstag sowie dasHochamt und die Abendmesse am Sonntag. Da kam schon etwas zusammen!Zwischendurch Vesper und Andacht des Allerheiligsten und Rosenkranz und Kreuzwegbeten und einmal im Monat die Marianische Messe in einer kleinen Kapelle imWesterwald, die sich bis zu vier Stunden lang hinzog. Dabei segnet der Priester miteiner kleinen Monstranz jeden Einzelnen – das hatte etwas ganz Besonderes! (Für alleNicht-Katholiken: Eine Monstranz (v. at.: monstrare, „zeigen“) ist ein kostbares, mitGold und Edelsteinen gestaltetes liturgisches Schaugerät mit einem Fensterbereich, indem eine konsakrierte Hostie zur Verehrung und Anbetung ausgesetzt wird.)Ich konnte nicht genug bekommen. Das Katholische zog mich in seinen Bann, und ichwusste nicht mehr, wie mir geschah. Ich vollzog eine komplette innerliche Wandlung:Sünde, Reue, Buße, Sühne, Vergebung; mein Innerstes wurde nach Außen gestülpt undwieder nach innen verwandelt. Wobei die Freude nicht zu kurz kam! Ebenso konnte sichmeinen damals noch vorhandener Hang zur Theatralik und Leidenschaft vollendsentfalten. „Johannes! Was glaubst du, wie schön es wieder war! Die Orgel, die Musik,der Chor!!!“ So kam ich oft sonntagmittags nach der Heiligen Messe aus dem Dom.Oder ich war gänzlich in mich gekehrt und unansprechbar, weil mich die Predigt nochbeschäftigte.Niemals werde ich meine erste Anbetung der Monstranz mit anschließender Segnungvergessen: Ich war vollkommen aufgelöst, tränen überströmt, schluchzend, zitternd,bebend, ich dachte, mein letztes Stündlein habe geschlagen. Als es mir gelungen war, 18
  • einigermaßen gefasst den kurzen Weg nach Hause zu gehen, war ich nicht in der Lage,darüber zu berichten. Vollkommen aufgelöst saß ich bei Johannes und beruhigte micherst nach einem doppelten Cognac. Heute weiß ich: Meine Seele hatte Gott gesehenund geriet außer Kontrolle. Diese Zustände wiederholten sich bei jedem Anblick derMonstranz aufs Neue und ebbten nur langsam ab. Es war ein Zustand der Ekstase, wiees die Heilige Teresa von Àvila in „Die Innere Burg“ beschrieb. Eine Ekstase ist nichtimmer ein glücklicher Zustand, er kann auch das absolute Gegenteil sein.Selbst als die Zeit der Euphorie vorbei war und ich wieder klar denken konnte, bliebdiese Leidenschaft für das Katholische bestehen. Ich kritisierte vieles, ich hätte gernvieles geändert, und des öfteren wollte ich alles wieder hinwerfen, weil ich denEindruck hatte, es bewegt sich nichts, da bin ich am falschen Ort! Um die Pfingstzeit2010 blieb ich fünf Wochen der Kirche völlig fern, um wirklich zu prüfen, was nochBestand haben würde und was nicht. Und es war alles wieder wie gehabt! Im Gegenteil,ich war mir darüber im Klaren, dass ich nur durch die Liebe geführt wurde, es warnichts als die Liebe zur unendlichen Liebe, die sich in mir entwickelte, die Kirche alsInstitution hatte keinen Einfluss darauf. Wobei ich auch immer die Liebe zu dieserInstitution aufrecht erhielt, es war die Demut und die Dankbarkeit, dass man mich mitoffenen Armen aufgenommen hatte. Und ich bin mittlerweile felsenfest davonüberzeugt, dass die Kirche – ich spreche von der Weltkirche, nicht nur von derkatholischen Kirche, obwohl ich diese für mich persönlich bevorzuge – von Gott/demHeiligen Geist geschaffen wurde und immer wieder von Ihm aufgefangen werden wird,sonst hätte sie die letzten 2.000 Jahre sicher nicht überlebt. * „Wenn es im Himmel viele Wohnungen gibt, so gibt es auch viele Wege, um dorthin zu gelangen.“ (Teresa von Àvila) *Leben mit der Vorsehung – ein Leben in Freude und HingabeDie Hingabe an Gott macht froh. Diese Freude kommt aus meinem Herzen. Es ist dieFreude der Gläubigen. Schauen Sie die wahrhaft Gläubigen einmal genauer an: Wirstrahlen innerlich. Wir mögen genau so viele Falten haben wie alle anderen auch, aberdas stört nicht. Wir senden ein Licht aus, es ist das Göttliche Licht. Je größer dieSpiritualität – darunter verstehe ich den gelebten Glauben – desto größer wird dieempfundene und gelebte Freude.Manchmal ist es nicht zu ertragen für andere, ich gebe es zu. Allerdings ist der Missmutauch für mich schlecht zu ertragen. Und die aufgesetzte Fröhlichkeit derSpaßgesellschaft hat sich schon längst als Geißel der Menschheit erwiesen. Dieseunerträgliche Leichtigkeit des Seins. Sie überkommt jene, die keine Anbindung an Gotthaben. In nicht allzu weiter Ferne wird es kippen. Dann werden sie sich nicht mehrhalten können.Der tschechische Schriftsteller Milan Kundera schrieb über diese Auswüchse des vonGott abgewandten Menschen ein gutes Buch: „Die unerträgliche Leichtigkeit desSeins“, das auch verfilmt wurde. In dem Roman verliebt sich Tomas in Teresa, die es 19
  • ernst meint mit ihm, aber Tomas hat nichts Besseres zu tun, als sich in Untreue undsonstige Zerstreuungen zu flüchten. Bis sich dann alles irgendwie auflöst und beidesterben. Das Leben in der Liebe zu Gott kann man getrost als „die Leichtigkeit desSeins“ bezeichnen. Alles wird einfach, alles ist leicht. Selbst die härtesten Prüfungendes Lebens und die schwierigsten Phasen werden mit Gott an unserer Seite und JesusChristus in unserem Herzen erträglich.Solange ich Nein sage, begrenze ich mich selbst. In dieser Begrenzung gebe ich Gottnicht die Erlaubnis, mir das zu schenken, was Er mir schenken möchte. Solange ichmich nicht gut genug fühle in einem Bereich, wirkt sich das auch auf alle anderenBereiche aus. Dieses „nicht gut genug fühlen“ beruht auf dem Mangel an Selbstliebe:„Ich genüge nicht, also bin ich es auch nicht wert, alles zu haben.“Sage ich Ja zu Gott, befinde ich mich in der Weite des offenen Raums, in dem allesgeschieht. Ja sagen heißt alles annehmen. Ich öffne mich für alles, was Er mir gebenwill. Das ist die Fülle, in der wir leben dürfen. Jedoch: Je mehr ich haben kann, destoweniger brauche ich. Lebe ich nicht im Mangeldenken, bin ich mit wenigen Dingenglücklich. Wie froh bin ich, nicht von den materiellen Besitztümern abhängig zu sein.Ich brauche andere Menschen, aber ich möchte niemanden von mir abhängig machen.Das ist das Gegenteil: der Besitzanspruch, das Haben wollen, die Gier. Nein, ich genügemir selbst, ich ruhe in mir. Ich habe eine Beziehung mit Gott. Es kann nicht sein, dassGott uns etwas Schlechtes geben will. Gott ist die Liebe, also gibt Er uns auch dieLiebe. Er gibt uns die Freude, Er gibt uns den Frieden. Wir können sicher sein, dass esgenau der richtige Moment ist, in dem Er uns etwas zukommen lässt. Denn – wieeingangs schon gesagt – Gott sah, dass es gut war... Gott kennt unseren Heilsweg, Er hatdas Buch unseres Lebens vorliegen – also ist Er der Regisseur, Er weiß, wie esweitergeht. Das ist meine Überzeugung. * „Gott wird nicht müde zu geben, und Seine Erbarmungen sind unerschöpflich. Werden auch wir nicht müde zu empfangen.“ (Teresa von Àvila) * 20
  • Vorsehung statt WunscherfüllungEs gibt eine neue Wissenschaft auf dem großen Tummelplatz der Esoterik: DieWunscherfüllung. Der Vorsatz war sicher gut gemeint; was jedoch die Menschen darausmachten, war eine neue Art des Konsums: Nun sind sie sogar selbst in der Lage, ihremateriellen Bedürfnisse zu befriedigen. Mein Haus, mein Auto, mein Boot – nun wirdimaginiert und materialisiert, und sind sie dessen überdrüssig, kommen neueKonsumgüter hinzu. Alles gemäß der Ur-Geheimnisse selbst erschaffen! Sie nennen esGlück und Erfolg. Der einzige Irrtum liegt darin, dass diese Materialisierung nichts mitunserer Befreiung zu tun hat. Ganz im Gegenteil: Sie verhindert sie gerade. Wir wolltendas Glück erschaffen, den Reichtum in uns selbst finden – Gott –, und was wurdedaraus? Neuer Wohlstandsmüll, der uns im Außen verstopft und uns an unsererErfüllung im Göttlichen Sinn hindert.Gott – die Vorsehung – hat die Fülle schon erschaffen. Wenn Jesus sagt: „Du Narr!Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird dann gehören, was duangehäuft hast? So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott“(Lukas 12,20-21), meint Er den Reichtum der Liebe, der Gesundheit, des innerenFriedens, und das hat alles nichts mit dem materiellen Besitz zu tun. Die Vorsehungsorgt sogar für unser Einkommen. Keine Angst: Gott weiß, unser täglich Brot beinhaltetnicht nur die tägliche Verbindung mit dem Leib Jesu, sondern auch die Kosten für unserweltliches Leben, und Er sorgt auch dafür. Prinzipiell ist Er aber nicht an der Anhäufungmaterieller Dinge interessiert, denn das blockiert unser wesentliches Leben und hält unsvon Ihm fern.Sie müssen nun nicht Ihre Antiquitätensammlung auflösen und verschenken, aber es tutgut, darüber nachzudenken. Solange das Bewahren alter Werte im Vordergrund steht, istsicher nichts dagegen einzuwenden. Nimmt jedoch die Sammelwut überhand, kann esdramatische Auswüchse annehmen, die ich selbst schon oft verwundert und besorgtbeobachten konnte. Lassen Sie die Energien in Ihrem Leben ständig fließen. Wenn Siesich auf der einen Seite durch eine Sammelleidenschaft blockieren, sollten Sie dafürsorgen, dass trotzdem ein gesunder Energiekreislauf bestehen bleibt und die Freude amLeben nicht abhanden kommt. Sonst begraben Sie sich selbst. * „Wer nicht mehr genießen kann, wird ungenießbar.“ (Teresa von Àvila) * 21
  • Wie reagiert Ihr Umfeld, wenn Sie sich Gott zuwenden?Sie werden nicht ernst genommen. Wie auch, es kann ja niemand wirklichnachvollziehen. Diese Ebene ist einfach zu hoch! Und Ihr Aufstieg vollzog sichvielleicht auch zu schnell. Zu Beginn wird man testen, wie ernst Sie es meinen. Einmalverstanden, wendet man sich von Ihnen ab. Sie werden uninteressant. „Mal ehrlich“,heißt es dann, „willst du wirklich sagen, dass du mit dem weltlichen Leben nichts mehrzu tun haben willst?“ Niemand kann sich vorstellen, dass Sie das so nicht mehrbrauchen. Niemand versteht, dass Sie einen viel größeren Reichtum haben, als Sie jeGeld hatten, und dass für Sie Gott als Partner an erster Stelle steht und ein eventuellerLebenspartner sich mit seiner Liebe zu Gott qualifizieren muss. „Ich kann mitniemandem sein, mit dem ich nicht über Gott reden kann“, schrieb Teresa von Àvila. Ichauch nicht; es geht nicht mehr anders.Dann gibt es noch diejenigen, die so tun, als seien sie auf derselben Linie wie Sie. Siesprechen von Gott, als hätten sie ihr Leben nichts anderes getan. Sie sind plötzlichbibelfest und gehen auch mit Ihnen in die Kirche, damit sie noch mitreden können. AberSie spüren, es ist nicht echt. Es kommen ständig irgend welche Spitzen, es wird ständigüber „die Kirche“ geschimpft, über das Geld der Kirche, die Skandale in der Kirche, alshätte die Welt keine. Geht Sie das etwas an – Sie ganz persönlich auf Ihrem Weg zuGott, in Ihrer Liebe zu Gott? Nein! Oder Sie müssen sich ständig irgend welcheBeleidigungen Gottes, dumme Witze über Jesus oder ähnliches anhören, was Sie ganzschnell ablehnen werden, weil es Sie persönlich in der Seele schmerzt. Weiterhin habenSie das Problem, sich Ihre benötigte Zeit zum Gebet und zum Rückzug zu verschaffen,weil Ihre Freunde es nicht verstehen, dass Sie nicht mehr jeden Tag für stundenlangeTelefonate zur Verfügung stehen und Sie sich auch nicht mehr für diese Probleme der"Welt" interessieren. Sie registrieren diese Themen, denn Sie haben ja weiterhin IhrenVerstand. Aber Sie wissen, es gibt im Außen nichts zu suchen und nichts zu tun. Nur inIhrem Inneren.Lieben heißt nicht, zu jedem und allem „Ja und Amen“ sagen. Es heißt auch manchmal„Nein“ sagen. Sich abgrenzen von Menschen, die uns aussaugen wollen, bewusst oderunbewusst, sich schützen vor negativen Energien. Das alles gehört dazu. Denn Gott gibtuns Pflichten, aber auch Rechte. Und dazu gehört das Recht der Unversehrtheit unsererSeele und die unserer Lieben.Wenden Sie einmal pro Woche die Nadelöhr-Methode an, die ich in den späterenKapiteln beschreibe. Geben Sie Gott alles ab, und warten Sie, was Er Ihnen zurück gibt.Was Sie nicht brauchen, kommt nicht mehr. Dafür lernen Sie ab jetzt nur noch dieMenschen kennen, die zu Ihnen gehören. Wir haben alle Zeit der Welt. Aber die Weltbraucht keine Zeitverschwendung mehr, dafür ist sie zu schade. * „Es ist etwas sehr Großes, ein freies Herz und ein ruhiges Gewissen zu haben.“ (Teresa von Àvila) * 22
  • III. GOTTWer oder was ist Gott?Gott ist unser Vater im Himmel und auf ErdenHimmel und Erde bedeuten für uns das Diesseits, in dem wir leben, und das Jenseits, indem Gott, der Vater, der Sohn, der Heilige Geist, und alle Engel und Heilige leben.Gleichwohl besteht im Innern des Menschen Himmel und Erde, das Körperliche unddas Geistige. So können wir sagen: Gott ist in uns, und Er ist außerhalb von uns. Erentzündet in uns die Liebe und das Licht, und Er ist außerhalb die unbeschreiblicheLiebe und das unfassbare Licht.Teresa von Àvila schreibt in ihrem Buch Die Innere Burg, 7. Wohnung: „Denn wie Erim Himmel Seine Wohnstatt hat, so muss Er wohl auch in der Seele eine Stätte haben,wo nur Seine Majestät weilt, also gleichsam einen zweiten Himmel.“ Teresa war äußerstklug. Es gibt einen Gott, einen Himmel über allem, also gibt es auch die Entsprechungim Menschen, in dessen Seele. Vor 450 Jahren riskierte Teresa, für diese Lehre in allerOffenheit auf dem Scheiterhaufen zu brennen – heute noch sehen die Menschen ihrenGott, so sie denn einen Gott haben, weit oben irgendwo im Himmel thronen. ArmeWelt!Gott ist transpersonalGott ist in jeder Form, im kleinsten Atom und im größten Universum, gleichzeitig ist Erformlos. Wir dürfen, wir können uns kein Bildnis machen von Ihm, da Er außerhalbjeder Form ist. Form bedeutet Verkörperung, Gott ist alles außerhalb jederVerkörperung. Er ist nichts, Er ist die Leere außerhalb der Form. Da es auch diese nichtgibt, ist alles Gott. Gott ist die Stille, denn erst in dieser Stille ist Gott erfahrbar undhörbar. Daher ist es so wichtig, die Gotteshäuser (wieder) zu Orten der Stille zu machen.Gott ist personalGott ist verkörpert in Jesus Christus, Seinem Sohn. Jesus ist die Form Gottes, Sein zuFleisch gewordenes Wort. In Jesus Christus, dem Gesalbten, hat Er sich den Menschengezeigt und uns Seinen Sohn zu unserer aller Erlösung gesandt.Gott spricht zu uns durch den Heiligen GeistDer Heilige Geist ist das Wort und der Lebensspender Gottes. Ursprünglich wurde dasWort Gottes durch die Propheten und Evangelisten empfangen und in dem Buch derBücher, der Bibel, niedergeschrieben.Gott handelt mit uns durch Seine himmlischen HelferZu den himmlischen Helfern Gottes zählen alle Selig- und Heiliggesprochenen, dieErzengel und eine große Hierarchie weiterer Engel sowie mit Sicherheit auch alleVerstorbenen, die zu Gott gefunden haben.Viele Menschen sehen Maria als Seine wichtigste Helferin an. Denn Er machte Sie zurMutter Seines Sohnes Jesus, und ohne Maria ist alles nur halb so schön. 23
  • Wer oder was sind wir?Wir sind der sichtbare Beweis der Präsenz Gottes auf Erden. Unsere Ur-Substanz ist vonGott. Es heißt, Gott habe den Menschen geschaffen nach Seinem Ebenbild. Da Gottkeine Form ist, sind auch wir gestalt- und formlos. Wir sind nicht unser Körper, wir sindnicht unsere Gedanken und unsere Gefühle. Wir sind Geist. Denn auch wir haben dasGöttliche in uns, in unserem Selbst, unserem wahren Ich, das sich über unseren Körperund unser Denken und Fühlen erhebt. Fragen wir: „Wer bin ich?“, sind wir der Fragendeund nicht der, nach dem wir fragen. Wir sind reines, Göttliches Bewusstsein. Nennenwir es einfach Göttliche Seele. Wenn sich diese unsere Göttliche Seele mit Gottverbindet, dann sind wir eins mit Gott, und dies ist das größte aller Geheimnisse, denndies kann schon auf Erden stattfinden. Von diesem Geheimnis spricht Jesus in SeinenGleichnissen und Parabeln, denn vor 2000 Jahren durfte Er es dem Volk noch nichtoffenbaren, da sie es noch nicht erfassen konnten.Unser Bewusstsein ist reif für die Wahrhaftigkeit, die Wahrheit und Klarheit. Die Bibel,spricht die Wahrheit, erkennen muss sie jeder selbst. Hilfe gibt es für jeden, der siesucht, geführt wird er durch Jesus („Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben,niemand kommt zum Vater denn durch mich!“). * „Christus hat niemanden auf Erden außer euch, keine Hände außer euren, keine Füße außer euren“ (Teresa von Àvila) * 24
  • Wie finden wir Gott?Indem wir jenseits aller Gedanken und Gefühle gehen. Indem wir alles vorbei ziehenlassen, auch die Bilder und Visionen. Denn auch diese sind begrenzte Vorstellungen.Erst wenn wir ganz offen sind, ist Er da. Er zeigt sich uns, nicht umgekehrt. Erentscheidet, wann der rechte Zeitpunkt gekommen ist. Gibt es bei uns noch Blockaden,Fiktionen und Schuldgefühle, die hinderlich sind, müssen wir sie entfernen. Damit Erdurch unsere Seele Sein Licht leuchten lassen, damit Er sich uns zeigen kann. Gottbrennt sich in jede einzelne Zelle unseres Körpers ein, und die Sehnsucht nach Ihm hörtniemals auf. Dieses Gefühl wird auch von Menschen beschrieben, die ein Nahtod-Erlebnis hatten. Einmal mit Gott in Kontakt kommen, einmal das Licht gesehen haben –und das Leben ist ein anderes. Der Höhepunkt ist die Unio Mystica, die mystischeVereinigung, die Gottesschau, die im absolut Verborgenen der tiefsten Seele stattfindet.Als ich die erste Offenbarung Gottes an den Menschen las, beschrieben in EnochsVision: „Sei still, wisse, ich bin Gott“, war ich zutiefst erschüttert. – Diese Worte sprachGott direkt zu mir! Ich konnte lange Zeit diese Sätze nicht bis zu Ende durchlesen, ohnevollkommen aufgewühlt zu sein, und sie berühren mich noch immer. Wie konnte ich soblind, so taub, so stumpfsinnig gewesen sein! Wie konnte ich das nicht gewusst haben!Ich fasse es heute noch nicht, wie es möglich sein kann, dass wir es einfach nichtwissen: Gott ist da! Warum haben wir uns so abgeschottet, dass wir selbst Gott nichtmehr wahrnehmen? Wir zählen die Worte eines Gedichtes und erkennen nicht seinenSinn.Erst wenn wir fähig sind, in uns einen Zustand der tiefen Stille zu schaffen; bessergesagt, wenn wir diesen Raum der Stille in uns finden, erst dann sind wir fähig, Gott inuns zu finden. Denn erst durch die Stille kann Gott sprechen. Erst durch die Stille kannein Ton klingen, ein Wort verstanden werden.Bitte werden Sie still, damit Gott zu Ihnen sprechen kann: 25
  • Ich spreche zu dir. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich sprach zu dir Als du geboren wurdest. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich sprach zu dir Bei deinem ersten Blick. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich sprach zu dir Bei deinem ersten Wort. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich sprach zu dirBei deinem ersten Gedanken. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich sprach zu dir Bei deiner ersten Liebe. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich sprach zu Dir Bei deinem erstem Lied. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich spreche zu dir Durch das Gras der Wiese. Sei still Wisse Ich bin Gott. 26
  • Ich spreche zu dirDurch die Bäume der Wälder. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich spreche zu dir Durch die Täler und Hügel. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich spreche zu dir Durch die Heiligen Berge. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich spreche zu dir Durch Regen und Schnee. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich spreche zu dirDurch die Wogen des Meeres. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich spreche zu dir Durch den Tau des Morgens. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich spreche zu dir Durch den Abendfrieden. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich spreche zu dirDurch das Leuchten der Sonne. Sei still Wisse Ich bin Gott. 27
  • Ich spreche zu dir Durch die funkelnden Sterne. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich spreche zu dir Durch den Sturm und die Wolken Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich spreche zu dir Durch Donner und Blitz. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich spreche zu dirDurch den geheimnisvollen Regenbogen. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich werde zu dir sprechen Wenn du allein bist. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich werde zu dir sprechen Durch die Weisheit der Alten. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich werde zu dir sprechen Am Ende der Zeit. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich werde zu dir sprechen Wenn du meine Engel gesehen hast. Sei still Wisse Ich bin Gott. 28
  • Ich werde zu dir sprechen In Ewigkeit. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich spreche zu dir. Sei still Wisse Ich bin Gott.(Quelle: Das Evangelium der Essener, Gesamtausgabe Buch 1–4. Die Originaltexte ausdem Aramäischen und Hebräischen; übersetzt von Dr. Edmond Bordeaux Székely,Verlag Bruno Martin )Die aramäische Fassung wurde in den Qumran-Rollen gefunden und ist damit sicherdatierbar auf die Zeit zwischen 130 vor Chr. und 68 nach Chr. Die Chroniken vonEnoch (Henoch) wurden im 4. Jahrhundert von Kirchenvater Hieronymus zu denApokryphen und somit als häretisch erklärt. Damit war Enochs Vision raus aus derBibel, aber was gut ist, kommt wieder – und so entdeckte man ihn in den Qumran-Rollen, Dank sei Gott! * „Gott lässt uns nicht im Finstern. Nur wenn wir Ihn verlassen, gehen wir zugrunde“ (Teresa von Àvila) * 29
  • Mein Gott warum? - Wenn wir zweifeln und verzweifelnDer Zweifel„Eloi, Eloi, lema sabachtani?“ – „Mein Gott, mein Gott, wozu hast Du mich verlassen?“(Mk 15,34; vgl. Mt 27,46). Laut Markus und Matthäus waren das Jesu letzte Worte, alsEr am Kreuz verstarb. Es wird als ein Zweifeln gedeutet. Wie konnte Jesus an SeinemVater zweifeln, wenn Er und der Vater eins sind? Jesus wusste von Gottes Plan für Ihn,Er wusste von Seiner Mission, Er wusste es schon, als Er als Zwölfjähriger den Lehrernim Tempel in Jerusalem Rede und Antwort stand. „Wusstet ihr nicht, dass ich in demsein muss, was meinem Vater gehört?“, fragte Er Seine aufgebrachten Eltern.Johannes war der einzige Jünger Jesu, der bei dessen Kreuzigung anwesend war. Erbeschreibt Jesu letzte Worte wie folgt: „Darnach, da Jesus wusste, dass schon allesvollbracht war, dass die Schrift erfüllt würde, spricht Er: Mich dürstet! Da stand einGefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einenIsop und hielten es Ihm dar zum Munde. Da nun Jesus den Essig genommen hatte,sprach Er: Es ist vollbracht! und neigte das Haupt und verschied.“ (Joh. 19,28-30).Natürlich hat Jesus nicht gezweifelt. Er war ein Mensch, und Er war Gottes Sohn. Jesuskam auf Erden, um uns die Liebe zu lehren, damit wir zu Gott finden! Das heißt, Erliebte mit ganzem Herzen. Er musste es nicht erlernen.Nun, ob wir jemals so weit unser Herz öffnen können? Ja! Jedenfalls dürfen wir festdaran glauben: Gott hält unseren Heilsplan in Seinen Händen, und Er verliert weder denPlan noch uns selbst jemals aus den Augen. Und so wie Jesus bei Seinen Heilungendarauf bedacht war, dass die Menschen nicht zweifeln, so bin auch ich überzeugt: JederZweifel macht alles zunichte. Er verhindert die Heilung und bringt uns aus unsererHerzensliebe heraus. Er verhindert unsere Gebete daran, zu Gott zu gelangen, dennunsere Seele hält sie zurück. Sie fühlt sich unwürdig und schlecht, wenn wir zweifeln.Denn dieser Zweifel kommt aus unserem Verstand. Unsere Seele möchte lieben, und wirmüssen es ihr erlauben. Möchten Sie nicht nur oberflächlich gesund, sondern heil anKörper, Geist und Seele werden, denken Sie an Jesu Worte, die Er zu den beidenAussätzigen sprach, die nach der Heilung der insgesamt zehn Aussätzigen zu Ihmzurückkehrten, um Ihm zu danken: „Dein Glaube hat dir geholfen“.Jesus sprach zu den Kranken: „Effata!“ – Öffne dich. Öffne dich für das Licht Gottes,damit es durch dich fließen und deine Seele erleuchten kann. Darin ist alles enthalten.Glaube, Hoffnung und Liebe und das Vertrauen, es ist gut so wie es ist. Bei der Taufeberührt der Priester Ohren und Mund des Täuflings und spricht „Effata!“, um deutlichzu machen, dass dieser sich öffne für den Heiligen Geist.„Effata“ – Es geschieht, indem wir tief einatmen. Wir atmen den Geist Gottes ein undempfangen Seine Liebe in unserem Herzen.Wichtig ist unsere ständige geistige Reifung. Nur durch ein Wachsen im Glauben mitGott erfährt unser Leben einen Sinn, auch mit all seinen Widrigkeiten und den Zeitender Entfremdung und Prüfungen. Auch wenn unser Leben manchmal durch eine Zeitdes Suchens geführt wird, es ist doch niemals mehr eine Sinnsuche nach dem Lebenselbst, es ist nur eine Zeit der Dürre und der Trockenheit, in der wir wieder unseren 30
  • neuen Lebens- und Heilsweg ordnen und strukturieren können. Damit wir mündigwerden. Gott braucht mündige Menschen! * „Wie selten sind doch die Menschen, die das, was sie tun, ganz tun.“ (Teresa von Àvila) * 31
  • Die VerzweiflungSelbst wenn wir an das ewige Leben glauben, trifft uns der Tod eines geliebtenMenschen sehr. Jeder Mensch verarbeitet diesen Schmerz auf seine Weise. Einigeerleben einen über viele Jahre andauernden traumatischen Prozess, der alle Freude undalles Lachen aus dem Leben der Hinterbliebenen nimmt.Meines Erachtens hilft die völlige Hingabe in den Schmerz am besten. Bringen Sie GottIhren Schmerz dar. Leise oder laut, wie es Ihnen gut tut. Lassen Sie ihn los in denAbgrund des Lebens, an dem Sie derzeit stehen. Sträuben Sie sich nicht dagegen! Wirkönnen mit dem Verlust nicht umgehen, und wir haben Angst vor unserem eigenen Tod,weil wir diese Tatsache immer noch tabuisieren. Aber bitte fragen Sie Gott nicht:„Warum hast Du mich verlassen?“, sondern bitten Sie Ihn: „Verlass mich nicht!“ Dasklingt schon besser, das ist eine Bitte, die Er gern erfüllt. Die Frage: "Warum hast Dumich verlassen?" lässt Sie zweifeln und bringt Sie aus Ihrer Liebe zu Ihm weg. Er wirduns niemals verlassen. Wir sind es, die wir uns in unserem Schmerz von Ihm abwenden,weil wir in unserem Zweifel unser Herz verschließen und Ihn somit nicht mehr fühlenkönnen.Die größte Angst im Zusammenhang mit dem Tod ist unsere Ungewissheit über dasNachher. Viele glauben nicht an ein Weiterleben nach dem Tod, und das mag eineunvorstellbar schreckliche Vorstellung sein. Andere glauben an einen irgendwiegearteten Himmel und vielleicht an eine Hölle und an das Fegefeuer und sind unsicher,wie Gott sie beurteilen wird und ob sie entweder das Eine oder das Andere verdienenwerden. Wir haben Angst, von unseren Liebsten getrennt zu werden, ihnen damit Leidzuzufügen und alles, was uns lieb ist, zurücklassen zu müssen.Vielleicht ist es hilfreich, uns daran zu erinnern, dass wir nachts im Traum in einenähnlichen Bewusstseinszustand übergehen. Menschen, die schon einmal eine Nahtod-Erfahrung hatten, wissen mit absoluter Sicherheit, dass es so etwas wie ein Ende desLebens nicht gibt. Sie berichten mehrheitlich von einem strahlenden, grenzenlosen Lichtund einem Gefühl der unendlichen, unbeschreiblichen Liebe. Wir treten ein in diesesLicht und werden von Seiner Liebe umschlungen, und wir erleben eine immenseAusweitung unseres Bewusstseins. Wir treffen die Menschen wieder, die wir liebten. Indiesem Zustand leben wir weiter und entwickeln unsere Seele.Das Fegefeuer, die Strafe Gottes, die wir befürchten, ist eine Lebensrückschau.Sicherlich wird es für den Einen oder Anderen schwierig werden. Wenn wir nicht schonim Diesseits unsere Seele und unser Gewissen erleichtern, müssen wir es eben imJenseits tun. Da wir uns dann in ungewohnter Umgebung in einem ungewohntenZustand befinden werden, mag es umso schwieriger sein.Sie mögen nun zweifeln und denken: „Woher will sie das alles wissen?“ Die mystischenErlebnisse gleichen den Nahtod-Erfahrungen. Ich weiß es aus der Liebe Gottes unddurch meine Verbindung mit Ihm. Ich weiß, wie sich Zweifel anfühlen, und ich kenneden Zustand der Verzweiflung und der Trauer sehr gut. Ich weiß tief in meinem Herzen,dass es ein Leben nach dem Tode gibt, und ich weiß aus meinem Leben sowie vonmeiner Arbeit her, dass die Verstorbenen unter uns weilen.So wie wir mit den Heiligen über die Telepathie kommunizieren, so können wir unsauch mit den Verstorbenen von Seele zu Seele verständigen. Es ist sogar viel einfacher, 32
  • denn es trennen uns keine Mauern mehr und keine Körper. Wir erkennen denverstorbenen Menschen ganz einfach an einem bestimmten Gefühl. Indem wir mit ihmsprechen, so tun wir dies mit der Gewissheit, dass unsere Worte und unsere Gefühleunmittelbar empfangen werden. Sagen wir ihnen einfach alles, was unausgesprochenblieb. Es ist nie zu spät! Und denken Sie daran: * „Das Allerbeste und Alleredelste ist dies: schweigen und schweigend Gott wirken und reden lassen. Mitten in dem Schweigen ward zu mir das heimliche Wort gesprochen.“ (Teresa von Àvila) * 33
  • IV. Der Heilige GeistWer oder was ist der Heilige Geist?Jesus sprach zu seinen Aposteln: „Dann werde ich den Vater bitten, dass Er an meinerStelle jemanden zu euch senden soll, der euch helfen wird und euch nie verlässt. Dies istder Geist der Wahrheit. Die Welt kann Ihn nicht aufnehmen, denn sie ist blind für Ihnund erkennt Ihn deshalb nicht. Aber ihr kennt Ihn, denn Er lebt schon jetzt bei euch, undeinmal wird Er in euch sein. Nein, ich lasse euch nicht als Waisenkinder zurück. Ichkomme wieder zu euch.“ (Johannes 14,16-18).An Pfingsten erlebten die Jünger Jesu die ganze Bandbreite des Heiligen Geistes inForm Seiner Gaben und Früchte: „Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alleam gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftigerSturm daher fährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienenihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich einenieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachenzu reden, wie es der Geist ihnen eingab“. (Apg. 2,1-4).Dies war die Geburtsstunde der Kirche, denn durch ihre Erleuchtung konnten die JüngerSein Wort verkünden. Jesus sprach durch Seine Jünger, es war nicht nur eine ErzählungSeiner Geschichte. Ohne den Heiligen Geist wäre Jesus wahrscheinlich eine Randfigurder Geschichte geblieben, interessant genug, um von Ihm zu berichten, aber SeinWirken als Sohn Gottes, als Gottes leibliche Gestalt, wäre niemals verkündet worden.Dadurch wurde die Bibel zum Buch der Bücher, ein Heiliges Buch, ein Buch Gottes fürdie Menschen, geschrieben von jenen, die Er als Heiliger Geist erleuchtete.Der Heilige Geist kommt bei der Taufe und bei der Firmung auch über uns. Von derTaufe Christi heißt es: „In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sichvon Johannes im Jordan taufen. Und als Er aus dem Wasser stieg, sah Er, dass derHimmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf Ihn herabkam. Und eine Stimmeaus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an Dir habe ich Gefallengefunden.“ (Markus 1,9-11).Es gibt in der katholischen Kirche Gelegenheiten, die an unsere Taufe erinnern: Ständigpräsent ist das Weihwasser am Eingang der Kirche, mit dem wir uns bekreuzigen. Es istnicht einfach irgendein Wasser. Es wird mit Weihegebeten geweiht und erhält dadurchdie Kraft Gottes. In der Osternacht geschieht die Erneuerung des Taufbekenntnisses derGemeinde in der Liturgie. Am Sonntag nach Epiphanie (6. Januar) wird das Fest derTaufe des Herrn gefeiert, das an die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer im Jordanerinnert. Der dabei erteilte Segen mit Weihwasser ist ebenfalls sehr viel wirkungsvollerals ein normaler Segen.Den größten Eindruck des Heiligen Geistes hatte ich anlässlich meiner Firmung, wasich in der Einführung dieses Buches schon erwähnte, als ich meine Liebesbeziehung mitGott begann. Seitdem weiß ich, wer oder was der Heilige Geist ist, und SeineGnadengaben, Früchte und Tröstungen wurden mir mehr und mehr zuteil. Ich bin mirdessen vollkommen bewusst, dass es sich um Geschenke Gottes handelt, die uns „dasLeben“ nicht geben kann. Allerdings verlangt Gott nach meiner Erfahrung, dass wir 34
  • erstens Vorarbeit leisten und uns als gereift, als würdig erweisen und zweitens unsständig entwickeln müssen, damit diese Gaben sich richtig entfalten können. Wirerhalten zuerst ein wenig, werden dann geprüft, ob wir es auch annehmen und es richtigverwenden; und erst dann kommt das nächste Geschenk. Immer mit einer „Rückruf-Option“ verbunden, falls wir uns der Gabe nicht würdig zeigen oder vielleicht dadurchüberfordert sind. Ich selbst habe mich in den zwei Jahren nach meiner Firmung inimmer kürzeren Abständen komplett gehäutet. Jedenfalls haben diese Geschenke desHeiligen Geistes nichts mit den Lorbeeren zu tun, auf denen man sich ausruhen könnte– ganz und gar nicht. Und trotzdem erfüllt mich eine andauernde Demut undDankbarkeit, und ich möchte sie nicht mehr missen! * „Die vollkommene Liebe wird uns nicht auf einmal zuteil, weil wir nicht alles auf einmal hergeben.“ (Teresa von Àvila) * 35
  • Die sieben Gaben des Heiligen Geistes (Charismen)Religiöser BegriffIm Neuen Testament und älteren Christentum bezeichnet Charisma die aus Wohlwollengespendete Gabe (Gnadengabe) des Heiligen Geistes an die Christen. Dazu zählen:Verstand, Wissenschaft, Weisheit, Rat, Frömmigkeit, Gottesfurcht, Stärke, Erkenntnis,Glaube, Prophetie, Krankenheilungen, Wundertaten, Geisterunterscheidung,Zungenrede und Auslegung der Zungenrede. Unter besonderer Betonung einiger dieserCharismen entstanden in der Neuzeit geistliche Aufbruchsbewegungen wie diecharismatische Bewegung oder die Pfingstbewegung. 1. Korinther 12,10: „In einemjeglichen erzeigen sich die Gaben des Geistes zum allgemeinen Nutzen. Einem wirdgegeben durch den Geist, zu reden von der Weisheit; dem andern wird gegeben, zureden von der Erkenntnis nach demselben Geist; einem andern der Glaube in demselbenGeist; einem andern die Gabe, gesund zu machen in demselben Geist; einem andern,Wunder zu tun; einem andern Weissagung; einem andern, Geister zu unterscheiden;einem andern mancherlei Sprachen; einem andern, die Sprachen auszulegen. Dies aberalles wirkt derselbe eine Geist und teilt einem jeglichen seines zu, nach dem Er will.“Die Voraussetzungen für diese Gnaden sind: 1) die Wassertaufe im Namen Jesus Christus 2) die Geistige Taufe durch den Heiligen Geist 3) der absolute Glaube an Vater, Sohn und Heiligen Geist 4) ein angepasster Lebenswandel in Demut und Nächstenliebe 5) eine ständige geistige (spirituelle) WeiterentwicklungDie Geistesgaben wirkten sich bei den Aposteln verschieden aus: Thomas besaß dieGabe des Verstandes, Johannes die Gabe der Weisheit, Philippus die Gabe des Rates,Jakobus die Gabe der Frömmigkeit, Andreas die Gabe der Gottesfurcht, Petrus die Gabeder Stärke, Matthäus die Gabe der Einsicht.Ich möchte die einzelnen Charismen zum allgemeinen Verständnis näher erläutern bzw.in einzelne Gruppen einteilen:Verstand, Wissenschaft, Weisheit, Rat, ErkenntnisDiese Charismen betreffen die Erkenntnis der unsagbaren Größe (Gnosis). DurchUnkenntnis entsteht Leid, durch die Erkenntnis entsteht die Liebe, und der Mensch wirderlöst. Es ist nicht der Verstand in unserem Gehirn. Es ist nicht das erlernbare Wissen.Es geht um das intuitive Wissen, das tief in unserem Unterbewusstsein verborgen ist. Esentwickelt sich mit der Weisheit und der Erkenntnis. Dies befähigt uns dazu, anderenMenschen einen Rat zu geben. Dieser Rat kommt wiederum nicht aus unseremBewusstsein, wir denken uns nichts aus, wir blähen unser Ego nicht auf, um klugdaherzureden. Nein, der Rat kommt von Gott, und wir sprechen ihn aus.Das Charisma Wissenschaft bedeutet, dass wir plötzlich die Einzelheiten derWissenschaft zu einem Ganzen zusammenfügen können. Plötzlich wissen wir – wiederrein intuitiv – wie es um die Dinge steht. Der Nachteil ist: Alles Normale langweilt uns,da wir alles schon kennen bzw. das Falsche sofort entlarven. Die Vorteile: Es wird unsbewusst, wie wir alle die Verantwortung mittragen, beispielsweise im Umweltschutz. 36
  • Das gesamte Spektrum der Ökologie breitet sich vor uns aus, obwohl wir es nicht inBüchern gelernt haben, sondern von innen heraus erfahren. Wir verstehen dasUniversum. Wir verstehen Stephen Hawkings, wenn er von dem Urknall spricht undselbst die Erkenntnis hat: „Da muss doch noch etwas vorher gewesen sein; also gibt esdoch einen Gott!“ Albert Einstein befürchtete, verrückt zu werden, falls es stimmte, dass„Gott würfelt“, das heißt nicht im klassisch linearen Sinn berechenbar ist. Wir verstehendie neuen Wissenschaftler der Quantentheorie, wenn sie erkennen, dass die ehemalige„große Leere“ sogar Energie enthält; wissend: Es gibt keine Leere, Gott ist in allem. Wirkönnen vielleicht nicht mitreden, weil uns der Wortschatz fehlt. Aber wir verstehen esintuitiv: Die Naturgesetze sowie die geistigen Gesetze reflektieren dieselbe Wahrheit:Gott.Frömmigkeit, Gottesfurcht, Glaube, StärkeDabei geht es um den Glauben aus dem Herzen, um die Liebe zu Gott und die tiefeDemut vor Ihm. Diese Liebe macht uns einerseits stark, sie gibt uns allerdings auch dienotwendige Furcht, Ihn immer zufriedenstellen zu wollen. Die Seele, die einmal Gottverlassen und dies als Fehler erkannt hat, wird diesen Fehler nie wiederholen; wissend,Es hätte auch anders kommen können!Teresa von Àvila, Die Innere Burg, 6. Wohnung: „Durch die Herrlichkeiten, die Er derSeele mitteilt, erkennt sie nämlich viel klarer die Größe Gottes. Es erschreckt sie, wiesie so vermessen sein konnte, sie beweint ihre geringe Ehrfurcht, und so irrwitzigerscheint ihr die eigene Torheit, dass sie es nie genug beklagen kann, wenn sie darandenkt, dass sie eine solch erhabene Majestät so niedriger Dinge wegen je verließ.“Die Stärke bedeutet auch gleichzeitig Demut. Meine Gebete können die Welt aus denAngeln heben – aber immer nur, wenn Gott es will! Ich bin nichts, ich bin klein wie einSandkorn! Ich bin nichts, und alles kommt aus Gott.Krankenheilungen, Wundertaten, Prophetie:Wir gehorchen einem Impuls Gottes. Gott hat uns als Seinen Kanal auserkoren, und wirführen diese Taten auf Seinen Impuls hin aus: Die Krankenheilung per Handauflegenund Beten, die Wundertaten erweisen sich in der Form der Spontanheilungen sowie inder Beherrschung der Elemente; die Prophetie bedeutet die Verkündung von GottesWort (griech: „Einer, der für einen Anderen spricht“). Das beinhaltet auch dieVorhersagen von wichtigen Ereignissen.Geisterunterscheidung, Zungenrede und deren Auslegung:Nach meiner Erfahrung zeigt sich das Charisma der Zungenrede in der Fähigkeit, ineiner Fremdsprache zu träumen oder zu denken oder Worte und Sätze davon sprechenund verstehen zu können, ohne sich dessen bewusst zu sein. Die Auslegung derZungenrede habe ich gespürt, nachdem ich gefirmt war: Meine Seele erinnerte sich, wiees der Papst in dem Vorwort zur Lateinischen Messe beschrieb. Tief in uns ist derWortlaut in allen Sprachen vergraben, und wenn wir diese Worte hören, erinnert sich dieSeele. Meine Seele konnte also plötzlich Latein; jedenfalls genug um die Heilige Messein Latein dem Sinn nach zu verstehen und darin aufzugehen und in den ersten dreiMessen in Tränen auszubrechen. 37
  • Die Geisterunterscheidung brauchen wir zur Erkennung der falschen Propheten, unddiese sind, wie wir alle sehr gut wissen, zahlreich. Sobald wir das Charisma desHeiligen Geistes erhalten haben, wissen wir, etwas ist richtig oder falsch! Wir werdenniemals Opfer einer Sekte. Wir durchschauen sie sofort. Wir werden indirekt sogarhingeführt, damit wir helfen können, deren Opfer zu befreien. Das habe ich bereitsgetan, kann es hier natürlich nicht weiter ausführen.Papst Johannes Paul II., der alle Charismen des Heiligen Geistes schon in seinerErscheinung ausstrahlt, hat diese Heilungs-Charismen auch bei nicht-geweihtenPersonen anerkannt und am 25. September 2000 die Veröffentlichung dieser Erkenntnisangeordnet. Unser jetziger Papst Benedikt XVI. war damals Vorsitzender dieserKongregation. Somit stehen zwei Päpste auf unserer Seite – ist das nicht wunderbar?!Auszug aus: Kongregation für die GlaubenslehreInstruktion über die Gebete um Heilung durch Gott:„Wie bereits erwähnt, erweitern das Ende des Markusevangeliums wie auch derGalaterbrief den Horizont und beschränken die wunderbaren Heilungen nicht auf dieTätigkeit der Apostel und einige Verkünder des Evangeliums, denen eine herausragendeBedeutung bei der ersten Missionierung zukommt. Unter diesem Gesichtspunkt sind dieHinweise auf die „Heilungs-Charismen“ (vgl. 1 Kor 12,9.28.30) besonders wichtig. DieBedeutung des Wortes Charisma ist an sich sehr weit; ein Charisma ist eine „freigeschenkte Gabe“, im genannten Fall geht es um „Gaben, Krankheiten zu heilen“. DieseGnadengaben werden einem einzelnen zugeteilt (vgl. 1 Kor 12,9), sie werden also nichtverstanden als Heilungen, die ein jeder der Geheilten für sich selbst erlangt hat, sondernals eine Gabe, die einer Person gegeben ist, um Heilungsgnaden für andere zu erwirken.Diese Gabe wird verliehen in dem „einen Geist“, wobei nicht näher bestimmt wird, wiediese Person die Heilungen erwirkt. Man kann davon ausgehen, dass dies durch dasGebet geschieht, vielleicht begleitet durch eine symbolische Geste.“(Quelle:www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_20001123_istruzione_ge.html) 38
  • Die zwölf Früchte des Heiligen Geistes„Komm Heiliger Geist, öffne die Herzen Deiner Gläubigen und erfülle Sie mit DeinerLiebe.“ Im Neuen Testament schreibt der Evangelist Matthäus: „An ihren Früchtenwerdet ihr sie erkennen.“ (Mt 7.16)Die Früchte sind: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Langmut,Sanftmut, Treue, Bescheidenheit, Enthaltsamkeit, Keuschheit.Über die Liebe handelt dieses Buch. Die Freude möchte ich hier besonders erwähnen.Auch Teresa von Àvila empfand eine große Freude in ihrer Spiritualität, die aus dergewonnenen inneren Freiheit entspringt. Das Herz wird frei. Die Demut bedeutet keineSchwere, keine Last, sondern ein Gefühl der Leichtigkeit und der Freiheit. Ich selbstbete nun das Vaterunser als Bittgebet und als Lobpreis mit hoch erhobenen Armen. DieKraft des Heiligen Geistes durchströmt meinen ganzen Körper, und meine Händewerden schön warm.Der Heilige Geist lässt unser Ego absterben wie von selbst. Erst dann können sich SeineFrüchte voll entfalten. Wie von selbst wird aus einem ungeduldigen Menschen eingeduldiger Mensch. Langmut, Sanftmut – dem egozentrischen Menschen völligunbekannt. Enthaltsamkeit und Keuschheit werden als weltfremd abgetan von denMenschen, die gerade dabei sind, durch ihren Irrtum zugrunde zu gehen. Der spirituelleMensch verwandelt seine Sexualkraft in Geisteskraft – und er erkennt, dass das, was erfrüher Liebe nannte, selten die Göttliche Liebe, sondern eher der Befriedigung desMangels an Eigenliebe diente. Wie unterscheide ich diese Göttliche Liebe von derweltlichen? Ganz einfach: Die Göttliche Liebe stirbt niemals. Sie kehrt sich nichtplötzlich in Hass um. Sie haben keine Angst um diese Liebe. Sie lieben einfach. Selbstwenn der Mensch nicht bei Ihnen ist und vielleicht niemals sein wird – Sie lieben ihn,Ihre beider Seelen lieben einander – voilà! Nach den anfänglichen Unruhen löst sich derSchmerz, und zurück bleiben Zufriedenheit und Freude.Die sieben Tröstungen des Heiligen GeistesIn den zwölf Früchten des Heiligen Geistes sind auch Seine Tröstungen enthalten. DasWeinen ist ein ganz starker Trost. Doch es gibt viele Menschen, die es nicht können. Ichkann es, und ich bin froh darüber! Ich hätte mir manchmal gewünscht, die Tränenzurückhalten zu können, vor allem während der Messen im Dom, wenn ich wiedereinmal völlig aufgelöst in der ersten Reihe hing und mich alle sehen konnten. Ichmusste tapfer durch diese Entwicklungsphase durch. Wobei ich mir sicher bin: Es warennicht immer meine eigenen Tränen, die da flossen. Ich weinte oft die Tränen deranderen. Anlässlich des Neujahrsempfanges des Bischofs von Limburg in 2010entschuldigte ich mich bei ihm wegen meiner vielen Tränenmeere in seinenwunderschönen Messen. Er bedankte sich für mein Mittragen. Gerne! * „Vorausgesetzt wir geben unser Gebet nicht auf, dann wird der Herr alles, was wir tun, zu unserem Vorteil umwandeln, sogar dann, wenn wir niemanden finden, der uns unterrichtet.“ (Teresa von Àvila) * 39
  • V. JesusMein Weg zu JesusJesus war einfallsreich und geduldig. Bis ich endlich begriffen hatte, dass die Zeichenum mich herum, am Himmel, im Wasser und auf Erden, von Ihm kamen, dauerte esJahre. Von einigen Gelegenheiten möchte ich hier erzählen:Vor drei Jahren fuhr ich nach Plouescat, einem kleinen Ort am Ärmelkanal imDépartement Finistère in der Bretagne, der westlichsten kontinentalen RegionFrankreichs. Sie erhielt bereits in der römischen Zeit den Namen Finis Terrae (Ende derErde), der bretonische Name lautet Penn ar Bed (Anfang, Spitze oder auch Haupt derWelt). Interessant finde ich, dass die Römer diese Region als das Ende der Erdebezeichneten, die Flüchtlinge und Einwanderer aus Großbritannien, die die bretonischeSprache aus Cornisch (Cornwall) und Walisisch (Wales) entwickelten, als den Anfangder Welt. Für die Römer war dieses Land ein Fleckchen Erde, sogar das Ende der Erde,für die Bretonen war es der Anfang der Welt.Mit dem Wort Welt wird die Totalität bezeichnet, die Gesamtheit des Universums, desWeltalls, des Seienden. Diese Weltanschauung übertrug sich auf den Charakter derMenschen; sie ist heute noch energetisch spürbar. Nicht von ungefähr erfuhr ich dortdiese beeindruckenden mystischen Erlebnisse und hatte das Licht Gottes auf meinenFotos eingefangen. Das Wort Département bedeutet übrigens Verwaltungseinheit. Diesnur zur kompletten Information. Weil ich dieses Stück Erde, Pardon!, dieses Stück Welt,so sehr liebe und es in den 1980er Jahren besser kannte als meine eigene Heimat. Esbedeutete für mich Freiheit und Geborgenheit zugleich, Liebe zu allen Dingen, zu denMenschen, zu der Sprache und zu der überwältigenden Natur, der Architektur undnatürlich auch die Liebe zum Essen – ich konnte mich von dem Meeresgetier ernähren–, und irgendwie war es auch die Mystik, die ich allerdings derzeit noch nicht genaueinordnen konnte. Mystik war damals der Oberbegriff für das Geheimnisvolle. Dieseserstreckte sich lediglich auf die Natur und das Empfinden ihrer Schönheit und ihrerSchauspiele, die sich stündlich änderten und sich niemals wiederholten. Ich hatte janoch keinen Zugang zu den angeblich 7.777 Heiligen der Bretagne – von denen nichtviele kirchlich anerkannt sind. Außerdem gibt es unzählige Heilquellen. Und es gibt dieweltweit einzigartigen Calvaires, die Kalvarienberge, die zu den Enclos Paroissiaux,den Umfriedeten Pfarrbezirken, gehören. Diese entstanden im 16. und 17. Jahrhundertvor allem im Gebiet Finistère. Ein Kalvarienberg erzählt in beeindruckender Weise vondem Leben und der Passion Christi. Wer also im Département Finistère schon einmalaußerhalb der Touristensaison seinen Urlaub verbrachte oder dort lebte, kann dieseBezeichnung Anfang der Welt sehr gut nachvollziehen.1980 lebte ich ein Jahr in der Nähe von Lorient im westlich gelegenen DépartementMorbihan. Dieses befindet sich in der Südbretagne im gleichnamigen Golf Mor Bihan,was kleines Meer bedeutet. Im Morbihan entstanden in der Jungsteinzeit Westeuropasdie berühmten Grabhügel (Tumulus), woraus in Kombination mit den riesigen Menhirendie Megalithanlagen und Steinkreise entstanden. Berühmt sind die Steinkreise vonCarnac. Ich wohnte in einem kleinen Haus direkt am Meer. Vom Garten aus konnte ichdirekt die Felsen betreten, die bis zum Atlantik hinaus reichten. Bei einer Sturmflutstand oft der Garten unter Wasser, und in den Doigts de Sorcière (zu Deutsch 40
  • Hexenfinger), einer Wucherpflanze, die den ganzen Garten überzog, verfingen sich dieMuscheln. Vielleicht wächst dort auch noch meine chinesische Hanfpalme, die ichdamals mit umgezogen hatte. Klimatisch gesehen ist es durchaus möglich, denn derGolfstrom fließt an der Atlantikküste vorbei und sorgt für ein raues, aber mildes Klimamit frostfreien Wintern. Als ich dieses Fleckchen Erde, das einmal kurzfristig meineHeimat war, während meines Urlaubs besuchen wollte, fand ich es nicht mehr! Diegesamte Küste wurde für eine Ferienanlage mit Jachthafen komplett zugebaut. Dafürverbrachte ich in Plouescat zehn Tage fast mutterseelenallein auf einem Campingplatzam Meer in einem Mobilheim, sehr komfortabel und sehr ruhig, ohne Fernseher undComputer, und Handy nur zum Notfall. Allein der Umstand, wie ich dort hinfand, warziemlich schräg. Gott genügte auch in diesem Fall...Mein Weg führte mich von Deutschland aus nonstop zum Mont Saint Michel, dieserlegendären Klosterinsel im Ärmelkanal zwischen der Normandie und der Bretagne, aufder heute noch eine Handvoll Benediktinermönche lebt und die täglichen Ströme vonTouristen erträgt. Dafür ist es nachts ruhig in den mittelalterlichen Gassen, und diewenigen Touristen genießen nach einem vorzüglichen Essen in den Restaurants oderCrèperien und einem anschließenden Spaziergang auf dem Weg entlang der Stadtmauerrings um den Klosterberg herum eine ruhige Nacht in klösterlicher Atmosphäre. DasBesondere an dieser Insel ist der riesige Unterschied der Gezeiten. Bei Ebbe zieht sichdas Meer bis zu siebzehn Kilometer weit zurück, und man kann wunderschöneWattspaziergänge unternehmen. Sobald die Flut zurückkehrt, muss man sich allerdingsbeeilen, denn der Berg wird bis auf den Damm, der ihn mit dem Festland verbindet,vom Meer umspült. Auf diesem Damm kann man mit dem Auto bis zu den Parkplätzenfahren. Die Busse verlassen die Insel abends wieder, und die wenigen PKWs derÜbernachtungsgäste parken auf höher gelegenen Plätzen.Ich war etwa zehn Jahre nicht mehr auf dem Mont, wie die Einheimischen ihren Bergnennen. (Übrigens, zu Anfang hieß er Mont-Tombe, das bedeutet Grab-Berg.) Es war,wie ich es von früher her kannte: voller Touristen, die sich durch die engen Gassendrückten und die Andenkenläden durchstöberten. Ich suchte mein Zimmer auf, das icheinige Tage zuvor reserviert hatte. Es lag etwas abseits der Hauptstraße, und ich hatteaus meinem Fenster einen sehr idyllischen Blick auf einen alten Friedhof und einengrünen Garten mit Hortensien, die Nationalblume der Bretonen, die allerdings erst EndeJuni blüht. Weiter oben sah ich die dreistöckige Klosterkirche, die über hohe Treppenerreichbar ist. Hinter dem Garten erstreckte sich bereits die Stadtmauer, und darüberschien die Sonne an einem wolkenlosen blauen Himmel. Es war sehr ruhig, und ichhörte von weitem nur das aus weiter Ferne herannahende Meer. Da noch etwas Zeit biszum Essen war, besuchte ich eine Künstlerin, die sich auf die Herstellung vonKupferschmuck spezialisiert hatte, und kaufte ein wunderschönes Amulett, das mich inder Form an die Göttlichkeit des Menschen erinnerte. Die eingearbeitete kleine Kronebedeutete Jesus für mich.Zurück in meinem Zimmer, legte ich mich auf das Bett und las in einem Buch überJesus. Dann schloss ich die Augen, legte das Buch beiseite und meine Halskette mit demneuen kupfernen Anhänger darauf. Obenauf legte ich meine linke Hand. Zum Ausruhenkam ich nicht! Nach ein paar wenigen Minuten fing ich an zu glühen. Und ich glühteimmer mehr! Von Kopf bis Fuß, und dieses Glühen erstreckte sich auf das gesamte Bett.Ich rutschte zur Seite, aber dort war es auch schon so heiß, dass ich nicht liegen konnte.Mir wurde mulmig; ich wusste, das geht nicht mit rechten Dingen zu. Ich weiß sehr gut, 41
  • wie sich Fieber anfühlt, das war kein Fieber! Ich glühte, alles glühte, aber Fieber war esnicht. Plötzlich fiel mein Blick auf meine linke Hand, die immer noch auf dem Amulettund auf dem Buch lag. Ich nahm sie weg – und das Glühen verschwand so schnell, wiees gekommen war. Das war eigenartig! Es hatte sich die Energie, die ich durch dasLesen dieses Buches angezogen hatte, über das Kupferamulett auf meine Handübertragen und über meinen Körper auf das ganze Bett. Nun ja, Danke Jesus, ich habeverstanden, Du kannst einen ganz schön aufheizen!Nach dem lang ersehnten Abendessen mit einer Plateau de Fruits de Mer und einerhalben Flasche Weißwein stieg ich noch einmal bis zur Klosterkirche hinauf und genossdie traumhafte Aussicht weit über die Bucht. Das Meer tobte tief unten, gruselig dunkel,ich hörte, wie sich die Wellen in gleichmäßigem Rhythmus an den Felsen brachen.Danach ging ich schlafen, damit ich am nächsten Tag ausgeruht die Weiterreise antretenkonnte.Am nächsten Morgen wachte ich bei strahlendem Sonnenschein auf, ich nahm dasFrühstück ein und räumte mein Zimmer. Es war noch ziemlich früh, und ich beschloss,noch einmal die kleine Pilgerkirche zu besuchen. Gesagt, getan. Ich setzte mich in dieMitte auf eine Kirchenbank und wollte beten, als eine Pilgergruppe den Kirchenraumbetrat, erkennbar an ihren roten Halstüchern und Holzstöcken. Es waren Franzosen. Siesetzten sich sogleich hin, und ehe ich mich versah, saß ich mitten in dieser Pilgergruppe.Der mitgereiste Pilgerpriester verteilte kleine Zettel, auf denen jeder einen Wunschschreiben sollte; ich erhielt natürlich auch solch einen Zettel. Ich schrieb einen Wunschdarauf, ich erinnere mich heute noch sehr gut daran. Dieser Wunsch hatte mit demGrund meiner Reise in die Einsamkeit zu tun, wovon derzeit noch nicht viel zu spürenwar, aber trotzdem fühlte ich mich wohl bei diesen Menschen. Der Priester hielt einekleine Messe, ich verstand nicht viel, denn ich gehörte derzeit noch keiner Konfessionan und hatte keine Erfahrung mit katholischen Gottesdiensten, schon gar nicht infranzösischer Sprache. Wenigstens war ich froh zu wissen, wem die Gebete undGesänge galten; Gott hatte ich ja schon wiedergefunden, und Er war in dieser Kapellesehr präsent. Außerdem fiel sehr oft der Begriff Archange Michel, also ErzengelMichael, und den kannte ich auch. Zum Schluss sammelte der Priester dieWunschzettelchen wieder ein und brachte sie zu der großen Statue, die sich rechts vonuns befand. Da stand Er, der Erzengel Michael, auf dessen Geheiß der Mont St. Michelder Sage nach gebaut worden war. Ihm wurden die Wünsche dargebracht, sogarmehrsprachig, und ich bin sicher, es war niemand unter uns, der in diesem Moment ander Erfüllung seines Wunsches zweifelte! Kurz darauf leerte sich die Kapelle sehrschnell, und ich blieb allein zurück und freute mich.Es war ein guter Start für meine Reise in das Unbekannte an diesem Tag. Denn ich hattenoch keine Ahnung, wohin ich fahren würde. Da ich von der Atmosphäre desGottesdienstes noch so schön beseelt war, bat ich Gott, er möge mich doch an einenruhigen Ort führen. Am Meer sollte er liegen, unbedingt, denn das Meer liebe ich sehr.Ich bin keine Sonnenanbeterin, das war mir immer zu langweilig und zu heiß, und ichhatte keine Lust, bei fortgeschrittenem Alter die Sonnenstunden an meiner Haut ablesenzu können. Aber ich muss das Meer sehen und hören, dann ist die Welt in Ordnung. Undich brauchte Ruhe – sehr viel Ruhe! Und natürlich etwas Fisch und Meeresfrüchte inallen Variationen! 42
  • Also fuhr ich los. Ich schaute kurz auf meiner Landkarte nach; die grobe Richtungkannte ich. Da mir die Küstenstrecke von früheren Reisen noch gut im Gedächtnis war,nahm ich eine etwas abseits gelegene Schnellstraße, darauf kam ich gut vorwärts. Nachetwa zwei Stunden hatte ich das Gefühl, kurz vor dem Ziel zu sein. Ich kam an eineKreuzung und fuhr nach Norden Richtung Meer. Dann stand ich vor einem Ortsschildmit der Aufschrift Plouescat, und ich beschloss, mir dort ein kleines Hotelzimmer zusuchen. Ich gab diesen Wunsch an meine innere Führung ab. Zumal etwas unter meinemAuto ziemlich unangenehm klapperte, das mich etwas beunruhigte. Aber irgendwiehatte ich mich verfahren, jedenfalls kam ich vom Ort ab und sah plötzlich einewunderschöne Heidelandschaft vor mir, und dahinter erstreckte sich ein endlos langer,breiter Sandstrand in einer riesigen Bucht. Das Meer war weit, weit entfernt, es glänzteam Horizont in der Sonne. Ich war überwältigt von dem Anblick, aber ein Hotel gab eshier nicht. Dafür einen Campingplatz. Nun, das war nicht mein Wunsch gewesen. Ichbin keine Camperin und war, außer mit einigen Handtüchern, dafür nicht ausgerüstet. Eswar auch erst Mai und alles ruhig. Irgendetwas zog mich jedoch an, und ich hielt vordem Empfangshäuschen. Es gab keine Schranke oder so etwas, und so ging ich einStück auf dem Weg und sah rechts und links in kleinen Rasenbuchten, von hohenHecken geschützt, Mobilheime in verschiedenen Größen. Diese kannte ich nur vonFotos, und sie gefielen mir. Sie sahen alle ziemlich neu aus, und der gesamteCampingplatz machte einen einladenden Eindruck. Wohnwagen oder Zelte sah ich garkeine. Nun, es war aber nichts für mich.Ich kehrte zum Auto zurück und wollte gerade losfahren, als ein junger Mannangelaufen kam und mich fragte, warum ich denn wegfahre. Ich erklärte ihm, ich habemich auf der Suche nach einem Hotelzimmer verfahren. Er lud mich ein, noch einmalden Campingplatz mit den Mobilheimen zu besichtigen und dort zu bleiben. Auf meinenEinwand, ich habe keine Campingausrüstung dabei, erwiderte er, ich brauche nichts, essei alles da. Ich ging also mit ihm, und er zeigte mir ein gemütliches Mobilheim mitzwei Schlafzimmern, Küche und Aufenthaltsraum, Dusche und Toilette. Es war wirklichan alles gedacht: Gas, Elektrizität, Einrichtung, Geschirr, Gläser, und für die Betten gabes sogar Betttücher aus reißfester Gaze, diesem Material, das ich aus dem Krankenhausher kenne. Ich war begeistert. Nun, preiswert war es nicht gerade. Aber schön war es.Und auf meine Nachfrage hin erfuhr ich, dass ich der einzige Gast war. Daraufhin sagteich sofort zu. Der junge Mann fragte mich, ob wir deutschen Frauen keine Angst hätten,worauf ich ihm antwortete, ich habe keine Angst, aber das sei kein Attribut derdeutschen Frau an sich. Es stellte sich dann heraus, dass das ältere Pächterehepaar auchauf dem Platz übernachtete, allerdings weit von mir entfernt – immerhin.Ich stellte also mein Auto auf die Rasenfläche vor dem Mobilheim und zog ein, nichtohne den jungen Mann zu bitten, sich einmal unter mein Auto zu legen undnachzusehen, warum es so klapperte. Schließlich sind französische Männer für ihreHöflichkeit bekannt. Es war die Abdeckung des KAT, also brauchte ich mich darumauch nicht mehr zu sorgen.Ich machte sogleich einen Erkundungsgang über die mit Heidekraut bewachsenenDünen zum Strand. Er war zum Dorf hin flach, bedeckt mit riesigen Granitsteinen,sogenannten Menhiren, bekannt als die Hinkelsteine bei Asterix, und zur Linkenerstreckte sich eine riesige Bucht bis zum nächsten Ort am gegenüberliegenden Ufer.Das Meer war immer noch weit entfernt, und am Strand lagen einige kleine bunteBoote. Ich war begeistert. Und dann erinnerte ich mich an meine Bitte, die ich morgens 43
  • "nach oben" abgegeben hatte, mich an einen netten, ruhigen Ort zu führen. Dankeschön,das hatte prima geklappt!Am Abend aß ich in dem kleinen Restaurant des Campingplatzes. Ich musste das Essenvorbestellen, und man kochte speziell für mich. Ich war anspruchslos, denn was ichmochte, war alles im Überfluss vorhanden. Meeresfisch, Muscheln, Krabben, sogarAustern und Hummer. Letzteres esse ich nicht mehr, erstens finde ich die Tiere einfachzu prächtig, und ich kann den Gedanken nicht ertragen, dass sie in kochendes Wassergeworfen werden und dann erst sterben. Fische werden wenigstens mit einem Schlagauf den Hinterkopf getötet, wobei die Austern, die verschlucke ich ja lebendig –nachdenken möchte ich darüber auch nicht... Aber dafür esse ich kaum noch Fleisch –ach, und überhaupt, ich hatte Urlaub!Die Nacht war wunderschön. Es brannte nur eine kleine Lampe am Eingang des Platzes,ansonsten war alles dunkel. In der Ferne hörte ich das Meer rauschen, ansonsten war esruhig. In meinem Mobilheim war es warm, diese Unterkünfte bestehen aus nichtsanderem als aus Plastik, und das heizt sich auf. Ich könnte mir nicht vorstellen, imHochsommer dort zu wohnen, aber im Mai ging es noch. Es wurde am Abend auchziemlich frisch, und ich freute mich über die Wolldecken im Bett. Ich öffnete dasFenster und betete, Gott möge mich gut beschützen.Den folgenden Tag verbrachte ich mit der Erkundung des Strandes und der großenBucht. Die Flut war im Anmarsch und füllte schon einen Teil der Bucht aus. VomUferweg aus erblickte ich plötzlich eine kleine Stelle im Meer, die mich fesselte. Eshandelte sich um einen Strudel, und darüber kreisten Möwen. Ich sah förmlich dieEnergie, die aus diesem Strudel heraus strömte, vor mir. Ich ging näher und erblickte indiesem Strudel viele kleine Fische, die im Kreis schwammen. Ein gefundenes Fressenfür die Möwen – aber sie fraßen sie nicht! Sie umkreisten ebenfalls diese Stelle, dieungefähr einen Quadratmeter umfasste. Seltsam. Irgendetwas war dort anders als sonst,aber ich konnte es nicht einordnen. Ich machte ein Foto und ging weiter.Einige Tage später traf ein neuer Gast auf dem Platz ein; ich lernte ihn beim Frühstückkennen. Er kam aus Holland und war Campingplatz-Tester. Er war ein älterer Herr, saßin einem alten Kombi und zog einen noch älteren, eiförmigen kleinen Wohnwagenhinter sich her. Er setzte sich gleich zu mir auf die Terrasse. Er kam schon zum drittenMal nach Plouescat und fand es dort sehr angenehm. Nachmittags trafen wir uns nocheinmal, und er meinte sehr bedeutungsvoll, er könne mir etwas Besonderes zeigen, obich mit ihm einen Spaziergang zum Meer machen möchte. Ich begleitete ich gern. Wirgingen nicht weit, ich sah schon von weitem diese magische Stelle im Meer; die Möwenkreisten schon wieder – und der freundliche Campingplatz-Tester zeigte ganz aufgeregtauf genau diese Stelle im Meer! „Da, sehen Sie!“, rief er, „da ist es. Das ist die Stelle,die ich meinte!“Ich sagte ihm lachend, ich habe sie schon längst entdeckt, jedoch wisse ich nicht,worum es sich handelte. Nun war er doch froh, mir etwas erklären zu dürfen: Eshandelte sich hier um eine Stelle, an der Ebbe und Flut zusammen treffen! Einemystische Hochzeit im Meer! – Teresa von Àvila wäre begeistert gewesen! Auch ichwar sehr beeindruckt. Als hätte ich einen großen Schatz gefunden. Und genaugenommen war es ja auch so. Da gibt es eine ganz besondere Stelle auf der Welt, ander die Gezeiten aufeinander treffen. Sie treffen sich immer an dieser einen Stelle! An 44
  • dieser kleinen Stelle von nur einem Quadratmeter. Ein Quadratmeter Welt. Siewanderte sicher im Laufe der Zeit, der Meeresspiegel steigt stetig an; aber jetzt war siehier an dieser Stelle, zu der ich ein paar Tage zuvor intuitiv hingeführt worden war!Dieser Stelle entspringt eine magische Kraft, die nur ganz besondere Menschenerkennen können. Dieser Holländer war auch von dieser Spezies. Menschen wie wirerkennen sich sofort, egal wo wir hingehen; egal, welche Sprache wir sprechen. Wirerkennen das Aufleuchten des Geheimnisses des Lebens, wie die Mystik genannt wird;wir entdecken Gott in den Augen eines Fremden. Unsere Freunde waren in diesem Falledie Fische im Wasser und die Vögel in der Luft. Noch am Abend reiste der mystischeHerr ab, und ich übergab mich wieder der Stille.Tags darauf hatte ich Besuch von einer großen, dicken Wolke; sie stand plötzlich vormir. Unten am Boden, vor meinem Sessel, auf dem ich auf dem kleinen Rasenstück vordem Mobilheim saß und wieder in dem Buch las, aus dem auf dem Mont St. Michelschon einmal die Flamme Gottes herausgekommen war. Das Kapitel handelte von derVerklärung Jesu, als Er auf einen Berg stieg, beschrieben in der Bibel bei Matthäus,17,5: „Da Er noch also redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe,eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist Mein lieber Sohn, an welchem IchWohlgefallen habe, den sollt ihr hören!“ Ich schaute plötzlich von meinem Buch aufund fand mich vor einer ebensolchen Wolke auf meinem Sessel sitzend! Ich weiß esnoch heute: Diese Wolke löste in mir einen Fluchtreflex aus! Ich hatte Angst. In diesemMoment wusste ich nicht: Bin ich zu dieser Wolke hinauf gestiegen, oder ist sie zu mirherunter gekommen? Wenigstens konnte ich diesen Fluchtreflex geistesgegenwärtigumwandeln, in das Mobilheim zu stürzen und den Fotoapparat zu holen. Als ichherauskam, war die Wolke schon wieder ein Stück himmelwärts gezogen und löste sichauf. Trotzdem hat man bei näherer Betrachtung des Fotos das Gefühl, sie kommt vonweit unten, der Schwung nach oben ist irgendwie sichtbar... Immerhin ist es eineErinnerung an eines meiner eigenartigen Erlebnisse mit Jesus.Es gab eine Zeit, da konnte ich hingehen bzw. hinfahren, wo ich wollte, Jesus war schonda. Und wenn es nur in Form eines Abziehbildchens am Laternenmast war, an dem ichparkte. Mit diesem kleinen Bild wurde für ein Ikonenmuseum geworben. Es klebteüberall und verfolgte mich fast. Dies war vor acht Jahren, als mir eine junge Frau sagte,sie sähe Jesus bei mir. Das war mir neu, ich hatte damals erst ein wenig Gott gefunden,Jesus noch nicht. Aber sie sagte einfach so: „Ich sehe Jesus bei dir.“ Ich wusste, sie siehtvieles, deswegen ließ mir ihre Aussage keine Ruhe. Ich dachte oft daran und besuchtedieses Ikonenmuseum. Ich war überwältigt von dieser Kunst und vor allem von diesenEnergien, die die Ikonen in sich bargen. Mir standen die Haare zu Berge, ich konnte eskaum aushalten. Kurze Zeit später besaß ich eine eigene Ikone von der Muttergottes undJesus; hergestellt von einer netten Dame, deren Hüfte ich behandelt hatte, eigens fürmich als Dankesgabe.Jesus muss überglücklich gewesen sein, endlich von mir gefunden worden zu sein, undvon nun an rechnete ich auch ständig mit Seinen Erscheinungen. Ein Jahr später kaufteich von meinem Freund Johannes einige Figuren von Jesus, Maria, Josef, MariaMagdalena und der Heiligen Thérèse von Lisieux. Diese Figuren sind etwa 30 – 40 cmhoch und wurden über Jahrzehnte bei Fronleichnamsprozessionen vor die Häuser und indie Fenster gestellt. Nun stehen sie in meinem ganzen Haus verstreut und haben einewunderschöne Ausstrahlung. Und Jesus ist nun immer um mich herum, einfach da, mitmeiner Seele verschmolzen. 45
  • Da fällt mir noch eine nette Geschichte ein, auch sie begann mit zwei dicken Wolkenam Himmel. Ich war in der Nähe Stuttgarts unterwegs und wollte nachmittags in demkleinen Städtchen einen Kaffee trinken. Ich kannte mich nicht aus und bat meine innereFührung, mich zu einem angenehmen Café zu leiten, wo ich auch draußen sitzenkönnte. Mein Blick fiel sofort auf zwei große Cumuluswolken in der Ferne am Himmel,die sich in strahlendem Weiß so malerisch postiert hatten, dass ich spürte: „In dieseRichtung musst du gehen!“ Gespürt, getan, ich ging in Richtung der Wolken. Nachzweihundert Meter erreichte ich einen kleinen öffentlichen Platz mit einem reizendenCafé, vor dem ein paar Tische aufgestellt waren. Ich setzte mich an einen Tisch, vondem aus ich die Wolken sehen wollte – aber sie waren verschwunden! Wieweggeblasen... Ich bestellte einen Kaffee und rief meine Tochter an. Das Telefonat warnicht sehr erbaulich, und ich muss ziemlich verärgert ausgesehen haben. Jedenfalls fing,als ich das Gespräch beendet hatte, ein Mann am Nachbartisch an zu lachen und meinte,es sei nicht zu überhören gewesen, dass ich mit meiner Tochter nicht ganz einig sei. Dasbrachte mich zum Lachen, und so unterhielten wir uns weiter über die Tische hinweg.Der Mann sah nicht nur aus wie ein Indianer, er erklärte mir, er stamme von einemamerikanischen Indianervolk ab, dessen Name ich vergessen habe. Er wohne in derEifel und verkaufe zum ersten Mal seine eigene Kunst. Das waren riesige Wurzeln, dieer hinter seinem Haus ausgrabe und bearbeite. Nun wollte er diese Kunstwerke imSchwäbischen verkaufen.Ich dachte, ich höre nicht recht! Diese Wurzeln hatte ich eine Woche zuvor gesehen aufmeiner Fahrt, die ich beruflich einmal im Monat durch die Eifel unternahm. Ichunterbrach ihn: „Ich kenne ihre Wurzeln, und ich weiß, wo sie leben. In dem Ortnamens .... in der Eifel. Es ist ein blaues Haus, davor ist ein kleiner Garten angelegt, undvor dem Haus steht eine große bemalte Wurzel.“ Der Indianer lachte. Er wunderte sichnicht, dass ich ihm nun 400 km von seiner Heimat entfernt als völlig Fremde auf denKopf zusagte, wo er wohnte und wie sein Haus aussah. Er lachte einfach. Für ihn war esnormal, dass es so etwas gibt.Nur wusste ich nicht, welchen Sinn das hatte, dass ich von zwei riesigen Wolken, dieplötzlich verschwunden waren, an diesen Kaffeetisch gelockt worden war – nur umeinen freundlichen Indianer zu treffen und gleich zu wissen, wo er wohnte und womit ersein Geld verdiente. Ich erzählte ihm, wie ich zu diesem Café gekommen war, und dassich des öfteren schon mit dubiosen Wolken zu tun hatte. Er erklärte mir, dass Jesusmeinen Bewusstseinsstand verändere und ich dann diese Wolken sehe. Wir kamen aufdieses Erlebnis in der Bretagne zu sprechen. Ich erzählte es ihm, und darauf hin erzählteer mir von „seinem“ Jesus in der Eifel. In der Nähe seines Wohnortes gab es ein riesigesKreuz mit dem Korpus Christi. Ich war sofort interessiert, dieses Kreuz einmal zusehen, und er erklärte mir den Standort. Außerdem lud er mich ein, ihn und seineFamilie zu besuchen. Als mich kurze Zeit später mein Weg wieder durch die Eifelführte, fuhr ich zu diesem Kreuz. Es war weitaus größer, als ich es mir vorgestellt hatte.Riesig! Ein mehr als haushoher Stamm mit einer vielleicht drei Meter großen Figur desHeilands stand da direkt an einer Landstraße, und Jesus schaute auf mich herunter. Ichkonnte Ihn erst von der anderen Straßenseite aus richtig sehen. So musste ich also zuerstin die Nähe Stuttgarts reisen, damit mich dieser Indianer aus der Eifel zu diesemwunderschönen Kreuz bringen konnte! Sein Jesus wurde mein Jesus, und seine Frauund die vielen Kinder besuchte ich auch von Zeit zu Zeit. Er war allerdings nachAmerika abgereist. 46
  • *„Würden wir auf nichts andres sehen als auf den Weg, dann wären wir bald am Ziel“ (Teresa von Àvila) * 47
  • Ermutigende Worte Jesu an dich... Ich kenne dein Elend, die Kämpfe,Drangsale deiner Seele, die Schwächen deines Leibes. Ich weiß auch um deine Feigheit, deine Sünden und trotzdem sage ich dir: Gib mir dein Herz, liebe mich, so wie du bist! Wenn du darauf wartest, ein Engel zu werden, um dich der Liebe hinzugeben, wirst du mich nie lieben.Wenn du auch feige bist in der Erfüllung der Pflichten und in der Übung der Tugenden, wenn du auch oft in jene Sünden zurückfällst, die du nicht mehr begehen möchtest, ich erlaube dir nicht, mich nicht zu lieben! Liebe mich wie du bist! In jedem Augenblick und in welcher Situation du dich auch befindest, im Eifer oder in der Trockenheit, in der Treue oder Untreue, liebe mich, so wie du bist! Ich will die Liebe deines armen Herzens; denn wenn du wartest, bis du vollkommen bist, wirst du mich nie lieben! Könnte ich vielleicht nicht aus jedem Sandkörnchen einen Seraph machen, strahlend vor Reinheit, Edelmut und Liebe? Bin ich nicht der Allmächtige? Und wenn es mir gefällt, jene wunderbaren Wesen im Himmel zu belassen,um die armselige Liebe deines Herzens zu bevorzugen - bin ich nicht immer der Herr meiner Liebe? Mein Kind, lass mich dich lieben; ich will dein Herz. Sicherlich werde ich dich mit der Zeit umwandeln, doch heute liebe ich dich so, wie du bist, und ich wünsche, dass auch du mich so liebst, wie du bist. Ich will aus den Untiefen deines Elendes deine Liebe aufsteigen sehen! Ich liebe in dir auch deine Schwächen; ich liebe die Liebe der Armen und Armseligen. Ich will, dass von den Elenden unaufhörlich der große Ruf aufsteige: Jesus, ich liebe dich! 48
  • Ich will einzig und allein den Gesang deines Herzens; ich brauche nicht deine Weisheit und nicht deine Talente. Eines ist nur wichtig: Dich mit Liebe arbeiten zu sehen! Es sind nicht deine Tugenden, die ich wünsche. Wenn ich dir solche geben sollte - du bist so schwach, dass diese nur deine Eigenliebe nähren würden. Doch kümmere dich nicht darum. Ich hätte dich zu großen Dingen bestimmen können nein, du wirst der unnütze Knecht sein, und du wirst mir sogar das Wenige, das du hast, geben, weil ich dich nur für die Liebe geschaffen habe. Heute stehe ich an der Pforte deines Herzens, wie ein Bettler - ich, der König der Könige! Ich klopfe an und warte! - Beeile dich, mir zu öffnen! Berufe dich nicht auf dein Elend. Wenn du deine Armseligkeit vollkommen kenntest, würdest du vor Schmerzen sterben. Was mein Herz verwunden würde, wäre, zu sehen, dass du an mir zweifelst und es an Vertrauen zu mir fehlen lässt.Ich will, dass du auch die unbedeutendste Handlung nur aus Liebe tust. Ich rechne auf dich, dass du mir Freude schenkst! Kümmere dich nicht darum, dass du keine Tugenden besitzt ich werde dir die meinen geben. Wenn du zu leiden haben wirst, werde ich dir die Kraft dazu geben. Wenn du mir deine Liebe schenkst, werde ich dir soviel geben, dass du zu lieben verstehst, weit mehr als du dir erträumen kannst.Denke jedoch daran, mich zu lieben, so wie du bist! 49
  • Ich habe dir meine Mutter gegeben. Lasse alles, ja alles, durch ihr so reines Herz hindurch fließen! Was auch kommen mag, warte ja nicht darauf, heilig zu werden, um dich der Liebe hinzugeben; du würdest mich nie lieben. Und nun gehe!(Quelle: „Ecce Mater Tua“ Nr. 268, Autor unbekannt ) 50
  • VI. MariaGottesmutter MariaUnd dann kam Maria, die Gottesmutter – als Erstes in Form der Maria aus Schönstatt.Die Maria, mit der Pater Josef Kentenich zusammen mit einer Gruppe Jugendlicher am18. Oktober 1914 im Urheiligtum in Schönstatt ein Liebesbündnis geschlossen hatte,um Sie zu bewegen, sich in dieser Kapelle niederzulassen und Wunder der Gnade zuwirken. Dieser Tag gilt als der Gründungstag für die heute internationaleSchönstattbewegung. Bei der Gründung war das Marienbild, das heute in der Mitte desAltars hängt, allerdings noch nicht im Urheiligtum, sondern kam erst am Karfreitag desfolgenden Jahres nach Schönstatt und wurde kurz vor Beginn des Marienmonats Maiaufgehängt. Das Bild ist eine von vielen Kopien der von Luigi Crosio gemalten„Refugium Peccatorum" (Zuflucht der Sünder). Dieser Titel wurde allerdings inSchönstatt nicht übernommen, sondern – wegen einer geschichtlichen Parallele – derTitel des Gnadenbildes der Ingolstädter Marianischen Kongregation: „Mater teradmirabilis“, abgekürzt MTA.Seit 1943 werden originalgetreue Nachbildungen des Urheiligtums in aller Welt gebaut;anlässlich des Marianischen Jahres 1954 errichteten auch die Pallottiner auf ihremGelände in Limburg gegenüber der Marienkirche eine MTA-Kapelle. Während in denanderen Schönstatt-Heiligtümern gedruckte MTA-Bilder hängen, malte Pater GerhardHermes SAC für das Limburger Kapellchen eines in Öl. Es ist achteckig gerahmt undbesitzt ein ovales Passepartout. Dieses Bild hängt in der Mitte eines geschnitztenHochaltars. Es zeigt Maria und Jesus. Maria schaut direkt zu uns herunter und hält denkleinen Jesus in Ihrem Arm. Sie trägt ein königsblaues Gewand mit weitem Ärmel,darin sieht man einen roten Stoff; diese Farben symbolisieren Himmel und Erde. IhreHaare hat Sie mit einem weißen Tuch bedeckt, das bis über Ihre Schultern reicht. Jesusist ebenfalls mit einem weißen Tuch eingehüllt. Das untere Ende des Bildes hat einenwolkenähnlichen Abschluss. Der Hintergrund ist in einem hellen Braun gehalten, Mariaund Jesus sind von einem hellen Schein umgeben, der sich von diesem Hintergrundabhebt.Es war am 13. Juli 2009, drei Wochen nach meiner Firmung, anlässlich meiner erstenHerz-Jesu-Andacht in der Limburger MTA-Kapelle. Ich betete den Rosenkranz mitmehreren Gläubigen, die sich an jedem 13. zusammen finden. Es dauerte nicht lange, daüberkam mich eine große Rührung, und ich wurde von Weinen überwältigt. Ich saß inder ersten Reihe und wollte mich beruhigen, indem ich einfach Maria ansah. Ich schauteauf den Altar, und plötzlich begann Sie zu leuchten. Zuerst leuchtete nur Ihre Aura, derhelle Kranz um Sie herum. Auf einmal leuchtete auch Jesus. Dann blinkten MariasAugen, und im selben Augenblick fingen meine Augen auch an zu klappern. Ich konntesie nicht mehr kontrollieren. Es war kein normales Nervenzucken, wie es wohl jederkennt. Es war eine Bewegung darin mit einem seltsamen Klappern des Augenlids. Undwenn ich meine Augen schloss, ging diese Bewegung innerlich weiter. Als ich meineAugen wieder öffnete, stand der komplette Altar in Flammen! Natürlich nur für mich –er leuchtete rundherum in purem Gold. Und Maria mit Ihrem Jesuskind leuchteten jetztbeide und blinkten. Bis schließlich der gesamte Altar blinkte wie – ja, ich muss es leiderso sagen, denn das trifft es am besten: wie die Reklametafel an einer Jahrmarktbude. Ichbitte um Entschuldigung, geliebte Maria, lieber Pater Kentenich, aber mir fällt einfach 51
  • nichts Besseres ein. Nach einigen Minuten war dieses Schauspiel beendet, ich nahmwieder meinen Rosenkranz auf und betete tapfer weiter.Zum Abschluss wurden wir von den beiden Patres gesegnet, die jeden Tag kurz vor 15Uhr in der MTA-Kapelle erschienen. Ihr Segen war für mich immer etwas Besonderes,ich spürte die große Kraft, die diese Patres ausstrahlten, denn sie waren erfüllt vonGottes Licht und Liebe. Der ältere Pater starb kürzlich wenige Wochen nach einemSturz zu Beginn einer Messe, an der ich teilnahm. Er stürzte aus unerfindlichenGründen direkt vor dem Herz-Jesu-Altar. Bei seiner Beerdigung hob der Zelebranthervor, dass für diesen Pater die Wahrheit und Klarheit immer das Wichtigste waren. Dawurde mir klar: Er hatte mir in der kleinen MTA-Kapelle nicht nur seinen Segengespendet, er war mir sicher auch bei meiner Suche nach meiner eigenen Wahrheit undKlarheit behilflich. Ich werde immer an ihn denken. Seine Seele ruhe in Frieden!Zurück zu Maria in der MTA-Kapelle: Am nächsten Tag besuchte ich Sie wieder. Ichwollte es genauer wissen. Was war es, was Maria und Jesus mitsamt dem Altar soentflammt hatte? Nicht ohne vorher eine Kerze angezündet zu haben und Maria undJesus aufs Liebste zu begrüßen, setzte ich mich in die erste Reihe. Schließlich war ichnicht zu einem wissenschaftlichen Experiment gekommen! So viel war mir schon klar:Es war etwas Besonderes, ein Geschenk; und ich wagte es eigentlich nicht, diesesGeschenk noch einmal haben zu wollen. Dazu bin ich viel zu bescheiden. Aber natürlichwar ich auch neugierig. Warum hatten meine Augen so geklappert? Warum hatte ichvorher weinen müssen? All das wollte ich unbedingt näher wissen.Ich setzte mich wieder in die erste Reihe und betete. „Gegrüßet seist Du Maria, voll derGnaden, der Herr ist mit Dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit istdie Frucht Deines Leibes, Jesu. Heilige Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und inder Stunde unseres Todes. Amen.“ Alles war ruhig. Noch mal: „Gegrüßet seist Du Maria...“ Und ein drittes Mal: „Gegrüßet seist Du, Maria...“ – und es ging wieder los. DiesesMal musste ich nicht weinen. Ich spürte mein linkes Auge, wie es anfing zu klappern.Ich schloss die Augen, und das rechte Auge setzte ebenfalls ein. Ich öffnete die Augenwieder, und da blinkte Maria mit Ihren Augen. Die Aura wurde sichtbar, und IhreSilhouette hob sich zusammen mit Jesus vollkommen aus dem Altar hervor. Dannerstreckte sich das Gold über den ganzen Altar, und er wurde wieder zu einemblinkenden Altar wie auf einem Rummelplatz.Ich war erfüllt von Liebe, wissend, da passiert ganz viel, aber was? Als ich anfing zudenken, war der ganze Spuk (nein es war kein Spuk, aber es fühlte sich so an) zu Ende.Ich beruhigte mich, dachte etwas nach, aber dann zog mich Maria wieder in Ihren Bann,und ich wusste plötzlich, ich musste heraus aus meinen Gedanken, hinein in mein Herz.Sie wollte meine Liebe, das war sicher, diese konnte Sie haben. Ich öffnete mein Herz,ließ meine Liebe fließen und fing wieder an zu beten: „Gegrüßet seist Du Maria...“, undschon wieder kam es zurück, dieses Augenzucken, Zwinkern, Klappern – und Mariaund Jesus standen wieder in Flammen!Ich erzählte dieses Phänomen vorsichtig der netten Dame, die ich oft in die MTA-Kapelle und in andere Gottesdienste begleitete. Ich hatte sie anlässlich meiner Firmungin der kleinen Annakirche kennengelernt. Sie kam danach zu mir und drückte mir einenRosenkranz in die Hand! Unsere Zeremonie war so vom Heiligen Geist erfüllt, das hattesie gespürt. Ihr Gesicht strahlt ständig, und sie sieht immer jünger aus, obwohl sie – 52
  • oder gerade weil sie kein leichtes Leben hat. Aber ihr unermüdlicher Glaube und ihretiefe Liebe zu Maria und Josef und allen Heiligen und zu unserem Herrn helfen ihr überalle schweren Zeiten hinweg. Als ich ihr von Marias Leuchten erzählte, war sie zwarerstaunt, aber sie glaubte mir. Sie hat sicher andere Arten des Kontaktes mit Mariaentwickelt. Und ich weiß es mittlerweile: Menschen, deren Herzensöffnung so groß istwie die meine, das sind meine Schwestern und Brüder im Glauben, und sie wissen, dassich nichts Falsches erzähle oder erfinde. Sie wissen es einfach aus ihrem tiefen Glaubenheraus, und weil sie selbst so sind wie ich.Einige Nächte später wachte ich auf und wusste, was Maria von mir wollte. Sie wolltemich die Telepathie lehren! Sie wollte mir sagen: „Hör zu, es gibt eine Art derKommunikation, die musst du jetzt lernen, du wirst sie gebrauchen können. Ich zeigesie dir.“ Schlagartig wurde mir klar: Wenn ich mich mit meinem Rosenkranzgebet aufdie Frequenz von Maria einstimmte, dann zeigte Sie es durch das Leuchten und Blinkenund das Zwinkern Ihrer Augen, und meine Augen antworteten Ihr. Das Ganze war nichtsanderes als eine telepathische Übertragung. Ich war bei dem ersten Mal so überwältigt,bevor dies alles sichtbar war, aber Maria hatte sicher schon über mein Herz gesprochenund mich damit zum Weinen gebracht. Dann ließ Sie mich beten, und schon nachdreimaligem Beten des Ave Maria fing Sie an, mir Ihre Botschaft zu übertragen. Was siesagte und wie die Botschaft lautete, war mir nicht bewusst. Telepathie funktioniert wieein Radio, es gibt einen Sender und einen Empfänger auf ein- und derselben Frequenz.Das Gesagte kommt, solange wir noch nicht geübt sind, erst später in unser Bewusstseinals ein stummer Impuls.Ich probierte es an diesem Tag noch ein drittes Mal, und wieder klappte es auf Anhieb.Drei Mal beten, und es ging los. Sobald ich darüber nachdachte, fiel die Frequenz ab,und das Blinken hörte schlagartig auf. Ich versäumte es nicht, noch in aller Ruhe, ohneirgendetwas von Maria zu verlangen, zu beten. Denn ich wollte Sie nichtüberstrapazieren; nein, mein Respekt und meine Ehrfurcht sind immer noch größer alsmeine Neugierde und meine Liebe zu Ihr allemal!Die Telepathie ist die Sprache der Heiligen zu den Gläubigen, sie ist die Sprache desBetenden zu Gott und Seinen Helfern, und sie ist die Sprache der Liebenden, derenSeelen sich auf einer sehr hohen Ebene zueinander vortasten und miteinanderverbinden.Im Limburger Dom gibt es außerdem noch eine großartige Gebetsecke im nördlichenQuerhaus. Dort steht Maria, goldfarben und etwa 1,50 Meter groß, als Himmelskönigingekrönt, mit Jesus auf Ihrem rechten Arm und einem Zepter in der linken Hand. Sie hatein wunderschönes Gesicht und schaut geradeaus, wobei Jesus Seinen Blick nach rechtsgerichtet hat. Auf dieser Seite sitze ich sehr gern auf dem in die Wand eingelassenenSims. Es handelt sich um eine Marienfigur aus dem Mainzer Barock mit seinentypischen sanften, fließenden Formen. Die Figur ist etwa 300 Jahre alt. Unter ihrenFüßen wölbt sich die Mondsichel. Diese erinnert an die Vision vom Zeichen der Frau imBuch der Offenbarung des Johannes: „Eine Frau mit der Sonne bekleidet, der Mond warunter Ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf Ihrem Haupt“ (Offb 12,1).Manche Marienfiguren sind mit einem Nimbus dargestellt, der zwölf Sterne enthält. Diefrühe Kirche hat im Bild dieser Frau bereits Maria gesehen bzw. die Kirche selbst.Wenn sich der Mond unter ihren Füßen befindet, dann heißt dies, dass diese Frau keineAbhängigkeit von Mächten und Einflüssen der Natur kennt, sondern darüber steht. 53
  • In der Mitte des Raumes befinden sich zwei runde Gestelle mit vielen kleinen Kerzen,die die Menschen zu ihrem Gebet anzünden können. Der Raum ist recht dunkel, diesträgt noch mehr zu einer ganz besonderen Atmosphäre bei, die zu einem inneren Gebetund einem Dialog mit Maria und Jesus einlädt. Das moderne Kirchenfenster zeigtaufwärts strebende rote Punkte, die bei Sonnenbestrahlung wunderschön leuchten. Siesymbolisieren unsere Gebete, die zu Gott aufsteigen. Das schmiedeeiserne Gitter trägtzusätzlich zu dem Gefühl des Abgeschirmtseins bei.Als ich im September 2008 anlässlich des Geburtstages meiner Tochter das erste Mal inLimburg weilte, besuchte ich den Dom und fühlte mich dort sehr wohl. In dieserGebetsecke zündete ich eine Kerze an und wünschte mir, ohne dies jedoch zu sehr zubetonen, Maria möge mir doch helfen, eine Wohnung zu finden. Zusätzlich schrieb ichmeinen Wunsch auf einen Gebetszettel und warf ihn in die dafür vorgesehene Urne ein,die die beiden Domschwestern (Franziskanerinnen) jeden Abend leeren und Gott dieseBitten noch einmal vortragen. Das ist eine großartige Sache, finde ich.Nach kurzer Zeit verließ ich den Dom und ging die angrenzende Straße hinunter, etwa150 Meter weit. Mein Blick fiel in ein Fenster eines hellen, hohen Hauses, darin hingein Zettel mit der Aufschrift: „Wohnung zu vermieten...“ Ich überlegte nicht lange,nahm mein Handy und rief an. Die Hausbesitzerin erklärte mir kurz die Größe derWohnung und lud mich zu einem Besichtigungstermin ein. Ich ging hin und mietetediese Wohnung.Hoch erfreut und mit tiefem Dank erfüllt, besuchte ich wieder den Dom und schrieb aufeinen Gebetszettel: „Danke, aus der Wohnung wurde ein Haus in der Domstraße. GrußMonika Petry.“Anlässlich eines Besuches mit einer Freundin nach eineinhalb Jahren bei denDomschwestern, zeigte mir eine der Schwestern ein Schatzkästchen, wie sie es nannte,darin bewahrt sie besondere Gebetszettel, die natürlich anonymisiert sind, auf. Sie nahmwahllos einen heraus und las vor: „Danke, aus der Wohnung wurde ein Haus in derDomstraße...“ – „Das ist ja von ihnen“, rief sie überrascht, „welch ein Zufall!“ Nein,Zufälle gibt es nicht – es war das, was uns immer wieder unsichtbar miteinanderverbindet. * „Vor törichter Andacht und sauertöpfischen Heiligen bewahre uns, o Herr!“ (Teresa von Àvila) * 54
  • Schwester MariaEines Abends stand eine Ordensschwester vor meiner Haustür und bat um Aufnahme,und ich gewährte ihr Asyl. Nennen wir sie Schwester Maria. Ich hatte sie im Domkennengelernt und kurz mit ihr gesprochen. Am Abend war sie da. Nach Jahrzehntendes Ordenslebens stand sie vor einer neuen Herausforderung, die ihr von Gott gegebenworden war und die sie nun angenommen hatte. Ihr Start in ein neues Leben war nichteinfach und blieb auch bei mir nicht ohne Spuren. Sie hinterließ einen tieferenEindruck, als ich es mir jemals hätte vorstellen können. Ohne es zu ahnen, bahnte sichin diesen zwei Monaten des Zusammenlebens und vielleicht schon in der ersten Woche,die mit intensiven Gesprächen gefüllt war, mein eigener neuer Lebensweg und meineeigene Transformation an.Wir hatten genügend Gesprächsstoff, meine Ordensschwester Maria und ich. Sie wardie Fachfrau des Evangeliums, sie sang die Psalmen rauf und runter, sie sprach keinenormalen Sätze, machte keine normalen Aussagen, sie zitierte einfach die Bibel. IhrLiebling war Paulus, er wurde zu jedem Thema hinzugezogen. Auch der Papst warunser Dauergast. „Wenn der Papst wüsste“, flüsterte Maria beim Abendbrot eindringlichmit erhobenem Zeigefinger, als wollte sie mir ein Geheimnis mitteilen, „dass es ineinem Privathaus klösterlicher zugeht als in manchem Kloster!“Dies war mir eine Ehre, und ich werde es nicht vergessen. Ich muss nicht in einenOrden eintreten, um mit Gott zu leben und Ihn zu ehren. Im Gegenteil, es zeigt sich erstim Alltag, wie sehr der Glaube und die Liebe zu allem Sein sich bereits verinnerlichthaben.Ich beschäftigte mich in den Wochen vor dem Eintreffen von Schwester Maria intensivmit den Themen Wahrhaftigeit, erleuchteter Glaube, und Achtsamkeit; Begriffe, dieich nach und nach als eigene Erfahrung integrieren konnte. Ich hatte dafür in meinernächsten Umgebung keinen Gesprächspartner. Maria hingegen war hoch erfreut:„Erleuchteter Glaube! Das kennst du!“, jubelte sie. Endlich durfte auch sie über ihretiefsten Belange sprechen.Genau genommen brachte mich Schwester Maria dazu, dieses Buch zu schreiben. DieTatsache, dass sie nach über fünfzig Ordensjahren niemanden gefunden hatte, mit demsie über den erleuchteten Glauben sprechen konnte, machte mich nachdenklich. Auf deranderen Seite kenne ich viele Suchende, die auf dem Weg zu Gott in allen möglichenSackgassen hängen bleiben, weil die ersehnte Leere nicht mit Gott ausgefüllt wird. DieMenschen sind auf der Suche nach Gott. Sie brauchen wiederum Menschen, die ihnenvon Gott erzählen können, von ihrer eigenen Suche und von ihrem eigenen Weg hin zuihrem Glauben und diesem Bewusstsein. Sie würden meine Ordensschwester Maria aufHänden tragen! Sie hatte einerseits die notwendige Strenge, aber auch die Liebe Gottesin ihrem Herzen, die aus ihr hervorsprudelte, sobald ich von Ihm sprach. Gott segnemeine liebe Schwester Maria! * „Oh, Schwestern, klar und deutlich ist es zu sehen, in wem von euch die Nächstenliebe in Wahrheit lebt und wo sie noch nicht so vollkommen ist!“ (Teresa von Àvila) * 55
  • VII. Erleuchteter GlaubeDen erleuchteten Glauben, worüber ich nun mit meiner Ordensschwester sprach, kannteich: Bei mir zeigte er sich mit sich ständig abwechselnden Höhen und Tiefen, die zuwahren Krisen auswuchsen. An einem Morgen stand ich auf und fühlte mich komplettüberfordert. Statt Gottes Kraft und Liebe sowie die Charismen des Heiligen Geistes alsGeschenk anzusehen und mich darüber zu freuen, sah ich nur meine eigeneVerantwortung und vergaß dabei, dass ich doch von Gott getragen werde. Ich hatte dasGefühl, daran zu zerbrechen. In mir steckte das Gefühl der tiefen Schuld an allem Elendder Welt, ganz besonders natürlich an dem Schicksal von Menschen in meinemFamilien- und Bekanntenkreis, das ich durch meine Gebete nicht zum Guten hattewenden können bzw. die Gott zuerst einmal durch ein tiefes Tal des Jammers schickte,damit sie endlich auf ihren Lebensweg kommen konnten.Gott sei Dank konnte ich mein Herz meinem Seelsorger ausschütten, der mirVerständnis und Mitgefühl entgegen brachte. Dies bewirkte einen kompletten Wandel inmir. Mein Urvertrauen kehrte zurück, mein Gottvertrauen, meine tiefe Liebe zu Gott,meine Demut und das Wissen: Alles hat seine Richtigkeit, alles ist gut!Teresa von Àvila nennt die Wege des Gottessuchenden: Der erste hat alsSchlüsselbegriff die Wahrheit und Wahrhaftigkeit, die mit der Demut einhergeht. Beider Wahrheitsfindung gelangt er zu der Erkenntnis, sich auf dem Weg zu Gott zubefinden und dafür einiges tun zu müssen. Das wichtigste ist die Läuterung, der innereBefreiungsprozess, der ihn für die Liebe Gottes öffnet und von allen Blockaden befreit.Dieser Befreiungsprozess vollzieht sich im Inneren Gebet und beinhaltet auch dieBeichte, die Buße und die Sühne, welche jedoch heute in gemäßigterer Form als zuTeresas Lebzeiten erfolgen dürfen. „Das innere Gebet ist ein so wichtiger Punkt, dassman sagen kann, es sei das einzige Mittel, um in diesem Leben zur Vollkommenheit undzu einer lauteren, selbstlosen Liebe des Herzens zu gelangen. Alle welche wirklicheChristen sein wollen, sind zu diesem Stand der lauteren Liebe und Vollkommenheitberufen“, schrieb Teresa von Àvila in „Das Buch meines Lebens“.Der fortgeschrittene Gottessuchende geht in die Phase der Erleuchtung und derGotteinung über, der „Unio Mystica“ – die geheimnisvolle Vereinigung der Seele mitGott. Dazu braucht es keine besondere Begabung oder Schulung, wie wir wissen, nein,es braucht eigentlich nur die Bereitschaft, sich wirklich auf Ihn einzulassen. Gottschenkt sich uns und lässt sich darauf ein, dass wir offen für Ihn sein wollen. Wirwerden zu Geheimnisträgern und sind mit Ihm lebendige Glieder Seiner selbst –Berufene/Gerufene, durch die Gott spricht und wirkt. Wir erkennen immer deutlicherdie Wahrheit unseres Lebens, und wir erkennen in aller Klarheit Gott.Gott hatte mich also zu meiner Erleuchtung geführt! Seinen Ruf hörend bzw. spürend,bin ich Ihm gefolgt. Ich weiß, ich muss achtsam sein, wach sein, immer in der Lage, derinneren Führung zu folgen. Wenn mich Gott führen will und ich bewege mich nicht,komme ich nicht weiter. Er führt uns zu der Wahrheit und der Klarheit, zurWahrhaftigkeit; wir zweifeln nicht mehr, wir wissen nun: So ist es und nicht anders! 56
  • Im Gegensatz zur Liebe, die uns Gott gibt, ohne eine Gegenleistung zu fordern, schenktEr uns die Erleuchtung nur, wenn wir mit unserer Liebe und unserem Mitgefühl anderenMenschen helfen. „Bitte nicht um Erleuchtung, sondern bitte darum zu dienen.“ Wer dassagte, weiß ich nicht, sicherlich war es ein erleuchteter Mensch in tiefer Demut vor Gottund all seinen Geschöpfen. Wir müssen keinen Heilsaktivismus betreiben, wir müssennur anderen dienen. Dann scheint Sein Licht aus unserem tiefsten Innern. Manchmalsehe ich es ganz groß. Manchmal blitzt es nur als kleiner Punkt vor mir auf, wenn ichmich entspanne. Dann weiß ich: „Aha, Er ist da!“ * „Die Seele darf nicht über das Verstehen nachdenken und sich selbst freimachen, hinein in die Arme der Liebe. Dann wird seine Heiligkeit lehren, was als nächstes zu tun ist.“ (Teresa von Àvila) * 57
  • Das Licht Gottes im MenschenIch habe eine Lieblingsstelle während der Heiligen Messe, wenn der Priester am Altarsteht und bei der Wandlung den Leib und das Blut Christi in Form der Hostie und desKelches hochhebt. Dann schließe ich meine Augen, und vor meinem inneren Auge seheich, wie ein strahlendes Licht sich von oben her über den gekreuzigten Jesus ergießt undden Priester komplett einschließt. Dann wird der Priester zu Jesus, und Jesus formtunseren Leib durch Seinen Leib und Sein Blut um in einen Lichtleib. Des weiterenvereinigt sich in uns das männliche und weibliche Prinzip durch das Brot und denKelch.Während des Pontifikalamtes mit unserem Bischof von Limburg wird dieses LichtGottes noch eindrucksvoller, denn es breitet sich, ebenfalls vom Kreuz herab kommend,von der Gestalt des Bischofs in der Mitte nach rechts und links über die neben ihmzelebrierenden Priester und Diakone aus. Die Farben des Lichtes zerfließen von einemmilchigen Weiß bis zu einem warmen Goldgelb. Wenn ich es doch nur malen könnte!Denn ich sehe ja nicht den menschlichen Leib, sondern das Licht, das sie erleuchtet.Dieses Licht leuchtet nicht nur von außen nach innen – nein, ich bin sicher, es hat seineEntsprechung in dem Menschen selbst. Ich erlebte schon Priester, aus denen währendder Predigt Lichtstrahlen hervortraten, und der Hintergrund löste sich völlig auf. Dassind unsere charismatischen Lichtgestalten, das kommt aus dem Herzen und derinnewohnenden Liebe. Daher wünsche ich mir: Jeder Priester sollte so viel Zeit wiemöglich zur Vorbereitung seiner Messen haben. Das erschafft leidenschaftlicheGläubige, denn wir sehen alle dieses Licht! Nicht immer direkt, jedoch in den Herzenspüren wir es alle!Bei meiner Behandlung eines Klienten, ob in meiner Praxis oder über Fernbehandlungspielt dabei keine Rolle, ist danach sein Befinden sehr entspannt, er ist emotional sehrberührt, oft fließen auch die Tränen, und die meisten sagen: „Ich habe ein Lichtgesehen!“ Diese Aussage klingt überrascht, falls es das erste Mal geschieht; erleichtert,wenn es zum wiederholten Male passiert und sie insgeheim darauf gehofft hatten; undbei allen gemeinsam ist immer wieder die Ehrfurcht zu spüren, denn alle haben dasinnere Wissen: Dieses Licht kommt von Gott, dieses Licht ist Gott. Wir zünden dasLicht nicht selbst an. Es wird angezündet. Und Gott sagt wieder einmal "Danke!", dasseines Seiner Schäfchen in Seine Herde zurück gefunden hat. * „Wenn die Liebe vollkommen ist, so hat sie auch die Kraft.“ (Teresa von Àvila) * 58
  • Achtsamkeit/ Bewusstheit / ErleuchtungDies ist der Weg: – Beten lernen – Blockaden lösen durch Vergebung und Befreiung – Lieben lernen – Hochmut ablegen / Demut erlernen – Ego abbauen – Achtsamkeit erlernenLesen Sie bitte dazu die separaten Anleitungen in den jeweiligen Kapiteln.Das Beten lernen wird von Teresa von Àvila sehr genau beschrieben, daran habe ichmich in diesem Buch eng angelehnt, denn sie ist die beste Lehrerin in dieser Hinsicht. Inallen Punkten handelt es sich um die Öffnung unserer Seele sowie das Ausrichtenunseres Bewusstseins auf das Wesentliche: auf Gott bzw. auf Seinen Sohn JesusChristus, der uns zu Seinem Vater führt. Es geht also letztendlich ganz und gar um dieAuflösung von Formen. Wir verändern unsere Gedankenformen, unser Bewusstsein,unsere Vorstellung, wer wir sind und wie wir uns zu verhalten haben. Wir erreichen einhöheres Bewusstsein in Wahrheit, Klarheit und Wahrhaftigkeit – und dadurch wächstunsere Seele. Sie bekommt Platz zum Atmen. Sie kann sich entwickeln. Sie kann hervorscheinen – es ist das Licht Gottes, es ist der erleuchtete Glaube.Zum besseren Verständnis möchte ich Ihnen noch einmal darlegen, wie Gott uns alsMensch erschaffen hat:Gott gab uns Sein Licht und Seine LiebeEr ist die Liebe! Also sind wir selbst in unserem tiefsten Wesen die Liebe. Sein Lichtscheint durch unsere Seele hindurch. Dieses Licht strahlen wir nach außen underleuchten damit unsere Umgebung und zünden das Feuer in den Seelen der suchendenMenschen an. Ein licht- und liebevoller Mensch ist immer ein Magnet für andereMenschen. Er zieht sie an, buchstäblich wie die Motten das Licht. Es ist das LichtGottes.Eine kleine Übung in drei Etappen:Stellen Sie sich vor einen möglichst großen Spiegel. Sehen Sie sich als neutrale Personan, und beschreiben Sie diese Person. Wie sieht sie aus, welche Ausstrahlung hat sie?Stellen Sie sich vor einen imaginären zweiten Spiegel, und stellen Sie sich darin Gottvor als ein großes, leuchtendes Licht.Nun treten Sie erneut vor Ihren ersten Spiegel. Sie haben immer noch die Vorstellungdes großen, leuchtenden Lichtes Gottes vor Augen. Und dann schauen Sie diese Person,die sich in diesem Spiegel zeigt, an. Nun verbinden Sie diese Person in diesem Spiegelmit dem leuchtenden Licht Gottes. 59
  • Jetzt wird Ihnen bewusst: Das sind Sie selbst, das ist Ihre eigene Seele, die sich,verbunden mit dem Göttlichen strahlenden Licht, vor Ihnen präsentiert! Sie erkennenGott in sich selbst, Sie erkennen sich selbst als ein Göttliches Wesen, durchdrungen vonGöttlicher Liebe und Göttlichem Licht. Sie erkennen sich selbst durch die AugenGottes, und Sie erkennen Gott durch Ihre Augen. Der Weg zur Erleuchtung ist nichtmehr weit.Gott gab uns unser UnterbewusstseinUnser Unterbewusstsein mit den Gefühlen, die wir im Leben aktiv als Emotionenausdrücken. Durch diese Emotionen sind wir mit unserem Körper verbunden und derKörper mit unserem Unterbewusstsein. Es drückt unsere Gefühle aus, die wir in zweiKategorien unterscheiden:– Die Göttlichen Gefühle, die wir im Herzen spüren und die wir durch unser Herzausstrahlen: Liebe, Freude, Frieden. Diese Gefühle sind wahre, tiefe Gefühle und zeigenunsere innere Verbindung mit unserem Göttlichen Sein an. Wahre Freude schwenktniemals in Schmerz um und auch nicht wahre Liebe in Hass. In unserer Seele entstehtStille und Demut.– Die körperlichen Gefühle: Schmerz, Leid, Frohsinn, Lust, Wohlsein, Wut, Hass, Neidetc. Diese Gefühle sind kurzlebig und können innerhalb Sekunden in ihr Gegenteilumschwenken. Sie erzeugen Lärm und Unruhe in uns.Über das Unterbewusstsein (und nur darüber!) sind wir mit dem Göttlichen in unsverbunden.Gott gab uns unser Bewusstsein, unseren VerstandDarin wohnt das höchste Gut, das wir zum Leben besitzen: der freie Wille. Er istunantastbar. So wie Gott sagt: „Mein Wille geschehe!“, so gesteht Er uns unseren freienWillen zu. Wir sind Ihm gleich! Jedoch meinen wir meist etwas anderes als Er, wennwir gemäß unseres Willens leben und unseren Willen durchsetzen wollen. Wir werdendickköpfig und egozentrisch: „Ich will aber!“ Und schon ist Gottes Wille weit von demunsrigen entfernt. Erst durch die Worte: „Dein Wille geschehe“, Gott in uns als unserwahres Wesen erkennend, stimmen wir mit Ihm überein und werden selbst zu einemGöttlichen und Göttlich handelnden Wesen.Den freien Willen ausdrücken bedeutet weiterhin: Wir sind jederzeit frei, über unsereGedanken und Gefühle zu entscheiden. Wir dürfen sie ablehnen und verbannen: „Nein,diese Gefühle/diese Gedanken möchte ich jetzt nicht haben! Sie tun mir nicht gut, alsoschiebe ich sie weg von mir.“ Unsere Gedanken und Gefühle sind Energieformen, dienicht unser wahres Selbst ausmachen. Wir sind frei, sie willentlich zu verändern und unsjederzeit für die Gedanken und Gefühle der Freude und der Liebe entscheiden zukönnen. Oder wir machen unsere Herzen weit und lassen Gott in uns einziehen. 60
  • Gott gab uns unseren KörperWährend einige Ur-Völker immer noch nackt im Busch leben, tritt alles Körperliche mitwachsender Evolution und Spiritualität in den Hintergrund. Der Körper wird als dasgesehen, was er ist: Die Hülle unseres Unterbewusstseins und Bewusstseins, mit der wirauf dieser Erde in der dichten Materie leben können, und diese Hülle ist sterblich. UnserKörper ist das einzig Sterbliche an uns, aber darauf reduzieren die meisten derwestlichen Menschen ihre gesamte Energie – der Erhaltung dieser sterblichen Hülle.Das Unsterbliche wird vernachlässigt bzw. gänzlich vergessen und als nicht vorhandenangesehen.Da der Körper unser Göttliches Sein nach außen ausdrückt, ist es wichtig, ihn gut zubehandeln, zu pflegen und zu achten. Wir sind verpflichtet, unserem Körper seineRuhepausen und durch die Nahrung alles Notwendige zu geben. Mit jedem körperlichenMissbrauch zeigen wir, dass wir das Göttliche in uns nicht achten. Die körperlicheLiebe sollte eine Darbietung der Liebenden vor Gott sein. Dann entfällt auch jedeBewertung, ob sie gut oder schlecht, ob sie anerkannt und erlaubt ist oder nicht. AlleinGott entscheidet. Führt er zwei Menschen durch die Übereinstimmung ihrer Seelezusammen, sagt er Ja zu der Liebe. Wer hat da noch das Recht, Nein zu sagen?! * „Die Vernunft ist gut, aber besser ist die Liebe, die uns der Vernunft entreißt“ (Teresa von Àvila) * 61
  • Gedanken und Gefühle: Woher kommen sie?GedankenUnsere Gedanken kommen aus dem Verstand; dieser ist ein Teil unseres Bewusstseins,dessen Sitz im Gehirn liegt. Entgegen der allgemeinen Auffassung ist das Gehirn nichtdas Wichtigste des Menschen, es ist lediglich eine Abbildung unseres Bewusstseins undUnterbewusstseins in Bezug auf deren neuronale Funktionsweisen. Das Wichtigste desMenschen ist und bleibt sein Göttliches inneres Selbst.FiktionenUnsere Gedanken werden durch sogenannte Fiktionen genährt. Diese sindübernommene Aussagen meist nahestehender Personen. Vor allem die Mütter sind diewichtigsten Lieferanten dieser Fiktionen, wobei dies nicht bewerten soll, schließlich binich selbst Mutter und weiß, „wir meinen es gut“, wenn wir sagen: – „Im Dunkeln auf die Straße gehen, ist gefährlich.“ – „Alle Männer wollen nur eines.“ – „Du kannst als Frau nicht allein verreisen.“ – „Fieber muss bekämpft werden.“ – „Anständige Mädchen tun so etwas nicht!“ und vieles mehr.Diese Gedanken, die, wie gesagt, Fiktionen unseres Gehirns sind, machen abhängig,unfrei, egoistisch, fremdenfeindlich – und krank. Multiple Sklerose, Fibromyalgie,Parkinson, diese Krankheiten basieren auf übernommenen mentalen Fiktionen: DerKranke muss aus diesem Kreislauf der Gedanken heraus treten, um gesund zu werden.Im Gegensatz dazu müssen die Blockaden und Muster, die Ursache aller anderenKrankheiten, deren Kern in unserem Unterbewusstsein liegt, dort aufgelöst werden.GefühleUnsere Gefühle kommen aus unserem Unterbewusstsein, dem Sitz unseres InnerenKindes. Dieses Innere Kind birgt alle Erinnerungen aus ewigen Zeiten, die über dieDNA von den Eltern auf die Kinder übertragen werden. Unser Inneres Kind istglücklich, wenn wir es als solches erkennen und behandeln. Solange es noch vonunserem Bewusstsein unerkannt in uns lebt, ist es traurig und lässt dies auch durch seineEmotionen und gelegentliche Krankheiten erkennen. Das bedeutet nicht, dass dieMenschen, die ihr Inneres Kind erkannt haben, nicht mehr krank werden. Mit jederKrankheit weist uns jedoch unser Inneres Kind darauf hin, dass etwas aufgelöst werdendarf.Sobald wir den Zugang zu unserem Inneren Kind gefunden haben, steht es uns zuDiensten. Es ist unsere Führung, wenn wir etwas suchen, es zeigt uns den richtigenWeg, wenn wir in einem Ort fremd sind. Jedoch nur, wenn wir ihm absolut vertrauen 62
  • und uns auf es verlassen. Werden wir misstrauisch – „das kann nicht sein“ – geht nichtsmehr. Dann zieht es sich wieder zurück. Diese Führung durch unser Inneres Kindnennen wir Intuition.Unser Inneres Kind kann nicht denken. Es übernimmt unkommentiert alleInformationen, unsere eigenen und die unserer Umgebung. Es kann fühlen; es bringtalle unsere Gefühle als Emotionen zum Ausdruck. Es lässt die Tränen fließen, und eslässt uns lachen. Es löst unsere Reflexe aus, auch die Fluchtreflexe bei vermeintlicherGefahr und diffusen Ängsten. Selbst das Gähnen ist ein Reflex, weil es auf die UrsacheSauerstoffmangel programmiert ist. Das Innere Kind ist der Sitz der Triebe und derAntrieb aller Körperfunktionen. Das sind alle Ur-Instinkte, der Überlebenstrieb, derGeschlechts- und Fortpflanzungstrieb, Hunger, Durst, Müdigkeit, Stoffwechsel usw.Unser Inneres Kind ist erziehbar. Wir erziehen es mit unserem Bewusstsein. Das ist dasäußere Merkmal der Evolution.Die Menschen der Neuzeit haben die Entwicklung ihres Unterbewusstseins und ihrerSeele total vernachlässigt und teilweise sogar vergessen. Die menschlichen Triebewerden zur eigenen Befriedigung genutzt, dies wird als Befreiung empfunden; undwenn der Spaß nachlässt, wird weiter gesucht. Gebeichtet wird im Fernsehstudio, damites alle mitbekommen, natürlich dient dies vor allem dem eigenen Ego. Das Wissenverschaffen sie sich bevorzugt aus den Quiz-Shows, weil die Teilnehmer mit ihrer„Klugheit“ Geld gewinnen. Die Erkenntnisse und das Wissen der Anderen wird zu ihrenErkenntnissen und zu ihrem Wissen. Die meisten Menschen leben das Leben derAnderen aus Film und Fernsehen und sind Mitglied der „Informationsgesellschaft“ mitihren virtuellen Kommunikationsmitteln, die letztendlich die Gefahr derEgozentriertheit und der Vereinsamung in sich bergen.Die wissenschaftliche Revolution hat den Menschen aus dem Blickfeld verdrängt, alssie nur noch analysieren und wissen und verstehen wollte. Das Allereinfachste und dasAllerwichtigste, nämlich unsere eigene Entwicklung hin zu Gott, wurde vergessen.Teresa von Àvila, Die Innere Burg, 1. Wohnung: „Denn es ist ihnen schon so zurGewohnheit geworden, ständig mit dem Gewürm und Viehzeug umzugehen, das ringsum die Burg sich regt, dass sie schon fast ebenso tierisch geworden sind, obwohl sievon Natur aus so reich begabt und fähig sind, mit keinem Geringeren als Gott selber zureden. Bemühen sich diese Seelen nicht, ihr Elend zu begreifen und ihm abzuhelfen, somüssen sie zur Salzsäule erstarren, weil sie den Blick nicht zurück auf sich selberrichten (wie es - umgekehrt - dem Weibe des Lot geschah, weil es zurückschaute).“Ich bin sehr zuversichtlich, diese Zeit wird bald vorbei sein. * „Nichts soll dich ängstigen, nichts dich schrecken. Alles geht vorüber. Gott allein bleibt derselbe.“ (Teresa von Àvila) * 63
  • VIII. Das GebetDie Gebetsarten:Ich bin vom Vaterunser über die verschiedenen Varianten des Rosenkranzes alsmeditatives Gebet sofort zur Kontemplation übergegangen. Die klassische Meditationkannte ich nicht, obwohl ich lange Spaziergänge und Autofahrten durchaus alsMeditation empfand. An einem bestimmten Tag stellte ich mich neben mich selbst,machte mich leer und überschaute alles von oben. Dann kam Gott, und seitdemüberschaue ich alles mit Seinen Augen und lasse mich durch Seine Helfer führen undleiten. Seitdem ich die überwältigenden Auswirkungen unserer Vereinigung verarbeitetund verkraftet habe, ist es mir ein Vergnügen, auch zu meditieren. Idealerweise gestaltenwir unser Leben zu einem Leben mit und in Gott, das beinhaltet das Beten und dasMeditieren; es ist ein ständiges Einssein mit ihm.Gemäß Teresas Gebetslehre in ihren Büchern „Die Innere Burg“ sowie „Das Buchmeines Lebens“ führe ich die einzelnen Gebetsarten und -stufen auf und füge dieErklärungen der wichtigsten Begriffe durch den Herausgeber ihrer Bücher, Herrn Dr.theol. Ulrich Dobhan OCD, bei:Das Wort- und MundgebetEs wird mit lauter Stimme oder nur in Gedanken gebetet. Das sind die Gebete, die wirkennen: Das Vaterunser, das Angelus drei Mal täglich (wenn die Glocken läuten), dieTischgebete, die Gebete zur Gottesmutter Maria und zu den Heiligen etc.. DieRosenkranzgebete, die Litaneien und Novenen zählen zu den rhythmischen Gebeten.Das Innere Gebet / die KontemplationDas Innere Gebet variiert in der Absicht (ich bete für meine Klienten oder für michselbst für ein bestimmtes Anliegen) und in der Form (ich spreche mit Gott oder ich binganz weit und offen und lasse Gott aktiv werden). Es wechselt mit der Kontemplationab, in der Gott mit mir spricht. Es ist kein wirkliches Sprechen, es fühlt sich jedoch inmeiner Seele so an. Meine Seele ist mit ihrem Freund und manchmal auch mit ihremVater, so möchte ich es bezeichnen. Oft geht jegliches Gefühl verloren, ich spüre dannnur, wie meine Augen irgendwie auf eine andere Ebene kommen, es ist wie beimEinschlafen. Ich sehe zuerst Sein weißes Licht, und dann ist nichts mehr, nur nochmeine Seele und Gott – und wenn ich wieder da bin, weiß ich, ich war zu Hause, weit,weit weg bei Ihm, und Er hat alles aufgenommen, was ich Ihm dargeboten habe, und Erwird es nach Seinem Willen erfüllen.Stufen des inneren BetensTeresa kreierte vier Stufen, in denen der Mensch in seiner Entwicklung fortschreitet,immer mehr in Gott versinkt und Gott sich ihm endlich mitteilt. 64
  • Stufe 1: Die MeditationDie Meditation ist ein betrachtendes Gebet, um Gott besser kennen- und lieben zulernen. Sie wählen ein Thema aus dem Leben Jesu aus und lassen sich in Gedankendarauf ein. Es überwiegt die Leistung des Menschen; sie ist die Übung, sich zukonzentrieren, zu sammeln, sich auf Gott einzulassen. Sie ist eine Einstimmung zurKontemplation, bei der der Mensch von Gott gefunden wird und Gott sich ihm mitteilt.Mir scheint, Teresa meditierte nicht gern. Auch bezeichnete sie das Wasser, das Elementder Gefühle, das bei der Meditation entsteht, als „durch Rohre herbeigeführt“, wobeidas Wasser doch bei Gott beginnen und in uns enden sollte (Die Innere Burg).Stufe 2: das Herzensgebet / das Gebet der SammlungDies ist der Beginn der Versenkung und das Bemühen des Betenden, sich mit Gottanzufreunden. Die Seele geht nach innen und sucht Gott in der beginnenden Passivität.Teresa von Àvila bezeichnet das Herzensgebet als unvergleichlich nützlicher und Gottviel angenehmer als das Wort- und Mundgebet. „Wir müssen lernen, mit dem Herzen zubeten, wozu auch die Einfältigen fähig sind, und nicht mit dem Verstande. Beten wirdoch ein Gebet der Liebe und nicht des tiefsinnigen Nachdenkens, ein Gebet des GeistesGottes und nicht des Geistes der Menschen. Aber eben, man will prächtige undausstudierte Gebete verrichten. Man schmückt sie künstlich und macht sie sounmöglich; doch hat der Geist Gottes ein solches Ausschmücken nicht nötig“, schreibtsie mit ihrem Göttlichen Temperament.Ich übergebe Gott meinen Willen, wie Teresa es uns rät, auf dass Er schalten und waltenmöge. Ich spüre Seine Liebe in mir. Es gibt den passenden Begriff: „Regen des Segens“,wenn wir während bzw. nach dem Gebet einen Schauer auf der Haut fühlen oder eineähnliche Regung in unserer Seele. Auch die Menschen in unserer näheren Umgebungspüren die Kraft des Betens; den Betenden umgibt eine Heilige Aura.Stufe 3: das Gebet der GotteinungTeresa unterscheidet zwischen mehreren Graden der Gotteinung: Die weniger intensiveGotteinung kann während des alltäglichen Lebens geschehen. Plötzlich ist Er da undwir mit Ihm, und alles andere hat keine Bedeutung mehr. Ein Lichtblick Gottessozusagen als Hinweis: „Sei still, wisse, ich bin Gott.“ Die vollständige Gotteinungbezeichnet sie auch als Schlaf der Seelenvermögen. Dies ist ein Fachausdruck für eineprä-ekstatische Gebetserfahrung.Ich bezeichne die vollkommene Gotteinung (Unio Mystica) als Einheit mit Gott alsreinem Licht. Da dieser Zustand nur außerhalb der Dualität, des GegenübersMensch/Gott, in reinem Bewusstsein geschehen kann, bewirkt er ein vollkommenesAuflösen und Loslösen. Entgegen der viel zitierten Stille/Stillheit und Leere derfernöstlichen Lehrer spreche ich von Gott als reinem Licht, dies hat einen wichtigenGrund:Da ich eine Verantwortung gegenüber den Menschen habe, die sich mir anvertrauen,betone ich ausdrücklich: Solange ich mich Gott hingebe und mich von Ihm führen lasse,führt Er mich zu Seinem Licht. Eine Unio Mystica, eine vollständige Vereinigung,geschieht nur mit und durch Gott. Gott allein entscheidet über den Zeitpunkt und dieDauer. Ich befinde mich nicht in der Leere, sondern in Ihm und Er in mir! Das ist ein 65
  • ganz wichtiger Punkt! Es handelt sich nicht um Astralreisen oder außerkörperlicheWahrnehmungen, vielmehr bewegt sich unsere Seele innerhalb ihrer höchst möglichenBewusstseinsebene. Sie wird zu reinem Bewusstsein, man könnte es als über sich oderneben sich stehend bezeichnen, aber niemals irgendwo in einer Leere, in einem leerenRaum oder im Universum.Es besteht die Gefahr, dass experimentierfreudige Menschen ohne wahre Anbindung anGott sich irgendwo wiederfinden und dabei auf Geistwesen treffen, die sie dann nichtmehr los werden. Das ist alles andere als von Gott gewollt, aber Er überlässt es ihremfreien Willen. Ich widerspreche nicht den fernöstlichen Lehrern, es ist gut, dass es siegibt, aber unser deutsches Wort Leere kann von unbewussten Menschen schnell falschinterpretiert werden. Leere bedeutet reines Bewusstsein, das keine Form mehr ist, unddas ist Gott außerhalb unserer Vorstellung in der Dualität.Und noch eines liegt mir am Herzen: Wenn ich Gott wirklich und wahrhaftig liebe,muss ich mich auch dazu bekennen können. Wenn ich mit Ihm eins bin, was bleibt mirdann noch anderes, als Sein Wort, Seine Liebe weiter zu geben? Wie geht das, wenn ichvon der Leere spreche? Was drückt dieses Wort aus, was erschafft dieses Wort in demHerzen der Menschen? Leere. Erst wenn ich von Gott spreche, bin ich mit Gott, kommeich von Gott, und Gott erschafft in jedem Menschen Licht und Liebe. So ist es, und sowird es immer sein.Stufe 4: die ekstatische GotteinungDiese geschieht in ihren verschiedenen Abstufungen und Ausprägungen bis zur Ekstase.Hierzu bedarf es keiner Anleitung, denn wer dies erlebt, ist sich (manchmal auch imNachhinein) der Gegenwart Gottes bewusst. Zum besseren Verständnis des tiefenEmpfindens, dessen Teresa von Àvila fähig ist, und das so oft falsch interpretiert wirdvon Menschen, die besser schweigen würden, zitiere ich aus „Mein Buch des Lebens“die Erklärungen des Herausgebers, Herrn Dr. Ulrich Dobhan OCD, mit seinerfreundlichen Erlaubnis:„Ekstase -Steht für eine Erfahrung höchster Konzentration aller psychischen Kräfte, die nicht„machbar“ ist, sondern einem Menschen als Begleiterscheinung einer besondersintensiven Erfahrung der Gegenwart Gottes (aber auch sonstiger intensiverErfahrungsmomente) ohne sein eigenes Zutun überkommen kann. Dabei werdenkurzfristig sämtliche geistlichen und psychischen Energien von dieser Erfahrung inBeschlag genommen, so dass die peripheren Aktivitäten der Psyche, wie dieSinneswahrnehmung, vorübergehend herabgesetzt oder sogar ganz außer Kraft gesetztwerden. Im Rahmen der Gottsuche sind ekstatische Phänomene – sofern sie bei einemGottsucher überhaupt vorkommen – charakteristisch für die Übergangsphase, in der einMensch auf dem Weg der Gotteinung zwar schon fortgeschritten, aber noch nicht zurtiefsten Einung gelangt ist, die in diesem Leben möglich ist. Sobald der Mensch dieGotteinung in der sog. geistlichen Vermählung voll in sein Leben integriert hat, hörenim Normalfall diese paramystischen Begleiterscheinungen auf. Teresa verwendet fürekstatische Phänomene eine ganze Reihe von Begriffen wie Verzückung, Entrückung, 66
  • Erhebung des Geistes, Aufhebung, Geistesflug usw., zwischen denen sie imvorliegenden Werk nicht genau unterscheidet.KontemplationSie ist keine bestimmte Gebetsweise, die man einüben soll, sondern die frei geschenkteSelbstmitteilung Gottes, die dem im Gebet der Ruhe bzw. der Gotteinung immer mehrzum schweigenden Empfänger werdenden Beter ohne sein eigenes Zutun auf jeumfassendere und unmittelbarere Weise zuteil wird. Sie ist nicht machbar, sondernreines Geschenk, auch wenn der Mensch sich für sie bereit machen kann, indem er sichauf das innere Beten und die Nachfolge Christi im Alltag einlässt.In der Kontemplation wird dem Beter ein intuitives Erahnen und Erspüren derGegenwart Gottes oder Christi zuteil, die zugleich die Liebe zu diesemgeheimnisvollen, aber sehr realen Gegenüber weckt. Gott selbst bestimmt denAugenblick, wo das diskursive Betrachten der Meditation der von Ihm geschenktenKontemplation zu weichen hat. Für Teresa bleibt auch in der tiefsten Kontemplation dieDu-Beziehung zu Christus bestehen; der beste Weg, um zur Kontemplation zu gelangen,ist die Pflege einer freundschaftlichen Beziehung zur Menschheit Christi, also zumJesus von Nazareth, wie Ihn die Evangelien schildern. Der Weg der Kontemplation istein langer Weg sich immer mehr vertiefender Gotteinung, der auch ekstatischeErfahrungen und paramystische Begleiterscheinungen einschließen kann, aberkeineswegs muss.Ansprache (Audition)Sie steht bei Teresa für eine auditive innere Wahrnehmung als mystischeBegleiterscheinung der Kontemplation, bei welcher der Mensch ohne sein eigenesZutun und ohne äußerlich etwas zu hören innere Worte vernimmt, die sich ihmunauslöschlich einprägen.VisionSie steht für eine innere „Schau“ (im weitesten Sinn des Wortes), die sich bei eidetischbegabten Menschen ohne ihr eigenes Zutun als paramystische Begleiterscheinung derintensiven Gotteserfahrung in der Kontemplation einstellen kann. Visionen und ihrauditives Pendant, innere Ansprachen (Auditionen), treten vor allem in der beginnendenoder auch abklingenden Ekstase auf; auf dem Höhepunkt der Ekstase gibt es keineparamystischen Erlebnisse.“Ende der Zitate. Zum besseren Verständnis: Eidetisch begabt bedeutet seherischbegabt, imaginativ. * „Inneres Beten ist Verweilen bei einem Freund, mit dem wir oft allein zusammenkommen, einfach um bei ihm zu sein, weil wir sicher wissen, dass er uns liebt.“ (Teresa von Àvila) * 67
  • IX. Vergebung und BefreiungSünde, Reue und BußeDer Begriff Sünde bedeutet eigentlich Verfehlung des Weges. Ich bin von meinemWeg, von Gottes Heilsplan abgekommen, und dies eigenmächtig, also entgegenbesseren Wissens oder auch durch Verführung, aber das ist eine Schutzbehauptung derMenschen, die nicht zu dem stehen, was sie tun. Ich habe gesündigt – dazu muss ich vorGott und mir geradestehen. Es nützt nichts zu jammern, ich sei verführt worden. Ichhätte Nein sagen können..., – habe ich aber nicht.Oft werde ich gefragt: „Ist Gott ein liebender oder ein strafender Gott?“ MeineÜberzeugung ist: Gott ist die Liebe. Er liebt nicht nur – er IST die Liebe. Gott straftnicht, Liebe kann nicht strafen, Licht kann nicht strafen. Wir glauben zwar an einenpersonalen Gott, trotzdem ist Er kein böser Übervater mit dem Rohrstock in der Hand.Für mich ist Gott nicht beschreibbar als Person oder als Bild, Er ist über allem. Er ist dieunendliche Liebe, das unfassbare Licht.Was die Strafe der Sünde angeht, sage ich: Ich bestrafe mich selbst für diese Sünde! Ichbestrafe mich selbst, weil ich durch meine Verfehlung negative Reaktionen erschaffe,die das Gesetz von Ursache und Wirkung in Gang setzen. Solange ich mich für das Bösenicht selbst verantwortlich zeige, brauche ich einen Strafenden im Außen. Der ZornGottes, der über den Menschen schwebt... – Werden wir klein und demütig, haben wirnur noch den liebenden Gott über und in uns!Nach dem Resonanzgesetz ziehe ich die Bestrafung auf mich. Lüge ich, werde ichbelogen. Betrüge ich, werde ich betrogen. Töte ich, werde ich nicht unbedingt selbstgetötet, aber mein Leben wird abgetötet, indem ich im Gefängnis sitze. Durch unserangeborenes Unrechtsbewusstsein weiß meine Seele genau, was Recht und was Unrechtist und leidet unter meiner Sünde sehr. Sie schämt sich und traut sich nicht mehr vorGottes Antlitz. Sie versteckt sich und verschließt sich. Sie fühlt sich nicht mehr würdigzu beten. Unsere Gebete kommen also nicht mehr bei Gott an! Dann sind wir von Gottgetrennte Wesen, und unsere Seele leidet fürchterlich, und das ist die eigentlicheBestrafung, die wir uns selbst zufügen.Wie kommen wir aus diesem Dilemma wieder heraus? Durch Reue, durch die Bitte umVergebung und Buße. Durch die Reue der Seele wird die Blockade unserer Verbindungzu Gott wieder geöffnet, und unsere Gebete erreichen Ihn wieder. Dann können wir Ihnum Vergebung bitten, und Gott vergibt uns.Vergibt Er uns wirklich? Woran erkennen wir, dass Er uns vergeben hat? Wir erkennenes durch unsere eigene Liebe zu Gott, durch die erst unser wahrer Glaube an Ihnentsteht. Glauben heißt Vertrauen. Gott lieben heißt, an Gott glauben und Ihm vertrauen.Wir wissen: Er ist die Liebe, Er kann nicht anders, als uns lieben und uns somit auchvergeben. Keine Liebe – kein Glaube ; kein Vertrauen – keine Vergebung. 68
  • Glauben wir nicht, dass Gott uns vergibt, nehmen wir Seine Vergebung auch nicht an,da kann Er tun, was Er will. Und somit begehen wir schon wieder die nächste Sünde:Wir lieben Ihn nicht aus ganzem Herzen.Damit uns Gott von unserer Schuld befreien möge, denken wir: „Ich muss etwas tun,damit ich geliebt werde.“ Ich musste schon lieb sein bei Papa und Mama, damit siemich liebten bzw. diese Liebe zeigten, und nun muss ich lieb sein vor Gott, sprich Bußetun, damit Er mich wieder liebt.Heilsaktivismus ist das. Es ist an sich nichts Schlechtes, dieses Buße tun, sofern es nichtin sinnlose, selbstzerstörerische Handlungen ausartet wie die Selbstkasteiung etc. Wobeiständige Selbstvorwürfe und „ich habe gesündigt“ jammern ebenso schädlich seinkönnen. Oftmals haben Menschen ständige Schuldgefühle, weil sie nicht glaubenkönnen, dass ihnen vergeben wurde. Sie kennen es nicht anders aus ihrem Elternhaus.Immer wieder wurde ihnen ihr Vergehen vorgehalten, immer wieder hieß es: „Damalshast du dies und jenes getan.“ Die Eltern spielten damit ihre Macht aus undmissbrauchten die Seele ihres Kindes. Natürlich sind sie selbst von Angst zerfressen,aber sie tun nichts, um diese Angst in Liebe umzuwandeln.Beenden Sie dieses Drama der fortwährenden Schuld, indem Sie sich als erstes selbstvergeben. Das hilft Ihnen aufzustehen und erst einmal die Größe zu erhalten, für etwasVerantwortung zu übernehmen. Diejenigen, die anderen ständig die Schuld zuweisen,sind die ersten, die schreien: „Ich war es nicht!“ wenn etwas vorkommt. Alsoübernehmen Sie für alles Ihren Teil der Verantwortung, vergeben Sie sich selbst, undlieben Sie sich selbst. Wie Jesus sagte: „Liebe den Anderen wie dich selbst.“ Liebe dichzuerst einmal selbst heißt, Sie sind auch fähig, den Anderen, Ihre Kinder, Ihren Partner,Ihre Freunde zu lieben. Und Sie können ihnen vergeben, und zwar sofort und für immer.Das ist wahre Befreiung auf allen Seiten.Wichtig ist die Verantwortung, die Sünde als mein falsches Tun annehmen, sie bereuenund ein Unrechtsbewusstsein zeigen. Das ist unsere Bereitschaft zur Buße. Der Priesterlässt uns nach einer Beichte ein oder mehrere Vaterunser oder Rosenkranzgebete betenund spricht den befreienden Segen aus. Ich meine, das Herzensgebet und daskontemplative Gebet sind sehr hilfreich, da wir Gott aus unserem tiefsten Herzen unsereBitte um Entschuldigung darbringen können. Wir müssen noch nicht einmal etwassagen, Er weiß schon, was wir auf dem Herzen haben! Und ich verrate Ihnen etwas:Gott hat uns schon längst vergeben! Wie schon gesagt: Er kann nicht anders als lieben,und lieben heißt, immer vergeben.Natürlich bedeutet das im Umkehrschluss keinen Freischein für unsere Sünden. Dennunsere Seele leidet, dafür hat Er gesorgt, als Er uns erschuf: Er pflanzte in unsere kleine,reine Seele ein hoch empfindliches Unrechtsbewusstsein, und das wirkt immer, es seidenn, wir haben es vergraben, aber auch das hält nicht ewig an. Irgendwann entdecktder größte Sünder sein Gewissen und weint. Dann spielt Gott wieder Seinen Trumpf derGnade aus. Den Trumpf der ewigen Liebe und der fortwährenden Vergebung. Schon beidem Gedanken an so viel Großmut sinke ich auf die Knie in Dankbarkeit und Demut.Natürlich sollen wir aus der Verfehlung lernen – denn das ist der Sinn der Sünde, das istder Sinn unseres Lebens: lernen und wachsen. 69
  • Es gibt wahre große Werke der Vergebung. Als ich vor wenigen Monaten durch einePredigt eines charismatischen Priesters auf die Christenverfolgung in der ganzen Weltaufmerksam wurde, war ich so aufgewühlt, dass mich Gott als erstes zwei Monate aufhalber Kraft arbeiten ließ, damit ich ja nicht in blinden Aktivismus einsteige, mit demich alles nur noch verschlimmert hätte. Denn Leid erzeugt Leid, Streit erzeugt Streit,Kampf erzeugt Kampf. Fast zeitgleich sah ich den Film von Xavier Beauvois: „VonMenschen und Göttern“, ein Film über die 1996 in dem Kloster von Tibhirine/Algerienermordeten Mönche. Für mich war es ein ergreifender Film über die Liebe und dieVergebung, ohne die keine Liebe möglich ist. Als ich den Abschiedsbrief des Abtes las,ein Zeugnis seiner großen Göttlichen Liebe zu allen Menschen, wusste ich, ich liegeauch hier richtig in meinem Glauben an das Gute! Zitat des für mich wichtigsten Satzes:„Und auch dich, den Freund der letzten Minute, der du nicht gewusst haben wirst, wasdu tust. Ja, auch dir wünsche ich den Göttlichen Dank und Seine Herrlichkeit, da dumich zu Gott geführt hast. A-DIEU.“http://www.vonmenschenundgoettern-derfilm.de/start.htmlÀ Dieu (ein französisches Abschiedswort, auf Deutsch „zu Gott“) ist auch Jesus beiSeiner Kreuzigung gegangen mit den Worten: „Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht,was sie tun!“Nur mit Vergebung und Liebe kommen wir weiter, nur mit Gottes Licht können wirLicht in die Herzen der Menschen bringen, die dieses Licht zum Licht der Welt werdenlassen. Die Welt an sich gibt es nicht, es gibt nur den einzelnen Menschen, desseninnere Haltung nach außen strahlt in Form von Dunkelheit oder Licht, Hass oder Liebeoder irgend etwas dazwischen. Jesus hat dieses Licht auf die Erde zu den Menschengebracht und es in unsere Herzen eingepflanzt. Es liegt an uns, daraus etwas zuerschaffen. * „Liebe erweckt wieder Liebe“ (Teresa von Àvila) * 70
  • X. Heilung durch Glaube und GebetJesus fragte den Kranken: „Willst du gesund werden?“ (Joh.5,6). Diese Frage stelle ichauch. Dadurch wird der Kranke veranlasst, sich bewusst zu werden, ob er wirklichgesund sein will mit allen Konsequenzen, die da wären: Wegfall des Krankengeldes,Blindengeldes, Behindertenausweises mit all seinen Vorzügen; sich wichtig machen inGesprächen: „Ich weiß über alle Krankheiten Bescheid...“; um Nachsicht bitten: „Ichbin doch so krank...“ – Hier könnte ich noch vieles aufzählen.Ich habe gelernt, Nein zu sagen bei Menschen, die denken, sie können sich „malschnell“ gesund machen lassen, ohne selbst für ihre Gesundung etwas zu tun. Ich habegelernt zu warten, und wenn der Zeitpunkt gekommen ist, schreitet in mir der HeiligeGeist zur Tat und gibt mir den Impuls zu beten. Er verbindet sich mit mir, ich fühle, wiees hinter meiner Stirn pulsiert, oft tränen meine Augen. Ich nehme den Hilfesuchendenin unserer Mitte auf, er ist ganz in mir und mit Gott vereint. Feinfühlige Menschenspüren das, sie sehen ein Licht oder spüren eine große Wärme. Das Gebet verläuft wieeine Welle, ich spüre, wie dabei etwas in Bewegung gerät. Auf dieser Ebene spreche ichauch nicht mehr. Ich bin nicht mehr, ich bin mit Gott verschmolzen. Und es wirdvollbracht. Ob es sich um eine Krankheit handelt oder um berufliche oder privateVeränderungen: Er arbeitet zuverlässig und ruft die notwendigen Änderungen auf denPlan, die den Umbruch im Leben der Klienten einläuten. Ich bin mittlerweile so sicher,dass ein Gebet nur helfen kann, wenn der Heilige Geist in mir wirkt, das heißt, wennnoch nicht einmal der Wunsch zu beten bzw. der Wille von mir selbst kommt, sondernvom Heiligen Geist selbst. Das erfordert unendliches Vertrauen; nicht nur in Gott,sondern auch in mich selbst und alle Beteiligten. Denn der Lebensweg, der Heilsweg, istnicht immer der einfache Weg. Er bedeutet nicht immer die körperliche Gesundheit. Esist der Weg der Seele zu ihrem Heil, wie auch immer das aussehen mag. Auch Teresavon Àvila erwähnt in Die Innere Burg, dass derjenige, dem Gott keine körperlichenKräfte schenkt, ihrer auch nicht bedarf. Umso mehr Einsicht schenkt er diesemMenschen, um dies zu verstehen. Bei meinem Gebet für einen Menschen geschieht oftetwas in dessen Leben, das ihn dazu bewegt oder manchmal auch zwingt, sein Leben zuverändern. Und diese Ereignisse können durchaus Angst einflößend sein, wie sonstwürde sich manch einer zu einer Umkehr bewegen lassen? Alles in allem gilt: Der freieWille des Menschen ist Gott heilig!Ein Heiler darf niemals mitleiden. Das Leid würde uns auf die Stufe des Klientenstellen, auf die Stufe seines Leidens, die er ja mit unserer Hilfe verlassen möchte. Wirmüssen immer eine Stufe höher stehen, um unsere Klienten hochziehen zu können.Nicht „unter-stützen“ von unten, sondern „hoch-ziehen“ von oben. Auf eine höhereEbene, auf der er wieder die Liebe findet, das Lachen, das Leben überhaupt. Nichtmitleiden, sondern mitfühlen. Wenn wir uns in das Leid mit hineinziehen lassen, gebenwir zu viel eigene Kraft ab. Das können wir uns nicht leisten. So erhielt ich einmal denRat: „Wenn du dich kümmerst, verkümmerst du. Auch eine Mutter sollte in der Liebe zuihren Kindern immer darauf achten, dass sie diese Liebe zuallererst zu Gott richtet underst dann auf ihre Kinder. Dann kümmert sich Gott um alle. Das gilt auch für Heiler undHelfer.“ * „Gott und ich – wir zusammen sind immer die Mehrheit!“ 71
  • (Teresa von Àvila) *Fallbeispiel: Joana aus SalzburgJoana (Name geändert) und ihr kleiner Sohn waren mein erster Einsatz alsHeilungsreisende und auch mein schönster. Sechs Wochen nach der Geburt ihres Babysrief sie mich von der Klinik aus an. Sie berichtete, ihr Sohn sei mit einem Wasserkopfgeboren worden und solle operiert werden. Sie hatte große Angst. Ich beruhigte sie,denn ich wusste intuitiv: Alles wird gut! Einige Wochen später rief sie wieder an. IhrSohn war operiert worden, und sie konnte mit ihm nach Hause gehen. Sie bat mich,nach Salzburg zu kommen, denn sie war alleinstehend und brauchte mich. Ich sagte zuund reiste nach Salzburg.Joana war erst Anfang zwanzig und hatte schon so große Sorgen. Ihrem kleinen Sohnging es an dem Tag meiner Anreise nicht gut. Joana legte ihn in sein Bettchen, und erweinte. Ich ging zu ihm und legte ihm ein Bild der Gottesmutter Maria neben seinKöpfchen. Ich konnte die Operationsnarbe sehen; sie war schon gut verheilt. Der Kleinedrehte sein Köpfchen zur Seite, als würde er Maria erkennen. Und er wurde ruhiger undschlief ein. Nach einer Stunde wachte er wieder auf und glühte. Er hatte Fieber undweinte. Ich nahm ihn in den Arm und hielt meine Hand auf sein Herz. Joana war ganzruhig und wunderte sich über ihre eigene Ruhe. „Normalerweise würde ich sofort denArzt anrufen“, sagte sie, „aber ich weiß, es ist alles in Ordnung.“ Wir entschieden, allesauf uns zukommen zu lassen und vertrauten auf Gottes Führung. Joana entkleidete denKleinen bis auf die Windeln. Ich wunderte mich darüber, aber sie sagte, in ihrer Heimatin Zagreb mache man das so, damit der Körper keinen Hitzestau habe. Okay, dasakzeptierte ich, sie war die Mutter, und sie schien das intuitive Wissen der Mütter insich zu haben. Sie würde kein Risiko eingehen.Ich nahm das Foto der Gottesmutter aus dem Kinderbettchen und stellte es auf denTisch. Dann rieb ich den kleinen glühenden Jungen mit Weihwasser ein, nahm ihn in dieArme und betete. Plötzlich veränderte sich alles: Er fing an zu schreien, sein ganzerKörper wurde krebsrot, und schließlich geschah eine immense Reinigung. Joana wuschihn – und er war wie ausgewechselt! Das Fieber senkte sich sofort, er wurde ganz ruhigund schien sich komplett zu regenerieren! So etwas hatte ich noch nie gesehen, obwohlich schon einige Babies betreut hatte. Auch Joana war sehr erstaunt, jedoch ahnte sie,woher das alles kam. Sie war überzeugt, dass Maria mit dabei war. Denn Ihr Bild übteeine große Kraft aus. Und meine Hände ebenfalls. Sie waren ganz heiß undgeschwollen, als sei die Energie des kleinen Jungen hineingezogen. Und während ichdies schreibe, überkommt mich eine Gänsehaut, und ich empfinde eine große Ehrfurchtvor allen Müttern mit ihren Sorgen um ihre Kinder. * „Der Herr sieht nicht so sehr auf die Größe der Werke als auf die Liebe, mit der sie getan werden“ (Teresa von Àvila) * 72
  • Das größte Geheimnis der HeilungIch sehe die Zusammenarbeit mit den Vorfahren als das größte Geheimnis der Heilungan. Erkennend, welche Linie der Vorfahren wir heilen müssen und mit diesen Seelen dieVergebung übend, wird der Weg für die große allumfassende Heilung frei. Wir befreienuns damit von allen Blockaden, und dies führt wiederum zu einer Öffnung der Seele.Gott gibt uns dabei jede erdenkliche Unterstützung. Wir machen den Weg zur Heiligungunserer Familie frei! Denn unsere eigene Familie ist ein Teil der gesamten HeiligenFamilie. Indem wir heil werden, jeder Einzelne von uns, heilen wir die gesamte HeiligeFamilie und darüber hinaus die gesamte Menschheit.Wir müssen also unseren Vorfahren vergeben und sie um Vergebung bitten, um selbstgesund zu werden und um unsere Vorfahren zu heilen. Das ist unser Schicksal. Wirmüssen unseren Schicksalsprozess durchlaufen, um uns reinigen zu können, um „lauter“zu werden. Wir beenden damit das ewige Kreuz, das wir unseren Kindern auferlegen,indem wir uns nach unserem Tod an sie klammern und uns von ihnen heilen lassen. Wirheilen uns zu Lebzeiten selbst bzw. werden von Gott geheilt. Dies ist der Fortschritt inunserer Evolution. Vergeben und vergessen. Verzeihen. Gott weihen. Dies befreit unsfür die Ewigkeit mit Gott.Wie vergeben wir unseren Vorfahren? Es ist nur mit dem Herzen möglich, nicht mit demVerstand. Das einfachste wäre, uns selbst zu lieben und Gott zu bitten, er möge uns undunseren Vorfahren vergeben. Aber wenn wir krank sind und diese Vergebungsarbeitmachen müssen, damit es uns besser geht, ist es mit unserer Eigenliebe auch nicht weither. Also beginnen wir mit Gott. Bitten wir Gott um Vergebung. Diese Bitte ist in demGebet Vaterunser enthalten. „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unserenSchuldigern.“ Oder wir sprechen mit unseren eigenen Worten aus tiefstem Herzen.Danach bitten wir unsere Geschwister, unsere Eltern, Großeltern und Urgroßeltern umEntschuldigung. Sprechen Sie Ihren Vorfahren Ihre Vergebung aus, und bitten Sie sieum Vergebung. Sagen Sie: „Bitte vergib mir, ich liebe Dich.“ – Sprechen Sie diesen Satzsehr oft, gebetsmühlenartig als eine Art Mantra. „Bitte vergib mir, ich liebe Dich.“ UmVergebung bitten, bedeutet Verantwortung übernehmen. Ich übernehme meinen Teil derVerantwortung, denn wir sind jeder für sich ein Teil des großen Ganzen, der HeiligenFamilie.Nehmen Sie sich für diese Übung mehrere Tage Zeit. Ihre Krankheit brauchte auch eineganze Weile, bis sie sich als solche zeigte. Also wird auch Ihre Gesundung Zeit inAnspruch nehmen. Spontanheilungen, auf die die Menschen bei den Heilern so gernwarten, sind lediglich ein Zeichen Gottes, dass Er sie erhört hat. Er gewährt ihnen dieGnade der Spontanheilung, um ihnen Mut zu machen. In diesem Moment derSpontanheilung scheint ihre Göttliche Ur-Substanz nach außen durch – vollkommenheil und rein. Jedoch wird niemand ohne sein eigenes Zutun gesund bleiben. Ein Teildieser Heilung ist die Vergebung.Ebenso wichtig ist es, nach getaner Vergebungsarbeit an deren Gelingen zu glauben.Der leiseste Zweifel würde alles wieder zerstören, also glauben Sie: Gott hat Sie erhört,das ist gewiss! Ihre Eltern, Großeltern und Urgroßeltern haben Sie gehört. Diesesgeschieht über die Seele. Es geht kein Gedanke verloren, kein Wort, keine Träne, dasverspreche ich Ihnen! 73
  • Ich habe Menschen in meiner Praxis erlebt, die diese Vergebung nicht über ihr Herzbrachten. Manche finden nicht den richtigen Zugang zu den Verstorbenen. Viele müssenja auch zuerst wieder lernen, dass die Verstorbenen unter uns weilen. Dieses Denken istnicht alltäglich, und oft wird dieses Thema einfach verdrängt. Ich helfe Ihnen gern dabeiund übernehme für Sie die Bitte um Vergebung. Stellvertretend für alle Vorfahrenmeiner Klientinnen und Klienten bitte ich Gott um Vergebung. Es gibt in der mystischenKabbala wunderschöne Meditationen für die Heilung von Verstorbenen. Sehr einfach(vorausgesetzt, man redet keine Probleme herbei), sehr effektiv! Gott freut sich – undIhre Vorfahren ebenfalls! Glauben Sie mir, ich spüre diese Freude in allen Seelen!Natürlich auch in Ihrer Seele! * „Ich staune über den Schaden, den der Verkehr mit Verwandten verursacht. Meines Erachtens kann nur der es glauben, der es selbst erfahren hat.“ (Teresa von Àvila) * 74
  • FallbeispielHerr Becker aus HamburgEs war vor einem Jahr. Eine Ordensschwester berichtete mir, sie habe mich einerFreundin in Hamburg empfohlen. Deren Mann war sehr krank, und sie wollten michanrufen, was sie auch am nächsten Abend taten. Herr Becker (Name geändert) konntekaum sprechen, er war völlig benommen. Ich wusste sofort, da geschah etwas ganzGroßes, da war eine starke Kraft zugange. Ich fragte ihn intuitiv, ob sein Vater nochlebe. Er verneinte, und ich bat ihn, er möge mit seinem verstorbenen Vater sprechen undihm vergeben. Herr Becker konnte darauf hin nicht mehr sprechen, und seine Frauübernahm das Telefon. Sie erklärte mir, dass das Verhältnis zwischen ihrem Mann undihrem Schwiegervater nicht sehr gut gewesen war, und dass ihr Mann jetzt sehrbetroffen reagiert habe. Ich versprach, für ihn zu beten, und wir beendeten dasGespräch.Einige Tage später berichtete mir die Ordensschwester, dass Herr Becker am nächstenTag in die Klinik eingeliefert worden war. Seine Krankheit war so stark ausgebrochen,dass sein Leben auf der Intensivstation gerettet werden musste. Und das gelang auch.Allerdings verbrachte Herr Becker ein ganzes Jahr im Krankenhaus und inRehakliniken. Nach fast genau einem Jahr rief er mich wieder an und erzählte mir, dasser an diesem Tag von den Ärzten die freudige Mitteilung erhalten hatte, seine Krankheitsei geheilt. Das konnte ich ihm bestätigen, obwohl ich keine Diagnosen nennen darf undauch nicht möchte, denn dies ist nicht meine Aufgabe. Aber ich wusste, diese Krankheitist beendet, und er braucht sie auch nicht mehr, denn seine Seele ist geheilt. Und er hatteseinen Vater und wahrscheinlich seine Familie insgesamt mit geheilt. Dann berichteteer, wie es ihm vor einem Jahr ergangen war. Als ich ihm sagte, er solle sich mit seinemVater auseinandersetzen, brach er innerlich zusammen und somit auch seine Blockade,die er über Jahre aufgebaut hatte. Sein Körper brach regelrecht auf; die Ärzte kämpftenum ihn und retteten ihn, denn Gott wollte ihn noch nicht haben. Herr Becker nahm mitseinem Vater den Kontakt auf. Und mit Gott. Er war gläubig, das war wohl seineRettung. Denn Gott schickte ihm seinen Vater, damit er mit dem Vater zusammen heilwürde. Während unseres Telefonats weinte er immer wieder und konnte vor Liebe undDankbarkeit kaum sprechen. Was er mitgemacht hatte, überstieg seinen Verstand. Gotthatte ihm ein neues Leben geschenkt – und er war mit seinem Vater wieder ins Reinegekommen. Nun war er mit 67 Jahren voller Zuversicht und sah sein Leben als neuesGeschenk an. Dieses Jahr wollte er mit seiner Frau das Weihnachtsfest feiern, wasletztes Jahr nicht mehr möglich war. * „Muss man Flügel haben, um auf die Suche nach sich selbst zu gehen? Man braucht sich nur in die Einsamkeit zu begeben.“ (Teresa von Àvila) * 75
  • XI. Demut„Nimm mich wie ich bin“ oder:Mein Weg durch das NadelöhrEines Tages stieß ich auf das Jesus-Gebet, auch Herzensgebet oder ImmerwährendesGebet genannt, gemäß der Aufforderung des Apostels Paulus: „Betet ohne Unterlass“.Ich fand mittlerweile mehrere voneinander abweichende Fassungen. Meine Versionlautet: „Jesus Christus, erbarme Dich meiner. Nimm mich wie ich bin, und mach mich,wie Du mich haben willst“. Und Gott hat mich erhört. Er hat mich so genommen, wieich war; Er hat mich gezwungen, mich Ihm wirklich hinzugeben, so wie ich bin, bereit,das Letzte aufzugeben. Ich ging durch dieses Nadelöhr wie das Kamel in der Bibel:„Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottesgelangt.“ (Markus 10,25) Er ist ein strenger Lehrmeister, aber Er sah wohl, dass da nochKapazitäten frei sind, dass es da noch etwas zu schleifen gibt, was es wert ist, zurPerfektion zu bringen. „Nimm mich wie ich bin“, beweist mein Urvertrauen. Ichvertraute vollkommen. Ich gab Ihm meine Seele, und seitdem formt Er sie um in dieSeele, die Er haben will. Und diese gibt Er mir wieder.Wenn wir bereit sind, alles zu geben, bekommen wir alles wieder, alles was wirbrauchen. Solange ich noch ein „Ja aber“ auf der Zunge hatte, funktionierte es nicht. „Jaaber“ hört Gott nicht gern, das passt nicht. Entweder wir geben uns ganz oder gar nicht,Kompromisse werden nicht akzeptiert. Wir müssen uns vollkommen dargeben.Das Nadelöhr ist die Pforte zwischen unserem Dasein mit all seinen Beschränkungenund Belastungen und des Himmels auf Erden.Teresa von Àvila machte die Erfahrung, dass in jedem geistlichen Leben der Momentkommt, das Erreichte ruhen zu lassen, um innerlich weiterzukommen. Gelingt das nicht,bleiben wir auf dieser Entwicklungsstufe stehen. Wir sind zu satt, zu selbstzufrieden, zuarrogant und stolz und wissen nicht mehr, worum es eigentlich geht. Dann wirft uns diekleinste Krise aus der Bahn. Denn wir denken, alles aus eigener Kraft erreicht zu haben.Es fehlt uns die Demut zu wissen: Wir sind nicht nur von Gott geschaffen, sondernleben auch aus Seiner Liebe. Wir können nur wachsen, indem wir die eigenen Grenzenund Fähigkeiten erkennen und diese immer wieder auf Gottes Prüfstand stellen.Möchten Sie es ebenfalls versuchen? Nehmen Sie eine große Stopfnadel in die Hand,schauen Sie sich das Nadelöhr an, und werden Sie demütig! Werden Sie ganz klein.Gehen Sie auf die Knie – sinnbildlich oder real. Und fassen Sie Vertrauen zu Gott. Siemüssen Ihm alles, komplett alles, übergeben. Aber wirklich alles, schummeln gilt nicht.Wozu auch? Er weiß doch eh, wenn Sie noch einen imaginären Trumpf im Ärmel zuhaben glauben. Das geht bei Gott nicht! Sie geben alles und bekommen alles (was Siebrauchen), oder Sie geben nicht alles, und es geht nicht. Wenn Sie hindurchgegangensind, überlassen Sie es Gott, was Er Ihnen zurück gibt. Dann wird es auf jeden Fall dasRichtige sein. 76
  • Meine erste Erfahrung mit diesem Nadelöhr geschah in einer großenEntscheidungsphase während eines fünftägigen Klosteraufenthaltes, in der ich michgrundlegend veränderte. Was in den fünf Nächten geschah, weiß ich nicht, ich ahnejedoch, dass es die totale Loslösung von allem Irdischen war. Jedenfalls war nachmeiner Rückkehr alles anders. Aber Gott wollte mich nicht in einem Kloster haben, Erwill, dass ich mich, wenn es sein muss, mitten auf die Straße stelle und über Seine Liebeund über meine Liebe zu Seiner lebendigen Kirche spreche und sie ausstrahle. DieseBitte erfülle ich mit wachsender Freude und Begeisterung.Ich wiederholte diese Kamel-geht-durch-das-Nadelöhr-Übung mehrmals und machtedie Erfahrung: Es klärte und erledigte sich alles wie von Zauberhand. Die Menschen,die ich liebte, waren sofort wieder da. Ihre Seelen hatten es sehr eilig,wiederzukommen. Ja, es war sogar alles viel einfacher und klarer. Unsere Seelen warenvon Zweifeln, Ängsten und dergleichen befreit und gereinigt worden, und wir wussten,wie es weitergehen würde.Aber: Es kamen nicht alle durch. Einige Menschen sind auf der Strecke geblieben, ohnedass ich darum gebeten hatte oder es überhaupt wollte. Wir haben keineÜbereinstimmung mehr. Und somit trennen sich unsere Wege, wissend, es ist gut so. Esbleibt keine Bitterkeit zurück, keine Schuldzuweisungen, es ist einfach so, wie es ist.Gott hat es bereinigt, und Er hat uns gleichzeitig ein Trostpflaster verpasst, damit esnicht schmerzt.Wir werden immer wieder das Bedürfnis haben, Gott ängstlich zu bitten, Er möge uns jawieder alles richtig und komplett und schön sortiert wieder geben. Das müssen wir garnicht! Warum? Er weiß doch, was uns gut tut! Also, am besten erbitten wir nichts underwarten nichts – wissend, Er gibt uns das Richtige. Was wollen wir mehr? – Ja, ichweiß: Wir wollen glücklich sein. Wir werden einfach unsere Angst nicht los, Er könnteetwas übersehen, etwas oder jemanden, den wir doch noch nicht loslassen wollen bzw.können, weil wir uns noch etwas erhoffen.Immer dieses Misstrauen; immer müssen wir alles überwachen! Noch nicht einmal Gottlassen wir in Ruhe arbeiten! Seien Sie versichert: Gott weiß, ob diese Person bzw. dieseSache noch einen Sinn in Ihrem Leben macht. Wenn ja, kommt sie wieder, wenn nicht,dann ist es auch gut! Demütig sein heißt auch, Vertrauen haben. Urvertrauen. Alles istgut, alles wird gut werden. Weil ich es mir wert bin, und weil ich es Gott wert bin. Jegrößer ich in Seinen Augen sein möchte, umso kleiner muss ich mich machen. Erübersieht mich nicht!Für Teresa von Àvila spielte die Demut eine zentrale Rolle in ihrer Spiritualität. Siebezeichnete das Prestigedenken als den genauen Gegenpol der Demut. Nach Teresa istdas Prestigedenken, heute nennen wir es Ego, ein ernsthaftes Hindernis für jeglichenFortschritt im geistlichen Leben, da der Mensch seine Identität und seinSelbstbewusstsein aus seiner Egozentriertheit herleitet, statt es auf der Wahrheit vorGott aufzubauen. „Groß ist die List und Tücke des Satans, der tausendmal die Hölle inBewegung setzt, um uns glauben zu machen, wir hätten eine Tugend, die wir inWirklichkeit nicht besitzen. Und er tut es mit gutem Grund; denn er richtet damit vielSchaden an, weil diese eingebildeten Tugenden – ihrer Herkunft entsprechend – stetsvon Ehrsucht begleitet sind, während die anderen, die Gott schenkt, frei sind vonDünkel und Hochmut.“ 77
  • * „Seine Majestät mag mutige Seelen und ist ein Freund von ihnen,sofern sie ihren Weg in Demut gehen und nicht auf sich selbst bauen“ (Teresa von Àvila) * 78
  • XII. Von der Liebe zur ErleuchtungLiebeIn den ersten sieben Lebensjahren haben wir unsere Vorstellungen und Glaubenssätze inuns angelegt. Natürlich wurden wir im Laufe unseres Lebens reifer und erwachsen,jedoch werden wir im Grunde genommen unser Leben lang von einem kleinen Kindregiert, das in unserem Unterbewusstsein lebt und sein wahres Ich nicht kennt. Dieseskleine Kind wird das Innere Kind genannt. Es nimmt alles als gegeben hin, es kannnicht urteilen und nicht denken. Aber es kann lieben. Es möchte unbedingt lieben –wenn, ja wenn es nicht solche Angst hätte. Diese Angst sitzt in ihm fest durch die alten,immer wiederkehrenden Muster.Wir erschaffen unsere eigene Wirklichkeit. Bevor wir dies nicht verstanden undverinnerlicht haben, bleiben wir das Opfer unserer jeweiligen Lebensumstände. Wirbleiben das Opfer des Schicksals, bleiben abhängig von unseren Eltern, Lehrern,Pfarrern, Lebenspartnern und sogar von unseren Kindern. Wir bleiben machtlos undhaben Angst. Wir leben in einem ständigen Mangelzustand. Es fehlt uns an Liebe undFreude, an Geld und Arbeit, es fehlt uns das richtige Haus und das bessere Auto. Habenwir etwas davon erreicht, erschaffen wir uns einen neuen Mangel. Das sind unsereMuster, und Gleiches zieht Gleiches an.Wie kommen wir aus diesem Kreislauf heraus? Sobald wir aufstehen und dieVerantwortung für uns übernehmen, werden wir uns selbst gewahr und haben die Wahl,etwas zu verändern. Die Verantwortung für uns und unser Dilemma heißt: Liebe. Wirsind die Liebe, weil wir Kinder Gottes sind, weil Gott die Liebe ist. Alles andere ist eineIllusion, ein Missverständnis, begründet auf dem Irrglauben, nicht zu genügen. DieLiebe ist unsere Rettung. Unsere Freiheit und schließlich unsere Erlösung werden dasErgebnis sein, wenn wir uns selbst, angefangen bei unserem Inneren Kind, lieben. Alserstes müssen wir für unsere Realität die Verantwortung übernehmen. Dann haben wireine Wahl: Die Liebe.Die Polarität der Liebe ist die Angst. Jede emotionale Reaktion, die nicht aus Liebegeschieht, ist ein Ausdruck der Angst. Diese haben wir mit unterschiedlichen Namenbedacht: Ärger, Neid, Gier, Missbrauch, Frustration, Stress, etc. All dies sind unsereÄngste. Und diese Ängste haben als einzigen Grund die unterdrückte Liebe.Wie unterdrücken wir diese? Wir vertuschen und übertünchen sie. Wir sind stark, wirlassen uns nichts anmerken, wir stehen sie uns noch nicht einmal selbst zu. Wir redensie weg, trinken sie weg, rauchen sie weg, arbeiten sie weg. Wir beten sie sogar weg,und sogar das nur oberflächlich, wenn das Gebet nicht durch das Herz fließt, sondernnur durch den Verstand. Wir sind Ertrinkenden gleich, deren Kräfte immer wenigerwerden.Wie können wir die Angst in Liebe umkehren? Indem wir sie zuerst einmal annehmenund die Verantwortung übernehmen. Was uns nicht gehört, können wir nicht verändern.Wir können auch nichts im Außen verändern, sondern nur in uns selbst. 79
  • Also gehen wir dahin, wo die Angst sitzt, nämlich in unserem Unterbewusstsein: UnserInneres Kind hat diese Angst! Reden wir mit ihm. Nehmen wir es in den Arm. Ja,umarmen Sie sich selbst! Spüren Sie sich! Ihr Inneres Kind spürt Sie, Sie sindsozusagen wie eine Mutter, ein Vater zu ihm. Nun fließen die Energien, und die ChemieIhres Körpers verändert sich. Die Botenstoffe fließen durch den gesamten Körper und inIhr Gehirn: Wir lieben uns, wir freuen uns! Die Muskeln entspannen sich, das Herzweitet sich, Sie spüren eine Wärme, die manchmal bis zu einem Hitzegefühl ansteigt;die Augen glänzen, der Verstand wird ruhig... – Es ist einzig und allein das Gefühl derLiebe, das Sie brauchen, um alles in sich und um sich herum zu verändern. UnsereSpiegel im Außen zeigen uns, wie wir uns selbst verändern.Nun werden Sie sagen: „Ja, aber das hält doch nicht ewig an.“ – Warum nicht? Weil Siewieder rückfällig werden. Nun, dann nehmen Sie sich einfach erneut in den Arm. Beieinem Kind tun Sie das doch auch oder bei Ihrem Hund, bei Ihrer Katze. Da funktioniertes ebenfalls. Immer wieder streicheln wir unsere Schutzbefohlenen und sind freundlichund loben und trösten. Wir sind in unserem tiefen Innern, in unserer Seele nichtsanderes. Wir sind unser eigenes Inneres Kind.Ich höre einen neuen Einwand von Ihnen: „Ja, aber diese Welt um mich herum, da kannich nicht nur lieben, ich muss mich abgrenzen, ich muss zeigen, wer ich bin!“ Okay,zeigen Sie es doch! Zeigen Sie, dass Sie ein großes Herz haben! Zeigen Sie denMenschen, der Welt um Sie herum, dass es nur mit der Liebe geht. Glauben Sie, eineinziger Mensch in dieser „bösen Welt“ ist durch und durch so böse? Oder ist er auchnur ein Opfer seines armen, misshandelten Inneren Kindes? Meinen Sie nicht, dass dergrößte Schurke da draußen sich nicht auch bessern würde, wenn er sich selbst liebenkönnte und dann auch von seinen Freunden geachtet würde?Natürlich haben Sie das Recht, sich abzugrenzen. Bleiben Sie einfach ruhig, und ziehenSie sich zurück. Sie haben damit nichts zu tun. Lieben Sie sich, lieben Sie Ihr InneresKind, lieben Sie Ihren Partner, Ihre Kinder, Ihre Freunde. Diese Liebe wird in IhrUmfeld ausstrahlen, und Sie tragen zu einer Transformation der Welt bei. Leider kommtes nicht überall an, das gebe ich zu. Wir können die Welt nicht retten, wir können zuihrer Besserung nur beitragen. Aber wir können uns selbst retten. Sobald wir uns für dieLiebe entschieden haben, ist alles Negative für uns Vergangenheit, vergeben undvergessen. Sie können Argumente bringen, so viele Sie möchten – ich werde jedesArgument widerlegen mit einem einzigen Satz: „Es geht nur mit der Liebe.“Woher ich das wissen will, fragen Sie? Weil Gott die reine Liebe ist! Also ist die Liebeder Weg. Außerdem kenne ich selbst die Angst sehr gut, am besten die Verlustangst.Aber – ich habe lieben gelernt! Je mehr ich über die Liebe rede, umso begeisterterwerde ich. Und dabei werde ich mit Freude beobachten, wie Sie sich aus Ihrem Egoheraus aufbauschen und nach und nach in sich zusammenfallen. Ihr Herz wird sichlangsam öffnen, weil Sie spüren, Sie kommen nicht weiter mit Ihrem Intellekt, der nurdazu geschaffen wurde, um Ihrem Herzen zu dienen. Erst wenn Ihr „Ja, aber!“ zu einem„Na ja, vielleicht doch“ geworden ist, können wir Beide dem lieben Gott danken, dassEr es wieder einmal geschafft hat, einen Menschen zu bekehren, und das sind Sie!Denn das ist die wahre Bekehrung: zu lieben. Nicht die Bibel von vorn bis hintenzitieren und beten, beten, beten. Einfach lieben. Alles andere kommt von selbst. „Diestrage ich euch auf: Liebt einander!“ (Joh.15,17). Wenn selbst jene, die von Berufs 80
  • wegen über die Liebe sprechen, in den Situationen ihres Lebens, in denen die Klarheitund Wahrheit ans Licht kommt, zeigen, dass sie ihre Herzen kaum geöffnet haben, unddies aus Angst vor der Konfrontation mit ihrem eigenen Selbst, ihrer Seele, dann weißich: Es ist einsam im Paradies. Die Menschen stehen Schlange, aber sie wissen nicht,wie sie ihre Herzen öffnen sollen, um eintreten zu können.Selbst bei der Liebe zu Gott verhalten wir uns mit unseren anerzogenen undübernommenen Mustern. Nicht selten legen wir diese seltsame Werke-Frömmigkeit anden Tag: „Ich muss jeden Tag drei Rosenkränze beten.“ – „Ich muss jeden Tag zurKommunion gehen.“ So lauten unsere Vorgaben an uns selbst, damit Gott uns liebt.Warum glauben wir es nicht, dass Gott uns immer liebt? Dass Er uns schon liebt, bevorwir etwas für Ihn tun? Gott IST die reine Liebe, das reine Licht. Er liebt nicht nur, erIST die Liebe.Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Natürlich ist es wunderbar, täglich zu Gott zubeten und uns täglich in der Kommunion mit Jesus zu verbinden. Damit zeigen wirGott, dass WIR Ihn lieben und preisen. Mit unseren Rosenkranzgebeten bitten wirMaria um Ihre Fürsprache. Wir bitten Sie um Ihren Beistand in unserer Entwicklung.Wir bitten Sie um Ihre Hilfe in der Demut, in der Achtsamkeit und in der Liebe zuanderen. Aber auch wenn wir dies nicht tun, liebt Gott uns trotzdem, weil wir SeineKinder sind. Wir tun uns selbst einen Gefallen, wenn wir Ihm Gutes tun, weil wir unsdamit beruhigen; uns selbst das Gefühl gebend, wir sind mit Ihm verbunden.Uns mit Gott verbindend, öffnet sich unser Herz automatisch; dieses macht unswiederum gesund, beruhigt uns, nimmt uns Sorgen und Ängste. Auch wenn wir diesalles einmal nicht können, aus welchen Gründen auch immer – Gott liebt uns! Er hatuns erschaffen, und Er ist unser auf ewig liebender Vater. So wie Sie als Mutter undVater Ihre Kinder lieben. Natürlich gefällt Ihnen nicht alles, aber Sie lieben sietrotzdem. Allumfassend und bedingungslos – so sollte es idealerweise sein. DieFähigkeit zur Liebe unter den Menschen hängt also sehr stark mit der Fähigkeit derLiebe zu Gott zusammen. Liebe ich Gott fröhlich, frei und mit reinem Herzen, so kannich auch die Menschen so lieben: allumfassend und bedingungslos. Die Liebe ist derselbstverständliche Ausdruck unseres eigenen Wesens.Unser Endziel ist es, uns mit Gott zu vereinigen und mit Ihm zu verschmelzen. Das isteine Entwicklung, ein ständiger Anstieg unseres Bewusstseins. Diesen Anstieg erreichenwir ausschließlich über unsere Liebe, die wiederum einen höher schwingenden Lichtleibin uns erschafft. Wir können nicht von Null auf Hundert gehen. Wir müssen langsamansteigen. Mit einem kleinen Herzen können wir Jesus nicht empfangen, wir würdenverglühen. Das habe ich in den einzelnen Kapiteln erörtert. Dieses Bewusstsein istfühlbar, es ist in unserem Herzen durch das Gefühl der Liebe fühlbar, und es kann sehrschmerzhaft sein, wenn wir nicht darauf vorbereitet sind. Hoffen wir auch nicht darauf,im Jenseits alle Freuden zu erhalten, die wir uns im Diesseits versagen. Wir müssen imJenseits darauf warten, bis sich unsere Nachfahren unserer Heilung erbarmen; bis wirüber deren eigene Heilung selbst heil werden.Warum treten wir also das irdische Leben mit Füßen und hoffen auf etwas, was wir niehaben werden, wenn wir uns in diesem Leben nicht schon darauf vorbereiten? Wirkönnen diese Freuden nicht empfangen, weil wir das Empfinden für die Liebe nichteinfach abrufen können, sondern entwickeln müssen. Jeder Mensch geht mit der 81
  • Herzensöffnung, die er sich auf Erden erarbeitet hat, ins Jenseits. Er macht keinenSprung vom gefühlskalten Egoisten zum überschwänglich Liebenden, das ist reineUtopie jener, die sich krampfhaft der Liebe entziehen wollen.Das bedeutet: Wir müssen als Mensch auf Erden lieben lernen. Wir müssen erst einmalwissen, was Liebe bedeutet. Es ist die Liebe, die im Herzen reift. Es ist die Liebe, mitder wir zuerst uns selbst lieben lernen, und mit der wir dann einen Partner lieben undgleichzeitig alle Menschen. Es ist die Liebe, mit der wir uns gegenseitig Kraft gebenkönnen, um zur allumfassenden Liebe fähig zu sein. * „Ich halte es für unmöglich, dass die Liebe sich damit begnügt, ständig auf der Stelle zu treten.“ (Teresa von Àvila) * 82
  • DolorismusLeider sind viele Christen dem Prinzip des Dolorismus, der Selbstbestrafung, verfallen.Das Verbot, etwas Beglückendes zu erleben, ist eine häufige Form von Selbstbestrafung.Sie wollen leiden. Sie denken, sie müssen leiden, weil Jesus gelitten hat. Es ist eineForm der Fiktion (Gedankenblockade), wie ich sie schon an anderer Stelle beschrieb.Wir denken, wir müssen leiden. Solange wir denken, lieben wir nicht, wie es auchTeresa von Àvila aussprach: „Es kommt nicht darauf an, viel zu denken, sondern viel zulieben.“ (Die Innere Burg). Ich wiederhole auch dies: Gott ist die reine Liebe, Gott istdie Freude. Sein Sohn starb für uns am Kreuz, damit wir erlöst sind und von GottesLicht erleuchtet werden können. Er nahm Sein Kreuz auf sich, damit wir Gott immerähnlicher werden; damit auch wir die Liebe und die Freude erleben können.Das Leid lässt sich nicht immer vermeiden. Unser Heilsweg ist gepflastert von Krisen,Leid und Not. Wir leiden durch den Verlust eines lieben Menschen oder Tieres, wirleiden wegen nicht erfüllter Liebe, wir leiden wegen einer Krankheit. Das Leid hateinen Sinn: Wir wachsen daraus. Sehen wir jedes Leid, jede Krise und jede Krankheitals eine Chance zum Wachstum! Somit erhält auch die größte Not einen Sinn.Viele Menschen sind der Ansicht, sie müssen leiden, um Ihre Familienmitglieder zuretten. Wie kann ein Kind gesund werden, wenn die Mutter ständig unglücklich leidet?Leid erzeugt Leid – Freude erzeugt Freude! Wenn das Leid in Ihrer Familie vorherrschtund alle hinunterdrückt, müssen Sie es zuerst annehmen, um es wieder abgeben zukönnen. Übernehmen Sie dafür die Verantwortung, und seien Sie sich bewusst: Siebrauchen das Leid nicht, weil Jesus Christus das Leid auf sich nahm. Er istauferstanden, und somit sind wir auferstandene, mündige, frohe Christen und haben dasRecht und die Pflicht, diese Freude in Form von Liebe weiterzugeben.Üben Sie die Vergebung für Ihre Familienangehörigen, wie ich es in dem KapitelVergebung und Befreiung erklärt habe. Sie werden sehen: Auch Sie können sich wiederaufrichten und mit Freude leben! * „Bete nicht um leichtere Lasten, sondern um einen stärkeren Rücken.“ (Teresa von Àvila) * 83
  • EgoWenn unser Herz in der Liebe zu Gott und den Menschen entflammt, hat es dasBedürfnis, diese Liebe auszuschütten und allen zukommen zu lassen. Diese Liebe istallumfassend, sie betrifft Himmel und Erde und alle Lebewesen; sie ist bedingungslos,ohne Wenn und Aber; und sie ist schöpferisch, denn mit dieser Liebe erschaffen wirwieder neue Liebe, Heilung und Wohlergehen. Diese Liebe wirkt aus sich selbst; siemacht ein Beurteilen und Verurteilen unmöglich. Und sie ist endlos, denn aus ihrer Glutbildet sich immer wieder eine neue Flamme – unser Verstand mit seiner Vernunft undseinem Willen sind dagegen machtlos.Unser Ego hingegen verhält sich konträr. Es verweigert die Liebe und sät Neid, Hass,Gewalt und Krieg. Durch unsere Egozentriertheit bleiben wir klein und in unsererEntwicklung stecken. Sie verhindert unseren Fortschritt auf dem Weg zu Gott. UnserEgo lebt von der Vernunft, dem Willen und dem Verstand. Es ist sozusagen derüberflüssige Verstand. Dualistisch denkend, will es alles an sich ziehen; es braucht dieWertschätzung und das Lob der Anderen, und zwar von allen und zu allen Zeiten; essortiert aus und stellt Bedingungen. Es sucht ständig nach den Fehlern der Anderen, umdiese korrigieren zu können und sich dadurch zu erheben. Es kennt nur schwarz undweiß, gut und böse, es besteht auf Belohnung und Bestrafung, auf Ungerechtigkeit desSchicksals und dumme Zufälle. Es treibt uns in die ewige Spirale desKonkurrenzdenkens, besser zu sein als andere und in Spiel und Sport zu gewinnen.Das Ego ist der verzweifelte Versuch des Bösen in uns, uns von unserem Glückfernzuhalten. Warum? Weil es ahnt, dass es durch unsere Liebe zu Gott und SeinerSchöpfung verstummen wird. Weil es weiß, dass es gegen unser Herz nichts ausrichtenkann und zerstört werden wird. Das Böse in uns, das ist nicht der Teufel. Es ist –abgesehen von psychischen Störungen, die durch Krankheit und Missbrauch entstehen –das Ego, das wir in den Anfängen unserer Evolution brauchten, um uns gegen unsereKonkurrenten durchzusetzen. Vernunft und Liebe waren noch nicht entwickelt, es gabdas Recht des Stärkeren, und das lag im Unterbewusstsein, in der Kraft der Triebe undder Gewalt.Unsere Entwicklung hin zu einem vernunftbegabten Lebewesen mit liebevollem Herzenhat sich beschleunigt. Nun fehlt noch unser letzter Schritt, dem Rest unseres Egos denGaraus zu machen. Was wir behalten dürfen, ist unsere Selbstachtung und unsereEigenliebe, die uns davor hindern, überrannt zu werden. Haben Sie keine Angst davor,es wird sehr schnell gehen und fast wie von selbst. Denn so groß unser Ego auch seinmag, gegen die Liebe kann es nichts ausrichten. So wie die Finsternis gegen das Lichtmachtlos ist, so wird auch das Ego schwach, wenn das Licht der Liebe aufscheint.Leben Sie achtsam und bewusst in der Gegenwart, denn das Ego hasst die Gegenwart.Es kann sich nur aus den Gedanken ernähren, die sich mit der Vergangenheitbeschäftigen: „Wie schön war es damals, so schön ist es heute nicht!“ – und mit derZukunft: „Bald wird es wieder so schön sein wie früher!“Heute ist es schön! Die Gegenwart ist Ihr Leben. In der Gegenwart geben Sie sichvollkommen dem Leben hin. Es ist unmöglich, in der Vergangenheit oder in der Zukunftzu leben und erst recht nicht zu lieben. Probieren Sie es: Können Sie etwas in derVergangenheit lieben? Wie geht das? Sobald Sie dieses Gefühl der Liebe in Ihrem 84
  • Herzen spüren, sind Sie wieder in der Gegenwart angekommen. Es geht einfach nichtanders. Diese Zeitformen sind reine Gedankenkonstrukte und gehören bestenfalls alsWorte in ein Buch, aber nicht in Ihr Leben im Hier und Jetzt. „Ach was habe ich ihn/siegeliebt!“ Haben Sie geliebt, oder lieben Sie jetzt? Falls Sie die Person jetzt lieben,befinden Sie sich in der Gegenwart. Haben Sie sie geliebt und lieben Sie sie jetzt nichtmehr, ist es Vergangenheit, also abgeschlossen. Lecken Sie Ihre Wunden, und wendenSie sich dem Leben zu. Werden Sie demütig. und bitten Sie Gott, Ihnen zur Seite zustehen. Es ist Ihre Läuterung von der Ich-Fixierung, es ist ein Teil Ihrer Berufung, sichdavon zu befreien.Auch Teresa von Àvila hatte weit mehr Gottvertrauen als Angst vor dem Bösen. Sie wardarauf bedacht, durch asketische Übungen und kontemplative Gebete den tiefverwurzelten Egoismus des „alten Menschen“ in der Nachfolge Christi, desGekreuzigten, absterben zu lassen, um so zu einem "neuen" und innerlich freien undselbstlos liebenden Menschen zu werden. Es ging ihr nicht nur um die Befreiung derMenschen von ihren Anbindungen an Besitztümer und Personen, sondern auch um eineLoslösung von ihrer eigenen Selbstbezogenheit.Sie befreien sich am einfachsten von etwas, indem Sie es – wie auch das Leid und allesNegative, was Sie nicht mehr haben möchten – zuerst anerkennen und als das Ihreannehmen. Dann lassen Sie es nach und nach los, indem Sie ihm die Beachtungentziehen. Sie nähren es nicht mehr, und es wird absterben. Das ist die Bedeutung des„Absterbens“, welches die Mystiker in ihren Schriften benutzen. Es ist das Loslassendes Egos und der alten Gewohnheiten, kurz, des alten Menschen in Ihnen.Beginnen Sie damit, Ihre Sprache zu beobachten: Es gibt Worte, die aus dem Egoheraus kommen: Aber, jedoch, doch und viele mehr. Beginnen Sie mit dem Wörtchenaber. „Aber das war doch immer so!!!“ Der Ausdruck des Trotzes. Es passt ihm nicht,dem Ego. Allein diese Worte aus der Sprache zu verbannen, dauert eine ganze Weile.Ich hole mir dazu gern meinen Lieblingssatz in mein Gedächtnis: „Sei still, wisse, ichbin Gott!“ Dem kann kein Ego etwas anhaben! Dieser Satz wischt alles einfach weg.„Lass es gut sein, geh raus aus deinen Gedanken, freue dich des Lebens!“ Ich öffnedamit automatisch mein Herz und bin mit Gott verbunden, der mich auf Seinem Wegeleitet. Das hält kein Ego lange aus! * „Vollkommene Liebe erwägt keine eigensüchtigen Interessen“ (Teresa von Àvila) * 85
  • AchtsamkeitAchtsamkeit kann nur in der Gegenwart geschehen, es ist der Zustand des Seins. Wannsind wir wirklich wir selbst? Meist befinden wir uns mit unseren Gedanken irgendwo inder Vergangenheit: „Was habe ich damals getan?“ – oder in der Zukunft: „Was werdeich tun?“ Wir beurteilen gern, das ist die Spezialität unseres Egos. Wir erheben uns überandere, wir grenzen andere aus. „Verletze niemanden, weder in Gedanken, Worten oderTaten!“ Und verletzen Sie sich auch nicht selbst. Das würde als einziges Gebotgenügen. Wir hätten genug zu tun, es einzuhalten...Alles was Sie zur Achtsamkeit brauchen, hat Gott Ihnen bereits geschenkt. Sie sind alsoschon perfekt. Gehen Sie in sich: Öffnen Sie Ihr Herz. Lassen Sie es weit werden, lassenSie es ausstrahlen. Stellen Sie zu allem eine Beziehung her. Achten Sie auf die kleinstenKleinigkeiten, nichts ist aus Zufall in Ihr Leben getreten, alles was Sie ansehen, ist zudiesem Zeitpunkt wichtig für Sie, wenn es auch noch so unscheinbar erscheint. Hinterallem steckt ein tieferer Sinn. Lieben Sie Ihre Arbeit, arbeiten Sie ruhig und bewusst,geben Sie ihr einen Wert. Sie sind nicht einfach so zu diesem Arbeitsplatz gekommen.Es gibt einen Grund dafür, auch wenn Sie mit Ihrer Arbeit unzufrieden oder arbeitslossind. In der Arbeitslosigkeit liegt die Zeit der Stille, der Sammlung, der Reflexion.Erkennen Sie, wer oder was Sie sind. Erfahren Sie Ihren eigenen Wert, den Gott Ihnengeschenkt hat. Seien Sie achtsam mit sich selbst. Achten Sie auf die Reaktionen IhrerFamilienmitglieder. Sind diese eher unbewusst, oder sind sie ebenfalls achtsam?Verändern sich die Menschen um Sie herum, wenn Sie selbst sich verändern?Nutzen Sie Ihre Sinne, spüren Sie Ihre Sinnlichkeit. Fühlen Sie, wie sich die Dingeanfühlen. Sind sie glatt, rau, warm, kalt? Gehen Sie in die Natur, betrachten Sie jedeKleinigkeit. Haben Sie schon den immensen Farbreichtum und die Vielzahl derBlattformen bewundert? Haben Sie schon einmal gespürt, wie sich das Blatt einerEiche, einer Rosskastanie, einer Linde anfühlt? Wie fühlt sich die Rinde desBaumstammes an? Wie sehen die Blüten aus, welche Farben haben sie und welchenDuft? Schließen Sie die Augen, und achten Sie auf die Farben und Bilder, die sich vorIhrem inneren Auge zeigen. Nehmen Sie den Stöpsel Ihres MP3-Players aus dem Ohr,und hören Sie auf die Töne der Natur und der Tiere. Lauschen Sie dem Plätschern desWassers, erfreuen Sie sich an dem hellen Lachen der Kinder. Erkennen Sie dieEmotionen der Tiere: Ein Vogel drückt sein Liebeswerben ganz anders aus als seinenWarnruf vor dem Feind. Sie hören plötzlich Töne, deren Ursprung Sie nicht erkennen.Wundern Sie sich nicht, wenn Sie irgendwann Glockenläuten hören, und Sie wissengenau: „Jetzt ist keine Zeit zum Glockengeläut!“ Das sind sphärische Töne in Ihremhöheren Bewusstsein, das ist ein gutes Zeichen Ihrer Anbindung an den Himmel.Erkennen Sie, dass Sie nur in der Gegenwart Ihre Sinne einsetzen können? Achtsamkeitbedeutet Präsenz. Alles Vergangene verblasst, jetzt ist alles gut.Als Sport empfehle ich Tai Chi und Chi Gong, damit zentrieren Sie sich, und Siespüren, dass Ihre innere Kraft aus der Stille kommt. Muskelkraft ist endlich, die innereKraft ist endlos, da sie von Gott kommt und ständig durch Sie hindurch fließt. Siewerden niemals müde, im Gegenteil. Ihr Körper bildet ein Energiereservoir, darin wirdder Sauerstoff, den Sie einatmen, als energetische Kraft gespeichert. Wenn Sie diesenSpeicher regelmäßig jeden Morgen mit nur acht tiefen Atemzügen vor dem geöffnetenFenster, verbunden mit der richtigen Technik auffüllen, steht Ihnen ständig so viel 86
  • Energie zur Verfügung, dass Sie im Ernstfall Ihren Reservetank zur Lebensrettungmobilisieren bzw. ein Stoßgebet zum Himmel schicken können, das Sie aus jedwederSituation rettet.Beziehen Sie die Elemente in Ihr Leben ein; jedes Element spiegelt sich auf geistigerEbene: Luft – Gedanken, Wasser – Gefühle, Feuer – Wille, Erde – Bewusstsein, Äther –Gott. Die Gedanken müssen wir schulen, die Gefühle meistern, den Willen stärken unddas Bewusstsein erkennen – die Beherrschung dieser Elemente führt zum Erwachen, zurwahren Transformation der Ur-Qualitäten in unsere eigene Kraft. Diese Elementebinden unser eigenes Bewusstsein an das Irdische. Beim Übergang in den Tod wirddiese Bindung zuerst aufgelöst, damit wir unser Kleidchen ablegen in das Jenseitshinüber wechseln können.Achten Sie auf Sonne, Mond und Sterne. Die Sonne wärmt uns, ohne sie könnten wirnicht existieren. Erleben Sie den Verlauf der Sonne, ihren Auf- und Untergang sowie dieSonne am Morgen, Mittag, Abend. Jeder Tagesabschnitt hat seine eigene Dynamik,seinen eigenen Reiz. Der Mond und die Sterne führen uns in die verborgenen Bereiche.Auch sie können wir achtsam erleben. Die Nacht ist geheimnisvoll, sie umgibt uns mitStille. Viele fürchten die Nacht und das Dunkle. Weil Sie das Dunkle in sich selbst nichtannehmen wollen. Entdecken Sie das Licht im Dunkel der Nacht. Die Gegenständeerscheinen uns anders im Licht der Nacht, es sind jedoch dieselben wie am Tag. Auchdie Geräusche verändern sich in unserer Wahrnehmung. Es ist alles nur eine Frageunserer eigenen Bewertung.Vergessen Sie die Fragen des Verstandes: „Warum, wieso, weshalb?“ „Warum ist etwasso wie es ist?“ Egal. Machen Sie sich keine Sorgen. Das Wissen, die Erkenntnis kommtaus Ihnen selbst. Aus Ihrem tiefsten Innern. Ihre Fragen kommen aus der Angst, nicht zugenügen oder etwas bzw. jemanden zu verlieren. Sie besitzen alles was Sie brauchen!Was Sie verlieren und es kommt nicht wieder, brauchen Sie nicht. Wenn Sie es wirklichlieben, behalten Sie es für immer in Ihrem Herzen, dann aber mit liebenden Gedankenund nicht mit Schmerz.Was Sie am wichtigsten brauchen, ist Gott; Er ist immer bei Ihnen. Nehmen Sie es an:Das Leben ist so. Übernehmen Sie für das Leben, das Ihnen Gott geschenkt hat undjeden Tag neu schenkt, die Verantwortung. Seien Sie dankbar und demütig, gehen Sieachtsam mit sich selbst um.Wichtig ist, was Sie fühlen, und wie Sie sich selbst fühlen. Das können Sie natürlich nurherausfinden, wenn Sie sich Ihrer jetzt, genau jetzt bewusst sind. Wenn Sie gegenwärtigsind. Achten Sie auf Ihr Inneres Kind. Dieses Wesen in Ihrem tiefsten Inneren. DiesesWesen, das so sehr verletzt sein kann, und das auch so sehr lieben kann. Geht es Ihnenjetzt gut? Atmen Sie ganz tief durch, werden Sie ruhig, und öffnen Sie Ihr Herz. „Seistill, wisse, ich bin Gott“ Das Wasser, das Element der Gefühle, kommt aus Gott undfließt durch Sie hindurch in jede Zelle Ihres Körpers bis in die Tiefe Ihrer Seele. LiebenSie Gott, danken Sie Gott, dass Er immer bei Ihnen war, ist und sein wird. Versinken Sieim Gebet, in der Kontemplation. Sie werden sofort Ihre Liebe in Ihrem Herzen spüren.Es wird warm, es weitet sich aus, Sie werden ruhig, und es geht Ihnen gut. 87
  • Sie werden sich daran gewöhnen, Ihre Schritte und Handlungen achtsam auszuführen.Sie werden innerlich still und strahlen diese Stille aus. Sie erhalten damit einen Zugangzu Ihrem höheren Bewusstsein. Sie spüren Gottes Gegenwart. Dann spüren Sie wiedersich selbst. Sie empfinden einen tiefen Frieden. Und Sie kommen zu der Einsicht: Gottist in Ihnen, Sie haben Ihn gefunden – Er hat Sie gefunden! Das Suchen hat ein Ende;Ihre Sehnsucht ist gestillt. Und Sie wissen plötzlich: Er war immer bei Ihnen, bei IhrerGeburt, bei Ihrem ersten Schultag, Ihrem ersten Liebeskummer, bei allen großen undkleinen Ereignissen. Sie waren niemals getrennt voneinander, Sie hatten eszwischenzeitlich nur vergessen.Lassen Sie diese Liebe durch Ihr Herz fließen. Sie verspüren ein Gefühl derGlückseligkeit, der Zufriedenheit und der Schönheit. Sie befinden sich vollkommen imHier und Jetzt. Sie spüren Ihre Lebendigkeit in jeder Faser Ihres Körpers und sindtrotzdem ganz gelassen. Sie sind Bewegung und Ruhe gleichzeitig. * „Ich vermag nicht einzusehen, wie man Demut ohne Liebe oder Liebe ohne Demut habe oder haben könne.“ (Teresa von Àvila) * 88
  • ErleuchtungDas Leben als Ganzes annehmen und lieben, jede Facette des eigenen Wesensannehmen und lieben und die Seele zu einem Tempel für Gott erschaffen, darum geht esbei der Erleuchtung. Dann belohnt Sie Gott für Ihre Bemühungen mit der imChristentum genannten Gottesschau, Erleuchtung oder Erlösung – und nur davonspreche ich in diesem Buch. Es ist Gottes Gnade, Sein Dank für Ihre Gebete, die lautenund die stillen, sowie für Ihre Herzensöffnung, die vielleicht sehr schmerzhaft verläuftund viele Tränenmeere verursacht. Es ist Seine Wertschätzung Ihres Mutes, mit dem SieIhre eigene innere Wüste durchschreiten, Ihren Hochmut in Demut wandeln und ganznebenbei auch noch Ihre letzte Bastion, Ihr Ego, ablegen. Bis Sie endlich eindurchlässiger Kanal werden und sich Ihm vollkommen hingeben.Dann ist es soweit: Gott verwandelt Ihre Seele in einen unsterblichen Lichtleib. Dies istIhre geistige Wiedergeburt. Gottes Licht scheint durch Sie hindurch und erhellt allesDunkle um Sie herum. Der Himmel in Ihnen, Ihr Zugang zu Gott, hat sich vollkommengeöffnet. So kann die Erlösung, für die Jesus Christus am Kreuz gestorben ist, vollzogenwerden in Ihrer eigenen Erleuchtung. Noch in diesem irdischen Leben, denn Ihre Seelekommt von Gott und ist unsterblich. Sie war und ist und wird immer sein – im Himmelund auf Erden. So ist auch hier auf der Erde schon machbar, was gemeinhin nur imJenseits für möglich gehalten wird, mit der Einschränkung von Raum und Zeit. Schon inunserem Körper können wir unser Bewusstsein erweitern und uns ganz auf Gotteinstellen. Auf Ihn einstellen heißt, Ihn lieben, uns Ihm hingeben. Es bedarf wederirgend welcher Weisheiten noch spezieller Fertigkeiten – die Fähigkeit derHerzensöffnung und der allumfassenden Liebe ist das Größte, wozu der Mensch fähigist – wenn er das Überflüssige in sich zum Absterben gebracht hat.Durch die Erhöhung des Bewusstseins fallen alle Schranken zwischen den Seelen. Wieim Jenseits, so können wir uns auch im Diesseits mit einem einzigen Gedanken mitjeder Seele verbinden, ungeachtet dessen, ob sie verkörpert ist oder nicht. Vielleicht fälltIhnen jetzt auf, dass Sie nur an einen Menschen denken müssen und er schon in IhremHerzen ist. Sie sind mit allen Menschen – natürlich auch mit allen Tieren! – und mitallem um Sie herum verbunden. Was im alltäglichen Leben der Parapsychologiezugeordnet wird, erweist sich als ultimative Möglichkeit der Kommunikation.Zugegeben: Es läuft nicht gleich alles perfekt. Das Auf und Ab ist anstrengend. Diemystischen Erfahrungen gleichen den Nahtod-Erfahrungen. Auch Teresa vergleicht ihremystische Erfahrung mit dem Tod. Wir erleben etwas, was unsere eigene kleine Weltaus den Angeln hebt, unser Herz ist zerrissen und schreit nach Heilung – und unsereSeele wünscht nichts sehnlicher, als diesen Zustand wieder zu finden. Bis wir endlichwissen, was eigentlich mit uns geschieht, erleben wir ständig den ganz alltäglichenWahnsinn. Fragen über Fragen, getrieben zwischen Gott und Welt, Himmel und Erde,Todessehnsucht und Festklammern an Mutter Erde, ständig auf der Suche nachjemandem, der uns versteht, etwas raten, vielleicht auch retten kann.Selbst in der Kirche, besonders vor und nach den Gottesdiensten, die uns wenigstenskurzfristig wieder in die ersehnten geistigen Sphären bringen, müssen wir uns schützenvor jenen, die in ihrer Unsensibilität und Unwissenheit nicht spüren (können), was mituns geschieht und wir unsere Ruhe unbedingt brauchen. 89
  • Wie die Heilige Teresa von Àvila vervollkommnen wir unseren Reifeprozess von derVersenkung über die Verwandlung bis hin zur Erleuchtung. „Die Seele nimmt wahr,dass sie mit Gott vereint ist“, berichtet sie. „Und davon bleibt ihr eine solcheGewissheit, dass sie von diesem Glauben durchaus nicht lassen kann. Ich wusstenämlich nicht, dass Gott in allen Dingen ist, und es schien mir so unmöglich, dass Ermir so gegenwärtig sei, wie es mir vorkam.“ Wir verlassen die irdische Dualität, wirverschmelzen mit Gott, werden eins mit Ihm, und wir erleben das letzte Geheimnis derSchöpfung. Der Schleier fällt, wir wissen alles, wir erkennen alles – das sind die Wasserdes Lebens, von denen Jesus sprach.Dann geschieht das vorher Unfassbare: Die Zeit geht rückwärts! Von der Unio Mysticazurück zum Du-Gott und zum Wir mit den Menschen. Wir können wieder leben!Natürlich nicht mehr hinter diesem Schleier, so wie bisher. Leben bedeutet jetzt liebenund geliebt werden. Gott lieben und von Gott geliebt werden. Die Menschen lieben undvon den – auf gleicher Stufe stehenden – Menschen geliebt werden. Es gibt nichtsdazwischen, und es gibt keine Geheimnisse mehr. Wir sind in unserer Seele vereint inverschiedenen Körpern, so lange, bis wir auch diese Begrenzung ablegen und frei vonZeit und Raum im wahren Paradies leben dürfen. Bisher belächelte ich unsere Priester,die vom Paradies sprachen, und dachte: „Sie müssen ja so reden...“ Jetzt weiß ich, diessind keine Worthülsen. Es ist wahr. Das Paradies gibt es, und zwar für alle, die sichdafür entscheiden. Es beginnt bereits auf dieser schönen Erde! * „Der Gedanke, wir könnten in den Himmel kommen, ohne in uns zu gehen und ohne uns selbst zu erkennen, ist dumm und widersinnig. (Teresa von Àvila) * 90
  • XIII. Brauchen wir eine neue Mystik?Wir brauchen keine neue Mystik. Wir brauchen neue Mystiker. Wir brauchen Menschenmit Mut zur gelebten Mystik – von ihrer Einheit mit Gott überzeugt, um davon Zeugnisablegen zu können. Wir brauchen Menschen, die in sich das Geheimnis des Lebens, derletzten Wirklichkeit, die wir Gott nennen, aufleuchten lassen und dieses Licht an ihreMitmenschen weitergeben. Wir brauchen Menschen, die brennen für ihre Liebe, für ihreLeidenschaft zu Gott. Wir brauchen Menschen, die bereit sind zu einer Liebesbeziehungmit Gott.Wir brauchen eine Kirche, genauer die Menschen in der Kirche, die uns Mystiker, diewir dem Ruf Gottes folgen und immer vorwärts schreiten, um unsere Sehnsucht zustillen, anerkennen und unterstützen. Wir brauchen Priester und Ordensleute, die wiederselbst zu Mystikern werden und den Gläubigen die Chance geben, die letzteWirklichkeit, die wir Gott nennen, zu finden und zu leben.Wir brauchen Wissenschaftler, die sich zu Gott bekennen, wie beispielsweise AlbertEinstein: „Das schönste und tiefste Gefühl, das wir erfahren können, ist dieWahrnehmung des Mystischen. Sie ist die Quelle aller wahren Wissenschaft. DerMensch, der dieses Gefühl nicht kennt, der nicht mehr staunen und in Ehrfurcht gebanntvor etwas stehen kann, ist so gut wie tot. Zu wissen, dass das für uns Unergründlichewirklich existiert, sich als höchste Weisheit und strahlendste Schönheit niederschlägt,welche unser dumpfes Vermögen nur in ihren primitivsten Formen begreifen kann,dieses Wissen, dieses Gefühl bildet das Zentrum wirklicher Religiosität.“Die Menschen auf der Suche nach ihrer spirituellen Identität haben den Zugang zu derErkenntnis von Gott aus der Erfahrung verloren, und sie übersehen, dass dasChristentum und sie selbst als Göttliche Wesen schon alle Weisheit in sich tragen, diesie in dem Supermarkt der Wellness-Religionen und religiösen Praktiken aus allenHerren Ländern erwerben möchten.Diese Erkenntnis kann nur durch die Öffnung des Herzens für die Liebe erfahrenwerden. Nur so geschieht Wachstum und Reifung der Seele hin zur Erleuchtung. Wenndas allgemeine Bewusstsein der Menschen ansteigt, und dies geschieht derzeit sehrrasant, wird sich der Schleier heben, und die Erleuchtung der Vielen löst die Mystik derWenigen ab. Die Mystik wird ihre Aura des Geheimnisvollen verlieren; genau das istvon Gott so gewollt. Er will keine Ausgrenzung, keine Bevorzugung, Er will uns alle.Beginnen wir bei dem gemeinsamen Nenner aller spirituellen Errungenschaften, der daheißt: die Liebe zur unendlichen Liebe. * Gott ist die Liebe * „Gott allein genügt“ (Teresa von Àvila) * 91
  • Schöne Worte von lieben Menschen:Was ist Mystik?„Vor allem erlebe ich persönlich Mystik, wenn ich so lebe, als würde es in jedemAugenblick um alles gehen. Wenn die Liebe im Gange ist, die das sich Ausliefernbeinhaltet, dann löst sich auch Zeit auf, (nur haben Menschen oft zu wenig Zeit, als dasssie das Da bzw. Dort im Hier begreifen). Das ist für mich persönlich ein Stück Mystik.Ein Schlüssel zur Mystik ist für mich ebenso dieses: „Wer stellt eine Wache vor meinenMund?“ kurzum: das Schweigen. Reden, seinen Mund nur dann aufmachen, wenn jedesWort ein seelischer Entschluss ist.Und es ist auch der Glaube im Gewand der Demut etwas Wichtiges. Die Demut lehrtalles erleiden, sie bringt durch dieses „wer (sich selbst) erniedrigt (wird), wird erhöht“,die Seele, den Menschen, da hinzubringen, Gott alles zu Seiner größeren Ehre zuübergeben.Der Glaube: Ein Pfeil fliegt, umso stärker man ihn spannt. Das Spannen des Bogens istunser Hochmut, und erleidet man das Spannen mit Freude, dann kann sich der Pfeilunserer Erlösung und Heils besser anschmiegen.Schöne Worte, die auf dem Pflaster der Welt umgesetzt sein wollen – nun, aber waswären wir, Monika, wenn nicht unsere Seelen die Flügel – unter Einsichten desEvangeliums – der Poesie ausspreizen würden...Verbunden in Glaube, Hoffnung, Liebe“ *„Mystik – was ist das, was bedeutet Mystik für mich? Nun, kann man es mit Wortenerklären, oder wäre es nicht besser hinein zu fühlen? Wenn ich mich einfühle, erlebe ichGott in Seiner Unendlichkeit. Gott ist Liebe. Gott ist überall. In diesem Erkennen seheich, dass alles irgendwie verbunden ist und zusammengehört. Jedes Lebewesen, sei esPflanze, Tier oder Mensch. Alles ist eins.Und dennoch ist es derzeit noch nicht jedem zugänglich. Der Glaube bzw. das Wissenträgt man in sich – man kann es weder greifen noch sehen. Das wiederum macht esnicht einfacher. Dennoch ist es für mich das Geheimnis des SEINS. Das Geheimnis desLebens auch über die Grenzen hinaus.Es lohnt sich also, offen zu sein, zu hören und zu fühlen und im Vertrauen zu Gott stetigzu wachsen.“ * 92
  • „Mystik lässt sich für mich am ehesten so beschreiben, dass Gott mir einen wirklichwunderbaren Zugang zum unergründlichen Du Seines Wesens anbietet und mir somiteine Art Schlüssel anvertraut, mit dem ich bestimmte Räume öffnen und in siehineinschauen darf, die anderen noch verborgen bleiben müssen.Mich erfüllt das Geschenk Seines Vertrauens immer wieder mit großer Dankbarkeit undDemut.“ * 93
  • „The Absolute Creator, whom we generally refer to as God, has made it abundantlyclear that a successful evolutionary path can only be undertaken through expressing afundamental motivation of Love towards others. This is particularly so in expressingTrue Love or „Unconditional Love“, which willingly gives forth Love without askingfor anything in return. However, Love is normally returned in equal measure as part ofthe great „Law of Attraction“ in which „like attracts like“.Unconditional Love includes showing a caring respect and consideration of others,compassion for those in difficulties and a non-judgmental forgiveness of the faultswithin others. Freely giving forth Love is a way of uplifting people without imposingupon their freewill. We should always be ready to extend a helping hand down to ourless endowed brethren to help lift them up to our own level. It is only through constantlygiving forth our total unreserved Love to others and in recognizing our totalinterdependence with all of the rest of Creation, that we will ever be able to create amore perfect and harmonious world.Monika Petry as a Healer and a Mystic over many years and despite the manydifficulties encountered, has herself shown us a shining example of the expression ofLove towards others. We salute her as she continues to devote her life towards thehealing of others and in particular to those who are not able to give her anythingfinancial in return, except their gratitude and Love.“Lawrence Sartorius, Author of The New Earth, Canada, February, 2011 * 94
  • LiteraturHl. TERESA VON ÀVILADie in diesem Buch verwendeten Zitate entstammen aus:1) Das Buch meines LebensGesammelte Werke Band 1hrsg. v. Ulrich Dobhan OCD /Elisabeth Peeters OCD© Verlag Herder Freiburg im Breisgau 20012) Weg der VollkommenheitGesammelte Werke Band 2hrsg. v. Ulrich Dobhan OCD /Elisabeth Peeters OCD© Verlag Herder Freiburg im Breisgau3) Die Innere BurgHerausgegeben und übersetzt von Fritz Vogelsangwww.diogenes.ch4) Das Buch der GründungenE-Book; hrsg. v. Ulrich Dobhan OCD /Elisabeth Peeters OCDVollständige Neuübertragung. Gesammelte Werke Band 5© Verlag Herder Freiburg im Breisgau 2007 *„Sei still, wisse, ich bin Gott“ wurde zitiert aus:5) Das Evangelium der Essener, Gesamtausgabe Buch 1–4.Die Originaltexte aus dem Aramäischen und Hebräischen;übersetzt von Dr. Edmond Bordeaux Székely,Verlag Bruno Martin 95
  • Anhang TransverberationIn meinen Gesprächen über dieses Buch und Teresa von Àvila fiel mir auf, dass derBegriff der Transverberation den Menschen wenig bekannt ist. Ich finde diesenVorgang bedeutend genug, um ihn in diesem Anhang meines Buches darzulegen:Gian Lorenzo Bernini, 1598–1680, war einer der bedeutendsten italienischen Bildhauerund Architekten des Barock. Er inspirierte sich an einer autobiographischen ErzählungTheresas und bildete eine wunderschöne Marmorskulptur der Durchbohrung ihresHerzens, der Transverberation, deren imaginative Vision Teresa in ihrem Buch desLebens folgendermaßen schilderte:„Es gefiel dem Herrn, dass ich dabei einige Male folgende Vision sah: Ich sah einenEngel neben mir, an meiner linken Seite, und zwar in leiblicher Gestalt, was ich sonstkaum einmal sehe. Auch wenn Engel mir öfter dargestellt werden, geschieht das doch,ohne dass ich sie sehe, sondern wie bei der vorigen Vision, von der ich zuerstgesprochen habe. In dieser Vision nun wollte der Herr, dass ich ihn wie folgt sah: Er warnicht groß, eher klein, sehr schön, mit einem so leuchtenden Antlitz, dass er allemAnschein nach zu den ganz erhabenen Engeln gehörte, die so aussehen, als stünden sieganz in Flammen. Es müssen wohl die sein, die man Cherubim nennt; ihre Namensagen sie mir nämlich nicht; ich sehe aber sehr wohl, dass es im Himmel zwischen deneinen und den anderen Engeln, und diesen und wieder anderen einen so großenUnterschied gibt, dass ich es nicht sagen könnte. Ich sah in seinen Händen einen langengoldenen Pfeil, und an der Spitze dieses Eisens schien ein wenig Feuer zu züngeln. Mirwar, als stieße er es mir einige Male ins Herz, und als würde es mir bis in dieEingeweide vordringen. Als er es herauszog, war mir, als würde er sie mit herausreißenund mich ganz und gar brennend vor starker Gottesliebe zurück lassen. Der Schmerzwar so stark, dass er mich diese Klagen ausstoßen ließ, aber zugleich ist die Zärtlichkeit,die dieser ungemein große Schmerz bei mir auslöst, so überwältigend, dass noch nichteinmal der Wunsch hochkommt, er möge vergehen, noch dass sich die Seele mitweniger als Gott begnügt. Es ist dies kein leiblicher, sondern ein geistiger Schmerz,auch wenn der Leib durchaus Anteil daran hat, und sogar ziemlich viel. Es ist eine sozärtliche Liebkosung, die sich hier zwischen der Seele und Gott ereignet, dass ich ihn inseiner Güte bitte, es den verkosten zu lassen, der denkt, ich würde lügen. An den Tagen,an denen dies andauerte, war ich wie benommen. Am liebsten hätte ich nichts sehen undreden, sondern mich nur meinem Schmerz hingeben wollen, der für mich größereHerrlichkeit bedeutete als alle zusammen, die es in der geschaffenen Welt gibt.Das erlebte ich einige Male, sobald der Herr wollte, dass mich diese Verzückungenüberkamen; sie waren so gewaltig, dass ich mich gegen sie nicht wehren konnte, nichteinmal wenn ich unter Leuten weilte, so dass sie zu meinem großen Leidwesenallmählich bekannt wurden. Seit ich sie erfahre, verspüre ich diesen Schmerz nicht mehrso stark, wohl aber den, von dem ich früher an anderer Stelle – ich erinnere mich nichtmehr, in welchem Kapitel – gesprochen habe, und der in mehrfacher Hinsicht ganzanders und wertvoller ist. Im Gegenteil, sobald dieser Schmerz, von dem ich jetztspreche, einsetzt, sieht es aus, als würde der Herr die Seele entrücken und in Ekstaseversetzen, und so ist es nicht mehr möglich, Schmerz zu empfinden oder zu leiden, weildann gleich das Genießen einsetzt.“ 96
  • Jene Ereignisse, die Teresa von Àvila bis in die tiefsten Wurzeln ihres Wesensdurchdrangen, waren eine tiefe, wenn auch noch nicht die endgültige Vereinigung mitGott. Es gibt nichts auf der körperlichen Ebene, das hier Anwendung findet. Ähnlichesist dem Hl. Johannes vom Kreuz sowie dem Hl. Pater Pio widerfahren, fünf Wochenspäter erschienen die Wundmale Christi (Stigmatisation). Ich möchte zu diesem Themazwei Anmerkungen Teresas aus ihrem Buch „Die Innere Burg, 7. Wohnung“hinzufügen:„Ich habe es schon einmal gesagt, dass trotz dieser Vergleiche – die ich gebrauche, weiles keine geeigneteren gibt – man sich darüber im Klaren sein muss, dass hier so wenigan Körperliches gedacht wird, als weilte die Seele nicht mehr im Leibe. Hier ist nurnoch Geist. Und viel weniger noch hat Körperliches mit der geistlichen Vermählung zutun; denn diese geheime Vereinigung vollzieht sich in der allerinnersten Mitte der Seele,also an dem Ort, wo Gott selber weilt.“„Denn jeder von uns hat eine (Seele), nur schätzen wir sie nicht so, wie es ein Geschöpfverdiente, das nach dem Bilde Gottes geschaffen ist, und erkennen darum auch nicht diegroßen Geheimnisse, die darin verborgen sind.“ *Manchmal ist es sogar in einem Buch angebracht zu schweigen. Ich schweige vorEhrfurcht vor dieser Seele. * 97
  • DANKIch danke den Menschen, die mich dazu ermutigten, dieses Buch zu schreiben und beidessen Gestaltung behilflich waren. Gott wollte es wohl schon seit längerer Zeit, aberich wollte nicht. Ich suchte die Stille. Ich fand sie auch – indem ich schrieb.Ich danke Herrn Pater Dr. theol. Ulrich Dobhan OCD, Provinzial der TeresianischenKarmelgemeinschaft in München, für seine freundliche Erlaubnis der Zitate aus denBüchern der Hl. Teresa von Àvila.Ich danke dem Verlag sowie jedem einzelnen Leser. Mögen Sie wertvolle Anregungenfür Ihr Leben finden und das Licht Gottes in Ihnen aufleuchten. Geben Sie es weiter!Danke. * „Wer den Nächsten nicht liebt, der liebt auch Dich nicht, mein Herr“ (Teresa von Àvila) * 98