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Schleier der Mystik - Wege zum erleuchteten Glauben - Monika Petry
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  1. 1. MONIKA PETRY SCHLEIER DER MYSTIK Wege zum erleuchteten Glauben Erschienen im FROMM-Verlag am 07.07.2011 ISBN 978-3-8416-0165-0 – alle Rechte vorbehalten – Englische ÜbersetzungVEIL OF MYSTICISM – Paths to Enlightened Faith Erschienen im FROMM-Verlag am 09.11.2011 ISBN 978-3-8416-0236-7 – alle Rechte vorbehalten – 1
  2. 2. Dies ist ein Buch über die Entwicklung meiner Liebe zu Gott und den Menschen, inAnlehnung an die Beschreibungen der Hl. Teresa von Àvila als Mystikerin undKirchenlehrerin. Mystik bedeutet ursprünglich das Aufleuchten des Geheimnisses desLebens, der letzten Wirklichkeit, die wir GOTT nennen.Ein Mystiker versteht sich als Wanderer, der dem Ruf Gottes folgt und immer vorwärtsschreiten muss, um seine Sehnsucht zu stillen. Durch die Vollkommenheit seinerBewusstheit in Wahrhaftigkeit und Liebe wird er eins mit Gott. Diese Erfahrung lässtden Menschen glücklich und zufrieden sein mit der Göttlichen Vorsehung. SeinVertrauen ist stets begleitet durch die Leidenschaft zu Gott und der Annahme desLebens. Es ist ein Weg aus der Finsternis ins Licht.Auch ich war mein Leben lang von der Sehnsucht erfüllt und schritt unaufhörlichvorwärts. Ich suchte Gott, Er fand mich, und seitdem bin ich eine Wanderin zwischenHimmel und Erde. Ich möchte Sie mit meiner Liebe zu Ihm und den Menschenanstecken. Jetzt ist die Zeit gekommen. Lüften wir den Schleier der Mystik. * 2
  3. 3. Kurzvita:Monika Petry, geb. November 1955, ehemals evangelisch, Kauffrau, Übersetzerin/Dolmetscherin. Sie war 35 Jahren Atheistin und konvertierte 2009 zum katholischenGlauben. Seit ihrer mystischen Verwandlung unterstellt sie ihr Leben vollkommen derGöttlichen Vorsehung. Sie ist Gebetsheilerin und befasst sich mit Christlicher Mystik,Spiritualität und Bewusstsein. * 3
  4. 4. InhaltEinführung: Hl. Teresa von ÀvilaI. Absolutes Vertrauen – UrvertrauenWas bedeutet das absolute Vertrauen, und wie erhalte ich es?II. Die VorsehungLeben mit der Vorsehung – ein Leben in Freude und HingabeVorsehung statt WunscherfüllungWie reagiert Ihr Umfeld, wenn Sie sich Gott zuwenden?III. GOTTWer oder was ist Gott?Wer oder was sind wir?Wie finden wir Gott?Mein Gott warum? - Wenn wir zweifeln und verzweifelnDer ZweifelDie VerzweiflungIV. Der Heilige GeistWer oder was ist der Heilige Geist?Die sieben Gaben des Heiligen Geistes (Charismen)Die zwölf Früchte des Heiligen GeistesDie sieben Tröstungen des Heiligen GeistesV. JesusMein Weg zu JesusErmutigende Worte Jesu an dichVI. MariaGottesmutter MariaSchwester MariaVII. Erleuchteter GlaubeDas Licht Gottes im MenschenAchtsamkeit/ Bewusstheit / ErleuchtungGedanken und GefühleVIII. Das GebetDie GebetsartenStufen des inneren BetensIX. Vergebung und BefreiungSünde, Reue und BußeX. Heilung durch Glaube und GebetDas größte Geheimnis der Heilung 4
  5. 5. XI. Demut„Nimm mich wie ich bin“ oder:Mein Weg durch das NadelöhrXII. Von der Liebe zur ErleuchtungLiebeDolorismusEgoAchtsamkeitErleuchtungXIII. MystikBrauchen wir eine neue Mystik?Schöne Worte von lieben Menschen: Was ist Mystik?LiteraturAnhang: TransverberationDank * 5
  6. 6. Einführung Hl. Teresa von ÀvilaTeresa Sánchez de Cepeda y Ahumada wurde am 28. März 1515 in Àvila geboren; ihrVater war ein zum Christentum konvertierter Jude. Um den Vorwurf der Häresie zuumgehen, nahm er einen Adelstitel an. Teresa genoss eine strenge Erziehung. Aus Angstvor der Ehe trat sie endgültig 1535 in den Orden der Karmelitinnen in Àvila ein. IhreGesundheit verschlechterte sich ständig, bis sie ein Jahr später im Koma lag und fastlebendig begraben wurde. Während ihrer dreijährigen Rekonvaleszenz hatte sie dieersten mystischen Visionen. Je weiter sie in ihrer Spiritualität wuchs, desto besser wurdeihr Befinden. In vielen Prüfungen fand Teresa ihren Weg zu Gott und perfektionierteihre Anbetung zu Ihm. Ihr freundliches Wesen, ihre natürliche Autorität und ihreweibliche Klugheit verhalfen ihr auf den Weg der eigenen Klostergründung derUnbeschuhten Karmelitinnen, einer strengeren Form des Ordens. Weitere Schwestern-und Mönchskonvente folgten; insgesamt wurden es siebzehn Klöster.Teresas Leben war eine unaufhörliche Entwicklung zu einer geistigen Reifung undinneren Stärke, an deren Ende sich die Geheimnisse des Dreifaltigen Gottes offenbartenund ihre Seele in der mystischen Vermählung, der vollkommenen Vereinigung mit Gott,ihren wahren Frieden fand. Teresa starb am 4. Oktober 1582. Sie hinterließ zahlreicheWerke: mehr als 400 Briefe, Gedichte, Dokumentationen für die Inquisition über diePrüfungen ihrer Beichtväter und Klostergründungen sowie der Gnadengaben ihrermystischen Erfahrungen. Sie beschrieb ihren Reifeprozess der Versenkung, derVerwandlung und der Erleuchtung in ihren Büchern „Wege der Vollkommenheit“,„Buch meines Lebens“ und „Die Innere Burg“.Die Mystik dieser Frau ist ein Ausdruck der absoluten und bedingungslosen Liebe zuGott und zu den Menschen; demütig und in dankbarer Freude. Ihre Hingabe vor Gottwar nicht nur von dieser starken Liebe geprägt, sondern zeugte von einem unendlichenVertrauen und der Bereitschaft, alles, aber auch wirklich alles hinzunehmen, was Gottihr zugedacht hatte; immer wissend, dass Gott es gut meinte und sie von einemRohdiamanten zu einem schillernden Brillanten schleifen wollte.Wie der Heilige Johannes vom Kreuz und der Heilige Pater Pio, so erlebte auch Teresadie Transverberation, die Durchbohrung ihres Herzens. Dieses Ereignis ist im Anhangdieses Buches dargestellt. Teresa beschrieb es mit einer großen Sinnlichkeit. IhreWortwahl sowie die Darstellung dieser Durchbohrung ihres Herzens durch denBildhauer Lorenzo Bernini in einer wunderschönen Marmorskulptur hinterließen denEindruck, es handele sich um Teresas Art, ihre Erotik auszudrücken. Es war dasGöttliche Finale ihrer Herzensöffnung, die sie körperlich und geistig erlebte. Am 4. Juli1585 wurde ihr Sarg geöffnet - sie war unverwest. Im Jahre 1614 folgten dieSeligsprechung und am 12. März 1622 die Heiligsprechung. Papst Paul VI. ernannte sieam 27. September 1970 zur Kirchenlehrerin. * 6
  7. 7. Ich kam über Edith Stein zu Teresa von Àvila, denn auf einem großen Portrait EdithSteins faszinierte mich etwas, was ich erst seit kurzer Zeit an mir selbst beobachte: einedunkle Stelle auf der Stirn über der Nasenwurzel. Sie zeigte sich nach meiner Firmungim Juni 2009, als der Heilige Geist mit großer Wirkung über mich kam. Diese Firmungwar ein mystisches Erlebnis, was sich an diesem Tag in einer starken Benommenheitund dem noch stärkeren Wunsch nach innerer Einkehr zeigte. Während der dreifolgenden Tage und Nächte vollzog sich in mir ein großer Wandel. Rückblickendbetrachtet, war seit diesem Tag alles anders.In den nächsten Tagen wurde dieser Eindruck auch äußerlich durch zwei senkrechte,rote Linien auf meiner Stirn sichtbar. Sie erschienen, wenn ich mich mit Gott verband.Bei Gebeten für andere Menschen und für mich selbst. Diese Linien wurden jeden Tagstärker, so wie auch der Heilige Geist Seine Gnaden, die Er mir geschenkt hatte,tagtäglich neu strukturierte und verfeinerte. Ich wurde von einer damaligen Klientin aufdie Veränderung auf meiner Stirn hingewiesen. Fast zwei Monate lang kam sie täglichund hatte somit die Gelegenheit, meine Entwicklung zu beobachten. „Da sind wiederdie Linien auf deiner Stirn“, sagte sie oft nach einer Behandlung. Es erinnert mich andie Offenbarung des Johannes: „Und sie werden Sein Angesicht sehen; und Sein Namewird an ihren Stirnen sein.“ (Offb.22,4)An einem Nachmittag besuchte ich die St. Marienkirche in Bad Bergzabern, um Ruhezu finden und Kraft zu tanken. Dort hing ein großes Bild von Edith Stein. Ich stelltemich davor und sprach mit ihr. Es dauerte nicht lange, da fing sie an zu leuchten, so wieauch die Gottesmutter Maria leuchtet, wenn ich mit Ihr spreche. Nun war ich also mitEdith Stein bekannt geworden, und somit interessierte mich auch diese Frau und ihreGeschichte. Ich las einiges von ihr, es war zu hart; es war in dieser Phase meines Lebenszu schwer für mich. Edith Stein starb am 9. August 1942 im KZ Auschwitz-Birkenau.Papst Johannes Paul II. sprach sie 1987 selig und 1998 heilig. „Selig sind, die aus dergroßen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut desLammes weiß gemacht“ (Offb 7,14). So begann Papst Johannes Paul II. seineAnsprache bei der Seligsprechung von Edith Stein in Köln 1987.Edith Stein führte mich zu ihrer Lehrerin und ihrem großen Vorbild: Teresa von Àvila.Als ich von ihr las, war ich von ihr gefesselt, und das hat sich bis heute nicht verändert.Teresa von Àvila war mit Gott eins geworden. Sie hat sich ganz und gar hingegeben, umvon Gott neu erschaffen zu werden. Sie war am Ende ein Wesen, das den menschlichenZustand zum Höchstmöglichen verfeinert und vergöttlicht hatte. Das ist der Zustand,der für uns Menschen auf Erden erreichbar ist. Es ist der sprichwörtliche Himmel aufErden.Vom weltlichen Blickpunkt her betrachtet, ist Teresa durch und durch Frau, eineerleuchtete Frau. Sie ist stark, intelligent, humorvoll, sinnlich, leidenschaftlich undhingebungsvoll. Irgendwie fand ich mich selbst in ihr. Alles und nichts, niemals aufeiner Welle mitschwingend, sondern immer obenauf und zuvorderst, eigentlichungewollt, irgendwie getrieben durch die eigene Kraft und die Kraft der Menschen, mitderen Seele ich verbunden bin; trotzdem in absoluter Treue und Demut und Hingabe vordem Einen, der mein ganzes Leben ausmacht: Gott. Teresas Schriften faszinierten mich!Ich fasste den Mut, auch in der heutigen Zeit eine starke, kraftvolle, hingebungsvolle,leidenschaftliche und fröhliche Spiritualität zu leben und mich zu meiner eigenen 7
  8. 8. Mystik zu bekennen. Ich möchte meinen Mitmenschen mit meiner Liebe zurunendlichen Liebe dienen. * „Erhalte mich so liebenswert wie möglich. Ich möchte keine Heilige sein – mit ihnen lebt es sich so schwer – aber eine alte Griesgrämin ist das Krönungswerk des Teufels.“ (Teresa von Àvila) * 8
  9. 9. I. Absolutes Vertrauen - UrvertrauenWas bedeutet das absolute Vertrauen, und wie erhalte ich es?Das allumfassende, unwiderrufliche und unzerstörbare Vertrauen ist das Urvertrauen desMenschen, das in unserem Stammhirn angelegt ist. Es ist die angeboreneHingabebereitschaft eines Menschen an seinen Schöpfer und an seine als Geschwistererkannten Mitmenschen. Wir müssen das Urvertrauen jedoch – im Gegensatz zu dem imUnterbewusstsein verankerten Ur-Instinkt – in unserem Bewusstsein mental aktivieren.Es hängt eng mit der Lebensenergie, der Lebensbejahung und der Sexualkraftzusammen. Ein energetischer, kraftvoller Mensch, der gern lebt und immer wieder Jazum Leben sagt, besitzt das Urvertrauen. Fehlt dieses Urvertrauen, fehlen auch die Ur-Lebensenergie und die Lebensbejahung, und er muss sich immer wieder von außen dieKraft zum Leben verschaffen.Die Aktivierung des Urvertrauens geschieht gemäß der Tiefenpsychologie während desersten Lebensjahres eines Kindes. Meiner Erfahrung nach wird der Samen hierfür schonbei der Zeugung gelegt: Ein willkommenes und in tiefer Liebe und Hingabe gezeugtesBaby wird immer ein geliebtes Kind sein; in dieser Liebe steckt oftmals eine jahrelangeSehnsucht nach einem Kind und die grenzenlose Freude, wenn es endlich geklappt hat.Diese Gefühle der Sehnsucht, der Freude und der Liebe sind Energien, die sich niemalsauflösen, sie bleiben im Herzen der Eltern gespeichert und übertragen sich auf ihr Kind;dieses wird sein Leben lang vertrauen und lieben können, weil es dieses Vertrauen unddiese Liebe in sich selbst trägt.Daher ist dieses Vertrauen auch unwiderruflich und unzerstörbar. Es kann durch einestarke Enttäuschung kurzfristig erschüttert werden – aber es wird niemals ausgelöscht!Denn es wird immer wieder durch die Liebe zu Gott genährt, und diese Liebe zu Gottlässt uns durch Seine Tröstungen jede Enttäuschung verarbeiten, vergeben undvergessen.Ein Zufallsprodukt der Eltern wird diese tiefe Liebe niemals kennenlernen; natürlichwird es auch geliebt, aber es ist eine andere Form, die diesen Samen des Urvertrauensnicht beinhaltet. Meine gute Nachricht an alle „Zufallsprodukte“: Gott hat gewollt, dassSie gezeugt wurden! Er hat Ihre Eltern zusammengeführt. Sie sind in dem LebensbuchIhrer Mutter und Ihres Vaters eingeschrieben. Wenn Sie auch nicht geplant waren: ImUnterbewusstsein, tief verborgen, wussten es Ihre Eltern.Wenn es nun nicht ganz reichte zum Urvertrauen; das Vertrauen können Sie in jedemAlter neu erlernen und üben. Sie werden vielleicht nie Ihr Misstrauen völlig verlieren,aber letztendlich kann Sie das auch vor manch einer Dummheit bewahren.Am besten erlernen Sie das Vertrauen, indem Sie an Gott glauben. Ihm können Siebedingungslos vertrauen. Dann glauben Sie an sich selbst, und nach und nach öffnen Siesich für andere gläubige Menschen. Sie werden immer die Erfahrung machen, dassdiese Menschen es ernst meinen mit Ihnen und Sie von ihnen nicht betrogen werden.Natürlich gilt bei allen Menschen: Sie kommen und gehen in unserem Leben. Wenn Siesich an jemanden klammern, ist es kein Betrug, wenn dieser Mensch sich zurückzieht.Vertrauen heißt, dem Anderen die Freiheit zu geben, sein eigenes Leben zu leben. Es 9
  10. 10. wird sich nur so weit mit Ihrem Leben überschneiden, wie Gott es für Sie vorgesehenhat bzw. wie Sie beide es brauchen, um sich zusammen zu entwickeln.Blicken Sie vertrauensvoll in die Zukunft, auch wenn Ihre Lebenssituation unsicher ist.Glauben Sie an Gott, dann wissen Sie: Er hilft Ihnen, Sie können in das kalte Wasserspringen. Das bedeutet Leben mit der Vorsehung. Sich dem Strom des Lebenshinzugeben und zu sagen: – „Vielleicht stehe ich an einem Wendepunkt des Lebens.“ – „Vielleicht sollte ich diesen Arbeitsplatz verlieren, weil irgendwo ein besserer auf mich wartet.“ – „Vielleicht sollte ich diese Krankheit durchmachen, um daraus zu lernen und in meinem Leben zu wachsen.“ – „Vielleicht sollte ich gar nichts verlangen, sondern einfach nur geschehen lassen!“„Du lässt dich also einfach so treiben und entscheidest nicht selbst?“, werde ichmanchmal gefragt. Nein, ich lasse mich nicht treiben. Ganz im Gegenteil. Ich lebeachtsam, aufmerksam, bewusst, hinschauend und einfühlend, intensiv, konzentriert aufalles, was ich tue und andere um mich herum tun. Ich beobachte, öffne mich, lasse eszu, gebe mich hin; ich vertraue und weiß, es ist gut so, hier ist alles in GöttlicherOrdnung. Das ist die Freiheit, die ich meine.Sobald ein Mensch eigenmächtig seinen Lebensweg beschreitet, schlägt er seinLebensbuch zu, das von Gott geschrieben ist, und öffnet sein eigenes, in dem er seinenfreien Willen austoben kann, den Gott ihm ebenfalls zur Verfügung gestellt hat. Das istdas Buch der Umwege. Er ist frei, unzählige Umwege zu gehen, keine Frage. Aber es istnicht sein Leben. Wir dürfen Entscheidungen treffen und Konsequenzen ziehen, wirdürfen die Welt auf den Kopf stellen und jeden Tag beginnen, als wäre es der erste Tagunseres Lebens. Hauptsache, wir sind mit Gott verbunden und wissen, es ist unser Buchdes Lebens. Dafür übernehmen wir natürlich auch die Verantwortung; wir nehmen esan.Stellen Sie sich vor: Gott kennt jedes einzelne Haar auf Ihrem Kopf – also kennt Erauch schon den nächsten Schritt in Ihrem Leben. Er kennt Ihren nächsten Chef, Ihrenächste Wohnung, Ihren Lebenspartner, und Er weiß, wie Ihr Kind aussehen wird. „Ersah alles an, was Er gemacht hatte, und siehe da, es war sehr gut“ (Buch Genesis 1,31).Und Sie wissen: Die Schöpfung wurde niemals beendet. Gott erschafft tagtäglich unserLeben neu. Deshalb schaut Er sich immer wieder alles an, was Er geschaffen hat, und Erwird immer wieder alles für gut befinden.Vorausgesetzt, wir bringen Ihm das, was wir von Ihm erhalten haben, immer wieder dar,sozusagen zur Inspektion. „Schau mal nach, passt das noch zu meinem heutigen Lebenoder müssen wir etwas daran verändern?“ Lassen wir ständig die Energien fließen,damit sich alles unserem Lebensweg anpassen kann, und machen wir nie den Fehler,uns, auf die faule Haut legend, zu denken: „Jetzt bleibt alles so, wie es ist.“ Das ist einegefährliche Illusion. So wie sich jede Zelle in unserem Körper ständig verändert, somuss sich auch alles um uns herum verändern und anpassen. Dafür sorgt Gott, solangewir Ihn arbeiten lassen, denn Er hat den großen Netzplan schon längst fertiggestellt undaktualisiert ihn ständig. So ist es wichtig, uns nicht zu sehr auf die „Rat-Schläge“ 10
  11. 11. unserer Freunde und Bekannten oder der vielen professionellen Lebensberater zuverlassen.Auch ich habe schon viele Menschen begleitet. Dabei achte ich darauf, Sie alsHilfesuchende nicht zu beeinflussen. Die als Coaching bezeichnete lösungs- undzielorientierte Begleitung ist ideal. Dabei richte ich mich nach Ihrer Seele. Was brauchtIhre Seele, wohin zieht es Ihr Herz? Das sagt mir Ihr Unterbewusstsein, und ich helfeIhnen dabei, die Botschaften Ihrer Seele wahrzunehmen, sie zu respektieren und IhreWünsche in die Realität umzusetzen.Sie sehen es in der Natur: Sobald der Mensch eingreift, gerät die Natur aus demGleichgewicht. Löscht er eine Tierart aus, hat das immense Auswirkungen auf diegesamte Tierwelt. Besprüht der Landwirt seine Felder, um das Unkraut fernzuhalten,tötet er damit die Wildpflanzen ab, die den Insekten als Nahrung dienen, die Vögelbleiben weg und so weiter. Sobald wir beginnen, ohne Anbindung an Gott unsereneigenen Kopf durchzusetzen, bringen wir nicht nur uns selbst aus der Balance, sondernauch unsere Umwelt, denn wir sind keine Einzelwesen.Es überträgt sich auf unsere direkte Umgebung und zieht immer weitere Kreise.Entscheiden Sie sich für eine neue Arbeitsstelle, beeinflussen Sie damit Ihre kompletteFamilie, und Sie mischen sozusagen die Karten neu für Ihre Zukunft und die ZukunftIhrer Familie, Ihrer Freunde, Ihrer Kollegen und wiederum deren Zukunft – und so gehtes endlos weiter. Verlassen Sie sich auf Ihre innere Stimme, die von Gott kommt, undseien Sie bereit für alles Kommende. Er kennt Ihren Plan, in dem nicht nur Sie, sondernalle anderen Menschen eingebunden sind.Nun, da Sie sicher nicht in einer Zeitschleife hängen und Ihr Leben wiederholen könnenwie der Schauspieler, der in dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ täglichdieselbe Szene erlebt, bis er durch seine Selbsterziehung ein besserer Mensch wird undeines Morgens endlich einen neuen Tag erreicht hat, wird es also von Ihnen abhängen,wie Sie wieder auf Ihren Lebensweg zurückkommen zu Ihrem Buch des Lebens, in demgeschrieben steht, dass Sie an einem bestimmten Tag eine bestimmte Personkennenlernen oder einen neuen Arbeitsplatz finden werden, was Ihr Leben in einebestimmte Richtung weiterführen wird. Diese Ereignisse warten schon auf Sie.Welche Personen hat Gott wohl in Ihr Buch des Lebens hineingeschrieben? Denken Siean Situationen, die irgendwie besonders waren, wo Sie spürten: Jetzt hat Gott gerade dieWeichen gestellt für einen wichtigen, neuen Lebensabschnitt. Als Sie beispielsweiseIhren Partner kennenlernten. Da spürten Sie vielleicht: Sie haben nicht einfach auf einenMenschen gewartet, sondern auf diesen Menschen, auf diese Seele. Sie haben sich Ihrganzes Leben lang unbewusst gesucht, bis Sie sich jetzt gefunden haben.Wie alt waren Sie, als die wichtigsten Menschen in Ihr Leben eintraten bzw. als sich IhrLeben veränderte? Es gibt den bekannten Siebener-Rhythmus in unserem Leben, dasheißt bestimmte Perioden, die in sieben Lebensphasen unterteilt werden können, und indenen sich Gravierendes verändert. Jede Lebensphase ist mit einer bestimmten Periodegekoppelt: 11
  12. 12. 0 – 7 – Kleinkind 7 – 14 – Kind 14 – 21 – Pubertät/Schulabschluss 21 – 28 – Studium/Familienplanung/Beruf 28 – 35 – Beruf/Karriere/Familie 35 – 42 – Berufsausübung 42 – 49 – Das war noch nicht alles 49 – 56 – Das Leben neu ordnen 56 – 63 – Die Saat des Lebens ernten 63 – 70 – Rentenalter/Weise und gelassen werdenDer Rest hängt davon ab, wie Sie sich Ihr Leben vorgestellt haben. Sprachen Sie ständigvon dem Lebensabend ab 65 Jahren, wird es auch schnell Abend werden, und Siewerden sich so fühlen. Dachten Sie: „Ich werde früh sterben“, wird es auch so sein. Siewerden leben, als seien Sie schon tot. Nahmen Sie es eher gelassen, können Sie auchgelassen hundert werden. In unserem Buch des Lebens steht die Endzahl unseresLebens geschrieben. Wie wir diese erreichen, ob wir uns bis dahin jung fühlen oder altund verbraucht, ob wir gesund bleiben oder krank sind, das bestimmen wir durch unsereGedanken. Für diese Lebensphasen sind die Weichen gestellt und die Eckpfeiler gesetzt.Natürlich können wir wählen! Wenn wir nicht vergessen, dass wir aus Körper, Geist undSeele bestehen, ist alles in Ordnung. Dann tut der Verstand nichts, was er nicht mit derSeele abgesprochen hat. Und diese Seele ist verbunden mit Gott. Im Idealfall sind Siemit Jesus Christus eins. Im Idealfall schwebt der Heilige Geist über Ihnen. Solangedieser Idealfall noch nicht eingetreten ist, wird Ihre Seele es Ihnen zeigen. Durchsogenannte Schicksalsschläge, Pechsträhnen oder auch durch Krankheiten. Dann habenSie wieder die Chance, zu Gott zu finden und sich von Ihm finden zu lassen. Sie habendie Chance, Jesus zu finden und Maria – Gott ist sehr einfallsreich, wenn es darum geht,Ihnen Seine Helfer zu schicken. Vielleicht bin auch ich Ihr Helfer mit diesem Buch.Nun sind wir wieder bei den Personen Ihres Lebensbuches angelangt. Denn auch siesind die Göttlichen Helfer. In meinem Lebensbuch gibt es einige wichtige Helfer. Untereinem Helfer verstehe ich einen Menschen, der uns im Positiven hilft. Manche helfenauch, indem sie nichts tun, weil wir dann wieder auf uns selbst reduziert werden.Allerdings gibt es auch Menschen, die uns aufrütteln, die uns auf den ersten Blickschaden, was – im Nachhinein gesehen – uns wieder auf den richtigen Weg bringt. Alsosind sie auch Helfer, aber eben Menschen, an die wir nicht so gern zurückdenken unddenen wir auch vergeben müssen, bevor wir überhaupt weiterkommen. Diese Helferstehen nicht im Buch des Lebens. Sie stehen in den „Hilfsbüchern“, die wir für unseremöglichen Umwege geschrieben haben. Sie helfen uns auf dem Sprung in unser Buchdes Lebens zurück.Überlegen Sie einmal, wer Ihnen in Ihrem Leben sehr geschadet hat, wer Sie sehrverletzt hat – und was hat sich daraus ergeben, wie hat sich Ihr Leben dadurchverändert?Viele Menschen haben einen einzigen großen Umbruch in ihrem Leben. Dieser wirdmeist durch eine Krankheit oder Leid ausgelöst, wonach sich das Leben mehr oderweniger stark verändert. Nach meiner Erfahrung, nach tausenden von Beratungen,geschieht das überwiegend um das 42. und um das 49. Lebensjahr – und das ist dann die 12
  13. 13. letzte Warnung. So war es bei mir. Ich war 48 Jahre alt, als ich Gottes Geduld genugstrapaziert hatte und Er mich packte. Meine damals vierzehnjährige Tochter und ichlebten zusammen mit unserem siebenjährigen Hund, einem fröhlichen und klugenBordercollie namens Timmi, und diesem Hund verdanke ich mein jetziges Leben. Ergab seines dafür hin.Mehr möchte ich dazu nicht erklären. Es genügt zu wissen, warum es so kam: Ichbefand mich nicht auf meinem Lebensweg, hatte meinen Heilsweg nicht im Blick. Dennschon in jungen Jahren hatte ich Gott aus meinem Leben verbannt in der Annahme, Erschicke mir zu viele Katastrophen in meine Familie, zu viele Verluste; alle starben sieoder zogen sie weg. Und was das Schlimmste war: Irgendwie fühlte ich mich schuldig,ahnend, dass mit meinen Energien etwas nicht stimmte. Ständig hatte ich zu vieledavon. Nicht in Form von Kraft in meinen Muskeln, sondern diese Energie, die mannicht benennen kann, die aber innerlich zu spüren ist und ständig brodelt wie einVulkan. Ich wusste nur, ich zog die Menschen an, die nicht mehr lange zu leben hatten;Menschen jeden Alters.Wer sein Leben mit einer Nahtod-Erfahrung beginnt, erfährt eine tiefe Prägung Gottes.So geschah es bei meiner Geburt. Gott zeigte mir an einem Sonntagnachmittag,pünktlich um 15 Uhr zur Marienstunde, Sein Licht und beförderte mich ins Leben, umdas meine Eltern mit der Hebamme zu Hause kämpften und das der Rest meiner Familiein der Kirche erflehte. Dieses Licht, das ich damals nicht bewusst erlebte, das sichjedoch tief in mein Unterbewusstsein einprägte, suchte ich mein Leben lang und fand esbei meiner Firmung wieder. Da erleuchtete mich der Heilige Geist noch einmal, und eswar um mich geschehen.Vielleicht war dieses tiefgreifende Geburtserlebnis auch der Grund, dass ich als Kind inSachen Gott und Evangelium eine Art Wunderkind war. Ein evangelisches Wunderkindwohlgemerkt! Dank meiner katholischen Familie mütterlicherseits wurden auch dieEngel und Heiligen in mein Leben integriert. Woher kam aber meine Bibelfestigkeit? Esgab keine Bibelstelle, die ich nicht kannte und zitieren konnte; natürlich mit Angabe desVerfassers, des jeweiligen Kapitels und allen Querverweisen. Die Religionslehrer undPfarrer beanspruchte ich sehr, indem ich darüber ständig mehr erfahren und diskutierenwollte.Denn damals schon war mir bewusst: Das kann doch nicht alles gewesen sein, da musses doch noch mehr geben. Ich las und lernte und diskutierte; aber niemand sprach überdie Liebe Gottes, niemand erreichte mein Herz. So ging das weiter bis zu meinerKonfirmation, – der Pfarrer überreichte mir die Hostie und den Wein – und irgendwiewar es vorbei. Der Heilige Geist wollte die große Flamme in mir noch nicht entzünden,er beließ es bei der kleinen, die seit der Geburt in mir glimmte. Er zog es vor zu warten.Wohl wissend, dass ich meine „Lebenserfahrung“ auch allein machen könnte.Selbstständig, im Alleingang, immer alles wissend, alles könnend, mit großer Klappeund wehenden Fahnen durchs Leben schreitend und nicht wenige Spuren vonVerwüstung hinter mir lassend. Das hielten nicht viele Menschen aus! * „Ich bin ein Weib und obendrein kein gutes“ (Teresa von Àvila) * 13
  14. 14. So wandelte ich weitere 35 Jahre ohne Gott durchs Leben, voller Vertrauen in michselbst – ich besitze das Urvertrauen, das ich schon anfangs erwähnt habe. Gott war mitSicherheit da, aber ich machte mir über Ihn keine Gedanken. Ich hatte auch immerausgesprochenes Glück. Es war natürlich nicht einfach Glück, es war die Fügung Gottesund mein Können, dass ich in namhaften deutschen Firmen arbeitete – bzw. ich erlebtederen Umbrüche – und zwischendurch ein Mal nach Paris und ein zweites Mal in dieBretagne auswanderte, um nach jeweils einem Jahr wieder nach Deutschlandzurückzukehren mit der Erkenntnis: Das französische Essen wird auch nur mit Wassergekocht, und in Deutschland lässt sich besser arbeiten. Der Trend setzte sich fort: Woauch immer ich hinging, traf ich auf Menschen und Situationen, die sich im Umbruchbzw. kurz davor befanden. Gott wollte mir einfach nicht erlauben, mich irgendwobequem niederzulassen. Ständig befand ich mich in einer Übergangssituation und wardie Fachfrau für das Krisenmanagement in jeder Hinsicht. Und wenn keiner mehrweiterwusste, lief ich zur Höchstleistung auf.Vor sieben Jahren war es also so weit, mein Schicksal hatte zugeschlagen. Vor derWende kam eine Herausforderung, die ich bisher nicht gekannt hatte: Ich musste demMenschen vergeben, der die größte Krise meines Lebens verursacht hatte, als er unserenHund Timmi tötete. Ganz allmählich gelang es mir. Gott ließ mich meine eigeneVerantwortung erkennen und annehmen. Damit konnte ich diesen Groll aus meinerSeele entfernen. So bereitete ich den Weg für die Menschen, die meine Kräfte spürtenund in die richtigen Bahnen lenkten. Mir darüber klar werdend, was in mir steckt,erkannte ich Gott. Noch nicht ganz, aber ich wusste: Das bin nicht ich, die Menschenheilen, Flüche von Häusern weg beten, Stürme umleiten und sonstige unerklärlicherscheinende Dinge tun kann – das ist Gott.Mein erstes wirksames Vaterunser betete ich mit einer Frau, die ebenfalls vieleCharismen des Heiligen Geistes besaß. Sie wurde oftmals um Hilfe gebeten, wennMenschen, Tiere oder Besitztümer unter einem Fluch standen, was sich durch ständigwiederkehrendes Unglück zeigte. Ich befand mich in ihrer Nähe, als ein telefonischerHilferuf einer Familie sie erreichte: Wieder einmal stand eine Scheune in Flammen!„Monika, komm, wir beten“, befahl sie. Ich fragte nicht, zweifelte nicht, zögerte nicht;ich setzte mich zu ihr und betete nach 35 Jahren mein erstes Vaterunser. Und noch eines.Und ein drittes Mal. Ich erinnere mich heute noch daran, wie eine große Kraft in miraufstieg und an das Mitgefühl – nicht nur mit dieser Frau, die mich einfach miteinbezogen hatte, wohl ahnend, dass Gott in mir diesen Samen zum Keimen gebrachthatte und dieser gerade dabei war zu sprießen, sondern auch mit diesen gepeinigtenMenschen und ihren in Lebensgefahr schwebenden Tieren. Nach einer Stunde beruhigtesich die Situation. Die Feuerwehr hatte das Ihre getan, und der Feuerteufel war von Gottbesiegt worden, dessen waren wir uns gewiss! 14
  15. 15. „Das war alles?“, dachte ich damals. „Einfach nur das Vaterunser beten? Das kann ich!Wenn es mehr nicht ist, das kann ich!“ Es war damals nicht mehr als beten. Auch heuteist es nicht mehr als beten. Es ist das Gleiche auf verschiedenen Ebenen mit einergroßen Liebesgeschichte mit Gott dazwischen. * „Hätte ich früher erkannt, dass der winzige Palast meiner Seele einen so großen König beherbergt, dann hätte ich Ihn nicht so häufig allein gelassen.“ (Teresa von Àvila) * 15
  16. 16. II. Die VorsehungJoh 1,1.14: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott und Gott war dasWort. ... Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen SeineHerrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnadeund Wahrheit.“ Zuerst war die Stille. Jesus Christus existierte zuerst als Gedanke Gottesund als Sein Wort in Seiner Vorsehung, in Seinem Plan. Als die Zeit reif war, wurde dasWort zu Fleisch, und Jesus kam als unser Erlöser auf die Erde. Erlösung bedeutetErleuchtung. Durch Ihn können wir das Licht Gottes durch uns leuchten lassen undselbst zu einem Licht Gottes werden.Wie auch wir im Anfang in der Stille Gottes Sein Wort, Sein Gedanke waren, so gehenauch wir in die Stille und erschaffen mit unseren Gedanken und unseren Worten Neues.Wir sind die Erschaffer und Erhalter unserer Gesundheit. Unsere destruktiven Gedankenlassen unseren Körper erkranken. Sie führen zu einem destruktiven Leben. Unsereliebevollen, zukunftsweisenden Gedanken erschaffen ein Leben in Gesundheit undWürde. Liebe erschafft Liebe. Es liegt einzig und allein an uns selbst, was wir ausunserem Leben machen. Wenn wir den Sinn des Lebens nicht begriffen haben, werdenwir es zu erleiden haben. Der Sinn des Leidens ist Leid. Es ist nicht Gott. Er hältunseren Plan mit einem groben Raster in Seiner Hand.Der Kern allen Seins sind Sein Licht und Seine Liebe; Gott ist die Freude und die Fülle– für alle Zeit. Wir dürfen durchaus schon in diesem irdischen Leben Seine Gabengenießen, denn nur in diesem Augenblick leben wir ganz bewusst. Die Vergangenheit istvorbei, die Zukunft liegt vor uns; nur in der Gegenwart geschieht jedoch das Gewahrsein, die Achtsamkeit, und nur jetzt leben wir bewusst und eigenverantwortlichhandelnd.Warum hat Gott uns diese wunderschöne Erde geschenkt, wenn nicht für dieses Lebenim Hier und Jetzt? Also sollten wir sie auch annehmen. Achten wir auf die Erhaltungdieser Erde. Achten wir auch darauf, uns mit Seinen Gaben zu entwickeln und sie nichtin einem oberflächlichen Leben zu missbrauchen. Wir leben mit Körper, Geist undSeele in diesem Leben im Hier und Jetzt. So wie wir es wollen. Wenn wir mit Gottvollkommen eins und uns dessen bewusst sind, können wir dieses Denken und Handelnwiederum gänzlich Ihm überlassen. In der Gewissheit, gemäß Seines Heilsplans inLiebe und Fülle zu leben.Das ist Seine zuvorkommende Gnade und die Mitwirkung des freien Willens dervernunftbegabten Geschöpfe, wie der Begriff Vorsehung laut Wikipedia beschriebenwird: „Eine höhere Macht, die das Schicksal der Menschen und den Lauf derWeltgeschichte beeinflusst“. – „Die Vorsehung ist der allmächtige und allwissende Gott,insofern Er den Verlauf des Welt- und Heilsgeschehens ordnet und schon im Vorausweiß. Dies kann auf verschiedene Weise geschehen: gemäß der Naturgesetze, durchWunder, durch zuvorkommende Gnade, durch Mitwirkung mit dem freien Willen dervernunftbegabten Geschöpfe oder durch Zulassung der Sünde, die aber jedes Mitwirkenausschließt. ...“Die Vorsehung brachte mich in die Altstadt nach Limburg an der Lahn zum Katholischwerden. Dieses Ziel verfolgte ich, ohne mir auch nur irgend einen Gedanken darüber zu 16
  17. 17. machen; einfach wissend, so muss es sein! Ich wusste bereits das ganze Jahr davor, eswürde im November 2008 signifikant weitergehen in meinem Leben. Schon imSeptember zeichnete es sich ab, dass es Limburg an der Lahn sein würde.In dem Kapitel Maria beschreibe ich, wie ich die Wohnung in Limburg gefunden hatte.Einfach so, ich wurde hingeführt; zwei Minuten nach dem Gebet zu Maria im Dom zuLimburg stand ich vor dem Haus in der kleinen Straße, die zum Dom führt, und imNovember zog ich ein. Ich hatte kaum Möbel, das war auch gut so, denn in ein 550Jahre altes Fachwerkhaus passen nicht viele Möbel hinein. Dafür hatte ich meineHeiligenfiguren, und das Haus selbst strahlte eine heilige Atmosphäre aus.Es war für mich das Beste zu dieser Zeit. Denn es führte mich auf dem geraden Wege zuGott. Ihn besuchte ich im Dom, täglich mehrere Male. Nicht nur während derGottesdienste, nein, auch zwischendurch. Dieses Gotteshaus zog mich magisch an. Esgab Momente, in denen ich förmlich die Energie spürte, die mich auf den Domberghinauf zog, bei Tag und bei Nacht. Gott zog mich, Er wollte mich in Seiner Kirchehaben!Ich verbrachte im Jahr 2008 ein wunderschönes Weihnachtsfest sowie denSilvesterabend im Dom. Im Januar 2009 erlebte ich das erste Pontifikalamt, und es warum mich geschehen: In der Liturgie war eine große Kraft, ich sah bei geschlossenenAugen ein tiefes Lila, das die höchste Spiritualität anzeigt; die Gebete gingen durch unddurch, und der Domchor sang fast unerträglich schön.Von unerwarteter Seite her sandte Gott mir noch einen Helfer: Johannes. Sein Leben liefnicht wie geplant, und als er aus Berlin anrief und mir berichtete, er sei gar nichtglücklich, war meine Antwort: „Komm doch nach Limburg!“ Am nächsten Tag war erda und wurde mein Mitbewohner. Ich hatte Johannes schon im vorigen Jahr die Vorzügedes Vertrauens in Gott gelehrt. Er kannte dieses Denken sehr gut, er stammt aus einersehr katholischen Familie mit zwei Priestern. Eigentlich hätte Johannes auch Priesterwerden sollen, er übte schon als Kind fleißig im Sandkasten und verteilteselbstgebackene Hostien an die entzückten Nachbarinnen – aber als es soweit war, zoger die Bretter der Welt dem Altar in der Kirche vor. Nun, diese Zeit war nun auch vorbei– und so erinnerte ich ihn mit meiner neu entdeckten Leidenschaft für Gott und dieKirche an seine eigene Vergangenheit als Katholik. Nun war es an ihm, mich etwas zulehren, und das tat er dann auch.„Du willst katholisch werden?“, lachte er, „dann lass uns üben.“ Er holte einGebetsbuch hervor und begann mit dem Unterricht: „Gegrüßet seist Du Maria, voll derGnaden. Der Herr ist mir Dir. Du bist gebenedeit unter den Weibern...“ – „Was?!?“, riefich, „gebenedeit unter den Weibern! – was heißt das denn?“ – „Na, gesegnet unter denFrauen, heißt das“, erklärte Johannes. „Ja aber solche Worte habe ich noch nie gehört,das kann ich mir auch nicht merken!“ Nein, das begeisterte mich nun gar nicht. Ichwollte lieber etwas anderes. Johannes war es recht. Er besuchte mit mir denGottesdienst im Dom. Ich wollte mich auf den Stuhl setzen, aber er klappte dasFußbänkchen, jedenfalls das, was ich als solches ansah, nieder und befahl: „Knie dich!“Ich tat es; oh, und es tat weh. „Das ist zu hart, das kann ich nicht!“, protestierte ich.„Wenn du katholisch werden willst, musst du knien“, war sein Kommentar. Und erdrückte mich auf die Bank. So kniete ich und murrte vor mich hin. Das hatte ich miranders vorgestellt. 17
  18. 18. In der Messe wurde ich entschädigt. Jetzt passte Johannes auf, dass ich mich katholischbenahm. Aufstehen, setzen, aufstehen, knien, singen, beten, nochmals knien; eine sehrsinnliche Erfahrung. Es war nicht langweilig: viel Bewegung, der Weihrauch duftete,wunderschöne Eindrücke durch die Orgelmusik und den Chor, und die Priester sahen inihren Gewändern auch gut aus. Ich lernte: Katholisch ist man mit Körper, Geist undSeele und mit viel Liebe im Herzen!Es dauerte jedenfalls nicht lange, da wusste ich: Ich wollte nicht mehr nichts sein, ichwollte nun wirklich katholisch sein und dazugehören! Und vor allem wollte ich endlichzur Kommunion gehen. Ich meldete mich im Dompfarramt an, absolvierte einigeVorbereitungsgespräche, und am 25. Juni 2009 hatte ich mein erstes Etappenzielerreicht: meine Firmung. Johannes war mein Firmpate. Er schwärmt heute noch davon,wie ihm die Haare zu Berge standen durch die Kraft und Energie, die der Heilige Geistdurch den begnadeten Priester über uns ausschüttete.Als ich endlich gefirmt war, ging es richtig los. Jeder Gottesdienst in der Pfarrgemeinde„St. Georg“ war mein Gottesdienst. Grob geschätzt, besuchte ich im Folgejahr etwasiebenhundert Mal die Gottesdienste, im Schnitt zwei Mal pro Tag: Die alltäglicheMorgenmesse, die Frauenmesse, die Abendmessen unter der Woche, Freitagabend denökumenischen Gottesdienst, den ich bald wegen der vermissten Leidenschaft aufgab –selbst der Abschlusssegen war mir nicht stark genug; und alle vierzehn Tage die Messeim Lateinischen Ritus, die mich ganz stark berührte. „Die Seele erinnert sich“, schreibtder Papst dazu. Ja, meine Seele erinnerte sich sehr gut, und zuerst einmal war ich soberührt von dieser Art des Zelebrierens, dass es mich schier innerlich zerriss. Vielleichtlag es auch an dem wunderbaren Priester, denn auch seine ganz normalen Messenmorgens im Dom hatten diese Wirkung. Kaum war er zugegen, war Jesus auch da, undzu dieser Zeit hatte ich eine ganz heftige Zeit der Reue, dass ich Ihn so lange alleingelassen hatte. Am Wochenende besuchte ich die Vorabendmesse am Samstag sowie dasHochamt und die Abendmesse am Sonntag. Da kam schon etwas zusammen!Zwischendurch Vesper und Andacht des Allerheiligsten und Rosenkranz und Kreuzwegbeten und einmal im Monat die Marianische Messe in einer kleinen Kapelle imWesterwald, die sich bis zu vier Stunden lang hinzog. Dabei segnet der Priester miteiner kleinen Monstranz jeden Einzelnen – das hatte etwas ganz Besonderes! (Für alleNicht-Katholiken: Eine Monstranz (v. at.: monstrare, „zeigen“) ist ein kostbares, mitGold und Edelsteinen gestaltetes liturgisches Schaugerät mit einem Fensterbereich, indem eine konsakrierte Hostie zur Verehrung und Anbetung ausgesetzt wird.)Ich konnte nicht genug bekommen. Das Katholische zog mich in seinen Bann, und ichwusste nicht mehr, wie mir geschah. Ich vollzog eine komplette innerliche Wandlung:Sünde, Reue, Buße, Sühne, Vergebung; mein Innerstes wurde nach Außen gestülpt undwieder nach innen verwandelt. Wobei die Freude nicht zu kurz kam! Ebenso konnte sichmeinen damals noch vorhandener Hang zur Theatralik und Leidenschaft vollendsentfalten. „Johannes! Was glaubst du, wie schön es wieder war! Die Orgel, die Musik,der Chor!!!“ So kam ich oft sonntagmittags nach der Heiligen Messe aus dem Dom.Oder ich war gänzlich in mich gekehrt und unansprechbar, weil mich die Predigt nochbeschäftigte.Niemals werde ich meine erste Anbetung der Monstranz mit anschließender Segnungvergessen: Ich war vollkommen aufgelöst, tränen überströmt, schluchzend, zitternd,bebend, ich dachte, mein letztes Stündlein habe geschlagen. Als es mir gelungen war, 18
  19. 19. einigermaßen gefasst den kurzen Weg nach Hause zu gehen, war ich nicht in der Lage,darüber zu berichten. Vollkommen aufgelöst saß ich bei Johannes und beruhigte micherst nach einem doppelten Cognac. Heute weiß ich: Meine Seele hatte Gott gesehenund geriet außer Kontrolle. Diese Zustände wiederholten sich bei jedem Anblick derMonstranz aufs Neue und ebbten nur langsam ab. Es war ein Zustand der Ekstase, wiees die Heilige Teresa von Àvila in „Die Innere Burg“ beschrieb. Eine Ekstase ist nichtimmer ein glücklicher Zustand, er kann auch das absolute Gegenteil sein.Selbst als die Zeit der Euphorie vorbei war und ich wieder klar denken konnte, bliebdiese Leidenschaft für das Katholische bestehen. Ich kritisierte vieles, ich hätte gernvieles geändert, und des öfteren wollte ich alles wieder hinwerfen, weil ich denEindruck hatte, es bewegt sich nichts, da bin ich am falschen Ort! Um die Pfingstzeit2010 blieb ich fünf Wochen der Kirche völlig fern, um wirklich zu prüfen, was nochBestand haben würde und was nicht. Und es war alles wieder wie gehabt! Im Gegenteil,ich war mir darüber im Klaren, dass ich nur durch die Liebe geführt wurde, es warnichts als die Liebe zur unendlichen Liebe, die sich in mir entwickelte, die Kirche alsInstitution hatte keinen Einfluss darauf. Wobei ich auch immer die Liebe zu dieserInstitution aufrecht erhielt, es war die Demut und die Dankbarkeit, dass man mich mitoffenen Armen aufgenommen hatte. Und ich bin mittlerweile felsenfest davonüberzeugt, dass die Kirche – ich spreche von der Weltkirche, nicht nur von derkatholischen Kirche, obwohl ich diese für mich persönlich bevorzuge – von Gott/demHeiligen Geist geschaffen wurde und immer wieder von Ihm aufgefangen werden wird,sonst hätte sie die letzten 2.000 Jahre sicher nicht überlebt. * „Wenn es im Himmel viele Wohnungen gibt, so gibt es auch viele Wege, um dorthin zu gelangen.“ (Teresa von Àvila) *Leben mit der Vorsehung – ein Leben in Freude und HingabeDie Hingabe an Gott macht froh. Diese Freude kommt aus meinem Herzen. Es ist dieFreude der Gläubigen. Schauen Sie die wahrhaft Gläubigen einmal genauer an: Wirstrahlen innerlich. Wir mögen genau so viele Falten haben wie alle anderen auch, aberdas stört nicht. Wir senden ein Licht aus, es ist das Göttliche Licht. Je größer dieSpiritualität – darunter verstehe ich den gelebten Glauben – desto größer wird dieempfundene und gelebte Freude.Manchmal ist es nicht zu ertragen für andere, ich gebe es zu. Allerdings ist der Missmutauch für mich schlecht zu ertragen. Und die aufgesetzte Fröhlichkeit derSpaßgesellschaft hat sich schon längst als Geißel der Menschheit erwiesen. Dieseunerträgliche Leichtigkeit des Seins. Sie überkommt jene, die keine Anbindung an Gotthaben. In nicht allzu weiter Ferne wird es kippen. Dann werden sie sich nicht mehrhalten können.Der tschechische Schriftsteller Milan Kundera schrieb über diese Auswüchse des vonGott abgewandten Menschen ein gutes Buch: „Die unerträgliche Leichtigkeit desSeins“, das auch verfilmt wurde. In dem Roman verliebt sich Tomas in Teresa, die es 19
  20. 20. ernst meint mit ihm, aber Tomas hat nichts Besseres zu tun, als sich in Untreue undsonstige Zerstreuungen zu flüchten. Bis sich dann alles irgendwie auflöst und beidesterben. Das Leben in der Liebe zu Gott kann man getrost als „die Leichtigkeit desSeins“ bezeichnen. Alles wird einfach, alles ist leicht. Selbst die härtesten Prüfungendes Lebens und die schwierigsten Phasen werden mit Gott an unserer Seite und JesusChristus in unserem Herzen erträglich.Solange ich Nein sage, begrenze ich mich selbst. In dieser Begrenzung gebe ich Gottnicht die Erlaubnis, mir das zu schenken, was Er mir schenken möchte. Solange ichmich nicht gut genug fühle in einem Bereich, wirkt sich das auch auf alle anderenBereiche aus. Dieses „nicht gut genug fühlen“ beruht auf dem Mangel an Selbstliebe:„Ich genüge nicht, also bin ich es auch nicht wert, alles zu haben.“Sage ich Ja zu Gott, befinde ich mich in der Weite des offenen Raums, in dem allesgeschieht. Ja sagen heißt alles annehmen. Ich öffne mich für alles, was Er mir gebenwill. Das ist die Fülle, in der wir leben dürfen. Jedoch: Je mehr ich haben kann, destoweniger brauche ich. Lebe ich nicht im Mangeldenken, bin ich mit wenigen Dingenglücklich. Wie froh bin ich, nicht von den materiellen Besitztümern abhängig zu sein.Ich brauche andere Menschen, aber ich möchte niemanden von mir abhängig machen.Das ist das Gegenteil: der Besitzanspruch, das Haben wollen, die Gier. Nein, ich genügemir selbst, ich ruhe in mir. Ich habe eine Beziehung mit Gott. Es kann nicht sein, dassGott uns etwas Schlechtes geben will. Gott ist die Liebe, also gibt Er uns auch dieLiebe. Er gibt uns die Freude, Er gibt uns den Frieden. Wir können sicher sein, dass esgenau der richtige Moment ist, in dem Er uns etwas zukommen lässt. Denn – wieeingangs schon gesagt – Gott sah, dass es gut war... Gott kennt unseren Heilsweg, Er hatdas Buch unseres Lebens vorliegen – also ist Er der Regisseur, Er weiß, wie esweitergeht. Das ist meine Überzeugung. * „Gott wird nicht müde zu geben, und Seine Erbarmungen sind unerschöpflich. Werden auch wir nicht müde zu empfangen.“ (Teresa von Àvila) * 20
  21. 21. Vorsehung statt WunscherfüllungEs gibt eine neue Wissenschaft auf dem großen Tummelplatz der Esoterik: DieWunscherfüllung. Der Vorsatz war sicher gut gemeint; was jedoch die Menschen darausmachten, war eine neue Art des Konsums: Nun sind sie sogar selbst in der Lage, ihremateriellen Bedürfnisse zu befriedigen. Mein Haus, mein Auto, mein Boot – nun wirdimaginiert und materialisiert, und sind sie dessen überdrüssig, kommen neueKonsumgüter hinzu. Alles gemäß der Ur-Geheimnisse selbst erschaffen! Sie nennen esGlück und Erfolg. Der einzige Irrtum liegt darin, dass diese Materialisierung nichts mitunserer Befreiung zu tun hat. Ganz im Gegenteil: Sie verhindert sie gerade. Wir wolltendas Glück erschaffen, den Reichtum in uns selbst finden – Gott –, und was wurdedaraus? Neuer Wohlstandsmüll, der uns im Außen verstopft und uns an unsererErfüllung im Göttlichen Sinn hindert.Gott – die Vorsehung – hat die Fülle schon erschaffen. Wenn Jesus sagt: „Du Narr!Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird dann gehören, was duangehäuft hast? So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott“(Lukas 12,20-21), meint Er den Reichtum der Liebe, der Gesundheit, des innerenFriedens, und das hat alles nichts mit dem materiellen Besitz zu tun. Die Vorsehungsorgt sogar für unser Einkommen. Keine Angst: Gott weiß, unser täglich Brot beinhaltetnicht nur die tägliche Verbindung mit dem Leib Jesu, sondern auch die Kosten für unserweltliches Leben, und Er sorgt auch dafür. Prinzipiell ist Er aber nicht an der Anhäufungmaterieller Dinge interessiert, denn das blockiert unser wesentliches Leben und hält unsvon Ihm fern.Sie müssen nun nicht Ihre Antiquitätensammlung auflösen und verschenken, aber es tutgut, darüber nachzudenken. Solange das Bewahren alter Werte im Vordergrund steht, istsicher nichts dagegen einzuwenden. Nimmt jedoch die Sammelwut überhand, kann esdramatische Auswüchse annehmen, die ich selbst schon oft verwundert und besorgtbeobachten konnte. Lassen Sie die Energien in Ihrem Leben ständig fließen. Wenn Siesich auf der einen Seite durch eine Sammelleidenschaft blockieren, sollten Sie dafürsorgen, dass trotzdem ein gesunder Energiekreislauf bestehen bleibt und die Freude amLeben nicht abhanden kommt. Sonst begraben Sie sich selbst. * „Wer nicht mehr genießen kann, wird ungenießbar.“ (Teresa von Àvila) * 21
  22. 22. Wie reagiert Ihr Umfeld, wenn Sie sich Gott zuwenden?Sie werden nicht ernst genommen. Wie auch, es kann ja niemand wirklichnachvollziehen. Diese Ebene ist einfach zu hoch! Und Ihr Aufstieg vollzog sichvielleicht auch zu schnell. Zu Beginn wird man testen, wie ernst Sie es meinen. Einmalverstanden, wendet man sich von Ihnen ab. Sie werden uninteressant. „Mal ehrlich“,heißt es dann, „willst du wirklich sagen, dass du mit dem weltlichen Leben nichts mehrzu tun haben willst?“ Niemand kann sich vorstellen, dass Sie das so nicht mehrbrauchen. Niemand versteht, dass Sie einen viel größeren Reichtum haben, als Sie jeGeld hatten, und dass für Sie Gott als Partner an erster Stelle steht und ein eventuellerLebenspartner sich mit seiner Liebe zu Gott qualifizieren muss. „Ich kann mitniemandem sein, mit dem ich nicht über Gott reden kann“, schrieb Teresa von Àvila. Ichauch nicht; es geht nicht mehr anders.Dann gibt es noch diejenigen, die so tun, als seien sie auf derselben Linie wie Sie. Siesprechen von Gott, als hätten sie ihr Leben nichts anderes getan. Sie sind plötzlichbibelfest und gehen auch mit Ihnen in die Kirche, damit sie noch mitreden können. AberSie spüren, es ist nicht echt. Es kommen ständig irgend welche Spitzen, es wird ständigüber „die Kirche“ geschimpft, über das Geld der Kirche, die Skandale in der Kirche, alshätte die Welt keine. Geht Sie das etwas an – Sie ganz persönlich auf Ihrem Weg zuGott, in Ihrer Liebe zu Gott? Nein! Oder Sie müssen sich ständig irgend welcheBeleidigungen Gottes, dumme Witze über Jesus oder ähnliches anhören, was Sie ganzschnell ablehnen werden, weil es Sie persönlich in der Seele schmerzt. Weiterhin habenSie das Problem, sich Ihre benötigte Zeit zum Gebet und zum Rückzug zu verschaffen,weil Ihre Freunde es nicht verstehen, dass Sie nicht mehr jeden Tag für stundenlangeTelefonate zur Verfügung stehen und Sie sich auch nicht mehr für diese Probleme der"Welt" interessieren. Sie registrieren diese Themen, denn Sie haben ja weiterhin IhrenVerstand. Aber Sie wissen, es gibt im Außen nichts zu suchen und nichts zu tun. Nur inIhrem Inneren.Lieben heißt nicht, zu jedem und allem „Ja und Amen“ sagen. Es heißt auch manchmal„Nein“ sagen. Sich abgrenzen von Menschen, die uns aussaugen wollen, bewusst oderunbewusst, sich schützen vor negativen Energien. Das alles gehört dazu. Denn Gott gibtuns Pflichten, aber auch Rechte. Und dazu gehört das Recht der Unversehrtheit unsererSeele und die unserer Lieben.Wenden Sie einmal pro Woche die Nadelöhr-Methode an, die ich in den späterenKapiteln beschreibe. Geben Sie Gott alles ab, und warten Sie, was Er Ihnen zurück gibt.Was Sie nicht brauchen, kommt nicht mehr. Dafür lernen Sie ab jetzt nur noch dieMenschen kennen, die zu Ihnen gehören. Wir haben alle Zeit der Welt. Aber die Weltbraucht keine Zeitverschwendung mehr, dafür ist sie zu schade. * „Es ist etwas sehr Großes, ein freies Herz und ein ruhiges Gewissen zu haben.“ (Teresa von Àvila) * 22
  23. 23. III. GOTTWer oder was ist Gott?Gott ist unser Vater im Himmel und auf ErdenHimmel und Erde bedeuten für uns das Diesseits, in dem wir leben, und das Jenseits, indem Gott, der Vater, der Sohn, der Heilige Geist, und alle Engel und Heilige leben.Gleichwohl besteht im Innern des Menschen Himmel und Erde, das Körperliche unddas Geistige. So können wir sagen: Gott ist in uns, und Er ist außerhalb von uns. Erentzündet in uns die Liebe und das Licht, und Er ist außerhalb die unbeschreiblicheLiebe und das unfassbare Licht.Teresa von Àvila schreibt in ihrem Buch Die Innere Burg, 7. Wohnung: „Denn wie Erim Himmel Seine Wohnstatt hat, so muss Er wohl auch in der Seele eine Stätte haben,wo nur Seine Majestät weilt, also gleichsam einen zweiten Himmel.“ Teresa war äußerstklug. Es gibt einen Gott, einen Himmel über allem, also gibt es auch die Entsprechungim Menschen, in dessen Seele. Vor 450 Jahren riskierte Teresa, für diese Lehre in allerOffenheit auf dem Scheiterhaufen zu brennen – heute noch sehen die Menschen ihrenGott, so sie denn einen Gott haben, weit oben irgendwo im Himmel thronen. ArmeWelt!Gott ist transpersonalGott ist in jeder Form, im kleinsten Atom und im größten Universum, gleichzeitig ist Erformlos. Wir dürfen, wir können uns kein Bildnis machen von Ihm, da Er außerhalbjeder Form ist. Form bedeutet Verkörperung, Gott ist alles außerhalb jederVerkörperung. Er ist nichts, Er ist die Leere außerhalb der Form. Da es auch diese nichtgibt, ist alles Gott. Gott ist die Stille, denn erst in dieser Stille ist Gott erfahrbar undhörbar. Daher ist es so wichtig, die Gotteshäuser (wieder) zu Orten der Stille zu machen.Gott ist personalGott ist verkörpert in Jesus Christus, Seinem Sohn. Jesus ist die Form Gottes, Sein zuFleisch gewordenes Wort. In Jesus Christus, dem Gesalbten, hat Er sich den Menschengezeigt und uns Seinen Sohn zu unserer aller Erlösung gesandt.Gott spricht zu uns durch den Heiligen GeistDer Heilige Geist ist das Wort und der Lebensspender Gottes. Ursprünglich wurde dasWort Gottes durch die Propheten und Evangelisten empfangen und in dem Buch derBücher, der Bibel, niedergeschrieben.Gott handelt mit uns durch Seine himmlischen HelferZu den himmlischen Helfern Gottes zählen alle Selig- und Heiliggesprochenen, dieErzengel und eine große Hierarchie weiterer Engel sowie mit Sicherheit auch alleVerstorbenen, die zu Gott gefunden haben.Viele Menschen sehen Maria als Seine wichtigste Helferin an. Denn Er machte Sie zurMutter Seines Sohnes Jesus, und ohne Maria ist alles nur halb so schön. 23
  24. 24. Wer oder was sind wir?Wir sind der sichtbare Beweis der Präsenz Gottes auf Erden. Unsere Ur-Substanz ist vonGott. Es heißt, Gott habe den Menschen geschaffen nach Seinem Ebenbild. Da Gottkeine Form ist, sind auch wir gestalt- und formlos. Wir sind nicht unser Körper, wir sindnicht unsere Gedanken und unsere Gefühle. Wir sind Geist. Denn auch wir haben dasGöttliche in uns, in unserem Selbst, unserem wahren Ich, das sich über unseren Körperund unser Denken und Fühlen erhebt. Fragen wir: „Wer bin ich?“, sind wir der Fragendeund nicht der, nach dem wir fragen. Wir sind reines, Göttliches Bewusstsein. Nennenwir es einfach Göttliche Seele. Wenn sich diese unsere Göttliche Seele mit Gottverbindet, dann sind wir eins mit Gott, und dies ist das größte aller Geheimnisse, denndies kann schon auf Erden stattfinden. Von diesem Geheimnis spricht Jesus in SeinenGleichnissen und Parabeln, denn vor 2000 Jahren durfte Er es dem Volk noch nichtoffenbaren, da sie es noch nicht erfassen konnten.Unser Bewusstsein ist reif für die Wahrhaftigkeit, die Wahrheit und Klarheit. Die Bibel,spricht die Wahrheit, erkennen muss sie jeder selbst. Hilfe gibt es für jeden, der siesucht, geführt wird er durch Jesus („Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben,niemand kommt zum Vater denn durch mich!“). * „Christus hat niemanden auf Erden außer euch, keine Hände außer euren, keine Füße außer euren“ (Teresa von Àvila) * 24
  25. 25. Wie finden wir Gott?Indem wir jenseits aller Gedanken und Gefühle gehen. Indem wir alles vorbei ziehenlassen, auch die Bilder und Visionen. Denn auch diese sind begrenzte Vorstellungen.Erst wenn wir ganz offen sind, ist Er da. Er zeigt sich uns, nicht umgekehrt. Erentscheidet, wann der rechte Zeitpunkt gekommen ist. Gibt es bei uns noch Blockaden,Fiktionen und Schuldgefühle, die hinderlich sind, müssen wir sie entfernen. Damit Erdurch unsere Seele Sein Licht leuchten lassen, damit Er sich uns zeigen kann. Gottbrennt sich in jede einzelne Zelle unseres Körpers ein, und die Sehnsucht nach Ihm hörtniemals auf. Dieses Gefühl wird auch von Menschen beschrieben, die ein Nahtod-Erlebnis hatten. Einmal mit Gott in Kontakt kommen, einmal das Licht gesehen haben –und das Leben ist ein anderes. Der Höhepunkt ist die Unio Mystica, die mystischeVereinigung, die Gottesschau, die im absolut Verborgenen der tiefsten Seele stattfindet.Als ich die erste Offenbarung Gottes an den Menschen las, beschrieben in EnochsVision: „Sei still, wisse, ich bin Gott“, war ich zutiefst erschüttert. – Diese Worte sprachGott direkt zu mir! Ich konnte lange Zeit diese Sätze nicht bis zu Ende durchlesen, ohnevollkommen aufgewühlt zu sein, und sie berühren mich noch immer. Wie konnte ich soblind, so taub, so stumpfsinnig gewesen sein! Wie konnte ich das nicht gewusst haben!Ich fasse es heute noch nicht, wie es möglich sein kann, dass wir es einfach nichtwissen: Gott ist da! Warum haben wir uns so abgeschottet, dass wir selbst Gott nichtmehr wahrnehmen? Wir zählen die Worte eines Gedichtes und erkennen nicht seinenSinn.Erst wenn wir fähig sind, in uns einen Zustand der tiefen Stille zu schaffen; bessergesagt, wenn wir diesen Raum der Stille in uns finden, erst dann sind wir fähig, Gott inuns zu finden. Denn erst durch die Stille kann Gott sprechen. Erst durch die Stille kannein Ton klingen, ein Wort verstanden werden.Bitte werden Sie still, damit Gott zu Ihnen sprechen kann: 25
  26. 26. Ich spreche zu dir. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich sprach zu dir Als du geboren wurdest. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich sprach zu dir Bei deinem ersten Blick. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich sprach zu dir Bei deinem ersten Wort. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich sprach zu dirBei deinem ersten Gedanken. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich sprach zu dir Bei deiner ersten Liebe. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich sprach zu Dir Bei deinem erstem Lied. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich spreche zu dir Durch das Gras der Wiese. Sei still Wisse Ich bin Gott. 26
  27. 27. Ich spreche zu dirDurch die Bäume der Wälder. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich spreche zu dir Durch die Täler und Hügel. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich spreche zu dir Durch die Heiligen Berge. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich spreche zu dir Durch Regen und Schnee. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich spreche zu dirDurch die Wogen des Meeres. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich spreche zu dir Durch den Tau des Morgens. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich spreche zu dir Durch den Abendfrieden. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich spreche zu dirDurch das Leuchten der Sonne. Sei still Wisse Ich bin Gott. 27
  28. 28. Ich spreche zu dir Durch die funkelnden Sterne. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich spreche zu dir Durch den Sturm und die Wolken Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich spreche zu dir Durch Donner und Blitz. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich spreche zu dirDurch den geheimnisvollen Regenbogen. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich werde zu dir sprechen Wenn du allein bist. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich werde zu dir sprechen Durch die Weisheit der Alten. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich werde zu dir sprechen Am Ende der Zeit. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich werde zu dir sprechen Wenn du meine Engel gesehen hast. Sei still Wisse Ich bin Gott. 28
  29. 29. Ich werde zu dir sprechen In Ewigkeit. Sei still Wisse Ich bin Gott. Ich spreche zu dir. Sei still Wisse Ich bin Gott.(Quelle: Das Evangelium der Essener, Gesamtausgabe Buch 1–4. Die Originaltexte ausdem Aramäischen und Hebräischen; übersetzt von Dr. Edmond Bordeaux Székely,Verlag Bruno Martin )Die aramäische Fassung wurde in den Qumran-Rollen gefunden und ist damit sicherdatierbar auf die Zeit zwischen 130 vor Chr. und 68 nach Chr. Die Chroniken vonEnoch (Henoch) wurden im 4. Jahrhundert von Kirchenvater Hieronymus zu denApokryphen und somit als häretisch erklärt. Damit war Enochs Vision raus aus derBibel, aber was gut ist, kommt wieder – und so entdeckte man ihn in den Qumran-Rollen, Dank sei Gott! * „Gott lässt uns nicht im Finstern. Nur wenn wir Ihn verlassen, gehen wir zugrunde“ (Teresa von Àvila) * 29
  30. 30. Mein Gott warum? - Wenn wir zweifeln und verzweifelnDer Zweifel„Eloi, Eloi, lema sabachtani?“ – „Mein Gott, mein Gott, wozu hast Du mich verlassen?“(Mk 15,34; vgl. Mt 27,46). Laut Markus und Matthäus waren das Jesu letzte Worte, alsEr am Kreuz verstarb. Es wird als ein Zweifeln gedeutet. Wie konnte Jesus an SeinemVater zweifeln, wenn Er und der Vater eins sind? Jesus wusste von Gottes Plan für Ihn,Er wusste von Seiner Mission, Er wusste es schon, als Er als Zwölfjähriger den Lehrernim Tempel in Jerusalem Rede und Antwort stand. „Wusstet ihr nicht, dass ich in demsein muss, was meinem Vater gehört?“, fragte Er Seine aufgebrachten Eltern.Johannes war der einzige Jünger Jesu, der bei dessen Kreuzigung anwesend war. Erbeschreibt Jesu letzte Worte wie folgt: „Darnach, da Jesus wusste, dass schon allesvollbracht war, dass die Schrift erfüllt würde, spricht Er: Mich dürstet! Da stand einGefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einenIsop und hielten es Ihm dar zum Munde. Da nun Jesus den Essig genommen hatte,sprach Er: Es ist vollbracht! und neigte das Haupt und verschied.“ (Joh. 19,28-30).Natürlich hat Jesus nicht gezweifelt. Er war ein Mensch, und Er war Gottes Sohn. Jesuskam auf Erden, um uns die Liebe zu lehren, damit wir zu Gott finden! Das heißt, Erliebte mit ganzem Herzen. Er musste es nicht erlernen.Nun, ob wir jemals so weit unser Herz öffnen können? Ja! Jedenfalls dürfen wir festdaran glauben: Gott hält unseren Heilsplan in Seinen Händen, und Er verliert weder denPlan noch uns selbst jemals aus den Augen. Und so wie Jesus bei Seinen Heilungendarauf bedacht war, dass die Menschen nicht zweifeln, so bin auch ich überzeugt: JederZweifel macht alles zunichte. Er verhindert die Heilung und bringt uns aus unsererHerzensliebe heraus. Er verhindert unsere Gebete daran, zu Gott zu gelangen, dennunsere Seele hält sie zurück. Sie fühlt sich unwürdig und schlecht, wenn wir zweifeln.Denn dieser Zweifel kommt aus unserem Verstand. Unsere Seele möchte lieben, und wirmüssen es ihr erlauben. Möchten Sie nicht nur oberflächlich gesund, sondern heil anKörper, Geist und Seele werden, denken Sie an Jesu Worte, die Er zu den beidenAussätzigen sprach, die nach der Heilung der insgesamt zehn Aussätzigen zu Ihmzurückkehrten, um Ihm zu danken: „Dein Glaube hat dir geholfen“.Jesus sprach zu den Kranken: „Effata!“ – Öffne dich. Öffne dich für das Licht Gottes,damit es durch dich fließen und deine Seele erleuchten kann. Darin ist alles enthalten.Glaube, Hoffnung und Liebe und das Vertrauen, es ist gut so wie es ist. Bei der Taufeberührt der Priester Ohren und Mund des Täuflings und spricht „Effata!“, um deutlichzu machen, dass dieser sich öffne für den Heiligen Geist.„Effata“ – Es geschieht, indem wir tief einatmen. Wir atmen den Geist Gottes ein undempfangen Seine Liebe in unserem Herzen.Wichtig ist unsere ständige geistige Reifung. Nur durch ein Wachsen im Glauben mitGott erfährt unser Leben einen Sinn, auch mit all seinen Widrigkeiten und den Zeitender Entfremdung und Prüfungen. Auch wenn unser Leben manchmal durch eine Zeitdes Suchens geführt wird, es ist doch niemals mehr eine Sinnsuche nach dem Lebenselbst, es ist nur eine Zeit der Dürre und der Trockenheit, in der wir wieder unseren 30
  31. 31. neuen Lebens- und Heilsweg ordnen und strukturieren können. Damit wir mündigwerden. Gott braucht mündige Menschen! * „Wie selten sind doch die Menschen, die das, was sie tun, ganz tun.“ (Teresa von Àvila) * 31
  32. 32. Die VerzweiflungSelbst wenn wir an das ewige Leben glauben, trifft uns der Tod eines geliebtenMenschen sehr. Jeder Mensch verarbeitet diesen Schmerz auf seine Weise. Einigeerleben einen über viele Jahre andauernden traumatischen Prozess, der alle Freude undalles Lachen aus dem Leben der Hinterbliebenen nimmt.Meines Erachtens hilft die völlige Hingabe in den Schmerz am besten. Bringen Sie GottIhren Schmerz dar. Leise oder laut, wie es Ihnen gut tut. Lassen Sie ihn los in denAbgrund des Lebens, an dem Sie derzeit stehen. Sträuben Sie sich nicht dagegen! Wirkönnen mit dem Verlust nicht umgehen, und wir haben Angst vor unserem eigenen Tod,weil wir diese Tatsache immer noch tabuisieren. Aber bitte fragen Sie Gott nicht:„Warum hast Du mich verlassen?“, sondern bitten Sie Ihn: „Verlass mich nicht!“ Dasklingt schon besser, das ist eine Bitte, die Er gern erfüllt. Die Frage: "Warum hast Dumich verlassen?" lässt Sie zweifeln und bringt Sie aus Ihrer Liebe zu Ihm weg. Er wirduns niemals verlassen. Wir sind es, die wir uns in unserem Schmerz von Ihm abwenden,weil wir in unserem Zweifel unser Herz verschließen und Ihn somit nicht mehr fühlenkönnen.Die größte Angst im Zusammenhang mit dem Tod ist unsere Ungewissheit über dasNachher. Viele glauben nicht an ein Weiterleben nach dem Tod, und das mag eineunvorstellbar schreckliche Vorstellung sein. Andere glauben an einen irgendwiegearteten Himmel und vielleicht an eine Hölle und an das Fegefeuer und sind unsicher,wie Gott sie beurteilen wird und ob sie entweder das Eine oder das Andere verdienenwerden. Wir haben Angst, von unseren Liebsten getrennt zu werden, ihnen damit Leidzuzufügen und alles, was uns lieb ist, zurücklassen zu müssen.Vielleicht ist es hilfreich, uns daran zu erinnern, dass wir nachts im Traum in einenähnlichen Bewusstseinszustand übergehen. Menschen, die schon einmal eine Nahtod-Erfahrung hatten, wissen mit absoluter Sicherheit, dass es so etwas wie ein Ende desLebens nicht gibt. Sie berichten mehrheitlich von einem strahlenden, grenzenlosen Lichtund einem Gefühl der unendlichen, unbeschreiblichen Liebe. Wir treten ein in diesesLicht und werden von Seiner Liebe umschlungen, und wir erleben eine immenseAusweitung unseres Bewusstseins. Wir treffen die Menschen wieder, die wir liebten. Indiesem Zustand leben wir weiter und entwickeln unsere Seele.Das Fegefeuer, die Strafe Gottes, die wir befürchten, ist eine Lebensrückschau.Sicherlich wird es für den Einen oder Anderen schwierig werden. Wenn wir nicht schonim Diesseits unsere Seele und unser Gewissen erleichtern, müssen wir es eben imJenseits tun. Da wir uns dann in ungewohnter Umgebung in einem ungewohntenZustand befinden werden, mag es umso schwieriger sein.Sie mögen nun zweifeln und denken: „Woher will sie das alles wissen?“ Die mystischenErlebnisse gleichen den Nahtod-Erfahrungen. Ich weiß es aus der Liebe Gottes unddurch meine Verbindung mit Ihm. Ich weiß, wie sich Zweifel anfühlen, und ich kenneden Zustand der Verzweiflung und der Trauer sehr gut. Ich weiß tief in meinem Herzen,dass es ein Leben nach dem Tode gibt, und ich weiß aus meinem Leben sowie vonmeiner Arbeit her, dass die Verstorbenen unter uns weilen.So wie wir mit den Heiligen über die Telepathie kommunizieren, so können wir unsauch mit den Verstorbenen von Seele zu Seele verständigen. Es ist sogar viel einfacher, 32
  33. 33. denn es trennen uns keine Mauern mehr und keine Körper. Wir erkennen denverstorbenen Menschen ganz einfach an einem bestimmten Gefühl. Indem wir mit ihmsprechen, so tun wir dies mit der Gewissheit, dass unsere Worte und unsere Gefühleunmittelbar empfangen werden. Sagen wir ihnen einfach alles, was unausgesprochenblieb. Es ist nie zu spät! Und denken Sie daran: * „Das Allerbeste und Alleredelste ist dies: schweigen und schweigend Gott wirken und reden lassen. Mitten in dem Schweigen ward zu mir das heimliche Wort gesprochen.“ (Teresa von Àvila) * 33
  34. 34. IV. Der Heilige GeistWer oder was ist der Heilige Geist?Jesus sprach zu seinen Aposteln: „Dann werde ich den Vater bitten, dass Er an meinerStelle jemanden zu euch senden soll, der euch helfen wird und euch nie verlässt. Dies istder Geist der Wahrheit. Die Welt kann Ihn nicht aufnehmen, denn sie ist blind für Ihnund erkennt Ihn deshalb nicht. Aber ihr kennt Ihn, denn Er lebt schon jetzt bei euch, undeinmal wird Er in euch sein. Nein, ich lasse euch nicht als Waisenkinder zurück. Ichkomme wieder zu euch.“ (Johannes 14,16-18).An Pfingsten erlebten die Jünger Jesu die ganze Bandbreite des Heiligen Geistes inForm Seiner Gaben und Früchte: „Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alleam gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftigerSturm daher fährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienenihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich einenieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachenzu reden, wie es der Geist ihnen eingab“. (Apg. 2,1-4).Dies war die Geburtsstunde der Kirche, denn durch ihre Erleuchtung konnten die JüngerSein Wort verkünden. Jesus sprach durch Seine Jünger, es war nicht nur eine ErzählungSeiner Geschichte. Ohne den Heiligen Geist wäre Jesus wahrscheinlich eine Randfigurder Geschichte geblieben, interessant genug, um von Ihm zu berichten, aber SeinWirken als Sohn Gottes, als Gottes leibliche Gestalt, wäre niemals verkündet worden.Dadurch wurde die Bibel zum Buch der Bücher, ein Heiliges Buch, ein Buch Gottes fürdie Menschen, geschrieben von jenen, die Er als Heiliger Geist erleuchtete.Der Heilige Geist kommt bei der Taufe und bei der Firmung auch über uns. Von derTaufe Christi heißt es: „In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sichvon Johannes im Jordan taufen. Und als Er aus dem Wasser stieg, sah Er, dass derHimmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf Ihn herabkam. Und eine Stimmeaus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an Dir habe ich Gefallengefunden.“ (Markus 1,9-11).Es gibt in der katholischen Kirche Gelegenheiten, die an unsere Taufe erinnern: Ständigpräsent ist das Weihwasser am Eingang der Kirche, mit dem wir uns bekreuzigen. Es istnicht einfach irgendein Wasser. Es wird mit Weihegebeten geweiht und erhält dadurchdie Kraft Gottes. In der Osternacht geschieht die Erneuerung des Taufbekenntnisses derGemeinde in der Liturgie. Am Sonntag nach Epiphanie (6. Januar) wird das Fest derTaufe des Herrn gefeiert, das an die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer im Jordanerinnert. Der dabei erteilte Segen mit Weihwasser ist ebenfalls sehr viel wirkungsvollerals ein normaler Segen.Den größten Eindruck des Heiligen Geistes hatte ich anlässlich meiner Firmung, wasich in der Einführung dieses Buches schon erwähnte, als ich meine Liebesbeziehung mitGott begann. Seitdem weiß ich, wer oder was der Heilige Geist ist, und SeineGnadengaben, Früchte und Tröstungen wurden mir mehr und mehr zuteil. Ich bin mirdessen vollkommen bewusst, dass es sich um Geschenke Gottes handelt, die uns „dasLeben“ nicht geben kann. Allerdings verlangt Gott nach meiner Erfahrung, dass wir 34
  35. 35. erstens Vorarbeit leisten und uns als gereift, als würdig erweisen und zweitens unsständig entwickeln müssen, damit diese Gaben sich richtig entfalten können. Wirerhalten zuerst ein wenig, werden dann geprüft, ob wir es auch annehmen und es richtigverwenden; und erst dann kommt das nächste Geschenk. Immer mit einer „Rückruf-Option“ verbunden, falls wir uns der Gabe nicht würdig zeigen oder vielleicht dadurchüberfordert sind. Ich selbst habe mich in den zwei Jahren nach meiner Firmung inimmer kürzeren Abständen komplett gehäutet. Jedenfalls haben diese Geschenke desHeiligen Geistes nichts mit den Lorbeeren zu tun, auf denen man sich ausruhen könnte– ganz und gar nicht. Und trotzdem erfüllt mich eine andauernde Demut undDankbarkeit, und ich möchte sie nicht mehr missen! * „Die vollkommene Liebe wird uns nicht auf einmal zuteil, weil wir nicht alles auf einmal hergeben.“ (Teresa von Àvila) * 35
  36. 36. Die sieben Gaben des Heiligen Geistes (Charismen)Religiöser BegriffIm Neuen Testament und älteren Christentum bezeichnet Charisma die aus Wohlwollengespendete Gabe (Gnadengabe) des Heiligen Geistes an die Christen. Dazu zählen:Verstand, Wissenschaft, Weisheit, Rat, Frömmigkeit, Gottesfurcht, Stärke, Erkenntnis,Glaube, Prophetie, Krankenheilungen, Wundertaten, Geisterunterscheidung,Zungenrede und Auslegung der Zungenrede. Unter besonderer Betonung einiger dieserCharismen entstanden in der Neuzeit geistliche Aufbruchsbewegungen wie diecharismatische Bewegung oder die Pfingstbewegung. 1. Korinther 12,10: „In einemjeglichen erzeigen sich die Gaben des Geistes zum allgemeinen Nutzen. Einem wirdgegeben durch den Geist, zu reden von der Weisheit; dem andern wird gegeben, zureden von der Erkenntnis nach demselben Geist; einem andern der Glaube in demselbenGeist; einem andern die Gabe, gesund zu machen in demselben Geist; einem andern,Wunder zu tun; einem andern Weissagung; einem andern, Geister zu unterscheiden;einem andern mancherlei Sprachen; einem andern, die Sprachen auszulegen. Dies aberalles wirkt derselbe eine Geist und teilt einem jeglichen seines zu, nach dem Er will.“Die Voraussetzungen für diese Gnaden sind: 1) die Wassertaufe im Namen Jesus Christus 2) die Geistige Taufe durch den Heiligen Geist 3) der absolute Glaube an Vater, Sohn und Heiligen Geist 4) ein angepasster Lebenswandel in Demut und Nächstenliebe 5) eine ständige geistige (spirituelle) WeiterentwicklungDie Geistesgaben wirkten sich bei den Aposteln verschieden aus: Thomas besaß dieGabe des Verstandes, Johannes die Gabe der Weisheit, Philippus die Gabe des Rates,Jakobus die Gabe der Frömmigkeit, Andreas die Gabe der Gottesfurcht, Petrus die Gabeder Stärke, Matthäus die Gabe der Einsicht.Ich möchte die einzelnen Charismen zum allgemeinen Verständnis näher erläutern bzw.in einzelne Gruppen einteilen:Verstand, Wissenschaft, Weisheit, Rat, ErkenntnisDiese Charismen betreffen die Erkenntnis der unsagbaren Größe (Gnosis). DurchUnkenntnis entsteht Leid, durch die Erkenntnis entsteht die Liebe, und der Mensch wirderlöst. Es ist nicht der Verstand in unserem Gehirn. Es ist nicht das erlernbare Wissen.Es geht um das intuitive Wissen, das tief in unserem Unterbewusstsein verborgen ist. Esentwickelt sich mit der Weisheit und der Erkenntnis. Dies befähigt uns dazu, anderenMenschen einen Rat zu geben. Dieser Rat kommt wiederum nicht aus unseremBewusstsein, wir denken uns nichts aus, wir blähen unser Ego nicht auf, um klugdaherzureden. Nein, der Rat kommt von Gott, und wir sprechen ihn aus.Das Charisma Wissenschaft bedeutet, dass wir plötzlich die Einzelheiten derWissenschaft zu einem Ganzen zusammenfügen können. Plötzlich wissen wir – wiederrein intuitiv – wie es um die Dinge steht. Der Nachteil ist: Alles Normale langweilt uns,da wir alles schon kennen bzw. das Falsche sofort entlarven. Die Vorteile: Es wird unsbewusst, wie wir alle die Verantwortung mittragen, beispielsweise im Umweltschutz. 36
  37. 37. Das gesamte Spektrum der Ökologie breitet sich vor uns aus, obwohl wir es nicht inBüchern gelernt haben, sondern von innen heraus erfahren. Wir verstehen dasUniversum. Wir verstehen Stephen Hawkings, wenn er von dem Urknall spricht undselbst die Erkenntnis hat: „Da muss doch noch etwas vorher gewesen sein; also gibt esdoch einen Gott!“ Albert Einstein befürchtete, verrückt zu werden, falls es stimmte, dass„Gott würfelt“, das heißt nicht im klassisch linearen Sinn berechenbar ist. Wir verstehendie neuen Wissenschaftler der Quantentheorie, wenn sie erkennen, dass die ehemalige„große Leere“ sogar Energie enthält; wissend: Es gibt keine Leere, Gott ist in allem. Wirkönnen vielleicht nicht mitreden, weil uns der Wortschatz fehlt. Aber wir verstehen esintuitiv: Die Naturgesetze sowie die geistigen Gesetze reflektieren dieselbe Wahrheit:Gott.Frömmigkeit, Gottesfurcht, Glaube, StärkeDabei geht es um den Glauben aus dem Herzen, um die Liebe zu Gott und die tiefeDemut vor Ihm. Diese Liebe macht uns einerseits stark, sie gibt uns allerdings auch dienotwendige Furcht, Ihn immer zufriedenstellen zu wollen. Die Seele, die einmal Gottverlassen und dies als Fehler erkannt hat, wird diesen Fehler nie wiederholen; wissend,Es hätte auch anders kommen können!Teresa von Àvila, Die Innere Burg, 6. Wohnung: „Durch die Herrlichkeiten, die Er derSeele mitteilt, erkennt sie nämlich viel klarer die Größe Gottes. Es erschreckt sie, wiesie so vermessen sein konnte, sie beweint ihre geringe Ehrfurcht, und so irrwitzigerscheint ihr die eigene Torheit, dass sie es nie genug beklagen kann, wenn sie darandenkt, dass sie eine solch erhabene Majestät so niedriger Dinge wegen je verließ.“Die Stärke bedeutet auch gleichzeitig Demut. Meine Gebete können die Welt aus denAngeln heben – aber immer nur, wenn Gott es will! Ich bin nichts, ich bin klein wie einSandkorn! Ich bin nichts, und alles kommt aus Gott.Krankenheilungen, Wundertaten, Prophetie:Wir gehorchen einem Impuls Gottes. Gott hat uns als Seinen Kanal auserkoren, und wirführen diese Taten auf Seinen Impuls hin aus: Die Krankenheilung per Handauflegenund Beten, die Wundertaten erweisen sich in der Form der Spontanheilungen sowie inder Beherrschung der Elemente; die Prophetie bedeutet die Verkündung von GottesWort (griech: „Einer, der für einen Anderen spricht“). Das beinhaltet auch dieVorhersagen von wichtigen Ereignissen.Geisterunterscheidung, Zungenrede und deren Auslegung:Nach meiner Erfahrung zeigt sich das Charisma der Zungenrede in der Fähigkeit, ineiner Fremdsprache zu träumen oder zu denken oder Worte und Sätze davon sprechenund verstehen zu können, ohne sich dessen bewusst zu sein. Die Auslegung derZungenrede habe ich gespürt, nachdem ich gefirmt war: Meine Seele erinnerte sich, wiees der Papst in dem Vorwort zur Lateinischen Messe beschrieb. Tief in uns ist derWortlaut in allen Sprachen vergraben, und wenn wir diese Worte hören, erinnert sich dieSeele. Meine Seele konnte also plötzlich Latein; jedenfalls genug um die Heilige Messein Latein dem Sinn nach zu verstehen und darin aufzugehen und in den ersten dreiMessen in Tränen auszubrechen. 37
  38. 38. Die Geisterunterscheidung brauchen wir zur Erkennung der falschen Propheten, unddiese sind, wie wir alle sehr gut wissen, zahlreich. Sobald wir das Charisma desHeiligen Geistes erhalten haben, wissen wir, etwas ist richtig oder falsch! Wir werdenniemals Opfer einer Sekte. Wir durchschauen sie sofort. Wir werden indirekt sogarhingeführt, damit wir helfen können, deren Opfer zu befreien. Das habe ich bereitsgetan, kann es hier natürlich nicht weiter ausführen.Papst Johannes Paul II., der alle Charismen des Heiligen Geistes schon in seinerErscheinung ausstrahlt, hat diese Heilungs-Charismen auch bei nicht-geweihtenPersonen anerkannt und am 25. September 2000 die Veröffentlichung dieser Erkenntnisangeordnet. Unser jetziger Papst Benedikt XVI. war damals Vorsitzender dieserKongregation. Somit stehen zwei Päpste auf unserer Seite – ist das nicht wunderbar?!Auszug aus: Kongregation für die GlaubenslehreInstruktion über die Gebete um Heilung durch Gott:„Wie bereits erwähnt, erweitern das Ende des Markusevangeliums wie auch derGalaterbrief den Horizont und beschränken die wunderbaren Heilungen nicht auf dieTätigkeit der Apostel und einige Verkünder des Evangeliums, denen eine herausragendeBedeutung bei der ersten Missionierung zukommt. Unter diesem Gesichtspunkt sind dieHinweise auf die „Heilungs-Charismen“ (vgl. 1 Kor 12,9.28.30) besonders wichtig. DieBedeutung des Wortes Charisma ist an sich sehr weit; ein Charisma ist eine „freigeschenkte Gabe“, im genannten Fall geht es um „Gaben, Krankheiten zu heilen“. DieseGnadengaben werden einem einzelnen zugeteilt (vgl. 1 Kor 12,9), sie werden also nichtverstanden als Heilungen, die ein jeder der Geheilten für sich selbst erlangt hat, sondernals eine Gabe, die einer Person gegeben ist, um Heilungsgnaden für andere zu erwirken.Diese Gabe wird verliehen in dem „einen Geist“, wobei nicht näher bestimmt wird, wiediese Person die Heilungen erwirkt. Man kann davon ausgehen, dass dies durch dasGebet geschieht, vielleicht begleitet durch eine symbolische Geste.“(Quelle:www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_20001123_istruzione_ge.html) 38
  39. 39. Die zwölf Früchte des Heiligen Geistes„Komm Heiliger Geist, öffne die Herzen Deiner Gläubigen und erfülle Sie mit DeinerLiebe.“ Im Neuen Testament schreibt der Evangelist Matthäus: „An ihren Früchtenwerdet ihr sie erkennen.“ (Mt 7.16)Die Früchte sind: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Langmut,Sanftmut, Treue, Bescheidenheit, Enthaltsamkeit, Keuschheit.Über die Liebe handelt dieses Buch. Die Freude möchte ich hier besonders erwähnen.Auch Teresa von Àvila empfand eine große Freude in ihrer Spiritualität, die aus dergewonnenen inneren Freiheit entspringt. Das Herz wird frei. Die Demut bedeutet keineSchwere, keine Last, sondern ein Gefühl der Leichtigkeit und der Freiheit. Ich selbstbete nun das Vaterunser als Bittgebet und als Lobpreis mit hoch erhobenen Armen. DieKraft des Heiligen Geistes durchströmt meinen ganzen Körper, und meine Händewerden schön warm.Der Heilige Geist lässt unser Ego absterben wie von selbst. Erst dann können sich SeineFrüchte voll entfalten. Wie von selbst wird aus einem ungeduldigen Menschen eingeduldiger Mensch. Langmut, Sanftmut – dem egozentrischen Menschen völligunbekannt. Enthaltsamkeit und Keuschheit werden als weltfremd abgetan von denMenschen, die gerade dabei sind, durch ihren Irrtum zugrunde zu gehen. Der spirituelleMensch verwandelt seine Sexualkraft in Geisteskraft – und er erkennt, dass das, was erfrüher Liebe nannte, selten die Göttliche Liebe, sondern eher der Befriedigung desMangels an Eigenliebe diente. Wie unterscheide ich diese Göttliche Liebe von derweltlichen? Ganz einfach: Die Göttliche Liebe stirbt niemals. Sie kehrt sich nichtplötzlich in Hass um. Sie haben keine Angst um diese Liebe. Sie lieben einfach. Selbstwenn der Mensch nicht bei Ihnen ist und vielleicht niemals sein wird – Sie lieben ihn,Ihre beider Seelen lieben einander – voilà! Nach den anfänglichen Unruhen löst sich derSchmerz, und zurück bleiben Zufriedenheit und Freude.Die sieben Tröstungen des Heiligen GeistesIn den zwölf Früchten des Heiligen Geistes sind auch Seine Tröstungen enthalten. DasWeinen ist ein ganz starker Trost. Doch es gibt viele Menschen, die es nicht können. Ichkann es, und ich bin froh darüber! Ich hätte mir manchmal gewünscht, die Tränenzurückhalten zu können, vor allem während der Messen im Dom, wenn ich wiedereinmal völlig aufgelöst in der ersten Reihe hing und mich alle sehen konnten. Ichmusste tapfer durch diese Entwicklungsphase durch. Wobei ich mir sicher bin: Es warennicht immer meine eigenen Tränen, die da flossen. Ich weinte oft die Tränen deranderen. Anlässlich des Neujahrsempfanges des Bischofs von Limburg in 2010entschuldigte ich mich bei ihm wegen meiner vielen Tränenmeere in seinenwunderschönen Messen. Er bedankte sich für mein Mittragen. Gerne! * „Vorausgesetzt wir geben unser Gebet nicht auf, dann wird der Herr alles, was wir tun, zu unserem Vorteil umwandeln, sogar dann, wenn wir niemanden finden, der uns unterrichtet.“ (Teresa von Àvila) * 39
  40. 40. V. JesusMein Weg zu JesusJesus war einfallsreich und geduldig. Bis ich endlich begriffen hatte, dass die Zeichenum mich herum, am Himmel, im Wasser und auf Erden, von Ihm kamen, dauerte esJahre. Von einigen Gelegenheiten möchte ich hier erzählen:Vor drei Jahren fuhr ich nach Plouescat, einem kleinen Ort am Ärmelkanal imDépartement Finistère in der Bretagne, der westlichsten kontinentalen RegionFrankreichs. Sie erhielt bereits in der römischen Zeit den Namen Finis Terrae (Ende derErde), der bretonische Name lautet Penn ar Bed (Anfang, Spitze oder auch Haupt derWelt). Interessant finde ich, dass die Römer diese Region als das Ende der Erdebezeichneten, die Flüchtlinge und Einwanderer aus Großbritannien, die die bretonischeSprache aus Cornisch (Cornwall) und Walisisch (Wales) entwickelten, als den Anfangder Welt. Für die Römer war dieses Land ein Fleckchen Erde, sogar das Ende der Erde,für die Bretonen war es der Anfang der Welt.Mit dem Wort Welt wird die Totalität bezeichnet, die Gesamtheit des Universums, desWeltalls, des Seienden. Diese Weltanschauung übertrug sich auf den Charakter derMenschen; sie ist heute noch energetisch spürbar. Nicht von ungefähr erfuhr ich dortdiese beeindruckenden mystischen Erlebnisse und hatte das Licht Gottes auf meinenFotos eingefangen. Das Wort Département bedeutet übrigens Verwaltungseinheit. Diesnur zur kompletten Information. Weil ich dieses Stück Erde, Pardon!, dieses Stück Welt,so sehr liebe und es in den 1980er Jahren besser kannte als meine eigene Heimat. Esbedeutete für mich Freiheit und Geborgenheit zugleich, Liebe zu allen Dingen, zu denMenschen, zu der Sprache und zu der überwältigenden Natur, der Architektur undnatürlich auch die Liebe zum Essen – ich konnte mich von dem Meeresgetier ernähren–, und irgendwie war es auch die Mystik, die ich allerdings derzeit noch nicht genaueinordnen konnte. Mystik war damals der Oberbegriff für das Geheimnisvolle. Dieseserstreckte sich lediglich auf die Natur und das Empfinden ihrer Schönheit und ihrerSchauspiele, die sich stündlich änderten und sich niemals wiederholten. Ich hatte janoch keinen Zugang zu den angeblich 7.777 Heiligen der Bretagne – von denen nichtviele kirchlich anerkannt sind. Außerdem gibt es unzählige Heilquellen. Und es gibt dieweltweit einzigartigen Calvaires, die Kalvarienberge, die zu den Enclos Paroissiaux,den Umfriedeten Pfarrbezirken, gehören. Diese entstanden im 16. und 17. Jahrhundertvor allem im Gebiet Finistère. Ein Kalvarienberg erzählt in beeindruckender Weise vondem Leben und der Passion Christi. Wer also im Département Finistère schon einmalaußerhalb der Touristensaison seinen Urlaub verbrachte oder dort lebte, kann dieseBezeichnung Anfang der Welt sehr gut nachvollziehen.1980 lebte ich ein Jahr in der Nähe von Lorient im westlich gelegenen DépartementMorbihan. Dieses befindet sich in der Südbretagne im gleichnamigen Golf Mor Bihan,was kleines Meer bedeutet. Im Morbihan entstanden in der Jungsteinzeit Westeuropasdie berühmten Grabhügel (Tumulus), woraus in Kombination mit den riesigen Menhirendie Megalithanlagen und Steinkreise entstanden. Berühmt sind die Steinkreise vonCarnac. Ich wohnte in einem kleinen Haus direkt am Meer. Vom Garten aus konnte ichdirekt die Felsen betreten, die bis zum Atlantik hinaus reichten. Bei einer Sturmflutstand oft der Garten unter Wasser, und in den Doigts de Sorcière (zu Deutsch 40
  41. 41. Hexenfinger), einer Wucherpflanze, die den ganzen Garten überzog, verfingen sich dieMuscheln. Vielleicht wächst dort auch noch meine chinesische Hanfpalme, die ichdamals mit umgezogen hatte. Klimatisch gesehen ist es durchaus möglich, denn derGolfstrom fließt an der Atlantikküste vorbei und sorgt für ein raues, aber mildes Klimamit frostfreien Wintern. Als ich dieses Fleckchen Erde, das einmal kurzfristig meineHeimat war, während meines Urlaubs besuchen wollte, fand ich es nicht mehr! Diegesamte Küste wurde für eine Ferienanlage mit Jachthafen komplett zugebaut. Dafürverbrachte ich in Plouescat zehn Tage fast mutterseelenallein auf einem Campingplatzam Meer in einem Mobilheim, sehr komfortabel und sehr ruhig, ohne Fernseher undComputer, und Handy nur zum Notfall. Allein der Umstand, wie ich dort hinfand, warziemlich schräg. Gott genügte auch in diesem Fall...Mein Weg führte mich von Deutschland aus nonstop zum Mont Saint Michel, dieserlegendären Klosterinsel im Ärmelkanal zwischen der Normandie und der Bretagne, aufder heute noch eine Handvoll Benediktinermönche lebt und die täglichen Ströme vonTouristen erträgt. Dafür ist es nachts ruhig in den mittelalterlichen Gassen, und diewenigen Touristen genießen nach einem vorzüglichen Essen in den Restaurants oderCrèperien und einem anschließenden Spaziergang auf dem Weg entlang der Stadtmauerrings um den Klosterberg herum eine ruhige Nacht in klösterlicher Atmosphäre. DasBesondere an dieser Insel ist der riesige Unterschied der Gezeiten. Bei Ebbe zieht sichdas Meer bis zu siebzehn Kilometer weit zurück, und man kann wunderschöneWattspaziergänge unternehmen. Sobald die Flut zurückkehrt, muss man sich allerdingsbeeilen, denn der Berg wird bis auf den Damm, der ihn mit dem Festland verbindet,vom Meer umspült. Auf diesem Damm kann man mit dem Auto bis zu den Parkplätzenfahren. Die Busse verlassen die Insel abends wieder, und die wenigen PKWs derÜbernachtungsgäste parken auf höher gelegenen Plätzen.Ich war etwa zehn Jahre nicht mehr auf dem Mont, wie die Einheimischen ihren Bergnennen. (Übrigens, zu Anfang hieß er Mont-Tombe, das bedeutet Grab-Berg.) Es war,wie ich es von früher her kannte: voller Touristen, die sich durch die engen Gassendrückten und die Andenkenläden durchstöberten. Ich suchte mein Zimmer auf, das icheinige Tage zuvor reserviert hatte. Es lag etwas abseits der Hauptstraße, und ich hatteaus meinem Fenster einen sehr idyllischen Blick auf einen alten Friedhof und einengrünen Garten mit Hortensien, die Nationalblume der Bretonen, die allerdings erst EndeJuni blüht. Weiter oben sah ich die dreistöckige Klosterkirche, die über hohe Treppenerreichbar ist. Hinter dem Garten erstreckte sich bereits die Stadtmauer, und darüberschien die Sonne an einem wolkenlosen blauen Himmel. Es war sehr ruhig, und ichhörte von weitem nur das aus weiter Ferne herannahende Meer. Da noch etwas Zeit biszum Essen war, besuchte ich eine Künstlerin, die sich auf die Herstellung vonKupferschmuck spezialisiert hatte, und kaufte ein wunderschönes Amulett, das mich inder Form an die Göttlichkeit des Menschen erinnerte. Die eingearbeitete kleine Kronebedeutete Jesus für mich.Zurück in meinem Zimmer, legte ich mich auf das Bett und las in einem Buch überJesus. Dann schloss ich die Augen, legte das Buch beiseite und meine Halskette mit demneuen kupfernen Anhänger darauf. Obenauf legte ich meine linke Hand. Zum Ausruhenkam ich nicht! Nach ein paar wenigen Minuten fing ich an zu glühen. Und ich glühteimmer mehr! Von Kopf bis Fuß, und dieses Glühen erstreckte sich auf das gesamte Bett.Ich rutschte zur Seite, aber dort war es auch schon so heiß, dass ich nicht liegen konnte.Mir wurde mulmig; ich wusste, das geht nicht mit rechten Dingen zu. Ich weiß sehr gut, 41

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