Offener Zugang - Open Access, Open Educational Resources und Urheberrecht

  • 944 views
Uploaded on

Kapitel des L3T Lehrbuch (http://l3t.eu)

Kapitel des L3T Lehrbuch (http://l3t.eu)

More in: Education , Technology
  • Full Name Full Name Comment goes here.
    Are you sure you want to
    Your message goes here
    Be the first to comment
    Be the first to like this
No Downloads

Views

Total Views
944
On Slideshare
0
From Embeds
0
Number of Embeds
0

Actions

Shares
Downloads
19
Comments
0
Likes
0

Embeds 0

No embeds

Report content

Flagged as inappropriate Flag as inappropriate
Flag as inappropriate

Select your reason for flagging this presentation as inappropriate.

Cancel
    No notes for slide

Transcript

  • 1. Katja  Mruck,  Günter  Mey,  Peter  Purgathofer,  Sandra  Schön  und  Nicolas  Apostolopoulos Offener Zugang Open Access, Open Educational Resources und Urheberrecht Für   Forschende   und   Lehrende   hat   das   Internet   weitreichende   Auswirkungen   auf   die   Recherche   von   Mate-­‐ rialien   und   Texten,   das   Publika+onsverhalten   sowie   auf   die   Nutzung   und   den   Austausch   von   Lehr-­‐   und Lernressourcen.   Vorhandene,   tradierte   Urheberrechtsregelungen   werden   durch   neuar+ge   Lizenzmodelle modifiziert   oder   ersetzt.   Die   Forderungen   nach   „Open   Access“   und   „Open   Educa+onal   Ressources“,   die sich   in   zahlreichen   Ini+a+ven,   Projekten   und   Ak+vitäten   niederschlagen,   sind   wich+g   zur   Gestaltung   eines liberalen,   offenen   Zugangs   zu   Forschungs-­‐   und   Bildungsmaterialien. In   diesem   Beitrag   wird   zunächst   die   Open-­‐Access-­‐Bewegung   vorgestellt,   deren   Forderung   nach   freiem   Zugang   zu   öffentlich   geförderten   For-­‐ schungsergebnissen  inzwischen  als  forschungspoli+sch  etabliert  betrachtet  werden  kann.  Parallel  zu  dieser Bewegung,  aber  wohl  durch  sie  beeinflusst,  bilden  sich  in  den  letzten  zehn  Jahren  Projekte  und  Ini+a+ven, die  frei  verwendbare  Bildungsressourcen  fordern  und  unterstützen.  Allein  dass  man  etwas  passendes  im Internet  entdeckt,  beispielsweise  einen  Zeitungsar+kel  oder  ein  Foto,  erlaubt  nämlich  keineswegs  dessen Verwendung  im  Schulunterricht,  der  Hochschullehre  oder  in  einem  Weiterbildungsseminar.                              Quelle:    Jus+n  Marty                              URL:  hFp://www.flickr.com/photos/jmarty/128010935/  [2011-­‐01-­‐01] #openaccess #ver+efung #werkzeugmethode Version  vom  1.  Februar  2011 Für  dieses  Kapitel  wird  noch  ein  Pate  gesucht, Jetzt Pate werden! mehr  Informa+onen  unter:  hFp://l3t.eu/patenschaI
  • 2. 2  —  Lehrbuch  für  Lernen  und  Lehren  mit  Technologien  (L3T) und Kollegen, begutachten (oft anonym, selten als1. Einleitung   sogenanntes Open-Peer-Review) zur Veröffentli-Neue Technologien, insbesondere das Internet, ver- chung eingereichte Beiträge, um so sicherzustellen,ändern die Bedingungen für Lehre und Forschung dass nur Artikel verbreitet werden, die wissenschaft-sowie den Zugang zu wissenschaftlichen Ressourcen lichen Standards genügen. Durch Zitationsanalysenund Lernmaterialien. Vor allem für Lehrende an Uni- veröffentlichter Artikel soll geprüft werden, wieversitäten, aber auch für Studierende, sind das In- häufig diese durch andere genutzt werden, welchenternet und damit verbundenen Möglichkeiten des Zu- „Impact“ (engl. für „Einfluss“) sie haben. Da wissen-griffs auf wissenschaftliche Veröffentlichungen und schaftliche Veröffentlichungen für berufliche Karrie-Materialien wesentlich: Während diese früher in der rewege und universitäre Mittelvergaben von beson-Regel nur gedruckt in Bibliotheken oder für die Uni- derer Bedeutung sind, ist der Druck insbesondere inversitäten und deren Mitglieder in einem einge- den Naturwissenschaften sehr hoch, in sogenanntenschränkten Intranet zur Verfügung standen, sind jetzt High-Impact-Zeitschriften zu veröffentlichen. Hierimmer häufiger Fachpublikationen und Forschungs- gilt der Grundsatz „publish or perish“, eine englischedaten frei im Internet zugänglich. Auch immer mehr- Redewendung, die in etwa als „publiziere oder geheLernmaterialien werden zur freien Nutzung ange- unter“ ins Deutsche übertragen werden kann.boten. In diesem Kapitel werden wir uns zum einen Die Akzeptanz solcher Maße (vor allem deren Be-dem Publizieren mit freiem Zugang (engl. „open rechnungsgrundlage) wird vielfach kritisiert, zudemaccess“) und zum anderen frei zugänglichen und muss von verschiedenen Arten von Impact im Sinnenutzbaren Bildungsmaterialien (engl. „open educa- von Sichtbarkeit ausgegangen werden, der sich nichttional resources“) widmen. Dabei werden wir jeweils allein an Zitationshäufigkeit bemisst (Mruck & Mey,zunächst das tradierte Verfahren, dann die Neu- und 2002).Weiterentwicklungen vorstellen und Fragen des Ur- Der  tradi1onelle  Publika1onsprozessheberrechts berühren. Der traditionelle Publikationsprozess in Printzeit-2. Tradi1onelle  wissenscha7liche  Publika1onen schriften sieht vor, dass Wissenschaftler/innen Ar-Damit Forschungsarbeiten diskutiert und zitiert tikel schreiben und bei Zeitschriften, in denen siewerden können, müssen Wissenschaftler/innen diese gerne sichtbar sein wollen, zur Veröffentlichung ein-veröffentlichen und bestmöglich verbreiten. Veröf- reichen. Die Zeitschriftenredaktionen organisierenfentlichungsformen unterscheiden sich je nach Dis- dann die Begutachtung, indem sie Gutachter/innenziplin. So werden in den Geisteswissenschaften häu- um eine Bewertung des eingereichten Artikels bitten,figer als in anderen Bereichen Sammelbände und Mo- also um eine Einschätzung darüber, ob ein Artikelnografien genutzt, im Bauwesen und in der Archi- zur Veröffentlichung angenommen, durch die Auto-tektur spielen zum Beispiel Tagungsbände eine zen- rinnen und Autoren überarbeitet oder abgelehnttrale Rolle. Über alle Wissenschaftsfelder hinweg sind werden sollte. Wenn ein solcher Artikel – teilweisejedoch Artikel in Fachzeitschriften die am häufigsten nach mehreren Überarbeitungsrunden – für die Ver-genutzte Veröffentlichungsform (Deutsche For- öffentlichung akzeptiert worden ist, organisiert dieschungsgemeinschaft, 2005). Redaktion in der Regel das Lektorat und Korrektorat, also die formale Prüfung und Korrektur des ArtikelsDer  Grundsatz  „Publish  or  perish“   und gibt den fertigen Artikel an einen kommerziellenDer Aufbau der modernen Wissenschaften, wie wir Verlag weiter, der für Druck und Verbreitung dersie heute kennen, war von Beginn an mit der Zeitschrift, in dem der Artikel erscheinen soll, zu-Gründung von wissenschaftlichen Fachgesellschaften ständig ist. Mit der Veröffentlichung geben die Auto-und wissenschaftlichen Fachzeitschriften verbunden. rinnen und Autoren zumeist die Nutzungsrechte anDie beiden ältesten Zeitschriften, das „Journal des ihrer Arbeit an den Verlag weiter. Bibliothekensçavans“ und die „Philosophical Transactions“ of the können die Zeitschrift dann für die Nutzung durchRoyal Society, starteten 1665 und erfüllten Funk- ihre Mitglieder (zum Beispiel Angehörige einer Uni-tionen, die bis heute für wissenschaftliche Zeit- versität) wiedererwerben.schriften zentral sind – die Sicherung von Priorität 3. Einfluss  der  digitalen  Technologien  auf  das  Publika1-­‐durch möglichst schnelle und breite Veröffentlichung onsverhaltenvon Forschungsergebnissen und die Sicherung vonQualität, letzteres insbesondere durch sogenannte Erst mit dem Internet und der Verbreitung digitaler„Peer-Review-Verfahren“: Peers, also Kolleginnen Technologien begannen Wissenschaftler/innen, sich
  • 3. Offener  Zugang.  Open  Access,  Open  Educa+onal  Resources  und  Urheberrecht    —  3Artikel per E-Mail zuzuschicken, schnell folgten, als „Open  access  meint,  dass  [...]  Literatur  kostenfrei  unddies technisch machbar war, die ersten Preprint-Server, über die sie ihre Papiere zugänglich machten, ! öffentlich   im   Internet   zugänglich   sein   sollte,   so   dass Interessierte   die   Volltexte   lesen,   herunterladen,   ko-­‐noch bevor sie in Zeitschriften veröffentlicht wurden. pieren,   verteilen,   drucken,   in   ihnen   suchen,   auf   sieEin solches Verfügbarmachen sollte helfen, den Text verweisen  und  sie  auch  sonst  auf  jede  denkbare  legaleunter Kolleginnen und Kollegen – öffentlich – zu Weise  benutzen  können,  ohne  finanzielle,  gesetzlichediskutieren (und so die Güte beziehungsweise Qua- oder  technische  Barrieren  jenseits  von  denen,  die  mitlität des Textes zu erhöhen, eine Art „Vorläufer“ des dem   Internet-­‐Zugang   selbst   verbunden   sind.“   (Open Society  Founda+on,  2010)Open-Peer-Review) und zur Vernetzung in der Com-munity beitragen. Zudem konnten Prioritätsan-sprüche, zum Beispiel im Falle von Entdeckungen,frühzeitig kenntlich gemacht werden. Ebenfalls in Um die eigene Arbeit frei zugänglich zu machen,den Naturwissenschaften starteten die ersten elektro- lassen sich zwei Hauptstrategien des Open Accessnischen Zeitschriften, diese gehören mittlerweile aber unterscheiden: Bei dem sogenannten goldenen Wegzum Angebot fast aller Disziplinen (siehe das Di- veröffentlichen Wissenschaftler/innen direkt inrectory of Open Access Journals, http://doaj.org). In Open-Access-Zeitschriften, bei dem sogenanntenelektronischen Zeitschriften können neben Text und grünen Weg werden digitale Kopien von Artikeln,Bild zusätzliche Dateiformate (zum Beispiel Audio- die kostenpflichtig in Print- beziehungsweise Closed-und Videodateien oder Primärdaten; letztere gerade Access-Zeitschriften veröffentlicht werden, auf Do-auch mit Blick auf bessere Nachvollziehbarkeit und kumentenservern zugänglich gemacht, die zum Bei-Transparenz des Forschungsprozesses) angeboten spiel von Universitäten oder für Fächer beziehungs-werden. Einschränkungen wie die Anzahl der Druck- weise Fachgruppen betrieben werden (siehe hierzuseiten entfallen. das „Directory of Open Access Repositories“, Mit der Entwicklung des Internets und von bes- http://www.opendoar.org).serer Software (insbesondere des Open Journal Beiden Strategien gemeinsam ist aufgrund desSystem, OJS) eröffnete sich für Wissenschaftler/in- schnellen und freien Zugangs und der daraus fol-nen zudem die Option, nicht nur als Autor/in, Re- genden guten Auffindbarkeit wissenschaftlicher Ar-daktionsmitglied, Gutachter/in oder Lektor/in ihre beiten über Suchmaschinen und Nachweisdienste diein der Regel durch die öffentliche Hand finanzierte Verbesserung der Informationsversorgung und dasZeit in die Produktion von Artikeln zu investieren, Sichtbarmachen (neuer) Themen (besonders wichtigsondern die Zeitschriften selbst zu betreiben und –zum Beispiel über Mailinglisten – Kollegen und Kol- Einige  ausgewählte  Meilensteine  der  Open-­‐Access-­‐Be-­‐leginnen auf ihre Zeitschrift, neue Artikel usw. auf-merksam zu machen. Dies steht im Zeichen der De- ! wegung:   ▸ 1991  wird  arXiv  als  erster  frei  zugänglicher  Doku-­‐mokratisierung von Wissenschaft und für die zurück- mentenserver   gegründet;   er   bietet   heute   Zuganggewonnene Autonomie der Wissenschaftler/innen. zu   über   650.000   E-­‐Prints   aus   Physik,   Mathema+k, ComputerwissenschaI  usw.  (hFp://arxiv.org).4. Die  Open-­‐Access-­‐Bewegung   ▸ 2001   startet   die   erste   große   naturwissenschaI-­‐ liche   Open-­‐Access-­‐ZeitschriI   der   Public   Library   ofDa zeitgleich die sogenannte Bibliothekskrise um sich Science  (hFp://www.plos.org).  griff, das heißt dass wissenschaftliche Bibliotheken ▸ 2002   gewinnt   Open   Access   mit   der   Budapestdie Arbeiten ihrer Wissenschaftler/innen trotz sin- Open   Access   Ini+a+ve   über   die   Naturwissen-­‐kender Budgets bei teilweise horrende steigenden schaIen   hinaus   Konturen   auch   im   Sinne   einerZeitschriftenpreisen zurückkaufen mussten bezie- Wendung  gegen  den  „Digital  Divide“  hungsweise nur noch in begrenztem Umfang zurück- (hFp://www.soros.org/openaccess/).   ▸ 2003   ini+iert   die   Max-­‐Planck-­‐GesellschaI   diekaufen konnten, formierte sich eine international Berlin   Declara+on   on   Open   Access   to   Knowledgeimmer stärker werdende Open-Access-Bewegung, in in   the   Sciences   and   Humani+es,   die   auch   auf   denderen Kern die Forderung steht, dass die Ergebnisse Zugang   zum   kulturellen   Erbe   abhebt   und   der   sichöffentlich finanzierter Forschung auch öffentlich viele   wich+ge   Ins+tu+onen   und   Fördereinrich-­‐zugänglich sein müssen (Mruck et al., 2004). tungen  weltweit  anschließen. (hFp://oa.mpg.de/lang/de/berlin-­‐prozess/) ▸ 2005   startet   die   „Pe++on   for   Guaranteed   Public Access   to   Publicly-­‐funded   Research   Results“   mit erheblicher   Breitenwirkung   insbesondere   in Europa  (hFp://www.ec-­‐pe++on.eu/).  
  • 4. 4  —  Lehrbuch  für  Lernen  und  Lehren  mit  Technologien  (L3T) In der Praxis : Die Zeitschrift „Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research“ Qualita+ve   Forschungsmethoden   kommen   in   unterschied-­‐ Ar+kel   werden   in   deutsch,   englisch   oder   spanisch   begut-­‐ lichsten  Disziplinen  zum  Einsatz.  Als  1999  die  Idee  entstand, achtet  und  muFersprachlich  lektoriert,  Redak+on  und  Beirat ein  Journal  zu  gründen,  das  hilI,  qualita+ve  Forschung  trans-­‐ kommen   aus   10   Disziplinen   und   13   Ländern,   alle   ca.   1.350 disziplinär  und  interna+onal  sichtbar  zu  machen  und  Wissen-­‐ bisher   veröffentlichten   Ar+kel   sind   frei   online   zugänglich schaIler/innen  aus  aller  Welt  auf  diese  Weise  zu  vernetzen, (Mruck  &  Mey,  2008).  Eine  gerade  veröffentlichte  empirische winkten   die   Verlage   ab   –   eine   elektronische   ZeitschriI?   Die Untersuchung   zu   qualita+ver   Forschung   in   der   Psychologie WissenschaIler/innen   nahmen   dies   darauxin   selbst   in die   zeigt,   dass   FQS-­‐Veröffentlichungen   nicht   nur   maximal Hand.   Heute   ist   die   ZeitschriI   "Forum   Qualita+ve   Sozialfor-­‐ sichtbar   sind,   sondern   sich   auch   durch   eine   überdurch-­‐ schung   /   Forum:   Qualita+ve   Social   Research"   –   mit   über schniFlich  hohe  Qualität  auszeichnen  (Ilg  &  Boothe,  2010).   13.000   registrierten   Leser/innen   die   weltweit   größte   Res-­‐ source  für  qualita+ve  Forschung.   URL:  hFp://www.qualita+ve-­‐research.net/index.php/fqs    bei Randthemen; Zawacki-Richter et al., 2010). Ins- spiel in Österreich und der Schweiz haben die natio-gesamt trägt Open Access wesentlich zur Förderung nalen Fördereinrichtungen Open Access in ihreinternationaler und interdisziplinärer Zusammen- Richtlinien aufgenommen.arbeit und von Forschungseffizienz durch die rasche 5. Open  Educa1onal  Resources:  Frei  verwendbare  Lern-­‐Diskussion von Forschungsergebnissen bei. und  Lehrmaterialien   Mittlerweile beschränkt sich die Forderung nachOpen Access nicht mehr nur auf wissenschaftliche Unabhängig hiervon, aber sicher von der Open-Fachzeitschriften, sondern es geht zunehmend auch Access-Bewegung auf der einen Seite sowie auf derum Open Access zu Monografien, zu Daten und anderen Seite auch von Erfolgen der Open-Source-prinzipieller zu kulturellem Erbe (Deutsche Entwicklungen wie „Linux“ beeinflusst, hat sichUNESCO-Kommission, 2007). Mit einigem Recht Anfang des 21. Jahrhunderts eine Bewegung for-kann für einige Länder wie Großbritannien, Holland, miert, die die freie Verwendung, den Austausch undaber auch die Bundesrepublik Deutschland gesagt die Modifikation von Bildungsressourcen im Webwerden, dass Open Access wissenschaftspolitisch einfordert und unterstützt.mehr und mehr zum herrschenden Paradigma ge- Frei verwendbare Lern- und Lehrmaterialienworden ist: die Hochschulrektorenkonferenz, große werden auch in der deutschsprachigen DiskussionForschungseinrichtungen sowie Fördereinrichtungen häufig als „Open Educational Resources“ oder kurzwie die Volkswagenstiftung, die Deutsche For- „OER“ bezeichnet. Solche frei verwendbaren digi-schungsgemeinschaft (DFG) unterstützen Open talen Materialien zeichnen sich nicht nur dadurch aus,Access. Letztere treiben die Verbreitung von Infor- dass sie im Web zugänglich sind, sondern sie sollenmationen über Open Access sowie von Open- auch dezidiert frei nutzbar sein.Access-Publikationsmodellen aktiv voran, indem siedie freie Verfügbarkeit in ihre Förderrichtlinien auf- Open   Educa+onal   Resources   (OER)   sind   Materialiennehmen oder sich um ein wissenschaftsfreundlicheresUrheberrecht bemühen. Diese Bemühungen haben ! für  Lernende  und  Lehrende,  die  kostenlos  im  Web  zu-­‐ gänglich   sind,   entsprechend   zur   Verwendung   undzwischenzeitlich auch positive Resonanz bei allen auch   Modifika+on   freigegeben,   das   heißt   lizensiertBundestagsfraktionen gefunden. Und auch zum Bei- wurden.   In   einigen   Defini+onen   wird   zusätzlich   die Verwendung   von   offenen   SoIware-­‐Standards   als   Kri-­‐ terium  –  das  jedoch  häufig  nicht  erfüllt  wird  –  einge-­‐ Für  WissenschaIler/innen  bedeutet  Open  Access  eine fordert  (Geser,  2007). ! wesentliche  Selbstermäch+gung:  "Science  back  to  the Scien+sts".   Eine   wissenschaIliche   ZukunI,   in   der E-­‐Learning,   E-­‐Publishing,   E-­‐Science,   Datenaustausch Damit ist auch hier die Frage des Urheberrechts usw.   integriert   am   Bildschirm   TagesgeschäI   werden, berührt. Es gilt generell, dass die Urheberrechtsin- setzt   die   freie   Verfügbarkeit   aller   relevanten   Res-­‐ haber/innen – also die Autorinnen und Autoren von sourcen  unmiFelbar  voraus. Lern- und Lehrmaterialien – um Erlaubnis gefragt
  • 5. Offener  Zugang.  Open  Access,  Open  Educa+onal  Resources  und  Urheberrecht    —  5 In der Praxis : Umgang mit Internetressourcen in Unterricht und Lehre Das  Urheberrecht  war  ursprünglich  so  angelegt,  dass  es  Au-­‐ denen   Medien   in   der   Lehre   eingesetzt   werden,   ohne   dass torinnen  und  Autoren  erfolgreicher  Werke  eine  Finanzierung mit   Konsequenzen   zu   rechnen   ist.   Auch   gilt   hier:   „Wo   kein und   einen   Anreiz   zum   weiteren   krea+ven   Schaffen   bieten Kläger,   da   kein   Richter“:   Was   im   Klassenzimmer,   Semi-­‐ sollte   (vgl.   Steinhauer,   2010).   Dem   Recht   auf   alleinige   Her-­‐ narraum  oder  in  nicht  öffentlich  zugänglichen  virtuellen  Lern-­‐ ausgabe  der  eigenen  Werke  standen  immer  Beschränkungen räumen   passiert,   wird   kaum   ausreichend   Aufregung   und entgegen  –  beispielsweise  die  zeitliche  Begrenzung  des  Urhe-­‐ wirkliche  Probleme  erzeugen  können.   berrechts   (ursprünglich   14  Jahre)   –   die   sicherstellen   sollten, dass   private   und   öffentliche   Interessen   im   Gleichgewicht Mehr  und  mehr  finden  wir  uns  aber  in  Situa+onen  wieder,  in stehen.   Dieser   gesellschaIliche   Interessenausgleich   hat   sich denen  die  Verwendung  von  Materialien  technisch  erschwert in  den  letzten  50  Jahren  vor  allem  zugunsten  der  Rechteinha-­‐ wird  oder  man  in  rechtlich  unsicheres  Fahrwasser  gerät.  Bei-­‐ ber/innen  verändert. spielsweise   dürfen   gefundene   Lernmaterialien   (Bilder, Screenshots,  Texte)  nicht  einfach  in  eigene  Materialien  inte-­‐ Lehrende   an   einer   Schule   oder   Universität   haFen   bisher griert   und   wieder   veröffentlicht   werden.   Hier   sind   es   also   die jedoch   kaum   mit   Problemen   zu   rechnen:   Die   Nutzung   aller durch   die   neuen   Medien   und   Technologien   ermöglichten möglichen   Medienartefakte   war   normalerweise   durch Formen  der  Veröffentlichung  und  Verteilung  sowie  die  damit „Schrankenregelungen“  gedeckt,  die  explizite  Ausnahmen  für möglichen  neuen  Lern-­‐  und  Lehrformen,  die  Lehrende  –  und Zwecke   des   Unterrichts   und   Forschung   vorsahen.   In   diesem auch   Lernende   –   auf   Kollisionskurs   mit   dem   Gesetz   bringen Sinne  können  alle  im  Internet  oder  auf  legalem  Wege  erstan-­‐ können.  werden müssen, bevor die Materialien im Unterricht funktionen vieler Anwendungen (beispielsweise beiverwendet, an anderer Stellen zur Verfügung gestellt Flickr.com) auch gezielt die Recherche nach liberal li-oder sogar modifiziert werden. zenzierten Inhalten. Es liegen unterschiedliche Lizenzmodelle vor, diees ermöglichen, eindeutig zu regeln, unter welchenVoraussetzungen Bildungsressourcen oder auch Ausgewählte   Meilensteine   der   Open-­‐Educa+onal-­‐Re-­‐andere Materialien weiterverwendet werden dürfen. ! sources-­‐Bewegung  sind: ▸ 2002:  Die  UNESCO-­‐Ini+a+ve  „Free  Educa+onal  Re-­‐ Im deutschsprachigen Raum ist der Einsatz der sources“   weckt   erstmal   breites   Interesse   für   das„Creative-Commons-Lizenzen“ verbreitet. Dabei Thema.  stehen Lizenzformulierungen für viele europäische ▸ 2003:   Das   MassachuseFs   Ins+tute   of   TechnologyLänder zur Verfügung, die von Juristinnen und Ju- startet   die   Veröffentlichung   von   Kursunterlagenristen geprüft wurden, aber auch in einfacher, klarer (MIT  OpenCourseWare).   ▸ 2007:  Die  OECD  veröffentlicht  eine  Studie  zu  OER,Sprache Rechte von Autorinnen und Autoren sowie die   William   and   Flora   HewleF   Founda+on   analy-­‐Benutzerinnen und Benutzern beschreiben. siert   die   OER-­‐Bewegung   (Atkins   et   al.,   2007),   undUrheber/innen können mit diesen Creative- die  Europäische  Kommission  ko-­‐finanziert  erstmalsCommons-Lizenzen beispielsweise festlegen, ob (a) Projekte  zu  OER  (zum  Beispiel  OLCOS,  BAZAAR)  der Name des Urhebers genannt werden muss, ob (b)das Werk modifiziert werden darf oder ob (c) alle Argumente, die für die Einführung von OERWerke, die auf den Inhalten aufbauen, unter der sprechen, sind (Geser, 2007): OER ermöglichen po-gleichen Lizenz veröffentlich werden müssen (als tenziell einfacheren und kostengünstigeren Zugang„Copyleft“ bezeichnet). zu Ressourcen, die einigen Lernenden sonst nicht zu- In einigen Sammlungen von OER werden ent- gänglich wären. Auch werden Steuergelder rentablersprechende Lizenzierungen als Standard vorgegeben, eingesetzt, da Ressourcen wiederverwendet werdendas heißt Nutzer/innen müssen ihre Materialien können. Auch für Lehrende werden Möglichkeitenunter einer solchen liberalen Lizenz veröffentlichen. der effektiveren Erstellung von Materialien bezie-Zu solchen Angeboten gehören unter anderem hungsweise Gestaltung des Unterrichts als VorteileOERcommons.org, Wikieducator.org (englisch- genannt. Oft steht dabei auch die Kooperation undsprachig, für Hochschulen) oder auch das deutsch- Kollaboration von Lehrenden und Lernenden imsprachige ZUM.wiki.de mit Lehr- und Lernmate- Vordergrund, beispielsweise bei der Open Universityrialien für Schulen. Gleichzeitig ermöglichen Such- im Vereinigten Königreich (Lane, 2008). Hoch- schulen wie das Massachusetts Institute of Tech-
  • 6. 6  —  Lehrbuch  für  Lernen  und  Lehren  mit  Technologien  (L3T)nology, die OER-Strategien einführen, bringen http://www.dfg.de/download/programme/sachbeihilfe/ab-darüber beispielsweise auch offen Argumente wie die schlussberichte/2_01/2_01.pdf [2010-12-06], 21-22.Möglichkeit positiver Public Relations oder Neukun- ▸ Koch, L.; Mey, G. & Mruck, K. (2009). Erfahrungen mit Opendengewinnung an (Schaffert, 2010). Access – ausgewählte Ergebnisse aus der Befragung zum Nutzen und Nutzung von FQS. In: Information, Wissenschaft, Auf   der   Website   Wikieducator.org   werden   gemein-­‐ Praxis, 60(3), URL: http://eprints.rclis.org/16860 [2012-12-06], ? schaIlich   OER   erstellt,   die   überwiegend   um   Themen des   technologiegestützten   Lernens   kreisen.   Dort   gibt ▸ 291-299. Lane, A. (2008). Reflections on Sustaining Open Educational es  auch  ein  Tutorium  in  mehreren  Sprachen,  das  unter Resources: An Institutional Case Study. In: eLearning Papers, anderem   das   Recherchieren,   die   Erstellung   und   das 10, URL: http://www.elearningeuropa.info/files/media/me- Publizieren   von   OER   thema+siert.   Welche   Tipps   er-­‐ halten   Sie   dort?   Sind   die   Hinweise   aktuell?   Falls   Sie dia16677.pdf [2010-12-06]. wollen,  ändern  und  aktualisieren  Sie  die  Beiträge! ▸ Mruck, K. & Mey, G. (2002). Peer Review Between Printed Past and Digital Future. In: Research in Science Education,Literatur 32(2), 257-268. ▸ Mruck, K. &. Mey, G. (2008). Using the Internet for Scientific▸ Atkins, D. E.; Brown, J. S. & Hammond, A. L. (2007). A Publishing. In: Poiesis Praxis, 5, 113-123. Review of the Open Educational Resources (OER) Movement: ▸ Mruck, K.; Gradmann, S. & Mey, G. (2004). Open Access: Wis- Achievements, Challenges and New Opportunities. Report to senschaft als Öffentliches Gut. In: Forum Qualitative Sozial- The William and Flora Hewlett Foundation. URL: http://co- forschung / Forum: Qualitative Social Research, 5(2), 14, URL: hesion.rice.edu/Conferences/Hewlett/emplibrary/A http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0402141 [2010- %20Review%20of%20the%20Open%20Educational%20Re- 12-06]. sources%20%28OER%29%20Movement_BlogLink.pdf ▸ OECD (2007). Giving Knowledge for Free. The Emergence of [2010-12-06]. Open Educational Resources. Paris, URL:▸ Deutsche Forschungsgemeinschaft (2005). Publikationsstra- http://213.253.134.43/oecd/pdfs/browseit/9607041E.PDF tegien im Wandel? Ergebnisse einer Umfrage zum Publika- [2010-12-06]. tions- und Rezeptionsverhalten unter besonderer Berücksich- ▸ Open Society Foundation (2010). Budapest: Open Access In- tigung von Open Access. Weinheim: Wiley-VCH Verlag, URL: itiative, URL: http://www.soros.org/openaccess/g/read.shtml http://www.dfg.de/dfg_profil/evaluation_statistik/programm [2010-12-12]. _evaluation/studien/studie_publikationsstrategien [2010-12- ▸ Schaffert, S. (2010). Strategic Integration of Open Educational 06], 31. Resources in Higher Education. Objectives, Case Studies, and▸ Deutsche UNESCO-Kommission (Hrsg.) (2007). Open the Impact of Web 2.0 on Universities. In: U.-D. Ehlers & D. Access. Chancen und Herausforderungen. Ein Handbuch. Schneckenberg (Hrsg.), Changing Cultures in Higher Education Bonn, URL: http://open- – Moving Ahead to Future Learning. New York: Springer, 119- access.net/fileadmin/downloads/Open-Access-Handbuch.pdf 131. [2010-12-06]. ▸ Steinhauer, E. W. (2010). Das Recht auf Sichtbarkeit. Überle-▸ Geser, G. (2007). Open Educational Practices and Resources. gungen zu Open Access und Wissenschaftsfreiheit. URL: OLCOS Roadmap 2012. Salzburg: Salzburg Research, URL: http://fiz1.fh-potsdam.de/volltext/aueintrag/10497.pdf http://www.salzburgresearch.at/research/publications_de- [2010-12-06]. tail.php?pub_id=357 [2010-12-06]. ▸ Zawacki-Richter, O.; Anderson, T. & Tuncay, N. (2010) .The▸ Ilg, S. & Boothe, B. (2010). Qualitative Forschung im psycholo- Growing Impact of Open Access Distance Education Journals: gischen Feld: Was ist eine gute Publikation?. In: Forum Quali- A Bibliometric Analysis. In: The Journal of Distance Edu- tative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, cation / Revue de lÉducation à Distance, 24(3), URL: 11(2), Art. 27, URL: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114- http://auspace.athabascau.ca:8080/dspace/handle/2149/2770 fqs1002256 [2010-12-06]. [2010-12-06]..▸ Informationsplattform Open Access. URL: http://open-ac- cess.net/ [2010-12-06]; URL: