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Ausstellungsrückblick von Stefan Zajonz
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Ausstellungsrückblick von Stefan Zajonz

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Ausstellungsrückblick von Stefan Zajonz, Mitglied des Kuratoriums

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  • 1. ORIENTIERUNGSRÄUME Stefan Zajonz Nach einer knapp zweijährigen Vorbereitungszeit mit zwei kleinen experimentellen Ausstellungen ist es uns diesmal zum Besten gelungen, für die Auftaktausstellung des Kunstraums Remigius 30 internationale Künstler zusammen zu bringen. Ein fachkundiges Gremium hat die Künstler und ihre Werke sorgfältig ausgewählt, ihnen alle entsprechenden Raum- und Wandplätze zugeteilt und alle Künstler intensiv in der Aufbauzeit betreut. Was uns allen, Kuratoren und Künstlern, de facto gut gelungen ist, nämlich Kunst in historischen Räumen zu präsentieren, verdient jetzt ein Orientierung weisendes Prädikat: Gesamtkunstwerk. Mit dem Kennzeichen eines Kultur bildenden Dialogs zwischen der Kirche und der Kunst will der so entstandene Kunstraum für viele neue Orientierung sein. Orientierung - die als Widerhall des Geheimnisses der Schöpfung gelten und, als Zeiteinheit, bestehen kann. Kunstraum Remigius eröffnet facettenreich eine Sicht von der Ethik und von der Spiritualität des künstlerischen Dienstes, der, in seiner Hinwendung zum Sakralen, zum Heiligen hin, Heilsames bewirkt. Die Kunstwerke allein lassen uns etwas von der religiösen Dimension ahnen. Ihre erlebbare Gegenwart im Bild, im Klang oder im zugänglichen Material wie Eisendraht und Holz; sie bezeugen uns die Affinität des Künstlers zu dem himmlischen Weltgestalter. Sein historisches Werk hat einmal erlebbaren Anfang im ersten Buch Mose gefunden, es wird fortgesetzt in einer fundierten Kunstkritik und im Katalog. Kunst will leuchten. Sie ist ein Leuchtkasten in vielen Orientierungsräumen, ist Augenhinweis und Wegweiser auf der Kulturkarte in unsrer Lebensmitte. Räume ohne Orientierungs-Sinn, sind wie Menschen ohne Rückgrat. Kunstwerke sind „Orte des Wahrscheinlichen“. In ihnen spiegeln sich die unergründliche Wahrheit und die Tiefe der Welt wider, denn sie offenbaren uns etwas von dem Geheimnis der Schöpfung. Künstler sind Erzeuger von neuen Kunstwelten, deren Wege und die Ergebnisse davon zeitgleich spirituelle Dienste sind. In der vollen Wortbedeutung ist gerade das ihre individuelle Passion, ihr Erlittenes und Gelungenes, ihre ganze Lebenserfahrung, Inspiration und Botschaft, welche sie persönlich zur Anschauung in die Welt hineinbringen. Mit ihrem Produkt treten die Künstler direkt in den dialogischen Prinzip mit der Welt über, heute wie man es oft sehen kann radikal, unerschrocken, schrill oder zeichenhaft. In Kunsträumen erleben wir immer wieder nur einen Teil jener schöpferischen Offenbarung, die unwiderruflich so dem Weltganzen, dem kollektiven Gedächtnis, angehört. Die Kirche ist in den jahrhunderten ihrer Ausformung selbst ein großes Kunstwerk geworden, das begriffen ist, sich ständig neu zu wandeln. In diesem Wandeln liegt der Schnittpunkt von Kunst und Kirche. Und sie beide sind lebendig. Wir erleben die Liturgie wie große Kunstwerke. Anders kann man ihnen nicht begegnen. Aber der lebendige Schnittpunk an dem sich die vielen Lebenslinien wieder finden lassen, bildet einen leuchtenden Punkt, einen Stern und, ein Kreuz - als das Höchste unter den Heiligen Zeichen; eingepflanzt in den Kunststoff Erde, das göttliche Material. Johannes
  • 2. Paul II spricht in seinem tief gründenden „Brief an die Künstler“ von edlem Auftrag des Künstlers, der, indem er neues schöpft - schenkt er zugleich das eigene Sein. Wer Baumeister des eigenen Lebens werden will, wem das Meisterstück mit „sehr gut“ gelingt, dieser Mensch darf sich - ein Künstler - nennen. Wenn man Räume umgestaltet, sie neu konzipiert, lautet allem voran die Glück versprechende Devise: „Du musst dein Leben ändern“, das heißt dich verwandeln oder wandeln lassen, mit dem Werk. Und das Kunstwerk, ebenbürtig mit Liturgie - sie können eine solche at hoc Änderung verursachen. George Steiner, in seiner Analyse der Kunst, hat ähnliche Basis für die Erlebniskunst neu als Regel aufgestellt, ausgehend von einem Rilke Gedicht, er schreibt: „Begegnung mit dem Ästhetischen sei - neben bestimmter Arten religiöser und metaphysischer Erfahrung - die am heftigsten zur Wandlung auffordert“. In der Begegnung mit der Kunst ist der Zündstoff mit enthalten, vermögen dessen wir unser Leben ändern müssen. Nicht anders verhält sich die wandlungsfähige Erlebbarkeit der Kunst zur christlichen Liturgie, als durch die Begegnung mit ihr, in oder außerhalb des sakralen Raumes. Die schöpferischen Berufe lassen uns etwas davon ahnen, was Wahrheit und Schönheit, Licht und Menschen sind. Sie sind samt die elementaren Kräfte, sind Resonanzräume, und sie sind anfangs und zuletzt Orientierungsräume für ein wandlungsfähiges Kunst- Geschehen. Seine volle Bedeutung zielt nicht in erster Linie auf das Edle- und Schöne allein, als sichtbaren Ausdruck für alles Gut. Sondern auch in der Verortung von Wurzeln können wir durchaus dem Hässlichen und der Provokation begegnen, dem augenscheinlich Halbfertigen und auf sein Verfallsdatum konzipierten Werk. In einem gewollt initiierten Kunst-Raum-Vergleich wirkt einiges einladend oder nicht, dennoch niemand kann sich der kurzweiligen Aufmerksamkeit entziehen. Nicht der Raum - der Logos in den Werken ist es, der allein ändert und lässt etwas gelten, oder er verwirft. Diese Selbstregulation bleibt konstant gerecht. Eine beabsichtigte Synergie unter einander dient nur der Gestaltung und dem visuellen Konzept allein. Raum versetzt Materie in Bewegung, nichts mehr. Zwischen Konfrontation und Begegnung erkennt man das DU und ICH als Bestandteile des partnerschaftlichen Dialogs. Auch von solcher gemeinsamer Affinität sind Kirche und Kunst geprägt. Geistige Räume sind potenzielle Erlebnis-Orte des Wahrscheinlichen, sie sind geschaffene Bedeutungsräume für die Freiheit. In ihnen finden wir, die Kulturpilger, den vollen Wert und die Reichweite menschenmöglicher Kunst.