Markus Edlefsen: Was machen die eigentlich? Transparenz in der Zivilgesellschaft
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    Markus Edlefsen: Was machen die eigentlich? Transparenz in der Zivilgesellschaft Markus Edlefsen: Was machen die eigentlich? Transparenz in der Zivilgesellschaft Document Transcript

    • D 3.9Was machen die eigentlich?Transparenz in der Zivilgesellschaft Markus EdlefsenDie Problematik von Transparenz und Wirkungsmessung im zivilgesellschaftlichen Sektor ist al-lenthalben bekannt. Der nachfolgende Beitrag stellt verschiedene Ansätze vor, welche mehr Über-sichtlichkeit, Vergleichbarkeit und Transparenz anstreben. Daraus leitet sich die besondere Bedeu-tung einer adäquaten Wirkungsanalyse ab. Am Beispiel des CEval-Ansatzes, einem besonderenQualitätsstandard für Evaluationen, diskutiert der Autor Probleme und Potenziale der Wirkungs-messung und setzt diese in Beziehung zur aktuellen Transparenzdiskussion.1Gliederung Seite1. Einleitung 22. Zivilgesellschaft 33. Wirkungsanalyse 73.1 Verwendung und Nutzen 83.2 Grenzen der Wirkungsanalyse 93.3 Der CEval-Ansatz zur Wirkungsanalyse 114. Der CEval-Ansatz im Spiegel des Transparenzdiskurses 135. Weiterführende Überlegungen 14 1
    • D 3.9 Planung und SteuerungEvaluation und Qualitätsmanagement 1. Einleitung „Zivilgesellschaft“ ist ein relativ unbekannter Teil unseres Gesell- schaftssystems, obwohl sie vielfältige wichtige Funktionen erfüllt und Leistungen erbringt. Auch wenn ihre reale Bedeutung vielerorts unter- schätzt wird, ist der Begriff eher durchweg positiv besetzt. „Zivilge- sellschaft“ ist aber keineswegs per se „gut“, auch sie benötigt ethische Normen und Standards, um legitim handeln zu können.Kein Vertrauen ohne Eine grundlegende Voraussetzung für die Nachvollziehbarkeit undTransparenz Einschätzung zivilgesellschaftlicher Aktivitäten ist folglich „Transpa- renz“. Spätestens seit den medial breit aufgegriffenen Skandalen zu umstrittenen bzw. sogar unzulässigen Geschäftspraktiken bei mehre- ren deutschen zivilgesellschaftlichen Einrichtungen2 hat die in Fach- kreisen schon länger geführte Diskussion um mehr Transparenz die allgemeine Öffentlichkeit erreicht. Doch Gesetzgeber, Verwaltung und zivilgesellschaftliche Akteure selbst konnten sich bislang nicht auf kollektiv verbindliche Reglungen verständigen3.Milliardenumsätze ohne Es ist schon bemerkenswert, dass die „Zivilgesellschaft“ als riesigerÖffentlichkeit Sektor mit einem jährlichen Umsatz in dreistelliger Milliardenhöhe – und zu einem nicht unerheblichen Teil durch öffentliche Förderung finanziert4 – bislang gesetzlich nicht dazu verpflichtet ist, öffentlich Rechenschaft für sein Handeln abzulegen. Die Angelegenheiten und Themen, welcher sich zivilgesellschaftliche Organisationen und Ak- teure annehmen, liegen in deren eigenen Ermessen – gleiches gilt für die Interventionsweisen, welcher sie sich bedienen. Weder die Reprä- sentativität der gesellschaftlichen Strukturen und Bedürfnisse ist ge- währleistet noch ist sichergestellt, dass der vermeintlich selbstlose Einsatz nicht lediglich zur Durchsetzung partikularer Interessen oder der zielgerichteten Einflussnahme auf öffentliche Belange dient. In diesem Sinne ist eine transparente Offenlegungspraxis als notwen- diges demokratisches Element zu sehen, welche eine verdeckte In- strumentalisierung zivilgesellschaftlicher Strukturen verhindert und durch seine Nachvollziehbarkeit grundlegendes Vertrauen generiert.Zuwendungsgeber Doch nicht allein die zivilgesellschaftlichen Akteure tragen Verant-fordern Transparenz wortung für die kaum vorhandene Transparenz, auch von Seiten ihrer Unterstützer wurden entsprechende Forderungen nur unzureichend gestellt, ebenso wenig, wie sie Nachweise über Erfolg bzw. Wirkung ihrer Tätigkeit von den Organisationen verlangten5. Seit einiger Zeit zeichnet sich allerdings ein Umdenken ab: Es wird vermehrt Wert gelegt auf eine transparente Rechenschaftsablage.2
    • Planung und Steuerung D 3.9 Evaluation und QualitätsmanagementDie sogenannte „accountability“ bezeichnet jene Forderung von An- Accountabilityspruchsberechtigten gegenüber verantwortlichen Organisationen undAkteuren, Rechenschaft abzulegen, um die getätigten Förder-, Investi-tions- und Spendenentscheidungen zu rechtfertigen und zu legitimie-ren. Dazu ist es erforderlich, Entscheidungsstrukturen darzustellen, zuerklären wie Tätigkeiten ausgeführt und die bereitgestellten Mitteleingesetzt wurden. Ferner ist darzustellen, in welchem Maße Zieleerreicht und konkrete Wirkungen nachgewiesen werden können.Obwohl Unterstützung und Vertrauen gegenüber Organisationen, dieauf transparente Berichterstattung verzichten, mehr und mehr in Fragegestellt werden, nutzt bislang nur eine Minderheit der zivilgesell-schaftlichen Trägerorganisationen angemessene Evaluationsverfahren,um die Wirkungen ihrer Tätigkeiten nachzuweisen. Es stellt sich daherdie Frage, was zivilgesellschaftliche Akteure daran hindert, umfassendund transparent über die Wirksamkeit ihrer Tätigkeit zu berichten.Diese Frage ist somit ein wesentlicher Ankerpunkt dieses Beitrages.Davor wird in Kapitel 2 das Untersuchungsfeld definiert und in seinerfaktischen Erscheinung umrissen. Dabei wird das Transparenz-Defizitdes Sektors aufgezeigt und werden einige Gegenmaßnahmen vorgestellt.Kapitel 3 skizziert den potenzielle Nutzen und praktische Probleme derWirkungsanalytik, beispielshaft dargestellt am CEval-Ansatz. Kapitel 4setzt diesen anschließend in Bezug zu den Aspekten der Transparenz-diskussion.2. ZivilgesellschaftNach Adloff bezeichnet der Begriff „Zivilgesellschaft“ das Prinzip derVergesellschaftung und Ressourcenbereitstellung abseits der Sphärenvon Staat und Markt. Der Bereich umfasst damit die Gesamtheit alleröffentlichen Assoziationen, Vereinigungen und Zusammenkünfte,welche auf freiwilligem Zusammenhandeln der Bürger und Bürgerin-nen, unabhängig vom staatlichen Apparat oder wirtschaftlichen Profit-interessen beruhen6. Für konkrete Abgrenzungen ist eine analytischklare und eindeutige Definition jedoch schwierig, da die Grenzen zwi-schen den Sphären fließend und oft mit hybriden Organisationen be-setzt sind.Neben der organisational-institutionellen Dimension werden dem Kein „Dritter Sektor“Konzept der Zivilgesellschaft – im Gegensatz zu den mit ihr eng ver-knüpften und oft synonym verwendeten Begriffen „Nonprofit-Sektor“,„Voluntary-Sektor“ oder „Dritter Sektor“ – auch demokratietheore-tisch-normative und informelle Aspekte zugeschrieben7. Zivile Um-gangsformen, wie die Forderung nach gesellschaftlicher Demokrati-sierung und selbstorganisierter Öffentlichkeit, kultureller Freiheit undindividueller vom Bürger ausgehender reformatorischer Einflussnah-me und Selbststeuerung, fallen ebenso unter das Konzept „Zivilgesell- 3
    • D 3.9 Planung und SteuerungEvaluation und Qualitätsmanagement schaft“ wie die diversen informellen Formen von Vereinigungen und Netzwerken. Das Spektrum zivilgesellschaftlicher Aktivitäten er- streckt sich dabei von karitativen über politische zu (sozio)kulturellen bis hin zu wirtschaftlichen Interessens- und Handlungsfeldern.Keine Ein ebenfalls eng mit Zivilgesellschaft verknüpfter Begriff ist Ge-„Gemeinnützigkeit“ meinnützigkeit. Sie bezieht sich auf die Allgemeinwohlorientierung von Organisationen, stellt allerdings in erster Linie eine steuerrechtli- che Kategorie dar, welche längst nicht allen zivilgesellschaftlichen Organisationen verliehen wird. Somit ist eine verwirrende begriffliche Vielfallt rund um das Konzept Zivilgesellschaft festzustellen. Durch die einstweilige Fokussierung auf den Begriff der Zivilgesellschaft soll im Folgenden potenzieller Verwirrung aber vorgebeugt werden.Herkunft Die historischen Wurzeln der Zivilgesellschaft reichen bis in die poli- tische Philosophie der griechischen Antike zurück. Im moderneren Kontext beruft sich der Begriff auf das aus dem englischen Sprach- raum übernommene Konzept der „Civil Society“, welches der briti- sche Sozialwissenschaftler Adam Ferguson (1767) mit seinem „Essay on the History of Civil Society“ einbrachte. Die heute übliche Be- trachtung der gesellschaftlichen Ordnung in der Unterteilung der öf- fentlichen Sphären von Markt, Staat, Zivilgesellschaft und der priva- ten Sphäre der primären Netze ist angesichts dieser geschichtlichen Relationen allerdings jüngeren Datums. Vertreter der verschiedensten Denktraditionen und politischen Strömungen trugen ihren Anteil bei8, um die heute übliche Trichotomie dreier eigenständiger öffentlicher Bereiche, mit jeweils eigener Logik und Funktionsmechanismen zu differenzieren9. Die Bedeutung des dritten, zivilgesellschaftlichen Sektors wurde ins- besondere durch die Krise des Wohlfahrtsstaates in den 80er Jahren im Zuge der steigenden Relevanz nicht-staatlicher Akteure offensichtlich. Doch nicht nur sein gestiegenes volkswirtschaftliches Gewicht ist bemerkenswert, auch seine ordnungspolitische und demokratietheore- tische Bedeutung wurde im Laufe der letzten Jahrzehnte immer deut- licher. Verschiedenste soziale und politische Strömungen, angefangen bei den neuen sozialen Bewegungen bis zu den Kommunitariern, fan- den und finden im Konzept der Zivilgesellschaft einen positiv beleg- ten Bezugspunkt und Handlungsrahmen.Soziale Verantwortung Zivilgesellschaft gilt bis heute als Signalbegriff für Reformkonzepte,und gesellschaftliche welche zum einen die soziale Verantwortung und demokratischeVereinnahmung Selbstregulierung stärken, anderseits die gesellschaftliche Vereinnah- mung sowohl von Seiten des Staates als auch des Marktes bändigen. Angestoßen durch die angeführten Entwicklungen setzte sich Ende der 1980er Jahre auch die Wissenschaft verstärkt mit dem Konzept aus- einander, welches eine zentrale Rolle für diverse neue Forschungsrich- tungen, wie der Transformations-, Engagement-, Sozialkapital-, 3.Sektor- oder eben der Zivilgesellschaftsforschung übernahm.4