Nadine Lindemann_Operative und fördernde Stiftungsarbeit

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Stiftungen können ihren satzungsmäßigen Zweck durch eine operative oder fördernde Arbeitsweise verwirklichen. Dieser Artikel vergleicht sie miteinander, nennt die größten deutschen Stiftungen und gibt einen zahlenmäßigen Überblick über Kunst und Kultur als Stiftungszweck. Schließlich werden die operative Bertelsmann Stiftung und die vorrangig fördernde Liz Mohn Kultur- und Musikstiftung gegenübergestellt.

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Nadine Lindemann_Operative und fördernde Stiftungsarbeit

  1. 1. Finanzierung und Förderung F 3.6 Private KulturförderungOperative und fördernde Stiftungsarbeit Nadine LindemannStiftungen können ihren satzungsmäßigen Zweck durch eine operative oder fördernde Arbeitsweiseverwirklichen. Dieser Artikel vergleicht sie miteinander, nennt die größten deutschen Stiftungenund gibt einen zahlenmäßigen Überblick über Kunst und Kultur als Stiftungszweck. Schließlichwerden die operative Bertelsmann Stiftung und die vorrangig fördernde Liz Mohn Kultur- undMusikstiftung gegenübergestellt.Gliederung Seite1. Operative und fördernde Stiftungen 22. Die größten deutschen Stiftungen 33. Kunst und Kultur als Stiftungszweck in deutschen Stiftungen 44. Ein exemplarischer Stiftungsvergleich 54.1 Die Bertelsmann Stiftung 54.2 Die Liz Mohn Kultur- und Musikstiftung 64.3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede 75. Auswahlkriterien für Projekte im Vergleich 85.1 Auswahlkriterien der Bertelsmann Stiftung 95.2 Auswahlkriterien der Liz Mohn Kultur- und Musikstiftung 105.2.1 Auswahlkriterien für operative Projekte 105.2.2 Auswahlkriterien für Förderprojekte 116. Förderalternativen 116.1 Förderung durch Vergabe von Stipendien 116.2 Förderung durch Vergabe von Projektmitteln 126.2.1 Mittelverwendungsnachweis bei Projektförderungen 126.2.2 Zahlenmäßiger Mittelverwendungsnachweis 137. Bewertungskriterien der Projekte 157.1 Bewertungskriterien der Bertelsmann Stiftung 157.2 Bewertungskriterien der Liz Mohn Kultur- und Musikstiftung 17 1
  2. 2. F 3.6 Finanzierung und FörderungPrivate Kulturförderung 1. Operative und fördernde Stiftungen Neben der Festlegung des Stiftungszwecks sollte bei einer Stiftungs- gründung auch entschieden werden, wie dieser Stiftungszweck ver- wirklicht werden soll – durch operative oder fördernde Stiftungsarbeit. „Operativ“ bedeutet, dass selbstinitiierte Projekte verwirklicht wer- den; „fördernd“ hingegen bedeutet, dass Projekte Dritter, also von stiftungsfremden Personen oder Organisationen unterstützt werden. Hierzu zwei Beispiele:Operatives Projekt Die Bertelsmann Stiftung richtet internationale Kulturdialoge aus, um Toleranz und Verständigung zu fördern. Bei den Gesprächsforen dis- kutieren und erarbeiten Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Kultur Lösungsansätze für ein friedliches Zu- sammenleben in einer globalisierten Welt.Förderprojekt Die Liz Mohn Kultur- und Musikstiftung unterstützt den Knabenchor Gütersloh e. V. zur Förderung der regionalen Kultur- und Nachwuchs- arbeit.Operative Stiftung Eine operative Stiftung kann die Ausrichtung ihrer Projekte selbst bestimmen, ein Ziel langfristig verfolgen, Problemstellungen umfas- send bearbeiten, ihre Ressourcen sowie das Projektmanagement selbst in der Hand behalten und sich damit ein klares, eigenes Profil erarbei- ten. Eine operative Stiftung ist allerdings sehr personal- und damit kostenintensiv.Fördernde Stiftung Eine fördernde Stiftung kann mit wenigen Finanz- oder Personalkapa- zitäten arbeiten, andere Organisationen/Personen unterstützen und in ihrer Projektarbeit schnell und flexibel agieren. Eine fördernde Stif- tung hat jedoch kaum Mitbestimmungsmöglichkeiten bei der Umset- zung der geförderten Projekte. Zusätzlich ist sie stark auf die Kompe- tenzen der geförderten Partner angewiesen. In Deutschland gibt es rund 13.000 rechtsfähige Stiftungen bürgerli- chen Rechts. Laut Verzeichnis Deutscher Stiftungen1 waren im Jahr 2005 von insgesamt 6.639 Stiftungen2 über 61 % der Stiftungen (= 4.084) fördernd aktiv, rund 21 % (= 1.405) operativ tätig und über 17 % der Stiftungen (= 1.150) wirkten sowohl fördernd als auch ope- rativ. Der deutlich überwiegende Anteil der Förderstiftungen liegt haupt- sächlich in der Tatsache begründet, dass sie für die Verwirklichung ihres Stiftungszwecks kein eigenes Personal benötigen. Personalres- sourcen sind kostenintensiv, was sich kleine Stiftungen nicht leisten können. Es sind aber auch viele größere und Großstiftungen daran interessiert, ihre Mittel in Dritt-Projekte zu investieren.2
  3. 3. Finanzierung und Förderung F 3.6 Private Kulturförderung2. Die größten deutschen StiftungenName Gesamtausgaben in €VolkswagenStiftung ** 101.598.734 €Robert Bosch Stiftung GmbH * 68.686.000 €Landesstiftung Baden-Württemberg gGmbH * 62.500.000 €Bertelsmann Stiftung *** 56.727.000 €Alexander von Humboldt-Stiftung ** 53.115.600 €Deutsche Bundesstiftung Umwelt * 52.000.000 €Deutsche Stiftung Denkmalschutz * 40.361.000 €Hans-Böckler-Stiftung * 40.317.000 €Studienstiftung des deutschen Volkes e. V. * 35.600.000 €Hertie-Stiftung * 26.929.000 €ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius * 25.784.441 €Umweltstiftung WWF-Deutschland * 23.893.000 €Stiftung Deutsche Behindertenhilfe ** 22.504.619 €Stiftung CAESAR – Center of Advanced European Studies and Research – *** 20.900.000 €Dietmar-Hopp-Stiftung GmbH ** 20.000.000 € 3Stiftungszweckverwirklichung : * fördernd und operativ, ** fördernd, *** operativTab. F 3.6-1 Die 15 größten Stiftungen privaten Rechts nach Gesamtausgaben4Neun der 15 größten Stiftungen verwirklichen ihren Zweck sowohldurch fördernde als auch operative Arbeitsweise, vier Stiftungen arbei-ten ausschließlich fördernd und zwei rein operativ.Der Vorteil der fördernd-operativen Stiftungen liegt darin, die positi- Eigenschaften beiderven Eigenschaften beider Arbeitsweisen nutzen zu können. Ein Beispiel: Arbeitsweisen„Die Robert Bosch Stiftung versteht sich sowohl als operativ täti-ge Stiftung, die ihre Ziele mit Eigenprogrammen verfolgt, als auch alsfördernde Stiftung. (…) Als fördernde Stiftung stellen wir Mittel fürProjekte zur Verfügung, die entweder eine Ergänzung zu bereits vor-handenen Programmen darstellen oder diese in innovativer Weiseweiterführen, oder zur Verstärkung unserer Ziele in einzelnen The-menschwerpunkten wesentlich beitragen.“5 Zum einen ist es der Ro-bert Bosch Stiftung mit eigenen Projekten möglich, ihre Ziele langfris-tig zu verfolgen, das Wie selbst zu bestimmen, eigene Projektmana- 3
  4. 4. F 3.6 Finanzierung und FörderungPrivate Kulturförderung gementkompetenzen auszubauen und sich ein unverwechselbares Pro- fil aufzubauen. Andererseits betreibt sie Projektförderung, die die eigenen Projekte oder Schwerpunkte thematisch ergänzt, kein nen- nenswert weiteres Personal erfordert und mit der es der Stiftung mög- lich ist, schnell und flexibel auf neue Herausforderungen zu reagieren. 3. Kunst und Kultur als Stiftungszweck in deutschen Stiftungen Den Rechtsbeitrag „Die Stiftung als Instrument der Kulturförderung“ (C 2.2) finden Sie in dem Kunst und Kultur als Stiftungszweck ist laut Handbuch Kultur & Recht, Ausgabe 2005. Bundesverband Deutscher Stiftungen bei 14,4 % der rechtsfähigen Stiftungen bürgerli- chen Rechts verankert. Dies lässt jedoch kei- neswegs die Schlussfolgerung zu, dass 14,4 % der Gesamtausgaben im deutschen Stiftungswesen in den Bereich Kunst und Kultur fließen. Privatnützige Zwecke 5,60 % Andere gemeinnützige Zwecke Soziale Zwecke 15,70 % 32,70 % Umweltschutz 3,30 % Kunst und Kultur 14,40 % Wissenschaft und Bildung und Forschung Erziehung 13,30 % 14,90 %Abb. F 3.6-1 Verteilung der Hauptgruppen der Stiftungszwecke (gewichtet)64

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