Grischke: Alles versichert? Einführung in das Versicherungsrecht für Veranstalter
Upcoming SlideShare
Loading in...5
×
 

Like this? Share it with your network

Share

Grischke: Alles versichert? Einführung in das Versicherungsrecht für Veranstalter

on

  • 805 views

 

Statistics

Views

Total Views
805
Views on SlideShare
805
Embed Views
0

Actions

Likes
0
Downloads
3
Comments
0

0 Embeds 0

No embeds

Accessibility

Categories

Upload Details

Uploaded via as Adobe PDF

Usage Rights

© All Rights Reserved

Report content

Flagged as inappropriate Flag as inappropriate
Flag as inappropriate

Select your reason for flagging this presentation as inappropriate.

Cancel
  • Full Name Full Name Comment goes here.
    Are you sure you want to
    Your message goes here
    Processing…
Post Comment
Edit your comment

Grischke: Alles versichert? Einführung in das Versicherungsrecht für Veranstalter Document Transcript

  • 1. H VersicherungsrechtH1 Versicherungsrecht der VeranstalterAlles versichert?Einführung in das Versicherungsrecht für VeranstalterMatthias GrischkeRechtsanwalt und Experte für Haftpflicht- und Veranstaltungsrisiken bei deminternational tätigen Versicherungsmakler Sedgwick GmbH & Co.; Geschäftsfüh-rer der Sedgwick Consulting GmbHInhalt Seite1. Versicherungsschutz für Veranstalter oder für die Veranstaltung 22. Elemente des Versicherungsschutzes 32.1 Vertragliche Gegebenheiten rund um die Veranstaltung 32.2 Risikoerfassung 52.3 Sach- und Vermögensschäden - Personenschäden 53. Einzelne Versicherungssparten 93.1 Haftpflichtversicherung - Schadenfalltheorien 93.2 Haftpflichtversicherung - Betriebshaftpflichtversicherung 12 H 1.1 S. 1 Kultur & Recht GW 1998
  • 2. H Versicherungsrecht H1 Versicherungsrecht der Veranstalter 1. Versicherungsschutz für Veranstalter oder für die Veranstaltung Von der Kinovorführung im kommunalen Kino bis zu Großveranstaltungen von Rock-Superstars wie den Rolling Stones, Pink Floyd und anderen, stehen Veran- stalter häufig vor zahlreichen - nicht nur finanziellen - Risiken, die angepaßten Versicherungsschutz notwendig machen. Die Veranstalter sind zwar die Organisatoren, Mentoren, Kundgeber, Ideenver- wirklicher oder lediglich finanziell interessierte Personen, die Veranstaltung existiert jedoch nur deshalb, weil sie eine mehr oder weniger große Gruppe von Personen anspricht - das Publikum. Auch darf nicht verkannt werden, daß das Publikum selbst „die Veranstaltung“ sein kann, z. B. im Fasching, Karneval oder bei der Love Parade. Ebenso wie die einzelnen Veranstaltungen dem Inhalt nach sehr verschieden sein können, so sind auch die möglichen Locations, d. h. Örtlichkeiten, sehr unter- schiedlich. Clubs, Konzertsäle, Open-Air-Gelände, Kirmesplätze oder auch öf- fentliche Straßen, Plätze und Theater sind gewohnte und bekannte Plätze, auf oder in denen sich Veranstaltungen abspielen. Dies geschieht nach dem allgemei- nen Verständnis natürlich und selbstverständlich, hängt aber von sehr unter- schiedlichen vertraglichen und/oder ordnungs- und polizeirechtlichen Rechtsin- stituten ab. Da Veranstaltungen im Bereich der öffentlich-rechtlichen Struktur häufig an der längst überholten Frage festgemacht werden, ob es sich um eine E = ernste Veranstaltung oder eine U = unterhaltsame Veranstaltung handelt, hat die Versi- cherungswirtschaft diese Unterscheidung häufig ohne weiteres HinterfragenH nachvollzogen. So bieten einzelne Versicherer zwar für klassische Konzerte1.1 Versicherungsschutz an, gehen aber bei Rockveranstaltungen auf Distanz,S. 2 obwohl es sich in beiden Fällen um denselben Veranstalter handelt. Folgt hier- aus, daß ein bestimmter Interpret oder ein bestimmtes Publikum das Risiko erhöht? Auch die zeitliche Folge kann das Risiko erhöhen. Ein Musicaltheater mit täglich gleichem Spielplan, fester Zweitbesetzung der Haupt- und Nebenrollen sowie festen Technikern hinter und unter der Bühne, stellt sich anders dar als ein Tourneetheater, welches mit Licht, Ton und Bühne reist und sich jeden Tag neuen Herausforderungen stellt. Hierbei ist selbstverständlich auch die Größe der Produktion ein für die zeitliche Risikoabschätzung mitentscheidender Faktor. Kultur & Recht GW 1998
  • 3. H VersicherungsrechtH1 Versicherungsrecht der VeranstalterDas Publikum, welches die Veranstaltung besucht und hinterher mehr oder weni-ger zufrieden nach Hause, ins Hotel oder in die benachbarte Kneipe geht, zahltüber den Eintrittspreis die Absicherung der Risiken mit.Wie es für den privaten Haushalt üblich ist, eine Haftpflicht- sowie Hausrat- oderFeuerversicherung zu haben, so gilt dies auch für den Veranstalter, der seineHaftungslagen versichert. Da der Veranstalter aber auch Risiken zu beurteilenhat, die nicht aus seiner Risikosphäre stammen, wie das Risiko des Künstlers oderdes Publikums, kann davon ausgegangen werden, daß der Veranstalter nicht nursich und seine vertraglichen und deliktischen „Beziehungen“ versichert, sondernauch das seiner Vertragspartner, Erfüllungs- und Verrichtungsgehilfen gemäߧ 278 BGB bzw. 831 BGB.Üblicherweise wird in Sachen Betriebshaftpflichtversicherung (BHV) für Veran-stalter von einer Veranstalterhaftpflichtversicherung gesprochen, aber es müßtesachlogisch von einer Veranstaltungshaftpflichtversicherung ausgegangen wer-den, da es sich um Risiken handelt, die aus der Veranstaltung heraus auftreten. Soist wiederum eine Veranstaltungsausfallversicherung nicht als Veranstalteraus-fallversicherung strukturiert.Die Risikoprüfung und Risikoabsicherung hat folglich für entweder eine oder eineVielzahl von Veranstaltungen zu erfolgen und kann von der Beurteilung her nichtoder nicht stets am Veranstalter selbst festgemacht werden, sondern erfaßt dieVeranstaltung einschließlich Künstler, Publikum und zeitliche sowie örtlicheGegebenheiten insgesamt.2. Elemente des Versicherungsschutzes H 1.12.1 Vertragliche Gegebenheiten rund um die Veranstaltung S. 3Versicherungsschutz ist im wesentlichen abhängig von den vertraglichen Gege-benheiten, die der Veranstalter rund um die Veranstaltung herum abschließt. Diesbedingt, daß die Elemente des Versicherungsschutzes auf die vertraglichenBeziehungen des Veranstalters rund um die Veranstaltung auszurichten sind.So ist es denkbar, daß der Veranstalter die Veranstaltung so strukturiert, daß Ver-sicherungsschutz nicht von ihm abzuschließen ist, da, die Risiken vertraglich aufandere, z. B. den Hallenvermieter, verlagert sind. Die Realität stellt sich indesvollständig anders dar. Regelmäßig werden alle Risiken zu Lasten des Veranstal-ters bzw. zu Lasten der Veranstaltung dergestalt geregelt, daß Versicherungs-schutz durch den Veranstalter abzuschließen ist. Kultur & Recht GW 1998
  • 4. H Versicherungsrecht H1 Versicherungsrecht der Veranstalter Haftungsfreistellung von Hallenvermietern sind hier ebenfalls zu berücksichtigen, wie vertragliche Ansprüche der Künstler gegenüber dem Veranstalter. Nicht zu verkennen ist auch, daß z. B. Musikinstrumente oder elektronisches Equipment ebenfalls vom Veranstalter zu versichern sein können. Hier bedarf es der genauen Prüfung der vertraglichen Vereinbarungen, um sicherzustellen, daß Doppelversi- cherungen bzw. Nicht- oder Unterversicherungen nicht zu Problemen im Scha- denfall führen. Zu berücksichtigen ist aber auch, daß die vertraglichen Gegebenheiten nicht stets einheitlich, sondern von Fall zu Fall, insbesondere unter Bezugnahme von allgemeinen Geschäftsbedingungen zu prüfen, und der Versicherungsschutz entsprechend anzupassen ist. Die Art und Weise, wie Versicherungsschutz vereinbart wird, ist Aufgabe des Versicherers, des Versicherungsagenten bzw. des involvierten Versicherungsmaklers. Fraglich ist häufig, ob maßgeschnei- derte Konzepte sachgerecht sind oder ob „der weite Mantel des Versicherungs- schutzes“ über alles gestülpt wird und einen weitgehenden Versicherungsschutz sicherstellt. Die Praxis zeigt, daß ein durchlaufender Versicherungsschutz im Wege von Jah- resverträgen mit einem angepaßten weiten Mantel häufig interessengerechter ist als Einzelfallösungen, in denen jeweils im Einzelfall, abgestimmt auf die jeweili- ge Veranstaltung, Versicherungsschutz vereinbart wird. Ferner zeigt die Praxis, daß eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit einem Versicherer bzw. Versiche- rungsagenten oder Versicherungsmakler eine Vertrauensbasis schafft, die dazu führt, daß Veranstalter mit festen Grundprämien das Budget erstellen und in Kenntnis gewisser Selbstbeteiligungen eine vernünftige Berechnung der finan- ziellen Risiken machen können.H Hierbei darf nicht verkannt werden, daß insbesondere, wenn ausländische Künstler über eine längere Zeit verpflichtet werden, Krankenversicherung und1.1 auch andere allgemeine Versicherungen eine erhebliche Rolle spielen, die gege-S. 4 benenfalls vom Künstler selbst abzuschließen sind. Außerdem sind sich die Ver- anstalter häufig nicht im klaren, welche finanzielle Belastungen auf sie zukom- men, wenn ausländische Künstler unter Vertrag genommen werden und in Deutschland auftreten. Diese Problematik wird in den folgenden Beiträgen zur Künstlerversicherung näher ausgeführt werden. Kultur & Recht GW 1998