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Dr. Patrick S. Föhl: Kulturregionen in Deutschland
 

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    Dr. Patrick S. Föhl: Kulturregionen in Deutschland Dr. Patrick S. Föhl: Kulturregionen in Deutschland Document Transcript

    • B 2.11Kulturregionen in DeutschlandEine bundesweite Übersicht zu Zielen, Aufgaben undOrganisationsformen Dr. Patrick S. FöhlIn den vergangenen dreißig Jahren hat sich eine Vielzahl von regionalen Kooperationen im deut-schen Kulturbereich entwickelt. Im Mittelpunkt stand dabei ganz wesentlich – vor allem ab Endeder 1970er bis in die frühen 1990er Jahre – die Gründung von Kulturregionen. Dieser Ansatz regi-onaler Kulturentwicklung wird im Folgenden näher betrachtet und hinsichtlich seiner Stärken undHerausforderungen reflektiert. Anhand einer einheitlich strukturierten Übersicht werden alle derzei-tigen wesentlichen Kulturregionen in Kurzportraits charakterisiert.Gliederung Seite1. Regionale Kulturentwicklung in Deutschland 21.1 Die Region im Fokus 21.2 Verschiedene Regionalisierungsansätze 41.3 Regionale Bezüge des Themas Kultur 52. Regionale Kooperationen im Kulturbereich 52.1 Merkmale und Formen 52.2 Kulturregionen als spezifische Form: Verortung und Orientierung 83. Kulturregionen im Portrait 94. Zusammenfassender Vergleich 235. Herausforderungen und Potenziale 24 1
    • B 2.11 Kultur und PolitikWirtschaft, Gesellschaft und Politik 1. Regionale Kulturentwicklung in DeutschlandBedeutungsgewinn Armin Klein hat bereits 1993 auf die Renaissance der „Region“ undregionaler Zusammen- die Zunahme sowie Sinnhaftigkeit von regionaler Zusammenarbeit imarbeit im Kulturbereich Kulturbereich hingewiesen.1 Einerseits hat die Region als Identifikati- ons- und Wirtschaftsraum im Rahmen der Europäisierung und Globa- lisierung an Bedeutung gewonnen. Andererseits hat auch die regionale Zusammenarbeit stark zugenommen, um gemeinsame Herausforde- rungen besser bewältigen und im interregionalen Wettbewerb besser bestehen zu können.2 Es wird in diesem Zusammenhang bereits kons- tatiert, dass „Kooperation [...] zum Schlüsselbegriff regionaler Innova- tionsfähigkeit avanciert [ist].“3Zunahme von In den vergangenen dreißig Jahren sind eine Vielzahl von regionalenKooperationen Kultur-Kooperationen4 entstanden und durchgeführt worden.5 Im Mit- telpunkt stand dabei ganz wesentlich – vor allem ab Ende der 1970er bis in die frühen 1990er Jahre – die Gründung von Kulturregionen. Um diese Entwicklungen nachvollziehen zu können, ist zunächst der Begriff der Region und ihr Bedeutungsgewinn näher zu betrachten. 1.1 Die Region im FokusZum Begriff der Im Handwörterbuch der Raumordnung wird die „Region“ folgender-Region und ihres maßen beschrieben:Bedeutungsgewinns „Allgemein versteht man unter einer Region einen durch bestimm- te Merkmale abgrenzbaren, zusammenhängenden Teilraum mittle- rer Größenordnung in einem Gesamtraum. In der Alltagssprache wird der Begriff ‚Region’ oder das Attribut ‚regional’ meist dann verwendet, wenn Gegebenheiten oder Vorgänge bezeichnet werden sollen, die mehr als den örtlichen Zusammenhang betreffen, aber unterhalb der staatlichen Ebene angesiedelt sind.“6Regionstypen Ergänzende Beschreibungen stellen unter anderem die folgenden vier Klassifizierungen zur Unterscheidung verschiedener Regionstypen dar:7 • „Region als Wirtschaftsraum“: z.B. traditionelle Wirtschaftsräume wie das Ruhrgebiet oder Verbindungen grenzenübergreifender Wirtschaftszentren einzelner Länder wie die Hanse (Schleswig- Holstein, Baltikum, südliches Schweden und nördliches Polen). • „Region als politischer Begriff mit oder ohne rechtlichen Charak- ter“: unter anderem Regionen mit Autonomiebestrebungen oder Gebiete mit grenzüberschreitender Zusammenarbeit.2
    • Kultur und Politik B 2.11 Wirtschaft, Gesellschaft und Politik• „Region als verwaltungsrechtliche und verwaltungsorganisatorische Gliederung“: hierzu zählen unter anderem Mittel-Behörden zwi- schen Kommune und Land (Landschaftsverbände, Bezirke) oder Umlandverbände und Regionalämter).• „Region als Kulturraum“: z.B. Gegenden mit gemeinsamer Ge- schichte, Sprache und Tradition sowie Räume mit spezifischen Mentalitäten und Lebensformen. Die einer spezifischen Kultur verpflichtete Region als Kulturraum ist häufig Grundlage der ande- ren Regionenverständnisse.In Bezug auf die Region wird fortführend festgestellt: Potenziale der Region „’Region’ – wie auch immer definiert – wird zu einer zunehmend wichtigen Arena der Politik, und in vielen Regionen ist in den letz- ten Jahren ein Qualitätssprung in den regionalen Kooperationsbe- ziehungen zu verzeichnen.“8Nun stellt sich die Frage, warum in diesem Raum so viele Potenzialevermutet werden, die ihn z.B. besonders förderungswürdig machenund die die zahlreichen regionalen Entwicklungsansätze erklären. Mitdieser Frage wird – wie dargestellt – keine wirklich neue Diskussionangeschnitten, sondern eine Entwicklung benannt, die sich intensivseit den 1980er Jahren vollzieht. Die „Wiederentdeckung“ der Regionist ein europäisches Phänomen, das sich spätestens seit der Gemein-schaftscharta der Regionalisierung des Europäischen Parlaments(1988) manifestiert hat und sich in unterschiedlichen fachlichen, dis-ziplinären und praxeologischen Zusammenhängen spiegelt.Es existieren Auslöser und Dimensionen, die den Bedeutungsgewinn Regionalisierungs-der Region bzw. die „Regionalisierungsbewegung“ folgendermaßen bewegungzusammenfassen:9• „Dimension Politik und Planung“: Unter anderem Berücksichti- gung neuer Themen und Akteure in Räumen, die den tatsächlichen funktionalen Verflechtungen entsprechen und weniger denen von öffentlichen Gebietskörperschaften.• „Dimension Ökonomie“: Unter anderem Regionalisierung als Ant- wort auf die Globalisierung; effizienter – also kooperativer – Ein- satz knapper werdender finanzieller Mittel.• „Dimension Kultur“: Besonderheiten der regionalen Kultur als identitätsstiftender Faktor („Heimat“); Denken in regionalen Zu- sammenhängen als Widerstand gegen die Globalisierung; zuneh- mende „Regionalisierung der Lebensweisen“; regionale Kultur als brauchbares Vermarktungsinstrument z.B. im Tourismus. 3
    • B 2.11 Kultur und PolitikWirtschaft, Gesellschaft und Politik„Regionalisierung“ Die „Regionalisierung“ weist folglich ein breites Bündel an Auslösern und Intentionen auf, die nicht selten eng miteinander verwoben sind. So reichen die Diskussionen von der Rolle „regionaler Kultur“ als Bindungsmittel an eine Region über die Aktivierung eben dieser Kul- tur zur Anziehung von Touristen in eine Region sowie als Imagefaktor für Wirtschaft und Politik bis hin zur Gestaltung partizipativer Prozesse. 1.2 Verschiedene RegionalisierungsansätzeVier Dimensionen der Insgesamt können die „Regionalisierungsansätze“ auf vier wesentlicheRegionalisierung Dimensionen zusammengefasst werden: • „Regionalentwicklung auf der Basis endogener Potenziale“: Nutz- barmachung der endogenen, also in einer Region vorhandenen na- türlichen und anthropogenen Potenziale. Sie sollen als Basis der wirtschaftlichen, aber auch der sozialen und kulturellen Entwick- lung von Regionen dienen (unter anderem Lokalisierung entwick- lungsfähiger Potenziale und Förderung der gezielten Entwicklung). • „Formale Erneuerung der Regionalpolitik“: Formale Erneuerung der für die Regionalentwicklung relevanten Bereiche von Politik und Verwaltung. Es entstehen neue bzw. veränderte Formen „regi- onaler Institutionen“, die Zuständigkeiten für die Gestaltung regio- naler Entwicklungsprozesse übernehmen. • „Partizipative Regionalentwicklung“: Förderung einer partizipati- ven Ausgestaltung der Regionalentwicklung – im Sinne von Regi- onal Governance – und der Entwicklung dazu geeigneter Instru- mente. Eine entsprechende Partizipation soll die Zustimmung der Bevölkerung und wichtiger Organisationen (z.B. Heimatvereine) zu bestimmten Entwicklungsmaßnahmen sicherstellen und die Identifizierung der Bevölkerung mit „ihrer Region“ fördern, garan- tieren oder Grundlagen dafür schaffen. • „Regionale Kooperation als Motor der Regionalentwicklung“: Zur Bewältigung der zunehmend komplexen Herausforderungen wird ein gewachsener Bedarf an systematischen Kooperationen von ver- schiedenen Akteuren im regionalen Verbund bzw. in regionalen Kontexten festgestellt (effizienter/kooperativer Ressourceneinsatz, Ideenaustausch etc.). Vor allem im „Wettbewerb der Regionen“ wird verstärkt auf die Kooperation regionaler Akteure gesetzt. Auch bei diesen Ansätzen und Systematisierungsversuchen ist evident, dass sich diese kontextuell aufeinander beziehen bzw. sich teilweise gegenseitig bedingen. Diese Beobachtung unterstreicht wiederholt die Komplexität einer integrierten, strategischen Regionalentwicklung.4