Darren Grundorf: Was tut der Bund für die Kulturwirtschaft?
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Darren Grundorf: Was tut der Bund für die Kulturwirtschaft? Document Transcript

  • 1. Kultur und Politik B 2.4 Wirtschaft, Gesellschaft und PolitikWas tut der Bundfür die Kulturwirtschaft?Beschlüsse und Handlungsempfehlungenzur Förderung des „kreativen Sektors“ Darren GrundorfDas Thema Kulturwirtschaft wurde in der Bundesrepublik bislang maßgeblich von den Bundeslän-dern, von Vereinen und Verbänden vorangetrieben. Der Bund hat sich lange Zeit nur am Randeseiner Kultur- und Wirtschaftspolitik mit der Materie befasst. Erst seitdem das Thema auch interna-tional einen immer höheren Stellenwert genießt, hat auch der Bund seine Bemühungen intensiviert.Das Jahr 2007 hat hierfür die entscheidenden Impulse geliefert. Die bundespolitischen Debattenund der Bericht der Enquete-Kommission zur Kulturwirtschaft haben gezeigt, was zukünftig diezentralen Fragen der deutschen Kulturwirtschaftspolitik sein werden.Gliederung Seite1. Kulturwirtschaftspolitik 21.1 Kulturwirtschaft zwischen Länder- und EU-Ebene 21.2 Kulturwirtschaft auf Bundesebene 42. Beschlüsse und Handlungsempfehlungen 62.1 Kulturwirtschaft im Bundestag 62.1.1 Definition und Abgrenzung 72.1.2 Koordination und Zuständigkeiten im Bund 92.1.3 Förderung durch den Bund 92.1.4 Beschluss zur Kulturwirtschaft 112.2 Kulturwirtschaft in der Enquete-Kommission 122.2.1 Begriffsneufassung: Kultur- und Kreativwirtschaft 122.2.2 Kulturelle Wertschöpfungskette und Drei-Sektoren-Modell 132.2.3 Förderinstrumente 153. Perspektiven der Kulturwirtschaft 173.1 Initiative und Fachreferat „Kulturwirtschaft“ 173.2 Bedeutung der Entwicklungen 173.3 Ausblick 19 1
  • 2. B 2.4 Kultur und PolitikWirtschaft, Gesellschaft und Politik 1. Kulturwirtschaftspolitik „Die Bundesregierung stärkt die Kulturwirtschaft“ vermeldete der Beauftragte für Kultur und Medien, Staatsminister Bernd Neumann, im Februar 2007 während eines informellen Treffens der EU-Kultur- und Medienminister. Damit machte er zur Staatsangelegenheit, was in Deutschland bislang nur die Bundesländer betrieben: Die Anerken- nung von Kunst und Kultur nicht nur als wichtiger Gesellschaftsbe- standteil sondern auch als bedeutender Wirtschaftsfaktor. Der Deut- sche Bundestag hat sich im April und im Oktober des Jahres mit dem Thema Kulturwirtschaft befasst. Maßgeblich beteiligt an der Debatte waren die Regierungsfraktionen aus CDU, CSU und SPD, die Frakti- onen von Bündnis 90/Die Grünen und FDP sowie die Enquete- Kommission „Kultur in Deutschland“. Ihr gemeinsames Ziel: Kultur- wirtschaft soll zukünftig ein fester Bestandteil des bundespolitischen Aufgaben- und Aktionsfeldes werden. Der Bund soll ihre Bedeutung stärken und ihre Förderung intensivieren. 1.1 Kulturwirtschaft zwischen Länder- und EU-EbeneKulturwirtschafts- Der Kulturwirtschaft waren bislang weder bundespolitische Zustän-berichte der Länder digkeiten zugeordnet, noch lag sie seit der Begriffsentstehung und seiner Verbreitung im unmittelbaren Fokus ihrer Bemühungen. Für die Aufnahme einer kulturwirtschaftlichen Förderpolitik ist der Bund vor allem auf die Branchen-Modelle und Kulturwirtschaftsberichte der Bundesländer angewiesen. Jedoch gibt der kulturwirtschaftliche Sek- tor auf Länderebene ein ziemlich uneinheitliches Bild ab. Nicht alle Bundesländer haben bislang Kulturwirtschaftsberichte erstellt bzw. die Förderung der Branche auf ihrer kultur- und wirtschaftspolitischen Agenda. Ihre Definitionen sind vielfältig und stark abweichend von- einander und ihre empirische Erfassung gestaltet sich aufgrund unzu- reichender Datenquellen und einem Mix aus amtlichen und nicht- amtlichen Statistiken schwierig. Dennoch steht fest, dass sich in Deutschland in den vergangenen Jah- ren ein wirtschaftlich bedeutender Markt um die Kulturwirtschaft gebildet hat. Der Umsatz und die Beschäftigungszahlen stiegen über viele Jahre. 2004 erzielte die Kulturwirtschaft mit ihren Teilbereichen Musik-, Film-, Rundfunk- und Fernsehwirtschaft, Kunst- und Ver- lagswesen, den darstellenden Kunstbranchen sowie der Architektur und der Designwirtschaft mit einem Anteil von 1,6 Prozent am Brutto- inlandsprodukt eine Bruttowertschöpfung von ca. 36 Milliarden Euro und lag damit im Branchenvergleich vor dem Energie-Sektor und der Landwirtschaft. Die Branchen Werbung, Computerspiel- und Soft- ware-Industrie mit einbezogen, erhöht sich die Bruttowertschöpfung in Deutschland sogar auf 58 Milliarden Euro, was 2,6 Prozent des Bruttoinlandproduktes ausmacht.2
  • 3. Kultur und Politik B 2.4 Wirtschaft, Gesellschaft und Politik Wenig beachtetes Wirtschaftspotential Aus den bereits vorhandenen Kulturwirtschaftsberichten der Bundes- länder hat das Bonner Zentrum für Kulturforschung folgende für die Kulturwirtschaft charakteristischen Erkenntnisse gezogen1: • eine im Vergleich zu anderen Wirtschaftsfaktoren erstaunliche Dy- namik privater Kultur- und Medienaktivitäten, • geringe Betriebsgrößen und eine entscheidende Rolle selbststän- diger Kreativer in komplexen Märkten, • eine wichtige Rolle der Kulturwirtschaft als Arbeitsmarktfaktor, • eine in den meisten Branchen und Betrieben vergleichsweise ge- ringe Kapitalintensität, • intensive Verbindungen mit dem öffentlichen und gemeinnützig getragenem Kulturbereich, • eine große Offenheit der meisten Akteure für die Integration neuer Technologien, • zunehmend europäisch-grenzüberschreitende Kooperationsbezie- hungen in vielen Branchen.Gerade die kulturpolitischen und kulturwirtschaftlichen Vereine undVerbände haben in den letzten Jahren in ihren Publikationen, Tagun-gen und Kongressen die öffentliche Debatte über die Bedeutung unddie Perspektiven der Kulturwirtschaft angeführt. Der Stellenwert derKulturwirtschaft im wirtschaftspolitischen Bewusstsein hat sich den-noch nur mühsam vergrößert. Noch 2005 war im „Jahresbericht Kul-turwirtschaft“ des Büro für Kulturpolitik und Kulturwirtschaft zu le-sen: „Die Kulturwirtschaft ist in Deutschland ein noch wenig beachte-ter Wirtschaftszweig, dessen wirtschafts- und arbeitsmarktpolitischeBedeutung weitgehend unterschätzt wird.“Internationale ErfolgsmodelleInternational gelten „Kultur- und Kreativwirtschaft“ bzw. die „Crea- Creative Industries The Economytive Industries“ längst als eigenständige Wirtschaftsbereiche. Der Beg- of Culture in Europeriff „Creative Industries“ ist angloamerikanischen Ursprungs und be-schreibt branchenspezifische Produkte und Dienstleistungen, derenAusgangspunkt der Faktor „Kreativität“ ist. Künstlerische, kulturelleIdeen und populäre Produkte verbinden sich hier neu mit technologi-scher, innovativer und wissenschaftlicher Kreativität.2 Im Gegensatzzum Begriff „Kulturwirtschaft“, wie er in Deutschland gebräuchlichist, zählen zum Kreativkomplex der „Creative Industries“ auch diemarktwirtschaftlichen Bereiche wie Werbung, Multimedia, die Soft-ware- und Computerspiel-Industrie. Großbritannien beschäftigt eineigenes Ministerium für die „Creative Industries“, Frankreich fördert 3
  • 4. B 2.4 Kultur und PolitikWirtschaft, Gesellschaft und Politik sie mit speziellen Rahmenprogrammen und die von der europäischen Kommission in Auftrag gegebene Studie „The Economy of Culture in Europe“ hat gezeigt, dass die Kultur- und Kreativwirtschaft zu den erfolgreichsten europäischen Wirtschaftsfeldern der vergangenen Jah- re gehört. Der Jahresumsatz des kulturellen und kreativen Sektors in der Europäischen Union lag im Jahr 2003 bei über 654 Milliarden Euro. Sein Beitrag am Bruttoinlandsprodukt der EU bei 2,6 Prozent.Kulturelle In der internationalen Diskussion hat zudem das Konzept der „kultu-Wertschöpfungskette rellen Wertschöpfungskette“ in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Diese beschreibt den Weg vom • kreativen Akt • über die Produktion, • die Weiterverarbeitung, • den Vertrieb • bis zur Aufnahme durch das Publikum. Bei der Betrachtung von Wertschöpfungsketten lassen sich einzelne Prozessabschnitte identifizieren, die eine differenzierte Analyse der Beziehungen zwischen allen Akteuren sowie detaillierte Erkenntnisse über den Entstehungs- und Verwertungsprozess von kulturellen Gütern und über einzelne Schritte dieses Prozesses ermöglichen. 1.2 Kulturwirtschaft auf BundesebeneStellenwert der Der Bund ist gesetzlich verantwortlich für die RahmenbedingungenBundeskulturpolitik von Kunst und Kultur, für den Aufbau und die Förderung gesamtstaat- lich bedeutsamer kultureller Einrichtungen und für die Bewahrung und den Schutz des kulturellen Erbes. Die Hauptkompetenz für kultu- relle Angelegenheiten ist zwar in der Länderhoheit geregelt, seit 1998 genießt sie aber auch auf Bundesebene gleich in mehrfacher Hinsicht einen höheren Stellenwert. Die rot-grüne Regierung berief mit Dr. Michael Naumann erstmals einen Beauftragten für Kultur und Medien als Staatsminister an das Bundeskanzleramt. Zeitgleich installierte der deutsche Bundestag erstmals wieder einen Ausschuss für Kultur und Medien.Enquete-Kommission Von großer Wichtigkeit war zudem die Einrichtung der Enquete-„Kultur in Deutschland“ Kommission „Kultur in Deutschland“ durch den deutschen Bundestag im Jahr 2003. Seit 1969 können diese überfraktionellen, beratenden Arbeitsgruppen vom Bundestag „zur Vorbereitung von Entscheidun- gen über umfangreiche und bedeutsame Sachkomplexe“ (§ 56 Abs. 1 Satz 1 GO-BT) eingesetzt werden. In den vergangenen elf Legislatur- perioden wurden insgesamt 33 dieser Kommissionen gebildet. Ihre Arbeitsschwerpunkte wie „Frau und Gesellschaft“ (1972 – 1980),4