• Share
  • Email
  • Embed
  • Like
  • Save
  • Private Content
Birgit Walter: Ökonomische Rechtfertigung öffentlicher Kulturförderung
 

Birgit Walter: Ökonomische Rechtfertigung öffentlicher Kulturförderung

on

  • 613 views

Bei diesen Seiten handelt es sich um eine Leseprobe des Werkes 'Kulturmanagement & Kulturpolitik'. Um den Beitrag vollständig zu lesen, melden Sie sich bitte auf www.kulturmanagement-portal.de an. ...

Bei diesen Seiten handelt es sich um eine Leseprobe des Werkes 'Kulturmanagement & Kulturpolitik'. Um den Beitrag vollständig zu lesen, melden Sie sich bitte auf www.kulturmanagement-portal.de an. Hier können Sie gegen eine Jahresnutzungsgebühr alle Beiträge des Handbuches einsehen und herunterladen! Viel Spaß beim Stöbern!

PS: Auf www.kulturmanagement-portal.de finden Sie auch komplette Beiträge zum kostenlosen Download.

Statistics

Views

Total Views
613
Views on SlideShare
613
Embed Views
0

Actions

Likes
0
Downloads
7
Comments
0

0 Embeds 0

No embeds

Accessibility

Categories

Upload Details

Uploaded via as Adobe PDF

Usage Rights

© All Rights Reserved

Report content

Flagged as inappropriate Flag as inappropriate
Flag as inappropriate

Select your reason for flagging this presentation as inappropriate.

Cancel
  • Full Name Full Name Comment goes here.
    Are you sure you want to
    Your message goes here
    Processing…
Post Comment
Edit your comment

    Birgit Walter: Ökonomische Rechtfertigung öffentlicher Kulturförderung Birgit Walter: Ökonomische Rechtfertigung öffentlicher Kulturförderung Document Transcript

    • B 2.13Ökonomische Rechtfertigung öffentlicherKulturförderungKultursubventionen als staatliche Intervention bei Marktversagen Birgit WalterKultursubventionen stehen in Zeiten knapper öffentlicher Mittel immer wieder zur Diskussion:„Subventionen verfälschen doch nur den Markt“ – „Was wirklich gewollt ist, findet auch alleineeinen Markt“ – so die gängigen Statements. Aber die Begriffe „Subvention“ und „Markt“ sind keineGegner, sondern Partner, denn Subventionen sind ein Standardinstrument der klassischen Markt-theorie. Insofern sind Kultursubventionen ökonomisch rechtfertigbar, was hier im Folgenden dar-gestellt werden soll.Gliederung Seite1. Einleitung 22. Externe Effekte 52.1 Argument I: Kultur als Standortfaktor 62.2 Argument II: Nationales Prestige 72.3 Argument III: Nationale Identität 82.4 Argument IV: Interpersoneller Austausch 93. Kollektivgüter 103.1 Argument V: Öffentlich zugängliche Kulturgüter 133.2 Argument VI: Intertemporalität 133.3 Argument VII: Optionsnutzen 144. Informationsmängel 144.1 Argument VIII: Nutzenunkenntnis 154.2 Argument IX: Unsicherheit 175. Unteilbarkeiten 185.1 Argument X: Institutionskosten als Fixkosten 196. Zusammenfassung und Ausblick 19 1
    • B 2.13 Kultur und PolitikWirtschaft, Gesellschaft und Politik 1. EinleitungGesellschaftlicher Ausgangspunkt aller Diskussion um die ökonomische RechtfertigungWohlstand durch die von Kultursubventionen ist zunächst einmal Adam Smith, Gründerva-„unsichtbare Hand“ ter der Volkswirtschaftslehre. In seinem berühmten Werk „The Wealthdes Adam Smith of Nations“ aus dem Jahre 1776 stellt er eine auf den ersten Blick ver- wunderliche These auf: „Nicht vom Wohlwollen des Metzgers, Brauers oder Bäckers erwarten wir das, was wir zum Essen brauchen, sondern davon, dass sie ihre eigenen Interessen wahrnehmen.“1 „Jeder einzelne wird sich darum bemühen, sein Kapital so anzulegen, dass es den höchsten Wert erzielt. Im Allgemeinen wird er weder im Sinn haben, das öffentliche Wohl zu fördern, noch wird er wissen, inwieweit er es fördert. Er interessiert sich lediglich für seine eigene Sicherheit und seinen eigenen Gewinn. Und dabei wird er von einer unsichtbaren Hand geleitet, ein Ziel zu verfolgen, das keineswegs in seiner Absicht lag. Indem er seinen eigenen Interessen dient, fördert er das Wohl der Allgemeinheit oft auf weit wirksamere Weise, als hätte es in seiner wahren Absicht gelegen, das Gemeinwohl zu fördern.“2Zusammenhang Nach Adam Smith besteht also zwischen Eigeninteresse und gesell-zwischen Eigeninteresse schaftlichem Wohlstand nicht nur kein Widerspruch, wie man ja durch-und gesellschaftlichem aus intuitiv hätte vermuten können, sondern sogar ein kausaler Zu-Wohlstand sammenhang: die Verfolgung der eigenen Interessen ist der Garant für das Erreichen des gesellschaftlichen Wohlstands. Wie kann das sein? Der Grund besteht darin, dass Markt Tausch ist. Allerdings geht es bei jeder einzelnen dieser Tauschtransaktionen darum, dass jeder Markt- teilnehmer einen für ihn vorteilhaften Tausch durchführt. Ein Konsument wird nur dann ein Gut auf dem Markt erwerben, wenn der Preis, den er maximal für das Gut zu zahlen bereit wäre, höher ist als der Preis, den er tatsächlich am Markt zahlen muss, wenn also seine Zahlungsbereitschaft höher ist als der Marktpreis. Durch einen solchen Tausch bewirkt er eine Verbesserung seiner Situation, die sich durch die Differenz zwischen der Zahlungsbereitschaft und dem Marktpreis messen lässt, die so genannte Konsumentenrente. Der Pro- duzent wird spiegelbildlich hierzu nur dann ein Gut auf dem Markt verkaufen, wenn der Marktpreis höher ist als die Kosten der Herstel- lung des Guts. Auch er bewirkt durch diesen Tausch eine Verbesse- rung seiner Situation, und zwar in Höhe der Differenz zwischen Marktpreis und Herstellungskosten, die so genannte Produzentenrente. Somit erhöht jede einzelne dieser vorteilhaften Tauschtransaktionen das Gemeinwohl um die Summe aus Konsumenten- und Produzenten- rente.2
    • Kultur und Politik B 2.13 Wirtschaft, Gesellschaft und PolitikSo lange nun auf dem Markt noch für zwei Tauschpartner vorteilhafteTauschtransaktionen möglich sind, werden die Marktteilnehmer diesedurchführen, ohne dazu von irgendeiner übergeordneten Stelle an-gehalten werden zu müssen, da es sich dabei ja um die Verfolgungihrer ureigenen Interessen handelt. Nach Abschluss aller beidseitigvorteilhaften Tauschtransaktionen wird sich der Markt in einem Zu-stand befinden, in dem kein Tausch mehr möglich ist, durch den sichbeide Tauschparteien besser stellen. Es sind höchstens noch Tausch-transaktionen möglich, bei denen sich eine der beiden Parteien aufKosten der anderen besser stellt. Aber ein solcher Tausch wird nichtzustande kommen, da sich ja keiner der Marktteilnehmer freiwilligschlechter stellt. Damit hat der Markt ganz ohne Eingriff von außeneinen Zustand erreicht, der in der Wohlfahrtstheorie bereits einemOptimum entspricht, nämlich dem nach Vilfredo Pareto (1848–1923)benannten Pareto-Optimum, das wie folgt definiert ist: Eine Allokati-on – also die Zuweisung von Gütern und Faktoren auf Personen undProduktionsprozesse – ist dann (Pareto-)optimal, wenn es nicht mög-lich ist, durch eine Reallokation von Gütern und Produktionsfaktorenden Nutzen eines Wirtschaftssubjekts zu steigern, ohne dass mindestensein anderes Wirtschaftssubjekt eine Nutzeneinbuße erleiden müsste.Dabei ist zu beachten, dass der Begriff des Nutzens in der Ökonomieentgegen des alltäglichen Sprachgebrauchs als Fachterminus verstan-den wird, der die gesamte Bandbreite von angenehm empfundenenPhänomenen – von Stillung von Hunger und Durst über die qualitäts-volle Gestaltung sozialer Beziehungen bis hin zu sinnstiftenden Erleb-nissen – beinhaltet.Wenn also nun der Markt ohne jeglichen Eingriff von außen ein Ge- Subventionen alssellschaftliches Optimum erreicht, wie passen dann Subventionen ins KorrekturinstrumentBild, die ja einen staatlichen Eingriff in das Marktgeschehen darstel- bei Marktversagenlen? Sind sie dann nicht unnötig oder stellen gar eine Gefahr dafür dar,dass der Markt das Gesellschaftliche Optimum erreichen kann? Hiersind wir nun im Herzen des nicht ganz unproblematischen Umfeldsangekommen, in dem Subventionen ihr Dasein fristen. Nicht seltenwird ihnen bereits an dieser Stelle jegliche Existenz verweigert, wennbeispielsweise der Diskutant um die unsichtbare Hand des Marktesweiß, nicht aber um die restriktiven Prämissen, die erfüllt sein müs-sen, damit diese unsichtbare Hand das Optimum auch so automatischerzeugen kann wie das modellhafte Bild es suggeriert. Ist in der Reali-tät nämlich irgendeine dieser restriktiven Annahmen nicht erfüllt, klaf-fen Optimum und das sich auf dem realen Markt einstellende Gleich-gewicht auseinander. Und dann sind Subventionen als Korrekturins-trument für dieses so genannte Marktversagen ebenso ökonomischesHandwerkszeug wie es vorher die unsichtbare Hand mit all ihren da-hinterliegenden ökonomischen Gesetzen war. 3
    • B 2.13 Kultur und PolitikWirtschaft, Gesellschaft und PolitikIst Kultur mit anderen Nun ist zu prüfen, ob das Instrumentarium der volkswirtschaftlichenGütern vergleichbar? Theorie des Markts, des Marktversagens und der auf die Korrektur von Marktversagen ausgerichteten staatlichen Eingriffe überhaupt sinnvoll auf den Bereich der Kultur angewendet werden kann. Inner- halb der theoretischen Volkswirtschaftslehre hat sich in den vergange- nen Jahrzehnten ein Forschungszweig etabliert, der unter der Über- schrift „Cultural Economics“ die im Bereich der Produktion und des Konsums von Kultur ablaufenden ökonomischen Prozesse analysiert. Ganz gleich, ob es sich um materielle Produktionsergebnisse wie ein Bild oder ein Buch oder um immaterielle Ergebnisse wie eine Theater- vorstellung handelt, spricht diese Forschungsrichtung von Kulturgü- tern (und -dienstleistungen) als einer speziellen Kategorie von Gütern, die sich von anderen Gütern dadurch abheben, dass sie ein kreatives oder künstlerisches Element enthalten. Die Herstellung dieser Güter verursacht Kosten, ihr Verbrauch erzeugt Nutzen. Zwischen Produzenten und Konsumenten steht der Markt als vermittelnde Institution und der Marktpreis als regulierende Variable, die Angebot und Nachfrage steuert. Sofern man sich auf diese sicher- lich fachspezifisch verkürzte Perspektive einlässt, stellen sich im Be- reich der Kultur die gleichen Fragen wie für alle anderen Arten von Gütern. Somit kann man sich bei der Diskussion um die Rechtferti- gung von Kultursubventionen auch des gleichen Instrumentariums wie bei den restlichen Gütern bedienen. Wenn es nun also gelingt zu zeigen, dass im Bereich der Kultur Ver- letzungen der Prämissen existieren, die die Voraussetzung dafür dar- stellen, dass sich auf dem Markt ganz ohne staatliche Eingriffe ein Gesellschaftliches Optimum einpendelt, wird der gesamte ökonomi- sche Katalog der Korrekturmöglichkeiten bei Marktversagen und da- mit auch das Korrekturmittel der Subvention anwendbar. Damit wären Kultursubventionen ökonomisch gerechtfertigt. Diese Grundsatzfrage soll nun in ihren verschiedenen Facetten erörtert werden: Die folgenden vier Kapitel tragen als Überschriften die vier klassischen Marktversagenskategorien „Externe Effekte“, „Kollektiv- güter“, „Informationsmängel“ und „Unteilbarkeiten“. Jedes Kapitel enthält zunächst einmal eine ökonomische Einführung in die jeweilige Marktversagenskategorie. Anschließend folgen diejenigen Argumente speziell für die Rechtfertigung von Kultursubventionen, die ökono- misch unter die jeweils behandelte Marktversagenskategorie zu sub- sumieren sind.4