Agnes Rottland: Das Konzert der Zukunft – oder: wie man ein Konzert FÜR das Publikum plant
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Agnes Rottland: Das Konzert der Zukunft – oder: wie man ein Konzert FÜR das Publikum plant

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Bei diesen Seiten handelt es sich um Leseproben des Werkes 'Kulturmanagement & Kulturpolitik'. Um den Beitrag vollständig zu lesen, melden Sie sich bitte auf www.kulturmanagement-portal.de an. Hier können Sie gegen eine Jahresnutzungsgebühr alle Beiträge des Handbuches einsehen und herunterladen!

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Agnes Rottland: Das Konzert der Zukunft – oder: wie man ein Konzert FÜR das Publikum plant Agnes Rottland: Das Konzert der Zukunft – oder: wie man ein Konzert FÜR das Publikum plant Document Transcript

  • D 1.17Das Konzert der Zukunft – oder: wie man ein KonzertFÜR das Publikum plant Agnes RottlandKonzerte und klassische Musik werden in allen Umfragen als hohes Kulturgut angesehen, sowohlvon Konzertbesuchern als auch von den Nicht-Besuchern. Es scheint vor diesem Hintergrund er-staunlich, dass immer weniger Menschen jüngeren oder mittleren Alters in ein klassisches Konzertgehen. Die Funktion von klassischen Konzerten im 21. Jahrhundert, die Abläufe in der Konzertpla-nung, die Auswahl der Räumlichkeiten und weitere Parameter müssen daher neu überdacht werden.Welche ästhetischen und inhaltlichen Ziele verfolgt ein einzelnes Konzert? Wie kann das Publikumnachhaltig von einem Konzerterlebnis begeistert werden?Gliederung Seite1. Die Klassik in der Krise? Die Klassik in der Krise! 22. Umdenken führt zu Veränderung 33. Die Frage, der alles zugrunde liegt: Ein Konzert wird zum (ästhetischen) Ereignis 54. Die Parameter im Einzelnen 54.1 Konzertbeginn, Konzertdauer, Dauer und Dichte der einzelnen Werke 64.2 Dramaturgie, Programmgestaltung 74.3 Kommunikation, das Konzert als kommunikatives Ereignis und die Kommunikation über ein Konzert 84.4 Rituale, Verhalten der Musiker, Verhalten des Publikums 114.5 Räume, der Konzertort als sozialer und als ästhetischer Ort 124.6 Interdisziplinarität, technische Elemente, Visualisierung 144.7 Möglichkeiten zur Partizipation 145. Umdenken durch Nachdenken: Wie packe ich das jetzt an? 166. Fazit 16 1
  • D 1.17 Planung und SteuerungStrategie und Entwicklung 1. Die Klassik in der Krise? Die Klassik in der Krise!Stell dir vor, Die Klassik steckt in der Krise. Dieses Thema schwappt einerseitses gibt ein Konzert durch Zeitungen und Magazine, andererseits trifft man als Besucher inund keiner geht hin! großen Konzerthäusern auf ein eher älteres Publikum, das gerne auch als „Silbersee“ bezeichnet wird. Und wenn man sich im Bekannten- kreis umhört, wer ins klassische Konzert geht, bemerkt man die „Kri- se“ direkt: Kaum einer tut es, der jünger als 60 Jahre ist.Liegt es am schlechten Die Ursachen für diese Entwicklung sind vielfältig: Seit den 90er Jah-Schulunterricht? ren wird der fehlende Musikunterricht in den allgemeinbildenden Schulen als Ursache gesehen, und als Abhilfe haben sich eine Vielzahl von Kinder- und Jugendprojekten entwickelt, die an die klassische Musik „heranführen“ sollen. Diese Projekte für sich sind alle wunder- bar; sie verändern aber nicht nachhaltig. Im Gegenteil: In Konzerten, die in der Hauptsache von älteren und alten Menschen besucht wer- den, fühlen sich Kinder und Jugendliche, aber auch jüngere Erwach- sene eher unwohl.1Antworten aus der Fragt man die Bevölkerung, was man unter Kultur versteht, nennenKulturnutzerforschung 75 % der Befragten Veranstaltungen aus dem Bereich der Hochkultur.2 Damit wird bestätigt3, dass der mehrheitliche Kulturbegriff aus der traditionellen Sichtweise des Bildungsbürgertums abgeleitet ist. Auch Jugendliche teilen diesen traditionellen Kulturbegriff: „Kunst umfasst für die jungen Leute weitgehend klassische Kulturangebote der Hoch- kultur mit Künstlern aus der Vergangenheit.“4 Birgit Mandel konstatiert: „Das Image von Kultur ist besser als die Nutzung“ und begreift dieses als Vorteil zur Motivation, Kultur als persönliche Bereicherung für das Leben zu begreifen.5 Eine große Mehrheit der Bevölkerung übernimmt unhinterfragt den traditionellen bürgerlichen Kulturbegriff, gleichzeitig partizipiert sie nicht an Veranstaltungen der Hochkultur. Versuchen wir also, das Konzertwesen ganz neu zu denken: Subventi- onierte Kultur muss für die Allgemeinheit relevant sein. Wenn die bisherige Kultur „nicht zum persönlichen Lebensstil passt“ muss sich nicht der Lebensstil verändern, sondern die Kultur. Spaß, Unterhal- tung und Geselligkeit können Parameter von Kulturveranstaltungen werden, um die bisherigen Nicht-Besucher zu erreichen. Rufe ich damit den Niedergang der abendländischen Hochkultur aus? Oder kann Mozart auch Spaß machen, Brahms auch unterhalten? Die- sen Fragen werde ich in den weiteren Ausführungen auf den Grund gehen.2
  • Planung und Steuerung D 1.17 Strategie und EntwicklungAuch die historische Entwicklung des Konzertwesens liefert interes- Was wir aus der Vergan-sante Anregungen, denn der klassische zweistündige Konzertabend in genheit lernen könnenseiner heutigen Form existiert erst seit ca. 1870. Vorher hat sich einekonzertante Aufführung mit der Gesellschaft stetig mit verändert –diese Entwicklung scheint seit 140 Jahren aber kaum mehr stattgefun-den zu haben. Grob umrissen lässt sich sagen, dass sich im Zeitalterder bürgerlichen Emanzipierung, als kulturelle Partizipation nichtmehr nur dem Hochadel vorbehalten war, zuerst Musizierzirkel gebil-det haben, bei denen alle Beteiligten sich zum gemeinsamen Musizie-ren eingefunden haben. Vergleichbar wäre das mit den heutigen Mit-singkonzerten, die aus England vom Chefdirigenten des BerlinerRundfunkchores nach Deutschland gebracht wurden, sich dort großerBeliebtheit erfreuen und erfolgreiche Nachahmer finden. In der histo-rischen Weiterentwicklung wurde in der Mitte des Saales ein erhöhtesPodium gebaut, auf dem konzertiert wurde, während das Publikumzuhörte. Programmatisch nannte sich dieses Konzert „Unterhaltungs-konzert“, denn der Schwerpunkt lag auf einem inhaltlich abwechs-lungsreichen Konzert, in dem kürzere Stücke unterschiedlicher Gat-tung nebeneinander gestellt wurden. Von Sinfonien wurden nur ein-zelne Sätze dargeboten, aus Sorge, das Publikum könne beim langsa-men Satz quatschen. In Abgrenzung zu diesen Unterhaltungskonzertenwurde für eine kulturelle Elite, das sogenannte Bildungsbürgertum,das zweistündige sinfonische Konzert entwickelt, welches höchstesAnsehen genossen hat, wenn eine oder sogar zwei Sinfonien in vollerLänge gespielt wurden. Bei genauer Betrachtung stellt man fest, dasswir heute immer noch in dieser Konzertform stecken, diese allerdingsals „Kultur für alle“ ausgeben.2. Umdenken führt zu VeränderungWenn man nun erkennt, dass es so nicht weitergeht, fragt man sich,was man denn verändern könnte?Das Umdenken der Entscheider in den Konzerthäusern fängt bei deren Die HaltungHaltung an – zum Publikum, zu den Musikern und zum Konzertereig- der Entscheidernis an sich. Eine (herkömmliche) Konzertplanung berücksichtigt pri-mär die Bedürfnisse der Musiker, die eines Klangkörpers, der z. B. aufReisen ist, seine Besetzung, die Probenzeiten etc. Dann denkt manüber die internen Abläufe im Konzerthaus nach, über Dienstzeiten derBühnentechniker, über Auslastung der Probenräume etc. Alles rele-vante Themen, die auch nicht verändert werden sollen, jedoch: Werdenkt über das Publikum nach? Über die Bedürfnisse eines Menschen,der sich eine Konzertkarte kaufen will? Über seine Lebensgewohnhei-ten, seine zeitlichen und finanziellen Möglichkeiten, aber auch seineWünsche, wie er mit der knappen Ressource Freizeit umgehen möch-te. Da das Publikum an sich äußerst heterogen ist, muss diesen Über-legungen Rechnung getragen werden, insbesondere wenn der Kon-zertbetrieb aus öffentlichen Geldern subventioniert wird. 3
  • D 1.17 Planung und SteuerungStrategie und Entwicklung Diese Ausführung beschreibt äußere Abläufe, die fast deckungsgleich sind zu den inhaltlichen Abläufen. Wie oft ist ein Konzert ein „Ereig- nis“, wie häufig sind musikalische Aufführungen relevant, sowohl für die Musikerinnen und Musiker als auch für das Publikum? Und welche Überlegungen sind vonnöten, um aus einem herkömmlichen Konzert- abend einen besonderen zu machen, einen, der wichtig wird, der Emo- tionen hervorruft, von dem man sagen kann: „Gut, dass ich da war!“? Die Aussagen in der jungen Forschung zum Thema „Konzertformate“ und die Erkennt- nisse verschiedener Best-Practice-Modelle sind deckungsgleich: am besten, man denkt komplett neu! Was heißt das konkret? Um Stellen Sie sich selbst die entscheidenden mit Martin Tröndle zu sprechen, der seit Fragen, für wen Sie spielen, warum Sie dieses 2008 mit seinem Buch „Das Konzert“6 und Stück spielen und treten Sie erst auf, wenn Sie weiteren Publikationen für eine Neuausrich- diese beantwortet haben! tung plädiert, sind folgende Parameter auf- zuführen, die im Folgenden genauer unter- sucht werden: „Ziel (…) soll sein, das Konzert hinsichtlich ästheti- scher, räumlicher, sozialer, szenischer, dramaturgischer und kommu- nikativer Faktoren weiter zu entwickeln.“7 Daher werden die folgenden Parameter untersucht, die auch zu einer Checkliste bei der Konzertplanung werden können: Checkliste Konzertplanung Konzertbeginn, Konzertdauer, Dauer und Dichte der einzelnen Werke Dramaturgie, Programmgestaltung Kommunikation, das Konzert als kommunikatives Ereignis und die Kommunikation über ein Konzert Rituale, Verhalten der Musiker, Verhalten des Publikums Räume, der Konzertort als sozialer und als ästhetischer Ort Interdisziplinarität, technische Elemente, Visualisierung Möglichkeiten zur Partizipation Checkliste D 1.17-1 Konzertplanung4