Gender Balance, Prosperity and Peace

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A paper (in German language) explaining the connections between Gender Equality, Prosperity and Peace in different countries. You can translate it e.g. with Google Translation (online or after …

A paper (in German language) explaining the connections between Gender Equality, Prosperity and Peace in different countries. You can translate it e.g. with Google Translation (online or after downloading it).

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  • 1. GENDER BALANCE Über die Zusammenhänge zwischen Gleichberechtigung, Wohlstand und Frieden Peter Jedlicka
  • 2. Copyright 2011 by Peter Jedlicka*) – www.jecon.orgPublished 2011 by LULU.comISBN Nr. 978-1-4476-7259-3 Dieses Buch wurde mit folgender Creative Commons Lizenz veröffentlicht: http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/ , die es erlaubt, es auf verschiedenen Webseiten kostenlos (der kostenpflichtige Download ist verboten!) zum Download zur Verfügung zu stellen und per Email weiterzuschicken, so lange es nicht verändert wird – insbesondere so lange der Autorenname immer genannt wird. Dies soll einer weiten Verbreitung des Buchinhalts dienen – aber natürlich freue ich mich, wenn das gedruckte Buch gekauft wird – vor allem von Bibliotheken.BILDER: DIGITALVISI0N CDPeter Jedlicka ist Soziologe aus Wien. Er war langjährigin der internationalen Personalberatung tätig und hat denVerein WHITE RIBBON Österreich mitgegründet. Vonihm sind bisher erschienen. “Männercoaching”, “MissionBoys4peace” und “Was jeder Mann gegen Gewalt und füreine friedliche Welt tun kann”.*) Das Copyright liegt nicht beim Verlag, sondern beim Autor, d.h.das Buch kann nach Rücksprache mit ihm auch von anderenVerlagen / Institutionen neu herausgegeben oder übersetzt werden.2
  • 3. EINE BITTE an die Leserinnen und Leser:Als Autor habe ich ein Interesse daran, dass diesesBuch in möglichst vielen Bibliotheken steht – denndann bekomme ich eventuell Lizenzgebühren vonVerwertungsgesellschaften.Wenn Sie eine Möglichkeit sehen, dieses Buch – auch nurals Computerausdruck (geheftet oder etwa mitSpiralbindung) - einer Bibliothek zu übergeben, die esin ihren Katalog übernimmt, so leisten Sie auch damiteinen Beitrag für meine weitere Publikationstätigkeit –vielen Dank!Eine Anmerkung zu geschlechtsneutralen Formulierungen: Ichhabe versucht, in dieser Publikation für alle Personengruppen einegeschlechtsneutrale bzw. -balancierte Ausdrucksweise zu finden –dennoch ist dieses Ansinnen nicht durchgängig gelungen. Ichersuche, dies zu entschuldigen – es sind jedenfalls (wenn nicht ausdem Inhalt erkenntlich) immer Frauen und Männer gemeint. 3
  • 4. Executive Summary„Gender Balance. About the connection between genderequality, prosperity and peace.” by Peter Jedlicka The author, sociologist in Vienna / Austria comparesinternational statistics on gender, economy, social equality, peaceand happiness to explain why gender equality is not a “women´sissue” any more, but a key aspect of modern societies. Naming also recent publications on management, economicgrowth, happiness research and social peace he defines six factorsof modern societies and explains, why gender balance shows theeffectiveness of all of these factors. Peter Jedlicka is looking for funding and/or cooperation tocontinue his studies on gender equality, gender training and genderconsulting, especially in the German speaking countries. Hiscontact website is: www.jecon.org .As this book is licensed under a Creative Commons License (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/ ), it can bedistributed freely. Nevertheless the author has a special interestin having printed editions (may also be a computer-print) inlibraries to acquire some license fees from the Austrianpublishers association that handles international authors´treaties.4
  • 5. „Gleichberechtigung ist kein Frauenthema. Gleichberechtigung ist die Schlüsselkategorie für die Glaubhaftigkeit jeder Politik,die behauptet, dem Wohlstand undder Lebensqualität der Bevölkerung verpflichtet zu sein.“ P.J. 5
  • 6. INHALTVorwort 7Warum die Zeit gerade jetzt reif für dieses Buch ist 10Die reichsten Länder sind die Länder mit der höchstenGleichberechtigung 15Gleichberechtigung und Wirtschaftswachstum 19Warum Gender Balance den Umsatz steigert 22Gleichberechtigung, soziale Stabilität und Lebensqualität 26Gleichberechtigung und Glück 30Gender Balance und Frieden 34Gleichberechtigung und Vielfalt 38Schlüsselfaktoren moderner Gesellschaften: Demokratie, Partizipation, Transparenz, Solidarität, Friedfertigkeit, Vielfalt/Toleranz 41Nachwort 506
  • 7. VorwortIch schreibe dieses Buch vor allem für Männer.Ich habe zahlreiche Diskussionen mit Männern erlebt, in denenimmer wieder die Meinung vertreten wurde, Gleichberechtigung seiein „Frauenthema“. Mich hat das immer wieder verwundert, dennich habe seit meiner Zeit als junger Vater, der sich aktiv um seineKinder kümmern wollte, oft von Maßnahmen der so genannten„Frauenpolitik“ profitiert:Männer profitieren mit. Ich konnte in Institutionen, die bereitsein Frauenförderungsprogramm umsetzten, die Vorteile flexiblerArbeitszeiten genießen – und damit früher heimgehen, wenn es dieKinderbetreuung erforderte. Ich hatte damals meist weiblicheVorgesetzte, die vollstes Verständnis für Pflegeurlaube und diverseandere Termine mit den Kindern hatten.Kinderfeindliche Städte. Und als ich immer wieder mit demKinderwagen durch jenen Innenstadtbezirk in Wien fuhr, in demwir damals wohnten, erhärtete sich mein Verdacht, dass diesehindernisreichen Straßen und Gehsteige von Frauen bzw. voneinem gemischtgeschlechtlichen Planungsteam wahrscheinlichanders geplant worden wären – denn dann hätte es wohl aucheinige Spielplätze und Parks mehr in dieser Gegend gegeben.Mittlerweile sind meine Kinder erwachsen, doch mein „gender-sensibler“ Blickwinkel auf meine Umgebung ist gleich geblieben. 7
  • 8. (und ich profitiere noch immer von einer „gendersensiblen“Unternehmenspolitik: ich konnte meine Arbeitszeit vor einiger Zeitproblemlos auf eine Teilzeitstelle reduzieren – etwas, das in vielenanderen Firmen, die keine Gender-Konzepte umsetzen nichtmöglich ist).Länder mit hoher Gleichberechtigung. Mein Blick wurde nochweiter geschärft in den Jahren, in denen ich durch meine Tätigkeitin der internationalen Personalberatung viel reisen konnte: DurchGespräche mit Personalverantwortlichen in fast allen Ländern derEuropäischen Union wurde schnell klar, dass die skandinavischenLänder eine Vorreiterrolle bei den Maßnahmen zurGleichberechtigung zwischen Frauen und Männern einnehmen(was ja unter politisch Interessierten kein Geheimnis ist).Gleichzeitig sind diese Länder auch wirtschaftlich top: mankann in ihnen tatsächlich am besten verdienen (ich werde in einemder nächsten Kapitel die jeweiligen Rankings auflisten) – sie sindalso für Jobsuchende aus der ganzen Welt höchst attraktiv.Mit der Zeit beobachtete ich auch andere internationale Statistiken,die die soziale und wirtschaftliche Lage in diesen unterschiedlichenLändern beschreiben, und eines wurde immer deutlicher:Lebensqualität. Die skandinavischen Länder sind nicht nur beider Gleichberechtigung und beim Einkommen ganz oben gereiht,sie haben auch in vielen anderen Statistiken (zur Lebensqualität, zurDemokratie, zur Sicherheit) die besten Werte.In diesen Ländern läuft also einiges besser als in anderen Ländern:Sie stehen in den meisten Statistiken so gut da, dass offensichtlichist: diese Länder werden einfach besser gemanagt als andere.Genau das ist das Thema dieses Buches: Zu beweisen, dass diepositiven Werte in den Statistiken zur Gleichberechtigung vonFrauen und Männern einen Zusammenhang mit anderen Faktoreneiner erfolgreicheren Politik in einem Land haben – was in dembetreffenden Land zu höherem Wohlstand, zu höhererLebensqualität und zu höherer Sicherheit führt.8
  • 9. Anders formuliert: Gleichberechtigung ist kein Frauenthema.Gleichberechtigung ist eine Schlüsselkategorie für moderneGesellschaften: wo sie funktioniert, funktioniert auch allesandere besser als in Ländern mit einer geringen „GenderBalance“.Unternehmensberatung, Glücksforschung, Diversity. Icherörtere in diesem Buch jedoch nicht nur internationale Statistiken,sondern auch Ergebnisse aus der gender-fokussiertenUnternehmensberatung und der Glücksforschung, die seit denPublikationen von Richard Layard und Bruno S. Frey nicht mehrnur in der Psychologie, sondern auch in denWirtschaftswissenschaften ein Schwerpunktthema geworden ist.Außerdem streife ich das Thema Diversity.Am Ende dieses Buches versuche ich, jene Faktoren aufzuzählen,die moderne Gesellschaften auszeichnen – und zu beweisen, dassdie Umsetzung jeder dieser Faktoren anhand derGleichberechtigung überprüft werden kann.Wien, im April 2011 Peter Jedlicka PS: Da dieses Buch nebenberuflich geschrieben wurde, hatte ichnicht ausreichend Zeit, es in der Ausführlichkeit und derwissenschaftlichen Genauigkeit zu schreiben, wie es das Themawohl verlangen würde. Es ist daher nur eine Einführung in dieZusammenhänge unterschiedlicher Politik-Faktoren geworden.Ebenfalls aus Zeitmangel habe ich nicht lange nach einem Verlaggesucht, sondern es zunächst bei einem Self-Publishing Verlagherausgebracht. Ich würde zu dem Thema jedoch gerne in Zukunft mehr undausführlicher forschen und lehren – und möchte diese Publikationdaher gerne als Bewerbung für Tätigkeiten in der Gender-Forschung, im Gender-Training und in der gender-fokussiertenUnternehmensberatung verstanden wissen. Interessierte Institutionen und Organisationen können mich dazuüber www.jecon.org kontaktieren. 9
  • 10. Warum die Zeit gerade jetztreif für dieses Buch istEs ist kein Zufall, dass ich dieses Buch gerade jetzt, Anfang 2011schreibe. In den letzten Jahren gab es eine Reihe vonPublikationen, die meiner Ansicht nach wichtige Zusammenhängezwischen unterschiedlichen Politikfeldern aufzeigten. Diese will ichhier aufzählen.Und – vielleicht am Wichtigsten – immer mehr Organisationen undForschungsinstitute stellen ihre internationalen Statistiken freiverfügbar ins Internet:: eine Chance auch fürNichtwissenschafterInnen, diese abzurufen und zueinander inBeziehung zu setzen.1. Internationale Gender StatistikenEinige internationale Organisationen – allen voran die UNO –erstellen in regelmäßigen Abständen Statistiken über den Stand derChancengleichheit von Frauen und Männern in einzelnen Ländern.In diesem Buch werde ich z.B. auf den Index „GenderEmpowerment Measure“ eingehen, ebenso auf den „Gender PayGap“.Aber auch viele weitere Statistiken sind für dieses Buch interessant:Indizes, die den Wohlstand und die Lebensqualität in einzelnenLändern erheben und auflisten. Hier geht es mir darum, nicht nur10
  • 11. den „Reichtum“ (abgebildet z.B. im Pro-Kopf-Einkommen)einzelner Länder als Maßstab zu nehmen, sondern auch Fragen desGesundheits- und Bildungssystems, der Sicherheit und dersubjektiv empfundenen Zufriedenheit in der Bevölkerung.2. Die internationale vergleichende GlücksforschungErstaunlicherweise wurden in den letzten Jahren auch einige„Glücks-Statistiken“ erfunden bzw. eingeführt: Durch internationalstandardisierte Fragebögen wird nun laufend erhoben, wie wohlsich denn die Menschen in den Ländern dieser Welt fühlen. Paralleldazu werden auch andere statistische Daten zusammengefasst undals „glücksfördernd“ interpretiert. Der „Happy Planet Index“ istnur einer davon. Ich möchte aber nicht verhehlen, dass es zu fastjedem dieser Indizes auch kritische Sichtweisen gibt.Wichtiger Impulsgeber für diese Statistiken waren möglicherweiseauch die Texte des Ökonomen Richard Layard, der in seinem Buch„Die glückliche Gesellschaft“ Zusammenhänge zwischensubjektiver Zufriedenheit und der Wirtschaftspolitik herstellte.Damit ist er im boomenden Segment der „Glücks-Literatur“ einerder wenigen, die sich nicht nur mit Individualpsychologie befassen,sondern auch mit Wirtschaftsdaten.Hier sollen natürlich nicht die Leistungen des wahrscheinlichwichtigsten Glücksforschers Mihaly Csikzentmihalyi (Erfinder des„Flow“) unerwähnt bleiben – auch auf seine Erkenntnisse werdeich eingehen.3. Die von der schwedischen Regierung organisierte Arbeitstagung zum Thema Gleichberechtigung und WirtschaftswachstumEin wichtiger Impuls für meine Arbeit war auch die Tatsache, dassdie schwedische Regierung im Herbst 2009 eine internationaleTagung zum Thema „Gender Equality and Economic Growth“ 11
  • 12. (Gleichberechtigung und Wirtschaftswachstum) durchführte.Schweden nützte damit das halbe Jahr seiner Ratspräsidentschaft(der Europäischen Union), um die Aufmerksamkeit allerMitgliedsstaaten der EU auf die Zusammenhänge zwischenGender-Politik und ökonomischem Erfolg zu richten.Ich werde in meinem Buch vor allem auf den Forschungsberichtvon Asa Loefstrom verweisen, der den Hauptbeitrag zu dieserTagung darstellte.4. Die Publikationen „Why women mean business“ und „How women mean business“Das, was auf der erwähnten schwedischen Tagung mitinternationalen Statistiken herausgearbeitet wurde, dürfte auch füreinzelne Betriebe gelten: Ein höherer Frauenanteil im Managementführt mit großer Wahrscheinlichkeit zu besserer Performance.Warum das so ist, hat die Unternehmensberaterinnen AvivahWittenberg Cox (erstes Buch gemeinsam mit Alison Maitland) inihren Büchern „Why women mean business“ und „How womenmean business“ auf einleuchtenden Art und Weise beschrieben.Nicht zuletzt ist den Autorinnen dieser Bücher dafür zu danken,dass sie den Begriff „Gender Balance“ etablieren: denn GenderBalance wird in einigen Bereichen auch Benachteiligungen vonMännern aushebeln: etwa bei Berufen, in denen Männer derzeitunterrepräsentiert sind, oder bei Väterkarenz-Bestimmungen, diejenen von Müttern noch nicht gleichgestellt sind.5. Publikationen zur sozialen UngleichheitEbenso erst erst vor kurzem das Buch „Gleichheit ist Glück“ vonRichard Wilkinson und Kate Pickett erschienen: hier wird deutlichgemacht, dass große soziale Unterschiede auch in einem „reichen“Land (wie z.B. den USA) zu einem Bündel von Problemen in derBevölkerung führen kann. Damit erhält auch die Gender-Politikeine wichtige Botschaft: Ungleiche Chancen für Frauen (und12
  • 13. Männer) bergen ein generelles Konfliktpotential für eineGesellschaft in sich.6. Das steigende Einsatz von Diversity ManagementImmer mehr Unternehmen – und öffentliche Institutionen – in denhöher entwickelten Staaten befassen sich mit „DiversityManagement“ (dem „Managen der Vielfalt“): Sie haben erkannt,dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterschiedlicher Herkunft,unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Kultur etc. nicht nur dieKommunikation mit unterschiedlichen KundInnengruppen (dieauch einen derart vielfältigen Hintergrund haben) verbessern,sondern auch neue Ideen zur besseren Vermarktung der eigenenProdukte und Dienstleistungen unter diesen unterschiedlichenZielgruppen liefern.Das Sicherstellen von Sichtweisen beiderlei Geschlechts ist Teiljeder gelungenen Diversity Strategie.7. Neue kulturhistorische Forschung zur GleichberechtigungErmutigend war zuletzt auch das Buch „Rising Tide“ von RonInglehart und Pippa Norris, in dem die historische Entwicklungvon Ländern beobachtet wird: Hier wird deutlich, dass der Trendvon agrarischen zu industriellen und postindustriellenGesellschaften meist auch mit einem Wandel der Einstellung zumGeschlechterverhältnis einher geht:Ein weiteres Indiz dafür, dass „Fortschritt“ etwas mit einerpositiven Einstellung zum Thema Chancengleichheit von Männernund Frauen zu tun hat. Leider blieb mir diesmal nicht genügendZeit, mich diesem Buch ausführlicher zu widmen, es empfehle esjedoch unbedingt als ermutigende Lektüre. 13
  • 14. >> Aus einer Zusammenschau internationaler Statistiken wird deutlich: Gleichberechtigung hat offensichtlich sehr viel mit dem Wohlstand eines Landes und der Zufriedenheit seiner Bevölkerung zu tun.Ich möchte damit beginnen, Ihnen einiges statistischesZahlenmaterial zu liefern und erst danach erklären, welcheZusammenhänge dabei auftreten und wie diese zu interpretierensind.14
  • 15. Die reichsten Länder derWelt sind jene mit derhöchsten GleichberechtigungIch möchte Ihnen gleich am Beginn meiner Auflistung voninternationalen Statistiken jenen Zusammenhang vor Augenführen, den ich für den wichtigsten halte:Jene Länder, die es durch eine zielgerichtete Geschlechterpolitikgeschafft haben, ein hohes Ausmaß an Gleichberechtigungzwischen Frauen und Männern zu erreichen, sind auch diewirtschaftlich erfolgreichsten.DIE „TOP GENDER BALANCED“ STAATENIch werde diese Länder im weiteren Verlauf meines Buches als die„Top Gender Balanced“ Staaten bezeichnen und sie in denweiteren Statistiken jeweils durch Großbuchstaben hervorheben.Ich verwende zum Herausfiltern dieser Länder folgende GenderIndizes: Das Gender Empowerment Measure (GEM 2009) desUNDP (Entwicklungsprogrammes der Vereinten Nationen), denGender Development Index (GDI 2009), ebenfalls vom UNDP,und den Global Gender Gap Index 2010 (GGI 2010) vom WorldEconomic Forum. 15
  • 16. Die jeweils aktuellen Werte der kommenden Jahre können Sieabrufen unter: www.undp.org (GEM, GDI) www.weforum.org (GDI)Und hier also die höchstbewerteten Staaten und ihre derzeitigeRangreihung (1 = erster Platz, also: am besten bewertet). Ich habenur jene Länder gelistet, die in den Top 20 aller drei Indizes gelistetsind.INDEX GGI 2010 GEM 2009 GDI 2009Schweden 4 1 5Norwegen 2 2 2Island 1 8 3Finnland 3 3 8Dänemark 7 4 12Niederlande 17 5 7Belgien 14 6 11Deutschland 13 9 20Neuseeland 5 10 18Spanien 11 11 9Kanada 20 12 4Schweiz 10 13 13Vereinigtes Königreich 15 15 17USA 19 18 19Auch Australien, Irland, Frankreich und Österreich sind immerwieder sehr gut bewertet, finden sich jedoch nicht in allen dreiIndizes – ich nenne sie daher „High Gender Balanced“ Staaten.Wichtig ist hier auch: Die gelisteten Länder befinden sich imSpitzenfeld von insgesamt meist rund 150 untersuchten Ländern.Alle der folgenden Statistiken gewinnen an Bedeutung, wenn mansich vor Augen führt, dass man hier jeweils nur die Top-Ländereiner sehr langen Liste sieht.16
  • 17. DIE REICHSTEN LÄNDER DER WELTDer Wohlstand in einem Land wird meist mit dem Pro KopfEinkommen bewertet. Aber auch hier gibt es verschiedene Quellen:Den internationalen Währungsfonds und die Weltbank zumBeispiel.Wenn wir hier einmal jene Länder beiseite lassen, die aufgrundihrer Rohstoffe (Öl: Quatar, Vereinigte Arabische Emirate) oderdeshalb, weil sie eine Steuer-Oase sind (Monaco) zu Reichtumgekommen sind, so finden sich in den Top 20 folgende Länder –die Top Gender Balance Staaten darunter sind – wie vorherangekündigt - in Großbuchstaben angeführt:INDEX WF 2010 Weltbank 2009Luxemburg 1 3NORWEGEN 2 4SCHWEIZ 4 5DÄNEMARK 5 6Australien 6 15SCHWEDEN 7 13USA 9 10NIEDERLANDE 10 9KANADA 11 20Irland 12 7Österreich 13 11FINNLAND 14 12BELGIEN 16 14Japan 17 19Frankreich 18 17DEUTSCHLAND 19 18ISLAND 20 21Dass Island hier so weit nach unten gerutscht ist, ist wohl auch derisländischen Wirtschafts- und Finanzkrise 2009-2010zuzuschreiben.Insgesamt wird jedoch klar: unter den reichsten Ländern der Weltsind elf Top Gender Balanced Länder, und vier High Gender 17
  • 18. Balanced Staaten – und, wohlgemerkt: das ist das Spitzenfeld vonrund 150 Ländern!Die aktuellen Werte der kommenden Jahre werden können Siejeweils abrufen auf: www.imf.org (WF) und www.worldbank.org(Weltbank) >> Die reichsten Länder der Welt sind offensichtlich jene mit der höchsten Gleichberechtigung.18
  • 19. Gleichberechtigung undWirtschaftswachstumWas kann aus dem Zusammenhang zwischen internationalenWirtschaftsdaten und internationalen Daten über das Ausmaß derGleichberechtigung geschlossen werden?Die grundlegenden Fragen sind hier: Was ist die Ursache und wasist die Wirkung? Oder: gibt es Faktoren, die beide Statistikenbeeinflussen – und welche sind das?Zu diesem Thema hat die schwedische Regierung im Herbst 2009eine eigene Arbeitstagung mit dem Titel „Gender Equality andEconomic Growth“ (Gleichberechtigung undWirtschaftswachstum) einberufen. Es gehört ja zu den Regeln derEuropäischen Union, dass alle halben Jahre ein neues Mitgliedslandden Vorsitz der EU übernimmt – und von Juli bis Dezember 2009war das Schweden, das bekanntlich sehr lange schon eine sehrfortschrittliche Gleichstellungspolitik forciert.Alle Tagungsreports sind zu finden auf www.se2009.eu , das zentraleReferat war jedoch sicherlich jenes von Asa Loefstrom – ebenfallsmit dem Titel „Gender Equality and Economic Growth“.Ich möchte nicht verhehlen, dass ich dem BegriffWirtschaftswachstum kritisch gegenüber stehe. Es mehren sich 19
  • 20. Publikationen, in denen das Konzept des Wachstums hinterfragtwird und in denen alternative Wirtschaftskonzepte vorgestelltwerden: Kurz gesagt geht es darum, dass „nicht alles immer weiterwachsen kann“, ohne natürliche Ressourcen zu zerstören oderohne den Reichtum in der westlichen Welt auf Kosten der Armutin anderen Ländern zu reproduzieren. In Österreich zeigten zuletzt Christian Felber mit dem Buch"Gemeinwohlökonomie“ und Hörmann/Pregetter mit dem Buch„Das Ende des Geldes“ alternative Wirtschaftskonzepte auf.Doch zurück zur schwedischen Tagung: In der EuropäischenUnion geht es nicht nur um reales Wachstum, es geht auch um eineSteigerung der Beschäftigung: Möglichst viele Menschen sollen amArbeitsprozess teilhaben – die Arbeitslosigkeit soll bekämpftwerden.Dazu findet sicht in der Studie von Löfström etwa folgende Grafik,die den Zusammenhang zwischen der Gleichberechtigung(gemessen mit dem „Gender Development Index“) und dem ProKopf Einkommen in den europäischen Ländern darstellt:20
  • 21. In dieser Studie wird nicht verhehlt, dass keine eindeutigenUrsache-Wirkung Zusammenhänge zwischen den beiden Faktorenbewiesen werden können, es wird jedoch ausgerechnet, dasseinzelne Länder bis zu 45 Prozent ihres Pro-Kopf-Einkommenssteigern könnten, wenn Barrieren für Frauen für den Zugang zumArbeitsmarkt abgebaut werden.Im speziellen wird in dieser Studie dargestellt, wie die Einstellungder Bevölkerung zur Erwerbstätigkeit von Müttern von Land zuLand differiert – und diese wiederum dazu führt, das in manchenLändern nur sehr wenige Kinderbetreuungsangebote verfügbarsind. Das führt dazu, dass das Potential, das natürlich auch Frauenmit Kindern zur Wirtschaftskraft beitragen könnten, ungenütztbleibt. >> Es erscheint erwiesen, dass jene Länder, die Frauen eine stärkere Teilhabe an ihrem Arbeitsmarkt ermöglichen, auch ein höheres Bruttoinlandsprodukt erreichen. 21
  • 22. Warum Gender Balance denUmsatz steigertDie betriebswirtschaftliche Sicht. Nachdem es im vorigenKapitel um eine „makroökonomische“ Sicht auf dieZusammenhänge zwischen Gleichberechtigung undWirtschaftswachstum ging – also um ganze Nationen, möchte ichhier auf eine betriebswirtschaftliche Ebene kommen, zu der Frage,ob eine einzelne Firma durch einen erhöhten Frauenanteil mehrGewinne machen kann.Zwei wichtige Bücher. Und hier lieferte in den letzten Jahren eineinternationale Unternehmensberaterin sehr schlüssige Erklärungen:Avivah Wittenberg-Cox von 20-FIRST ( www.20-first.com ): Sieschrieb die zwei wichtigen Bücher „Why women mean business“(Man könnte den Titel mit „Warum Frauen gut fürs Geschäft sind“übersetzen) gemeinsam mit Alisun Maitland und „How womenmean business“. Ich finde diese Bücher so gut, dass ich sie gerneübersetzen würde – meine ersten Versuche, einen interessiertendeutschen oder österreichschen Verlag zu finden sind bisher jedochnicht erfolgreich gewesen.Beide Publikationen haben auch eigene Webseiten, auf denenLeseproben und Statements von internationalen Topmanagern zufinden sind (und ich habe auch auf Youtube Videos mit Interviewsmit Wittenberg-Cox gefunden, sowie einen MP3 Podcast auf eineranderen Webseite):22
  • 23. www.whywomenmeanbusiness.com www.howwomenmeanbusiness.comDie Autorinnen gehen in ihren Büchern davon aus, dass erstens• mittlerweile 60% der Uni-AbsolventInnen Frauen sind – hier also ein Talentepool entstanden ist, den man nicht ignorieren kann, dass zweitens• Frauen in Haushalten oft rund 80% der Kaufentscheidungen treffen und dass drittens• gemischtgeschlechtliche Teams besser arbeiten als reine Männer- oder Frauenteams.Frauen sind gut fürs Geschäft. Der Ansatz dieser Autorinnen istalso nicht, „Frauenförderung“ deshalb zu betreiben, weil esRegierungen oder Gender-Programme vorgeben (oder weil Männer„die armen Frauen“ unterstützen sollten), sondern weil Frauen „gutfürs Geschäft sind“:Denn wer könnte die Zielgruppe Frauen (alsKaufentscheiderinnen) wohl besser ansprechen als Frauen selbst.Und am besten können sie dies, wenn sie sowohl in dieProduktentwicklung als auch ins Marketing und in den Vertriebeingebunden sind.Erhärtet wird dieses Argument auch durch Studien großerConsultingfirmen: etwa „Women matter“ von McKinsey(http://www.mckinsey.com/locations/paris/home/womenmatter/pdfs/Women_matter_oct2007_english.pdf ), aus der z.B. diefolgende Grafik stammt (S.14), die die Performance von Betriebenmit einer höheren Geschlechtervielfalt mit dem jeweiligenDurchschnittswert der Industrie vergleicht:(Der Untertitel dieses Berichtes heißt übrigens „Gender Diversity, acorporate performance driver“ – auf Deutsch: Geschlechtervielfalt,ein Motor betrieblicher Performance.) 23
  • 24. Quelle: McKinsey, „Women Matter“, 2007Männliche Manager müssen lernen. Wittenberg-Cox richtet, wiebereits erwähnt, ihre Aufmerksamkeit als Unternehmensberaterinnicht mehr auf „die armen Frauen“ – sie wendet sich an männlicheFührungskräfte, um ihnen diese Zusammenhänge klarer zumachen. Denn ein „Verschlafen“ des Potentials von Frauen alsMitarbeiterinnen und Käuferinnen kann eine Firma iminternationalen Wettbewerb zurückwerfen.„Gender Balance Quote“ statt Frauenquote. „Irgendwann wirddie Quote die Männer beschützen“ sagte sie auch einmal in einemInterview mit einer österreichischen Tageszeitung. Denn derBegriff „Gender Balance“ heißt nicht mehr alleine„Frauenförderung“: Wittenberg-Cox fordert, dass jedes Geschlechtzu mindestens 30% in Führungsteams vertreten sein soll. Hier wirdalso nicht mehr der Begriff Frauenquote, sondern der Begriff„Gender Balance Quote“ verwendet.Männerförderung. Genauso geht es darum, Berufsbereiche, indenen bisher zu wenige Männer zu finden waren, für Männerattraktiver zu machen. Im Sozial- und Pflegebereich gibt es bereitsKampagnen, die junge Männer zu Ausbildungen in diesen Berufenmotivieren soll – oft wird dazu noch eine Anhebung der Gehälter24
  • 25. notwendig sein: denn was einer Gesellschaft wichtig ist, muss auchgut bezahlt werden.Noch etwas zur Frauenquote. Da gerade zum Zeitpunkt, als ichan diesem Buch schreibe, sowohl in Deutschland als auch inÖsterreich eine mitunter recht scharf geführte Diskussion um dieFrauenquote in Aufsichtsräten geführt wird, möchte ich hier nocheinen Satz dazu sagen:Quotenmänner. Ein häufiges Gegenargument gegen dieFrauenquote ist die Vermutung, dass „Quotenfrauen“ nicht wegenihrer Qualifikation, sondern nur wegen der Quote inFührungspositionen gelangen. Das könnte meiner Ansicht nach imeinen oder anderen Fall durchaus passieren. Aber, liebe Leser: ist esdenn so, dass derzeit alle männlichen Top Manager aufgrund ihrerQualifikation in ihren Chefsesseln sitzen? Oder ist es nichtvielmehr so, dass durch eine Verquickung von Politik undWirtschaft recht oft „Quotenmänner“ einer bestimmten Partei oderInteressensvertretung in diversen Vorstandssesseln sitzen? Dawären doch ein paar Quotenfrauen durchaus akzeptabel, denke ich.Gender-Controlling. Und noch eine andere Sichtweise möchte ichvor allem den männlichen Wirtschaftsleuten zum ThemaFrauenquote anbieten: Jedes moderne Unternehmen setzt sichZiele, die im Rahmen des Controllings mit Zielwerten versehenwerden, um sie nach einer gewissen Zeit überprüfe zu können.Eine Frauenquote ist genauso ein Controllingwert. >> Eine höhere Geschlechterbalance in Betrieben steigert den Umsatz, indem durch neue Sichtweisen die Entwicklung besserer Produkte und eine bessere Zusammenarbeit in den Teams erreicht wird. 25
  • 26. Gleichberechtigung,soziale Stabilität undLebensqualitätDer britische Sozialforscher Richard Wilkinson beobachtete inLaufe seine internationalen Forschungstätigkeit folgendes: Auchrecht reiche Länder wie die USA haben oft mit einer Mengesozialer Probleme zu kämpfen: mit Kriminalität,Drogenmissbrauch, Selbstmorden und frühen Schwangerschaften.Hier stimmte also die Relation: Reiches Land = weniger Problemeoffensichtlich nicht.Wilkinson machte sich auf die Suche nach den Ursachen diesesPhänomens und wurde fündig in der sozialen Ungleichheitinnerhalb der einzelnen Länder. Verkürzt dargestellt könnte mansagen: Je höher die Schere zwischen arm und reich in einem Land,desto höher das Konfliktpotential.Spontan fallen einem sicher die hohen Kriminalitätszahlen aus denUSA ein – das gleichzeitig bei uns als das Land der Superreichenbekannt ist.Wilkinson hat zu seinen Forschungen eine eigene Webseiteeingerichtet, auf der er die jeweils aktuellsten Statistiken präsentiert: www.equalitytrust.org.uk26
  • 27. Eine davon möchte ich hier abbilden: den Zusammenhangzwischen Drogenmissbrauch und Einkommensungleichheit inverschiedenen Ländern:Hier wird also deutlich, dass dieses soziale Problem tendenziellsteigt, wenn es höhere Einkommensunterschiede gibt – unddurchaus auch in reicheren Ländern auftritt.Ich gebe schon zu, dass auf dieser Statistik nicht alle „Top GenderBalanced“ Staaten links unten zu finden sind - das Ziel dieserStatistik ist es jedoch nicht, gesellschaftliche Faktoren mit einerGender Statistik zu vergleichen, sondern die generelle Aussage„Ungleichheit ist nicht gut für eine Gesellschaft“ zu belegen. EineDrogenproblematik hat oft auch landesspezifische Gründe. 27
  • 28. >> Nicht in den ärmeren Ländern, sondern in den Ländern mit der größeren sozialen Ungleichheit steigt die Gefahr für soziale Probleme. Mangelnde Gleichberechtigung ist ein Faktor sozialer Ungleichheit.Ich möchte hier noch ein paar „plastische“ Beispiele fürLebensqualität aufzählen:STÄDTE MIT HOHER LEBENSQUALITÄTWenn es um soziale Stabilität geht, ist vielleicht auch ein Blick aufdie Städte mit der höchsten Lebensqualität hilfreich.Jedes Jahr werden dazu die attraktivsten Städte gekürt. EinigeFaktoren, die zu dieser Reihung führen, sind natürlich nichtpolitisch beeinflusst – wie etwa das Klima oder die naturbelassenenNaherholungsgebiete, aber man muss schon zugeben: auch hierfinden sich viele der Top Gender Balanced Staaten wieder:Ich bezieh mich hier auf die „Worlds most livable cities“(http://en.wikipedia.org/wiki/World%27s_most_livable_cities )die von zwei verschiedenen Stellen nominiert werden: demMercer´s Quality of Living Survey und dem Lifestyle MagazinMONOCLE) und nenne jenes Ranking, das 2011 verfügbar war: Österreich (Wien) SCHWEIZ (Zürich, Genf, Bern) NEUSEELAND (Auckland) KANADA (Vancouver, Toronto, Calgary) DEUTSCHLAND (Düsseldorf, Frankfurt, München) Australien (Sydney, Melbourne, Perth, Adelaide) FINNLAND (Helsinki)28
  • 29. DÄNEMARK (Kopenhagen) Japan (Tokyo) SCHWEDEN (Stockholm) Frankreich (Paris) SPANIEN (Madrid) (Keine Reihenfolge)DER MOTHER´S INDEXEine andere Statistik die einen Eindruck von Lebensqualität gibt, istder „Mother´s Index“, der jährlich auf www.savethechildren.orgveröffentlicht wird und erhebt, wo weltweit „die besten und dieschlechtesten Orte, um eine Mutter zu sein“ zu finden sind.2010 waren hier folgende Länder im Spitzenfeld: NORWEGEN 1 AUSTRALIEN 2 ISLAND 3 SCHWEDEN 3 DÄNEMARK 5 NEUSEELAND 6 FINNLAND 7 NIEDERLANDE 8 BELGIEN 9 DEUTSCHLAND 9Alle davon sind auch in der Liste der „Top Gender Balanced“Staaten zu finden, die in den ersten Kapiteln definiert wurden. 29
  • 30. Gleichberechtigung undGlückDas „Glück“ schien lange Zeit keine seriöse wissenschaftlicheKategorie zu sein. Zumindest in der Ökonomie war sie lange Zeitverpönt.Glücksforschung. Dennoch griff natürlich die Psychologieirgendwann die Frage auf: „Was macht Menschen glücklich?“ (oderzumindest „zufrieden“) und „Wie kann man die Faktoren diesesWohlbefindens erforschen?“ Das war ein wichtiger Schritt in einerDisziplin, die sich lange Zeit nur Störungen und deren Heilunggewidmet hatte.Flow. Wahrscheinlich der wichtigste Vertreter der seriösen (weiluniversitären) Glücksforschung ist Mihaly Csikszentmihalyi, derEntdecker des „Flow“ Prinzips: Csikszentmihalyi meint damit imWesentlichen, dass ein Glückszustand vor allem in der Aktivitäteintritt – und zwar in einer konzentrierten Aktivität, die eineninteressiert und in der man seine Fähigkeiten einsetzen kann:Beruf oder Freizeit. Dieser Flow kann in einer beruflichenTätigkeit eintreten (wenn man einen Beruf hat, der den eigenenFähigkeiten und Interessen entspricht), aber auch in der Freizeit:jemand der ein Hobby gefunden hat, das ihn „fesselt“, sei es nunein sportliches oder ein handwerkliches, erlebt bei der Ausübungdieses Hobbys ein Hochgefühl.30
  • 31. Subjektiv „unglücklich“ ist man hingegen lt. Csikszentmihalyi,wenn man untätig oder in einer Tätigkeit ist, die einen nicht fordert,oder den eigenen Fähigkeiten nicht entspricht.Glücksforschung im Gender-Fokus betrachtet: Wer dieseTheorien mit Bedacht auf die Geschlechterverhältnisse betrachtet,kommt zu der Frage, wie sich ein eingeschränkter Zugang vonFrauen zum Arbeitsmarkt wohl auf die Zufriedenheit derweiblichen Hälfte der Bevölkerung auswirkt: Denn falls man davonausgeht, dass Hausarbeit weniger „Flow“ erzeugt (sonst würden jaauch viel mehr Männer gerne im Haushalt tätig sein) als einequalifizierte Erwerbstätigkeit, dann riskiert ein Land, das Frauenvornehmlich eine Rolle in Familie und Kindererziehung zuweistdefinitiv eine große Unzufriedenheit in der Bevölkerung – mit einerReihe von psychosozialen Problemen, die in so einer Situationauftauchen können.Ob diese Theorie stimmen könnte, kann jeder Mann selbstüberprüfen, der es ablehnt, Hausmann zu sein oder sich alsHauptberuf der Erziehung seiner Kinder zu widmen: Wer sichdenkt „Das würde mich auf Dauer nicht befriedigen“, hat schonselbst den Beweis geliefert.Beziehungsprobleme. Und natürlich sind auch Ehen,Lebensgemeinschaften und Partnerschaften belastet, wenn ein Teildes Paares keiner befriedigenden Tätigkeit nachgehen kann. Dassdas auch oder gerade für Männer gilt, beweisen die Eheprobleme,die entstehen, wenn ein Mann arbeitslos wird oder in Pension geht:Hier wird das Fehlen einer Aufgabe oft zu einer Lebenskrise.Hingegen werden Hausfrauen oft von den gleichen Männern mitder „Die könnte doch zufrieden sein“ Brille betrachtet – eineSichtweise, die offensichtlich für sie selbst absolut nicht stimmt.Glücksforschung und Geld. Ein zweiter seriöser Glücksforscherist der Ökonom Richard Layard. Während Csikszentmihalyi eherdas Individuum beobachtet, vergleicht Layard in seinem Buch „Dieglückliche Gesellschaft“ internationale Statistiken zurZufriedenheit der Bevölkerung und kommt – ähnlich wie RichardWilkinson (s. vorheriges Kapitel) zu dem Schluss, dass Geld alleinenicht glücklich macht: Es steigert zwar das subjektiveWohlbefinden bis zu einem gewissen Grad, reicht aber bei weitem 31
  • 32. nicht für eine andauernde Zufriedenheit aus. Soziale Faktoren, wieetwa eine harmonische Familiensituation, Freundschaften,Sicherheit, und das Gefühl, in einem gerechten Land zu leben, sindentscheidend.Geld macht nicht glücklich: Dass z.B. im Vereinten Königreichdas subjektive Glücksgefühl innerhalb von rund dreißig Jahrennicht gestiegen ist, obwohl das Einkommen stark stieg, wird ausfolgender Grafik der New Economics Foundation (NEF) deutlich:Karrieremänner. Ich möchte den fehlenden Zusammenhangzwischen „Reichtum“ und „Glück“ vor allem „Karrieremännern“mit auf den Weg geben, die die Gleichberechtigung von Frauenmöglicherweise ablehnen, weil sie die eigene Karriere durchweibliche Mitbewerberinnen bedroht sehen: Es ist erwiesen, dassGeld das Leben zwar angenehmer macht, ab einem gewissenEinkommen die subjektive Zufriedenheit nicht mehr steigt, wennman dann noch mehr verdient.32
  • 33. >> Es ist nicht das Geld, das glücklich macht. Es sind (abgesehen von Gesundheit, Sicherheit und einem positiven sozialen Umfeld) Tätigkeiten, die als subjektiv interessant empfunden werden. Wer der weiblichen Bevölkerung den Zugang zum Arbeitsmarkt erschwert, riskiert die Unzufriedenheit großer Teile der Bevölkerung – und belastete private Beziehungen zwischen Frauen und Männern.(Was in diesem Kapitel zweifellos zu kurz gekommen ist, sind dieweiteren Glücksfaktoren aus der Glücksforschung: Gesundheit,Sicherheit, das soziale Netzwerk, persönliche Werte (auch:Spiritualität, Religion). Ich wollte hier jedoch jene Faktorenherausnehmen, die ich für gender-relevant halte.) 33
  • 34. Gender Balance und FriedenVielleicht ahnen Sie jetzt bereits, was jetzt kommt: StatistischesMaterial zur “Friedlichkeit” von Ländern – und Sie haben Recht.Friedensstatistik. Auf einer Webseite namens “Vision ofHumanity” (Vision der Menschlichkeit) wird unterBerücksichtigung verschiedener Faktoren ein Ranking derFriedlichkeit publiziert – der Global Peace Index.Gleichberechtigte Länder sind friedlicher. Und nach all denZahlen, die ich bisher geliefert habe, wird es nicht verwundern:auch unter den friedlichsten Ländern der Welt sind viele “TopGender Balanced” Staaten, und “High Gender Balanced” Staaten:GLOBAL PEACE INDEX (Quelle:www.visionofhumanity.org ):Die friedlichsten Länder waren im GPI 2010: 1. NEUSEELAND 2. ISLAND 3. Japan 4. Österreich 5. NORWEGEN 6. Irland 7. Luxemburg 8. DÄNEMARK34
  • 35. 9. FINNLAND 10. SCHWEDEN 11. Slowenien 12. Tschechische Republik 13. Portugal 14. KANADA 15. Katar 16. DEUTSCHLAND 17. BELGIEN 18. SCHWEIZ 19. Australien 20. UngarnWelche Gender-bezogene Erklärung kann man zu diesemZusammenhang finden?Gewalt und falsch verstandene Männlichkeitsideale. Es gibteinen destruktiven Zusammenhang zwischen manchenMännlichkeitsidealen und Gewalt: Aus meiner langjährigenTätigkeit beim Verein White Ribbon, einer Männerinitiative gegenGewalt an Frauen ( www.whiteribbon.at ) weiß ich, dass zu einemüberwiegenden Teil eher Männer Gewalt alsKonfliktlösungsstrategie „lernen“: Männergewalt beruht nicht aufbiologischen Faktoren, sondern auf Verhaltensweisen, die sich einMann im Laufe seines Lebens aneignet. Oft sind dieseVerhaltensweisen eingebunden in ein Männlichkeitsideal, das auchvon der Leugnung der eigenen Gefühle und von einem überhöhtenIdeal der Stärke geprägt ist.Die meisten Männer leben gewaltfrei. Ich möchte jedoch hierdefinitiv betonen, dass die meisten Männer (zumindest hier inMitteleuropa – über die häusliche Gewalt in anderen Ländern habeich derzeit keine Daten) nicht gewalttätig sind.Friedlichkeit und Fürsorglichkeit. Demgegenüber möchte ichauch nicht behaupten, dass Frauen von Natur aus „das friedlicheGeschlecht“ sind – obwohl das die aktuellen Kriminalstatistikeneindeutig beweisen würden. Meine Theorie zu diesem Thema istvielmehr: Jenes Geschlecht, dass vorwiegend für die Pflege undErziehung der Kinder zuständig ist, entwickelt im Laufe dieser 35
  • 36. Tätigkeit eine Fürsorglichkeit, die dem Thema Gewalt diametralgegenübersteht:Ein Mensch – und hier unterscheide ich eben nicht zwischenMüttern oder Vätern – der die Mühsal der Kinderbetreuungjahrelang kennengelernt hat muss es absurd finden, einMenschenleben in Kämpfen und Kriegen zu gefährden oderauszulöschen.Aktive Vaterschaft. Ich selbst hatte die Chance, noch als Studentein sehr aktiver Vater zu sein – und seit damals habe ich wohl eineerhöhte Sensibilität gegenüber allen Arten von Gewalt entwickelt:Ich drehe oft den Fernseher ab, wenn etwas zu blutig wird – undwerde sicherlich von manchen in meiner Umgebung argwöhnischdeswegen beäugt.„Strukturelle Gewalt“ ist ein Begriff, den der FriedensforscherJohan Galtung geprägt hat: Er bezeichnet damit Machtstrukturen inGesellschaften und Organisationen, die bestimmtePersonengruppen in ihren Handlungsmöglichkeiten einschränken(also keine körperliche, sondern eine strukturelle Gewalt auf sieausüben). Vermutlich gedeihen solche Machtstrukturen speziell inpatriarchalen Gesellschaften und Organisationen, wie z.B. auchGerhard Schwarz (2000) und Klaus Theweleit (1995) bestätigen –daher dürften gleichberechtigtere Gesellschaften weniger anfälligfür diese Gewaltstrukturen sein. >> Weniger patriarchale Gesellschaften entwickeln weniger strukturelle Gewaltstrukturen. Und jene Länder, in denen Männer durch eine fortschrittliche Gender-Politik die Möglichkeit erhalten, mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen, entwickeln eine fürsorgliche, friedliche Männlichkeit.36
  • 37. Auch das Fördern von Männern in Sozialberufen (die bisher meistvon Frauen überlaufen waren), also in „fürsorglichen“ Berufen fälltin diesen Themenbereich 37
  • 38. Gleichberechtigung undVielfaltDiversity Management ist ein Begriff, der erst im letztenJahrzehnt an breiter Popularität gewonnen hat. Er beschreibt alleMethoden und Strategien, mit unterschiedlichen Menschenumzugehen: in Unternehmen, in Organisationen, aber auch inStädten und anderen Gemeinschaften.Migration. Aktuell geworden ist er vor allem durch die steigendeMigration und der Tatsache, dass immer mehr Firmen dieZusammenarbeit zwischen Menschen unterschiedlicher Kultur,Sprache und Hautfarbe ermöglichen und verbessern müssen.Meiner Erinnerung nach waren die ersten Betriebe in Österreich,die sich mit Diversity Management befassten jene Spitäler, die dasmeiste Krankenpflegepersonal mit Migrationshintergrund hatten.Man beschloss zuerst dort, eigene Strategien zur Verbesserung derZusammenarbeit des inländischen und ausländischen Personals zuentwickeln und zu implementieren.Andere Unterschiede. Aber auch Unterschiede im Alter, imGeschlecht oder etwa in der sexuellen Orientierung hatten in derVergangenheit zu Konflikten geführt – und wurden von denSozialwissenschaften und der Managementberatung aufgegriffen.Einen Überblick über die Vorteile von Diversity Management zeigteine Grafik der Consultingfirma „DIVERSITY WORKS“:38
  • 39. (Quelle: www.diversityworks.at )Vielfalt als Ressource. Das wichtigste Ergebnis der Forschungund Entwicklung im Bereich Diversity ist: Unterschiede sind nichtnur ein potentielles Konfliktfeld, sondern auch eine wichtigeRessource. Mitarbeiter/innen mit unterschiedlichen Sprachenkönnen z.B. neue KundInnengruppen erschließen:Sprachkenntnisse im Handel. So begannen vor einigen Jahreneinige Möbelgeschäfte in jenen Wiener Bezirken, in denen vieleMenschen aus Ex-Jugoslawien und der Türkei wohnen, Personenfür den Verkauf einzustellen, die serbisch, kroatisch und türkischsprechen – und es hat sich gerechnet: Diese Möbelläden erzielenjetzt mit der Kundengruppe der ansässigen MigrantInnen, die nochnicht so gut Deutsch sprechen, höhere Umsätze. „Die Individualität und Vielfalt der Mitarbeiter können den Erfolg eines Unternehmens beflügeln. Unser Ziel ist es, alle ökonomischen, kreativen und Innovationspotenziale auszuschöpfen, aber auch alle Vorteile zu nutzen, die ein intelligentes Diversity Management bei der Integration und Motivation der Mitarbeiter bietet.“ (Kasper Rorsted, HENKEL) 39
  • 40. Im öffentlichen Dienst, hilft Diversity Management mittlerweile,die Kontakte zu Zuzüglern zu erleichtern, indem MitarbeiterInnenmit Sprachkenntnissen eingestellt wurden. Besonders wichtig istdas z.B. in Schulen und natürlich in Spitälern: hier geht es meistdringend darum zu verstehen, welche körperlichen Beschwerdeneine Person nichtdeutscher Muttersprache beschreibt.Dass auch Gender-Diversität – also die unterschiedlichen Zugängevon Frauen und Männern zu verschiedenen Themen – eineRessource für Betriebe sein können, habe ich bereits im Kapitel„Warum Gender Balance den Umsatz steigert“ beschrieben.Wichtig ist also hier nur, dass der Grundsatz „Unterschiedlichkeitist ein Gewinn“ sich auch in anderen Bereichen zunehmenddurchsetzt – und damit den Weg ebnet für eine verstärkteGleichberechtigung. >> Seit die Unterschiedlichkeit der Menschen nicht mehr als Problemfeld, sondern auch als „Ressource der Vielfalt“ gesehen wird, werden auch Strategien zur Förderung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern zunehmend als Weg der Bereicherung von bisher einseitig männlich dominierten Arbeitsfeldern gesehen.40
  • 41. Schlüsselfaktoren modernerGesellschaftenIch habe am Anfang des Buches die Frage in den Raum gestellt, obGleichberechtigung die Ursache bzw. Voraussetzung oder dieFolge von Wohlstand und Frieden ist – und ich möchte Ihnen jetztmein Erklärungsmodell dazu darlegen:Die Antwort ist: weder noch: Weder führt Gleichberechtigungautomatisch zu Wohlstand und einer friedvollen und sicherenGesellschaft, noch führt Wohlstand automatisch zuGleichberechtigung.Sechs Schlüsselfaktoren. Vielmehr sind beide Merkmale vonGesellschaften das Resultat von sechs Schlüsselfaktoren, diemoderne Gesellschaften auszeichnen: Demokratie, Partizipation,Transparenz, Solidarität, Friedfertigkeit und Vielfalt/Toleranz. Demokratie Partizipation Transparenz Solidarität Friedfertigkeit Vielfalt / Toleranz 41
  • 42. Mir ist schon bewusst, dass sich diese Faktoren überschneiden –dass sie sich also nicht klar voneinander abgrenzen lassen, dennochbeinhalten sie das „Rezept“ für eine moderne Gesellschaft, in dernicht nur materieller Wohlstand, sondern auch Zufriedenheit in derBevölkerung herrschen sollen.DEMOKRATIEDemokratie heißt, Menschen mitwirken zu lassen anEntscheidungen, die die Bevölkerung betreffen. Umgelegt auf dieGleichberechtigung von Frauen und Männern heißt das:konsequente Demokratie wird immer auch überprüfen, ob sowohlFrauen als auch Männer gleichermaßen an gesellschaftlichenEntscheidungen und Entwicklungen teilhaben können.Geschlechterdemokratie. Im deutschen Spracheraum hat sich inder Diskussion um die Chancengleichheit auch der Begriff„Geschlechterdemokratie“ etabliert, den ich für sehr sinnvoll halte,weil er diesen Zusammenhang deutlich macht: Wer wirklich einDemokrat ist, der wird nicht zulassen, dass Frauen oder Männervon bestimmten Entscheidungsprozessen ausgeschlossen sind,obwohl sie von diesen Entscheidungen mitbetroffen sein werden. >> Eine geringe Gleichberechtigung ist ein Indiz für mangelhafte DemokratiestrukturenPARTIZIPATION Unter Partizipation verstehe ich, dass moderne Gesellschaftenversuchen, alle Bevölkerungsgruppen am gesellschaftlichen Lebenteilhaben zu lassen, auch Menschen, die durch ihr Schicksalerschwerte Lebensbedingungen vorfinden.42
  • 43. Anders formuliert: moderne Gesellschaften lassen es nicht zu, dassbestimmte Bevölkerungsgruppen an einen „gesellschaftlichenRand“ oder in eine Isolation abdriften, wo Krankheit, Kriminalität,Sucht und Extremismus gedeihen können.Ausgleich auf dem Arbeitsmarkt. Konkret passiert das zumBeispiel auf dem Arbeitsmarkt: hier werden Problemgruppen, dieschwerer einen Job finden, speziell gefördert: ältere Personen,Personen mit Behinderung, Jugendliche, die keine Lehrstelle findenerhalten in den meisten europäischen Ländern spezielleFördermaßnahmen. Das gleiche geschieht im Bildungswesen:Kinder und Jugendliche, die nicht so gut mitkommen, erhaltenFörderunterricht. Migrantinnen und Migranten als Starthilfe oftgünstigere oder kostenlose Kurse, um die Landessprache möglichstrasch zu erlernen.Sozialsysteme. Ebenso begründet in einem Solidaridätsgedanken– und viele von uns vergessen das vermutlich immer wieder – sindKranken- und Arbeitslosenversicherung und die Sozialleistungenfür bedürftige Menschen (Sozialhilfe, Beihilfen): Jene, die geradeein Einkommen haben, tragen durch ihre Abgaben dazu bei, dassauch jene, die in einer Notlage sind, über ein ausreichendesEinkommen und einer Krankenversicherung verfügen. Denn auchdenen, die jetzt verdienen, kann ein Schicksalsschlag widerfahren –auch sie könnten auf diese Leistungen eines Sozialstaatesangewiesen sein.Wer zu dieser Partizipation steht, muss auch allenFördermaßnahmen zustimmen, der die gleichberechtigte Teilhabevon Frauen am Arbeits- und Bildungsmarkt ermöglichen soll. Hierist das Lamento von so manchem männlichen Jobsuchenen fehl amPlatz, der tatsächlich die Erfahrung machen kann „Hier wurdeaufgrund der Gender Strategie eine weibliche Bewerberingenommen“. Auch wenn das im Einzelfall schmerzlich sein kann,muss von genau diesem Mann auch „das große Ganze“ gesehenwerden: „Das ist schon ok., schließlich leben wir ja in einersolidarischen Gesellschaft“.Männerförderung. Bisher recht exotisch in der Gender Politik imBildungswesen ist die Männerförderung – aber es gibt sie: InBerufen, in denen bisher vor allem Frauen tätig sind (Sozial- und 43
  • 44. Pflegeberufe) werden mittlerweile oft bevorzugt Männeraufgenommen, um eine Genderbalance zu erreichen (die auch demjeweiligen Klientel entsprechen soll: denn es gibt nun malmännliche und weibliche Patienten, Schüler/innen, Klient/innen...).Väterförderung. Und was viele Männer erst dann erkennen, wennsie selbst Vater werden: Auch die Partizipation von Männern in derKinderbetreuung wird zunehmend gefördert, weil man festgestellthat, dass strukturelle Probleme (wie mangelndeAusgleichszahlungen in einer Väterkarenz) junge Väter davonabhalten, in Karenz zu gehen. Hier ist sicher noch einiges zu tun –aber es ist eindeutig ein Bereich, in dem Männer in Zukunftprofitieren werden – denn in Paketen zur Familienförderung bzw.zur Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind oftauch flexiblere Arbeitszeiten enthalten – und welcher Mannwünscht sich das nicht? >> Eine geringe Gleichberechtigung ist ein Indiz für mangelhafte PartizipationsmöglichkeitenTRANSPARENZUnter Transparenz verstehe ich, dass vor Bürgerinnen und Bürgern„nichts versteckt wird“, und dass Entscheidungsfindungen undfinanzielle Gebarungen jederzeit erklärbar und nachvollziehbarsind.Transparenz gewinnt auch in der Wirtschaft immer mehr anBedeutung: Konsumentinnen und Konsumenten fragen oft sehrgenau nach, welche Stoffe in einem Produkt (speziell inLebensmitteln) enthalten sind – und reagieren verärgert, wenn sieerkennen, dass sie belogen werden.44
  • 45. In der österreichischen Politik (und ich vermute es ist in anderenLändern ähnlich) gibt es eine gewisse Abneigung, über die Gehältervon Politikern und Politikerinnen zu sprechen. Der Grund für diemangelnde Transparenz in diesem Bereich ist meiner Meinungnach in einer begründeten Scham zu finden: Vermutlich schämensich tatsächlich viele in dieser Personengruppe über Doppel- undDreifachbezüge, die den Verdacht aufkommen lassen könnten,politische Ämter werden auch ausgeübt, weil man sich die erlangteMachtposition auch durch so manches andere Zusatzamt versüßenkann.Personalmanagement. Einen besonderen „Tranzparenzbedarf“gibt es im Personalwesen: Hier geht es darum, die fähigste neueMitarbeiterin / den fähigsten neuen Mitarbeiter aus einer Fülle vonBewerbungen auszuwählen. Um zu vermeiden, dass persönlicheEigenschaften wie Geschlecht, ethnische Herkunft oder Altersolche Entscheidungen beeinflussen, gibt es bereits Länder, indenen viele dieser Eigenschaften im Lebenslauf (CV) nicht mehrangegeben werden: Auf solchen Lebensläufen wird z.B. derVorname durch ein Initial abgekürzt, ein Bild weggelassen, ebensodas Geburtsdatum.Was mit solchen Bewerbungsvorgaben bewiesen ist: tatsächlichkann die Angabe des Geschlechts in einer Bewerbung die Auswahlbeeinflussen. So manche Maßnahme betrieblicher Frauenförderungmuss dann auch Männern in einem anderen Licht erscheinen.Controlling. All das, was in den Gender Statistiken (es gibt vielmehr, als ich in diesem Buch bisher aufgezählt habe) daraufhinweist, dass Frauen in bestimmten Bereichen nicht so gutteilhaben können, weniger verdienen, schlechtere Chancen haben,bedarf einer transparenten Erklärung. In den meisten modernenBetrieben werden ja Prozesse, die optimiert werden müssen, durchControlling überprüft – ein Transparenzinstrument, dass auch fürden Gender-Bereich Sinn ergibt – und auch angewandt wird: dennauch eine Gender Balance Quote (bisher meist Frauenquotegenannt) ist ein Controllingziel.Wer hingegen Benachteiligungen aufgrund des Geschlechts lieberauf sich beruhen lässt ohne transparente Erklärungen dafür zuliefern (auch dafür, warum nichts dagegen unternommen wird) hat 45
  • 46. auf dem Gebiet der modernen Staatsführung (in der Politik) oderBetriebsführung (in der Wirtschaft) noch etwas dazuzulernen. >> Eine geringe Gleichberechtigung ist ein Indiz für mangelhafte TransparenzBestätigt wird dieser Satz übrigens durch den Korruptionsindex(Corruption Perceptions Index) der jährlich aufwww.transparency.org veröffentlicht wird: Denn auch in dieserStatistik (hier: 2010) scheinen die „Top Gender Balanced“ Länderals die am wenigsten von Korruption Betroffenen auf: DÄNEMARK 1 NEUSEELAND 2 Singapur 3 FINNLAND 4 SCHWEDEN 5 KANADA 6 NIEDERLANDE 7 Australien 8 SCHWEIZ 9 NORWEGEN 10SOLIDARITÄTÜber Solidarität habe ich eigentlich bereits viel im Abschnitt überPartizipation geschrieben: Jeder „Sozialstaat“ gründet auf derPhilosophie, dass die Stärkeren die Schwächeren mittragen. „DieStärkeren“ tun das nicht uneigennützig: Länder, in denen es guteSozialsysteme gibt, sind sicherer: es gibt weniger Kriminalität undweniger politischen Extremismus. Und auch die Wirtschaftprofitiert davon, dass auch Menschen ohne eigenesErwerbseinkommen noch Güter einkaufen können.Hilfsbereitschaft. Eine höhere, „perfektionierte“ Form derSolidarität stellt meiner Ansicht nach die Hilfsbereitschaft dar: hier46
  • 47. geht es nicht mehr nur darum, Steuern für einen Sozialstaat zuzahlen, der mich selbst in einer Notlage auffangen könnte – denndas ist ja vorerst noch ein „Tausch-Gedanke". HilfsbereiteMenschen geben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten: aus einerhumanistischen Lebensphilosophie heraus – etwa durch Spendenan eine gemeinnützige Organisation, oder durch ehrenamtlicheMitarbeit bei einem Verein.All jene Männer, die es für sich beanspruchen Werte wieHilfsbereitschaft und Solidarität zu vertreten müssen überprüfen,ob diese Solidarität und Hilfsbereitschaft auch gegenüber derweiblichen Bevölkerungshälfte gilt. Der Autor Peter Redvoort hatin seinem Buch „Die Söhne Egalias“ (eigentlich ein Lyrikband) dieTheorie aufgestellt, dass private Krisen, die Männer mit Frauenhatten oder haben, sie von dieser Hilfsbereitschaft abhält, die inanderen Gesellschaftsbereichen (z.B. Armut, Behinderung) für sieselbstverständlich sind. >> Mangelnde Gleichberechtigung ist ein Indiz für ein unterentwickeltes Solidaritätsgefühl in einer GesellschaftFRIEDFERTIGKEITEin wirklich modernes Land löst seine Konflikte auf friedliche Artund Weise. Im Großen wird das durch Strukturen wie Gerichteund ein Justizsystem, in dem man Streitigkeiten schlimmstenfallsmit einer gerichtlichen Verhandlung beilegt ermöglicht.Im Kleinen ist das z.B. eine Gesprächskultur, die mehr aufVermittlung als auf Konfrontation abzielt: sie wird bereits inSchulen gelehrt und fußt in den meisten europäischen Ländern aufeiner jahrzehntelangen Kultur, die wiederum auf eine sehr negativeKriegserfahrung zurückgeht. 47
  • 48. In diesem Zusammenhang ist historisches Wissen besondersrelevant: Wer lernt, welche Auswirkungen Kriege hatten, wie starkZerstörung ganze Länder zurückgeworfen haben und wietiefgreifend Hassgefühle nach einem Krieg die Völkerverständigungblockieren, der begreift wie wichtig eine Kultur des Friedens ist.Die reichsten Länder der Welt blicken oft historisch gesehen aufeine längere friedliche Phase zurück, in denen der Wohlstand ebennicht zerstört wurde – und sie entwickelten aus dieser Erfahrungheraus ein friedliches Männlichkeitsideal (wie ich im Kapitel zudem Thema gezeigt habe), das auch mit einer fürsorglichenVäterlichkeit zu tun hat.Ebenso gilt als erwiesen, dass weniger patriarchale politischeSysteme weniger anfällig für strukturelle Gewalt sind, weil sie mehrauf Kooperation als auf Kontrolle setzen. >> Mangelnde Gleichberechtigung ist ein Indiz für strukturelle Gewalt und ein Nährboden für kriegerische MännlichkeitsidealeVIELFALT / TOLERANZWie ich im Kapitel über Diversity gezeigt habe, sehen moderneLänder die Unterschiedlichkeit der Menschen nicht als Gefahr,sondern als Potential für Wirtschaft und Gesellschaft. Insoferne istdie Toleranz, die in diesen Staaten herrscht, nicht nur ein„Ertragen“ der Unterschiedlichkeit, sondern das Erkennen vonneuen Chancen, die aus dieser Unterschiedlichkeit erwachsen:Durch neue Betrachtungsweisen, die zum Beispiel ausverschiedenen kulturellen Blickwinkeln entstehen, können neueLösungen gefunden werden. Und MitarbeiterInnen mitunterschiedlichem sozialen Background können Produkte und48
  • 49. Dienstleistungen besser an genau diese unterschiedlichenZielgruppen verkaufen: An Personen mit verschiedenen Sprachen(vielleicht sogar weltweit), an Personen unterschiedlichen Altersund Geschlechts – und vermutlich kann man manche Produktesogar bei Personen unterschiedlicher sexueller Orientierung besservermarkten, wenn man diese Zielgruppe durch eigeneMitarbeiterInnen besser kennt.Diese Sichtweise fördert auch einen neuen Blick auf dieGleichberechtigung von Frauen und Männern: Wo sie früher voneinigen Männern als „lästiges Problem“ gesehen wurde setzt sichzunehmend die Erkenntnis durch, dass Frauen auch für den Erfolgvon Unternehmen und Organisationen wichtig sind:Durch neue Blickwinkel und eine andere Arbeitsweise verbessernsie Produkte und Dienstleistungen – und gewinnen damit mehrFrauen als Kundinnen. >> Geringe Gleichberechtigung ist ein Indiz für mangelnde Toleranz und das Fehlen von Diversitystrategien, die das Potential unterschiedlicher Sichtweisen ausschöpfen könntenZUSAMMENFASSUNGWer heutzutage in einer politischen, wirtschaftlichen odergesellschaftlichen Machtposition ist, in der er oder sie einenModernisierungsprozess ins Laufen bringen muss, tut gut daran,sich zu fragen: „Wie steht es bei uns mit Partizipation,Transparenz, Solidarität, Friedfertigkeit, Diversity (und, impolitischen Umfeld: mit Demokratie)?“Eine Antwort auf diese Frage wird mit Sicherheit in einerAnalyse der Gender Balance im jeweiligen Wirkungskreis zufinden sein. 49
  • 50. NachwortIch möchte dieses Buch mit einem wunderbaren Text von PeterRedvoort beschließen, der sehr vieles von dem, was ich in diesemBuch wissenschaftlich erhörtert habe, in lyrischer Form ausdrückt: „Ich bin in die reichsten Länder der Welt gereist - in den Norden Europas - und habe festgestellt, dass dies gleichzeitig jene Länder sind die ihren Demokatiebegriff auch konsequent auf Frauen und Männer anwenden. Wenn in einem dieser Länder also die Hälfte der Bevölkerung weiblich ist, so geben die Frauen nicht nur fünfzig Prozent der Stimmen bei Wahlen ab, sondern sollen auch die Hälfte aller anderen Ressourcen bekommen: In der Bildung, im Eigentum, in der beruflichen Karriere, im Gesundheitswesen, im Wohnraum, im Gemeinschaftsleben und der Familie. Denn was sonst ist ökonomisch sinnvoll, als die Fähigkeiten jedes einzelnen Menschen - egal ob Mann oder Frau - zur Entfaltung zu bringen, anstatt sie brachliegen zu lassen. Nur so kann Wohlstand auf einer breiten Basis entstehen - auch, weil Familien durch zwei gleichwertige Einkommen besser finanziell abgesichert sind als nur durch eines (oder durch ein geringeres Einkommen von Frauen).50
  • 51. Auch die Gespräche zwischen Männern und Frauen werden abwechslungsreicher wenn jene Frauen nun auch von ihrer Erwerbsarbeit erzählen, die sich bisher nur der Hausarbeit widmen konnten. Und der Frieden, den wir uns alle wünschen, tritt automatisch ein, wenn Männer in gleichem Maße wie Frauen kleine Kinder betreuen: Denn in der Anstrengung, ein Kind aufzuziehen und zu begleiten erkennen sie, dass dieses menschliche Leben zu kostbar ist, um es in Kriegen zu gefährden und zu töten. So erlernen diese Männer Fürsorglichkeit und die Fähigkeit, Konflikte behutsam zu lösen, und sie ziehen Jungen und Mädchen heran, die nicht ihr Leben lang die Sehnsucht nach dem Vater mit sich herumtragen - und diese oft destruktiv zu kompensieren versuchen. Indem sie solch aktive Väter sind, erkennen sie auch den Zustand der Umwelt und Natur, in die ihre eigenen Kinder hineinwachsen - und legen größeres Augenmerk auf deren Schutz, weil sie die Lebensqualität ihrer Nachkommen sichern wollen. Auch ich möchte in so einem wohlhabenden, friedlichen und ökologischen Land leben. Auch ich bin ich ein Geschlechterde- mokrat.”(Quelle: http://genderdemocracy.blogspot.com ) 51
  • 52. „In Frauen zu investieren ist nicht nur richtig, sondern auch klug. Ich bin der tiefen Überzeugung, dass die Welt in den Frauen das wichtigste und doch bisher ungenützte Potential für Entwicklung und Frieden zur Verfügung hat.“ (UN Generalsekretär Ban Ki Moon)“..investing in women is not only the right thing to do. It is the smartthing to do. I am deeply convinced that, in women, the world has at itsdisposal, the most significant and yet largely untapped potential fordevelopment and peace.”Ban Ki Moon, UN Secretary General, 8 March 2008 at the InternationalHumanist and Ethical Union (www.iheu.org).52
  • 53. LiteraturCSIKSZENTMIHALYI, Mihaly: “Flow” (in mehreren Verlagenmit unterschiedlichen Schwerpunkten erschienen).DIVERSITYWORKS / PROVE GmBH: Diversity Kompendium:http://www.diversityworks.at/diversity_kompendium.pdfFELBER, Christian: „Die Gemeinwohl-Ökonomie. DasWirtschaftsmodell der Zukunft.“ Deuticke, 2010GALTUNG, Johan: „Strukturelle Gewalt. Beiträge zur Friedens-und Konfliktforschung.“, Reinbek, 1988HÖRMANN, Franz / PREGETTER, Otmar: „Das Ende desGeldes. Wegweiser in eine ökosoziale Gesellschaft“. Galila, 2011INGLEHART, Ronald / NORRIS, Pippa: „Rising Tide. GenderEquality and Cultural Change around the world“. CambridgeUniversity Press, 2003LAYARD, Richard: “Die glückliche Gesellschaft. Was wir aus derGlücksforschung lernen können“. Campus Verlag, 2009McKINSEY: „Women matter. Gender Diversity, a corporateperformance driver”, 2007:http://www.mckinsey.com/locations/paris/home/womenmatter/pdfs/Women_matter_oct2007_english.pdfPICKETT, Kate / WILKINSON, Richard: “Gleichheit ist Glück.Warum gerechte Gesellschaften für alle besser sind.“ Tolkemitt,2009.SCHWARZ, Gerhard: „Die heilige Ordnung der Männer.Patriarchalische Hierarchie und Gruppendynamik.“ Verlag fürSozialwissenschaften, 2000THEWELEIT, Klaus: „Männerphantasien II. Männerkörper – zurPsychoanalyse des weißen Terrors.“ DTV, 1995 53
  • 54. WITTENBERG COX, Avivah: (with Alison Maitland) “Why women mean business. Understanding the emergence of our next Economic Revolution”. Wiley, 2009 “How women mean business. A step by step guide to profiting from gender balanced business”. Wiley, 2010ZITATKasper RORSTED (Henkel) wurde zitiert nach:http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/strategie/die-vielfalt-kann-den-erfolg-befluegeln/2753590.html (Zugriffam 23.3.2011)54
  • 55. Weitere KEYWORDS für diese Publikation:Feministische Ökonomie, Frauenförderung,Frieden, Friedensbewegung, Peace MovementGender Diversity, Gender Politics, Gender EqualityGender Mainstreaming, Gender Consulting, GenderberatungGender Studies / Genderforschung / GeschlechterforschungGender Training Manual, Gender Ökonomie, Gender EconomyGender Training mit MännernMänner und GleichberechtigungMännlichkeiten – Masculinities – MännerforschungMännerberatung, Männertraining, Männer-ConsultingManaging E-Quality / Managing EqualityRecruiting, EURES, EURES Berater, EURES Adviser, EURESAdvisor, European Employment ServicesUnternehmensberatungVäterförderung, aktive VaterschaftVäterkarenz 55
  • 56. KlappentextDie reichsten Länder der Welt sind auch jene mit der der amweitest fortgeschrittenen Gleichberechtigung zwischen Frauen undMännern.Ausgehend von dieser Beobachtung vergleicht der Soziologe PeterJedlicka internationale Statistiken zu Wirtschaftswachstum, Friedenund Lebensqualität um daraus Schlüsselfaktoren moderner Staatenherauszufiltern und zu dem Ergebnis zu kommen:„Gleichberechtigung ist kein Frauenthema – es ist dieSchlüsselkategorie für jede Politik, die sich dem Wohlstand unddem Wohlbefinden der Menschen verpflichtet fühlt und damit einGradmesser für die Modernität eines Landes.“56