Was ist der Reiz am neuen Netz?
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Was ist der Reiz am neuen Netz?

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Vortrag an der Maria-Ward-Schule Mainz, 5.11.2009

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  • Notizen:

Was ist der Reiz am neuen Netz? Presentation Transcript

  • 1. Was ist der Reiz am neuen Netz?
      • Dr. Jan Schmidt
      • Wissenschaftlicher Referent für digitale interaktive Medien und politische Kommunikation
        • Mainz, 05.11.2009
  • 2. Was wäre, wenn es kein Internet gäbe?
    • [ Zitate aus Gruppendiskussionen mit Jugendlichen in Hamburg und im Emsland]
    • „ Ich glaube, man würde damit klar kommen. Aber wenn man wüsste, dass es das mal gab und dann abgeschafft wird, ich glaub, dann würde ich durchdrehen. [- Warum? -] Ich müsste dann auf Youtube-Videos und so verzichten, und die sind schon witzig. Oder Chat und so.“ [Mädchen, 14 Jahre]
    • „ Bei mir ist es, ich nutze halt das Internet einerseits sehr viel zur Kommunikation – Messenger läuft bei mir fast 24 Stunden am Tag, SchülerVZ ist natürlich auch hoch frequentiert. Aber zum Zweiten nutze ich das auch sehr viel, um mir halt Informationen zu beschaffen, die ich brauche.“ [Junge, 17 Jahre]
    • „ Es geht auch ohne Internet, man kann ja auch was machen, was man nicht im Internet macht. Man kann zum Beispiel Playstation spielen, oder Nintendo DS, es gibt alles mögliche. Man muss nicht immer in Internet rennen, sonst is man n Internet-Freak.“ (Mädchen, 13 Jahre)
  • 3. Eignung von Medien (in %) Quelle: Schmidt/Paus-Hasebrink/Hasebrink 2009; Frage: „Welches Medium ist am Besten geeignet, … “ 4,2 2,0 0,5 59,2 6,3 27,9 Wenn Du Spaß haben willst. 4,0 27,0 4,7 43,6 2,2 18,6 Wenn Du erfahren willst, was gerade „in“ oder „out“ ist. 1,8 1,6 3,1 90,0 1,0 2,5 Wenn Du Informationen zu einem konkreten Problem suchst, das Dich beschäftigt. 6,4 10,3 4,9 8,7 27,1 42,6 Wenn Du Dich ausruhen möchtest. 0,4 2,4 28,5 34,8 4,3 29,5 Wenn Du Dich informieren möchtest, was in der Welt los ist nichts davon Zeitschr. Zeitung Internet Radio TV n=650 
  • 4. Mediennutzung unter 12-24jährigen (in %) „ Zumindest einmal pro Woche“; Quelle: Schmidt/Paus-Hasebrink/Hasebrink 2009
  • 5. Verbreitung ausgewählter Anwendungen unter 12-24jährigen (in %) „ Zumindest einmal pro Woche“; Quelle: Schmidt/Paus-Hasebrink/Hasebrink 2009
  • 6. Internetaktivitäten unter 12-24jährigen (in %) „ Zumindest einmal pro Woche“; Quelle: Schmidt/Paus-Hasebrink/Hasebrink 2009
  • 7. Was erleichtert das Internet?
    • Das Internet senkt die Hürden für…
    www.flickr.com/photos/44029537@N00/12760664/
      • Identitätsmanagement (Darstellung individueller Interessen, Erlebnisse, Meinungen, Kompetenzen, etc.)
    http://flickr.com/photos/mylesdgrant/495698908/
      • Beziehungsmanagement (Pflege von bestehenden und Knüpfen von neuen Beziehungen)
    http://www.flickr.com/photos/axels_bilder/1267008046/
      • Informationsmanagement (Auswählen, Filtern und Weiterverbreiten von relevanten Daten, Informationen, Wissen- und Kulturgütern)
  • 8. Internet – eine eigene Welt?
    • Was viele denken : Das Internet ist ein „Cyberspace“, in dem Menschen ihren Körper hinter sich lassen und neue Identitäten schaffen könnten
    http://themiddleeastinterest.files.wordpress.com/2007/12/matrix.jpg  Aber: Wie wird Identität im Internet tatsächlich abgebildet?
  • 9. Identitäten im Internet
  • 10. Entstehen persönlicher Öffentlichkeiten
    • Für viele Nutzer besteht ein Reiz des Social Web darin, ihre sozialen Beziehungen aus dem „echten Leben“ artikulieren, pflegen und erweitern zu können
    • Treten dabei überwiegend mit ihrer „echten“ Identität auf, um auffindbar zu sein und Selbstpräsentation, ggfs. auch Reputation an eigene Person zu koppeln
    • Insbesondere auf Netzwerkplattformen (wie schülerVZ, wer-kennt-wen oder Facebook) werden „weak ties“ abgebildet und aufrecht erhalten, die über den Kreis der engen Freunde hinausgehen, ohne deswegen beliebig zu sein
  • 11. Artikulierte soziale Netzwerke Quelle: Schmidt/Paus-Hasebrink/Hasebrink 2009 67 Prozent 62 Prozent weniger als die Hälfte 13 Prozent 15 Prozent die meisten Sehen als enge Freunde an 2 Prozent 5 Prozent weniger als die Hälfte 91 Prozent 85 Prozent die meisten Haben davon bereits persönlich getroffen 157 Freunde 130 Freunde Haben im Durchschnitt Gymnasiastinnen 14-18 Jahre Alle Befragten
  • 12. Persönliche Öffentlichkeiten
  • 13. Persönliche Öffentlichkeiten
  • 14. Persönliche Öffentlichkeiten
  • 15. Was ist das Besondere von persönlichen Öffentlichkeiten?
    • Die „Räume“ im Internet, in denen wir uns über alle erdenklichen Themen austauschen, sind anders gestaltet als Schulhöfe, Stammtische oder Fernseh-Talkshows
    • Sie sind….
      • Dauerhaft : Fotos, Kommentare oder Meinungen sind auch Tage, Wochen oder Jahre später noch abrufbar
      • Kopierbar : Texte, Bilder, Videos etc. können ohne Qualitätsverlust (und damit möglicherweise unbemerkt) kopiert und an anderer Stelle eingefügt werden
      • Skalierbar : Ein Video können zehn, hundert oder fünf Millionen Menschen anschauen
      • Durchsuchbar: Informationen über eine Person oder ein Thema können von ganz unterschiedlichen Stellen im Netz zusammen getragen werden
    • Diese Merkmale bieten eine ganze Reihe von Vorteilen, können aber auch zu Problemen führen
  • 16. Problematisches Nutzungsverhalten (in %) „ bereits vorgekommen“; Quelle: Schmidt/Paus-Hasebrink/Hasebrink 2009
  • 17.
    • Umgang mit Privatsphäre anderer Personen (18-24jährige, formal niedrige Bildung, HH)
    • Int: Und kennst du jemanden, der auch schon ein bisschen Ärger mit peinlichen Fotos... oder gab's da mal Probleme?
    • F_1: Also bei uns ist das eigentlich so, bei meinen ganzen Bekannten, wir fragen vorher, ob wir das Foto reinstellen können , oder solche Sachen. Weil ich weiß nicht, nachher fotografieren die mich, wenn ich da halbwegs irgendwie besoffen (..) in den Hafen reinfall' oder so was. Das will ich ja auch nicht, dass das im Internet ist und daher wird eigentlich bei uns immer vorher gefragt.
    Umgang mit Privatsphäre (1)  Was man im Internet veröffentlicht, kann auch andere Personen betreffen – deswegen besser immer fragen, bevor man etwas über jemanden schreibt, jemandem auf einem Foto markiert, etc.  Und immer dran denken - am anderen Bildschirm sitzt auch ein Mensch. Die goldene Regel gilt auch im Internet: Behandele andere so, wie Du selbst gerne behandelt werden möchtest.
  • 18. Umgang mit Privatsphäre (2)
  • 19. Umgang mit Privatsphäre (3)
    • Immer überlegen, wer alles Zugriff auf das eigene Profil haben könnte.
    • Gerade nach dem Schulabschluss, wenn man im Beruf oder Studium mit ganz unterschiedlichen Menschen zu tun hat, sollte man sich nicht allen Leuten von seiner ganz privat-persönlichen Seite zeigen.
  • 20. Umgang mit Privatsphäre (4)
    • Jede Seite, bei der man persönliche Informationen einstellt, hat „Privatsphäreeinstellungen“ (hat sie die nicht, ist es keine gute Seite….).
    • Diese Einstellungen sollte man sich auf jeden Fall genau anschauen und bei Bedarf so ändern, dass nicht jeder alles sehen darf.
  • 21. Das Ende der Privatsphäre? http://www.colinupton.com/illus/images/cyberillo1.jpg http://www.flickr.com/photos/mrlerone/2360572263/
  • 22. Fazit
      • Ein Reiz des Internets besteht in den Möglichkeiten, sich mit den eigenen Interessen, Hobbies, Erlebnissen o.ä. zu präsentieren und bereits bestehende soziale Beziehungen über einen weiteren Kanal pflegen – das Internet wird zum Social Web
      • Gerade für Jugendliche unterstützt das Social Web Praktiken und Handlungsweisen, die elementar zum Prozess des Heranwachsens gehören: Das Herausbilden und Festigen der eigenen Identität, die Verortung in sozialen Gruppen und die Orientierung in der Welt
      • Jugendliche erlernen im Social Web auch Fertigkeiten, die in der gegenwärtigen Ge-sellschaft („Wissensgesellschaft“, Leitbild der vernetzten Individualität) vonnöten sind
      • Nutzungsweisen finden allerdings unter Kommunikationsbedingungen statt, die die Grenzen zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit verschieben; die Konventionen und Erwartungen über den Umgang mit solchen persönlichen Öffentlichkeiten werden gerade erst gesellschaftlich ausgehandelt
  • 23. Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
    • Dr. Jan-Hinrik Schmidt
    • Hans-Bredow-Institut
    • Warburgstr. 8-10, 20354 Hamburg
    • [email_address]
    • www.hans-bredow-institut.de
    • www.schmidtmitdete.de
    • www.dasneuenetz.de
  • 24. Weiterführende Literatur
      • ARD-ZDF-Onlinestudie 2009:
        • Van Eimeren, Birgit/Beate Frees (2009): Der Internetnutzer 2009 – multimedial und total vernetzt? Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie 2009. In: Media Perspektiven, Nr. 7, 2009, S. 334-348. Online verfügbar: http://www.media-perspektiven.de/uploads/tx_mppublications/Eimeren1_7_09.pdf.
        • Busemann, Katrin/Christoph Gscheidle (2009): Web 2.0: Communitys bei jungen Nutzern beliebt. In: Media Perspektiven, Nr. 7. S. 356-364. Online verfügbar: http://www.media-perspektiven.de/uploads/tx_mppublications/ Busemann_7_09.pdf .
      • Benkler, Yochai (2006): The Wealth of Networks. How social production transforms markets and freedom. New Haven/London.
      • Boyd, Danah/ Nicole Ellison (2007). Social network sites: Definition, history, and scholarship. Journal of Computer-Mediated Communication, 13(1), article 11.http://jcmc.indiana.edu/vol13/issue1/boyd.ellison.html
      • Bruns, Axel (2008): Blogs, Wikipedia, Second Life, and beyond. From production to produsage. New York.
      • Jenkins, Henry (2006): Convergence Culture. Where old and new media collide. New York.
      • Kang, Jeong-Soo (2009): Ausgestaltung des Wertschöpfungsprozesses von Online-Nachrichten. Dissertation an der Privaten Universität Witten/Herdecke. Erscheint 2010 bei Gabler .
      • Neuberger, Christoph/Christian Nuernbergk/Melanie Rischke (Hg.) (2009): Journalismus im Internet. Profession – Partizipation – Technisierung. Wiesbaden.
      • Rölver, Markus/Paul Alpar (2008): Social News, die neue Form der Nachrichtenverteilung? In: Paul Alpar/Steffen Blaschke (Hrsg.): Web 2.0 – Eine empirische Bestandsaufnahme. Wiesbaden. S. 259-330.
      • Schmidt, Jan (2009): Das neue Netz. Merkmale, Praktiken und Konsequenzen des Web 2.0. Konstanz.
      • Schmidt, Jan/Ingrid Paus-Hasebrink/Uwe Hasebrink (Hrsg.) (2009): Heranwachsen mit dem Social Web. Berlin .