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Vortrag beim Arbeitskreis Kunst und Kultur des Bundesverbands Deutscher Stiftungen, 21.10.2010, Hamburg

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Kommunikationswandel hamburg 2010_print Kommunikationswandel hamburg 2010_print Presentation Transcript

  • Wandel von Öffentlichkeit Wie das Internet die Kommunikation verändert (und was das für Kunst- und Kulturstiftungen bedeuten könnte)
      • Dr. Jan-Hinrik Schmidt
      • Wissenschaftlicher Referent für digitale interaktive Medien und politische Kommunikation
        • Hamburg, 21.10.2010
  • Worüber spreche ich?
    • Das Internet als Universalmedium, das unterschiedliche Kommunikationsmodi vereint.
    • Das Entstehen neuer Öffentlichkeiten und der Verlust des Vermittlungsmonopol von journalistisch-publizistischer Kommunikation.
    • Die Folgen dieser Disintermediation für Kunst- und Kulturstiftungen.
  • (1) Zielgruppe der Zukunft: Die Digital Natives
    • „ Was wäre, wenn es kein Internet gäbe?“ [Zitate aus Gruppendiskussionen mit Jugendlichen in Hamburg und im Emsland]
      • „ Ich glaube, man würde damit klar kommen. Aber wenn man wüsste, dass es das mal gab und dann abgeschafft wird, ich glaub, dann würde ich durchdrehen. [- Warum? -] Ich müsste dann auf Youtube-Videos und so verzichten, und die sind schon witzig. Oder Chat und so.“ [Mädchen, 14 Jahre]
      • „ Bei mir ist es, ich nutze halt das Internet einerseits sehr viel zur Kommunikation – Messenger läuft bei mir fast 24 Stunden am Tag, SchülerVZ ist natürlich auch hoch frequentiert. Aber zum Zweiten nutze ich das auch sehr viel, um mir halt Informationen zu beschaffen, die ich brauche.“ [Junge, 17 Jahre]
      • „ Es geht auch ohne Internet, man kann ja auch was machen, was man nicht im Internet macht. Man kann zum Beispiel Playstation spielen, oder Nintendo DS, es gibt alles mögliche. Man muss nicht immer in Internet rennen, sonst is man n Internet-Freak.“ (Mädchen, 13 Jahre)
  • (1) Internet befriedigt unterschiedliche kommunikative Bedürfnisse Quelle: Schmidt/Paus-Hasebrink/Hasebrink 2009; Adäquanz [nicht faktische Nutzung] (in %; 12-24-Jährige) 4,2 2,0 0,5 59,2 6,3 27,9 … wenn Du Spaß haben willst. 4,0 27,0 4,7 43,6 2,2 18,6 … wenn Du erfahren willst, was gerade „in“ oder „out“ ist. 1,8 1,6 3,1 90,0 1,0 2,5 … wenn Du Informationen zu einem konkreten Problem suchst, das Dich beschäftigt. 6,4 10,3 4,9 8,7 27,1 42,6 … wenn Du Dich ausruhen möchtest. 0,4 2,4 28,5 34,8 4,3 29,5 … wenn Du Dich informieren möchtest, was in der Welt los ist nichts davon Zeitschr. Zeitung Internet Radio TV n=650 
  • (1) Web 2.0-Anwendungen etablieren sich Repräsentativ für deutsche Online-Nutzer ab 14 Jahren Quelle: ARD/ZDF-Onlinestudie 2010 Abb 1: Nutzung von Web 2.0-Angeboten in D (in %; zumindest selten genutzt)
  • (2) Was geschieht im Web 2.0?
    • Das Web 2.0 senkt die Hürden für onlinebasiertes…
    www.flickr.com/photos/44029537@N00/12760664/
      • Identitätsmanagement (Darstellung individueller Interessen, Erlebnisse, Meinungen, Kompetenzen, etc.)  z.B. Weblogs, YouTube
    http://flickr.com/photos/mylesdgrant/495698908/
      • Beziehungsmanagement (Pflege von bestehenden und Knüpfen von neuen Beziehungen)
      •  z.B. Facebook, studiVZ, XING, Wer-kennt-Wen
    http://www.flickr.com/photos/axels_bilder/1267008046/
      • Informationsmanagement (Selektion und Weiterverbreitung von relevanten Daten, Informationen, Wissen- und Kulturgütern)
      •  z.B. Wikipedia, Twitter
  • (2) Entstehen persönlicher Öffentlichkeiten
    • Das Web 2.0 ermöglicht es, eigene persönliche Öffentlichkeiten zu schaffen, in denen
    • (a) Informationen nach Kriterien der persönlichen Relevanz ausgewählt werden , [anstatt nach journalistischen Nachrichtenfaktoren]
    • (b) man sich an ein (intendiertes) Publikum richtet, das aus sozialen Kontakten besteht , [anstatt des verstreuten, unbekannten, unverbundenen Publikums der Massenmedien]
    • (c) und sich im Kommunikationsmodus des „Konversation betreibens“ befindet [anstatt im Modus des „Publizierens“]
  • (I) Struktur von Öffentlichkeit
    • Im Social Web verschwimmt die Trennung zwischen den „Sender“- und „Empfänger“-Rollen, die die Massenkommunikation kennzeichnen
    • Twitter, Facebook u.ä. Angebote haben Konzept des „streams“ popularisiert – der konstante Informationsfluss, der an die Seite bzw. Stelle von statischem Text tritt
  • (2) Wie orientiere ich mich in der Welt?
    • Die Grenzen zwischen journalistischen und „Laien“-Öffentlichkeiten werden fließender,…
    • … weil Nutzer als Urheber von Informationen auftreten („user-generated content“)
    • … insbesondere aber, weil Nutzer als Filter bzw. Multiplikatoren innerhalb ihrer sozialen Netzwerke agieren und Informationen (auch aus etablierten Medien bzw. professioneller Kommunikation) miteinander teilen
    • Populärer Mythos: Das Web 2.0 verdrängt den professionellen Journalismus bzw. macht ihn überflüssig.
    • Richtig ist: In dem Maße, wie Menschen ohne besondere technische oder berufliche Ausbildung Informationen mit anderen teilen können, schwindet das Monopol von professionellen Experten (Journalisten, Enzyklopädisten, Bibliothekare, …) auf das Auswählen, Aufbereiten und öffentliche zur-Verfügung-Stellen von Informationen
  • (2) Folge des Medienwandels: Disintermediation z.B. Stiftungen Quelle: Neuberger/Nuernbergk/Rischke 2009
  • (3) Disintermediation: Fluch oder Segen?
    • Das entstehende Gefüge von vernetzten Öffentlichkeiten und in ihnen agierenden Kommunikatoren beeinflusst auch die (Öffentlichkeits-)Arbeit von Stiftungen:
      • Kontakt mit den eigenen Zielgruppen kann leichter fallen; gerade Nischenthemen & -anliegen, können sichtbar gemacht und transportiert werden
      • Neue Vermittlungsformen (vom wöchentlichen Kulturtipp auf YouTube über die Kunst-App bis hin zu „World of Stiftungscraft“ bzw. „educational games“?) können neue Zielgruppen erreichen helfen
      • Die „people formerly known as the audience“ können wiederum auch als Multiplikatoren für Themen, Positionen oder Hinweise agieren
      • Im Nebeneinander von Informationsanbietern im Netz können (und sollten) Stiftungen ihr „ kommunikatives Kapital “ (Vertrauenswürdigkeit, Verlässlichkeit, Engagiertheit, …) auch in Abgrenzung zu publizistisch und/oder kommerziell motivierter Kommunikation ausspielen
  • (3) Disintermediation: Fluch oder Segen?
    • Gleichzeitig entstehen aber auch zahlreiche Anforderungen an die eigene Kommunikationsarbeit:
      • Sichtbarkeit ist entscheidend – „nur wer auffindbar ist, existiert“ wird zu „nur wer fortlaufend kommuniziert, existiert“
      • Zentrale kommunikative Erwartungen der neuen Öffentlichkeiten – insbes. Transparenz und Dialogbereitschaft – müssen unter Umständen erst erlernt werden
      • Vernetzte Öffentlichkeiten bringen neue Intermediäre hervor (appStores, iTunes, YouTube, Facebook, …), die Informationen und Aufmerksamkeit nicht nach publizistischen, sondern nach ökonomischen und/oder technischen Kriterien kanalisieren
      • Nicht zuletzt aufgrund der verschwimmenden Grenzen von Privatsphäre und Öffentlichkeit ist eine interne Selbstverständigung (die z.B. in „ social media guidelines “ mündet) ratsam, die das Auftreten einer Stiftung und ihrer Mitarbeiter/innen im Web 2.0 thematisiert
  • Fazit
    • Das Internet hat sich in sehr kurzer Zeit gesellschaftlich etabliert und ist vor allem für jüngere Menschen, aber auch einen stetig wachsenden Teil von Älteren selbstverständlicher Teil des (Medien-)Alltags
    • Gerade die neueren Anwendungen des Web 2.0 verändern das Umfeld, in dem Menschen Identitäts-, Beziehungs- und Informationsmanagement betreiben
    • Sie lassen einen neuen Typ von Öffentlichkeit entstehen: Persönliche Öffentlichkeiten bestehen aus Informationen von persönlicher Relevanz, die an vergleichsweise kleine Publika gerichtet sind; es geht eher um Konversation als um Publizieren
    • Professionelle Kommunikation wird dadurch nicht obsolet, muss sich aber auf Prozesse der Disintermedation einstellen, in denen das Publikum eine aktivere Rolle einnimmt
    • Entscheidend ist (nach wie vor), die kommunikativen Ziele der eigenen Stiftung zu formulieren.
    • Erst auf ihrer Grundlage kann über den Einsatz von Werkzeugen, Kanälen oder Plattformen entschieden werden.
  • Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
    • Dr. Jan-Hinrik Schmidt
    • Hans-Bredow-Institut
    • Warburgstr. 8-10, 20354 Hamburg
    • [email_address]
    • www.hans-bredow-institut.de
    • www.schmidtmitdete.de
    • www.dasneuenetz.de
  • Weiterführende Literatur
      • ARD-ZDF-Onlinestudie 2010:
        • Van Eimeren, Birgit/Beate Frees (2010): Fast 50 Millionen Deutsche online – Multimedia für alle? Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie 2010. In: Media Perspektiven, Nr. 7-8, 2010, S. 334-349.
        • Busemann, Katrin & Gscheidle, Christoph (2010). Web 2.0: Nutzung steigt – Interesse an aktiver Teilnahme sinkt. Media Perspektiven , 7-8/2010, 359-368.
      • Benkler, Yochai (2006): The Wealth of Networks. How social production transforms markets and freedom. New Haven/London.
      • Boyd, Danah/ Nicole Ellison (2007). Social network sites: Definition, history, and scholarship. Journal of Computer-Mediated Communication, 13(1), article 11.http://jcmc.indiana.edu/vol13/issue1/boyd.ellison.html
      • Bruns, Axel (2008): Blogs, Wikipedia, Second Life, and beyond. From production to produsage. New York.
      • Jenkins, Henry (2006): Convergence Culture. Where old and new media collide. New York.
      • Neuberger, Christoph/Christian Nuernbergk/Melanie Rischke (Hg.) (2009): Journalismus im Internet. Profession – Partizipation – Technisierung. Wiesbaden.
      • Schmidt, Jan (2009): Das neue Netz. Merkmale, Praktiken und Konsequenzen des Web 2.0. Konstanz.
      • Schmidt, Jan/Ingrid Paus-Hasebrink/Uwe Hasebrink (Hrsg.) (2009): Heranwachsen mit dem Social Web. Berlin .