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Gemeinschaftsbildung durch Computerspiele
 

Gemeinschaftsbildung durch Computerspiele

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Vortrag beim Seminar "Jugend und elektronische Medien", 23-25.7.2008, Konrad-Adenauer-Stiftung, Schloß Eichholz

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Gemeinschaftsbildung durch Computerspiele Gemeinschaftsbildung durch Computerspiele Presentation Transcript

  • Gemeinschaftsbildung durch Computerspiele
      • Dr. Jan Schmidt
        • Schloss Eichholz, 24.6.2008
  • Vorab: Das Stereotyp des „einsamen Computerspielers“
  • Vorab: Das Stereotyp des „einsamen Computerspielers“
  • Worüber ich heute spreche
    • Einleitend zur Abgrenzung: Modalitäten des Spielens
    • Formen des gemeinsamen Spielens: Grundlagen und Befunde
      • Vor dem Computer / der Konsole
      • Vernetztes Spielen 1: LAN-Parties
      • Vernetztes Spielen 2: Multiplayer Online Games
      • Vernetztes Spielen 3: Browser Games & Social Games
    • Zusammenfassendes Fazit
  • Modalitäten des Spielens Game Regelorientiertes Spielhandeln Play Zweckfreies Tun Sport Leistungs-orientiertes Spiel Arbeit Entlohntes Handeln z.B. eSports z.B. Praxis des „Gold Farming“ z.B. ‚Second Life‘
  • (I) Gemeinsames Spielen vor dem Rechner / der Konsole
    • Gemeinsames Spielen mit Hilfe eines Computers oder einer Konsole ist vergleichsweise unaufwändig
    • Spielkonsolen haben üblicherweise zwei oder vier ‚Controller‘, die gemeinsames (kompetitives oder kooperatives) Spielen ermöglichen
    • Neben den ‚klassischen‘ Mehr-Personen-Spielen (z.B. Sport- oder Taktikspiele) sind in den vergangenen Jahren v.a. für die Spielkonsolen eine Reihe von Titeln auf den Markt gekommen, die als „Party-Spiele“ konzipiert sind: z.B. „Singstar“, „Guitar Hero“ oder Quizspiele
  • (I) Beispiel: Singstar http://www.flickr.com/photos//jcroft/468604612/
  • (I) Beispiel: Boxen auf der Wii http://www.flickr.com/photos/paladin27/350959281
  • (I) Beispiel: Autorennen auf XBOX http://www.flickr.com/photos/octaviorojas/534716480
  • Aktueller Trend: Onlinefähige Konsolen
    • Die Strategien der drei großen Konsolenanbieter (Microsoft/Xbox; Sony/Playstation; Nintendo/Wii) bezieht auch das Internet bzw. die Onlinefähigkeit der Konsolen mit ein
    • Konsole soll zum Multimedia-Entertainment-Center werden; dazu gehört auch das gemeinsame, vernetzte Spielen
    • Derzeit sind onlinefähige PCs jedoch noch deutlich stärker verbreitet; folgende Bemerkungen konzentrieren sich daher vorrangig auf PC-Bereich
  • (II) LAN-Spiele http://www.flickr.com/photos/mrbeany/1863137952 /
  • (II) LAN-Spiele
    • Viele Computerspiele sind „LAN-fähig“, d.h. mehrere Spieler können in einem „Local Area Network“ auch ohne Verbindung zum Internet daran teilnehmen
      • Privater Bereich : oft ad-hoc im Freundeskreis; Geselligkeit und Spaß in Gruppe Gleichgesinnter steht im Vordergrund
      • LAN-Parties : vororganisierte Veranstaltungen für 20-400 Teilnehmer
      • LAN-Events : für 1000 und mehr Personen gestaltet (Rekord: >10.000 Rechner beim „Dreamhack 2007“ in Schweden); hochgradig kommerzialisiert, oft international
    • Formen der szenetypischen Vergemeinschaftung haben sich herausgebildet (vgl. Hepp/Vogelsang 2008; Jansz/Martens 2005): Zusammengehörigkeitsgefühl; selbst aufgestellte Normen und ‚Kodizes‘; Mechanismen der Inszenierung und Statuszuschreibung
    • Gerade die ‚Szeneveteranen‘ (bspw. Organisatoren regelmäßiger LAN-Parties / -Events) bauen spezifisches Wissen auf, das für spätere berufliche Tätigkeit wichtig werden kann (z.B. technische Kompetenzen; Eventmanagement; Teamfähigkeit)
  • (III) Die Frühform der Onlinespiele: MUD
  • (III) Grundlagen von MUDs
    • Bereits Ende der 1970er Jahre entstanden die ersten Onlinespiele, die lange Zeit jedoch textbasiert blieben: „Multi User Dungeon“ (MUD)
      • Oft in Settings der Fantasy oder Science Fiction angesiedelt; Spielfiguren („Avatare“) erhalten für das Lösen von Aufgaben Punkte, die bestimmte Eigenschaften steigern lassen
      • Spielwelten konnten in der Regel simultan nur wenige 100 Spieler aufnehmen
      • Neben der Interaktion mit dem Spiel selbst boten MUDs unterschiedliche Kanäle zur interpersonalen Kommunikation (one-on-one- oder gruppenbezogene Kommunikation)
      • Bereits frühe Forschung zur computervermittelten Kommunikation der 1990er Jahre zeigte, wie durch regelmäßige Kommunikation in den Spielen (auch jenseits der reinen Spiel-handlung) soziale Normen, Konventionen und Rituale entstanden, die wiederum die Bildung von Vertrauen zwischen vorher unbekannten Spielern förderten (vgl. Döring 2003)
      • >90% nennen Wunsch nach sozialer Interaktion (u.a. Zeit mit anderen verbringen; mit anderen unterhalten) als Motiv für Nutzung von MUDs (vgl. Jenderek 2008; N=199; n.r.)
  • (III) Zeitgenösische Form: MMOGs http://flickr.com/photos/ross/311544207/
  • (III) Grundlagen von MMOGs
    • Technischer Fortschritt in Bezug auf grafische Darstellung und Bandbreite der Übertragungswege führte dazu, dass sich in den letzten zehn Jahren grafisch aufwändigere Onlinespiele durchgesetzt haben
    • Aufgrund der deutlich höheren Kapazität, viele Spieler gleichzeitig zu „beherbergen“, werden diese Spiele auch „Massive Multiplayer Online Games“ (MMOGs) genannt; die Bezeichnung „MMO RP G“ verweist auf das populäre Subgenre der Rollenspiele
    • Bekanntestes Spiel dieser Gattung ist „World of Warcraft“ (> 10.000.000 aktive Abonnenten im März 2008)
    • Besonderheit der meisten MMOGs: Spielwelt ist „persistent“, d.h. das Spielgeschehen schreitet auch voran, wenn man sich nicht im Spiel aufhält
    • Entwicklung und Betrieb solcher Onlinespiele ist sehr kostenaufwändig; Finanzierung meist über monatliche Abonnement-Gebühren
  • (III) Motive und Motivbündel
    • Tabelle 1: Motivbündel der Nutzung von MMORPGs (N=3.000; n.r.)
    Quelle: Yee 2007, S. 5 Escapism Relax, Escape form RL, Avoid RL, Avoid RL Problems Customization Appearances, Accessoires, Style, Color Schemes Teamwork Collaboration, Groups, Group Achievements Competetion Challenging Others, Provocation, Domination Role-Playing Story Links, Character History, Roles, Fantasy Relationsship Personal, Self-Disclosure, Find and Give Support Mechanics Numbers, Optimization, Templating, Analysis Discovery Exploration, Lore, Finding Hidden Things Socializing Casual Chat, Helping Others, Making Friends Advancement Progress, Power, Accumulation, Status Immersion Social Achievement
  • (III) Gemeinschaften im Spiel
    • Spezifische Vergemeinschaftungsformen resultieren aus dem wiederholten gemeinsamen Spielen
    • Variante A - Gruppenbildung online
      • durch Spielmechanismen vorgegeben und auch vorrangig im Spiel gepflegt: „Gilden“, „Föderationen“, „Allianzen“, …
      • Beispiel Ultima Online (vgl. Kolo/Baur 2004; N=103; n.r.)
        • 84% der Spieler sind Mitglied einer Gilde
        • 82% der Spieler haben relativ feste Gruppe an Spielpartnern
        • 34% der Spieler kennen mindestens ein Viertel ihrer Spielpartner auch offline
      • Interne Komplexität von Gilden o.ä. hängt auch von den Spielmechanismen ab: Viele Aufgaben im Spiel sind nur durch das koordinierte Handeln von mehreren Spielern möglich, die jeweils spezifische Fähigkeiten besitzen  zwischen 5 und 40 Spieler; Dauer solcher „Quests“ und „Raids“ oft mehrere Stunden
  • (III) Gemeinschaften rund um das Spiel
    • Variante B - Gruppenbildung offline
      • Formieren von „Clans“, d.h. Zusammenschlüsse regelmäßig gemeinsam spielender Personen (vgl. Wimmer/Quandt/Vogel 2008)
      • Motive: gemeinsames Spiel sowie spielerischer Wettbewerb gegen andere Clans
      • Bandbreite reicht von Spaß- und Hobbyclans bis hin zu professionell agierenden Clans, die sich über Sponsoren und Preisgelder finanzieren
      • Daraus folgt auch unterschiedlicher Grad der organisatorischen Hierarchie und Verbindlichkeit (z.B. in Hinblick auf regelmäßiges Training oder Wettkämpfe)
    • Zusammenspiel von Vergemeinschaftungsformen und Persistenz der virtuellen Welten macht einerseits Attraktivität dieser Spiele aus, kann andererseits aber auch die Verpflichtung zum Spielen erhöhen und in extremen Fällen zu exzessivem Spielen führen
  • (IV) Browsergames http://www.brettspielwelt.de
  • (IV) Grundlagen von Browser-Games
    • Während MMOGs in der Regel Erwerb und Installation eines separaten Programms voraussetzen, lassen sich „Browser-Games“ im regulären Web-Browser spielen
      • Große Variation von Spieletypen: Besonders verbreitet sind die „casual games“, vergleichsweise zeitunaufwändige und niedrigschwellige Spiele (z.B. Puzzles, Denk- oder Geschicklichkeitsspiele), aber auch komplexe Simulations-/Strategiespiele sind möglich
      • Große Bandbreite des gemeinsamen Spielens: vom indirekten Messen mit anderen (über Highscores o.ä.) über das ad hoc angebahnte gemeinsame Spiel in kleiner Gruppe bis hin zu länger andauernden „Partien“
      • Bislang kaum wissenschaftliche Erkenntnisse über Vergemeinschaftungsformen bei Browser-Games; prinzipiell jedoch ähnliche Mechanismen zu vermuten: Wiederholte Interaktionen im Spiel sowie begleitende Kommunikationsmöglichkeiten führen zum Aufbau zumindest temporär stabiler sozialer Beziehungen
    • Aktueller Trend: „Social Games“  Integration von Spielen in Netzwerkplattformen (z.B. myspace, Facebook), auf denen realweltliche soziale Beziehungen abgebildet werden
  • (IV) Social Games
  • (IV) Social Games
  • Zusammenfassendes Fazit
    • Entgegen dem Klischee des isolierten Computerspielers bieten Konsolen- und PC-Spiele zahlreiche Möglichkeiten, mit anderen Menschen zu interagieren und zu kommunizieren
    • Das Computerspiel kann Anlass bzw. „Kristallisationspunkt“ für gemeinsame Aktivitäten sein
    • Das Computerspiel kann aber auch die „Räume“ zur Verfügung stellen, in denen sich Menschen miteinander messen sowie spielbezogen oder auch zu anderen Themen kommunizieren
    • Soziale Beziehungen sind dabei nicht auf flüchtige oder schwache Kontakte beschränkt
    • Mit der Größe der simulierten virtuellen Welten sowie der wachsenden Komplexität ihrer Spielmechanik steigt auch der Grad der internen Komplexität spielbezogener Vergemeinschaftungsformen
  • Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit!
    • Dr. Jan Schmidt
    • Hans-Bredow-Institut
    • Warburgstr. 8-10, 20354 Hamburg
    • [email_address]
    • www.hans-bredow-institut.de
    • www.schmidtmitdete.de
  • Ausgewählte Literatur
    • Döring, Nicola (2003): Sozialpsychologie des Internet. Die Bedeutung des Internet für Kommunikationsprozesse, Identitäten, soziale Beziehungen und Gruppen. 2. überarbeitete Auflage. Göttingen u.a.
    • Hepp, Andreas/Vogelsang, Waldemar (2008): Die LAN-Szene. Vergemeinschaftungsformen und Aneignungsweisen. In: Quandt, Thorsten/Wimmer, Jeffrey/Wolling, Jens (Hrsg.): Die Computerspieler. Studien zur Nutzung von Computergames. Wiesbaden. S. 97–112.
    • Jansz, Jeroen/Martens, Lonneke (2005): Gaming at a LAN event: the social context of playing video games. In: New Media & Society, H. 7, S. 333–355. Online abrufbar unter: http://users.fmg.uva.nl/jjansz/janszmartens.pdf
    • Jenderek, Bastian (2008): Echtzeitabenteuer ohne Grafik und Sound. Die Nutzung von Multi-User-Domains. In: Quandt, Thorsten/Wimmer, Jeffrey/Wolling, Jens (Hrsg.): Die Computerspieler. Studien zur Nutzung von Computergames. Wiesbaden. S. 313–331.
    • Kolo, Castulus/Baur, Timo (2004): Living a Virtual Life: Social Dynamics of Online Gaming. In: Game Studies, Vol. 4, Nr. 1. Online abrufbar unter: http://www.gamestudies.org/0401/kolo/
    • Schmidt, Jan / Stephan Dreyer / Claudia Lampert (2008): Spielen im Netz. Zur Systematisierung des Phänomens ‚Online-Games‘. Arbeitspapiere des Hans-Bredow-Instituts Nr. 19. Online verfügbar: http://www.hans-bredow-institut.de/publikationen/apapiere/19Onlinespiele.pdf
    • Wimmer, Jeffrey/Quandt, Thorsten/Vogel, Kristin (2008): Teamplay, Clanhopping und Wallhacker. Eine explorative Analyse des Computerspielens in Clans. In: Quandt, Thorsten/Wimmer, Jeffrey/Wolling, Jens (Hrsg.): Die Computerspieler. Studien zur Nutzung von Computergames. 1 Aufl. Wiesbaden. S. 145-169.
    • Yee, Nick (2007): Motivations of Play in Online Games. In: Journal of Cyberpsychology and Behavior, 9, S. 772-775. Mit eigener Paginierung abrufbar unter http://www.nickyee.com/pubs/Yee%20-%20Motivations%20(2007).pdf