Healthcare in Bavaria           www.invest-in-bavaria.de
Invest in Bavaria –Die Ansiedlungsagentur des Freistaats Bayern      Rundumservice aus einer Hand        Invest in Bavaria...
VorwortMartin Zeil                           Der Life-Sciences-Bereich baut wie kein zweiter auf den Schlüsseltechnologien...
Inhalt                              Vorwort                         03   Martin Zeil                              Bayerisc...
„Das IZB wird weiter wachsen“21     Interview mit Dr. Peter Hanns Zobel, Geschäftsführer, IZB GmbH       „Wichtig ist, das...
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Standort Bayern                     „Bayern ist ein führendes Medtech-Land“                     Interview mit Professor Dr...
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Standort BayernForschungsexzellenz in bayerischerBiotechnologie und MedizintechnikAus akademisch-wirtschaftlicher Kooperat...
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Biotech in Bayern                         „Die Bereitschaft Unternehmen zu                         gründen, verbreitet sic...
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  1. 1. Healthcare in Bavaria www.invest-in-bavaria.de
  2. 2. Invest in Bavaria –Die Ansiedlungsagentur des Freistaats Bayern Rundumservice aus einer Hand Invest in Bavaria ist die Ansiedlungsagentur des Freistaats Bayern. Seit 1999 unterstützt Invest in Bavaria Unternehmen aus dem In- und Ausland dabei, einen Standort in Bayern aufzubauen oder zu erweitern. Invest in Bavaria stellt individuell Informationen zusammen, hilft, den optimalen Standort in Bayern zu finden, und vermittelt die Kontakte, die für die Projektrealisierung benötigt werden: zu Behörden und Verbänden ebenso wie zu wichtigen Netzwerken vor Ort. Der Service von Invest in Bavaria ist kostenfrei, alle Anfragen werden selbstverständlich vertraulich behandelt. Die Ansiedlungsagentur des Freistaats Bayern ist in jeder Phase des Investitionsvorhabens ein verlässlicher und kompetenter Partner. Planung und Vorbereitung Je fundierter Informationen zu möglichen Standorten sind, desto sicherer und effizienter lässt sich eine Investitionsentscheidung treffen. Invest in Bavaria stellt am Standort Bayern interessierten Unternehmen vergleichende und verlässliche Informationen zum Markt- und Geschäftsumfeld, über Branchen- und Techno- logienetzwerke oder über Förder- sowie Finanzierungsinstrumente zur Verfügung. Standortwahl Nach den Wünschen und Bedürfnissen des Investors werden gemeinsam projektbezogene Standortkriterien ent- wickelt. Gemäß diesem Anforderungsprofil identifiziert Invest in Bavaria geeignete Gewerbeflächen und -immobilien, erarbeitet daraus konkrete Standortvorschläge und organisiert Besichtigungen vor Ort. Standortrealisierung Ist die Standortentscheidung getroffen, sorgt Invest in Bavaria dafür, dass die Unternehmen vor Ort von den rich- tigen Partnern unterstützt werden. Invest in Bavaria recherchiert Fördermöglichkeiten, vermittelt Kontakte zu geeigneten Förderinstitutionen und – auf Wunsch – zu möglichen Finanzierungspartnern. Auch bei steuerlichen, rechtlichen und verwaltungstechnischen Fragen kümmert sich Invest in Bavaria um eine unkomplizierte und reibungslose Koordination mit den projektrelevanten Behörden, den regionalen Wirtschaftsförderern oder spezialisierten Dienstleistungsanbietern. Standortentwicklung Auch nach der Ansiedlung ist Invest in Bavaria weiterhin für interessierte Unternehmen da. Informationen zur bayerischen Wirtschaftsförderung wie dem Messebeteiligungsprogramm über die Auskunft zu nützlichen Unternehmensdatenbanken und Branchennetzwerken bis hin zur Kontaktvermittlung zu ausländischen Com- munities sind Beispiele für das breite Serviceangebot von Invest in Bavaria. Auch bei einem Erweiterungsvor- haben steht Invest in Bavaria mit Rat, Tat und guten Kontakten zur Seite.
  3. 3. VorwortMartin Zeil Der Life-Sciences-Bereich baut wie kein zweiter auf den Schlüsseltechnologien des 21. JahrhundertsBayerischer Staatsminister auf und ist hochinnovativ. Wertschöpfung und nachhaltiges Wachstum lassen sich nur durch Innova-für Wirtschaft, Infrastruktur,Verkehr und Technologie tionen erzielen. Bayern ist hier bestens aufgestellt. Mit Weltunternehmen wie Siemens, GE, Novartis,Stellvertretender Ministerpräsident Roche, aber insbesondere auch dank der forschungsorientierten engagierten kleinen und mittelstän- dischen Unternehmen ist der Freistaat ein Healthcare-Standort, der europaweit seinesgleichen sucht. Wo Innovation entstehen soll, muss Forschungsnähe gegeben sein. Bayern bietet hier beste Bedingun- gen: Mit 13 Max-Planck-Instituten, drei Helmholtz-Zentren und acht Fraunhofer-Instituten gelingt eine enge Vernetzung von Forschung und praktischer Anwendung. Elf Universitäten und 17 Hochschulen für angewandte Wissenschaften schaffen ein Klima für die direkte unternehmerische Umsetzung neues- ter Forschungsergebnisse und bringen hochqualifizierte Fachkräfte für die bayerischen Unternehmen hervor. Von diesem lebendigen Klima der Innovation profitieren auch die Bürger: Die flächendeckende Ver- sorgung mit über 400 Kliniken und 300 Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen garantiert die Teilhabe aller am medizinischen Fortschritt. Die komplexe Healthcare-Branche ist in allen Segmenten eng miteinander vernetzt und nimmt in der Technologiepolitik des Freistaats Bayern eine herausragende Rolle ein. Insbesondere durch die ge- zielte Bündelung unterschiedlicher Partner aus verschiedensten Bereichen ist es Bayern bereits 2006 gelungen, eine effiziente Clusterpolitik auf den Weg zu bringen. Hiervon profitieren besonders die Hightech-Unternehmen am Standort, da die Verbindung und der Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft erheblich erleichtert und beschleunigt werden. Durch gezielte Rahmenvorgaben wur- den beispielsweise in den Bereichen Normung und Gesetzgebung einheitliche Standards etabliert. Diese tragen wesentlich dazu bei, zielgerichtet forschen zu können, um im weltweiten Vergleich auch weiterhin einen Spitzenplatz in diesem Segment einzunehmen. Um Investoren Zugang zu diesem herausragenden Potenzial zu verschaffen, stehen Repräsentanten des Freistaats Bayern in mehr als 20 Metropolen der Welt als Ansprechpartner zur Verfügung. Sie ar- beiten eng zusammen mit Invest in Bavaria, der bayerischen Ansiedlungsagentur. Invest in Bavaria un- terstützt Investoren umfassend, vertraulich und kostenfrei. Vom ersten Gespräch über die Standortsu- che bis hin zu Spatenstich und dauerhafter Nachbetreuung steht das Team der Ansiedlungsagentur mit ihren Länder- und Branchenexperten Unternehmen zur Verfügung. Diese Broschüre bildet die starke Position Bayerns im Life-Sciences-Bereich ab und macht deutlich, warum der Freistaat ein großartiger Ort für Ansiedlungen und Innovation ist. Sie gibt einen Überblick, mit welchen herausragenden Unternehmen aus den Bereichen Biotechnologie, Medizintechnik und Pharma Sie als Investor in Kontakt kommen können und welche Erfolgsgeschichten hinter den Men- schen und Produkten „Made in Bavaria“ stecken! Martin Zeil Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie Stellvertretender Ministerpräsident Invest in Bavaria 03 3
  4. 4. Inhalt Vorwort 03 Martin Zeil Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie Stellvertretender Ministerpräsident Standort Bayern Bayern – Standort für Biotechnologie und Medizintechnik 06 Ein Überblick „2015 soll der Tech-Campus in Betrieb gehen“ 07 Interview mit Dr. Thomas Diefenthal, Geschäftsführer, BioPark Regensburg GmbH „Unser Standort ist ganz wesentlich von seinen Hochschulen geprägt“ 08 Interview mit Dirk Jung, COO, Betriebsgesellschaft IGZ BioMed/ZmK mbH „Bayern ist ein führendes Medtech-Land“ 10 Interview mit Professor Dr. Michael Nerlich, Vorstandsvorsitzender, Forum MedTech Pharma e.V. „Synergien zwischen Medikamentenentwicklung und Medizintechnik 12 sind besonders wertvoll“ Interview mit Professor Dr. Horst Domdey, BioM, und Professor Dr.-Ing. Erich R. Reinhardt, Medical Valley EMN e.V. Forschungsexzellenz in bayerischer Biotechnologie und Medizintechnik 13 Aus akademisch-wirtschaftlicher Kooperation entstehen im Freistaat wegweisende Konzepte Der Clou von Erlangen 15 Test direkt in der Klinik Pharma- und Medizintechnik-Konzerne in Bayern 16 Überblick, Trends und Entwicklungen Biotech in Bayern „Die Bereitschaft Unternehmen zu gründen, verbreitet sich wie ein Virus“ 18 Interview mit Professor Dr. Axel Ullrich, Direktor Forschungsgruppe Molekularbiologie, Max-Planck-Institut für Biochemie Fit für die Medizin der Zukunft 19 Schwerpunkt „personalisierte Medizin“ in München Land der Biotech-Pioniere 20 Innovation in Bayern kommt von kleinen und mittleren UnternehmenInvest in Bavaria 04
  5. 5. „Das IZB wird weiter wachsen“21 Interview mit Dr. Peter Hanns Zobel, Geschäftsführer, IZB GmbH „Wichtig ist, dass Geschäftsmodelle skalierbar sind“24 Interview mit Helmut Jeggle, Athos Service GmbH, und Michael Motschmann, MIG Verwaltungs AG „Seit 1998 flossen etwa 2 Mrd. EUR in den Ausbau des Standorts“25 Interview mit Claus Haberda, Werkleiter, Roche Penzberg „Die Übernahme von Micromet war die bedeutendste Investition von Amgen26 außerhalb der USA“ Interview mit Richard Paulson, Geschäftsführer, Amgen GmbH in DeutschlandMedtech in Bayern „Ein Gewinn für beide Seiten, Wirtschaft und universitäre Forschung“27 Interview mit Professor Dr. Willi A. Kalender, Direktor Institut für Medizinische Physik, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Schrittmacher für die Gesundheit28 Kleine und mittlere Unternehmen treiben Fortschritt in der Medizintechnik voran „Der Standort kann sich mit internationalen Spitzenzentren messen“29 Interview mit Dr. Peter Terhart, Vorstand, S-Refit AG Die Gesundheitsversorgung von morgen31 Vier Beispiele aus dem Medical Valley EMN „Bayerns Universitätskliniken sind absolute Weltklasse“32 Interview mit Michael Sigmund, Leiter Communications, Siemens Healthcare Erfolg mit Augenlasertechnologie33 Wavelight GmbH: Synergiepotenziale im Alcon-KonzernverbundImpressum Design und RealisierungBayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, GoingPublic Media AGInfrastruktur, Verkehr und Technologie Hofmannstraße 7aInvest in Bavaria 81379 MünchenPrinzregentenstraße 2880538 München Tel.: +49 89 2000339-0 Fax: +49 89 2000339-39Tel.: +49 89 2162-2642Fax: +49 89 2162-2803 Projektleitung Markus Hofelich, Martin Bellofwww.invest-in-bavaria.de Gestaltung Holger Aderhold Invest in Bavaria 05
  6. 6. Standort Bayern Bayern – Standort für Biotechnologie und Medizintechnik Ein Überblick Bayern ist im Ausland in erster Linie für seine Medtech-Standorts Bayern investiert. Mit Erfolg. touristischen Highlights bekannt: das Schloss Bayern darf sich heute zu den drei Top-Standorten Neuschwanstein als meistbesuchte deutsche für Biotechnologie in Europa zählen. Auf nationa- Attraktion, genauso wie das Panorama der baye- ler Ebene ist der Freistaat führend. National und rischen Alpen mit dem höchsten Berg Deutsch- international führend ist auch Medizintechnik aus lands, der Zugspitze. Bayern steht zudem für Bayern. Von den Branchen Biotech und biopharma- kulinarischen Genuss und Lebensgefühl, Bier- zeutische Industrie hängen 25.000 Arbeitsplätze gärten, deftiges Essen und gutes Bier. So auch ab, von der Medizintechnik alleine im Spitzen- auf dem Oktoberfest, dem größten Volksfest cluster Medical Valley Europäische Metropol- der Welt. Die einzigartige Mischung aus land- region Nürnberg über 45.000. Neben der großen schaftlicher Vielfalt, Kultur und kulinarischem Zahl kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) Genuss zieht Jahr für Jahr mit mehr als 25 Mil- haben sich auch global agierende Healthcare- lionen Besuchern deutschlandweit die meisten Großkonzerne für den Standort Bayern entschie- Touristen an. Bayern ist aber auch ein boomen- den. Roche Diagnostics betreibt in Penzberg auf der Wirtschaftsstandort und Hightech-Region. über 350.000 m² eine der weltweit größten bio- Zahlreiche globale Player, unter anderem sieben pharmazeutischen Forschungs- und Produktions- der 30 DAX-Konzerne, haben ihren Stammsitz in stätten. Siemens Sektor Healthcare, Weltmarkt- Bayern. BMW, Audi, Siemens, adidas sind nur führer im Bereich der bildgebenden Diagnostik, wenige Beispiele für die Vielzahl der bayerischen hat seinen Hauptsitz in Erlangen. Unternehmen von Weltgeltung. Und Bayern ist Innovationsstandort. Der Dieselmotor wurde in Wachstumsfeld bayerische Biotechnologie Bayern genauso entwickelt wie das MP3-Format In den letzten 15 Jahren haben sich in Bayern oder Fußballschuhe mit Schraubstollen. Auch im fünf Biotech-Cluster gebildet. In den Bio-Regio- Bereich Life Science ist der Freistaat national nen Würzburg, Regensburg und München liegt und international führend. der Fokus auf Biotechnologie mit Healthcare- Bezug. Die beiden anderen, Freising-Weihen- Investitionen in Hightech zahlen sich aus stephan und Straubing, sind stärker auf grüne 800 Mio. EUR – diese Summe hat der Freistaat bzw. weiße Biotechnologie spezialisiert. Um Bayern bisher in den Aufbau des Biotech- und regionale Besonderheiten und Stärken optimal Dedizierte Biotech- und Medtech-Gründerzentren in Bayern Quelle: eigene Recherche Bio-Region Gründerzentrum Mietfläche Mieter Mitarbeiter München IZB Martinsried/Freising 23.000 m² > 60 700 Regensburg BioPark Regensburg 18.000 m² > 30 550 Franken IGZ Würzburg 5.000 m² > 20 300 Nürnberg/Erlangen Medical Valley Center 5.000 m² > 30 200 Mitarbeiter: Anzahl der Mitarbeiter der Mieter im jeweiligen GründungszentrumInvest in Bavaria 06
  7. 7. Standort Bayern nutzen und fördern zu können, haben sich eigen- die BioM Biotech Cluster Development GmbH seit ständige Netzwerkorganisationen entwickelt, 2006 alle Biotech-Aktivitäten Bayerns. die für das Management der Cluster zuständig sind: Die BioM Biotech Cluster Development Metropolregion München – Vorreiter in der GmbH verwaltet die Metropolregion München Biotechnologie sowie den daran angrenzenden Standort Frei- Gründerzentren sind ein besonderer Baustein jedes sing-Weihenstephan, die BioPark Regensburg regionalen Clusters. Sie stellen Biotech-Start-ups die GmbH managt die Region Regensburg und die für Unternehmenswachstum benötigte Infrastruk- IGZ Bio-Med/ZmK vertritt die Region Würzburg. tur zur Verfügung, insbesondere Labor- und Büro- Aufgabe ist die Entwicklung und Vermarktung räume. Im 1995 gegründeten Innovations- und Grün- des jeweiligen Standorts im Sinne der dort dungszentrum Biotechnologie (IZB) Martinsried und ansässigen Gründer, Unternehmen und Wissen- seit 2007 dem zweiten Standort Freising-Weihen- schaftler sowie eine Vernetzung von Unterneh- stephan haben einige große Namen der deut- men, Hochschulen, Forschungseinrichtungen, schen Biotech-Industrie ihren Ursprung: Morphosys, Universitätskliniken, Kammern und Verbänden, Micromet (heute Amgen Research GmbH) und auch Kapitalgebern, Förderinstitutionen, Beratern Corimmun wurden hier gegründet. Der Standort und sonstigen Akteuren des Clusters. Über München zeichnet sich besonders durch die Nähe Clustergrenzen hinweg koordiniert und vernetzt zu erstklassiger Grundlagenforschung aus. In der„2015 soll der Tech-Campus in Betrieb gehen“Interview mit Dr. Thomas Diefenthal, Geschäftsführer, BioPark Regensburg GmbHWas zeichnet die BioRegio Regensburg als kennen sich aufgrund der räumlichen NäheTeil des Clusters Biotech Bavaria aus? beteiligte Entscheider häufig persönlich. IdeenUnter dem Motto „Klein, aber fein“ wurde 1999 können dann zügig in Projekte umgesetzt wer-ein Zentrum für Biotechnologie auf dem Regens- den. Zuerst entstanden Projekte mit Firmen derburger Uni-Campus geschaffen. Durch das Lebenswissenschaften, also Pharma, Analytik,Prinzip der „kurzen Wege“ gelang es im Osten Diagnostik und Medizintechnik. Es folgtenBayerns, Gründer, die mittelständische Industrie weitere Bereiche, wie z.B. die Sensorik. Seitund ansiedlungswillige externe Firmen anzu- Automatisierung in allen Bereichen eines Bio-sprechen. Von der Einbindung dieses Netzwerks tech-Labors oder der verarbeitenden Industrie –in den Cluster Biotech Bavaria profitieren beide z.B. Lebensmittel – boomt, expandiert auch diese Dr. Thomas Diefenthal ist Ge-Seiten. Der Spitzencluster in München vernetzt Branche. Solche Firmen sind aufgrund der ver- schäftsführer der BioPark Re-sich mit innovativen Firmen der äußeren Regionen gleichsweise kurzen Entwicklungszeiten bereits gensburg GmbH. Darüber hi- naus koordiniert er den Bio-des Freistaates, gleichzeitig erhalten diese Firmen heute erfolgreich am Markt. technologiecluster BioRegioZugang zu den umfangreichen Serviceleistungen Regensburg und ist stellver-und Informationen der Landesinitiativen. Wie stellen Sie sich den Standort Regens- tretender Sprecher des Ar- beitskreises der deutschen burg in zehn Jahren vor? Bio-Regionen.In Regensburg findet man viele interdiszip- Der 2015 in Betrieb genommene, benachbartelinäre Projekte. Wie kam es dazu? Tech-Campus wird eine Vielzahl von Unterneh-Die Basis dafür bildet Regensburgs konsequente men beherbergen, die mit ihrer Gründung imund innovative Wirtschaftsförderung. Außerdem BioPark Regensburg gestartet sind. Invest in Bavaria 07
  8. 8. Standort Bayern bayerischen Landeshauptstadt sitzen drei bio- im Rahmen der zweiten Runde des Spitzencluster- logisch-medizinische Max-Planck-Institute für Wettbewerbs als eines von fünf Spitzenclustern Biochemie, Neurobiologie und Psychiatrie, ein ausgezeichnet. Vision des Spitzenclusters ist es, Helmholtz Zentrum (Deutsches Forschungszen- diesen als internationale Exzellenz- und Mo- trum für Umwelt und Gesundheit), die Fraunhofer- dellregion für personalisierte und zielgerichtete Zentrale, das Genzentrum München, das seit 1984 Therapien zu etablieren. Dazu stehen über einen wissenschaftlich und organisatorisch eine Vor- Zeitraum von fünf Jahren Mittel in Höhe von knapp reiterrolle in der deutschen Forschungslandschaft 100 Mio. EUR zur Verfügung, wovon etwa die spielt, die beiden Hochschulen Weihenstephan- Hälfte von beteiligten Unternehmen beigesteuert Triesdorf und München sowie zwei der besten wird. Das Management übernimmt die BioM Bio- Universitäten Deutschlands, die Technische Uni- tech Cluster Development GmbH. versität München und die Ludwig-Maximilians- Universität. Zudem gibt es zwei Universitätsklini- Regensburg – ken (Klinikum der Universität München, Klinikum Interdisziplinäre Zusammenarbeit rechts der Isar) sowie 60 weitere Krankenhäuser Die BioPark Regensburg GmbH ist nicht nur für in München und Umgebung. das Clustermanagement verantwortlich, sondern betreibt auch ein gleichnamiges Gründerzentrum m4 – Spitzencluster der auf dem Campus der Universität Regensburg. personalisierten Medizin Ansässig im BioPark sind primär Unternehmen 2010 hat das Bundesministerium für Bildung und der Bereiche Biotechnologie und Medizintechnik Forschung das Münchner Konsortium „m4 – Perso- sowie damit verbundene Dienstleister. Zudem nalisierte Medizin und zielgerichtete Therapien“ sitzen acht außeruniversitäre Forschungsinstitute „Unser Standort ist ganz wesentlich von seinen Hochschulen geprägt“ Interview mit Dirk Jung, COO, Betriebsgesellschaft IGZ BioMed/ZmK mbH Können Sie die BioMed Region Würzburg zusätzlich an der Schnittstelle Bioinformatik. kurz vorstellen? Mittlerweile haben wir das IGZ thematisch um Wir sind ein Standort, der ganz wesentlich von angrenzende Wissensgebiete erweitert. So kön- seinen Hochschulen geprägt ist. Viele unserer nen wir auch hoch qualifizierten Nischenanbie- Mieter kommen aus der Universität oder der tern in der medizintechnischen Dienstleistung Hochschule für angewandte Wissenschaften. optimale Startvoraussetzungen bieten. Der Wandel in der Förderkultur hat dazu geführt, dass Ausgründungen heute aus eher kleinen Wie intensiv ist die Zusammenarbeit mit Gründergruppen bestehen, die vergleichsweise anderen Cluster-Regionen? Dirk Jung ist COO der Betriebs- lange an der Hochschule bleiben. Eine sehr frühe Für uns sind „Existenzgründung aus den eige- gesellschaft IGZ BioMed/ Einflussnahme durch Risikokapitalgeber wird so nen Reihen“ und „Bestandspflege“ wichtige ZmK mbH. Darüber hinaus ist gemindert. Auch das Uniklinikum ist für unsere Schlagworte. Dazu ist eine lokale und überre- er stellvertretender Geschäfts- leiter von Congress-Tourismus- Life-Science-Landschaft bedeutsam. Wir hoffen, gionale Vernetzung jedoch absolut notwendig, Wirtschaft der Stadt Würzburg. demnächst erste Ausgründungen aus der Klinik das zeigt sich in regem Austausch der einzelnen beheimaten zu können. Bioregionen untereinander wie auch in Koope- ration auf interdisziplinärer Ebene. Im Moment Welche Branchen sind im IGZ vertreten? versuchen wir verstärkt, den Kontakt zwischen Das IGZ war von Anfang an thematisch in zwei Ausgründern, etablierten Unternehmen und bzw. drei Bereiche aufgeteilt: einerseits Biotech- Hochschulen herzustellen. Wir hoffen so, auf nologie und Biomedizin, andererseits Informa- Fragen der Wirtschaft Lösungen aus der Wis- tions- und Kommunikationstechnologie, und senschaft zu erhalten.Invest in Bavaria 08
  9. 9. Standort Bayernbzw. Projektgruppen im BioPark, darunter zwei Unternehmen (KMU). Das sind gut 30 Prozent allerFraunhofer Projektgruppen (Diagnose und Therapie deutschen Biotech-KMU. Besonderen Fokus legenvon Tumor-, Stoffwechsel- und Alterskrankheiten diese Unternehmen auf die Entwicklung neuersowie Sensormaterialien). Das belegt die Nähe Therapeutika und Diagnostika. Ihre „Medika-zu außeruniversitären Forschungseinheiten. mentenkandidaten“ werden in über 80 klinischenAußerdem hat sich in der Region Regensburg Studien weltweit getestet. Für stetigen Nachschubeine Reihe von Forschungsnetzwerken gebildet. sorgen über 100 Kandidaten in Präklinik und For-Jüngstes Beispiel ist das Zentrum für Interventio- schung.nelle Immunologie, das vorhandene medizinischeund wissenschaftliche Exzellenz auf dem Gebiet Medical Valley – Spitzenclusterder Immuntherapie und Transplantationsmedizin für Medizintechnikin Ostbayern bündelt. Spricht man über deutsche Medizintechnik, kommt man am Medical Valley Europäische Metropol-Würzburg – Kompetenzzentrum region Nürnberg (EMN) nicht vorbei. Das Medicalfür Biomedizin Valley EMN ist die führende MedizintechnikregionDas Innovations- und Gründungszentrum (IGZ) Deutschlands. Wie m4 in München wurde es 2010Würzburg, das größte Gründungszentrum Nord- vom Bundesministerium für Bildung und Forschungbayerns, beherbergt Unternehmen der Bereiche als nationales Spitzencluster ausgezeichnet. EsLife Science und IT. Es befindet sich in unmittelba- zeichnet sich durch eine hohe Konzentration anrer Nähe zur Universität und Fachhochschule der Kompetenzträgern im Bereich der MedizintechnikStadt sowie zahlreichen Forschungseinrichtungen. aus. Rund 500 Unternehmen sind im Medical ValleyFür Unternehmen der Branchen Biotechnologie tätig, darunter zahlreiche Global Player und vieleund Medizintechnik ist vor allem die Nähe zum Marktführer. Das Medical Valley Center ist dasrenommierten Fachgebiet Biomedizin der Univer- Gründungszentrum des Clusters. In unmittelbarersität sowie zum Uniklinikum von Bedeutung. Nicht Umgebung befinden sich mehr als 70 Institute mitzuletzt deshalb ist Würzburg als Kompetenzzentrum medizintechnischem Schwerpunkt an Universitätfür Biomedizin anerkannt. (Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg) und Hochschulen für Angewandte Wissenschaf-Starke Ausgangssituation für ten, über 20 außeruniversitäre Forschungsein-Bayerns Biotech-KMU richtungen mit engem Bezug zur MedizintechnikDie Bedeutung des Standorts Bayern für Biotech- (darunter Fraunhofer- und Max-Planck-Institute)nologie wird im nationalen Vergleich besonders sowie mehr als 65 Krankenhäuser. Die außerge-deutlich. Mehr als die Hälfte der über 320 in Bayern wöhnliche Dichte an Partnern bietet, zusammenansässigen Unternehmen im Bereich Biotechnolo- mit der internationalen Markt- und Wettbewerbs-gie und Pharma sind kleine und mittelständische position Einzelner, optimale Voraussetzungen fürMitarbeiterzahlen von Biotech-KMU Anzahl bayerischer Biotech-KMU nachin Bayern seit 2006 ArbeitsgebietQuelle: Bavarian Biotech Report 2011/12, BioM Biotech Cluster Development GmbH Quelle: Bavarian Biotech Report 2011/12, BioM Biotech Cluster Development GmbH 13 8% 19 65 % 4.016 11% 2,5 39% +3 3.793 3.715 3.460 25% 42 3.290 10% 7% 3.030 16 11 Therapeutika und Diagnostika Agro, Nahrung, Umwelt Bioinformatik Geräte und Reagenzien 2006 2007 2008 2009 2010 2011 DNA- und Protein-Analytik Präklinische Dienstleistungen Invest in Bavaria 09
  10. 10. Standort Bayern „Bayern ist ein führendes Medtech-Land“ Interview mit Professor Dr. Michael Nerlich, Vorstandsvorsitzender, Forum MedTech Pharma e.V. Welche Rolle spielt das Netzwerk Forum zinischen Erzeugnisse Deutschlands hergestellt. MedTech Pharma für die Gesundheits- Bei der Betrachtung des Gesamtumsatzes in branche in Bayern? der Medizintechnik nimmt Bayern unter den Als größtes Netzwerk seiner Art in Europa ist das Bundesländern den ersten, bei der Beschäftig- Forum MedTech Pharma eine Plattform für über- tenzahl den zweiten Platz ein. Bayern kann mit regionale und internationale Vernetzung. Mit gutem Recht als führendes Medizintechnik- regionalen Netzwerken und Clustern wie dem Land bezeichnet werden. Medical Valley EMN oder dem Biotech Cluster in München bestehen enge Verbindungen. De- Welche Trends sind in der Medizintechnik ren regional fokussiertes Engagement wird durch zu beobachten? Professor Dr. Michael Nerlich die überregionalen Netzwerk-Aktivitäten per- Im Bereich der Technologie sind der weitrei- ist Leiter der Abteilung für fekt ergänzt. Als nationales und internationales chende Einzug der Informationstechnologie, Unfallchirurgie am Universi- Bindeglied sorgt der Verein für die umfassende der Trend zu Geräten für ambulante oder so- tätsklinikum Regensburg und Vorstandsvorsitzender des Berücksichtigung aller Phasen der Wertschöp- gar häusliche Versorgung oder auch die zu- Forum MedTech Pharma e.V. fungskette – von Forschung und Entwicklung nehmende Verschmelzung der Bereiche Me- über Produktion, Zuliefernetzwerke, klinische dizintechnik, Biotechnologie und Pharmazie Erprobung und Anwendung bis zur internatio- beispielsweise in Form von Kombinationspro- nalen Vermarktung. Außerdem werden Schnitt- dukten wichtige aktuelle Entwicklungen. Noch stellen zwischen den Disziplinen Medizintech- stärker als mit technologischen Herausforde- nik, Biotechnologie und Pharmazie geschaffen. rungen befasst sich die Branche mit der aus der demographischen Entwicklung resultieren- Welche Bedeutung hat Bayern für die den Notwendigkeit, bei Innovationen insbeson- Medizintechnik in Deutschland? dere auf Effizienz zu achten, und mit der Frage In Bayern werden 30 Prozent aller Medizintechnik- der Kostenerstattung für Produkte und Dienst- Produkte und sogar 60 Prozent aller elektromedi- leistungen. den Transfer von Ideen in Produkte und Dienst- dern wie Frankreich oder Italien. Vor allem der leistungen. Das Medical Valley wird von einem Mittelstand spielt in der Medizintechnik Bayerns gleichnamigen Verein entwickelt, koordiniert und eine besondere Rolle. Der Großteil der hier an- vermarktet. Erfolgsrezept des Clusters ist der enge sässigen Unternehmen sind KMU. Betriebe mit Dialog zwischen hochspezialisierten Forschungs- weniger als 50 Mitarbeitern machen dabei sogar einrichtungen, international etablierten Markt- mehr als die Hälfte aller Medizintechnik-Unter- führern und heranwachsenden sowie mittelstän- nehmen aus. dischen Unternehmen. Im Medical Valley EMN sitzt zudem das Forum MedTech Pharma, das größte Fazit deutsche Netzwerk der deutschen Gesundheits- Die Zukunftsaussichten für den Healthcare-Standort wirtschaft (über 620 Mitglieder aus 14 Ländern). Bayern sind durchweg positiv. Starke Grundlagen- Der Verein bietet den Akteuren der Branche viel- forschung, optimale Infrastruktur, ein hoher Grad fältige Möglichkeiten einer nationalen und in- an Vernetzung untereinander sowie der Wille zur ternationalen Vernetzung. aktiven Zusammenarbeit sind verantwortlich für die positiven Impulse, die aus Bayern kommen. Starker Mittelstand im Bereich Biotechnologie und Medizintechnik sind wichtige Medizintechnik Säulen der bayerischen und gesamtdeutschen Wie stark die bayerische Medizintechnik ist, wird Wirtschaft und sollen es auch in Zukunft bleiben. bei genauerer Betrachtung der Umsätze deutlich. Das zeigen Bund und Freistaat durch kontinuier- Von den 22 Mrd. EUR Umsatz der deutschen Medi- liche Investitionen in diesen Branchen. zintechnikindustrie fallen 7 Mrd. EUR auf Bayern, ein knappes Drittel. Damit liegt Bayern vor Län- Martin BellofInvest in Bavaria 10
  11. 11. Standort BayernBio-Regionen mit Healthcare-Bezug in BayernQuelle: eigene Darstellung Europa Deutschland Bayern Würzburg Erlangen Nürnberg Regensburg München Freising- Weihenstephan Invest in Bavaria 11
  12. 12. Standort Bayern „Synergien zwischen Medikamenten- entwicklung und Medizintechnik sind besonders wertvoll“ Interview mit Professor Dr. Horst Domdey, BioM, und Professor Dr.-Ing. Erich R. Reinhardt, Medical Valley EMN Herr Professor Domdey, welchen Stellen- Wo sehen Sie das Medical Valley EMN in wert nimmt der Münchner Biotech-Cluster zehn Jahren? in Deutschland ein und wie unterscheidet Reinhardt: Bis 2022 werden viele Innovationen er sich von anderen Standorten? aus dem Medical Valley EMN gezeigt haben, dass Domdey: Im Bereich der Medikamentenentwicklung sie einen nachhaltigen Beitrag zur Effizienz und ist der Munich Biotech Cluster m4 zweifelsfrei der Effektivität der Gesundheitsversorgung leisten. erfolgreichste Biotechnologiestandort in Deutsch- Erste Abschätzungen bei einigen Spitzencluster- land. Wir sind stolz darauf, dass bereits vier hier projekten zeigen, dass alleine in Deutschland pro entwickelte Medikamente den Patienten zugute Jahr 7,5 Mrd. EUR eingespart werden können – Professor Dr. Horst Domdey kommen. Mit über 300 Life-Science-Unternehmen ohne Qualitätsverlust. Durch Struktur- und Prozes- ist Geschäftsführer der BioM und gut 130 kleinen und mittelgroßen Biotechnolo- sinnovationen entwickelt sich das Medical Valley Biotech Cluster Development gie-Unternehmen zählen wir auch zu den europä- EMN zudem zu einer Modellregion für optimale GmbH und Sprecher des baye- rischen Biotechnologie Clusters. ischen Spitzenreitern. Was München auszeichnet Gesundheitsversorgung mit internationalem Refe- und sowohl Innovation als auch Translation fördert, renzcharakter. ist die enge Verzahnung der exzellenten Wissen- schaft mit der Biotech-Industrie. Im Programm m4 – Personalisierte Medizin planen Sie künftig stärker mit dem Medical Herr Professor Reinhardt, was ist der Valley zusammenzuarbeiten. Welche Vor- USP des Medical Valley EMN im Ver- teile sehen Sie darin? gleich zu anderen Medtech-Clustern in Domdey: Ich bin überzeugt, dass sich durch das Deutschland? Zusammenspiel von präziser Diagnostik und zielge- Reinhardt: Im Medical Valley EMN entwickeln richteter Therapie eine bessere und kosteneffekti- Global Player wie Siemens und viele KMU inno- vere Gesundheitsversorgung erreichen lässt. Syner- vative Medizintechnik. Bereits in der Frühphase gien zwischen Medikamentenentwicklung und des Innovationsprozesses arbeiten sie eng mit Medizintechnik sind besonders wertvoll, um inno- Professor Dr.-Ing. Erich R. Reinhardt ist geschäfts- Partnern aus Wissenschaft und Gesundheitsver- vative Konzepte in die klinische Praxis zu übertragen. führender Vorstand des sorgung zusammen. So entsteht eine nachhaltige Medical Valley EMN e.V. Problemlösungskompetenz, die verbunden mit der Wie realistisch ist es, dass beide Regionen Technologiekompetenz der Partner die Innovations- gemeinsam zum führenden europäischen stärke des Medical Valley auszeichnet. Spitzencluster der personalisierten Medizin in Europa aufsteigen? Was ist Ihre Vision für den Biotech-Standort Reinhardt: Personalisierte Medizin ist weltweit München in zehn Jahren? ein Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkt, Domdey: München hat sich der Medikamentenent- denn das Wissen um die Wirkung von Medika- wicklung, speziell dem Zukunftstrend der perso- menten ermöglicht eine zielgenauere und indivi- nalisierten Medizin verschrieben und verbessert duelle Behandlung. Für die Entwicklung der hier- zielgerichtet die entsprechenden Rahmenbedin- für nötigen Technologien ist eine enge Zusam- gungen, wie z.B. durch eine Biobank-Infrastruktur. menarbeit zwischen Medizintechnik und Pharma Neben der gut gefüllten Medikamenten-Pipeline unabdingbar. Wenn die beiden stärksten Stand- bietet München einzigartige Technologieplattfor- orte in Bayern in diesem Bereich ihre Kompeten- men. Gerade durch die großen internationalen zen bündeln, bestehen die besten Voraussetzun- Partner von Firmen wie Morphosys, Wilex, 4SC, gen, einen europaweit führenden Spitzencluster Pieris oder Proteros ist die Wahrnehmung im im Bereich der personalisierten Medizin zu formen. Ausland sehr gut und wird sich noch weiter ver- bessern. Das Interview führte Markus Hofelich.Invest in Bavaria 12
  13. 13. Standort BayernForschungsexzellenz in bayerischerBiotechnologie und MedizintechnikAus akademisch-wirtschaftlicher Kooperationentstehen im Freistaat wegweisende Konzepte Zahlreiche Institute in bayerischen Universitäten Interdisziplinäre Ansätze prägen die Szene und anderen Einrichtungen befassen sich mit Feinfühliges Operieren mit Robotersystemen ist der Medizin- und Biotechnologie. Im Rahmen der nicht mehr nur Zukunftsmusik. Am Institut für Exzellenzinitiative ist die herausragende Stellung Robotik und Mechatronik des Deutschen Zentrums bayerischer Hochschulen untermauert worden, das für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) führt sind Leichtbau-Roboterarme entwickelt worden, die mehrere bayerische Fakultäten in der Spitzen- ein Arzt aus der Ferne steuern kann. Ein anderes gruppe seiner Forschungsrankings. Viel Hilfe- DLR-Institut – für Physik der Atmosphäre – befasst stellung wird inzwischen für klinische Studien sich mit der Hautkrebsvorsorge per Satellit. Inter- angeboten, um die Hürden zu überwinden. Als disziplinäre Ansätze wie diese prägen längst die wegweisend gelten Aktivitäten für die „perso- Forschung auch in der Medizin- und der Biotech- nalisierte Medizin“, so etliche akademische nologie. Das „Münchner Zentrum für Gesundheits- Kooperationen. wissenschaften“ (MC-Health) der Ludwig-Maxi- milians-Universität (LMU) verfolgt ebenso einen fächerübergreifenden Ansatz wie das Helmholtz Zentrum München, das europaweit führende Forschungszentrum für „Environmental Health“. Als Standort der biomedizinischen Grundlagen- forschung und ihrer klinischen Anwendung ist München international anerkannt. Eine zentrale Rolle spielen die LMU und die Technische Univer- sität München (TUM). An deren zentralem Insti- tut für Medizintechnik (IMETUM) werden die Disziplinen verschränkt, Spezialitäten reichen vom „Innovationszentrum Medizinische Elektronik“ bis zum „Heinz Nixdorf-Lehrstuhl für Medizinische Elektronik“. Die Max-Planck-Gesellschaft unter- hält in München eine ihrer größten biologisch- medizinischen Forschungskonzentrationen mit den Instituten für Biochemie, Neurobiologie und Psychiatrie. Ein Beispiel für die enge Vernetzung ist der Exzellenzcluster Center for Integrated Protein Science Munich (CIPSM). An der Universität Würzburg gilt das Interdisziplinäre Zentrum für klinische Forschung (IZKF) als internes Forschungs- förderinstrument. Die Friedrich-Alexander-Univer- sität Erlangen-Nürnberg unterhält ein Zentrum für medizinische Physik und Technik, an der Universi- tät Regensburg ist ein telemedizinisches Zentrum aufgebaut worden. Die Fraunhofer-Gesellschaft bearbeitet medizintechnische Fragestellungen an mehreren Standorten, so in Erlangen (Bildverar- beitung), Fürth (Röntgentechnologie) und Regens-Zwei Standorte der facettenreichen bayerischen Forschungslandschaft für Medizin- und Biotechnologie: dieTechnische Universität München (o.) und die Universität Augsburg burg (Tumor- und Stoffwechselerkrankungen).Fotos: © Helmholtz-Zentrum München/TUM, Universität Augsburg Medizintechnische Projekte gibt es ebenso an der Invest in Bavaria 13
  14. 14. Standort Bayern Universität der Bundeswehr München, von der Studien zu beachten Sensorik bei Armprothesen bis zur Computersi- ist, wird von Entwick- mulation zur Einspritzung von Knochenzement. lern oft unterschätzt. An der Universität Passau befasst sich die Fakul- „Zunächst sind sie erst tät für Informatik und Mathematik mit digitaler mal geschockt“, bestä- Bildverarbeitung für Computertomografen, die tigt Dr. Bernd Gebhardt, Universität Augsburg hat sich mit einer juristi- der Leiter des Centers schen Forschungsstelle für Medizinprodukterecht for clinical studies (CCS) einen Namen gemacht. Am Zentrum für Weiter- an der Friedrich-Alexan- bildung und Wissenstransfer (ZWW) der Univer- der-Universität Erlan- sität können hierfür Weiterbildungszertifikate gen-Nürnberg: Aber er erworben werden – einzigartig in Deutschland. hilft den Klinikern bei den komplexen organi- Klinische Studien an etlichen Standorten satorischen, betriebs- Innovationshürden in der Medizintechnik be- wirtschaftlichen und schäftigen die Fachwelt nicht erst, seit die rechtlichen Aufgaben. VDI/VDE Innovation und Technik GmbH mit Derartige Unterstüt- In etwa 40 Forschungsprojekten kollaborieren interdisziplinäre akade- einer Studie den Finger in die Wunde gelegt zung zieht nun Kreise. mische Forschung und industrielle Partner. Fotos: © BVMed-Bilderpool, Fraunhofer IBMT hat. Beratung und Betreuung bei klinischen Stu- dien gewinnen inzwischen an Bedeutung. Für Strategiekonzept für personalisierte Medizin solche Studien gibt es etliche Anlaufstellen – vor Für die „personalisierte Medizin“, die mit indivi- allem, aber nicht nur an den Universitätskliniken dueller Orientierung einen tiefgreifenden Wandel in München, Erlangen, Regensburg und Würz- der Medizin und eine neue Dimension der Medi- burg oder dem Deutschen Herzzentrum in Mün- kamentenentwicklung einleiten dürfte, werden chen. Der Koordination dient ein „Bayerisches in Bayern wichtige Forschungsgrundlagen erar- Netzwerk für Klinische Studien“ (BayernNetz) beitet. Das gilt etwa für die Arbeiten von Pro- mit einer Geschäftsstelle am Klinikum rechts fessor Florian Holsboer am Max-Planck-Institut der Isar in München. Gerade kleineren Unter- für Psychiatrie in München bei Depressionen, nehmen sollen so klinische Studien erleichtert von Prof. Axel Ullrich, heute Direktor am Max- werden. Auch Zentren für klinische Studien Planck-Institut für Biochemie, bei der Entwick- werden an mehreren Universitäten betrieben. lung von Herceptin, das jahrelang als einziges Die LMU beteiligt sich laufend an klinischen und personalisiertes Krebsmedikament galt, oder epidemiologischen Studien, sowohl in einzelnen von Prof. Matthias Mann am Max-Planck-Ins- Kliniken als auch in Einrichtungen wie dem „Clini- titut für Biochemie in Martinsried bei München cal Study Center“ (CSCLMU), dem „Koordinations- bei innovativen Technologien für Proteine. Zu zentrum chirurgische Studien“ (KCS) oder dem dem Strategiekonzept „m4 – Personalisierte Comprehensive Cancer Center (CCCLMU). Klini- Medizin und zielgerichtete Therapien“ haben sche Studien sind auch am Tumorzentrum Mün- sich im Großraum München Biotechnologie- chen (TZM) möglich. Auch an der Fakultät für und Pharma-Unternehmen, Kliniken und wis- Medizin der TU München wird der Translation von senschaftliche Institute mit der Clustermanage- Ergebnissen aus Grundlagenforschung und prä- mentgesellschaft BioM zusammengeschlossen. klinischen Studien in die klinische Praxis viel Be- In etwa 40 Forschungsprojekten werden die deutung beigemessen, so am Standort Klinikum Arbeiten von interdisziplinärer akademischer rechts der Isar. Eine Zusammenarbeit mit indus- Forschung und industriellen, meist mittelstän- triellen Partnern pflegt ebenso das Helmholtz dischen Partnern zusammengeführt. Die zustän- Zentrum München. Möglich sind klinische Studien dige BioM Biotech Cluster Development GmbH auch an anderen bayerischen Einrichtungen, so arbeitet eng mit Partnern an Universitäten und etwa den Asklepios Fachkliniken München-Gau- anderen Forschungseinrichtungen sowie Dienst- ting – vor allem in der thorakalen Onkologie und leistern zusammen. in der interventionellen Bronchologie – oder am Städtischen Klinikum München. Was bei klinischen Dr. Lorenz GoslichInvest in Bavaria 14
  15. 15. Standort BayernDer Clou von ErlangenTest direkt in der Klinik Vor einem Berg von Problemen stehen kleine und struktur damit für externe Partner genutzt werden mittlere Unternehmen oft, wenn es um den Test kann. Das Test- und Anwendungszentrum ist di- neuer medizintechnischer Lösungen und Geräte rekt in Räumen des Universitätsklinikums ansäs- geht: Was muss beachtet werden, was ist zu sig. Zusammen mit dem medizinischen Personal dokumentieren, wie erhält man die Zulassung? werden die Neuheiten dem Test im klinischen In Erlangen gibt es Hilfe, den Berg zu überwinden: Alltag unterzogen – und im Fall des Falles wer- bei „Metean“. den Probleme sofort entdeckt. Die Erkenntnisse werden dann unmittelbar an die jeweiligen Un- Alles inbegriffen – von der Idee bis zur ternehmen weitergeleitet. Für schnelles Anwen- Vermarktung der-Feedback ist damit gesorgt, so dass nicht un- Das medizintechnische Test- und Anwendungs- nötig Zeit vergeht und entsprechende Konse- zentrum „Metean“ des Fraunhofer-Instituts für quenzen gezogen werden können. Besonders integrierte Schaltungen (IIS) in Erlangen ist ein kleinen und mittleren Unternehmen glaubt man Schlüsselprojekt innerhalb des Fraunhofer-Inno- bei Metean dabei helfen zu können, Innovations- vationsclusters „Personal Health“, das unterschied- hürden zu überwinden und einen Weg durch die liche Kompetenzen innerhalb der Fraunhofer-Ge- gesetzlichen, regulatorischen, ökonomischen und sellschaft bündelt. Als Vision gilt die Prävention technischen Vorschriften mit ihren vielen Rand- von Krankheiten durch medizinische Fernbetreu- bedingungen zu finden. ung. Wichtigster Arbeitsschwerpunkt von Metean sind Projekte zur Versorgungsforschung. In Ko- Ganz persönlich: Der Trainingsanzug leitet operation mit Kliniken, Universitätsinstituten, seinen Nutzer an Krankenkassen und Unternehmen werden klini- Im Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen sche Studien bearbeitet. Im Vordergrund stehen beschäftigt sich die Abteilung Bildverarbeitung dabei Verbesserungen durch den Einsatz tele- und Medizintechnik (BMT) vor allem mit medizi- medizinischer Systeme und Dienstleistungen – nischer Bildverarbeitung, medizinischer Sensorik, sowohl beim Übergang von stationärer zu ambu- medizinischer Kommunikation und Biosignalver- lanter Behandlung und Betreuung als auch bei arbeitung. Bei Metean ist das Produkt „Hemacam“ der Versorgungsqualität. Die Experten bei Metean entwickelt worden, eine computerassistierte haben den Anspruch, Mikroskopie für die Hämatologie. Als beispiel- die gesamte Kette des haft für die intensiven Arbeiten am Thema per- Innovations- und Ent- sonalisierte Medizin gilt ein sogenannter Fit- wicklungsprozesses ab- nessbegleiter, ein Teilprojekt des Bayerischen zudecken, von der Idee Forschungsstiftungsverbundes „FitForAge“. Es über Machbarkeitsana- handelt sich um einen intelligenten Trainings- lysen, Tests und Validie- anzug, der ein individuelles Gesundheits- und rungen bis zur Zertifizie- Fitnessprogramm bereitstellt, die gemessenen rung und Zulassung – Daten auswertet, dem Nutzer Rückmeldungen und nicht zuletzt zur zu seinen Aktivitäten gibt und ihn damit bei schnellen Vermarktung. Gymnastik- oder Reha-Übungen anleitet – ganz persönlich sozusagen. Eingesetzt wird dieser Für schnelles Anzug bisher vor allem in Bewegungsprogram- Anwender-Feedback men für Senioren oder Reha-Patienten. Künftig wird gesorgt soll er aber auch jungen Menschen angeboten Der Clou bei Metean ist werden, so etwa für Spiele oder virtuelle Wett- eine enge Einbindung kämpfe.Campus der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg ins UniversitätsklinikumFoto: © Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Erlangen, dessen Infra- Dr. Lorenz Goslich Invest in Bavaria 15
  16. 16. Standort Bayern Pharma- und Medizintechnik-Konzerne in Bayern Überblick, Trends und Entwicklungen Vertreter sowohl der Pharma- als auch der Me- Hervorragende Forschungsinfrastruktur dizintechnikbranche gelten als Unternehmen und exzellent ausgebildetes Personal mit überdurchschnittlichem Engagement in Während der Entwicklung neuer Wirkstoffe und Forschung und Entwicklung. Mit Forschungs- Therapeutika ist deren Erprobung am Menschen ausgaben jenseits von 10 Prozent des Unterneh- im Rahmen klinischer Studien ein zentrales Ins- mensumsatzes gelten beide als Innovations- und trument. Hier profitieren bayerische Unternehmen Wirtschaftsmotoren zugleich. In Bayern sind von der hervorragenden Forschungs-Infrastruktur neben zahlreichen kleinen und mittelständischen und exzellent ausgebildetem Personal in einem Unternehmen auch Global Player wie zum Bei- gut ausgebauten Netzwerk stationärer und am- spiel Siemens Healthcare, Roche Diagnostics, bulanter medizinischer Versorgungseinrichtungen. GE Healthcare, Novartis Pharma, Fresenius Me- In den vergangenen Jahren hat insbesondere die dical Care oder GlaxoSmithKline mit Forschungs- Zahl in Deutschland durchgeführter Zulassungs- und Produktionsstandorten vertreten. studien in den frühen Phasen I und II wieder deut- lich zugenommen. Global Player wie Novartis Ein attraktiver Standort für Global Player Pharma mit knapp 1.800 Mitarbeitern am Stand- In der Arzneimittelentwicklung hat Deutschland ort Nürnberg haben Deutschland, mit aktuell rund seine Rolle als „Apotheke der Welt“ bereits vor 180 laufenden Studien, zum wichtigsten klinischen vielen Jahren abgegeben. Zahlreiche sogenannte Forschungsstandort nach den USA ausgebaut. Big Pharmas haben sowohl ihre Forschungs- und Ähnliches gilt für die deutschen Tochterunterneh- Entwicklungsstandorte als auch ihre Produktion men internationaler Pharmariesen wie Glaxo- ins Ausland verlagert. Anders verhält es sich aber SmithKline, MSD und Daiichi Sankyo, die ihre im Bereich der zukunftsträchtigen, biotechnolo- Hauptsitze jeweils im Großraum München un- gisch hergestellten Arzneimittel. Hier hat sich terhalten. Über reine Vertriebsniederlassungen Deutschland als größter Produktionsstandort in hinaus wurde in den vergangenen Jahren ver- Europa etabliert und liegt weltweit auf Rang 2, stärkt in den Ausbau des klinischen Forschungs- nach den USA. Verantwortlich dafür sind u.a. standorts investiert. Unternehmen wie Roche Diagnostics, das mit kontinuierlichen Investitionen seinen bayerischen Medizintechnik aus Bayern: Spitzenstel- Standort Penzberg zum größten biotechnologi- lung bei elektromedizinischen Geräten schen Forschungs-, Entwicklungs- und Produk- In der Medizintechnik deckt Bayern etwa 30 Pro- tionszentrum des Roche-Konzerns innerhalb von zent der gesamten medizintechnischen Produk- Europa mit über 4.500 Mitarbeitern ausgebaut tion Deutschlands ab. Dabei nimmt die elektro- hat. Roche hat sich, gewissermaßen als Pionier, medizinische Geräteproduktion mit einem Anteil der personalisierten Medizin als Kernelement von über 60 Prozent eine Spitzenstellung ein. Ver- seiner Geschäftsstrategie verschrieben. Gene- antwortlich dafür ist, neben einer Vielzahl kleiner rell setzt das Konzept der personalisierten Me- und mittelständischer Unternehmen, einer der dizin eine Charakterisierung des Patienten auf- weltweit größten Anbieter im Gesundheitswe- grund sogenannter Biomarker voraus, die des- sen, Siemens Healthcare mit Forschungs-, Ent- sen Zuordnung zu einer Patientengruppe ermög- wicklungs- und Produktionsstandorten in der licht, für die eine maßgeschneiderte Therapie Metropolregion Nürnberg. Der Konzern mit welt- zur Verfügung steht. Bei der dafür notwendigen weit über 50.000 Mitarbeitern ist ein Spezialist Co-Entwicklung von Diagnostik und Therapie auf den verschiedenen Gebieten der Bildgebung profitiert Roche in Bayern vom weltweit einzigen und Weltmarktführer im Bereich Magnetresonanz- Standort des Konzerns, an dem Forschung, Ent- tomografie (MRT). Neben der Computertomogra- wicklung und Produktion der beiden Geschäfts- fie (CT) hat sich die MRT als wichtigstes bildge- bereiche Pharma und Diagnostik vereint werden. bendes Verfahren etabliert und ermöglicht insbe-Invest in Bavaria 16
  17. 17. Standort Bayern eine Verbesserung des Patientenmanagements bei Früherkennung, Diagnose und Therapie und eine damit verbundene Kostensenkung im Ge- sundheitswesen. Effizienz und Integration: Zukunft der Gesundheitsversorgung Integration in der Gesundheitsversorgung ist auch die Strategie von Fresenius, dem weltweit führenden Anbieter von Produkten und Dienst- leistungen für Menschen mit chronischem Nie- renversagen. Mehr als jede zweite Dialysema- schine weltweit wurde am bayerischen Fresenius- Standort Schweinfurt entwickelt und gefertigt. Basierend auf diesem Geschäftsfeld hat sich Fresenius in den vergangenen Jahren weitere Unternehmensbereiche erschlossen und vereint heute nicht nur die Entwicklung und Produktion von Medizinprodukten und Arzneimitteln, son- dern auch die Patientenversorgung mit eigenen Krankenhäusern und Spezialkliniken in einem integrierten Gesundheitskonzern. Auf dem Weg, die bestmögliche Gesundheitsversorgung im Rah-Der Pharma- und Medizintechnik-Standort Bayern ist im globalen Umfeld hervorragend aufgestellt.Fotos: © Archiv, Ioana Drutu men begrenzter Budgets zu ermöglichen, erweist sich die zunehmende Integration verschiedener sondere die Darstellung von Weichteilgewebe Bereiche aus Medizintechnik und Pharma, Diag- wie Gehirn oder innere Organe. Aktuell gewinnt nostik und Therapie als gemeinsame Strategie die MRT in der Hybridbildgebung, als Kombi- insbesondere der großen Konzerne. Eine wichti- nation aus MRT und der Positronen-Emissions- ge Rolle spielt dabei auch die Kooperation mit Tomografie (PET), zunehmend an Bedeutung. verschiedenen Lösungsanbietern aus dem Be- Durch die simultane Messung von Morphologie reich moderner Kommunikationstechnologie. und Funktion auf der einen und Metabolismus auf der anderen Seite sind erhebliche Fortschritte Fazit bei der klinischen Diagnostik möglich, ebenso bei Der Pharma- und Medizintechnik-Standort Bayern der Entwicklung neuer Biomarker in der persona- ist im globalen Umfeld hervorragend aufgestellt lisierten Medizin. Auch hier sind extreme tech- und hat umfangreiches Potenzial, diese interna- nische Anstrengungen nötig, um PET-Detektoren tionale Spitzenstellung zu festigen und weiter innerhalb starker Magnetfelder einsetzbar zu auszubauen. Dementsprechend schätzt eine machen. Neben der kontinuierlichen Weiter- große Mehrheit der Unternehmen die Zukunfts- entwicklung ihrer diagnostischer Systeme und aussichten positiv ein – basierend auf Chancen Geräte verfolgt Siemens Healthcare mit der durch neue Märkte, demografische Entwicklung, Zusammenführung von Patientendaten aus hohen Innovationsgrad und den ausgezeichneten bildgebenden und labordiagnostischen Verfahren Ruf von Gesundheitsprodukten „Made in Bavaria“. über hauseigene IT-Systeme eine langfristige Zukunftsstrategie. Als Ergebnis erhofft man sich Ilja Hagen Invest in Bavaria 17
  18. 18. Biotech in Bayern „Die Bereitschaft Unternehmen zu gründen, verbreitet sich wie ein Virus“ Interview mit Prof. Dr. Axel Ullrich, Direktor Forschungsgruppe Molekularbiologie, Max-Planck-Institut für Biochemie (MPIB) Herr Professor Ullrich, können Sie das MPIB und war entscheidend an der Etablierung mo- mit seinen Forschungsschwerpunkten kurz lekularbiologischer Methoden beteiligt. Und vorstellen? vermutlich hat auch meine Vergangenheit Wir sind Teil einer der erfolgreichsten Forschungs- beim ersten Biotech-Unternehmen der Welt, organisationen Deutschlands, der Max-Planck- Genentech, geholfen. Ich denke, dass mir Gesellschaft. Bei uns tragen derzeit acht Abtei- dadurch eine gewisse Vorbildfunktion zuge- lungen und über 30 Forschungsgruppen zu den sprochen wurde, die andere inspiriert hat. neuesten Erkenntnissen in den Bereichen Bioche- Übrigens hat die Max-Planck-Gesellschaft mie, Zellbiologie, Strukturbiologie, Biophysik und auch das Gelände, auf dem das Innovations- Molekularwissenschaft bei. Die klassischen For- und Gründungszentrum Martinsried steht, Prof. Dr. Axel Ullrich ist Direktor der Forschungsgruppe schungsbereiche unseres Instituts entwickeln zur Verfügung gestellt. Molekularbiologie am MPIB sich dabei zunehmend in Richtung Struktur- und und Biotechnologie-Entrepre- Systembiologie, Genetik und neue Bildgebungs- Sie haben in Martinsried drei Unterneh- neur der ersten Stunde. methoden – auch die Bioinformatik spielt eine men mitgegründet, unter anderem auch große Rolle. Die biomedizinische Grundlagen- die Kinaxo GmbH, die kürzlich an Evotec forschung ist ein weiterer wichtiger Aspekt, denn verkauft wurde. Wie würden Sie das Störungen der zellulären Signalübertragung oder Gründungsumfeld in Bayern bewerten? fehlerhafte Proteinstrukturen können Krankheiten Seit einiger Zeit habe ich das Gefühl, dass wie zum Beispiel Krebs, Diabetes oder Alzheimer sich unter Wissenschaftlern die Bereitschaft zur Folge haben. Somit hilft die Arbeit unserer zu Unternehmensgründungen wie ein Virus Wissenschaftler auch, die Entstehung dieser verbreitet. Das ist unglaublich spannend zu Krankheiten besser zu verstehen, und bildet eine beobachten. Großen Anteil daran hat Prof. Dom- Basis für neue Therapie- dey, der für den Raum München und Bayern als strategien. Promotor und Katalysator agiert. Das Umfeld für Unternehmensgründungen ist sehr gut. Akademi- Welchen Stellenwert sche und außeruniversitäre Forschungseinrich- hat das MPIB für die tungen, Gründerzentren und Universitätskliniken deutsche Biotechnolo- befinden sich in unmittelbarer Nähe zueinander giebranche? und stehen in regelmäßigem Kontakt. Ich selbst Ich denke einen bedeu- habe auch vor Kurzem wieder ein Unternehmen tenden. Einige Köpfe des mitgegründet und denke zudem über ein weiteres MPIB waren zentral an der Engagement nach. Entstehung der Branche beteiligt. Prof. Peter Hof- Sie sind durch Ihre beruflichen Aktivitäten schneider zum Beispiel häufig im Ausland unterwegs. Welche war schon in den siebziger Stärken des Standorts Bayern sehen Sie Jahren auf europäischer im internationalen Vergleich? Ebene einer der ersten Eine der großen Stärken des Wirtschaftsstand- Gründer im Bereich Bio- orts Bayern ist die politische Unterstützung. technologie. Prof. Horst Wenn Akteure aus Politik wirtschaftliches Po- Domdey, der wesentlich tenzial erkennen, arbeiten sie konsequent daran, am Aufbau des Biotechno- dieses Potenzial auch auszuschöpfen. Mich per- logie-Standorts Bayern sönlich hat deshalb nicht überrascht, dass die beteiligt war und heute deutsche Biotechnologie gerade in Bayern ge- die BioM Biotech Cluster startet ist. Die Max-Planck-Institute für Biochemie und Neurobiologie haben ihren Sitz in München/Martinsried. Development GmbH leitet, Fotos: © Max-Planck-Institut für Biochemie hatte ein Labor am MPIB Das Interview führte Martin Bellof.Invest in Bavaria 18

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