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HaysWorld: Verantwortung (Gesamtausgabe 02/2011)
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HaysWorld: Verantwortung (Gesamtausgabe 02/2011)

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Die einen reißen sich um sie, die anderen tragen schwer an ihr: die Verantwortung. Und sie wird in immer mehr Bereichen eingefordert: in der Familie, beim Umweltschutz, bei der privaten Alters- und …

Die einen reißen sich um sie, die anderen tragen schwer an ihr: die Verantwortung. Und sie wird in immer mehr Bereichen eingefordert: in der Familie, beim Umweltschutz, bei der privaten Alters- und Gesundheitsvorsorge und nicht zuletzt in der Arbeitswelt. Die Gründe dafür sind vielfältig. Sie reichen von der Finanzmisere der öffentlichen Hand über die Globalisierung der Marktwirtschaft bis hin zum beschleunigten Verbrauch natürlicher Ressourcen.

Doch warum übernehmen Menschen überhaupt Verantwortung – und dies auch noch mit steigender Tendenz, wie Untersuchungen zeigen. Zum einen natürlich, weil es von ihnen erwartet wird. Gerade in der Arbeitswelt, in der zunehmend ein auf Selbstverantwortung und Anstand basierendes Menschenbild propagiert wird. Zum anderen aber übernehmen Menschen Verantwortung, weil sie – im wahrsten Sinne des Wortes – persönliche Antworten geben wollen: auf den Sinn und die Herausforderungen des Lebens.

Wir freuen uns, wenn Sie in der vorliegenden Ausgabe der HaysWorld einige interessante Artikel entdecken.

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  • 1. HAYSWORLDDas Kundenmagazin für Deutschland,Österreich und die Schweiz 02/2011VERANTWORTUNG
  • 2. INHALTHAYSWORLD 02/2011 · VERANTWORTUNG04 „Verantwortung entsteht im Handeln“ Interview mit Prof. Dr. Ludger Heidbrink08 Nicht gegen seinen Typus Corporate Social Responsibility (CSR)11 Mitarbeiter am Drücker Verantwortung als Motivation14 CIO – die treibende Kraft zwischen Technik und Geschäft Der Verantwortungsbereich von CIOs ist gewachsen16 Gutes Gewissen und gute Rendite Nachhaltige Investments sind gefragt18 „Was uns etwas bringt, wollen wir bewahren“ Interview mit Prof. Dr. Florian G. Kaiser20 Nachhaltige Pflege von Kulturlandschaften In den Schweizer Alpen wächst der Wald, die Biodiversität nimmt ab 1124 Mit Krebs gut zu leben ist die neue MITARBEITER AM Herausforderung DRÜCKER Interview mit Prof. Dr. med. Dr. h. c. Günter Henze In der Arbeitswelt ist mehr und mehr Eigenverantwor-26 Notarzt im Einsatz tung gefragt Verantwortung mit großer Wirkung28 Der Sozialunternehmer Nachhaltige Wertschöpfung31 News und TermineIMPRESSUMHerausgeber:Hays AGMarketing/Corporate Communications, Frank SchabelWilly-Brandt-Platz 1–3 · 68161 MannheimAuflage: 16.000Chefredaktion: Alexandra MaierAutoren dieser Ausgabe: Annette Frank, Alexander Freimark,Winfried Gertz, Judith-Maria Gillies, Ina Hönicke, AlessandroMonachesi, Jana Nolte, Britta Nonnast, Frank Schabel, Bernd SeidelGestaltung: srg werbeagentur ag, MannheimFotos: Ashoka, Mathias Ernert, fotolia, srg werbeagenturDruck: Dinner Druck GmbH, Schlehenweg 6,77963 Schwanau, Ortsteil AllmannsweierKontakt:HaysWorld RedaktionTelefon: +49 (0)621 1788-1494 · E-Mail: info@haysworld.de 20Nachdruck: Für den Nachdruck von Beiträgen – auch NACHHALTIGE PFLEGEauszugsweise – ist die schriftliche Genehmigung derRedaktion erforderlich. Dies gilt auch für die Aufnahme VON KULTURLAND-in elektronische Datenbanken und für die Vervielfältigung SCHAFTENauf elektronische Datenträger.Copyright © 2011 by Hays AGAlle Rechte, insbesondere das Recht auf Verbreitung, Nachdruck von In den Schweizer AlpenText und Bild, Übersetzung in Fremdsprachen sowie Vervielfältigungen wächst der Wald mit weitrei-jeder Art durch Fotokopien, Mikrofilm, Funk- und Fernsehsendungen, chenden Folgen für Umweltfür alle veröffentlichten Beiträge einschließlich Abbildungen vorbehalten. und Tradition02 | HaysWorld 02/2011
  • 3. EDITORIAL Die großen Herausforderungen unserer Zeit lassen sich nicht mehr von Einzelnen oder einer Institution allein meistern.LIEBE LESERINNENUND LESER,die einen reißen sich um sie, die anderen tragen schwer an Ein Anspruch, den immer mehr Firmen verfolgen – so auchihr: die Verantwortung. Und sie wird in immer mehr Berei- Hays: Seit Jahren stellen wir uns unserer Verantwortungchen eingefordert: in der Familie, beim Umweltschutz, bei nicht nur bei unseren unmittelbaren Geschäftsaktivitäten,der privaten Alters- und Gesundheitsvorsorge und nicht sondern unterstützen darüber hinaus gezielt krebskrankezuletzt in der Arbeitswelt. Die Gründe dafür sind vielfältig. Kinder und ihre Familien (S. 25). Dabei engagieren wir unsSie reichen von der Finanzmisere der öffentlichen Hand sowohl für eine sinnvolle Nachsorge als auch für eine inten-über die Globalisierung der Marktwirtschaft bis hin zum sive Behandlung und Betreuung dieser Kinder: durch diebeschleunigten Verbrauch natürlicher Ressourcen. Finanzierung zweier Arztstellen an der Universitätskinder- klinik Heidelberg (siehe Titelbild) und der Berliner Charité.Verantwortung zu tragen bedeutet jedoch nicht zwangs-läufig „Ruhm und Ehr“, wie der Direktor des Center for Mit diesem Engagement ist Hays nicht allein. Kaum einResponsibility Research, Professor Ludger Heidbrink, im Unternehmen, das sich nicht gesellschaftliche Verantwor-Interview (S. 4) erklärt. Im Gegenteil: Sie „birgt immer das tung auf die Fahnen geschrieben hat. Und das ist auch gutRisiko, dass die Folgen des eigenen Tuns auf einen zurück- so, wie der Artikel „Nicht gegen seinen Typus“ (S. 8) zeigt.fallen – und zwar in unangenehmer Weise“. Denn wo manche Skeptiker Green- oder Whitewashing befürchten, übersehen sie oft eines: Klimaschutz, BildungVor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, warum Men- und Gesundheit, die großen Herausforderungen unsererschen überhaupt Verantwortung übernehmen – und dies Zeit, lassen sich nicht mehr von Einzelnen oder einer In-auch noch mit steigender Tendenz, wie Untersuchungen stitution allein meistern. Sie sind nur noch im wirksamenzeigen. Zum einen natürlich, weil es von ihnen erwartet Zusammenspiel von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zuwird. Gerade in der Arbeitswelt, in der zunehmend ein auf lösen – umso besser, wenn dann auch alle davon profitieren.Selbstverantwortung und Anstand basierendes Menschen-bild propagiert wird, wie der Artikel „Mitarbeiter am Drü-cker“ (S. 11) beschreibt. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine anregende Lektüre.Zum anderen aber übernehmen Menschen Verantwortung,weil sie – im wahrsten Sinne des Wortes – persönlicheAntworten geben wollen: auf den Sinn und die Herausfor-derungen des Lebens. Wie zum Beispiel der „Notarzt imEinsatz“ (S. 26) oder der Social Entrepreneur Christian Hiß(S. 28), der mit seinem Unternehmen nicht nur zu nachhalti-ger Wertschöpfung, sondern gleichzeitig auch zur Lösung Klaus Breitschopfgesellschaftlicher Probleme beitragen will. Vorstandsvorsitzender der Hays AG HaysWorld 02/2011 | 03
  • 4. Interview mit Prof. Dr. Ludger Heidbrink „VERANTWORTU ENTSTEHT IM HA04 | HaysWorld 02/2011
  • 5. Prof. Dr. Ludger Heidbrink Der Philosoph Prof. Dr. Ludger Heidbrink ist Direktor des Center for Responsibility Research (CRR) am Kulturwissen- schaftlichen Institut Essen und Professor für Corporate Responsibility & Citizenship an der Universität Witten- Herdecke. Er hat zahlreiche Bücher und Aufsätze zum Thema Verantwortung veröffentlicht und herausgegeben, zuletzt „Die Verantwortung des Konsumenten. Über das Verhältnis von Markt, Moral und Konsum“ (Campus Verlag). Das Interview führten Annette Frank und Jana Nolte Herr Professor Heidbrink, wann haben Sie zuletzt Verantwortung übernommen? Und wofür? Angesichts des fortschreitenden Klimawandels habe ich meine Konsum- und Lebensgewohnheiten geändert. Ich esse weniger Fleisch, fahre weniger Auto, ich führe einen insgesamt nachhaltigeren Lebensstil. Was ist Verantwortung überhaupt? Im Allgemeinen bedeutet es, für die Folgen des eigenen Handelns einzustehen und Rechenschaft abzulegen. Es heißt aber auch, sich um generelle Missstände oder Fehlentwicklungen zu kümmern. Anders ausgedrückt: Verantwortung bezieht sich auch auf Probleme, die man nicht unbedingt selbst verursacht hat. Woher kommt der Begriff ? Ursprünglich ging es darum, Rechenschaft gegenüber einer übergeordneten Instanz abzulegen. Zunächst vor Gott, dann vor dem weltlichen Gericht. Seine moralische Bedeutung bekam der Begriff erst relativ spät, nämlich Anfang des 19. Jahrhunderts. Seit diesem Zeitpunkt steht er auch für die Rechenschaft gegenüber dem individuellen Gewissen. Welche Spielarten der Verantwortung gibt es? Es gibt die moralische Verantwortung als umfassende Verantwortung für das eigene Handeln. Die moralische Verantwortung entspricht in etwa dem, was Kant unterUNG dem kategorischen Imperativ verstanden hat, sprich so zu handeln, dass es für die gesamte Gesellschaft sinnvoll wäre, wenn alle so handelten. Daraus abgeleitet gibt es die Ergebnisverantwortung, die sich auf die Folgen unseres Tuns bezieht. Diese entsprechen nicht immer den eigenenANDELN“ Absichten, denn auch wenn unsere Absichten gut sind, können die Resultate schlecht sein. Es geht hierbei um das Abwägen von Zwecken und Mitteln und somit um die Frage, was alles in allem vertretbar ist. In diesen Bereich gehört beispielsweise die Führungsverant- wortung in Unternehmen. Denn einerseits hat die Führungs- person die Aufgabe, für vernünftige Ergebnisse und eine positive Geschäftsbilanz zu sorgen, andererseits trägt sie HaysWorld 02/2011 | 05
  • 6. aber auch die Verantwortung gegenüber Mitarbeitern und Kann man Verantwortung lernen?Kunden, also den Stakeholdern. Etwas anders sieht es bei derpersönlichen Verantwortung aus, die eher im familiären Verantwortungsgefühl hat mit Erziehung zu tun, mitBereich zum Tragen kommt. Sie hat viel mit Fürsorge, Wohl- Prägung in den ersten drei, vier Jahren. In dieser Zeitwollen und Solidarität zu tun. In der heutigen Zeit kommt müssen Kinder erfahren, dass sie in Beziehungen leben,verstärkt die Eigenverantwortung hinzu. Ich meine damit in denen man Verantwortung übernimmt. Generell gilt aber,den Bürger, der zunehmend Verantwortung für die eigene dass Verantwortung wie alle moralischen EigenschaftenLebensführung übernehmen muss, oder den Arbeitnehmer, schwer erlernbar ist und sich nicht allein durch Vorschriftenvon dem gefordert wird, sich um seine Altersvorsorge zu oder Leitbilder umsetzen lässt. Verantwortung entstehtkümmern. im Handeln und muss vor allem auf diesem Weg weiter- gegeben werden.Wodurch unterscheidet sich die Verantwortung, die manals Unternehmer oder Politiker hat – also in einem öffent- Ist die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen,lichen Bereich –, von der Verantwortung, die man als Staats- an Intelligenz gekoppelt?bürger oder als Eltern hat, also im eher privaten Kontext? Das würde ich so nicht sagen, es sei denn, man verstehtDer private Verantwortungsbereich ist überschaubarer. Intelligenz im Sinne von praktischer Intelligenz. Wir wissenJeder weiß in etwa, was er für seine Kinder oder kranken aus Untersuchungen, dass Menschen besonders dann Verant-Eltern tun muss. Anders die Verantwortung von Unterneh- wortung übernehmen, wenn sie dadurch Probleme lösenmern oder auch die politische Verantwortung. Sie ist erheblich können. Das würde ich alltagspraktische Klugheit nennen.komplexer, weil unterschiedliche Aspekte, wie Parteiräson,Macht- und Sachinteressen oder das Wohl des Landes, eineRolle spielen. Welche Gründe gibt es, sich vor Verantwortung zu drücken?Verantwortung: Freiheit oder Pflicht? Viele (lacht)! Verantwortung zu übernehmen, birgt immer das Risiko, dass die Folgen des Tuns auf einen zurückfallen –Beides, das macht den Begriff so interessant. Die freie Gesell- und zwar in unangenehmer Weise. Die moralische Fallhöheschaft und Marktwirtschaft können nicht ohne Freiheit funk- ist groß, deshalb drücken sich viele vor der Verantwortung.tionieren, aber eben auch nicht ohne Regeln, die das Allge-meinwohl sichern. Verantwortung und Freiheit sind zweiSeiten einer Medaille und lassen sich nicht trennen. Und welche Bedingungen begünstigen es, Verantwortung von sich zu weisen?Warum übernehmen Menschen überhaupt Komplexe Strukturen etwa. Das zeigte sich bei der Finanz-Verantwortung? marktkrise. Sie entstand nicht nur durch die Habgier einzelner Manager, sondern auch durch ein System, das dieDa kommen viele Motive in Frage. In der Wirtschaft – und Akteure selbst nicht mehr überschauten. Solche Strukturendas ist empirisch nachweisbar – funktionieren Abläufe in erleichtern es, Verantwortung im Nachhinein von sich zuverantwortungsvoll organisierten Unternehmen besser. Die weisen. Außerdem wird die Verantwortungsdiffusion destoKommunikation ist effektiver, die Fehlerbilanz geringer und größer, je mehr Personen beteiligt sind. Die Lehre darausdie Korruption nimmt ab. In Unternehmen mit einer intakten muss lauten, übersichtliche Strukturen mit klaren Zuständig-Verantwortungskultur existieren gemeinsame Werte, die für keiten zu schaffen. Im politischen System begünstigeneine höhere Zuverlässigkeit sorgen. Verantwortung besitzt unprofessionelle Bürokratie und Verwaltung Verantwortungs-aber auch ein Sinnpotenzial: Sich um etwas kümmern oder losigkeit. Je mehr schlecht als recht organisiert wird, destopersönliches Engagement zeigen verleiht dem Leben einen mehr Verantwortung kann abgeschoben werden. Manhöheren Sinn. Viele Menschen betrachten es als positive spricht deshalb auch von organisierter Unverantwortlichkeit.Auszeichnung ihres Charakters, wenn sie Verantwortung Andererseits sind komplexe Strukturen der unvermeidlicheübernehmen: Sie tragen gern Verantwortung. Preis aller modernen Gesellschaften. Das Einzige, was hilft, „Der private Verantwortungsbereich ist überschaubarer. Jeder weiß in etwa, was er für seine Kinder oder kranken Eltern tun muss.“06 | HaysWorld 02/2011
  • 7. „Generell gilt heute, dass der Einfluss der Politik sinkt. Damit sollen Politiker nicht von ihrer Verantwortung entlastet werden, sondern es geht darum, die Grenzen des politischen Systems stärker zu berücksichtigen.“ist, die Bereiche intensiver zu vernetzen und die Quer- risch bekundet. Es fehlen klare geschäftliche und sozialeverbindungen zu stärken. Konzepte, und aus diesem Grund werden entsprechende Programme schnell wieder beendet. Unternehmen täten deshalb gut daran, CSR stärker zu professionalisieren undWas bedeutet Verantwortung in der modernen zudem in ihrer Unternehmenskultur zu verankern. Da dieKonsumgesellschaft? Unternehmenskultur an persönliche Überzeugungen auf der Führungsebene gekoppelt ist, müssen Management undDer Konsument hat heute sehr viele Möglichkeiten, verant- Vorstand mit gutem Beispiel vorangehen. CSR kann nichtwortungsvoll zu agieren. Er verfügt über mehr Geld und verordnet werden, die Beteiligten müssen es selbst wollen.durch das Internet und andere Medien über mehr Informa-tionen. Und er handelt auch entsprechend – aber nur biszu einem gewissen Grad. Er sagt: Ja, ich will Verantwortung Warum fällt es den Menschen offensichtlich so schwer,für die Umwelt übernehmen, ja, ich will etwas gegen Lohn- Verantwortung für die folgenden Generationen zudumping in der Dritten Welt tun, ohne immer konsequent übernehmen?danach zu handeln. Der Konsument fordert mehr rhetorischein, als er tatsächlich in die Praxis umsetzt. Vor allem deshalb, weil wir mit der fernen Zukunft persön- lich nichts zu tun haben. Das ist zum Teil anthropologisch begründet. Der Mensch ist auf den nahen Horizont aus-Sinkt in unserer Gesellschaft die Bereitschaft, gerichtet, der ferne Horizont besitzt für sein Handeln wenigVerantwortung zu übernehmen? Relevanz. Es besteht hier ein Betroffenheitsdefizit, wenn man es so nennen will. Allerdings besitzen Menschen eineIm Gegenteil. Über ein Drittel der deutschen Bürger engagie- große Vorstellungskraft. Hier können Medien viel beitragen,ren sich aktiv in einem Ehrenamt und in der Zivilgesellschaft. indem sie mit eindrucksvollen Zukunftsszenarien vor AugenDie Übernahme von Verantwortung ist heute stärker indivi- führen, was auf uns zukommt. Wenn es gelingt, affektivdualisiert und weniger politisch organisiert oder ideologisch wirksame Geschichten über die Zukunft zu erzählen,befrachtet. Der Begriff der Politikverdrossenheit stimmt werden wir uns mehr mit dem Schicksal nachfolgenderdeswegen so nicht. Es lässt sich heute ein anderes Verständ- Generationen auseinandersetzen.nis von politischem Engagement beobachten, wie etwa beiStuttgart 21. Insgesamt geschieht heute eine Verschiebungder Verantwortung von der staatlichen Öffentlichkeit in die Glauben Sie, dass sich die meisten Politiker ihrerpolitische Privatsphäre. Verantwortung bewusst sind? Das glaube ich schon. Aber sie haben nur begrenzte Hand- lungsmöglichkeiten. Sie sind im Zeitalter der GlobalisierungWie hat sich der Verantwortungsbegriff über die letzten eher ohnmächtige Akteure. Generell gilt heute, dass derdrei Generationen hinweg verändert? Einfluss der Politik sinkt. Damit sollen Politiker nicht von ihrer Verantwortung entlastet werden, sondern es gehtEs hat vor allem eine Verlagerung von Personen auf Sach- darum, die Grenzen des politischen Systems stärker zuzusammenhänge stattgefunden. Früher war Verantwortung berücksichtigen.stärker an einzelne Menschen gekoppelt. Heute ist es deutlichschwieriger zu sagen: Ich mache das und stehe dann dafürein, denn wir sind abhängiger von Systemen geworden. Die Können Ethiker besser Verantwortung bezüglich FragenVerantwortung muss deshalb heute an der Veränderung der der Präimplantationsdiagnostik oder Atomenergie über-Systeme und Rahmenordnungen ansetzen. nehmen, weil sie die Theorie der Verantwortung kennen? Nein. Die professionelle Beschäftigung mit VerantwortungWie denken Sie über Corporate Social Responsibility (CSR)? macht keinen verantwortungsvolleren Menschen. Aber die Kompetenz eines Ethikers liegt auch weniger in seinerDas halte ich für eine sehr ambivalente Entwicklung. Einer- persönlichen Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen, alsseits ist es zu begrüßen, wenn Unternehmen Verantwortung vielmehr darin, zu beraten. Wer sich lange mit moralischenfür die Gesellschaft übernehmen, wenn sie sich als Teil der und ethischen Dilemmata beschäftigt, ist geübter darin,Gesellschaft begreifen. Andererseits wird CSR oft nur rheto- vernünftig abzuwägen, Lösungen zu suchen und zu finden. HaysWorld 02/2011 | 07
  • 8. 08 | HaysWorld 02/2011
  • 9. NICHT GEGENSEINEN TYPUSGesellschaftliche Verantwortung ist für Unternehmen heute selbstverständlich –Corporate Social Responsibility (CSR) ist en vogue. Um den Verdacht vonGreen- oder Whitewashing gar nicht erst aufkommen zu lassen, integrierenUnternehmen ihr Engagement zunehmend in alle Prozesse der Unternehmens-entscheidungen beziehungsweise in den gesamten Produktlebenszyklus.Von Bernd SeidelAls 2006 dem örtlichen Freibad in Obereisenbach das Aus Ebenso ist die eigene Produktionsstätte im entferntendrohte, wurde der Hilferuf der Gemeinde gehört. Der orts- Vietnam nach ISO 14001 ausgezeichnet.ansässige Outdoor-Ausrüster VAUDE sicherte als Pächterden Erhalt des „Bädles“. „Die Gemeinde trägt nach wie vordie Betriebskosten, allerdings ist es uns als Pächter durch Das Engagement muss in den gesamtenprofessionelles Management gelungen, diese zu halbieren“, Produktlebenszyklus integriert seinerklärt Hilke Patzwall, zuständig für Sustainability bei VAUDE.„Gesellschaftliche Verantwortung ist bei uns Programm Klingt gut. Zu gut? Hilke Patzwall kennt die Vorwürfe:und Teil unseres Markenversprechens.“ Dazu gehöre es Einsatz für Umwelt und Gesellschaft dienten als „grünes“auch, ein gutes Nachbarschaftsverhältnis zu pflegen. Feigenblatt. „Die beste Photovoltaikanlage auf dem Dach der Unternehmenszentrale nützt nichts, wenn manDas schwäbische Unternehmen gilt als Branchenprimus. in der Produktentwicklung keine ökologischen FortschritteDie Aktivitäten des Familienunternehmens mit seinen erzielt“, sagt sie. Kommunikation ist natürlich wichtig, auchweltweit 1.500 Angestellten reichen vom firmeneigenen damit das Bewusstsein der Kunden für nachhaltige ProdukteKindergarten über Verpackungen aus Recyclingmaterial geschärft wird. Wichtiger als grünes Marketing ist aber,bis hin zum 1994 gegründeten ECOLOG-Recyclingnetz- dass das Engagement sowohl in alle Prozesse der Unter-werk zur Wiederaufbereitung von gebrauchten Polyester- nehmensentscheidungen als auch in den gesamten Produkt-produkten. Momentan arbeitet VAUDE gemeinsam mit der lebenszyklus integriert ist. Bei VAUDE ist dies Teil desEuropean Outdoor Group daran, die ECOLOG-Idee als Markenkerns – quasi Bestandteil der Unternehmens-DNA.allgemeinen Branchenstandard zu etablieren. „Niemals gegen den eigenen Unternehmenstypus enga-Im Fokus von Verantwortung und Nachhaltigkeit steht gieren“, rät Bionade-Geschäftsführer Peter Kowalsky,die Erhaltung der Natur. Hilke Patzwall dazu: „Wer davon der 2007 vom WWF als Ökomanager des Jahres aus-lebt, dass seine Kunden Freude und Erholung in der Natur gezeichnet wurde. Es riecht nach Greenwashing, wennfinden, sollte sich mit Nachdruck um deren Schutz küm- Unternehmen Aktivitäten unter dem Deckmantel vonmern.“ Die hehren Ziele setzt VAUDE durch ein konsequen- CSR oder Nachhaltigkeit ins Leben rufen, bei denen keintes Nachhaltigkeitsmanagement um und lässt sich von Zusammenhang zum Produkt oder zum Unternehmenexternen Stellen regelmäßig überprüfen. „Das ist wichtig herzustellen ist. Für den Brauer aus Ostheim ist das deut-für unsere Glaubwürdigkeit und verankert darüber hinaus sche Reinheitsgebot für Bier quasi Grundgesetz. „SozialeNachhaltigkeit in unseren Unternehmensabläufen“, sagt und ökologische Verantwortung sind für uns daher selbst-Patzwall weiter. So ist das Umweltmanagement am Stand- verständlich und in den Genen angelegt“, sagt Kowalsky.ort Obereisenbach inklusive der eigenen Taschenpro - Nur natürlich wachsende Produkte, ohne Zusatz vonduk tion und Logistik vor Ort nach dem Eco-Management Chemie. Die Affinität zur Natur ist groß – der Schrittand Audit Scheme (EMAS) und ISO 14001 zertifiziert. zur Nachhaltigkeit eine logische Konsequenz. HaysWorld 02/2011 | 09
  • 10. Bionade hat zusammen mit weiteren Partnern, wie regionalen Forstbe- Am Fortbildungsprogramm „Intel Lehren“ von Intel, das in enger Zusam-trieben und dem Deutschen Jugendherbergswerk, deutschlandweit menarbeit mit den Kultusministerien entstanden ist, haben in den letztenbereits elf „Trinkwasserwälder“ gepflanzt. zehn Jahren über 400.000 Lehrkräfte teilgenommen.„Alle Rohstoffe, die wir verwenden, sind aus biologischem Das Gros der Pädagogen habe seine Ausbildung oft vorAnbau, den wir mit Biobetrieben in der Rhön kontinuier- 20 oder mehr Jahren abgeschlossen – aus digitaler Sichtlich ausbauen.“ Exotische Bestandteile wie Litschis und also in der Steinzeit. Die Wissenslücke versucht Intel mitIngwer bezieht das Unternehmen beispielsweise von Far- der professionellen Weiterbildung „Intel Lehren“ zu schließen,men aus Mexiko, mit denen enge Kooperationen bestehen einem Programm, das in enger Zusammenarbeit mit denund die nach den strengen deutschen Bioverordnungen Kultusministerien entstanden ist und an dem in Deutschlandwirtschaften. „Dafür zahlen wir gerne höhere Preise, bereits über 400.000 Lehrkräfte in den letzten zehn Jahrendie wiederum die sozialen Strukturen in den Anbaulän- teilgenommen haben. Dabei geht es vor allem darum, wiedern verbessern“, erklärt Kowalsky. Lehrer lernen können, die richtigen Medien im Unterricht pädagogisch sinnvoll einzusetzen.Sein Lieblingsprojekt ist die Umweltbildung. In verschiede-nen Projekten erleben Kinder und Jugendliche die Natur Wenn heute CSR oder Nachhaltigkeit von Unternehmendabei hautnah. Sie pflanzen unter anderem Trinkwasser- als Whitewashing bezeichnet wird, liegt es, so Intel-Managerwälder, die den jährlichen Wasserbedarf für die Bionade- Osburg, oft einfach nur an mangelnder Kommunikation.Produktion egalisieren. „In der Umweltbildung arbeiten Und: „Die Skeptiker übersehen dabei oft, dass sich Heraus-wir eng mit einem Verlag zusammen und entwickeln ge- forderungen wie Klimaschutz und Bildung nur im Zusammen-meinsam Lehrmaterial für Schulen.“ Netter Nebeneffekt: spiel von Politik, Unternehmen und Gesellschaft meisternMit dem Engagement erreichen die Limo-Brauer ihre lassen.“ Kein Problem der Welt könne von einer Institutionjugendlichen Zielgruppen. alleine gelöst werden. Dabei sollte der Gedanke einer partnerschaftlichen Win-win-Situation immer im Mittel- punkt stehen.Von Nachhaltigkeit profitieren Unternehmen,Natur und Menschen gleichermaßen Für weitere Informationen:„Nachhaltigkeit ergibt aus unserer Sicht eine Win-win-win-Situation: Wir profitieren, die Natur und die Men- Corporate Social Responsibilityschen“, erklärt Kowalsky den Zusammenhang zwischen www.csrforum.euÖkologie und Ökonomie. Und er geht noch einen Schritt www.csr-in-deutschland.deweiter: Bionade habe das System Limonade verändert:„Früher hat Gesundes meistens nicht geschmeckt. Und Umweltzertifizierungen und Standardswas schmeckt, ist häufig nicht gesund.“ Bionade beweise www.bluesign.comdas Gegenteil und habe einen Markt für alternative Brausen www.emas.degeschaffen, wie die große Zahl an Nachahmerproduktenund auch wirklichen Neuerungen zeige.Wenn Biozutaten oder Schutz der Natur in den Unter- G GEWINNSPIELnehmensgenen angelegt sein müssen, um Greenwashing Ha verlost jeweils ein VAUDE Haysvorzubeugen, wie kann dann CSR für einen multinatio- Men Me Me oder Womens Town Jacket Mensnalen Hightech-Konzern aussehen? „Ganz pragmatisch“,erklärt Dr. Thomas Osburg, Leiter Corporate Affairs Europe Die modische Wetterschutzjacke mit Green-Shape-Label istbeim Chip-Giganten Intel. „Unser Wirkstoff ist Wissen besonders umweltfreundlich hergestellt worden. Sie ist mit demund Bildung.“ Insofern bildet die Förderung von Bildung 2-Lagen-Material Ceplex advanced absolut wasser- und winddicht –und Lehre den Schwerpunkt von Intels CSR-Programm. die Gewinner können also jedem Wetter trotzen. Einfach eineGut ausgebildete Ingenieure, Mathematiker und Techniker E-Mail mit der richtigen Antwort senden an: info@haysworld.de, Stichwort „Verantwortung“.sind die Innovatoren, die Intel braucht und die künftig Einsendeschluss ist der 15. Dezember 2011.Hightech-Power in Form von Rechnern und Netzenbrauchen. Und: Da ist natürlich Intel inside. Gewinnfrage: Aus welchem Land bezieht Bionade Litschis und Ingwer für seine Biobrause?„Die Digitalisierung der Welt, die ja auch von Intel geför- Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt. Der Rechtswegdert wird, hat zahlreiche Auswirkungen auf die Gesellschaft ist ausgeschlossen. Viel Glück!und natürlich auch auf Lehrer“, beschreibt Osburg.10 | HaysWorld 02/2011
  • 11. MITARBEITERAM DRÜCKERUnternehmen fordern von ihrer Belegschaft mehr und mehr Eigenverantwortung.Zu Recht. Denn von den Freiräumen profitieren alle Beteiligten: Angestellte gewinnenneue Gestaltungsräume, Vorgesetzte arbeiten in motivierteren Teams, und Firmenstärken ihre Reputation und Wettbewerbskraft. HaysWorld 02/2011 | 11
  • 12. Von Judith-Maria GilliesIm ersten Job von null auf 20 Mitarbeiter: Jan Loss legte setzte arbeiten in motivierteren Teams und Firmen stärkeneinen wahrhaft rekordverdächtigen Berufseinstieg hin. ihre Wettbewerbskraft – auf dem Absatzmarkt genausoDirekt nach dem Bachelor-Abschluss in BWL bot ihm der wie als Arbeitgeber.dm Drogeriemarkt die Leitung einer Filiale in Ratingenbei Düsseldorf an. „Das war für mich ein Sprung ins kalte Das Prinzip Verantwortung ist nicht neu für die Wirtschaft.Wasser“, sagt der 26-Jährige. „Aber ich schwimme gern.“ Bereits 1955 entwickelte der US-Ökonom Peter Drucker die Führungsmethode „Management by Objectives“. Vorge-Verantwortung, ja bitte: So lautet derzeit das Motto in setzte, so der Gedanke, legen als BewertungsgrundlageFirmen aller Branchen und Größen. „Ein Großteil der ihrer Mitarbeiter gemeinsam mit ihnen Ziele fest. So tragenUnternehmen propagiert heute ein Menschenbild, das alle Angestellten eigenverantwortlich und messbar ihrenauf Selbstverantwortung und Anstand fußt“, sagt Reinhard persönlichen Teil zum Unternehmenserfolg bei.K. Sprenger. Der deutsche Management- und Motivations-guru mit Sitz im schweizerischen Winterthur ist davon Eigeninitiative der Mitarbeiter wirkt wie einüberzeugt, dass alle Menschen eine kreative Energie mit- Karriereturbobringen, die nach Entfaltung drängt. „Unternehmen“,so Sprenger, „sollten den Menschen Freiräume eröffnen, Diese Denke hat mittlerweile große Teile der Geschäftsweltdiese Energie positiv zu nutzen.“ erobert. Vom Big Player bis zum Kleinbetrieb messen heute viele Firmen ihre Belegschaften an individuell ausge-Von diesen Freiräumen profitieren alle Beteiligten: Mitar- handelten Zielvereinbarungen. Die Übernahme von Eigen-beiter gewinnen neue Gestaltungsmöglichkeiten, Vorge- verantwortung steht hoch im Kurs. Nach einer aktuellen12 | HaysWorld 02/2011
  • 13. Verantwortung, ja bitte: So lautet derzeit das Motto in Firmen aller Branchen und Größen. musste er „von Tag eins an selbstständig arbeiten“. Der 25-Jährige recherchierte Themen, eruierte Businessmög- lichkeiten, erstellte Entscheidungsvorlagen. „Mein Chef musste nur noch sagen: ,Wir machen es so oder so‘“, erzählt der Betriebswirt. Zusätzlich schrieb Lück einen Businessplan für ein neues Geschäftsmodell, das mittelständischen Firmen E-Commerce- Leistungen im Baukastensystem anbietet. Sein Engagement und Können überzeugte – so sehr, dass sein Arbeitgeber ihm für den neuen Job ein Millionenbudget und fünf Mitar- beiter anvertraute. „Vor der Verantwortung habe ich Res- pekt“, sagt Lück. Deshalb auch mal eine Nacht schlecht zu schlafen, gehört für ihn dazu. Die Freiheit und die Verant- wortung, als Unternehmer im Unternehmen zu arbeiten, macht für ihn aber alles wett. Freie Hand von der Geschäftsleitung hat auch dm-Filialleiter Loss. Sein Geschäftsziel ist es, Kunden zu begeistern – und seine Mitarbeiter für genau dieses Ziel zu gewinnen. „Wenn sie ihren persönlichen Beitrag für den Filialerfolg erkennen, macht ihnen die Arbeit viel mehr Spaß, als wenn sie Anwei- sungen abarbeiten“, ist Loss überzeugt. Gute Führungskräfte ziehen sich überlegt zurück So sieht das auch Matthias Krieger. Der Geschäftsführer der Krieger + Schramm Bauunternehmung im thüringischen Dingelstädt bezieht seine 70 Mitarbeiter aktiv in Entschei- dungen ein. Etwa bei der Entwicklung von Unternehmens- vision und Firmenwerten. Die gemeinsam erarbeitete Unternehmenskultur vergleicht der Chef mit Leitplanken. „Zwischen ihnen kann sich jeder frei bewegen – auf derRepräsentativstudie von TNS Infratest sind 86 Prozent rechten, mittleren und linken Spur oder auch mal zum Auf-aller Personalchefs davon überzeugt, dass die Eigeninitia- tanken an der Raststätte.“ Seine Mitarbeiter lädt der Mittel-tive der Mitarbeiter wie ein Karriereturbo wirkt. ständler zum selbstständigen Arbeiten ein, wie er sagt. „Die Arbeit soll ihnen das berechtigte Gefühl geben, etwasVerlangen nach Verantwortung verspürt aber auch der Sinnvolles zu tun und damit ein bedeutender Teil der FirmaManagementnachwuchs selbst. Dies zeigt das Absolven- zu sein“, so Krieger.tenbarometer 2011 des Berliner MarktforschungsinstitutsTrendence, das knapp 12.000 angehende Wirtschaftsabsol- Damit das auch wirklich funktioniert, durchlaufen alle Mitar-venten nach ihren Anforderungen an potenzielle Arbeit- beiter einen Talenttest. Der zeigt genau, was jemand gutgeber befragte. Der Wunsch nach Eigenverantwortung kann und was ihm Spaß macht. Je nach Ergebnis werdenlandete auf einer Liste mit 21 Plätzen auf Rang acht. die Aufgaben für ihn genau auf seine Fähigkeiten und Inter- essen hin abgestimmt. Zudem bestimmen die Teams ihreKeine Frage: Mitarbeiter wollen zu Mitgestaltern werden. Projektziele selbst. Der Chef steht nur bei Bedarf helfendDas Schlagwort von „Employees as Entrepreneurs“ hat seit zur Seite. Ansonsten lässt er machen.der New Economy weiter an Anziehungskraft gewonnen. Genau die richtige Einstellung, sagen Fachleute. „Gute Füh-Auch für Philipp Lück. Seinen Job als Bereichsleiter rungskräfte ziehen sich angemessen und überlegt zurück“,E-Commerce in der Medienfabrik Gütersloh verdankt so Managementberater Sprenger. „Sie handeln nicht über-er purer Eigeninitiative. In seiner vorherigen Position als zuständig, machen nicht jedes Problem zur Chefsache undVorstandsassistent einer anderen Bertelsmann-Tochter mutieren nicht zur Antwortmaschine für alle Fragen.“ HaysWorld 02/2011 | 13
  • 14. CIO – DIE TREIBENDE KRAFT ZWISCHEN TECHNIK UND GESCHÄFT Früher war der CIO hauptsächlich für eine reibungslos funktionierende IT zuständig. Heute hat sich sein Verantwortungsbereich vergrößert: Er muss auch gewährleisten, dass die IT wirksam die Geschäftsprozesse unterstützt und Wegbereiter für Innovationen und Wettbewerbsvorteile ist.Von Ina Hönicke„Wir brauchen Manager, die in der Lage sind, Unterneh-men erfolgreich zu führen. Wir brauchen ihre Visionen, ihreKreativität, ihre Einsatzbereitschaft, ihre Aggressivität, ihrCharisma und ihre Führungsqualitäten. Sonst sind wir denwirtschaftlichen Herausforderungen in einer globalen Weltnicht gewachsen.“ So lautet der Tenor des Buches „Spieleder Manager“, das Professor August-Wilhelm Scheer heraus-gegeben hat. Aussagen, die seiner Meinung nach auch auf Foto: IDS Scheerdie Spezies CIOs zutreffen. Der frühere Bitkom-Präsident:„Die Rolle der CIOs ändert sich. Sie müssen innovativeIT-Konzepte umsetzen, als Enabler für den Aufbau neuerGeschäftsprozesse und die Umsetzung von Geschäfts- Professor August-Wilhelm Scheerstrategien dienen.“ Darüber hinaus sei es ihre Aufgabe,den Wertbeitrag der IT zum Business zu erhöhen. nehmen als gewaltige Herausforderung an: „Ein CIO sollte weltoffen, mobil und mehrsprachig sein.“ Wenn er dannZu den wesentlichen Aufgaben eines CIOs gehört nach noch über einen gewissen globalen EroberungsdrangScheers Meinung weiterhin die saubere Ausführung von verfüge, stünden ihm alle Türen offen.Prozessen und Services. Dazu kämen neue Aufgabenfelder,zum Beispiel in den Bereichen Collaboration, Vernetzunginterner Mitarbeiter und Cloud Computing. Da sich die IT Nutzen, Effizienz, Innovation und Sicherheitnoch dazu verstärkt zu einem strategischen Wettbewerbs- müssen in einem ausgewogenen Verhältnisfaktor entwickle, sollten die CIOs, so Scheer, bestrebt sein, zueinander stehendie IT so zu transformieren, dass sich neue und innovativeGeschäftsprozesse zeitnah umsetzen lassen. So weit die Theorie. Was dies in der Praxis bedeutet, be- schreibt Klaus Hardy Mühleck. Der Volkswagen-Konzern-CIONeben den technischen und organisatorischen Herausfor- bringt die Verantwortung seiner IT-Mannschaft auf denderungen sieht Scheer die globale Positionierung der Unter- Punkt: „Wir unterstützen das Unternehmen, die gesteckten14 | HaysWorld 02/2011
  • 15. „Im Prinzip muss ich alle Geschäfts- abläufe kennen, um sie fachlich effizient unterstützen zu können.“ Klaus Hardy Mühleck, Leiter der Konzern-IT sowie Konzern-CIO und Generalbevollmächtigter der VW AG „Die Einführung eines Onlineshops verlangt eine enge Abstimmung und ein Gefühl für das Verhältnis von IT und Business.“ Dr. Frank Nittka, CIO beim Wasserfilterhersteller Britastrategischen Ziele zu erreichen – und das wirtschaftlich „IT-Verantwortliche müssen Nutzen, Effizienz, Innovation undund flexibel.“ Der IT-Chef nimmt in Europas größtem Auto- Sicherheit in einem ausgewogenen Verhältnis betrachten.“mobilunternehmen eine besondere Querschnittsfunktionwahr: „Im Prinzip muss ich alle Geschäftsabläufe kennen, Der CIO als treibende Kraft zwischen Technik und Geschäft –um sie fachlich effizient unterstützen zu können“, sagt so sieht auch Dr. Frank Nittka seine Rolle. Wie die erfolg-Mühleck. Da sich heute ohne IT weder ein Auto wirtschaft- reiche Verbindung zwischen IT und Business aussehenlich entwickeln ließe noch Produktion oder Vertrieb organi- kann, bewies der CIO beim Wasserfilterhersteller Britasieren ließen, müsse die IT Dienstleister, Integrator und vor einem Jahr. Damals hatte das Unternehmen einenInnovator zugleich sein. Dienstleister bedeute, IT-Services neuen Vertriebskanal erschlossen. Über einen E-Shopin höchstmöglicher Qualität anzubieten, von Rechenzentren wurden erstmals Geschäfte direkt mit den Endkundenüber Netzwerke bis hin zu Laptop, PC und Software am abgewickelt. „Die Einführung eines Onlineshops verlangtArbeitsplatz. Als Integrator wirke die IT bei der Entwicklung eine enge Abstimmung und ein Gefühl für das Verhältnisvon IT-Standards und Modulen. Zudem sei die Rolle des von IT und Business“, erklärt der Wirtschaftsinformatiker.Innovators auszufüllen. Hier trage der CIO besondere Ver-antwortung: „Vorrang vor Schnelligkeit haben der Schutz Interne wie externe Partner mussten damals fachlich undsensibler Daten und der Schutz des geistigen Eigentums“, finanziell koordiniert werden. Trotz einiger Schwierigkeitenbetont Mühleck und verweist auf geheime Entwicklungs- hat es Nittka zusammen mit dem E-Marketing geschaff t,daten, sensible Geschäftsvorgänge und rund 3,2 Millionen das Produktportfolio an einem originären „Point of Sale“E-Mails, die bei Volkswagen täglich ein- und ausgingen. zu präsentieren. „Auch wenn der E-Shop nicht sofortMühleck: „Der Entwicklungsdynamik von Netz und IT-Branche Gewinn abwerfen kann, ist er ein wichtiges strategischesbegegnen wir mit Augenmaß und neuartigen Schnittstellen, Standbein für die künftige Unternehmensentwicklung“,die mehrere Standards abdecken. So lassen sich intuitiv betont der CIO.bedienbare Mobilgeräte wie iPhone und iPad oder neueDesktop-Benutzeroberflächen leichter ‚andocken‘.“ Für Nittka sind die CIOs von heute und morgen nicht nur die Enabler zwischen IT und Business. Sie müssten darüberVolkswagen habe dieses Jahr Windows 7 und Office 2010 hinaus auch sicherstellen, dass die neuen Systeme von denfür rund 150.000 PC-Nutzer gestartet. Mühlecks Resümee: Mitarbeitern adäquat genutzt werden. HaysWorld 02/2011 | 15
  • 16. GUTES GEWISSEN UND GUTE RENDITE Nachhaltige Investments sind gefragt, aber der Markt steht am Scheideweg. Fondsanbieter und Banken müssen sich auf klare Rahmenbedingungen und Standards einlassen, um ihre Kunden nicht zu verunsichern.16 | HaysWorld 02/2011
  • 17. Von Alexander Freimark und Bernd Seidel„Nachhaltiger Profit“ – ein verlockender Begriff für Anlegerin Zeiten extrem volatiler Märkte. Assoziationen zu Stabilität,Sicherheit und regelmäßigen Auszahlungen beruhigen denscheuen Investor, und als Bonus gibt es ein reines Gewissen.Es geht um die nachhaltige Entwicklung der Welt in demSinne, dass Unternehmen ihren Ressourcenverbrauch be-schränken. „Die Nachfrage nach derartigen Produkten steigt,und auch die ethisch-ökologischen Banken verzeichnenstetig Kundenzuwächse“, berichtet Karin Baur, Redakteurinbei der Zeitschrift „Finanztest“.Das Heilsversprechen hat nur einen Haken: Welche Krite-rien kennzeichnen eigentlich nachhaltige Finanzprodukte?Definiert wird die Nachhaltigkeit in der Finanzbrancheanhand von ökologischen, sozialen und Governance-Aspekten. Diese Eingrenzung ist schwammig und zeigt,dass es einen verbindlichen Standard nicht gibt. „Verant-wortung und Nachhaltigkeit bieten unzählige Möglichkei-ten, diese Attribute in konkrete Investment-Aktivitätenumzusetzen“, sagt Robert Haßler, CEO der Rating-Agenturoekom research. Das Münchner Unternehmen bewertet seit1993 die Nachhaltigkeitsbemühungen von Unternehmen,um auf Basis der Ergebnisse Investitionsentscheidungenzu ermöglichen.Ein verbindlicher Standard fehlt„Nachhaltigkeit“ als Begriff und als Maßstab ist nicht ge-schützt, weder bei Fonds noch bei Banken noch bei Rating- Robert Haßler, CEO der Rating- Agentur oekom research.Agenturen. Haßler zufolge kommt eine kulturspezifischePrägung hinzu: „Im deutschsprachigen Raum wird Nach-haltigkeit stärker über ökologische Aspekte wahrgenom-men, während in Ländern wie Frankreich in erster Linie Auswahlstrategiensoziale und gewerkschaftliche Themen im Mittelpunkt nachhaltiger Fondsstehen.“ Nachhaltigkeit ist letztlich also das, was der Nachhaltige FinanzprodukteFondsmanager definiert. unterliegen gewissen Auswahl- kriterien. Häufig werden dieDessen ungeachtet waren die vergangenen zehn Jahre Vorgehensweisen kombiniert.eine dynamische Erfolgsgeschichte für die Branche. Das Ausschlüsse verringern das soMarktvolumen nachhaltiger Publikumsfonds hat sich in genannte Anlageuniversum, wodurch das Risiko steigen kann.der Zeitspanne im deutschsprachigen Raum verzehnfacht,berichtet das Sustainable Business Institute (SBI). Inzwi- Blacklist:schen hat sich auch herumgesprochen, dass Anleger für Branchen wie Rüstung, Alkoholein gutes Gewissen nicht automatisch draufzahlen müssen: oder Atomkraft sowie Produk-„Unter Renditegesichtspunkten können die nachhaltigen tionsverfahren wie KinderarbeitFonds durchaus mithalten“, bestätigt Finanzexpertin Baur, werden ausgeschlossen.die im vergangenen Jahr 56 einschlägige Produkte unter Whitelist:die Lupe genommen hat. Lediglich Unternehmen mit nachhaltigen Produkten„Nachhaltige Investments drängen mit Macht aus der und ProduktionsverfahrenNische“, schrieb die Zeitschrift „Capital“ Anfang 2010. werden berücksichtigt.Nach der positiven Aufbruchsstimmung differenzieresich inzwischen jedoch der Blick, wirft oekom-CEO Haßler Themen: Diese Fonds setzen sich ausein, „und viele wünschen sich mehr Qualität in der Auf- Anbietern eines Sektors zusam-wärtsbewegung.“ Die Rechnung ist einfach: Bewerte ich men, etwa erneuerbare Energienals Analyst 300 Unternehmen anhand von fünf Kriterien oder Ökolandwirtschaft.oder konzentriere ich mich auf 40 Unternehmen undführe einen intensiven Dialog? Die Qualität der Bewer- Best in Class:tung muss hier zwangsläufig abweichen. „Noch gibt es Traditionelle Investments in allen Branchen, aber jeweilskeine Standards für nachhaltiges Investment, und auf nur in Unternehmen mit einemdem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung sind wir hohen Nachhaltigkeits-Ratingnoch lange nicht am Ziel angekommen“, sagt der sowie einer starken Finanzkraft.oekom-CEO. HaysWorld 02/2011 | 17
  • 18. Interview mit Prof. Dr. Florian G. Kaiser „WAS UNS ETWAS BRINGT, WOLLEN WIR BEWAHREN“Das Interview führte Winfried GertzHerr Professor Kaiser, wie entsteht Verantwortung aus Strafandrohung schwächt es sich umgekehrt ab. Klassi-umweltpsychologischer Sicht? sche Strafandrohungen, etwa das Flaschenpfand, verhin- dern das Wegwerfen von Glas. Die Produktion erneuerba-Am Anfang steht die Frage: Wer ist verantwortlich? Dann rer Energie fördert der Staat durch steuerliche Anreizekommen Emotionen ins Spiel. Ehe man handelt, muss man und Preisgarantien.sich selbst verantwortlich fühlen. So ist es auch im Umwelt-schutz. Bevor ich darüber nachdenke, ob ich verantwortlichbin oder nicht, muss ich allerdings das Problem erkennen. Welche Rolle spielt sozialer Druck?Verantwortlich zu sein, bedeutet aber noch lange nicht,auch entsprechend zu handeln. Umweltschutz profitiert Damit lässt sich, wie mit finanziellen Anreizen, Verhaltenvon Menschen, die Verantwortungsgefühl entwickeln. extrinsisch, also von außen, fördern. Entspricht mein Verhalten den Erwartungen, ernte ich ein freundliches Lächeln, sonst wird die Augenbraue tadelnd hochgezogen.Wer entwickelt Verantwortungsgefühl? Die Wirksamkeit externer Anreize ist allerdings begrenzt. So kann ich nur jeweils ein Verhalten beeinflussen, etwaGenerell die eher sozial eingestellten Menschen. In einer die Mehrfachnutzung von Badetüchern in Hotels. Doch wasStudie konnten wir zeigen, dass umweltbewusstere Perso- sind schon ein paar nichtgewaschene Badetücher, wennnen dazu neigen, mehr für das Gemeinwohl zu tun. Sie es darum geht, einen Großteil des Pro-Kopf-Verbrauchesbringen nach dem Kantinenessen das Tablett zurück oder an Energie und Wasser einzusparen?verlassen die Toilette so sauber wie vorgefunden. Man kann aber das Umweltverhalten gezielt von außenWas veranlasst jemanden, überhaupt etwas für die beeinflussen?Umwelt zu tun? Ja, dazu ein Beispiel: In Zürich liegt es nahe, mit der TramUmweltverhalten benötigt wie jedes andere Verhalten oder dem Bus zu fahren. Die Straßen sind eng, die Parkgebüh-auch Motivation. Es ist zielgerichtet und absichtsvoll: Ich ren hoch und die Parkplätze knapp. Also verzichtet manchtue etwas, weil es mir einen Nutzen bringt. Dieser Nutzen einer aufs Auto. Auch in vielen deutschen Städten könntekann intrinsisch sein, etwa Stolz oder Genugtuung, weil man Parkplätze verknappen und verteuern und im Gegenzugich nach meinen Werten und Überzeugungen handle. den ÖPNV auf den Stand von dem in Zürich bringen.Oder er ist extrinsischer Natur, weil ich etwas dafür be-komme, zum Beispiel Anerkennung von anderen oderfinanzielle Anreize. „Auch in vielen deutschen Städten könnte man Parkplätze verknappen und verteuernWas können finanzielle Anreize leisten? und im Gegenzug den ÖPNV auf den StandAus der Lerntheorie wissen wir, dass ein bestimmtes Ver-halten eher gezeigt wird, wenn es belohnt wird. Unter von dem in Zürich bringen.“18 | HaysWorld 02/2011
  • 19. Enge Straßen, hohe Parkgebühren, knappe Parkplätze: Kein Wunder, dass in Zürich Autofahrer auf Bus oder Tram umsteigen – und damit die Attraktivität Zürichs bewahren helfen. Gibt es denn nichts, was man tun kann, um genügsamer„Der Status quo der Welt, besser der zu werden?Umwelt, spiegelt die nicht ausreichend In einer Studie mit Biologiestudenten konnten wir zeigen,vorhandene intrinsische Motivation zum dass diejenigen, die ein Sumpfgebiet renaturierten, später mehr für den Umweltschutz taten als eine Vergleichsgruppe,Umweltschutz von uns allen wider.“ die im Klassenzimmer unterrichtet worden war. Offenbar kann allein der Aufenthalt in der Natur etwas bewirken. Aktuell untersuchen wir, ob der positiv erlebte Aufenthalt in der Natur und der als nützlich erfahrene „Konsum“ vonDie Folgen liegen auf der Hand. Verhalten von Menschen Natur langfristig verantwortungsvolles Umweltverhaltenlässt sich also relativ einfach von außen steuern. Dass hervorzubringen vermag.Menschen von sich aus, also intrinsisch motiviert, etwasfür die Umwelt tun, erreicht man so leider nicht. Natur mag doch eigentlich jeder, oder?Wo liegt das Problem? Manche mehr, manche weniger. Wahrscheinlich sind die- jenigen, die sich die Natur aus Eigennutz erhalten wollen,Der Status quo der Welt, besser der Umwelt, spiegelt die um sich darin zu erholen oder um sich daran zu erfreuen,nicht ausreichend vorhandene intrinsische Motivation oft auch diejenigen, die sich für Umweltschutz einsetzen:zum Umweltschutz von uns allen wider. Unsere ökologi- Was uns etwas bringt, wollen wir bewahren. Die Frageschen Fußabdrücke sind einfach zu groß. Worauf wir von lautet, ob es möglich ist, über Naturkonsum Genügsam-uns aus bereit sind zu verzichten, reicht bei Weitem nicht keit und Umweltschutz zu fördern.aus. In Europa müssten wir unseren Energieverbrauch,wie bereits erwähnt, drastisch senken. Ohne Verzicht undohne mehr Genügsamkeit geht das nicht.Menschen sind von Natur aus nicht genügsam, oder? Prof. Dr. Florian G. KaiserNein, leider nicht. Wer geht schon, wenn er die Wahl Prof. Dr. Florian G. Kaiser ist Professorhat, den Aufzug zu nehmen, zu Fuß in den 6. Stock? für Sozial- und Persönlichkeitspsycho-Erschwernisse ohne vordergründigen persönlichen Nutzen logie an der Otto-von-Guericke-Uni-in Kauf zu nehmen, ist das Problem und gleichzeitig die versität in Magdeburg und SprecherErklärung dafür, warum die sozial eingestellten Menschen der Fachgruppe Umweltpsychologiesowohl mehr für andere als auch für die Umwelt tun. Sie der Deutschen Gesellschaft für Psy-wollen etwas Sinnvolles tun. Der Vorteil solch intrinsischer chologie. In seiner ForschungsarbeitMotivation ist allerdings, dass man auch langfristig moti- untersucht er, warum sich Menschenviert bleibt. für den Umweltschutz einsetzen. HaysWorld 02/2011 | 19
  • 20. NACHHALTIGE PFLEGE VON KULTURLANDSCHAFTEN In den Schweizer Alpen wächst der Wald, weil immer weniger Flächen bewirtschaftet werden. Eine folgenreiche Entwicklung für Umwelt und Tradition.20 | HaysWorld 02/2011
  • 21. Wildheuen ist beschwerliche Arbeit.Wildheuer mit einem „Binggel“ im Kanton Uri. HaysWorld 02/2011 | 21
  • 22. Geht die Kuh, kommt der Wald: „Vergandung“ nennt man in der Schweiz das Verwildern von Alpweiden.Von Alessandro MonachesiDer September ist im Kalender der Alpen ein besonderer Gebiete intensiver genutzt werden. Beide EntwicklungenMonat. Jedes Jahr zu dieser Zeit kehren die Kühe, Schafe haben schwerwiegende Folgen für Umwelt und Tradition.und anderen Tiere von den Alpen zurück, wo sie den Sommerverbracht haben. Der Alpabzug ist ein wichtiger Tag im Welche landschaftlichen Folgen die geringe Bestoßung –Kulturleben der Alpentäler und wird meist begleitet von also die Beweidung mit Tieren – von Alpweiden haben kann,einem Festbetrieb, einer so genannten Chilbi (Kirmes). zeigt deutlich das 3. Landesforstinventar des Bundesamts für Umwelt und der Eidgenössischen Forschungsanstalt fürDie Sömmerung, also die Übersommerung des Viehs in Wald, Schnee und Landschaft: Während die bewaldetenhöheren Lagen, hat in der schweizerischen Berglandwirt- Flächen in den Talgebieten und im Flachland zwischen 1985schaft eine lange Tradition. Manche Geschichtsforscher und 2006 stagnierten oder schrumpften, ist der Wald imnehmen an, dass die Alpweiden schon im 5. bis 7. Jahrhun- Schweizer Alpenraum um ganze 98.000 Hektar gewachsen.dert genutzt wurden. Sicher ist, dass im Mittelalter rund „Die Waldfläche nahm vorwiegend auf natürliche Weiseum die Klöster des inneralpinen Raums zunehmend Wälder durch das Einwachsen von Alpweiden oder unproduktivengerodet wurden, damit Platz für den landwirtschaftlichen Vegetationsflächen zu“, hält der Bericht klar fest. Demgegen-Anbau gewonnen werden konnte. Zwischen dem 11. und dem über seien nur gerade zwei Prozent der neuen Waldfläche14. Jahrhundert verlangte die Zunahme der Bevölkerung auf gezieltes Aufforsten zurückzuführen. Der Schweizerischenach der Erschließung neuer landwirtschaftlicher Nutzflächen. Bauernverband seinerseits spricht von 4.500 HektarGleichzeitig ermöglichte das damals in ganz Europa vor- Alpflächen, die jährlich im Berggebiet einwachsen, weilherrschende milde Klima die Besiedlung und Urbarmachung sie nicht mehr bewirtschaftet würden.bisher kaum genutzter Gebiete in höheren Lagen. Biodiversität nimmt abTraditionelle Sömmerung gerät unter Druck Für die Umwelt ist dies keinesfalls ein Gewinn: Anders, alsMit dem gegenwärtigen Strukturwandel in der Landwirt- man im ersten Moment glauben mag, führt die Vergan-schaft ist die traditionelle Sömmerung jedoch unter erheb- dung keineswegs zu einer höheren Artenvielfalt. Im Kultur-lichen Druck geraten. Weil einerseits die Globalisierung land der Alpen haben sich im Laufe der Jahrhunderte viel-auch den Bauern immer mehr Konkurrenz beschert und fältige biologische Nischen gebildet mit einer interessantenandererseits Rationalisierung und neue Forschungsergeb- Tier- und Pflanzenwelt, die an die extensive landwirtschaft-nisse eine intensivere Bewirtschaftung in günstigeren liche Nutzung angepasst ist. Auf diesen so genanntenLagen erlauben, lohnt sich die Sömmerung für immer Trockenwiesen und -weiden wachsen rund zwei Drittel derweniger Bauernbetriebe. Die Zahl der Bauern, die ihr Vieh schweizerischen Pflanzenarten. Dazu zählen nicht nur Grä-im Sommer auf die Alp führen, ist deshalb stark rückläufig. ser wie Blaugras, Borstgras, Buntschwingel oder Rostseg-Die Konsequenz: Alpwiesen werden nicht mehr beweidet ge, sondern auch viele Begleitarten wie mittlerer Wege-und gemäht und wachsen zu. „Vergandung“ nennt man rich, Silberdistel, Wundklee, Sonnenröschen, Thymian unddas Verwildern von Alpweiden in der Schweiz auch. Die Orchideen. Zudem enthalten Trockenweiden oft auch klei-Aufgabe wenig ertragreicher oder schwer erreichbarer nere Anteile an guten Futterpflanzen wie verschiedeneWeiden führt parallel dazu, dass die leichter zugänglichen Kleearten, rauer Löwenzahn, Rotschwingel, Muttern und22 | HaysWorld 02/2011
  • 23. Alpenlieschgras. Mit über 100 Pflanzenarten und bis zu menschluss von 17 Organisationen aus den Bereichen Konsu-1.000 Insekten auf 100 Quadratmetern gehören sie zu menten-, Umwelt- und Tierschutz sowie Landwirtschaft,den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Mit der mehr Anreize dafür, in den Sömmerungsgebieten eineÜberwucherung drohen diese große Artenvielfalt und der naturnahe Landwirtschaft zu betreiben. Leistungen wie dasbemerkenswerte Blumenreichtum zu verschwinden. Seit Verhindern der Verbuschung und Verwaldung von wert-1945 gingen laut der Alpenschutzorganisation CIPRA bereits vollem Kulturland oder die Pflege von Trockenwiesen und90 Prozent dieser wertvollen Blumenwiesen verloren. -weiden müssten besser abgegolten werden.Doch nicht nur die Tier- und Pflanzenwelt benötigt Lebens- Diese Bedenken will die Schweizer Regierung in die derzeitraum. Auch für den Menschen ist die Erhaltung einer laufende Neuformulierung der nationalen Landwirtschafts-lebenswerten Landschaft essenziell. Mit der Bewirtschaf- politik, der Agrarpolitik 2014–2017, einfließen lassen. Untertung der Sömmerungsgebiete wird ein wichtiger Beitrag anderem schlägt der Bundesrat vor, dass Bergbauern künftigzur Landschaftspflege geleistet – und damit auch zum nicht mehr nur nach der Anzahl der Tiere unterstützt würden,Erhalt der abwechslungsreichen, für die Schweiz charakte- sondern auch nach der bewirtschafteten Fläche. So würderistischen Berglandschaft. Durch die Bewirtschaftung hält es sich für viele Bauern wieder lohnen, ihre Alpweiden offendie Alpwirtschaft zudem Flächen offen für die Allgemein- zu halten. Zudem sollen in die neue Strategie auch Unter-heit, sei es fürs Wandern, Skifahren oder Biken. Damit ist stützungsmittel für die Vermarktung regionaler Produktesie auch für den Tourismus – ein mittlerweile wichtiges einfließen. Darüber hinaus hat der Bund vergangenes Jahrökonomisches Standbein der Bergregionen – von enormer ein Inventar der Trockenweiden und -wiesen von nationalerBedeutung. Aber auch der Respekt vor Geschichte, Kultur Bedeutung in Kraft gesetzt. Das Inventar soll eine Grund-und Traditionen des Alpenraums verbietet die Aufgabe lage dafür bilden, die übrig gebliebenen Blumenwiesender Bewirtschaftung. Die Landwirtschaft und insbesondere zu schützen.die Alpwirtschaft gehören zur Tradition des Alpenraumsund tragen viel zur Identität und zum kulturellen Leben bei. Doch bei der Erhaltung der Alpweiden ist auch KreativitätDas zeigen auch und gerade die vielfältigen Festlichkeiten gefragt: Mit dem von Naturschutzorganisationen preis-anlässlich des Alpauf- und -abzugs. gekrönten Projekt „Wildheu Uri“ gibt der Innerschweizer Kanton Uri seit dem Jahr 2008 Gegensteuer und knüpft dabei an eine alte Tradition an. Mehr als 400 Hektar undBewirtschaftung ermöglichen damit rund ein Drittel aller Wildheuflächen der Schweiz befinden sich nämlich auf Urner Kantonsgebiet. Das Natur-Dass etwas gegen die Vergandung von Alpweiden getan schutzprojekt soll dafür sorgen, dass die Wildheuflächenwerden muss, darüber herrscht in der Schweiz über weite des Kantons als ökologisch sehr wertvolle TrockenwiesenStrecken Einigkeit. Dabei ist den meisten Akteuren auch klar, und -weiden erhalten bleiben. Dazu werden finanzielledass eine nachhaltige Entwicklung des Alpenraums sowohl Anreize gesetzt, aber auch attraktivere gesetzliche Rahmen-ökologische als auch ökonomische Probleme berücksich- bedingungen geschaffen. Eine gezielte Öffentlichkeitsarbeittigen muss. Nur so lassen sich gleichzeitig die Biotope der soll ergänzend die Einzigartigkeit der „Wildheukultur“ inArtenvielfalt schützen und die Lebensgrundlage der Bevöl- der Bevölkerung verankern helfen. Bis 2013 will Uri so denkerung sichern. So fordert etwa die Agrarallianz, ein Zusam- Rückgang der artenreichen Wildheuflächen stoppen. HaysWorld 02/2011 | 23
  • 24. MIT KREBS GUT ZU LEBEN IST DIE NEUE HERAUSFORDERUNG Interview mit Prof. Dr. med. Dr. h. c. Günter Henze, dem emeritierten Direktor der pädiatrischen Klinik für Onkologie und Hämatologie an der Charité in BerlinDas Interview führte Frank SchabelSie blicken auf eine lange Zeit als Kinderarzt zurück. Wenn ich ihn unter Kontrolle halten kann, ist es auch gut.Was waren die großen Durchbrüche in der Bekämpfung Meine Vision ist, dass wir irgendwann von unseren Patientenvon Krebs bei Kindern und Jugendlichen? einen genetischen Fingerabdruck erhalten und daher wissen, wie Medikamente in ihrem Körper wirken und welche gene-Für Kinder war dies die Einführung der Chemotherapie. tischen Eigenschaften ihre Krebszellen haben. Dann gehenKrebskrankheiten bei Kindern entwickeln sich sehr schnell wir mit einem Chip zum Apotheker, der uns die exakteund nach wenigen Wochen ist der ganze Körper erfasst. Mischung an Wirkstoffen gibt, die wir brauchen. SicherDen Tumor zu bekämpfen, ist daher bei Kindern nie eine können wir nicht alle Wege blockieren, über die eine Zellelokale Angelegenheit. Durch die Chemotherapie liegen die wächst. Aber vielleicht verfügen wir künftig über Medika-Heilungschancen bei der häufigsten Form der Leukämie im mente, die nicht so gravierende Nebenwirkungen haben.Kindesalter mittlerweile bei 90 Prozent. Aber ihr Preis isthoch, auch und gerade durch die Spätfolgen. Daher müssenwir bessere Methoden entwickeln, um sie zu reduzieren. Wenn wir alles anwenden, was die Forschung zuWir versuchen die Behandlungen so zu schneidern, dass bieten hat, sprengt dies nicht den Rahmen unseresjeder nur das bekommt, was er braucht. Hier helfen uns vor Gesundheitssystems?allem die Erkenntnisse über die Biologie der Erkrankungen. Auf jeden Fall. Wenn sich Ärzte mehr mit Patienten beschäftigen und sie ernst nehmen würden, könntenEs gibt einige neue Therapieansätze – wie Erfolg sie häufig besser entscheiden, ob zum Beispiel apparativeversprechend sind diese? Untersuchungen oder eine medikamentöse Behandlung erforderlich sind. Aber wenn sie überlastet sind, tendierenIch glaube, dass wir uns gerade in einem Paradigmen- sie dazu, alles mithilfe von Technik zu überprüfen und Belegewechsel befinden. Bisher ging es darum, den Krebs kom- zu erzeugen, auch damit sie gegen mögliche Klagenplett zu beseitigen. Aber wie ein Diabetiker tagtäglich mit gewappnet sind. Wenn ich meine Patienten ernst nehme,Insulin recht gut leben kann, halte ich es für möglich, dass kann ich auf viele unnötige Untersuchungen verzichten.wir künftig auch mit Krebs leben können, wenn wir ihn Wenn Ärzte gelernt haben, ihre Finger, ihre Augen unddaran hindern, zu wachsen und Metastasen zu bilden. ihren Tastsinn zu nutzen, reicht ganz häufig eine körper-24 | HaysWorld 02/2011
  • 25. Prof. Dr. med. Dr. h. c. Günter Henze mit Dr. Anna Maria Rupp CORPORATE SOCIAL RESPONSIBILITY – HAYS ÜBERNIMMT VERANTWORTUNG Hays stellt sich seiner Verantwortung nicht nur bei den unmittelbaren Geschäftsaktivitäten, sondern unter- stützt auch seit Jahren gezielt Einrichtungen für krebs- kranke Kinder. Die Summe unserer finanziellen Hilfe ist direkt mit unserem geschäftlichen Erfolg verknüpft. Für jede erfolgreiche Besetzung einer Position oder eines Projektes spenden wir zehn Euro. So fördert Hays seit 2003 zum Beispiel das erlebnis- pädagogische Camp „Die Waldpiraten“ in Heidelberg, eine Initiative der Deutschen Kinderkrebsstiftung. Hier können sich krebskranke Kinder und Jugendliche nach ihrer Behandlung erholen, neues Selbstbewusstsein und neuen Lebensmut tanken. In der kinderonkologischen Ambulanz und Tagesklinik im Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin Heidelberg finanzieren wir die Arztstelle von Dr. Julia Schäfer. Gemeinsam mit zwei weiteren Ärzten kümmert sie sich um rund 50 junge Krebspatienten, die täglich zu Chemotherapien oder Bluttransfusionen kommen. An der Berliner Charité finanziert Hays eine halbe Arzt- stelle für die Tagesklinik und die Kinderkrebsstation. Die Stelle ist mit der jungen Ärztin Dr. Anna Maria Rupp besetzt. „Sie ist eine begabte und engagierte Kollegin,liche Untersuchung aus. Ich sehe eine große Gefahr darin, die seit kurzer Zeit in der Weiterbildung zur Fachärztindass immer mehr über Automaten läuft. Wenn ich mir die für Kinder- und Jugendmedizin tätig ist und sich derLaborwerte anschaue, dann muss ich auch den Menschen Kinderonkologie ‚verschrieben‘ hat“, sagt Prof. Dr. med.kennen, um sie tiefer zu verstehen. Dr. h. c. Günter Henze, emeritierter Direktor der pädiat- rischen Klinik für Onkologie und Hämatologie an der Charité in Berlin.Medizin als Reparaturwerkstatt? Darüber hinaus unterstützt Hays die Schweizer Kinder-Es geht leider immer mehr in Richtung Werkstatt. Klar ist krebshilfe im Jahr 2011 bei ihrem Projekt „FamilienferienMedizin so komplex geworden, dass wir nicht mehr alles in Meiringen“. Hier können Eltern gemeinsam mit ihrenüberschauen. Aber der Hausarzt wäre die Instanz, bei der krebskranken Kindern eine von Sozialpädagogenalles zusammenlaufen sollte. Heute ist es eher wie bei der betreute Freizeit verbringen und sich nach langer ZeitAutoproduktion. Jeder verrichtet seine Aufgabe und macht wieder einmal als Familie fühlen und erleben.sich nicht unbedingt Gedanken darüber, wie das „Produkt“am Ende aussieht. Eine Operation zum Beispiel eines Tumorsist nicht sinnvoll, wenn sie dem Patienten nicht nützt. Wirbenötigen bei allem, was wir tun, einen ganzheitlichenAnsatz und eine ganzheitliche Sichtweise.Wo stehen wir in 20 Jahren mit der Bekämpfung von Krebs?Im Jahr 2030 wird die Krebsbehandlung viel sanfter sein undhoffentlich auch erheblich effizienter. Dabei wird das Prinzipdes Ausrottens nicht mehr so im Vordergrund stehen, weildie Forschung mehr und mehr in das biologische Wesen der Dr. Julia SchäferKrankheit eingedrungen ist. HaysWorld 02/2011 | 25
  • 26. Dr. Roland Körner, leitender Not- Michael Steil, Diplom-Theologe,arzt in der Berliner Charité und Notfallpsychologe und Gründerärztlicher Leiter der Rettungs- des Netzwerkes PSNV (Psycho-dienstschule NAW Berlin soziale Notfallversorgung) in Freiburg Von Britta Nonnast NOTARZT Dr. Gregor Lichy, leitender Arzt der Luftrettungsstation Christoph 51 Stuttgart, Facharzt für Anästhesie und Intensiv- mediziner im Klinikum Ludwigsburg, fliegt rund 20 Einsätze im Monat im Intensivtransporthubschrauber Christoph 51. IM EINSATZ „Es gibt einige schlimme Verkehrsunfälle, an die man sich als Notarzt wohl immer erinnert“, erzählt er. „Eine junge Frau zum Beispiel, Anfang zwanzig, wurde schwer verletzt mit Beinen und Becken in ihrem stark beschädigten Fahrzeug eingeklemmt.“ Lichy konnte das Opfer in dieser Situation nur von außen versorgen. „Die Angehörigen und der Notärzte haben immer breite Verlobte der Patientin standen in direkter Nähe der Unfall- Schultern. So erscheint es jeden- stelle, da sie in einem anderen Auto hinterhergefahren waren und den Unfall beobachtet hatten. Das war ein großer falls in der Einsatzkleidung mit emotionaler Druck, bis die junge Frau endlich nach einer dem reflektierenden „Notarzt“ Stunde von der Feuerwehr aus ihrem Auto befreit wurde“, erzählt Lichy. Die Patientin überlebte den Unfall und wurde auf dem Rücken. Die können sie wieder gesund. Lichy besuchte sie einige Tage nach dem auch gebrauchen, wenn jede Einsatz im Ludwigsburger Klinikum. Dabei erfuhr er, dass die junge Frau jede Minute bis zu ihrer Rettung bewusst Sekunde zählt. Die Verantwortung miterlebt hatte. der Ärztinnen und Ärzte ist groß Auf die Frage, ob die Verantwortung manchmal erdrückend und muss gestemmt werden. ist, antwortet der 38-Jährige pragmatisch: „Mit der Verant- wortung muss man einfach umgehen lernen, denn im Ein- satz ist man als Arzt auf sich allein gestellt.“ Wobei die gute Zusammenarbeit der dreiköpfigen Crew, gerade angesichts der komplexen Technik in der Luftrettung, sehr wichtig sei. „Bei uns wechselt die Verantwortlichkeit in jeder Phase des Einsatzes zwischen Pilot, Rettungsassistent und Notarzt. Jeder ist auf jeden angewiesen.“ „Das Verantwortungsgefühl dem Patienten gegenüber ist immer gleich hoch, aber das Gefühl der Betroffenheit kann schwanken“, sagt Lichy. „Transportieren wir ein Kind mit schlimmen Verbrennungen, sind wir als Crew sicherlich beson- ders angespannt.“ Das bestätigt auch Dr. Roland Körner, leitender Notarzt in der Berliner Charité und ärztlicher Leiter26 | HaysWorld 02/2011
  • 27. Dr. Gregor Lichy, leitender Arzt der Luftrettungsstation Christoph 51 Stuttgart, Facharzt für Anästhesie und Intensivmediziner im Klinikum Ludwigsburgder Rettungsdienstschule NAW Berlin. „Jeder Notarzt assistenten, der innerhalb von drei Wochen mit vierhat Angst vor einem kritischen Einsatz mit Kindern oder Suiziden konfrontiert wurde. „Solche Situationen könnenSchwangeren. Stirbt ein Kind während eines Einsatzes, zum Wendepunkt im Leben werden, deshalb ist es wichtig,vergisst man das niemals, auch nach Jahren nicht“, sagt dass Notärzte die psychischen Belastungen ihres BerufesKörner ganz offen. nicht unterschätzen und vor allen Dingen wissen, wie sie sie abbauen können.“Jeder Handgriff muss sitzen AusnahmesituationenAuf die psychischen Belastungen könne man die jungenKollegen in der Ausbildung wenig vorbereiten, weiß Körner. Bei spektakulären Einsätzen helfe die Nachbereitung mit„In der Ausbildung werden hauptsächlich die Einsatz- den Kollegen, findet Notarzt Lichy. „In einem Debriefingstrukturen so lange geübt, bis sie perfekt sitzen“, so der diskutieren wir die Fälle unter Kollegen und verfolgen, wieBerliner Notarzt. Das gebe den Notärzten Sicherheit und es dem Patienten nach dem Einsatz geht.“ Generell dürfegewährleistet die professionelle Versorgung der Patienten. der Einsatz trotz aller Professionalität nicht zur RoutineDas schwierigste Thema werde allerdings immer ange- werden, warnt Körner. „Die Einsatzkräfte müssen hellwachsprochen: Wie begegnet man trauernden Eltern möglichst bleiben und alles hinterfragen, denn bei zwei von hunderteinfühlsam? Einsätzen greift die Routine nicht.“Die Notarztausbildung unterscheidet sich von Bundesland So zum Beispiel bei großen Verkehrsunfällen. Für Steil istVon Britta Nonnastzu Bundesland. Gregor Lichy hat in seiner Ausbildungs- hier die Diskrepanz zwischen dem, was leistbar ist, undzeit unter anderem sechs Monate auf der Intensivstation dem Bedarf des Einsatzes eine der größten Herausforde-gearbeitet und 50 Einsätze in Begleitung eines erfahrenen rungen für die Notärzte. „Wem helfe ich zuerst an einerNotarztes absolviert: „Diese Zeit mit den erfahrenen Kollegen Unfallstelle mit vier Verletzten?“ Der Notfallpsychologewar sehr wertvoll, um Sicherheit zu gewinnen und mit der weiß aus Erfahrung, dass viele Rettungskräfte nachgroßen Verantwortung umzugehen.“ einem solchen Einsatz ihre Entscheidung immer wieder hinterfragen.Psychosoziale Belastungen „Ein Notarzt muss die Fähigkeit haben, die Einsätze auch psychisch abzuschließen“, findet Körner. „Mit der Erfah-Michael Steil, Diplom-Theologe, Notfallpsychologe und rung wächst die Gelassenheit im Einsatz. Dennoch gibtGründer des Netzwerkes PSNV (Psychosoziale Notfall- es Kollegen, die nach Jahren noch sehr angespannt sindversorgung) in Freiburg, bedauert, dass innerhalb der und ihre Notarzttätigkeit ehrlicherweise aufgeben, weilNotarztausbildung kaum auf die psychosozialen Belas- der Druck zu stark auf ihnen lastet.“ Deshalb glaubt Inten-tungen der Rettungskräfte eingegangen wird. Derzeit sivmediziner Lichy auch, dass man für diesen Beruf einesbetreut der Theologe Hilfskräfte, die im Auslandseinsatz schon in die Ausbildung mitbringen sollte: die gewissein Haiti waren, und unter anderem einen jungen Rettungs- innere Ruhe. HaysWorld 02/2011 | 27
  • 28. 28 | HaysWorld 02/2011
  • 29. DER SOZIAL-UNTERNEHMER Christian Hiß hat mit der Regionalwert AG in der Region Freiburg ein Pionierprojekt ins Leben gerufen. Private Investoren können sich an der Ökolandwirtschaft ihrer Region beteiligen.Von Britta NonnastChristian Hiß ist schwer erreichbar. Rund 14 Stunden ist persönlichen Gesprächen für seine Sache und überzeugteer täglich für sein Unternehmen „Regionalwert AG“ unter- die ersten Bürger. 2006, drei Jahre später, konnte er seinewegs. Was ihn antreibt? Seine Ideale. Denn Christian Hiß Idee in die Tat umsetzen. Der bürokratische Aufwand seiist ein so genannter Social Entrepreneur, ein Unternehmer die größte Hürde gewesen, so Hiß.also, der mit seiner Geschäftsidee zur Lösung gesellschaft-licher Probleme beitragen will. Seit 2009 Ashoka FellowDas Unternehmertum liegt ihm im Blut. Aufgewachsen istder ehemalige Gärtnermeister, der dieses Jahr zusätzlich Doch die Anstrengungen haben sich gelohnt. 2009 wurdeseinen Master in Social Banking and Finance gemacht hat, Ashoka, eine Non-Profit-Organisation zur Förderung vonin einem Gärtnereifamilienbetrieb in Eichstetten bei Freiburg. Sozialunternehmern (siehe Kasten), auf ihn aufmerksamDoch bereits mit 21 Jahren machte sich der heute Fünfzig- und machte ihn zum Fellow. Dies bedeutete nicht nur finan-jährige mit einer eigenen Gemüsegärtnerei selbstständig. zielle, sondern auch konzeptionelle Unterstützung. Inzwi-„Schon als junger Unternehmer empfand ich Defizite, meine schen hat Hiß rund 500 Aktionäre und 1,7 Millionen Euroökologischen Ziele im Betrieb umzusetzen. Beispielsweise Kapital gesammelt. Damit erwirbt die Regionalwert AGwar es schwer, Kapital für den ökologischen Umbau meines landwirtschaftliche Betriebe und beteiligt sich an Unterneh-Betriebes zu bekommen“, erklärt Hiß. „Dadurch kam ich men aus der Region Freiburg.auf die Idee der Regionalwert AG.“ Die so genannten Partnerunternehmen, zu denen land-Und die geht so: Bürger beteiligen sich mit ihrem Kapital wirtschaftliche Betriebe und Unternehmen der Biobranchean der regionalen Landwirtschaft rund um Freiburg, die wie zum Beispiel ein Großhändler für Naturkost oder einsozial, ökologisch und wirtschaftlich nachhaltig gestaltet Bioladen zählen, müssen bestimmte sozial-ökonomischewird. Dazu befragte Hiß 15 regionale und ökologisch Kriterien erfüllen und einmal im Jahr einen sozialöko-wirtschaftende Höfe nach ihren Bedürfnissen und Zielen. logischen Bericht abliefern. Ein Prinzip gilt jedoch für alleDie Ergebnisse flossen in sein Konzept ein. Auf regionalen zwölf Partnerunternehmen gleichermaßen: Sie müssenVeranstaltungen warb der dreifache Familienvater in vielen nach EU-Richtlinie ökologisch wirtschaften. „Mein Ziel HaysWorld 02/2011 | 29
  • 30. ist es, vermehrt auch die regionalen Gastronomie- und Indikatoren wie Entlohnung und Fluktuation von Mitar-Hotelleriebetriebe mit ins Boot zu holen, um das Portfolio beitern, Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität sowie dasabzurunden“, erklärt Hiß. Engagement in der Region.Mit dem Beteiligungskapital der privaten Anleger will Hiß ist der Meinung, dass durch die sozial-ökologischenHiß als Vorstand der AG auch kleinen und mittleren Unter- Erfolge auf lange Sicht auch die volkswirtschaftlichen Kostennehmen die finanzielle Möglichkeit geben, ihre Betriebe sinken. „Die Kosten von umweltschädlichem Wirtschaftensozial-ökologisch auszurichten. Auf die Frage, welche Ziele trägt jeder Einzelne, ob er will oder nicht. Durch ein Umdenkendie Investoren seiner Meinung nach verfolgen, hat Hiß sparen wir alle diese Kosten.“eine klare Antwort: „Unseren Investoren ist der sozialeund der ökologische Wandel wichtig.“ Sie locke nicht nur Bisher kann sich Hiß über einen Zulauf von Investoren freuen.der monetäre Profit, sondern auch die sozial-ökologische Er verbuche momentan ein Wachstum in drei Richtungen.Mitbestimmung. Deshalb, so Hiß, werde auf der Haupt- Das Kapital steigt, die Investitionen wachsen und zweiversammlung auch diskutiert, welche Rendite maximiert Regionen in Hessen und Bayern wollen das Konzept kopieren.wird, die sozial-ökologische oder die monetäre. Christian Hiß berät die Verantwortlichen und sein Aufgaben- bereich vergrößert sich dadurch immens.Doppelte Rendite Für aufwendige Hobbys bleibt daher kaum Raum. In seinerDie monetären Erträge erzielt die Regionalwert AG aus freien Zeit engagiert sich Hiß in der Stiftung KaiserstühlerPachtzahlungen und aus ihren Beteiligungen. Die sozial- Gärten für den Erhalt und die Pfl ege gefährdeter Kultur-ökologische Wertschöpfung ist weitaus schwieriger zu pflanzen: „Die Mannigfaltigkeit unserer Pflanzen für diebewerten. 64 Kriterien werden betrachtet. Darunter fallen nächsten Generationen zu erhalten ist quasi mein Hobby.“ ASHOKA Ashoka bezeichnet sich selbst als weltweit größte Als Ashoka-Stipendiat kann man sich nicht bewerben, Non-Profit-Organisation zur Förderung von Sozialunter- man wird vorgeschlagen. Social Entrepreneurs sollen nehmern, den „Social Entrepreneurs“. Ihr Name kommt laut Ashoka mit innovativen, tief greifenden Ansätzen aus dem altindischen Sanskrit und bedeutet „das aktive daran arbeiten, ein soziales Problem nachhaltig und Überwinden von Missständen“. Gegründet wurde Ashoka möglichst großflächig zu lösen. 1980 von Bill Drayton, einem Wirtschaftswissenschaftler und Unternehmensberater, der sich als sozialer Unter- Die jährlich sieben bis acht Ashoka Fellows in Deutsch- nehmer einen Namen gemacht hat. Die Organisation hat land werden in der Regel aus bis zu 300 nominierten ihren Hauptsitz in Washington, ist heute aber in knapp Kandidaten ausgewählt. Die Fellows werden finanziell 70 Ländern aktiv und fördert mehr als 2.500 Sozialunter- und konzeptionell von der Organisation unterstützt. nehmer, so genannte Ashoka Fellows. Prominentestes Finanziert wird Ashoka durch Spenden von Unternehmern, Beispiel ist der Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus, Führungskräften aus der Wirtschaft sowie Unternehmens- Gründer der Grameen Bank, die Mikrokredite vergibt. stiftungen.30 | HaysWorld 02/2011
  • 31. W NEWS UND TERMINE Freiberufliche Finance-Spezialisten sind gefragt Um das Key Account Management bei der Zusammenarbeit mit den Kunden und den dort eingesetzten Spezialisten Mittlerweile ist die Nachfrage nach freiberuflichen Finance- zu unterstützen, baut Hays auch sein Backoffice in den Spezialisten auf einem höheren Niveau als vor der Welt- Bereichen Rechnungswesen, Recruiting, Vertragswesen, wirtschaftskrise angelangt. Gefragt sind in Unternehmen Marketing, IT sowie im juristischen Umfeld aus. insbesondere Controlling- und Accounting- sowie Corpo- rate-Finance-Experten. Dies zeigt eine Analyse der Kunden- nachfrage beim Personaldienstleister Hays. Hays eröffnet neue Niederlassung in Köln Hintergrund dieser Entwicklung sind unter anderem die ver- Zum 1. Juli 2011 hat Hays ein neues Büro in Köln eröff net. änderten Arbeitsstrukturen in den Finanzabteilungen. Zwar Mit der im Kölnturm/Mediapark beheimateten Niederlassung arbeiten sie noch vorwiegend im Rahmen formaler Prozesse. will Hays in einem ersten Schritt sein IT-Contracting-Geschäft Doch eine aktuelle Studie von Berlecon Research im Auftrag in der Region ausbauen. Mittelfristig ist geplant, weitere der Hays AG (siehe unten) zeigt, dass sie zunehmend projekt- Geschäftsbereiche zu eröffnen. „Köln ist durch seine wirt- wirtschaftliche Strukturen nutzen. Mehr als 60 Prozent der schaftliche Struktur ein sehr interessanter Markt für uns“, F&A-Verantwortlichen sehen eine Zunahme der Projektarbeit betont Abteilungsleiter Michael Schmidt. „Ihn werden wir während der letzten beiden Jahre, unter anderem aufgrund nun mit der Nähe zu unseren Kunden systematisch angehen.“ der steigenden Zahl an Compliance-Themen. In Nordrhein-Westfalen ist Hays außer in Köln bereits in Düsseldorf und Dortmund mit eigenen Büros vertreten. Wissensarbeit in Unternehmen unter erhöhtem Druck Die Bedeutung der wissensintensiven Fachbereiche für den LERNEN SIE HAYS BEI FOLGENDEN Erfolg von Unternehmen nimmt spürbar zu. Dies ist jedoch VERANSTALTUNGEN PERSÖNLICH KENNEN mit einem wachsenden Druck auf diese Bereiche, zu denen im Wesentlichen die IT-, Forschungs- und Finanzabteilun- gen zählen, verbunden. Denn sie müssen ihren Wertbeitrag 9. – 11. November 2011 immer häufiger anhand konkreter Kennzahlen nachweisen, BME-Symposium obwohl ihre Budgets tendenziell abnehmen. Gleichzeitig 46. Symposium Einkauf und Logistik steigt ihr Kommunikations- und Abstimmungsbedarf mit Hotel InterContinental; Berlin internen und externen Partnern signifi kant an. Dies zeigt 28. Februar – 1. März 2012 die empirische Studie „Fachbereiche im Wandel“, die von embedded world 2012 Berlecon Research im Auftrag des Personaldienstleisters Weltweit größte Fachmesse der Hays durchgeführt wurde. Für ihre Wissensarbeit beschäf- internationalen Embedded-Community tigen bereits mehr als die Hälfte der Unternehmen externe Messezentrum; Nürnberg Dienstleister und Spezialisten. Dieser Trend wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen, denn über diesen Weg 6. – 10. März 2012 schließen Fachbereiche ihre Know-how-Lücken und erhalten CeBIT neue Ideen. Download der kompletten Studie unter: Weltgrößte Messe zur Darstellung digitaler Lösungen www.hays.de/studien aus der Informations- und Telekommunikationstechnik Messegelände; Hannover 6. – 8. März 2012 Hays wächst auf über 1.200 Mitarbeiter Facility Management 2012 in der D-A-CH-Region Fachmesse und Kongress Messegelände; Frankfurt am Main Um seine Marktführerschaft weiter auszubauen, setzt Hays stark auf Unternehmenswachstum. Waren 2004 23. – 27. April 2012 200 Mitarbeiter bei Hays in Deutschland, Österreich und HANNOVER MESSE (Job & Career Market) in der Schweiz beschäftigt, wurde im April dieses Jahres Das Zentrum für Recruitment und Qualifizierung die 1.000. Mitarbeiterin eingestellt. Im September 2011 Messegelände; Hannover waren es schon mehr als 1.200 Mitarbeiter. Das Wachs- tum beschränkt sich dabei nicht auf die Vertriebseinheiten. HaysWorld 02/2011 | 31
  • 32. Hays Hays (Schweiz) AG Hays Österreich GmbHWilly-Brandt-Platz 1–3 Nüschelerstrasse 32 Personnel Services68161 Mannheim 8001 Zürich Marc-Aurel-Straße 4T: +49 (0)621 1788-0 T: +41 (0)44 225 50-00 1010 WienF: +49 (0)621 1788-1299 F: +41 (0)44 225 52-99 T: +43 (0) 1 5353 443-0info@hays.de info@hays.ch F: +43 (0) 1 5353 443-299www.hays.de www.hays.ch info@hays.at www.hays.atUnsere Niederlassungen Unsere Niederlassungenfinden Sie unter finden Sie unterwww.hays.de/standorte www.hays.ch/standorteDie Marke HAYS und das H-Symbol sind eingetrageneWarenzeichen von Hays. © HAYS 2011