HaysWorld: Intelligenz (Gesamtausgabe 02/2012)
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Sie zählt seit jeher zu den stärksten Triebkräften der Menschheit: die Intelligenz. Ohne sie gäbe es keine Einsicht in naturwissenschaftliche Gesetze, keine technischen Innovationen, vor allem ...

Sie zählt seit jeher zu den stärksten Triebkräften der Menschheit: die Intelligenz. Ohne sie gäbe es keine Einsicht in naturwissenschaftliche Gesetze, keine technischen Innovationen, vor allem aber keine Sprache und Schrift und damit keinen Wissens- und Erfahrungsaustausch.
Doch was genau ist Intelligenz? Darüber streitet die Wissenschaft seit mehr als 100 Jahren. „Intelligenz heißt Lernfähigkeit“, sagt die Kognitionspsychologin und Intelligenzforscherin Elsbeth Stern im Interview (S. 4). Sie zeige sich darin, wie gut wir uns auf veränderte Bedingungen einstellen können und wie wir Symbolsysteme nutzen, um die Welt besser zu verstehen.
Fähigkeiten also, die aus der heutigen Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken sind. Aber garantiert ein hoher IQ schon die Karriere? Nein, sagt Professor Gunter Dueck im Interview (S. 10). Künftige Entscheider, so der Schriftsteller und ehemalige Chief Technology Officer von IBM, benötigten eine neue „professionelle Intelligenz“, die sich aus weit mehr als dem bekannten IQ oder EQ zusammensetze.
So müssen Führungskräfte in der Lage sein, für ihre Ziele zu begeistern, auf sich aufmerksam zu machen oder Veränderungsfreude zu signalisieren. Und: Sie müssen ihre Mitarbeiter dazu motivieren können, ihr Wissen zu teilen. Denn bei hochkomplexen Aufgaben und Fragestellungen, die das Arbeiten in der Wissensgesellschaft kennzeichnen, reichen die Erfahrungen und kognitiven Fähigkeiten eines Einzelnen oft nicht mehr aus.
Unternehmen reagieren darauf unterschiedlich. Die einen investieren in ein gelebtes Wissensmanagement oder schließen Know-how-Lücken durch den Einsatz externer Spezialisten, wie der Artikel „Das Prinzip Facebook“ (S. 16) beschreibt. Andere nehmen sich ein Beispiel an der Natur und setzen auf eine Kompetenzvernetzung im Schwarm (S. 23). Wieder andere bauen auf künstliche Intelligenz (S. 12). Sie stellen ihren Mitarbeitern Roboter zur Seite, die in Einzel¬disziplinen Spitzenleistungen weit jenseits menschlicher Fähigkeiten vollbringen.
Was all diese Ansätze eint? Die Einsicht, dass die Intelli¬genz eines Einzelnen oder einer Organisation allein noch keinen Erfolg garantiert. Denn es genügt nicht, um mit dem französischen Philosophen und Mathematiker René Descartes zu sprechen, „gute geistige Anlagen zu besitzen. Die Hauptsache ist, sie gut anzuwenden.“

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    HaysWorld: Intelligenz (Gesamtausgabe 02/2012) HaysWorld: Intelligenz (Gesamtausgabe 02/2012) Document Transcript

    • HAYSWORLDDas Kundenmagazin für Deutschland,Österreich und die Schweiz 02/2012INTELLIGENZ
    • INHALTHAYSWORLD 02/2012 · INTELLIGENZ04 „Wie ich meine Intelligenz nutze, ist auch eine Frage des Pay-off“ Interview mit Prof. Dr. Elsbeth Stern 08 Ein hoher IQ macht noch keine Karriere Professionelle Intelligenz ist ein Mix vieler Einzelintelligenzen 12 Immer schön lächeln Künstliche Intelligenz versucht sich in Emotionen16 Das Prinzip Facebook Wissensmanagement entwickelt sich zum Wettbewerbsfaktor 20 Smarte Revolution I ntelligente Produkte werden unseren Alltag vereinfachen 12 und verändern 23 Die Natur als Vorbild Schwarmintelligenz erobert Unternehmen 26 Variation ist besser als Wiederholung Wie man die instinktive Intelligenz des Körpers nutzt IMMER SCHÖN LÄCHELN28 Intelligenzbestien Wie intelligent sind Tiere? Künstliche Intelligenz versucht sich in Emotionen.30 HaysWorld Online und Gewinnspiel 31 News und TermineIMPRESSUMHerausgeber:Hays AGMarketing/Corporate Communications, Frank SchabelWilly-Brandt-Platz 1–3 · 68161 MannheimAuflage: 24.800Chefredaktion: Alexandra MaierAutoren dieser Ausgabe: Annette Frank, Judith-Maria Gillies,Silvia Hänig, Bernd Müller, Jana Nolte, Frank Schabel, Bernd Seidel,Michael VogelGestaltung: srg werbeagentur ag, MannheimFotos: istockphoto, srg werbeagentur, Getty Images, Fotolia,Shotshop, Continental, FreudenbergSealingTechnology, ETH ZürichDruck: Dinner Druck GmbH, Schlehenweg 6,77963 Schwanau, Ortsteil Allmannsweier 26Kontakt:HaysWorld RedaktionTelefon: +49 621 1788-1490 · E-Mail: info@haysworld.deNachdruck: Für den Nachdruck von Beiträgen – auchauszugsweise – ist die schriftliche Genehmigung derRedaktion erforderlich. Dies gilt auch für die Aufnahmein elektronische Datenbanken und für die Vervielfältigung VARIATION IST BESSERauf elektronische Datenträger.Copyright © 2012 by Hays AG ALS WIEDERHOLUNGAlle Rechte, insbesondere das Recht auf Verbreitung, Nachdruckvon Text und Bild, Übersetzung in Fremdsprachen sowie Ver- Viele Sportler trainieren immer wieder dieselbenvielfältigungen jeder Art durch Fotokopien, Mikrofilm, Funk- und Bewegungsabläufe. Dabei lernt unser KörperFernsehsendungen, für alle veröffent­ichten Beiträge einschließlich l gerade aus Abweichungen und Fehlern.Abbildungen vorbehalten.02 | HaysWorld 02/2012
    • EDITORIAL Die Intelligenz eines Einzelnen oder einer Organisation allein garantiert noch keinen Erfolg.LIEBE LESERINNENUND LESER,sie zählt seit jeher zu den stärksten Triebkräften der Unternehmen reagieren darauf unterschiedlich. Die einenMenschheit: die Intelligenz. Ohne sie gäbe es keine Einsicht investieren in ein gelebtes Wissensmanagement oderin naturwissenschaftliche Gesetze, keine technischen schließen Know-how-Lücken durch den Einsatz externerInnovationen, vor allem aber keine Sprache und Schrift Spezialisten, wie der Artikel „Das Prinzip Facebook“ (S. 16)und damit keinen Wissens- und Erfahrungsaustausch. beschreibt. Andere nehmen sich ein Beispiel an der Natur und setzen auf eine Kompetenzvernetzung im SchwarmDoch was genau ist Intelligenz? Darüber streitet die (S. 23). Wieder andere bauen auf künstliche Intelligenz (S. 12).Wissenschaft seit mehr als 100 Jahren. „Intelligenz heißt Sie stellen ihren Mitarbeitern Roboter zur Seite, die in Einzel-Lernfähigkeit“, sagt die Kognitionspsychologin und disziplinen Spitzenleistungen weit jenseits menschlicherIntelligenzforscherin Elsbeth Stern im Interview (S. 4). Fähigkeiten vollbringen.Sie zeige sich darin, wie gut wir uns auf veränderteBedingungen einstellen können und wie wir Symbol­ Was all diese Ansätze eint? Die Einsicht, dass die Intelli-systeme nutzen, um die Welt besser zu verstehen. genz eines Einzelnen oder einer Organisation allein noch keinen Erfolg garantiert. Denn es genügt nicht, umFähigkeiten also, die aus der heutigen Arbeitswelt nicht mit dem französischen Philosophen und Mathematikermehr wegzudenken sind. Aber garantiert ein hoher IQ René Descartes zu sprechen, „gute geistige Anlagenschon die Karriere? Nein, sagt Professor Gunter Dueck im zu besitzen. Die Hauptsache ist, sie gut anzuwenden.“Interview (S. 10). Künftige Entscheider, so der Schriftstellerund ehemalige Chief Technology Officer von IBM, benötigten Dem schließe ich mich an und wünsche Ihnen eineeine neue „professionelle Intelligenz“, die sich aus weit anregende Lektüre.mehr als dem bekannten IQ oder EQ zusammensetze. IhrSo müssen Führungskräfte in der Lage sein, für ihre Zielezu begeistern, auf sich aufmerksam zu machen oder Ver­änderungsfreude zu signalisieren. Und: Sie müssen ihreMitarbeiter dazu motivieren können, ihr Wissen zu teilen.Denn bei hochkomplexen Aufgaben und Fragestellungen,die das Arbeiten in der Wissensgesellschaft kennzeichnen,reichen die Erfahrungen und kognitiven Fähigkeiten eines Klaus BreitschopfEinzelnen oft nicht mehr aus. Vorstandsvorsitzender der Hays AG HaysWorld 02/2012 | 03
    • Interview mit Prof. Dr. Elsbeth Stern „WIE ICH MEINE INTELLIGENZ NUTZE, IST AUCH EINE FRAGE DES PAY-OFF“ Prof. Dr. Elsbeth Stern ist Psychologin und leitet den Bereich für empirische Lehr- und Lernforschung an der renommierten Eid­ enössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich. Schwerpunkte g ihrer Forschung liegen in der Kognitionspsychologie und Intelligenz­ forschung. Sie ver­ ffentlichte zahlreiche Studien, Artikel und Bücher, ö zuletzt das Buch „Lernen macht intelligent“. Das Interview führte Jana Nolte Frau Prof. Stern, was ist Intelligenz? Menschen mit geringer sozialer Kompetenz. Das macht sie nicht weniger intelligent. Intelligenz zeigt Eine eindeutige Definition zu formulieren ist schwer. sich daran, wie wir Symbolsysteme nutzen, um die Aber Intelligenz lässt sich gut als Lernfähigkeit im Welt besser zu verstehen. akademischen Bereich beschreiben. Es geht nicht um körperliches Lernen, nicht darum, wie ich auf einen Baum klettere, sondern um den Erwerb von Wissen. Beschreiben die Begriffe „klug“, „schlau“ und Der Begriff „akademisch“ hört sich hochtrabend an, „intelligent“ den gleichen Sachverhalt? meint jedoch auch schlicht Lesen und Schreiben. Also alles, was uns nicht in die Wiege gelegt wurde. „Klug“ und „schlau“ sind keine Begriffe der Psychologie. In der wissenschaftlichen Diskussion legt man sich auf bestimmte Termini fest, um sie möglichst präzise Und was ist das Gegenteil von Intelligenz? beschreiben zu können, und „klug“ und „schlau“ gehören beim Thema Intelligenz nicht dazu. In der Alltagswelt Inflexibilität und Rigidität. Sich nicht auf veränderte würde man vielleicht unterstellen, dass auch jemand, Bedingungen einstellen zu können. Lernen heißt, sich der keine besonders guten Ergebnisse in einem Intelli- neuen Umständen anpassen zu können. genztest aufweist, „schlau“ sein kann, weil er vielleicht nicht die optimalen Möglichkeiten gehabt hat, seine kognitiven Fähigkeiten auszubilden. Welche Intelligenzbegriffe gibt es und wodurch unterscheiden sie sich? Ist Intelligenz erblich? Es gibt die Begriffe kognitive, emotionale, soziale und praktische Intelligenz. Wichtig ist aber: Die Psychologie Jeder Mensch hat die genetische Anlage, intelligent beschränkt sich auf die kognitive Intelligenz. Alles zu sein. Aber natürlich unterscheiden sich die Gene in andere nennen wir eher Kompetenzen, sonst würde der der Ausprägung der Intelligenz. Das ist der Unterschied Begriff Intelligenz verwässert. Es gibt hochintelligente zwischen universeller und differenzieller Intelligenz.04 | HaysWorld 02/2012
    • HaysWorld 02/2012 | 05
    • Wir alle haben dank unserer Gene eine Nase. Aberwie groß sie ist und wie sie geformt ist, ist eben bei „Die Frage als Arbeitgeberjedem verschieden, und diese Unterschiede sind aufGene zurückzuführen. muss eher lauten: Wie kann ich die vorhandene IntelligenzUnd welche Rolle spielt das Umfeld eines Menschen? optimal nutzen?“Zunächst geht es um ganz profunde Faktoren: Ein hun­gerndes oder vernachlässigtes Kind wird Schwierigkeitenhaben, sich zu einem intelligenten Erwachsenen auszu­bilden. Wichtig ist außerdem die Sprachförderung. Dassman mit Kindern lernt, die Welt zu benennen, und nichtdarauf wartet, dass dies von selbst geschieht. Wie wichtig wegen, sondern trotz ihrer Intelligenz. Wer gute Intelligenz-sprachliche Kompetenz ist, zeigt sich, wenn man den gene mitbringt, hat immer bessere Chancen, gut in vielengleichen Intelligenztest einmal in der Muttersprache und Bereichen zu sein. Und er ist übrigens auch zufriedener.einmal in einer Fremdsprache absolviert: Die Ergebnisse Denn intelligente Menschen haben größere Chancen, daswerden in der Fremdsprache immer schlechter sein. Leben zu leben, das sie führen möchten. Sie gehen flexiblerAber erst durch Lesen und Schreiben lässt sich schluss­ mit dem Vorgefundenen um und handhaben Situationen,folgerndes Denken lernen. Und das letzte Quantum gibt auf die sie stoßen, geschickter. Sie finden Alternativen,die Schule. Erst mit dem Schulbesuch stabilisieren sich wenn mal was nicht so läuft.Unterschiede in der Intelligenz. Je länger jemand dieSchule besucht, desto größer sind seine Chancen, intelli-gent zu werden und gute Ergebnisse in einem Intelligenz- Welche Rolle spielt Intelligenz im Zusammenhangtest zu erzielen. In einem optimalen Lernumfeld würden mit Lernleistungen?sich die genetischen Unterschiede bei der Intelligenz zu100 Prozent zeigen. Intelligenz heißt Lernfähigkeit. Aber in dem Sinne, dass verstanden und nicht nur auswendig gelernt wird. Reines Auswendiglernen führt nicht weit, wenn das Gelernte nichtLässt sich Intelligenz überhaupt zuverlässig messen anwendbar ist. In meinem nächsten Projekt untersuchenund wenn ja, wie? wir übrigens, ob besonders intelligente Schüler im Unter- richt früher „dichtmachen“ als weniger intelligente, wennNicht so präzise wie Größe oder Gewicht, aber generell es nicht um sinnstiftendes Lernen geht. Wie gut ich lerne,schon. Es gibt Messfehler, dabei geht es jedoch um hängt auch von meinem Ziel ab. Die Methode muss Neben-Abweichungen von nur wenigen Punkten. produkt des Inhalts sein. Lernstrategien müssen am Objekt entwickelt werden. Manchmal ist das sture Wiederholen von Fakten sinnvoll, manchmal nicht. Das physikalischeWas sagt das Ergebnis eines Intelligenztests über die Phänomen „Kraft“ zum Beispiel verstehe ich nicht, indemLeistungsfähigkeit eines Menschen aus? ich die Definition auswendig lerne.Eine hohe Intelligenz schadet nie. Das lässt sich klar sagen.Natürlich gibt es vereinzelt auch sehr intelligente Menschen, Was kann man unternehmen, um seine eigene Intelligenzdie ihr Leben an die Wand gefahren haben, aber dann nicht oder die seiner Mitarbeiter zu fördern und weiterzuent­ wickeln? Intelligenz hat sich bei Erwachsenen stabilisiert. Da lässt sich nicht mehr viel machen. Ein normal IntelligenterProf. Dr. Elsbeth Stern wird nicht mehr hochintelligent. Die Frage als Arbeitgeber muss eher lauten: Wie kann ich die vorhandene Intelligenz optimal nutzen? Und brauche ich überhaupt für jeden Job hochintelligente Mitarbeiter? Sind manchmal andere Kompetenzen nicht sinnvoller für eine Tätigkeit? Sehr intel- ligente Mitarbeiter müssen unbedingt gefordert werden und bloß nicht der Routine überlassen werden. Weniger Intelligente sollten wiederum nicht überfordert werden, ihnen muss Sicherheit gegeben werden. Arbeitgeber müssen sich also genau überlegen: Was erwarten wir von welchem Mitarbeiter? Kann man im Laufe seines Lebens an Intelligenz verlieren, etwa wenn man sein Denkvermögen nicht nutzt? Demenz­ erkrankungen natürlich ausgenommen. Wenn man sich die Ergebnisse von Intelligenztests einer Person über eine Lebensspanne hinweg anschaut, so werden sie nicht signifikant schlechter. Der Teilnehmer mag langsamer werden und vielleicht gehen mal drei Punkte verloren, aber insgesamt ist Intelligenz erstaunlich robust. Es geht natürlich ebenso um die Motivation:06 | HaysWorld 02/2012
    • DIE EVOLUTION DER INTELLIGENZ Australopithecus Homo erectus Homo sapiens sapiens (vor 2,3 Mio. Jahren) (vor 750.000 Jahren) (von vor 100.000 Jahren bis heute) Ist der Mensch, der das Higgs-Teilchen erforschen 100 Milliarden Nervenzellen, die in komplexen kann, intelligenter als der Mensch, der das Feuer für Schaltkreisen bis zu 500 Billionen Verknüpfungen sich entdeckte? Die Gene sind dieselben geblieben, ermöglichen, hat dieses Gehirn neben vielen anderen sagt Prof. Stern, allein die Nutzung des Vorhan­ enen d Leistungen Sprache hervorgebracht. Auch andere Lebe- konnte über die Jahrtausende dank besserer Lebens­ wesen kommunizieren – durchaus mit vielschichtigen bedingungen deutlich optimiert werden. Beziffern lässt Gesten, Rufen, Lauten. Sprache jedoch, und im nächsten sich der Anstieg der allgemeinen Intelligenz erst, seit Schritt Schrift, setzt symbolisches Denken voraus es Intelligenztests gibt – also seit ungefähr 100 Jahren. und damit jene intellektuelle Leistung, die Intelligenz 1984 veröffentlichte der Wissenschaftler James Flynn definiert. Mit der Schrift wurde eine Wissens- und eine Studie, nach der die Intelligenz in den westlichen Erfahrungsvermittlung weit über die Kommunikation Ländern pro Jahrzehnt um drei Punkte stieg. Allerdings des Einzelnen zum Nächsten oder von einer Generation darf man nun nicht im Umkehrschluss, also in der zur nächsten möglich. Und in dem Maße, in dem sich die Menschheitsgeschichte zurückgehend, pro Jahrzehnt Menschen miteinander vernetzten, wuchs auch die drei Punkte abziehen. Aristoteles wäre nach dieser Geschwindigkeit des Informationsaustausches – in den Rechnung sonst auf dem intellektuellen Stand einer vergangenen Jahrzehnten mit der Erfindung, Entwick- Amöbe gewesen. lung und Nutzung des Internets explosions­ rtig. Über a Intelligenz vor der Zeit von Intelligenztests lässt sich Will man die Entwicklung von Intelligenz im Laufe der vermuten: Leonardo da Vinci, Mozart oder Kant werden Menschheitsgeschichte untersuchen, bleibt der Blick intelligenter gewesen sein als der heutige Durchschnitts- auf das menschliche Gehirn nicht aus. Das Gehirn des mensch. Dieser wiederum ist ganz sicher intelligenter, Homo sapiens ist etwa dreimal so groß, wie es etwa das als es der Durchschnittsmitmensch jener herausragen- des verwandten Australopithecus war. Bestehend aus den Köpfe war.Wie nutze ich meine Intelligenz? Ich bin sicher, wenn es gehen jedoch derzeit davon aus, dass in den westlichenvon heute auf morgen Voraussetzung wäre, Chinesisch Zivilisationen das Optimum weitgehend erreicht ist.zu können, um mit 65 in die Rente gehen zu dürfen,würden auch 60-Jährige sehr schnell Chinesisch lernen.Die Frage ist also auch immer die nach dem Pay-off. Es gibt auch Thesen, dass die Menschheit an Intelligenz verlieren wird.Werden die Menschen im Laufe der Menschheitsge- Ich könnte mir allenfalls vorstellen, dass die Vernach­schichte immer intelligenter? Das deuten zumindest lässigung der sprachlichen Entwicklung im KindesalterErgebnisse von IQ-Tests an. und eine Unterforderung in der Schule irgendwann zu einer messbar schlechteren Intelligenzleistung derDie Gene, die die menschliche Intelligenz steuern, Gesamtbevölkerung führen könnten. Aber im Augenblickdürften sich in den letzten 40.000 Jahren nicht wesent­ kann davon noch keine Rede sein.lich verändert haben. Aber unsere heutige Umweltnutzt die Intelligenzgene besser aus – weil die Rahmen­bedingungen bessere sind als noch vor 100 Jahren. Wir Frau Prof. Stern, vielen Dank für das Gespräch. HaysWorld 02/2012 | 07
    • 08 | HaysWorld 02/2012
    • EIN HOHER IQMACHT NOCH KEINEKARRIEREIntelligenz entscheidet über den beruflichen Erfolg. Oder nicht?Die Managementpraxis verlangt heute mehr als das fachlicheSuperhirn und bringt damit bewährte Qualifizierungskonzepteder Unternehmen ins Wanken. Von Silvia Hänig Fakt ist, Unternehmen rekrutieren ihren Führungsnach- wuchs anhand bestimmter Kriterien, um einschätzen zu können, ob die jeweiligen Kandidaten den Heraus­ forderungen des realen Managementalltags gewachsen sind. Das tun sie über interne Assessment-Center oder, wird international rekrutiert, über Onlinetests. Streben die Kandidaten eine verantwortungsvolle Position im Linienmanagement an, müssen sie hier fachlich, emotional, sozial und methodisch fit sein. Ähnliche Kompetenzen erwartet auch der Konzern Knorr- Bremse vom weltweiten Führungsnachwuchs: „Generell testen wir in unseren Assessment-Centern entlang dia­ nostischer Verfahren die kognitive, mathematische g und die verbale Intelligenz eines Bewerbers. Hinzu kommt die kollektive Intelligenz. Wir bewerten, wie gut diese Person mit anderen zusammenarbeiten und in diesem Team auch Leistungen erbringen kann“, beschreibt der Personalleiter des Konzerns Dr. Marc Pastowsky. „Wir haben Onlinetests im Einsatz, um beispielsweise die Ver- arbeitungsgeschwindigkeit zu testen. Das heißt, zieht der Kandidat unter Zeitdruck die richtigen Schlussfolgerungen? HaysWorld 02/2012 | 09
    • In den USA prüfen wir die emotionale Intelligenz anhand den EQ. Das reiche als realitätsbezogene Vorbereitungvon Fragebögen ab. Hier hinein fallen dann die Leader- nicht mehr aus. Prof. Dr. Tim Hagemann, Leiter desship-Fähigkeiten sowie die Kompetenz, Vertrauen bei Instituts für Arbeits- und Gesundheitspsychologie ausanderen aufbauen oder auf andere zugehen zu können“, Berlin, ergänzt: „Heute brauchen Führungskräfte vorso Pastowsky weiter. allem Persönlichkeit, die intern auch so wahrgenommen wird. Zum Beispiel indem sie Verfahrensgerechtigkeit beweisen: Sind die Indikatoren für bestimmte Ent­Führungskräfte brauchen vor allem Persönlichkeit scheidungen nachvollziehbar? Das lässt sich auch im Assessment-Center über bestimmte Aufgaben wieIn Intelligenzen ausgedrückt bedeutet das, Knorr-Bremse die selbstständige Durchführung von Urlaubsplanungtestet im Assessment-Center besonders drei Fähigkeiten: prüfen.“die kognitive Intelligenz, die kollektive Intelligenz sowie dieemotionale Intelligenz. Letztere scheint dem Personalchefbesonders wichtig: „Weil es immer mehr darum geht, Herkömmliche Assessment-Center-Programme müssenmit unterschiedlichen Charakteren umzugehen, bei ihnen weiterentwickelt werdenan­ udocken und zu wissen, wo sie gerade stehen. Das zkönnen allerdings die amerikanischen Kollegen besser als Auch Marc Pastowsky sieht die Notwendigkeit, dasswir Deutsche. Wir bezeichnen das als transformationale herkömmliche Assessment-Center-Programme dringendFührung.“ weiterentwickelt werden müssen: „Wir glauben, dass Intelligenz zwar die Grundvoraussetzung für eineIm Klartext: Die Art der Führung verändert sich Managementkarriere ist, aber allein noch keine Karriereund mit ihr die Fähigkeiten, die man dafür braucht. produziert. Das erkennen wir auch daran, dass jungerProf. Dr. Gunter Dueck, Schriftsteller und ehemaliger Führungsnachwuchs als Erstes nach dem Sinn seinerChief Technology Officer bei IBM, ist entschiedener Tätigkeit oder Aufgabenstellung fragt. Also haben wirVerfechter einer neuen „professionellen Intelligenz“, einen zusätzlichen Testbereich eingeführt, der die Intelli-die künftige Führungskräfte mitbringen müssen, um genz der Sinnvermittlung abbildet. Das ist besondersin der Praxis überhaupt dauerhaft bestehen zu können. wichtig für die Generation Y oder die Digital Natives.Laut seinen Angaben unterteilt sich diese Intelligenz Unternehmen müssen sich fragen, welche zusätzlichendes Gelingens in mehrere wichtige Einzelintelligenzen, Intelligenzen und Kompetenzen hier noch ‚reingepackt‘die man beim Bewerber testen müsse. Der richtige werden müssen.“Management-Mix, so Dueck, bestehe neben dem IQund EQ (emotional) auch noch aus dem CQ (creative), Allerdings darf die Euphorie, schlummernde Kompe­dem AQ (attraction), dem VQ (vital) sowie dem MQ tenzen zu entdecken, nicht darüber hinwegtäuschen,(meaning). Damit sei der Entscheider in der Lage, dass es sich hier um reine Ergänzungen handelt. Siefür seine Ziele zu begeistern, besser auf sich aufmerk- dürfen die Bedeutung der Fachexpertise nicht schmälern:sam zu machen oder auch Veränderungsfreude zu „Exzellente Fachkenntnisse sind auch weiterhin diesignalisieren. Assessment-Center seien aber darauf Grundvoraussetzung, um als Führungskraft überhauptüberhaupt noch nicht richtig vorbereitet. Sie testeten von den Mitarbeitern akzeptiert zu werden“, schränktbisher recht ein­ imensional vorwiegend den IQ und d Tim Hagemann ein. Drei Fragen an Prof. Dr. Gunter Dueck Welche Art Intelligenz muss man heute mitbringen, sich bisher nicht darum. Wenn diese Intelligenzen um im Job erfolgreich zu sein? fehlen, wird das meist an Fehlentscheidungen von großer Tragweite für das Unternehmen deutlich – Es geht heute nicht mehr nur um DIE einzelne Intelli­ - und zwar schon heute. genz, wie beispielsweise den IQ, der meist über die Bewerbereignung entscheidet. Die professionelle Persönlichkeit des Arbeitenden besteht vielmehr aus Assessment-Centern kam bisher eine zentrale Rolle mehreren wichtigen Einzelintelligenzen, wie dem IQ, zu, wenn es um die Bewertung der Intelligenz eines dem EQ, dem CQ (creative quotient), dem VQ (vital Bewerbers geht. Hat das Ihrer Meinung nach weiter- quotient), dem AQ (attraction quotient) sowie dem MQ hin Bestand? (meaning quotient). In diesen diversen Intelligenzen kommen zum Verstand und zum Umgang mit dem Hauptkritik am Inhalt der Assessment-Center ist, dass Menschen noch Erfolgswille, Führungsqualität und die Vorgaben für die Bewerber eine reine IQ-Angelegen- Durchsetzungsstärke. Aber auch Marketing und heit sind. Da heißt es also, der Bewerber soll analytisch Werbung gehören dazu, um auf sich aufmerksam denken, methodisch vorgehen und belastbar sein. Hier zu machen. Die Unternehmen arbeiten heute eher werden im Vorfeld ausschließlich Kriterien angelegt, mit dem IQ des Menschen und sind noch weit von der die messbar sind. Es wird sich am gut funktionierenden Gesamtnutzung entfernt. Auch Personaler kümmern Manager orientiert, dessen Intelligenz leicht zu messen10 | HaysWorld 02/2012
    • Wer passt? Assessment-Center sollten bei der Auswahl des richtigen Bewerbers nicht nur den IQ, sondern auch den EQ, CQ, AQ, VQ und MQ berücksichtigen. Prof. Dr. Gunter Dueck Schriftsteller und ehemaliger Chief Technology Officer bei IBMist. Sozusagen ein universeller Dressurakt. Das gehtaber am realen Menschenbild vorbei und muss in dieserForm neu überdacht werden.Welche Aufgabe muss ein Assessment-Center künftigwahrnehmen?Es sollte die Bedeutung der unterschiedlichen Intelligen-zen in den beruflichen Kontext setzen und entsprechendgewichten können. Künftig sollten innerhalb des Assess-ment-Centers zwei Wege beschritten werden: zum einen,die Intelligenzen herkömmlicher Tätigkeiten, die starkstandardisierbar sind, zu identifizieren. Zum anderen,eine Art ideale Fassung zu integrieren, die genau dieEigenqualifikationen einschließt, die zukünftig in derArbeitswelt immer mehr gefragt sein werden. HaysWorld 02/2012 | 11
    • KÜNSTLICHE INTELLIGENZ VERSUCHT SICH IN EMOTIONENIMMER SCHÖNLÄCHELN Ob in der Robotik, der Erforschung der Tiefsee, beim autonomen Autofahren oder in der Medizintechnik: Immer mehr Anwendungsfälle aus dem Forschungsfeld der künstlichen Intelligenz (KI) schwappen in unser Leben. Nun wollen Forscher den Systemen menschliche Züge verleihen. Von Bernd Seidel Die Mundwinkel zeigen nach oben. Ein Lächeln? Prinzipien beruht wie die menschliche Informations­ Oder hatten sich kurz vorher die Augenbrauen des verarbeitung.“ Pro­ anden gekräuselt? Doch Schmerz? Professor Ute b Schmid, ihr Team sowie die Schmerzforscher Professor Genau hier greifen Schmids Arbeiten: Füttert man Stefan Lautenbacher und Dr. Miriam Kunz von der einen Computer beispielsweise mit Bildern oder Universität Bayreuth sehen bei ihren Versuchen ganz Videos von Gesichtern, die Schmerz oder keinen genau hin. Sie studieren menschliche Empfindungen. Schmerz zeigen, so kann er daraus mithilfe von Aus welcher Regung im Gesicht lässt sich schließen, An­ ätzen des Klassifikationslernens allgemeine s dass es der Person gut geht, wann plagen sie Schmerzen, Regeln erwerben. „Damit ist die Maschine befähigt wann ist sie entspannt und wann aufgeregt? zu entscheiden, ob die Person gerade Schmerz emp­ findet oder nicht.“ Potenzielle Anwendungsgebiete Mimik lesen und Emotionen erkennen. Die Bamberger sind derzeit das Gesundheits- und Pflegewesen. „Ein Forscher arbeiten in einem der momentan spannends- Demenzerkrankter kann seine Schmerzen häufig nicht ten Bereiche der künstlichen Intelligenz. Ihr Arbeiten artikulieren, obwohl er nach neuesten Erkenntnissen setzt dort an, wo Verhaltensmuster, Strukturen und die gleichen Empfindungen hat wie ein gesunder Algorithmen – kurz: Mathematik und Ingenieurwissen- Mensch“, führt die Professorin aus. schaften – an Grenzen stoßen: kognitive künstliche Intelligenz. „Bei kognitiven Systemen befassen wir uns Durch KI-Systeme zur Patientenbetreuung oder Dia­ mit dem Thema Lernen“, erklärt die Wissenschaftlerin. gnoseunterstützung könne die Qualität der Patien­ en­ t Letztlich geht es darum, menschliche Lernprozesse versorgung, etwa die Schmerztherapie, deutlich in Computerprogrammen nachzubilden. Maschinen verbessert werden. Doch dazu müssen die Geräte erst beizubringen, Emotionen zu erkennen, ist dabei die einmal lernen, Schmerzen in einem menschlichen Gesicht Kür, denn normalerweise werden Gefühle aus dem zu erkennen. Und das mit hoher Treffergenauigkeit. Kontext und durch eine Reihe von Impulsen erkannt. Bei rund 40 Muskeln, die für „Gefühlsmomente“ allein „Wie Menschen denken und verstehen, lässt sich nicht im menschlichen Gesicht aktiv sein können, ist das eine auf eine einfache Formel bringen – ebenso wenig Herausforderung. Die Wissenschaftlerin steckt das Ziel: das Deuten ihrer Emotionen“, führt Schmid aus. „Wir möchten, dass unsere Programme Aussagen von Man könne zwar ein Programm nachbilden, das das sehr hoher Güte zu annähernd 100 Prozent erreichen“, Input-Output-Verhalten eines Menschen simuliere. sonst sind sie in der Praxis ethisch nicht ver­ retbar. t „Aber man weiß nicht, ob es auf den gleichen Doch davon sind die Wissenschaftler noch entfernt.12 | HaysWorld 02/2012
    • Roman, der humanoide Roboterder TU Kaiserslautern, kann sechsGrundemotionen des menschlichenGegenübers unterscheiden. HaysWorld 02/2012 | 13
    • Kühe melken oder einen kranken Menschen streicheln – die Zukunft liegt vielleicht in Händen wie diesen.Spitzenleistungen jenseits menschlicher ist. Häufig finden sich solche Anwendungen in der Medizin-Fähigkeiten technik oder auf Prüfständen. Auch in der Sprach- und Geräuscherkennung sind Maschinen heute zum Teil deutlichSpitzenleistungen, die zum Teil weit jenseits der mensch­ besser als der Mensch. „Versuchen Sie mal auf einer Cocktail­lichen Fähigkeiten liegen, vollbringen KI-Systeme reihen- party alle einzelnen Stimmen der Gäste herauszufiltern“,weise in Einzeldisziplinen, erklärt Professor Wolfgang sagt Wahlster. „KI kann das besser als der Mensch.“Wahlster, Leiter Deutsches Forschungszentrum für Künst­liche Intelligenz GmbH (DFKI). Beispielsweise seien Ein anderes Einsatzfeld ist die Robotik. Ein computer­Hochleistungskameras in der Lage, Gigapixel an Bild­­ gesteuerter Operationsroboter ist dem Chirurgen in punctoinformationen aufzunehmen, und anhand von Mustern Präzision überlegen – und das ohne Pause. In der Feinmani­erkennen und interpretieren sie, was auf dem Bild zu sehen pulation etwa von Atomen, einer Tätigkeit, die ein Mensch nicht ausführen kann, findet man ebenfalls KI-gestützte Systeme. Auch überall dort, wo der Mensch aus Gefahren- gründen kaum oder gar nicht tätig werden kann, etwa DIE WIEGE DER KI bei Expeditionen in der Tiefsee, in Gefahrenbereichen in Atomkraftwerken oder beim Katastropheneinsatz werden Roboter genutzt. Im Allgemeinen bezeichnet „künstliche Intelligenz“ Seit Anfang August dieses Jahres sendet nun die oder „KI“ den Versuch, eine menschenähnliche Raumsonde „Curiosity“ Daten vom knapp 228 Millionen Intelligenz nachzubilden, also einen Computer oder Kilometer entfernten Mars. Mit 17 Kameras und einem ein Anwendungssystem, etwa einen Roboter, zu kompletten geochemischen Labor ausgestattet, sucht bauen oder so zu programmieren, dass dieser eigen- das rund 900 Kilogramm schwere Gefährt im Mars­ ständig Probleme be­ rbeiten kann. Die Geschichte a gestein nach Voraussetzungen für Leben. Einen Teil für diese Disziplin – die häufig als ein Teilgebiet der der Experimente managt der Rover dabei völlig eigen- Informatik bezeichnet wird – begann am 13. Juli 1956 ständig, das Wissen dazu hat man ihm in seiner Software am Dartmouth College auf einer Konferenz, die von eingepflanzt – Updates bekommt er regelmäßig gefunkt. John McCarthy, Marvin Minsky, Nathan Rochester und Und: Er lernt aus seinen eigenen Erfahrungen. Claude Shannon organisiert wurde. McCarthy prägte den Begriff „artificial intelligence“ („künstliche Konkurrenz durch Kollege Computer bekommt der Mensch Intelligenz“). Die „Dartmouth Conference“ war die auch bei einer seiner Lieblingsbeschäftigungen: dem Auto- erste Konferenz, die sich dem Thema künstliche fahren. Um künftig die Zahl der Unfälle weiter zu senken, Intelligenz widmete. Der Begriff ist nicht eindeutig testet Google seit rund zwei Jahren IT-gesteuerte Autos. abgrenzbar, da es schon an einer genauen Definition Rund 500.000 unfallfreie Kilometer soll das mit Computern, von Intelligenz mangelt. Dennoch findet er in Sensoren, Lasertechnik und Kameras vollbepackte Fahr- Forschung und Entwicklung Anwendung. zeug bereits zurückgelegt haben. Immer online verbunden mit der Rechenpower des kalifornischen Suchmaschinen-14 | HaysWorld 02/2012
    • spezialisten, um optimale Strecken zu nutzen und Staus DIE ROBOTERselbsttätig zu umfahren. Gefragt nach den Gründen, warumGoogle ins Automobilgeschäft einsteigt, gab dessen KOMMENEx-Geschäftsführer Erich Schmidt einst vollmundig zuProtokoll: „In Zukunft geht es darum, Computer Dingeerledigen zu lassen, die Menschen nicht besonders gutkönnen.“ In Deutschland arbeiteten Ende 2011 circa 170.000 stationäre Industrieroboter. Die RoboterdichteSind KI-Systeme Fachidioten? ist damit nach Korea und Japan und noch vor den USA die drittgrößte der Welt. Seit wenigenWelche Tätigkeiten das letztlich sind, lässt sich nicht Jahren nun bahnt sich ein zweiter Trend an. Dieabschließend beantworten. Doch eines gilt auch rund Roboter ver­assen die Fabriken und erobern die l60 Jahre nach der Erfindung des Begriffs künstliche Lebenswelt der Menschen: Sie melken Kühe, imIntelligenz: „Alles, was wir als Alltagsintelligenz bezeich- Haushalt saugen sie den Boden, als Spielkameradennen, ist für KI-Systeme eine Herausforderung“, erklärt vertreiben sie Kindern die Zeit, schon bald sollenDFKI-Mann Wahlster. Die Koordination aller Sinne und sie Kranke pflegen und einsamen Menschen alsschnelle Reaktionen auf äußere Einflüsse und Veränderun- Gefährten dienen. Die Inter­ ational Federation for ngen seien nicht gerade eine Stärke von KI-Anwendungen. Robotics schätzt, dass sich bis 2014 deutlich mehrDazu gehöre, auf einer belebten Einkaufsstraße Passanten als 14 Millionen sogenannte Serviceroboter allein inauszuweichen oder auch Rad zu fahren. Schon KI-Pionier den Privathaushalten der Welt ansammeln werden.John McCarthy hat einmal treffend formuliert: „Die Alltags-intelligenz, wo schnelle Entscheidungen gefordert sind, istschwieriger mit KI nachzubilden als Expertenintelligenz.“KI-Systeme sind also Fachidioten? Professor Althoff,Leiter des Kompetenzzentrums Case-Based Reasoningam Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelli-genz in Kaiserslautern und verantwortlich für den BereichIntelligente Informationssysteme am Institut für Informatikder Universität Hildesheim, ist das zu pauschal. „Wennwir uns die Mühe machen, die Dinge des täglichen Lebensals einen eingegrenzten Themenbereich zu beschreiben,dann kann ein wissensbasiertes System dies auch.“Definiere man die Dinge des täglichen Lebens aber so,dass man nicht genau wisse, was auf einen zukomme,dann könne das KI-System mit diesem nicht vorhandenenWissen natürlich auch keine Aufgabe lösen. „Es ist alsoeine notwendige Voraussetzung“, erklärt Althoff, „dassWissen und Erfahrung für ein solches System zur Ver­fügung gestellt werden.“Die Mensch-Maschine-Symbiose Bis 2014 werden deutlich mehr alsEin Forschungsbereich, bei dem KI-Systeme im direkten 14 Millionen sogenannte Serviceroboter alleinKontakt mit Menschen interagieren und Wissen erlangen, in den Privathaushalten der Welt arbeiten.ist die Fabrikation der Zukunft. Künftig, so der Plander DFKI-Spezialisten, arbeiten humanoide Roboter mitMenschen im Team zusammen. Dabei kommen nicht ihm will – in der KI wird das Aktivitäts- und Planerkennungklassische Handhabungsroboter zum Einsatz, sondern genannt. Man muss dem Roboter gewissermaßen dasLeichtbauroboter, die ein Mensch auch mal zur Seite wechselseitige Verstehen und Erkennen beibringen, damitschubsen kann und die aus der Kooperation mit dem er vom Zusehen lernt und dann im richtigen AugenblickMenschen lernen. Im Fachjargon sprechen die Experten dem Menschen zur Hand geht.von der Mensch-Maschine-Symbiose. Die Schwierigkeit dabei ist, dass die Systeme mitWenn man einen Roboter allerdings „aus dem Käfig lässt“, un­ icheren Zuständen umgehen können müssen. Dazu smuss er „verstehen“, was der Kunde oder sein Partner von braucht man zunächst zahlreiche Sensoren (multimodal), um viele Zustände aufnehmen und Fehler ausgleichen zu können. „Uns ist aber auch klar, dass die Mensch- Maschine-Symbiose ohne emotionale Intelligenz nicht„Alles, was wir als Alltags­ funktioniert“, resümiert Wahlster. Die Bamberger Profes- sorin Ute Schmid fühlt sich durch die Aussagen Wahlstersintelligenz bezeichnen, jedenfalls ermutigt. Ihre hochgezogenen Mundwinkel und das Glänzen in den Augen sind eindeutig: ein Lächeln.ist für KI-Systeme eineHeraus­forderung.“ Wo die künstliche Intelligenz an Grenzen stößt, lesen Sie im Interview mit Willi-Heinz Schweiger, Honorar­Prof. Wolfgang Wahlster, Leiter des Deutschen Forschungszentrums professor an der Universität Erlangen-Nürnberg, auffür Künstliche Intelligenz www.haysworld.de HaysWorld 02/2012 | 15
    • 16 | HaysWorld 02/2012
    • DAS PRINZIPFACEBOOKIntelligente Organisationen motivieren ihre Mitarbeiter,ihr Know-how zu teilen. In Zeiten von Fachkräftemangel,Projektarbeit und Open Innovation entwickelt sich dasWissensmanagement zum wichtigen Wettbewerbsfaktor.Von Judith-Maria GilliesIrgendwann reichte das Telefonbuch bei Continental nicht mehr aus. Zumindest nichtdazu, für jedes Fachgebiet den richtigen Ansprechpartner zu finden. Kein Wunder.Der Reifenhersteller aus Hannover hatte in kurzer Zeit etliche Akquisitionen hinter sich,war auf 170.000 Mitarbeiter weltweit angewachsen, und verschiedenste Firmenkulturenprallten aufeinander – inklusive hierarchischer Türmchendenke. Transparenz? Fehlanzeige.Kein Zustand für Conti. Also startete der Konzern im Frühjahr dieses Jahres ConNext, einWissensportal, in dem die Mitarbeiter Profile erstellen, Blogs füllen sowie in Communitiesihr Know-how teilen. „So wollen wir das Silodenken überwinden und zwischen denUnternehmensbereichen Brücken bauen“, sagt Monika Andrae, Leiterin Online Relations.Conti gehört zu den Vorreitern des neuen Know-how-Managements. Es nutzt das Prinzipder Sozialen Netzwerke, um den IQ des Unternehmens schnell und spürbar zu steigern.„Modernes Wissensmanagement mit Wikis, Blogs und Activity Streams gleicht eineminternen Facebook“, sagt Jochen Günther, Experte im Fraunhofer-Institut Arbeitswirt-schaft und Organisation (IAO) in Stuttgart. „Diese Entwicklung wird sich auch in dennächsten Jahren fortsetzen.“Die Eins-zu-eins-Kultur von Telefonaten und E-Mails wird immer mehr durch die Teile­kultur des Web 2.0 abgelöst. Die Kompetenzen der Mitarbeiter werden so für jedenschnell sichtbar. „Mit Wissensmanagement hält man das Know-how der Firma immerup to date“, erklärt Dr. Birgit Heinz, Projektberaterin mit Sitz in Berlin. „In der globalenWissensgesellschaft kann das die entscheidenden Wettbewerbsvorteile verschaffen.“ HaysWorld 02/2012 | 17
    • WISSENSARBEITER – So bewerten fast drei Viertel der Befragten, dass Wissen in ihrem Unternehmen als wichtiges Gut IHR SELBSTVERSTÄNDNIS gesehen und entsprechend behandelt wird. UND IHRE BEDÜRFNISSE In diesem Kontext spielt für Wissensarbeiter auch die fachliche Weiterbildung eine bedeutende Rolle. Mehr denn je gefragt sind Wissensarbeiter in Unter­ Sie verfügen über eine hohe Bereitschaft, in das nehmen, machen sie doch oft mit ihrem Know-how eigene Wissen – auch unabhängig von den Ange­ den Unterschied aus. Im Gegensatz zu den klassischen boten des derzeitigen Arbeitgebers – zu investieren. Industrieangestellten, die viel stärker an ihr Unterneh- Hier ent­ uppen sich die Wissensarbeiter jedoch als p men gebunden waren, steht für Wissensarbeiter der eher konservativ: Denn sie nutzen bevorzugt Kongresse Inhalt ihrer Tätigkeit im Fokus. Diese These, aufgestellt und Messen als Möglichkeiten zum persönlichen Aus- in Teil 1 des Studienprojekts „Wissensarbeiter und Unter- tausch. Social Media dagegen werden nur von jedem nehmen im Spannungsfeld“, wird durch den empirischen fünften Wissensarbeiter für den fachlichen Austausch Befund bestätigt. Das Studienprojekt zur Wissensarbeit genutzt. ist eine gemeinsame Initiative von Hays, dem Beratungs- unternehmen PAC/Berlecon, der Gesellschaft für Mixed Teams, in denen sowohl Festangestellte Wissensmanagement (gfwm) und ikom, Beratung für als auch externe Wissensarbeiter tätig sind, werden Unternehmenskommunikation. vom Großteil der Befragten als produktivitätsför­- dernd angesehen. So ermöglichen sie vor allem Im Rahmen einer umfassenden Onlinebefragung unter ein „Von­ inanderlernen“ und die „Erweiterung des e 309 fest angestellten Wissensarbeitern sagen knapp fachlichen Netzwerks“. Dagegen spielt Konkurrenz­ 60 Prozent, dass sie bereit wären, ihren Arbeitgeber verhalten nur eine untergeordnete Rolle. zu wechseln, um sich thematisch weiterzuentwickeln. Und 40 Prozent erwägen, sich als Wissensarbeiter Das Studienprojekt zur Wissensarbeit ist auf zwei selbstständig zu machen. Nicht nur in diesen Ergebnissen Jahre angelegt und beleuchtet auf verschiedenen spiegelt sich das ausgeprägte Selbstbewusstsein von Ebenen, wie Wissensarbeiter agieren möchten Wissensarbeitern wider. und in welcher Form Unternehmen dies umsetzen. Die Ergebnisse der Expertenbefragungen und der Insgesamt zeigt der empirische Befund: Sie fühlen sich empirischen Befragungen der Wissensarbeiter sind in ihrer Position innerhalb ihres Unternehmens sicher. verfügbar unter: www.wissensarbeiter-studie.deWettbewerbsvorteile, die in Zeiten von Demografielückeund Fachkräftemangel immer schwerer zu erringen sind. „Die Mitarbeiter motiviert es,Dies zeigt die Studie „Fachbereiche im Wandel – wie zum Unternehmens­ osaik sicht­ mWissensarbeit die Unternehmen verändert“, für die Haysgemeinsam mit dem Marktanalyseunternehmen PAC/ bare Steinchen bei­zu­steuern.“Berlecon im Jahr 2011 148 Führungskräfte aus Forschung, Ruth Setzler, Wissensmanagerin bei AEBFinanzen und IT in Großunternehmen im deutschsprachigenRaum befragt hat. Demnach spüren 60 Prozent der befrag-ten Manager bereits heute den Fachkräftemangel in ihrenAbteilungen, 43 Prozent klagen zusätzlich über das immer Belegschaft schnell. Bereits sechs Wochen nach demschneller veraltende Wissen ihrer Mitarbeiter. Weitere Start zählte ConNext eine Million Uploads. Weitere dreiHerausforderungen für das Wissensmanagement sehen Monate danach waren 500 Guides gefunden. Und heutesie in steigender Projektarbeit, Open Innovation und nutzen bereits mehr als 30.000 Mitarbeiter das Tool.wachsendem Kommunikations- und Abstimmungs­ edarf. b Conti freut’s. Denn vom Wissensmanagement profitieren nicht nur die Nutzer, sondern auch die Firmen im großenUnterstützung erhoffen sich die befragten Manager unter Stil. Prozesse lassen sich optimieren, Reisekosten senken,anderem durch den Einsatz externer Spezialisten und von Ausschussquoten vermindern und Deckungsbeiträgeder Technik. Nutzen sie Erstere hauptsächlich, um Know- erhöhen. Kurz: Die Effizienz steigt.how-Lücken zu schließen und neue Ideen zu erhalten, setzensie technisch mehrheitlich auf Web Collaboration und Confe- Um die Intelligenz ihres Unternehmens zu steigern, stehenrencing Tools sowie auf den Ausbau mobiler Technologien. Firmen viele Möglichkeiten offen. Mit Lessons learnedDoch Vorsicht. „Das reine Hinstellen der Technik macht ein etwa erstellen die Mitglieder eines Projekts Erfahrungs­Unternehmen noch nicht intelligenter“, warnt Günther. berichte, die nachfolgenden Teams die Arbeit erleichtern.„Das klappt nur, wenn Mitarbeiter zu Mitmachern werden.“ In Communities of Practice tauschen sich die Kollegen in informellen Netzwerken über ähnliche Arbeitsaufgaben aus. Und auf Wissenslandkarten werden die TätigkeitenMitarbeiter zum Mitmachen motivieren und Vernetzungen der Kollegenschaft miteinander trans- parent gemacht. Wichtigste Voraussetzung für alle Instru-Darauf setzt auch Conti. Um in kurzer Zeit möglichst viele mente: „Wissensmanagement muss leben – genau wie eineMitarbeiter für ConNext zu gewinnen, suchte die Firma Website“, sagt Frank P. Schmitz, Projektmanager undUser, die ihren Kollegen als Guides den Umgang mit dem Managementberater in Berlin, der schon häufig für dieSozialen Firmennetzwerk beibringen. Kein Problem, wie Hays AG in Kundenprojekten tätig war. „Wenn da nichtssich herausstellte. Das Prinzip Facebook überzeugte die passiert, wird es langweilig.“18 | HaysWorld 02/2012
    • Wissensmanagement ist ein wichtiger Wettbewerbsfaktor, der die besten Ergebnisse erzielt, wenn er mit dem Faktor motivierte Mitarbeiter multipliziert wird.Das weiß auch Ruth Setzler, Wissensmanagerin beim Die Aufgabe der Führungskräfte sei vielmehr, ProzesseStuttgarter IT-Unternehmen AEB mit knapp 400 Mit­ r­a zu definieren, Verantwortlichkeiten festzulegen und ihrebeitern. Seit 2002 experimentierten Teile der Belegschaft Mitarbeiter zum Mitmachen zu motivieren.aus Eigeninteresse mit Wikis. Die Glossareinträge imIntranet der Firma können wie bei Wikipedia von jedem Das hat auch Setzler getan. Nach jedem 1.111. EintragNutzer aktualisiert, ergänzt und korrigiert werden. Die im Firmen-Wiki bekamen alle Aktiven ein SchokoherzMitarbeiter wollten sich die Arbeit erleichtern. 2006 geschenkt – „als Dank dafür, dass sie sich ein Herzvereinheitlichte die Geschäftsführung die verschiedenen nehmen“, erzählt Setzler. Bei der 111.111. BearbeitungSysteme zu einem einzigen Firmen-Wiki. „Das hatte dann spendierte die Firma der gesamten Belegschaft einebeste Startvoraussetzungen: Der Wunsch kam von unten, Packung Tic Tac, „weil das Wiki immer frisch bleiben soll“.die volle Unterstützung von oben“, so Setzler. Kleine Gesten, große Wirkung. Heute umfasst das AEB-Wiki mehr als 7.000 Artikel, die insgesamt schon über 140.000 Mal bearbeitet wurden.Wissensmanagement erfordert eine offeneUnternehmenskultur und die Mithilfe der Eine so emsige Weitergabe des Know-hows wünschenFührungskräfte sich alle Firmen. „Doch viel Potenzial liegt bisher noch brach“, beobachtet IAO-Experte Günther. Bisher nutztenDamit das Wiki von Beginn an lebte, setzte sie auf größt- Unternehmen die Sozialen Netzwerke hauptsächlich fürmögliche Einfachheit. Die Anmeldung übernimmt das die Öffentlichkeitsarbeit. „Wenn sie einen ebenso großenSystem mittels Single Sign-on, jeder Eintrag ist für alle Fokus auf die interne Kommunikation legen würden, wärentransparent und ein­ eutig einem Mitarbeiter zuordenbar, d sie viel weiter“, ist Günther überzeugt.und die Erstbefüllung war durch 1.000 bereits früherer­ tellte Artikel gesichert. Der Anspruch von AEB: Hier s Doch oft bremsen sich Unternehmen selbst aus. Haupt­findet ihr das, was Google nicht kennt. Die Rechnung hindernisse fürs Wissensmanagement sind die fehlendeging auf. „Die Mitarbeiter motiviert es, zum Unter­ Akzeptanz und das fehlende Budget. „Und die Angst dernehmensmosaik sichtbare Steinchen beizusteuern“, Manager vor Kontrollverlust“, so Günther. Auch Conti musstesagt Setzler. sich erst an die plötzliche Offenheit gewöhnen – inklusive offener Kritik. „Aber Freiheit gehört zu unseren Unterneh-Wie von Zauberhand funktioniert das jedoch nicht. menswerten“, sagt Andrae. „Und dazu gehört auch, KritikWich­ ige Voraussetzungen sind eine offene Unterneh­ t zuzulassen.“menskultur und die Mithilfe der Führungskräfte. „Sie könnenein Tool nicht einfach über den Zaun werfen und erwarten,dass alles automatisch klappt“, warnt Berater Schmitz. HaysWorld 02/2012 | 19
    • SMARTEREVOLUTIONAutos, die Gefahren voraussehen. Heizungen, die sichaufgrund des Wetterberichts selbst regeln. Medikamente,die der Körper genau dann aufnimmt, wenn er sie braucht.Intelligente Produkte werden unseren Alltag vereinfachen –und verändern.20 | HaysWorld 02/2012
    • Von Michael VogelDie Welt ist smart – zumindest, wenn man den Marketing- Da intelligente Systeme quasi die gesamte Lebensweltversprechen glaubt. Da gibt es Smart Windows, Smart durchdringen werden, ist die Prognose ihres wirtschaft­Meter, Smart Cities und das Smart Grid. Das Wörtchen lichen Potenzials schwierig. Wo anfangen, wo aufhören?„smart“ wird für Produkte und Technik geradezu inflationär Marktforscher betrachten entweder den künftigen Bedarfgebraucht. Denn „smart klingt cool“, sagt Peter Woias. an Komponenten – also an Prozessoren, Aktoren oderEr befasst sich von Berufs wegen mit smarten Sachen, Sensoren und zeichnen damit ein wenig anschaulichesgenauer mit intelligenten Systemen, denn Woias ist Bild, weil es nicht die Entwicklung der Anwendungs-Professor am Institut für Mikrosystemtechnik (IMTEK) märkte beschreibt. Oder sie lenken den Blick aufs großeder Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Hier forscht er Ganze, fassen Infrastruktur, Netzdienste, Systemanwen-an Systemen, „die Reize ihrer Umgebung aufnehmen, dungen und Mehrwertdienste zusammen – und kommenverarbeiten und darauf reagieren können“, wie er es als wie die Marktforschungsfirma Harbor Research im ver-griffige Definition formuliert. So ein System weiß nicht gangenen Jahr auf die riesige, aber auch völlig abstraktenur, um ein einfaches Beispiel zu nennen, was es bei einer Zahl von 350 Milliarden US-Dollar als Prognose für dasTemperatur X oder einer Temperatur Y tun muss, sondern Jahr 2014.erkennt auch selbstständig, dass es altert und sichdadurch seine Temperaturempfindlichkeit verändert. Die Entwicklung steht noch am AnfangSchlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts Sicher ist: Derzeit steht die Entwicklung noch am Anfang. Zur Veranschaulichung unterteilt ENAS-WissenschaftlerDie Zutaten solcher Systeme ähneln sich: Sensoren, Geßner die Smart Systems in drei Generationen. Zur erstenAktoren, Prozessoren, Algorithmen, ein Kommunikati- Generation zählt er Produkte wie Airbags, elektronischeonsmodul und eine Energieversorgung – alles möglichst Stabilitätsprogramme für Autos oder auch die Druck­klein und kompakt. Mit den Sensoren erfassen die köpfe von Tintenstrahlern. Sie arbeiten meist nur eineSysteme ihre Umgebung, mit den Aktoren können sie spezielle Aufgabe ab. „Die zweite Generation dagegenBewegungen auslösen. Prozessoren und Algorithmen ist zunehmend multifunktional in ihrer Aktorik undsorgen dafür, dass die Systeme die richtigen Schluss­ Sensorik“, sagt Geßner. „Sie verarbeitet nicht nur Signale,folgerungen aus ihren Messungen ziehen. Per Kommuni- sondern leitet daraus Vorhersagen ab und testet sichkationsmodul beziehen die Systeme Daten aus anderen selbst.“ Zudem seien Systeme der zweiten GenerationQuellen oder senden ihre Erkenntnisse an einen Empfän- vernetzt. „Das Smartphone ist das bekannteste Beispielger. Dank der Energieversorgung funktionieren sie dafür“, so Geßner weiter. Ein Smartphone etwa aktuali-überhaupt – wenn möglich unabhängig von Netzstromoder Batterien, indem sie Licht, Wärme oder Vibrationenaus der Umgebung in Strom wandeln. „Die Herstellungsolcher Smart Systems gilt international als eine derSchlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts“, sagt „Das System prüft sichProfessor Thomas Geßner, Leiter des Fraunhofer-Insti-tuts für Elektronische Nanosysteme ENAS in Chemnitz, selbst, lernt dazu und baut„und Europa hat dabei eine führende Position inne.“ ein Gedächtnis auf.“Der Physiker ist der wissenschaftliche Chairman derjährlich stattfindenden internationalen Smart Systems Peter Woias, Professor am Institut für Mikro­ ystemtechnik (IMTEK) s an der Universität FreiburgIntegration Conference & Exhibition, die Forschung undIndustrie bei diesem Zukunftsthema zusammenführt.Das Smarte an intelligenten Systemen spielt sich oftim Kleinen ab: Die intelligente Steuerung eines Solar­moduls führt dieses zum Beispiel nur dann der Sonnenach, wenn nicht gleich wieder ein Wolkenfeld für eineStunde vor die Sonne zieht. Sonst wirft sie den Motoraus Gründen der Energieersparnis erst gar nicht an. Die Foto: Freudenberg Sealing Technologiesdafür erforderlichen Wetterdaten holt sich die Steuerungaus dem Internet. Die zentrale Steuerung eines Gebäudeswiederum kann anhand von Wetterprognosen aus demInternet erkennen, ob es im Herbst die Heizung bereitsheute langsam hochfahren soll, wenn es in der über-nächsten Nacht sehr kalt wird. Das spart Energie im Ver-gleich zum schnellen Hochheizen. An diesen Beispielenwird deutlich, wie sehr die Intelligenz solcher Systemeauch von der Qualität der Daten abhängt, die sie selbsterfassen oder sich besorgen können. Kein Wunder, dass Schlaue Dichtungdie Fachleute von „Integration“ sprechen: Erst wenn die Die Lebensdauer von Verschleißteilen in Windkraft­ nlagen darf fünf aSmart Systems eine Einheit aus Hardware, Logik und Jahre nicht unterschreiten. Die Ausfallwahrscheinlichkeit der Komponenten muss geringer als ein Prozent in 20 Jahren sein. Für WartungsintervalleDaten bilden, können sie ihre Stärken ausspielen. „Im wird ein Zeitraum von über einem Jahr erwartet. Das bedeutet hoheIdealfall muss sich der Nutzer überhaupt nicht um das Anforderungen an Dichtungen. Das von Freudenberg entwickelte Dicht-System kümmern“, verdeutlicht IMTEK-Wissenschaftler system besitzt einen integrierten Sensor, der sowohl eine FerndiagnoseWoias. „Das System prüft sich selbst, lernt dazu und der Wellendichtung ermöglicht als auch selbstständig ein Erreichen derbaut ein Gedächtnis auf.“ Verschleißgrenze signalisiert. HaysWorld 02/2012 | 21
    • „Die Herstellung solcher SmartSystems gilt inter­ ational als eine nder Schlüsseltechnologien des21. Jahrhunderts.“Prof. Thomas Geßner, Leiter des Fraunhofer-Institutsfür Elektronische Nanosystemesiert sich selbst oder liefert Informationen im Kontext für eine „intelligente Pille“ bekommen – zunächstdes Aufenthaltsortes. Systeme der dritten Generation aber nur für die Verabreichung von Placebos. Dasschließlich werden autonom sein und die physische System funktioniert wie folgt: Sobald ein Sensor,mit der virtuellen Welt ver­ inden – das Internet der b der sich in der Pille befindet, den Magen erreicht hat,Dinge ist dann Realität. „Solche Systeme werden häufig wird er durch Kontakt mit Magensäften aktiviert undunbemerkt im Hintergrund agieren und nur erkennbar über­ ittelt ein elektrisches Signal, das über das meingreifen, wenn die Fähigkeit eines Nutzers zu handeln Körper­ ewebe des Patienten an ein auf der Haut gverringert oder nicht mehr vorhanden ist“, sagt Geßner. an­ ebrachtes Pflaster weitergeleitet wird. Das Pflaster gIn dieser vernetzten Welt werden nicht nur Menschen erfasst dadurch den genauen Zeitpunkt, zu dem diemit Menschen und Systeme mit Systemen kommunizie- Tablette mit dem Sensor eingenommen wurde. Weitereren, sondern auch Menschen mit Systemen und Systeme vom Pflaster gesammelte Messwerte sind etwa Herz­mit Menschen. frequenz oder Aktivität. Ärzte können damit feststellen, ob zum Beispiel die Dosis eines Medikaments oder dieDer US-Medizingerätehersteller Proteus Digital Health Lebensgewohnheiten des Patienten verändert werdenhat kürzlich die europäische und amerikanische Zulassung müssen. Foto: ContinentalWeniger Folgekollisionen Breaking-Technologie im wahrsten Sinne des Wortes gegensteuern.Ein Zusammenstoß ist schlimm genug, aber häufig verliert der Fahrer Das Fahrzeug erkennt mit seinen Sensoren eine Kollision unabhängig vondabei die Kontrolle über das Fahrzeug und kann einen Folgeaufprall der eigenen Geschwindigkeit und sendet ein Signal über das bordeigeneauf ein zweites Hindernis deshalb nicht vermeiden. Laut ADAC geht ein Datennetz an das elektronische Bremssystem. Dieses bremst daraufhinViertel aller Pkw-Unfälle mit Personenschaden auf solche Mehrfach­ das Fahrzeug selbstständig nach dem ersten Zusammenprall ab, auchkollisionen zurück. Continental will dem mit der sogenannten Post-Crash- wenn der Fahrer das Bremspedal nicht betätigt.22 | HaysWorld 02/2012
    • DIE NATURALS VORBILDIn der Natur finden sich zahlreiche Belege dafür,dass Tiere in der Gruppe oder im Rudel Leistungenvollbringen, die dem einzelnen Tier nicht möglich sind.Doch was ist dran an Schwarmintelligenz? Wie lassensich die Beobachtungen aus dem Reich der Tiere aufMenschen übertragen und was können Unternehmendavon lernen? HaysWorld 02/2012 | 23
    • Von Bernd Seidel„Der Schwarm löst in erster Linie die Überlebensprobleme geschätzt als von Einzelnen. Ein prominentes Beispieldes Individuums“, erklärt Jens Krause, Professor für Fisch- ist die Publikumsfrage bei der RTL-Quiz-Show „Wer wirdökologie und Schwarmforscher an der Humboldt-Universität Millionär?“. Auch hier ist das Wissen des Publikums in derzu Berlin, die Kompetenz von Schwärmen: Fressen finden, Regel dem des Einzelprobanden überlegen.Feinde rechtzeitig erkennen und sich fortpflanzen. Krausesieht sich ganz genau an, wie Tiere im Schwarm zusammen- Bekanntlich hat jede Regel aber ihre Ausnahme: „Wennleben, wie sie Informationen beschaffen, austauschen und Expertenwissen gefragt ist, sind auch 10.000 Befragteverarbeiten, um gemeinsam ein Ziel zu erreichen: möglichst nicht besser als ein Spezialist“, nennt Krause ein Beispiel.viel Leben in die kommenden Generationen weiterzutragen. „Es ist also von Fall zu Fall verschieden und es gibt bislangDabei versuchen sein Team und er nicht der Intelligenz des wenige klare Prinzipien und allgemeingültige Formeln, beieinzelnen Fisches auf die Spur zu kommen, sondern der Intel- denen man a priori sagen kann: Dieses Problem eignetligenz der Gruppe und der Qualität ihrer Entscheidungen. sich für Schwarmintelligenz.“Im Schwarm halten sich alle Individuen an drei einfache Durch Beobachtungen aus dem Tierreich sowie ausRegeln, so Krause. Erstens: Bewege dich auf das Zentrum zahlreichen Feldversuchen mit Großgruppen habender Tiere zu, die du in deinem Umfeld siehst. Zweitens: die Berliner Forscher um Krause eine Liste von KriterienBewege dich in dieselbe Richtung wie deine Nachbarn. er­ rbeitet, die Voraussetzung dafür sind, dass die kollektive aUnd drittens: Pass auf, dass dir niemand zu nahe kommt. Intelligenz ihre Überlegenheit ausspielen kann: ZunächstEinfache Regeln steuern ein hochkomplexes System. einmal müssen Personen die Fähigkeit haben, das ProblemEin Phänomen, das Jens Krause bis heute begeistert. Fragen, oder die Fragestellung überhaupt einschätzen zu können.die sich die Experten stellen: Sind Entscheidungen von Sie dürfen nicht völlig überfordert sein. Ferner müssen dieSchwärmen denen von Einzelpersonen überlegen? Oder: Antworten ehrlich und nicht von Wunschdenken geprägtKönnen Unternehmen die Erkenntnisse der Natur nutzen? sein. Autonomie ist ein weiterer wichtiger Parameter.Schwärme treffen gute Entscheidungen „Wenn Expertenwissen gefragt„Die Qualität der Entscheidungen von Schwärmen istin der Regel hoch. Sie sind dezentral und stabil, weil sie ist, sind auch 10.000 Befragtenicht von einer Person abhängig sind“, erklärt Krause.Mengenangaben – etwa die Anzahl von Murmeln in einem nicht besser als ein Spezialist.“Glas – werden von Gruppen durchschnittlich besser Prof. Jens Krause, Schwarmforscher an der Humboldt-Universität Berlin„Im Schwarm haltensich alle Individuen andrei einfache Regeln.“Jens Krause24 | HaysWorld 02/2012
    • Jens Krause dazu: „Das Individuum sollte besser nicht stützter Softwareprogramme, die sich am Verhalten vonwissen, was der andere denkt, denn wenn alle die gleiche Ameisen orientieren, gelang es dem Konzern beispiels-Informationsquelle haben, ist es witzlos, viele zu befragen.“ weise, sein Nachschubnetz zu optimieren. Hierzu wurden aus der Fähigkeit der Ameisen, immer den kürzesten WegMit unterschiedlichen Ansätzen und Vorstellungen an ein zwischen Nahrung und Nest zu finden, sogenannte Amei-Problem herangehen – im Fachjargon Diversität genannt – senalgorithmen abgeleitet, die sich dann in Software bei-vermeidet darüber hinaus, dass alle mit den gleichen spielsweise als agentenbasierte Modelle abbilden lassen.Mustern und Methoden an die Lösung des Problems her- Für Procter & Gamble zahlte sich das Spicken in der Naturangehen. Die Weisheit der Massen schlägt sonst schnell aus: Laut Unternehmensangaben werden durch die Opti-in Schwarmdummheit um. mierung jährlich 300 Millionen Dollar eingespart. Ameisenintelligenz als Vorbild für operative Höchstleis-Mit Ameisenintelligenz Millionen einsparen tungen und Millioneneinsparungen? Das geht. Konzerne wie Schlumberger und Mercedes wissen um den Vorbild-Die Arbeiten der Wissenschaftler sind jedenfalls kein charakter von Schwarmintelligenz und nutzen sie, umSelbstzweck. So nutzen Unternehmen die Naturbeobach- herauszufinden, wie Medikamentenentwicklung, Auftrags-tungen und Versuche, um betriebswirtschaftliche oder abwicklung, Nachschub der Materialflüsse oder Preis­logistische Problemstellungen lösen zu können. „Heute strukturen verbessert werden können. „Ameisen sindwissen wir: Schwarmintelligenz eignet sich hervorragend auch unmittelbar Vorbild einer technischen Anwendung:für den Einsatz im Unternehmen. Allerdings haben wir Navigationsgeräte kalkulieren die optimale Strecke mithilfehier Nachholbedarf“, führt der Unternehmensberater sogenannter Ameisenalgorithmen“, ergänzt Berater May.Jochen May, Inhaber von Human Resources Consulting,aus. Das wirtschaftliche Potenzial von Schwarmintelligenz Der Modebegriff Schwarmintelligenz verheißt also Positives:werde von den meisten Firmen bisher kaum gesehen, Aus vielen Entscheidungen Einzelner wird die Klugheit vieler.geschweige denn genutzt. „Wir stehen also noch ganz Nur rund fünf Prozent der Individuen in einem Schwarmam Anfang der Entwicklung.“ müssen Informationen haben, um eine Gruppe in eine neue Richtung zu lenken. Fünf Prozent reichen aber auch, um einTrotz Kinderschuhen: In Industrie, Forschung und Logistik Vorhaben, etwa ein Veränderungsprojekt, zu torpedieren.existieren Beispiele, die die Erkenntnisse aus der „Hat man die Leute erstmal befragt, wollen sie auch, dass ihreSchwarmforschung umsetzen. Procter & Gamble setzt Idee umgesetzt wird“, resümiert Forscher Krause. Unterneh-Schwarmintelligenz ein, um die Produktionspläne seiner men, die die Intelligenz des Schwarms nutzen möchten, soll-Fabriken zu optimieren. Konkret: Mithilfe computerge- ten sich daher über die ambivalente Wirkung im Klaren sein. Was Schwarmintelligenz im Detail für Unternehmen bedeutet, erläutert der Schwarmexperte Jochen May im Interview auf www.haysworld.de HaysWorld 02/2012 | 25
    • WIE MAN DIE INSTINKTIVE INTELLIGENZ DES KÖRPERS NUTZTVARIATION ISTBESSER ALSWIEDERHOLUNGImmer wieder dieselbe Bewegung: So üben viele Sportler und Musiker.Dabei lernt unser Körper gerade aus Abweichungen und Fehlern.Von Bernd MüllerNull Medaillen. Bei Olympia 2012 in London gingen die Den Körper selbst die optimale Bewegungdeutschen Schwimmer regelrecht baden. Zu viel Training, finden lassenzu wenig Training – selbsternannte Experten überbotensich mit widersprüchlichen Spekulationen über das his­ Übertragen auf das Training von Spitzensportlern heißttorische Debakel. Für Professor Wolfgang Schöllhorn, das: Der Athlet sollte Abweichungen, ja sogar absichtlicheBewegungswissenschaftler an der Uni Mainz, könnte das Fehler in seine Bewegungsabläufe einbauen und denschlechte Abschneiden der Schwimmer und anderer deut- Körper selbst die optimale Bewegung finden lassen. Dasscher Olympioniken auch einen anderen Grund haben. funktioniert, wie ein Versuch an Kugelstoßern gezeigt hat.Seit vielen Jahren prangert der ehemalige Trainer vieler Das „falsche“ Training brachte eine messbar größereSpitzensportler das monotone Einschleifen immer gleicher Leistungssteigerung als das Training von Probanden, dieBewegungsmuster an. „Nicht Wiederholungen bringen die sich nur eine Bewegung einbläuten. Überraschend zeigteLeistungssteigerung, sondern bewusste Abweichungen“, die „falsch“ trainierte Gruppe sogar bis zu vier Wochensagt Schöllhorn. Das aktiviere die instinktive Intelligenz, nach Trainingsende noch Leistungssteigerungen, währenddie unserem Bewegungssystem innewohne. die einschleifende Gruppe in der gleichen Zeitspanne wieder auf dem Startniveau landete. Schöllhorn, der inDass Schöllhorn recht haben könnte, zeigen Kleinkinder: der deutschen Trainerszene als Enfant terrible gilt, plädiertSie wiederholen keine Bewegungen, sondern variieren, darum für eine Abkehr vom stumpfsinnigen Üben undgreifen einen Gegenstand mal oben, mal unten, mal mit damit von kognitiven, also bewussten Bewegungsmus-zwei Händen, mal mit einer Hand. Spiel mit Bewegung tern. „Das Gehirn hat keinen Dirigenten“, sagt Schöllhorn.steigere sogar den Schulerfolg, sagt Brigitte Haberda. „Nutzen Sie die Selbstorganisation Ihrer Muskeln und desDie österreichische Pädagogin und Erfinderin des Lern- ganzen Körpers.“systems Klipp-und-klar hat herausgefunden, dass varianten­reiche Bewegungsspiele die Hand-Augen-Koordination Diese Selbstorganisation muss allerdings wirklichverbessern und sich dies später in der Schule in besseren un­ ewusst erfolgen. Professor Markus Raab, Experte bLeistungen beim Schreiben niederschlägt. Haberda für intuitive Entscheidungsforschung an der Deutschenempfiehlt: „Lassen Sie Ihr Kind öfter mal abtrocknen oder Sporthochschule Köln, hat untersucht, welchen SchadenKaffeemahlen.“ zu viel Aufmerksamkeit auf den Muskel anrichten kann.26 | HaysWorld 02/2012
    • Nicht Wiederholungen bringen die Leistungssteigerung, sondern bewusste Abweichungen. Gute Trainer lassen deshalb Handballspieler auch mal kicken oder umgekehrt.Basketballer, die sich vor dem Korbwurf genau den Bewe- quent sind bestimmte Korallen: Wenn sie sich nieder­gungsablauf vorstellen, treffen seltener. Im schlimmsten Fall lassen und sich nicht mehr bewegen müssen, fressenkann das krankhafte Züge annehmen. So litt der deutsche sie ihr eigenes Gehirn auf.Topgolfer Bernhard Langer an „Yips“, einem Zucken derHände, wenn er den Ball die letzten Meter ins Loch putten Für uns Menschen ist das kein Vorbild. Wir sollten unsersollte. Solche Krämpfe treten vor allem bei Personen auf, Gehirn nutzen, aber instinktiver, als wir das häufig tun.die sich sehr auf ihre Handbewegungen konzentrieren, zum Dieser Instinkt lässt sich trainieren, er lässt sich auchBeispiel bei Musikern oder Chirurgen. wieder zurückholen. Mit Golfschlägen aus unterschied­ lichen Distanzen konnte Markus Raab Bernhard LangerDabei ist diese Konzentration gar nicht nötig. Wenn wir helfen, seine Muskelzuckungen loszuwerden. Langereinen Telefonhörer greifen, müssen wir darüber nicht puttet heute mit einer Art umgebautem Besenstiel.nachdenken, der Arm führt automatisch die öko­ omischste n Tritt so etwas bei einem Musiker auf, lässt Raab ihnRoute aus. Das liegt daran, dass sich das motorische System mit Handschuhen spielen und zwingt so das Gehirn,im Laufe der Evolution als Erstes herausgebildet hat. Sein für bekannte Bewegungsmuster neue „Verdrahtungen“Ziel ist, Bewegungen möglichst schnell und energiesparend der Nervenzellen auszubilden.auszuführen. Das macht Sinn, denn wenn der Säbelzahn­tiger zum Sprung ansetzte, mussten unsere Vorfahren Diesen Umbau im Gehirn kann man durch Ernährungwegrennen, ohne lange darüber nachzudenken. unterstützen, wie Forschungen in den letzten Jahren gezeigt haben. Die besten Denkleistungen zeigten Probanden, die täglich rund 70 Gramm Fisch und damitDas Gehirn instinktiver nutzen Omega-3-Fettsäuren aufnahmen, auch Fleisch, Frucht- saft und Rüben scheinen das Denken zu befördern.Die Intelligenz der Muskeln sitzt allerdings nicht nur Wenig überraschend: Wer viel Fast Food und Zucker inim Muskel selbst, sondern auch im Gehirn, wo sie einen sich hineinstopft, reduziert das Denkvermögen. Mehrerheblichen Teil des Denkorgans einnimmt. Wenn wir noch: Bei starkem Übergewicht schrumpft das GehirnMenschen uns nicht bewegen müssten, könnten wir sogar. An der Redensart, wonach nur in einem gesundengroße Teile des Gehirns abschalten. Besonders konse- Körper ein gesunder Geist stecke, ist also etwas dran. HaysWorld 02/2012 | 27
    • INTELLIGENZ-BESTIENWerkzeuge selbst basteln, Spiel­ euge auseinanderhalten, sein Gegenüber zaustricksen – klingt nicht nach intelligenten Höchstleistungen? Doch! Denndie Rede ist nicht von Menschen, sondern von Affen, Hunden und Co.Von Annette FrankRico war eine Sensation. Der Border Collie trat 1999 in der AusgetrickstFernsehsendung „Wetten, dass …?“ auf. Er konnte 77 Spiel-zeuge dem Namen nach unterscheiden und brachte auf Für Gorillas, Schimpansen, Orang-Utans und BonobosKommando das gefragte Spielzeug. Nicht nur das Publikum war es nie notwendig, den Menschen zu verstehen. Dafürwar fasziniert, auch die Forscher staunten nicht schlecht. gehört für sie das Finden von Nahrung zum Überleben.Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts konnten Schim-Anthropologie in Leipzig arbeiteten mit Rico und stellten pansen dabei filmen, wie sie der Reihe nach verschiedenefest: Der Rüde konnte neue Wörter im Ausschlussverfahren Werk­ euge nutzen, um an Nahrung heranzukommen. zlernen. Nannten sie einen neuen Begriff, war Rico in Orang-Utans setzen sogar Wasser als Werkzeug ein:der Lage, das neue Objekt aus lauter ihm bekannten In einem Versuch wurden Erdnüsse in ein Gefäß mit Wasserauszuwählen – eine Fähigkeit, die bis dato nur Menschen gegeben. Mit den Händen konnten die Tiere die Nüsse nichtzugeschrieben wurde. Nach diesem sogenannten Fast- erreichen. Sie spuckten so lange Wasser in das Gefäß, bisMapping-Prinzip, dem schnellen Zuordnen, lernen auch sie an die Nüsse herankamen. Affen tricksen sogar ihrekleine Kinder neue Begriffe. 2004 beherrschte der Hund Artgenossen aus, um an Nahrung heranzukommen, dasüber 200 Spielzeugnamen. heißt, sie müssen eine Vorstellung der Gedanken ihres Gegenübers haben. Ein Beispiel ist ein junger Pavian, derGroßes Hirn macht superschlau? an die leckeren Wurzeln eines Artgenossen herankommen wollte. Das Jungtier fing an zu schreien, sodass seineTiere werden längst nicht mehr als rein vom Instinkt Mutter alarmiert wurde, den erwachsenen Pavian vertriebgetriebene Wesen angesehen – auch Vögel nicht, denen und es sich die begehrte Mahlzeit schnappen konnte.aufgrund ihrer anderen Hirnstruktur lange Zeit jedeIntelligenz abgesprochen wurde. Dennoch lässt sich keine Hunger beflügelt aber nicht nur Affen: Verhaltensforscherallumfassende Aussage über die Intelligenz im Tierreich beobachteten in Japan, wie Krähen Nüsse auf Zebrastreifenmachen, dazu existieren zu viele verschiedene Arten. warfen und sie von den vorbeifahrenden Autos knackenEins ist allerdings klar: Es gibt keinen direkten Zusammen- ließen. Während der Rotphasen der Ampel konnten siehang zwischen Hirngröße und kognitiven Fähigkeiten. gefahrlos ihr Futter einsammeln. Und Rabe Betty angelteKapuzineraffen zum Beispiel sind wesentlich flexibler in sich mit einem Draht ein Stück Fleisch aus einem Glasröhr-ihrem Verhalten – ein Zeichen von Intelligenz – als Pferde chen. Dazu nahm sie den geraden Draht, steckte ihn in einemit ihrem zehnmal größeren Hirn. Ritze im Boden und bog ihn zu einem Haken. Raben beherr- schen auch den Wassertrick, nur nehmen sie Steine, um denZurück zu den Hunden, die selbst Fingerzeige des Wasserspiegel zu erhöhen und an das Futter heranzukommen.Menschen verstehen und den „Object-Choice-Test“bestehen. Dabei wird ein Hundekuchen unter einemvon zwei Bechern versteckt. Der Versuchsleiter zeigtauf den entsprechenden Becher. Dann muss der Hund,der das Leckerli nicht riechen kann, auswählen – undentschei­ et sich überwiegend für den richtigen Becher. dSelbst für sechs Wochen alte Welpen ist diese Aufgabekein Problem. Man könnte meinen, dass Menschenaffendiesen Test auch mit Bravour absolvieren. Weit gefehlt.Sie wissen nichts mit dem Fingerzeig anzufangen. Dieein­ ache Begründung: Mensch und Hund leben seit über f15.000 Jahren zusammen. In dieser Evolutionsgeschichtehat sich der Hund an den Menschen angepasst und gelernt,die Kommunikation des Menschen zu verstehen. Dies erklärtauch, warum schon Welpen den „Object-Choice-Test“bestehen. Es ist eine vererbte Fähigkeit. Affen benutzen Werkzeuge, um an Nahrung heranzukommen.28 | HaysWorld 02/2012
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    • wHAYSWORLDONLINEENILNOSie würden die HaysWorld unterwegs gerne auch mal Über www.haysworld.de können Sie außerdem kostenlosonline lesen? Oder fanden einen Artikel besonders inter­ die Printausgabe unseres Magazins abonnieren, einzelneessant und würden ihn gerne weiterempfehlen? Oder Sie Ausgaben nachbestellen und am Gewinnspiel teilnehmen.möchten noch mehr zum Thema erfahren? Dann gehen Oder uns einfach mal Ihre Meinung sagen – zum Beispiel,Sie auf www.haysworld.de. Denn dort finden Sie unge- ob Ihnen das Onlineformat gefällt. Wir freuen uns aufkürzte Texte, multimedial aufbereitet und teilweise um einen regen Austausch und wünschen weiterhin eineBildergalerien und Videos ergänzt. Sie erhalten Hinter- anregende Lektüre.grundinformationen sowie die Möglichkeit, einzelneArtikel zu kommen­ ieren oder mit anderen zu teilen. t Ihre HaysWorld-Redaktion GEWINNSPIEL HAYS VERLOST Das iPhone 5 zählt definitiv zu den intelligenten Schlüsseltechnologien DAS NEUE des 21. Jahrhunderts. Und es weist außerdem einen extrem hohen „Muss ich haben“-Faktor auf. Alles, was iPHONE 5 Sie dafür tun müssen: unser Magazin aufmerksam lesen, die vier Fragen beantworten und das Lösungswort mit fünf Buchstaben (ein Verein für Hochbegabte) bis 15. November 2012 online unter www.haysworld.de ein- geben. Der Gewinner wird schriftlich benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Glück! Welche Einzelintelligenz bezeichnet das Kürzel MQ? (Die beiden ersten Buchstaben des ersten Wortes) Wie viele Millionen Serviceroboter werden nach einer Schätzung der International Federation for Robotics 2014 weltweit in Privathaushalten arbeiten? (Der letzte Buchstabe der gesuchten Zahl) Welche Systeme gelten laut Prof. Thomas Geßner als Schlüssel­ technologien des 21. Jahrhunderts? (Der erste Buchstabe des ersten Wortes) Welches Tier diente als Vorbild für die Entwicklung von Navigationsgeräten? (Der erste Buchstabe des gesuchten Tieres)30 | HaysWorld 02/2012
    • w NEWS UND TERMINE Banken beim demografischen Wandel gespalten HAYS ERWEITERT SEIN SERVICEPORTFOLIO Bei der Frage, welche Bedeutung der demografische Wandel für ihr Geschäft hat, sind die deutschen Banken gespalten. Hays erweitert in Deutschland sein Portfolio um den Ein Drittel sieht die Unternehmenspolitik durch die demo- Geschäftsbereich Einzelhandel. Zukünftig rekrutiert Hays grafische Entwicklung stark beeinflusst. Dagegen hat das für Unternehmen aus dieser Branche leitende Manager Thema für ein weiteres Drittel keine hohe Bedeutung. Als mit entsprechender Berufserfahrung in Festanstellung. größte Herausforderung betrachten Banken allerdings die Hierzu zählen Markt-, Vertriebs-, Expansions-, Logistik- Aus­ irkungen der Finanzkrise (43 Prozent). Nur 16 Prozent w und Einkaufsleiter. Bereits seit Jahren vermittelt Hays nennen den demografischen Wandel. Dies zeigt die Um­ für Einzelhandelsunternehmen regelmäßig IT-Spezialisten frage „Banken und die demografische Entwicklung“ des und verfügt damit über gewachsene Kundenbeziehun- Personaldienstleisters Hays unter 160 Entscheidern aus gen. Aufgrund der hohen Nachfrage wird Hays nun Großbanken mit mehr als 1.000 Mitarbeitern. mit seiner Dienstleistung auch die Kernbereiche des Einzelhandels abdecken. Um dem demografischen Wandel zu begegnen, setzen Banken vor allem auf Mitarbeiterbindung, insbesondere durch eine marktgerechte Entlohnung und betriebliche Altersvorsorgemodelle. Obwohl der Fokus auf der LERNEN SIE HAYS BEI Mit­ rbeiterbindung liegt, stellt die Hälfte der befragten a FOLGENDEN VERANSTALTUNGEN Banken derzeit neue Mitarbeiter ein. PERSÖNLICH KENNEN Hays unterstützt Nachsorgezentrum 7. – 9. November 2012 für krebskranke Kinder in Österreich BME-Symposium 47. Symposium Einkauf und Logistik Zum Auftakt einer geplanten Sponsoring-Kooperation spen- Hotel InterContinental; Berlin dete Hays 5.000 Euro für das Nachsorgezentrum „Sonnen­ insel“ der Österreichischen Kinder-Krebs-Hilfe in Seekirchen 16. November 2012 am Wallersee. Heide Janik, Bauherrin der Sonneninsel und 3. Deutscher Human Resources Summit Obfrau der Salzburger Kinder-Krebs-Hilfe, freut sich: „Hays Kongress zu strategischem HR-Management unterstützt damit das erste Nachsorgezentrum in Österreich Villa Kennedy; Frankfurt am Main für die psychosoziale Therapie krebskranker Kinder, Jugend­ 26. November 2012 licher und deren Familien. Hier können wir den Betroffenen cologne IT summit dringend benötigten Mut und Kraft für ein Leben nach der IT-Fachkongress schweren Krankheit geben.“ Schon seit Jahren sponsert Hays Industrie- und Handelskammer; Köln gezielt Arztstellen und Einrichtungen für krebskranke Kinder im deutschsprachigen Raum. „Mit unserer Unter­ tützung s 26. – 28. Februar 2013 der Österreichischen Kinder-Krebs-Hilfe wollen wir jungen embedded world 2013 Patienten helfen, den Weg in die Normalität rasch wieder­ Treffpunkt der internationalen Embedded-Community zufinden“, begründet Mark Frost, Geschäftsführer von Hays Messezentrum, Halle 5, Stand 5-227; Nürnberg in Österreich, den weiteren Ausbau des Engagements. 26. – 28. Februar 2013 Facility Management 2013 Fachmesse mit Kongress Messegelände, Halle 11.0, Stand 11.0 B36; Frankfurt am Main 5. – 9. März 2013 CeBIT Die weltweit größte Messe für Informationstechnik Messegelände, Halle 9, Stand H54; Hannover 8. – 12. April 2013 Hannover Messe Die weltweit größte Industriemesse Mark Frost, Geschäftsführer von Hays in Österreich, übergibt einen Messegelände; Hannover Scheck an die Geschäftsführerin der Österreichischen Kinder-Krebs-Hilfe Anita Kienesberger. HaysWorld 02/2012 | 31
    • Hays Hays (Schweiz) AG Hays Österreich GmbHWilly-Brandt-Platz 1–3 Nüschelerstrasse 32 Personnel Services68161 Mannheim 8001 Zürich Europaplatz 3/5T: +49 621 1788 0 T: +41 44 225 50 00 1150 WienF: +49 621 1788 1299 F: +41 44 225 52 99 T: +43 1 5353443 0info@hays.de info@hays.ch F: +43 1 5353443 299www.hays.de www.hays.ch info@hays.at www.hays.atUnsere Niederlassungen Unsere Niederlassungenfinden Sie unter finden Sie unterwww.hays.de/standorte www.hays.ch/standorte© Copyright Hays plc, 2012. HAYS, die H-Symbole für das Unternehmen und die jeweilige Branche,Recruiting Experts Worldwide, das Logo Hays Recruiting Experts Worldwide und Powering theWorld of Work sind eingetragene Markenzeichen der Hays plc. Die H-Symbole für das Unternehmenund die jeweilige Branche sind Originaldesigns, die in vielen Ländern geschützt sind. Alle Rechtevorbehalten. Dieses Werk darf ohne die schriftliche Genehmigung des Eigentümers weder ganz nochin Teilen wiedergegeben oder übertragen werden, weder durch Fotokopie noch durch Speicherungauf elektronischen oder anderen Medien. Unzulässige Handlungen hinsichtlich des Werkes könnenzu zivil- und/oder strafrechtlicher Verfolgung führen.