HaysWorld: Entdeckungen (Gesamtausgabe 01/2011)
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Unsere Welt steckt immer noch voller Entdeckungen. Und oft haben wir diese gar nicht bewusst geplant, sondern sind eher zufällig auf sie gestoßen. So kommt es in der Forschung nicht selten vor, dass ...

Unsere Welt steckt immer noch voller Entdeckungen. Und oft haben wir diese gar nicht bewusst geplant, sondern sind eher zufällig auf sie gestoßen. So kommt es in der Forschung nicht selten vor, dass Naturwissenschaftler bei ihren Versuchsreihen „außerplanmäßig“ auf etwas Neues stoßen, was bahnbrechend ist. Denken wir beispielsweise nur an einige Medikamente, die auf diese Weise entstanden sind.

Beim Talentmanagement dagegen, das die Führungskräfte von morgen entdeckt und fördert, geht es mittlerweile sehr systematisch zu. Während früher noch oft das ominöse Bauchgefühl eines erfahrenen Managers entschied, ob ein Talent entdeckt wurde, werden heute wissenschaftliche Erkenntnisse genutzt, um die Talente innerhalb oder außerhalb des Unternehmens zu finden.

Wir freuen uns, wenn Sie in der vorliegenden Ausgabe der HaysWorld einige interessante Artikel entdecken.

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    HaysWorld: Entdeckungen (Gesamtausgabe 01/2011) HaysWorld: Entdeckungen (Gesamtausgabe 01/2011) Document Transcript

    • HAYSWORLDDas Kundenmagazin für Deutschland,Österreich und die Schweiz 01/2011ENTDECKUNGEN
    • INHALTHAYSWORLD 01/2011 · ENTDECKUNGEN04 Kann man Glückstreffer planen? Zufällige Entdeckungen09 Innovation ist ein sozialer Prozess Interview mit Prof. Dr. Frank T. Piller11 Deutschland sucht die Superstars Talente entdecken16 Loyale Mitarbeiter sind der beste Datenschutz Diebe entdecken19 Krisen sind fester Bestandteil von Zukunftsforschung Interview mit Prof. Opaschowski23 Tätern auf der Spur – Entdeckungen in der Kriminaltechnik26 Die Entdeckung des Selbst 2629 Die Entdeckung des Weltraums DIE ENTDECKUNG DES SELBST31 News und Termine Wir kommen auf die Welt und nach wenigen Wochen entdecken wir unser Selbst: Ich bin wer. Aber wer?IMPRESSUMHerausgeber:Hays AGMarketing/Corporate Communications Frank SchabelWilly-Brandt-Platz 1–3 · 68161 MannheimAuflage: 18.000Chefredaktion: Katharina LantelmeAutoren dieser Ausgabe: Annette Frank,Alexander Freimark, Jan Gelbach, Judith Gillies,Ina Hönicke, Britta Nonnast, Frank Schabel, Bernd SeidelGestaltung: srg werbeagentur ag, MannheimFotos: Mathias Ernert, fotolia, Christine Pulliam CfADruck: Dinner Druck GmbH, Schlehenweg 6,77963 Schwanau, Ortsteil AllmannsweierKontakt: 29HaysWorld RedaktionTelefon: +49 (0)621 1788-1494 · E-Mail: info@haysworld.deNachdruck: Für den Nachdruck von Beiträgen – auchauszugsweise – ist die schriftliche Genehmigung derRedaktion erforderlich. Dies gilt auch für die Aufnahmein elektronische Datenbanken und für die Vervielfältigungauf elektronische Datenträger. DIE ENTDECKUNG DESCopyright © 2011 bei Hays AGAlle Rechte, insbesondere das Recht auf Verbreitung, Nachdruck von WELTRAUMSText und Bild, Übersetzung in Fremdsprachen sowie Vervielfältigungen Gibt es außerirdischesjeder Art durch Fotokopien, Mikrofilm, Funk- und Fernsehsendungen, Leben? Seit der Erkenntnis,für alle veröffentlichten Beiträge einschließlich Abbildungen vorbehalten. dass die Erde nur Teil eines Planetensystems ist, zählt diese Frage zu den span- nendsten der Menschheit.02 | HaysWorld 01/2011
    • EDITORIAL Unsere Welt steckt immer noch voller Entdeckungen.LIEBE LESERINNENUND LESER,vor über 500 Jahren entdeckte Christoph Kolumbus per sehr systematisch zu. Während früher noch oft dasZufall den neuen Kontinent Amerika, als er eigentlich auf ominöse Bauchgefühl eines erfahrenen Managers ent-dem Weg nach Indien war. Geografische Entdeckungen sind schied, ob ein Talent entdeckt wurde, werden heuteauf unserem kleinen Globus wohl kaum mehr zu machen. wissenschaftliche Erkenntnisse genutzt, um die TalenteAber trotzdem steckt unsere Welt immer noch voller Ent- innerhalb oder außerhalb des Unternehmens zu finden.deckungen. Und oft haben wir diese wie der berühmteSeefahrer gar nicht bewusst geplant, sondern sind eher Um die Zukunft zu entdecken, arbeiten Zukunftswissen-zufällig auf sie gestoßen. So kommt es in der Forschung schaftler wie Prof. Dr. Horst Opaschowski ebenfalls vielenicht selten vor, dass Naturwissenschaftler bei ihren Ver- Daten auf. Es ist eine akribische und geduldige Arbeit,suchsreihen „außerplanmäßig“ auf etwas Neues stoßen, aus Dokumenten der Vergangenheit und der Gegenwartwas bahnbrechend ist. Denken wir beispielsweise nur an die Zukunft herauszulesen. Mit dem ominösen Blick ineinige Medikamente, die auf diese Weise entstanden sind. die Glaskugel hat dies überhaupt nichts zu tun.In der Kriminaltechnik sieht es anders aus. Hier wird Es gilt aber nicht nur, Dinge zu entdecken, sondern auch,aber auch gar nichts dem Zufall überlassen, sondern sie zu verdecken und vor dem Zugriff unberechtigter Drittersystematisch alles, was sich auswerten lässt, analysiert, zu schützen. Gerade in der globalisierten Wirtschaft wirdum das entscheidende Puzzleteil zu entdecken. Der es immer wichtiger, interne Daten und Ergebnisse so zuErfolg spricht für sich, mehr und mehr Kriminalfälle sichern, dass sie nicht öffentliches Gut werden.werden gelöst, weil im Labor das entscheidende Indizper Analyse entdeckt wurde. Entdeckung ist also ein sehr vielschichtiger Begriff. Aber lesen Sie selbst mehr darüber. Wir freuen uns, wennAuch beim Talentmanagement, das die Führungskräfte Sie in der Ihnen vorliegenden Ausgabe unserer HaysWorldvon morgen entdeckt und fördert, geht es mittlerweile einige interessante Artikel entdecken. Viel Vergnügen bei der Lektüre wünscht Ihnen Klaus Breitschopf HaysWorld 01/2011 | 03
    • KANN MAN GLÜCKSTREFFER PLANEN? Sie kommen unerwartet, bringen alle Planungen durcheinander und ziehen gravierende Veränderungen nach sich: zufällige Erfindungen. Dennoch werden sie gern gesehen, schließlich sind sie das Salz in der Innovationssuppe. Von Alexander Freimark und Bernd Seidel Kolja Kuse kann Granit biegen, und das ist gar nicht Zufall. Kuse wollte eine Küchenarbeitsplatte aus schwer. Man muss nur wissen, wie. „Wir hatten von Granit mit unsichtbarer Induktionstechnik kombinie- Beginn an das Gefühl, etwas Revolutionäres entdeckt ren, doch in den Versuchen war der Stein unter den zu haben – wie Amerika“, erinnert sich der leitende heißen Töpfen stets gerissen. So reifte die Idee, den Anwendungsentwickler der Münchner Firma Techno- Granit mit einem zweiten Werkstoff am Riss zu hindern. carbon Technologies. „Amerika“, das war in diesem Dies gelang nur mit Carbonfasern. Inzwischen steckt Fall die Erkenntnis, eine mit Carbonfasern beschichtete das biegsame Verbundmaterial, das nicht mehr wiegt Granitplatte biegen zu können, ohne den Stein zu als Aluminium, zu Anschauungszwecken auch in einer zerreißen. „Wir waren verblüff t, erstaunt und gleich- Gitarre, einem Ski und einer Hauswand. „Bis hin zum zeitig besorgt, die Vielfalt der neuen Anwendungs- Bau ganzer Brücken ist alles denkbar. Wenn man das möglichkeiten gar nicht alle aufgreifen zu können“, Phänomen nicht mit eigenen Augen sieht, kann man berichtet der Entdecker. es tatsächlich kaum glauben“, sagt Kuse. Die Erfindung des Carbonfasersteins (CFS) war nicht Während normale Innovationen als Motor des Fort- das Ergebnis einer gezielten Suche, sondern purer schritts gelten, bringen zufällige Erfindungen darüber04 | HaysWorld 01/2011
    • HaysWorld 01/2011 | 05
    • Der britische Klimaökonom Lord Stern biegt Granit. Kolja Kuse (rechts im Bild) hatte zufällig entdeckt, dass ein verklebter Mantel aus CarbonfasernBrüche und Risse bei der Biegung des Steins verhindert. Insgesamt ist das Material nicht schwerer als Aluminium.hinaus noch strahlenden Glanz in die Welt der Forscher und beseitigenden Rückstände nachbilden. Das Lösungs-tragen entscheidend zum Nimbus der Erfinderbranche bei: mittel entdeckte er nicht, aber er hatte immerhin denSie haben das Zeug zur Legende. Zufälle legen den Schluss Einfall, das neue Material als Werkstoff zu erproben.nahe, dass sich ein Erfinder in sein Labor einnistet und Mit dem Bakelit schuf er so den ersten Massenkunststoffeinfach abwartet, bis es Sterntaler vom Himmel regnet. Dass der Welt. Thomas Sullivan schuf durch Zufall einen neuenman nur ein paar Stunden mit Steinkohleteer spielen muss, Markt: Er verschickte Teeproben an potenzielle Kunden –damit der erste künstliche Süßstoff an den Fingern klebt. jedoch nicht in der Blechdose, sondern in kleinen Seiden- säckchen. Einige Kunden legten den Beutel ins heiße Wasser,Eindrucksvolle Beispiele für zufällige Entdeckungen gibt in der Annahme, das sei so vorgesehen. In den Jahrzehntenes viele: Charles Goodyear tropft versehentlich Kautschuk- danach experimentierten andere Erfinder mit verschiede-Schwefel-Masse auf den heißen Ofen und dort verwandelt nen Stoffen, Heftklebern und Formen. Tee-Verpackungs-es sich in Gummi. Frank Epperson vergisst ein gefülltes maschinen wurden konstruiert, DoppelkammerbeutelWasserglas mit Brausepulver und dem Rührstab über Nacht ersonnen, Schnüre mit Wachs überzogen. Ohne den Irrtumauf der Veranda – fertig ist das Eis am Stiel. Der Wirkstoff der ersten Kunden gäbe es womöglich einen Zweig derSildenafil gegen Bluthochdruck hebt nachweislich die Laune Nahrungsmittelindustrie weniger – vielleicht wären aberin der männlichen Körpermitte. Aus der Nebenwirkung auch die Erfinder von Teesirup, Teeeiern oder Teesockenwird ein prächtiges Alleinstellungsmerkmal. erfolgreicher geworden. Rückblickend betrachtet, wirken zufällige Erfindungen inZufällige Erfindungen eröffnen eine neue Welt sich „logisch“ – es leuchtet ein, dass jemand zwangsläufig darauf kommen musste. Des Pudels Kern wäre es also, dieHinter den bekanntesten zufälligen Erfindungen steckt vermeintliche Logik nachzuvollziehen und für sich zu nutzen:eine Systematik, die sie von gewöhnlichen Innovationen Gibt es ein Umfeld, in dem zufällige Erfindungen besondersabgrenzt: Erstens wurden Zufallstreffer nicht gesucht, son- gut gedeihen? Angesichts der durchstrukturierten Forschungdern gefunden. Und zweitens ist der jeweilige „Fortschritt“ – und Entwicklung in den Unternehmen liegt der Verdachthier wörtlich verstanden – größer als bei einer normalen nahe, dass es dort keinen Raum für Zufälle mehr gibt –Erfindung. Während Letztere den Horizont lediglich um ein zumindest nicht innerhalb einer Versuchsreihe. Hier wirdpaar Meter verschiebt, öff nen zufällige Erfindungen den der Horizont systematisch erweitert, nicht eine neue WeltZugang zu einer neuen Welt: Leo Hendrik Baekeland suchte gesucht. Lieber den Spatz in der Hand als die Taube aufein Lösungsmittel für teerhaltige Rückstände, experimentierte dem Dach. Freiraum, etwa für Kreativität und Unerwartetes,mit Phenol und Formaldehyd und konnte schließlich die zu muss daher an anderer Stelle geschaffen werden.06 | HaysWorld 01/2011
    • Folgenreiche Wissensunfälle neue Pflanzen wachsen – so geschehen bei 3M, als der Forscher Arthur Fry Lesezeichen in seinem privaten Gesang-Dr. Peter Schütt nennt die bahnbrechenden Erfindungen buch fixieren wollte. Den passenden Kleber, der hält und„Wissensunfälle“. Der Leiter Software-Strategie und Wissens- sich wieder ablösen lässt, hatte Jahre zuvor ein KollegeManagement der Software Group von IBM Deutschland erfunden. Ein internes Seminar brachte den Sänger und densieht den klassischen Ort für derartige „Unfälle“ in der Kaffee- Klebstoff, der nicht vermarktet worden war, zusammen.ecke beziehungsweise Teeküche, doch „leider skaliert derAnsatz nicht mit der Unternehmensgröße“. Schütt zufolge Allerdings ist vorher nicht bekannt, welcher Same aufdreht sich alles um den zufälligen Austausch von Informa- welchem Nährboden Wurzeln schlagen wird. Also muss dietionen, die normalerweise in Silos abgeschottet sind. Fallen abteilungsübergreifende Vernetzung intensiviert werden,die Samen hingegen auf fruchtbaren Boden, können daraus um möglichst viele Kombinationen beim Informationsaus-Zufällige Erfindungen – die KlassikerErfindung Entdecker HintergrundCoca-Cola John Pemberton Geplant als Allheilmittel gegen Nervenschwäche und psychisches Unwohlsein von Stadtbewohnern.Dynamit Alfred Nobel Instabiles Nitroglyzerin tropfte auf Kieselgur und explodierte überraschenderweise nicht.Kunststoff Leo Hendrik Baekeland Die Suche nach einem Lösungsmittel für teerähnliche Rückstände führt zum ersten Kunststoff Bakelit.Mauvein William Henry Perkin Bei Versuchen, Chinin zu synthetisieren, entstand der erste künstliche Anilinfarbstoff, das Mauvein.Mikrowelle Percy L. Spencer Ein Schokoriegel schmolz in der Tasche des Forschers bei Arbeiten an Radaranlagen.Penicillin Alexander Fleming Schimmelpilze in einer über die Sommerferien vergessenen Petrischale töteten Bakterien ab.Radioaktivität Henri Becquerel Bei der Erforschung der Röntgenstrahlen wurde entdeckt, dass Uransalz fotografische Platten schwärzen kann.Röntgenstrahlen Wilhelm Conrad Röntgen Ein fluoreszierendes Material leuchtete auf, obwohl die Kathodenstrahlröhre komplett abgedeckt war.Sicherheitsglas Edouard Benedictus Ein Glaskolben, in dem zuvor flüssiges Zelluloid verdunstet war, fiel aus einem Regal und zersplitterte nicht.Teflon Roy Plunkett Nicht bei der Raumfahrt, sondern bei der Suche nach Kühlmitteln bildete sich der Stoff PTFE durch Zufall.Viagra Nicholas Terrett, Peter Ellis et al. Das ursprünglich gegen Bluthochdruck konzipierte Präparat wurde wegen einer Nebenwirkung bei „Männerleiden“ eingesetzt. HaysWorld 01/2011 | 07
    • Das ganze Potenzial von Sildenafil („Viagra“) erkannten ein Entwickler für Herzpräparate und ein Forscher für Potenzmittel in einem zufälligenGespräch auf einer Konferenz.tausch zu ermöglichen. Das betriebliche Vorschlags- nicht mehr sicher sein, dass eine zufällige Entdeckungwesen greift zu kurz, andere Perspektiven bringen mehr immer in den eigenen Schoß fällt. Und generell gilt hierLösungsmöglichkeiten. So wie bei Pfizer, wo ein Entwickler wie in anderen Bereichen: Legenden sind äußerst selten.für Herzpräparate und ein Forscher für Potenzmittel das Nur die zehn bis 20 Klassiker der zufälligen Erfindungenganze Potenzial von Sildenafil („Viagra“) im zufälligen werden in der Regel als leuchtende Beispiele genannt.Gespräch auf einer Konferenz erkannten. Dies ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs: Von 1790 bis 1975 hat das US-Patentamt 4,2 Millionen Patente vergeben,Effizienter und stetiger als über Kaffeeecken, Brain- aktuell sind fast sieben Millionen Schutzrechte in derstorming-Meetings und firmeninterne Konferenzen (mit Datenbank, allein 220.000 Patente wurden vergangenesPausen für das „Networking“) lassen sich Informationen Jahr erteilt. „Ich würde mich niemals darauf verlassen, dassetwa im Intranet sammeln, austauschen und kontrollieren. ein großer Zufallstreffer gelingt“, so der Rat des zufälligenIBM-Fachmann Schütt berichtet von „Marktplätzen der Erfinders Kuse. „Nach dem Gesetz der WahrscheinlichkeitIdeen“ und plädiert für Blogs von Mitarbeitern oder Wikis. passiert das ohnehin eher in kleinen Unternehmen alsIBM selbst veranstaltet regelmäßig einen „Jam“, auf dem in Konzernen.“bis zu 100.000 Mitarbeiter in moderierten Massen-Chatsan zwei bis drei Tagen zusammenkommen. Das hilft nicht Immerhin verfolgen einige Konzerne wie Google odernur bei zufälligen Erfindungen, sondern auch bei der nor- 3M moderne Wege, um ein innovationsfreundliches Klimamalen Innovation. Mit Erfolg: Der Konzern führte 2010 das zu schaffen – sie räumen ihren Mitarbeitern Arbeitszeit ein,18. Jahr in Folge die weltweite Rangliste der Unternehmen in der sie eigene Projekte verfolgen können. Dabei geht esmit den meisten Patentanmeldungen an – knapp 5.900 nicht um Mußestunden: „Das Problem ist nicht der Zufall,Schutzrechte wurden beantragt. durch den bestimmte Ideen oder Erfindungen hervor- gebracht werden, sondern der Freiraum danach, um dem ‚Ergebnis des Zufalls‘ Raum zu geben und ein konkretesWer hat’s erfunden? Produkt auszugestalten“, sagt Dr. Frank Piller, Professor für Technologie- und Innovationsmanagement an der RWTHWirklich innovative Unternehmen beziehen nicht nur ihre Aachen (siehe auch das Interview mit Prof. Dr. Frank PillerMitarbeiter in den Innovationsprozess ein, sondern auch ab Seite 9).ihre Kunden, Partner, universitäre Einrichtungen und freieErfinder. Dadurch steigt die Chance, einen Glückstreffer zu Und wer kam auf die geniale Idee, Post-it® Notes in derlanden. So werden viele Medikamente über ihr ursprüng- Signalfarbe Gelb zu verkaufen? Auch das war ein Zufall:liches Einsatzgebiet hinaus eingesetzt, weil Ärzten zufällig Erfinder Arthur Fry hatte sich vom Forscherteam im Zimmerpositive Nebenwirkungen aufgefallen waren. Bei dieser Form nebenan Papier für seine Klebeversuche ausgeborgt –der „Open Innovation“ kann ein Unternehmen allerdings und das war zufällig gelb.08 | HaysWorld 01/2011
    • Prof. Dr. Frank T. PillerProf. Dr. Frank T. Piller lehrt am Lehrstuhlfür Technologie- und Innovationsmanagementan der RWTH Aachen. Zwei seiner Schwer-punkte sind das Innovationsmanagementvon Unternehmen sowie die neuen Ansätzeum Open Innovation. Hier ist er weltweit einerder führenden Wissenschaftler.INNOVATION IST EINSOZIALER PROZESSInterview mit Prof. Dr. Frank T. PillerDer Begriff Innovation ist in aller Munde. Wie wichtig ist Innovation für Unternehmen?Wird er nicht zu inflationär benutzt? Überlebenswichtig. Die Frage lautet heute nicht mehr, obIn der Tat gibt es gegenwärtig einen Hype. Vor zehn Jahren und warum, sondern wie ich Innovation erfolgreich gestalte.wurde unter Innovation oft nur der Bereich Forschung Denn nachhaltiges Wachstum ist nur durch Erneuerungund Entwicklung verstanden. Heute gilt alles als Innovation. möglich. Selbst Unternehmen, die rein auf Kostenführer-Dabei gibt es große Erneuerungen nur selten. 90 Prozent schaft setzen, sind enorm innovativ – nicht beim Design,aller Innovationen sind keine bahnbrechenden Produkte sondern vor allem in der Logistik und auf der Prozessebene.wie das iPhone, sondern schlicht Alltagsgeschäft in Form Das Spannende an Innovation ist, dass es keinen klarenvon Verbesserungen und neuen Varianten. Zusammenhang zwischen Input und Output gibt. Es gibt Firmen, die sehr viel Zeit und Kapital einsetzen, um Inno-Natürlich gibt es gerade in Deutschland noch viele Unter- vationen zu schöpfen, und trotzdem wenig Erfolg haben.nehmen, die sich sehr erfolgreich durch Produktinnovationen Andere erreichen sehr viel mit relativ geringem finanziellemdifferenzieren. Aber was heute den Markt aufrüttelt, sind Aufwand. Innovation ist ein unsicherer und ein sozialermittlerweile Prozess- und Geschäftsmodellinnovationen. Prozess, bei dem es oft darum geht, Barrieren und KonflikteIm Sinne von Schumpeter, dem Begründer der Innovations- zu überwinden. Dieses Unstrukturierte macht das Themaforschung, ist Innovation eine schöpferische Zerstörung so spannend, aber auch schwer greifbar. Innovation verläuftbekannt-bewährter Prozesse. Das iPhone ist hierfür ein nicht linear.sehr gutes Beispiel: Es ist eine kombinatorische Innovationund hat vor allem den Verkauf von Musik revolutioniert –und damit eine ganze Branche. Haben Deutsche mit ihrer Ingenieur-Prägung eine spezifische Auffassung von Innovation?Was verstehen Sie unter Innovation? Wir sind in der Tat sehr gut im Bereich der technischen Exzellenz und damit der Produktinnovation. Nicht umsonstAls Wirtschaftswissenschaftler betrachte ich Innovation lautet der Slogan eines Automobilherstellers „Vorsprungnicht nur unter dem Aspekt der kreativen Erfindung, son- durch Technik“. Unser Verständnis von Innovation ist oftdern vor allem unter dem der Verwertung. Wie lässt sich B2B-lastig und kundengetrieben, gerade bei unseren vielenInnovation zu Geld machen und wie wird sie auf dem Markt Hidden Champions im Mittelstand. Und das ist ja auf demplatziert – dies sind meine Fragestellungen. Forschung Weltmarkt eine sehr erfolgreiche Strategie. Bei Geschäfts-heißt, Geld in Wissen zu transferieren. Innovation dagegen, modellinnovationen dagegen tun wir uns deutlich schwererWissen in Profit zu transformieren. als andere Nationen. Hier fehlt uns teilweise die gedankliche HaysWorld 01/2011 | 09
    • Forschung heißt, Geld in Wissen zu transferieren.Innovation dagegen, Wissen in Profit zu transformieren.und prozessuale Innovationsfähigkeit. Wir sind nichtdas wandlungsfähigste Land, wenn es um radikalereSchritte geht.Wo sehen Sie den richtigen Ort für Innovationen?Inhouse oder jenseits der eigenen Mauern?Innnovation, die nur intern läuft, gibt es nicht (mehr).Die Vorstellung, eine Abteilung „Forschung und Entwick-lung“ sei gemeinsam mit dem Produktmanagement fürInnovation zuständig, ist antiquiert. Daniel DüsentriebsGedankenblitz oder die zündende Idee unter der Duschegibt es zwar noch ab und an. Aber es ist nicht das domi-nierende Muster. Innovation geschieht in Netzwerken undim Austausch. Inspiration geben Anregungen von außen.Dieser Prozess wird heute durch dedizierte Internetplatt-formen noch verstärkt – Stichwort „Open Innovation“.Was spricht in diesem Zusammenhang dann nochfür die eigene F&E-Abteilung?Ohne sie geht es nach wie vor nicht. Sicher könnenUnternehmen einzelne Schritte besser nach außen ver-lagern. Aber sie benötigen immer einen zentralen Bereich,der die Teilstücke koordiniert, bewertet und vergleichtsowie die richtigen Fragen stellt. Dieser Bereich mussdie gelieferten Technologien verstehen und im Kontextdes Geschäftsmodells seines Unternehmens analysieren.Zudem ist der F&E-Bereich die zentrale Schnittstellehin zur Produktion. Dafür müssen Unternehmen aber wissen, welche zukunftsweisenden Unternehmen sie zu kaufen haben …Inhouse setzen Unternehmen auf ein systematisches … und aus diesem Grund bedeutet Innovation immerInnovationsmanagement. Was halten Sie davon? mehr Bewertung: Wie erfasse ich, ob die innovativen Ideen eines Startups auf dem Markt verwertbar sind? Auch wennDahinter steht die Idee, Innovationen als kreative und Innovation immer als kreativer Prozess gilt, darf nicht ver-offene Prozesse gleichzeitig zu regulieren. Auch wenn dies gessen werden, dass dazu auch viel Evaluation, Bewertungnach Widerspruch klingt: Dies geht und ist wichtig. Beim und Rechnerei gehört.Innovationsmanagement gibt es eine strategische und eineoperative Ebene. Operativ reden wir von Methodenbaukästenwie Brainstorming oder Bewertungsansätzen. Das beherr- Wird Innovation in den wirtschaftlich stark aufstrebendenschen viele Unternehmen gut. Die strategische Ebene ist die Staaten anders verstanden?spannendere. Hier geht es um die Schaffung der passendenRahmenbedingungen, z. B. die Rekrutierung der passenden Teilweise ja, jedoch mit interessanten Unterschieden.Mitarbeiter oder die Etablierung kreativer Freiräume. China z. B. verfügt über eine sehr große Manpower und repliziert unser Innovationsmodell, das auf Hightech setzt,Eine wesentliche strategische Fragestellung ist auch, so wie wir es vor ca. 50 Jahren getan haben. Indien liefertwie Unternehmen ihren Innovationsprozess grundsätzlich dagegen ganz andere Beispiele. Hier geht man das Themaaufsetzen. Setzen sie selbst auf die Kreation neuer Techno- Innovation vergleichsweise unkoordiniert, aber aufgrundlogien oder eher auf eine produktive Verwertung dieser der Landeskultur sehr kreativ an. Es gibt tolle Beispiele imTechnologien? Oder gehen sie beides parallel an. Viele Bereich „frugal innovation“, d. h. Innovation, die den armenGroßkonzerne setzen heute eher auf die Ausbeutung neuer Bevölkerungsteilen nutzt. Armut wird quasi zu einer krea-Ideen am Markt. Denn Erfindungen gelingen Startups tiven Ressource. Viele Inder können eine Operation nachmeist wesentlich besser. Daher werden sie oft von den westlichem Standard nicht bezahlen. Deshalb haben es lokaleGroßen geschluckt, die die Innovationen dann über ihre Entrepreneure z. B. im Bereich „grauer Star“ geschaff t, die„Maschine“ produzieren und vermarkten. Dies ist eine Art Prozesse rund um die entsprechende Operation komplettmakroökonomische Arbeitsteilung. Innovationsmanage- neu zu organisieren. Folge: Eine OP, die in den USA 4.000ment verlagert sich deshalb in vielen Konzernen eher in US-Dollar kostet, ist in Indien für 25 US-Dollar zu haben –Richtung „New Business Development“. Nicht umsonst bei gleicher Qualität. Von diesen Innovationsstrategiensitzen hier erfahrene M&A-Experten. können wir noch viel lernen.10 | HaysWorld 01/2011
    • DEUTSCHLANDSUCHT DIESUPERSTARSTalentscouting gilt in Sport und Wirtschaftals Schlüssel zum Erfolg von morgen. Ineinem spannenden Prozess zwischen richtigemRiecher und Recruiting werden Potenzialträgeraufgespürt, gewonnen und gebunden. HaysWorld 01/2011 | 11
    • Talentscouts sind überall dort aktiv, wo sich die Zielgruppender Unternehmen tummeln: etwa in Hörsälen, auf demCampus, bei Facebook oder Twitter.Von Judith GilliesWer dieser Tage Fernsehen schaut, muss zu dem Schluss „Talentscouting ist ein wichtiges Thema der Zukunft.kommen, Talentsuche sei ein leichtes Spiel. Ob Sänger oder Ein entscheidender Erfolgsfaktor für Unternehmen wirdModels, Tänzer oder Praktikanten – landauf, landab werden es ein, trotz Demografielücke und Fachkräftemangelalle erdenklichen Berufe gecastet. Doch der Eindruck die passenden Spezialisten zu finden“, sagt Christian Jost,täuscht. Die Suche nach wirklichen Potenzialträgern ist kein Head of Talent Management bei Hays in Mannheim.Entertainment wie bei „Deutschland sucht den Superstar“,sondern hartes Brot. Wahre Talente blühen oft im Verbor- In einer Zeit, in der die Top-Player der Zukunft rar werden,genen – im Sport genauso wie in der Wirtschaft. tun Organisationen und Sportvereine gleichermaßen gut daran, sich für den Wettbewerb der kommenden Jahre zuDiese verborgenen Schätze aufzuspüren, ist Aufgabe von rüsten. Darin sind sich Personalexperten einig. „UnternehmenTalentscouts. Ausgestattet mit exzellenten Kontakten, einem sollten nicht über den Fachkräftemangel jammern, sondernprofessionellen Suchprofil und dem richtigen Riecher werden besser über so innovative Instrumente wie Talentscoutingsie von ihren Auftraggebern losgeschickt, um passende nachdenken“, rät Professor Dr. Armin Trost, RecruitingexperteKandidaten zu finden. Ein Job, der mit dem Entertainment- mit Schwerpunkt Talentmanagement an der HFU Businesspotenzial eines Dieter Bohlen oder dem Glamourfaktor School der Hochschule Furtwangen. Im Sport arbeitet maneiner Heidi Klum nichts zu tun hat – dafür aber umso mehr schon lange erfolgreich mit dem Modell. So z. B. Thomasmit den Anforderungen der kommenden Jahrzehnte. Foj. Als Honorartrainer und Talentscout sichtet er für den12 | HaysWorld 01/2011
    • Deutschen Fußball-Bund die begabtesten zehnjährigen hat, kümmert sich deshalb die Selection-Truppe um dieNachwuchskicker. „Dabei kommt es nicht nur darauf an, Auswahl, die Development-Kollegen um die Entwicklungob jemand viele Tore schießt“, erklärt der 30-Jährige. der neuen Mitarbeiter und schließlich die Retention-GruppeEntscheidend sei vielmehr das Gesamtbild, das ein Spieler um deren Bindung an die Organisation.auf dem Platz abgibt: Technik und Teamarbeit gehen indie Bewertung ein, Grundathletik, Übersicht, das generelle Auch T-Systems im schweizerischen Zollikofen setztAuftreten. Doch damit nicht genug. „Die eigentliche Arbeit auf Talentscouting. Die klassische Mitarbeitersuche, beibeginnt erst nach der Talentsuche, wenn man die Spieler der die große Masse angesprochen wurde, hat nicht dieformt, ihre Stärken aufbaut und die Schwächen minimiert“, gewünschten Erfolge gebracht. Daher sind seit Anfangso Foj. „Denn Talente brauchen Zeit, um sich zu entwickeln.“ des Jahres nun auch Talentscouts im Einsatz. Zu den Studierenden will die Telekommunikationsfirma auf dieseGenau das gilt auch für Fachkräfte in der Wirtschaft. Weise „Kontakt auf Augenhöhe aufbauen“, wie HR Specialist„Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist es, das Scouting in Sabine Aebischer sagt. Die T-Systems-Scouts sind über-das Talentmanagement einzubinden“, betont Hays-Experte all dort aktiv, wo sich die Zielgruppe des UnternehmensJost. Es nütze nichts, Talente zu identifizieren, wenn man tummelt: in Hörsälen und Lehrstühlen, bei Facebook undsie nicht zu sich holen, aufbauen und an sich binden kann. Twitter. „Sie müssen sich in beiden Welten sicher bewegen:Sobald sein Attraction-Team die richtigen Leute identifiziert in der Studienwelt und in unserer Unternehmenswelt“, HaysWorld 01/2011 | 13
    • Wahre Talente blühen oft im Verborgenen – Talentscouting ist deshalb ein wichtiges Thema der Zukunft.sagt Aebischer. „Nur so können sie unseren Spirit auf Wettkämpfen genauso wie bei Businesskonferenzenden richtigen Kanälen und mit den richtigen Worten rüber- oder im Karrierenetzwerk LinkedIn. „Ihre Arbeit hatbringen.“ Das Modell scheint T-Systems erfolgversprechend. durchaus etwas Hinterfotziges“, sagt HR-Professor Trost,Zu den ersten Aufträgen der Spürnasen gehörte es, „weil die Zielpersonen ohne ihr Wissen an einem Real-weitere Talentscouts zu finden. Life-Assessment-Center teilnehmen.“Keine leichte Aufgabe. Denn die Job Description verlangt Susi Lutz ist eine dieser verdeckten Ermittlerinnen. Aufihnen jede Menge ab. „Sie brauchen weit mehr als nur eine der Suche nach Leichtathletikbegabungen arbeitet dieSpürnase und das richtige Bauchgefühl“, erklärt Jost. Wer 24-Jährige für Kids for Olympia in Regensburg. Sie schleusterfolgreich als Scout arbeiten will, muss in der Zielgruppe sich in Schulen ein, um dort offiziell als Gastlehrer eine Sport-exzellent vernetzt sein, Menschenkenntnis sowie ein Gespür stunde zu gestalten. „Optimal läuft es dann, wenn die Kidsfür Potenziale mitbringen. Und natürlich sind auch Fach- dabei gar nicht merken, dass sie gerade getestet werden“,kenntnisse aus dem gesuchten Bereich von Vorteil. „Wer sagt die Leistungssportlerin. So kann sie die Nachwuchs-einen neuen Philipp Lahm sucht, muss nicht unbedingt sportler in möglichst natürlicher Atmosphäre beobachtenselbst Nationalspieler gewesen sein. Aber Fußball sollte er und schnell erkennen, wer Körpergefühl, Koordination, Eifer,schon spielen“, sagt Jost augenzwinkernd. Ehrgeiz und Auffassungsgabe mitbringt – die richtigen Voraussetzungen für eine Olympiateilnahme in spe.Analog gilt das auch für die Wirtschaft. Die Scouts müs-sen sich selbst so selbstverständlich und sicher in der Welt Ein möglichst unverdächtiges Auftreten streben auch dieder Kandidaten bewegen, dass sie nicht als Fremdkörper Talentsucher in der Wirtschaft an – etwa wenn der Scoutwahrgenommen werden. Schließlich sind sie zunächst ein angebliches Kundengespräch vereinbart, bei dem er demeinmal in geheimer Mission unterwegs – bei sportlichen ahnungslosen Kandidaten auf den Zahn fühlt. Und auch bei14 | HaysWorld 01/2011
    • GEWINNSPIEL Hays verlost drei USB-Mikroskopkameras für eigene Entdeckungen Die Gewinner können mit einer 200-fachen Vergrößerung auf Entdeckungstour gehen. Einfach an den PC anschließen und los geht’s. Senden Sie eine E-Mail mit der richtigen Lösung an: info@haysworld.de, Stichwort „Entdeckungen“. Einsendeschluss ist der 15. Juli 2011. Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Gewinnfrage: Wie nennt man Suchprofi s, die nach vielver- sprechenden jungen Sportlern Ausschau halten?der Kandidatensuche im Web ist anfängliche Geheimhaltung scouting“, beobachtet Professor Trost. Er vermutet, dassratsam. „Bei Facebook und anderen Netzwerken geht es dies auch am gegensätzlichen Temperament von Scouts unddarum, als Mitglied in der Community zu gelten – und nicht Recruitern liegt: „Profitalentscouts sind oft coole Typen,als Recruiter oder Marketingmensch. Aufdringliche Ansprache die Spaß daran haben, den Günter Wallraff zu spielen ...“oder klassische Unternehmenswerbung werden als Spamwahrgenommen“, erklärt Sabine Neumann, Human Resource Dazu kommt, dass auch Scouts keine Talente backenManager der SPV Solutions, Products, Visions AG. können – und dass zwischen der Entdeckung und der Entwicklung des vollen Potenzials oft Jahre vergehen.Die Münchener SAP-Beratung hat vor einigen Monaten ihren Nur im Fernsehen steht schon von Anfang an fest, dassersten Talentscout eingestellt. Ohne ging es nicht mehr. am Ende der jeweiligen Staffel Deutschlands Superstar„Der Kandidatenmarkt im SAP-Umfeld wird immer enger“, oder Germany’s next Topmodel gefunden werden wird.sagt Neumann. Als kleiner Mittelständler müsse man daherneue Wege gehen. Neumann sieht auch ihren Berufsstand In der Realität gehört ein langer Atem zur Grundaus-vor großen Umwälzungen. „Als HR-Manager müssen wir stattung guter Scouts. Den hat Talentscout Lutz als Lang-umdenken“, so ihre Einsicht. „Einfach eine Anzeige zu streckenläuferin ohne Frage. Daher ist sie auch nichtschalten und abzuwarten, wer sich meldet, funktioniert enttäuscht, dass bisher noch keine ihrer Entdeckungennicht mehr.“ bei Olympia mitmachen konnte. „Aber einige sind schon auf einem guten Weg“, so Lutz. Zwei der Mädchen, die sieMit dieser Erkenntnis gehört Neumann zu den Vorreitern 2006 gesichtet hat, laufen heute schon in ihrem eigenenin den Personalabteilungen. Das Gros steht dem innova- Training mit – statt 1.000 zwar nur 400 Meter, aber immer-tiven Recruitinginstrument nicht so aufgeschlossen gegen- hin trainieren sie mit den Großen. „Ich weiß gar nicht, werüber. „Viele Unternehmen tun sich noch schwer mit Talent- darauf stolzer ist: sie oder ich!“, sagt Lutz und strahlt. HaysWorld 01/2011 | 15
    • LOYALE MITARBEITER SIND DER BESTE DATENSCHUTZ Gerade innovationsfreudige Unternehmen leiden nicht selten unter Krimi- nellen, die ihre Ideen klauen, illegal kopieren oder Daten an Mitbewerber verkaufen. Hundertprozentigen Schutz dagegen gibt es nicht – aber Schäden können zumindest minimiert werden.16 | HaysWorld 01/2011
    • Von Ina HönickeIntercity München–Düsseldorf: Junge Männer im dunklenZwirn schlagen sich in einem Großraumabteil begeistert aufdie Schulter, weil der Termin bei einem Elektronikkonzernso erfolgreich war. Geradezu euphorisch besprechen sie jedeMenge Details des neu entwickelten und jetzt gemeinsam zuvertreibenden Produkts. Dass dieses Gespräch besser nichtcoram publico hätte über die Bühne gehen sollen, merken siespätestens, als sie zu einem Gespräch bei ihrem Vorgesetztenzitiert werden.Natürlich ist ein solches Öffentlichmachen von brisantenDetails weder der Normalfall noch kriminell, sondern grobfahrlässig. Doch in einem erheblich größeren Umfang leidenUnternehmen unter echten Wirtschaftskriminellen, die Datenstehlen, sie sich illegal beschaffen oder verkaufen. Dabei ziehtsich Wirtschaftskriminalität quer durch alle Branchen. Pharma-firmen bezichtigen Mitbewerber des Ideenklaus bei neuenMedikamenten, IT-Unternehmen wie Nokia oder Microsoftwerfen Konkurrenten Patentdiebstahl vor und Handykonzernewie Motorola wundern sich, wenn kurz nach Veröffentlichungeines neuen Designs Handys auftauchen, die ihrem eigenenModell sehr ähnlich sehen. Eines steht fest: Es handelt sichin all diesen Fällen nicht um Kavaliersdelikte. Hier geht es umGeld, um sehr viel Geld. Der Verband Deutscher Maschinen-und Anlagenbau e.V. (VDMA) schätzt, dass allein seineMitgliedsunternehmen jährlich einen Schaden von mehrerenMilliarden Euro durch Produkt- und Markenpiraterie erleiden.Da aber der Erfindergeist von Unternehmen gerade in einemLand wie Deutschland überlebenswichtig ist, wird auch derSchutz vor Ideenklau und Nachahmung immer wichtiger.„Kriegsgewinnler“ dieser misslichen Lage sind neben Sicher-heitsfirmen vor allem Patentanwälte. „Hinter einer Erfindungsteht immer mindestens eine Person“, erklärt der MünchenerPatentanwalt Albrecht Dehmel. Handle es sich um einenArbeitnehmer, sei dieser über das Arbeitnehmerfindergesetzverpflichtet, die Erfindung dem Arbeitgeber zu melden.Während Konzerne zumeist eine Rechts- oder sogar Patent-abteilung unter ihrem Dach hätten, sollten kleinere Firmenrasch einen Patentanwalt einschalten. Denn von dem Zeit-punkt an, an dem die Patentanmeldung eingereicht ist,hat das Unternehmen einen Beleg, dass die Erfindung ihmgehört. „Trotzdem gibt es immer wieder Böswillige, die dieErfindung eines anderen Unternehmens nutzen“, erklärt derPatentanwalt. Um dagegen vorzugehen, brauche eine Firmagegebenenfalls viel Geld. Sei dieser finanzielle Backgroundnicht vorhanden, kann es laut Dehmel durchaus auch malangeraten sein, das Wissen über eine neue Idee im Unter-nehmen geheim zu halten. Der Patentanwalt: „Nach innenwird es nur der Abteilung bekanntgegeben, die es geradebenötigt, nach außen darf nichts dringen.“ Für Dehmel stehtfest, dass es trotz diverser Schutzmaßnahmen die hundert-prozentige Sicherheit gegen Ideenklau nicht gibt. HaysWorld 01/2011 | 17
    • „Nach innen wird das Wissen über eine neue Idee nur der Abteilung bekanntgegeben, die es gerade benötigt, nach außen darf nichts dringen.“ Patentanwalt Albrecht DehmelJörg Schecker, langjährig erfahrener Informationssicher- So sollte der Kreis derer, die an neuen Entwicklungenheitsexperte und Inhaber von Pointhope, vergleicht Ideen teilhaben, nicht nur überschaubar gehalten werden,mit einem Puzzle: „Ein Mitarbeiter hat nicht einfach eine sondern die Beteiligten sollten auch vertrauenswürdig sein.Blitzidee, dahinter steht ein langer Entwicklungsprozess.“ Darüber hinaus sollten nicht alle Mitarbeiter InformationenDeshalb müssten alle Beschäftigten, die an der Entwicklung über die gesamte Prozesskette, sondern nur über einzelnemitwirkten, dafür sensibilisiert werden, wie wertvoll und Schritte besitzen. Der beste Schutz, darin sind sich diegefährdet selbst Teilinformationen sind. Kurzum: Wer darf Chefs einig, sind indes loyale Mitarbeiter. Letztlich würdenwelche Daten sehen, wie vertraulich müssen sie gehandhabt die besten technischen Schutzmaßnahmen nichts nutzen,werden, inwieweit sind sie für Mitbewerber interessant? wenn die Beschäftigten unzufrieden sind. Fazit: Loyalität ist sicherer als jeder Datenschutz. GESCHÜTZT WIE Jörg Schecker, Informations- sicherheitsexperte und Inhaber IN FORT KNOX von PointhopeAuf Basis dieser Risikobewertung können frustrierteMitarbeiter, die ihren Arbeitgeber im Schlechten verlassen,nicht allzu viele Informationen mitnehmen und missbrau-chen. „Hier kommt es darauf an, wie viel der Beschäftigteüber ein neues Produkt weiß“, erklärt Schecker. „Besitzt erInformationen über die gesamte Prozesskette, kann er inder Tat großen Schaden anrichten.“ Handle das Unternehmenallerdings nach einem ausgewogenen „need to know“-Prinzip, kenne der Mitarbeiter nur die Details, die er fürseinen Job benötige. Damit werde das Risiko minimiert. Dass die Google-Algorithmen gehackt wurden,Das Gleiche gelte für Mitarbeiter, die gedankenlos, fahr- geistert zwar immer wieder als Gerücht durchlässig oder aus Überzeugung Daten an andere weitergeben. die Internetwelt – bewahrheitet hat sich dieseFazit des Sicherheitsexperten: „Die Technik für den Schutz Information nie. Wenn es jemals dazu kommenvon Ideen ist vorhanden, die Verantwortung liegt allein würde, könnten sich viele Unternehmen warmbeim Menschen.“ anziehen. Schließlich basieren Millionen von ihnen auf den Services von Google. Eine „versehentliche“Wie aber reagieren Verantwortliche in den Unternehmen Bekanntgabe der Geheiminformationen ist nichtauf das Damoklesschwert des Ideenklaus? Einhelliger Tenor zu erwarten, denn der Algorithmus wird durchder Befragten: Einen hundertprozentigen Schutz gibt es ein ausgeklügeltes Sicherheitsystem geschützt.nicht, diverse Sicherheitsmaßnahmen dagegen schon.18 | HaysWorld 01/2011
    • KRISEN SIND FESTERBESTANDTEIL VONZUKUNFTSFORSCHUNG Interview mit Prof. Dr. Horst W. Opaschowski Wie schauen Sie in die Zukunft? Zukunft ist für mich zuerst einmal Herkunft. Ich muss zurückschauen, um nach vorn blicken zu können. Als Zukunftsforscher bin ich durchaus seelenverwandt mit der Geschichtsforschung. Das gesellschaftliche Geschehen läuft – wie in der Natur – in Zyklen ab. Es ist oft die ewige Wiederkehr des Gleichen. So sind zum Beispiel Krisen, öko- logische oder ökonomische, ein Stück Normalität. Ich muss als Zukunftsforscher nur darauf achten, dass wir gut darauf vorbereitet sind. Ich habe also eine Bringschuld. Welche Informationen und Materialien ziehen Sie dafür heran? Ich verlasse mich nur auf verlässliche Daten, also auf repräsentative Erhebungen im Zeitvergleich der letzten 30 Jahre. Die Natur macht keine Sprünge und der Mensch auch nicht. Dabei lautet meine Hauptfrage: Wie wollen wir in Zukunft leben? Nur am Rande interessiert mich die Frage, was technologisch alles möglich ist. HaysWorld 01/2011 | 19
    • Prof. Dr. Horst W. Opaschowski Prof. Dr. Horst W. Opaschowski ist wissen- schaftlicher Leiter der renommierten Stiftung für Zukunftsfragen. Im In- und Ausland hat er sich als „Mr. Zukunft“ (dpa) einen Namen gemacht und ist international in Politik und Wirtschaft als Berater gefragt. Seit über 30 Jahren erforscht er die Lebensgewohnheiten der Deutschen. Seine fundierten Analysen und Prognosen – auf der Basis repräsentativer Erhebungen – stoßen auf ein starkes Interesse in Wissenschaft, Forschung und Fachöffentlichkeit.20 | HaysWorld 01/2011
    • „Ein Zukunftsforscher muss – denken Sie an Fukushima – auch das Undenkbaredenken und Antworten auf die Frage geben können, was passiert, wenn nichtspassiert, wenn wir die Richtung nicht ändern oder gegensteuern.“Prof. Dr. Horst W. OpaschowskiWie erkennen Sie daraus starke Trends? Haben Sie schon Trends entdeckt, die keine Wurzeln in der Gegenwart hatten?Ein Zukunftstrend von der Globalisierung bis zur Alte-rung der Gesellschaft muss mindestens 15 Jahre lang Ich nenne Ihnen einige Beispiele: In den achtzigerrichtungsweisend sein. Dadurch unterscheidet er sich Jahren sagte ich den Trend vom Fitness zum Wellnesswesentlich von kurzlebigen Moden oder Zeitgeistströmungen. voraus, in den neunziger Jahren die Entdeckung einerAber auch im Detail kann ich Trendprognosen machen: neuen „Generation@“, im Frühjahr 2000 die EnttarnungSo ist z. B. der TV-Konsum seit 30 Jahren stabil, während der New Economy als Luftblase. Die Treffsicherheit meinerdas Bücherlesen zurückgeht und der Anteil der Internet- Prognosen ist groß, weil es mir immer nur um eine Fragenutzer immer größer wird. Die nächste Generation wird geht: Was will der Mensch oder was will der Verbraucher?anders sein und anders leben. Wie gehen Sie mit der Schnelllebigkeit um, die vielesWie gehen Sie dabei mit Ungewissheiten um? in Monaten über den Haufen wirft?Zukunftsforschung ist Innovations- und Risikoforschung Ich bin nicht nur Gesellschafts-, sondern auch Verhaltens-zugleich. Die Chinesen haben für Risiko und Chance nur forscher. Vor 30 Jahren habe ich eine Entschleunigungein Schriftzeichen, die Zukunftsforschung auch. Ein Zukunfts- des Lebens gefordert, damit Stress und Burnout-Problemeforscher muss – denken Sie an Fukushima – auch das Undenk- verhindert werden. Ein fast aussichtsloses Unter fangen –bare denken und Antworten auf die Frage geben können, ganz im Gegenteil: Die Nonstop-Gesellschaft wird immerwas passiert, wenn nichts passiert, wenn wir die Richtung schnelllebiger und ist kaum zu bremsen. Die Computeri-nicht ändern oder gegensteuern. Ungewissheiten und sierung und Mediatisierung des Lebens sind die Haupt-Unwägbarkeiten müssen immer mitbedacht werden. Aus der ursachen hierfür.Sicht der letzten 100 Jahre lässt sich beispielsweise ableiten:Jedes Jahrzehnt hatte seine Krise, seine Zäsur, sein zeit-geschichtliches Ereignis, mit dem wir im wahrsten Sinne Wie beziehen Sie nicht vorhersehbare Krisen ein,des Wortes rechnen mussten. Das gilt für den 11. September die Trends stark beeinflussen?2001 genauso wie für den Super-GAU in Japan. Bei meinen Trendaussagen können mich Krisen nicht überraschen. Sie können sich doch Ziele im Leben setzen,Welche Rolle spielt die geschichtliche Entwicklung ohne sich gleich von kleinen oder großen Krisen aus derin ihren Überlegungen? Bahn werfen zu lassen. Im Übrigen gilt für mich als Zukunftsforscher: Ich darf Trends nicht einfach gradlinigAus der Geschichte kann ich lernen, nicht mehr und nicht in die Zukunft verlängern. Ich rechne mit Brüchen, mitweniger. Wichtige Signale für geschichtliche Entwicklungen Umbrüchen und Unterbrechungen, wie im privatensind für mich Strukturwandel, Wertewandel und sozialer Leben auch.Wandel. So gesehen schreibe ich beinahe eine Geschichteder Zukunft. Das Morgen findet heute schon statt. HaysWorld 01/2011 | 21
    • „Die Treffsicherheit meiner Prognosen ist groß, weil es mir immer nurum eine Frage geht: Was will der Mensch oder was will der Verbraucher?“Prof. Dr. Horst W. OpaschowskiGibt es überhaupt den stabilen Trend oder nicht doch Welche Rolle spielen soziale Medien?eher Milieutrends? Soziale Medien werden zu einer neuen gesellschaftlichenAlter, Bildung, Lebensphasen und Lebensmilieus haben schon und politischen Kraft und Macht, wie der Aufbruch und dieimmer für ganz spezifische Ausprägungen gesorgt, dazu Unruhen in Ägypten und Tunesien bewiesen haben. Diezählen genauso Regionen und Religionen. In meinen Analysen sozialen Medien werden zu einem Sprachrohr der Bürger,und Prognosen unterscheide ich deutlich zwischen Jung zu einer Art medialem Volksentscheid, der die Politikerund Alt, Weiblich und Männlich, Arm und Reich, Großstädtern nicht mehr zur Ruhe kommen lässt.und Landbewohnern. Das heißt, Unterschiede sind für michgenauso spannend und interessant wie Gemeinsamkeiten. Und welche Konflikte zeichnen sich ab?Wie werden wir in 20 Jahren kommunizieren? Die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich sowie die ungelösten Integrationsprobleme bei Zu- und Einwan-Wir werden in Zukunft mehr mit Medien als mit Menschen derern werden die Hauptkonflikte der Zukunft sein, zumalkommunizieren, so wie das Kinder und Jugendliche heute wir weltweit mit einer Migrationswelle unvorstellbarenschon tun. Oft telefonieren sie mehr mit Freunden, als dass Ausmaßes rechnen müssen, z. B. von Afrika nach Europa.sie sich mit Freunden treffen. Die Zukunft gehört einem Einen Konflikt aber wird es nicht geben: den Generationen-Medien- und Kommunikationsmix. Wir werden da nicht mehr konflikt. Ganz im Gegenteil: Die Qualität der Generationen-zwischen TV, PC und Telefon unterscheiden können. beziehungen wird der soziale Kitt der Zukunft sein.22 | HaysWorld 01/2011
    • TÄTERN AUF DER SPUR –ENTDECKUNGEN IN DERKRIMINALTECHNIK Von Annette FrankIn den Fernsehkrimis rücken die Das Bild der eingehüllten Spezialisten stimmt. „Aber“, so erklärt Horst Haug, Pressesprecher des Landeskrimi-Kriminaltechniker in weißen Overalls nalamtes (LKA) von Baden-Württemberg, „im Gegensatzmit Handschuhen, Füßlingen und zu den Serien wie CSI gibt es in Deutschland eine strikte Trennung zwischen Ermittlern und Spurenanalyse imKapuzen an. Doch wie sieht ihre Labor.“ Rund 150 Mitarbeiter sind im KriminaltechnischenArbeit tatsächlich aus? Und vor allem: Institut des LKA beschäftigt, 45 davon allein im Bereich Molekulargenetik. In ihren Laboren wurde ein MeilensteinWie geht es nach der Spurensicherung der Verbrechensbekämpfung gelegt: 1989 konnte inam Tatort im Labor weiter? Deutschland zum ersten Mal ein Fall mithilfe von DNA- Beweismaterial gelöst werden. Die Analyse lieferten die HaysWorld 01/2011 | 23
    • Stuttgarter. Sie machten zusammen mit dem Bundes- seiner eigenen DNA überführt wurde, sondern aufgrundkriminalamt (BKA) und dem LKA Berlin die DNA-Analyse der eines Eichenblattes. Alle Indizien sprachen für denfür forensische Zwecke nutzbar. Seitdem trug die Methode Ehemann als Täter, doch die Beweise reichten nicht aus.zur Aufklärung von unzähligen Verbrechen bei. Bis das BKA fünf Jahre später ein Eichenblatt, das im Kofferraum des Verdächtigen sichergestellt wurde,Früher benötigten die Kriminaltechniker noch mit dem molekulargenetisch auswerten konnte. Dazu verglich dasbloßen Auge sichtbare Spuren zur Analyse. „Heute reicht BKA das Eichenblatt mit Blättern von mehr als 40 Eichenein Milliardstel Gramm DNA aus“, erklärt Haug. „Auch als am Leichenfundort. Mit Erfolg: Das Blatt stammte eindeutigdie DNA-Analyse noch nicht bekannt war, sicherte man von einem Baum direkt neben dem Fundort. Der EhemannBeweismittel wie zum Beispiel die Kleidung der Opfer. wurde 2006, acht Jahre nach der Tat, wegen TotschlagsMord verjährt ja nie. Solange die Akte offen ist, schauen verurteilt. Das war weltweit das erste Strafverfahren, beiwir systematisch, ob noch weitere Spuren auf den Beweis- dem eine DNA-Analyse an Pflanzen durchgeführt wurdemitteln vorhanden sind, die sich mit heutigen Methoden und diese entscheidend zur Lösung des Falls beitrug.untersuchen lassen.“ Sachgemäß gelagert, ist der genetischeFingerabdruck jahrzehntelang haltbar. Mittlerweile werdenviele Fälle Jahre nach der Tat aufgeklärt. Wie der Reiterhof- Mit Hightech-Waffen auf SpurensucheMordfall von Großbottwar bei Ludwigsburg. 1984 wurde eineZwölfjährige in einer Scheune vergewaltigt und erdrosselt. Das BKA verfügt als einzige Kriminalbehörde weltweit19 Jahre blieb der Täter unbekannt. Doch die Kriminal- über ein Rasterelektronenmikroskop mit eingebautembeamten von Ludwigsburg ließen nicht locker und schickten Ionenstrahl. Dieses eine Million Euro teure Supermikroskop2003 die Kleider des Mädchens zum LKA. Die Kriminal- kann Partikel hunderttausendfach vergrößern. Dabei tastettechniker fanden tatsächlich brauchbare DNA-Spuren, die das Gerät die Partikel nicht nur von außen ab, sein Ionen-von einem der früheren Verdächtigen stammten. 2005 strahl zerlegt sie, so dass die Wiesbadener Spezialisten daswurde der Mann zu lebenslanger Haft verurteilt. Innere von manipulierten Mikrochips in Wegfahrsperren oder Handys untersuchen können. Doch nicht nur die Labormethoden werden immer ausgeklügelter, auch dieEichenblatt überführt Mörder Spurensicherung rüstet kontinuierlich auf: So „frieren“ die Mitarbeiter des BKA Tatorte mithilfe einer vollsphärischenEine DNA-Analyse führte auch zur Aufklärung des Mordes 360-Grad-Panoramakamera oder eines 3-D-Laserscanning-an einer 30-jährigen Frau. Nur dass der Täter nicht aufgrund systems quasi ein. Der Scanner erfasst mit 500.000 Pixeln24 | HaysWorld 01/2011
    • pro Sekunde innerhalb kürzester Zeit das gesamte Umfeld auf einen Gelatine- oder Seifenblock. Dank der durchsich-im Radius von bis zu 79 Metern. Das Hightech-Gerät tigen Gelatine können sie das dynamische Verhalten deshält jedes noch so kleine Detail fest. Distanzen sowie Lage Geschosses im Körper mit einer Hochgeschwindigkeits-oder Größe von Objekten lassen sich jederzeit bestimmen. kamera filmen und fotografi eren. Sollen Aussagen überDie 3-D-Visualisierung des Tatortes ermöglicht verschiedene die Wundhöhle getroffen werden, ist die Seife gefragt.Auswertungen am Computer und erlaubt, Schusswinkel Die Ergebnisse vergleicht der Experte für Wundballistikoder mögliche Sichtfelder von Tätern realistisch nachzu- mit den magnetresonanz- und computertomografischenstellen. Gilt es, empfindliche Eindruckspuren, wie Fuß- oder Aufnahmen der Wunde und kann so eine Aussage überReifenabdrücke in Erde, festzuhalten, kommt der Streifen- Waffe und Munition treffen.lichtmesser zum Einsatz. Dieser Oberflächenscannererfasst die Spuren dreidimensional, ohne sie zu berühren – Zurück nach Wiesbaden und zu einer Spurensicherung,ein enormer Vorteil gegenüber dem Gipsabdruck, der die die bei all den Hightech-Verfahren fast schon antiquiertSpuren oft beschädigte. wirkt. Die Rede ist von der Analyse von Fingerabdrücken. Auch hier hat sich in den letzten Jahren einiges getan. In der Vergangenheit war es beispielsweise kaum möglich,Seife bringt Aufklärung daktyloskopische Spuren, so der Fachbegriff, auf mensch- licher Haut zu sichern. Von 2000 bis 2005 führte das BKARund 5.000 Hülsen und ebenso viele Geschosse lagern zusammen mit verschiedenen Polizeidienststellen und rechts-zurzeit in der Munitionssammlung des BKA. Fallen am Tat- medizinischen Instituten eine Versuchsreihe durch. Undort Schüsse, wird die Munition auf individuelle Merkmale tatsächlich gelang es, latente Fingerspuren auf Leichenhautuntersucht. So lässt sich feststellen, ob die Waffe bereits mit Ruß- oder Magnetpulver sichtbar zu machen. 20 Prozentbei früheren Straftaten benutzt wurde. Doch was, wenn der Fingerabdrücke waren zuordenbar. Seit August 2010weder Waffe, Hülse noch Munition am Tatort auffindbar werden die Methoden in einem EU-Projekt optimiert.sind? Ein Fall für das Institut für Rechtsmedizin der UniversitätBern. Hier führt Dr. Beat Kneubuehl, Leiter des Zentrums Auf die Frage, warum Täter überhaupt noch Finger-Forensische Physik/Ballistik, Versuche mit ballistischer abdrücke am Tatort hinterlassen, meint Haug: „Es lässtGelatine oder Seife durch, beides ideale Surrogate für die sich mit Handschuhen einfach nicht so gut arbeiten. AberWeichteile des menschlichen Körpers. Per Fernbedienung davon abgesehen, hinterlässt jeder Mensch allein durchschießen Kneubuehl und sein Team mit unterschiedlichen den Hautabrieb ständig mikroskopisch kleine Partikel.“Waffen aus verschiedenen Winkeln und Entfernungen Und die entdecken die Kriminaltechniker sowieso. HaysWorld 01/2011 | 25
    • DIE ENTDECKUNG DES SELBST Wir kommen auf die Welt und nach wenigen Wochen entdecken wir unser Selbst: Ich bin wer. Aber wer? Als Jugendliche suchen wir eine Antwort auf diese Frage und entwerfen ein Selbstkonzept, das mehr oder weniger Bestand hat. Sind wir erwachsen, kurbeln wir Schutzprozesse an, damit unser Selbstbildnis nicht erschüttert wird. Oder wir ändern unser Leben und werden unserem eigentlichen Selbst damit vielleicht gerechter.26 | HaysWorld 01/2011
    • Von Britta NonnastVon Britta NonnastDer klassische Meilenstein in der Entdeckung des „Me“ bereits entdeckt haben, bemerken den FleckSelbst wird gegen Ende des zweiten Lebensjahres im eigenen Gesicht und versuchen ihn wegzuwischen.gesetzt. „In dieser Phase entsteht ein Verständnis Sie identifizieren sich also mit ihrem Spiegelbild. „Diesedes Selbst als Objekt, als ,Me‘“, erklärt Prof. Dr. Birgit Kinder sind in der Lage, sich selbst zum Objekt derElsner, Professorin für Entwicklungspsychologie an Betrachtung zu machen. Das ist die Grundlage für dieder Universität Potsdam. Fähigkeit, über sich selbst nachzudenken“, erklärt Elsner.Der Spiegeltest Die Entdeckung des „Selbst“ ist wesentlichDieser Meilenstein in der Suche nach dem Selbst wird „Die Entdeckung des ,Me‘ ist Voraussetzung für einein der Forschung mit dem so genannten Spiegeltest gesunde Persönlichkeitsentwicklung. Eine gesundefestgemacht. Ein Kind wird vor einen Spiegel gesetzt, Selbstwahrnehmung ist Grundvoraussetzung, um immit einem farbigen Punkt auf der Nase. Kinder, die ihr Jugend- und Erwachsenenalter ein stabiles Selbstkonzept HaysWorld 01/2011 27
    • Prof. Dr. Birgit Elsner Uwe PettenbergEntwicklungspsychologin Psychotherapeutischeran der Universität Potsdam Heilpraktiker und Coachund eine stabile Identität aufzubauen, sowie die Grundlage zurückgeworfen. Es muss aber nicht immer eine Krisen-für das soziale Zusammenleben und das soziale Verständnis situation sein, eine neue berufliche Herausforderung zumeines Menschen“, erklärt die Professorin. Beispiel kann Ähnliches bewirken“, so Professorin Elsner.Neuentdeckung des Selbst Von Yoga bis MarathonSelbstkonzepte sollen möglichst stabil sein, doch als Auf der Suche nach sich selbst gibt es zahlreiche Weg-moderner Mensch hat man es mit sich ständig verändern- weiser zur Unterstützung: Heilfasten, Yoga, Meditation,den Rahmenbedingungen zu tun. Die Psychologie empfiehlt spirituelle Reisen, Ausdruckstanz oder die 42 Kilometerheute, die Identität nicht in Stein zu meißeln, da sich sowohl Selbsterfahrung eines Marathons und viele Angebote mehr.Arbeits- als auch Beziehungswelt sehr schnell verändern. Uwe Pettenberg, ehemals Betriebswirt und Inhaber einer„Wer flexibel reagieren kann, hat einen Vorteil“, fasst Elnser großen Werbeagentur, hat sein Leben nach einer privatenzusammen. Das Umfeld, die Bedingungen und das eigene Krise komplett umgekrempelt. Heute ist er psychotherapeu-Selbst verändern sich fortlaufend. „Entwicklungspsychologen tischer Heilpraktiker und seit zehn Jahren als Coach tätig.sprechen davon, dass wir uns ein Leben lang entwickeln, Er setzt einen sozialsystemischen Ansatz bei der Suchevon der Wiege bis zur Bahre. Dabei ist die Entwicklung ein- nach dem Selbst seiner Klienten an. „Die Entwicklung einesgebettet in verschiedene Kontexte, wie Arbeitsplatz, Familie Menschen ist immer sozialsystemisch zu betrachten. Erfolge,und die eigenen Ressourcen wie Gesundheit und persönliche Krisen, auch Krankheiten entstehen im Miteinander. WirKompetenzen“, sagt Prof. Dr. Martin Pinquart, Entwicklungs- orientieren uns an anderen. Manche Menschen wissen nichtpsychologe an der Universität Marburg. Entwicklung bein- mehr, wer sie sind, da sie sich zu stark anderen angepassthaltet laut Psychologie aber nicht nur den Schritt auf eine haben, oder sind überperfekt, da sie als Kind nur dafürhöhere Entwicklungsebene, sondern auch einen Abbau und gelobt wurden, wenn sie Leistung erbracht haben.“ Auf derVerlust. Das impliziert auch, dass es kein Leben ohne Krisen Suche nach dem Selbst stellt sich für Pettenberg immer diegibt. Der Tod eines Angehörigen, Scheidung, Arbeitslosig- Kernfrage: „Wem fühle ich mich verbunden oder verpflichtet?keit und Krankheit sind Einschnitte, vor denen niemand Kann ich die Verbundenheit für mich wandeln?“geschützt ist. Mut zur VeränderungDie Suche nach dem Selbst als Erwachsener Pettenberg kennt die Suche nach dem Selbst aus seinemKleinere Misserfolge und Krisen werden von gesunden Berufsalltag: „Typischerweise taucht die Frage nach demMenschen in der Regel verarbeitet und erschüttern das Selbst in der zweiten Lebenshälfte auf.“ Auch Menschen, dieSelbst nicht nachhaltig. „Prozesse des Selbstwertschutzes beruflich sehr erfolgreich sind, können ins Schwanken oderbewirken, dass wir viele Misserfolge wegstecken können. Grübeln geraten. Gerade dann ist der Druck oft sehr groß:Diese Prozesse können auch unbewusst ablaufen“, sagt „Es gibt Top-Führungskräfte, die beruflich sehr erfolgreichProf. Dr. Martin Pinquart. „Vor allem im höheren Erwachsenen- sind, aber im Privaten kein Land sehen.“ Pettenberg erinnertalter nehmen Selbstkonzeptschutzprozesse einen höheren sich an einen Klienten mit Burnout-Syndrom: „Der MannStellenwert ein als in der Jugend, da Menschen mehr mit arbeitete seit 25 Jahren erfolgreich in einer Bank, obwohlEinschränkungen und Verlusten konfrontiert werden“, er keine Zahlen mochte. Und das nur, weil ihm die Bank zurso der Marburger Professor. Ersatzfamilie geworden war.“ Eine ehrliche Erkenntnis über das eigene Selbst ist die eine Sache, Mut zur VeränderungLassen sich die Probleme nicht mehr mit Schutzprozessen die andere. Man solle niemals voreilig sein, warnt Pettenberg:unter den Teppich kehren, beginnt die eigentliche Suche „Mut zur Veränderung heißt nicht, das totale Risiko einzu-nach dem Selbst aufs Neue. „Wenn man in eine Krisen- gehen. Ein Umstieg, eine Veränderung muss strategischsituation gerät, in der einfach nichts mehr geht, werden geplant werden, denn Selbstverwirklichung ist Selbstver-auch Erwachsene wieder in die Phase der Identitätssuche antwortung.“28 | HaysWorld 01/2011
    • Harvard-Astronomin Lisa Kaltenegger vom Heidelberger Max-Planck-Institut für Astronomie (MPIA).DIE ENTDECKUNGDES WELTRAUMSGibt es außerirdisches Leben? Seit derErkenntnis, dass die Erde nur Teil einesPlanetensystems ist, zählt diese Frage zuden spannendsten der Menschheit. Seit mehrals 500 Jahren beobachten Wissenschaftlermittlerweile das Weltall. Noch nie konntendabei so viele bedeutende Entdeckungengemacht werden wie in den vergangenenzwei Jahren.Von Jan GelbachSchon die großen Philosophen machten sich Gedankenüber extraterrestrische Lebensformen. Der Italiener GiordanoBruno beispielsweise vertrat bereits im 16. Jahrhundert dieAnsicht, dass das Weltall unendlich sein müsse und es auchauf anderen Planeten Lebewesen gebe. Diese Einschätzungbrachte ihn allerdings auf den Scheiterhaufen. Doch mitzunehmender Verbreitung der Evolutionstheorie gewannseine These immer mehr Fürsprecher. Ein erster Durchbruchgelang den Forschern, als sie schließlich beweisen konnten,dass unsere Sonne nur ein Stern unter Milliarden ist. HaysWorld 01/2011 | 29
    • Unser Blick ins Universum wird immer genauer: Diese spektakuläre Aufnahme zeigt den so genannten Ringnebel im Sternbild Leier(Messier-Katalognummer 57) in nie gekannter Detailschärfe.Im Idealfall felsartig und klimatisch moderat auf den Planeten aus, sondern auch der Planet auf den Stern. Dadurch wird das System an Ort und Stelle gehalten,In den vergangenen zwei Jahren wurden doppelt so viele der Stern „wobbelt“ auf einer winzigen Umlaufbahn. OhnePlaneten entdeckt wie in den 500 Jahren zuvor. „Wir kom- „Gegenspieler“ bewegt sich ein Stern hingegen nur in einemen langsam an den Punkt, an dem beantwortet werden Richtung.kann, ob es einen anderen Planeten gibt, der unserer Erdeähnelt. Sozusagen weg von der Science-Fiction hin zu den Die neuere Methode, mit der Kepler nach Planeten forscht,Fakten“, erklärt die Harvard-Astronomin Lisa Kaltenegger. ist das Transit-Verfahren. Schiebt sich ein Planet zwischenAm Heidelberger Max-Planck-Institut für Astronomie (MPIA) Beobachter und Stern, entsteht eine Art Sonnenfinsternis.berechnet sie die klimatischen Verhältnisse von extrasolaren Der Stern wird partiell dunkler. „Ist dies in drei aufeinanderPlaneten. Diese so genannten Exoplaneten sind nicht Teil folgenden Umläufen zu beobachten, handelt es sich mitunseres Sonnensystems, sondern umkreisen den Stern eines großer Wahrscheinlichkeit um einen neuen Planeten. Aller-anderen Planetensystems. „Abhängig von dessen Leucht- dings funktioniert diese Methode nur, wenn Teleskop, Sternkraft und Größe lässt sich eine ‚habitable Zone‘ errechnen, und Planet auf einer Ebene liegen. Planeten, die zu starkin der auf felsartigen Planeten theoretisch Leben möglich von dieser Ebene abweichen, können nicht erfasst werden“,sein könnte“, erklärt Kaltenegger. Sind die Temperaturen erläutert Kaltenegger. Im Wahrnehmungsschatten desmoderat genug, damit Wasser in flüssigem Zustand vor- Kepler-Teleskops könnten sich also noch weit mehr Planetenkommt, ist nach Ansicht der Forscher die Grundvoraus- befinden.setzung für Leben gegeben. Die Wahrheit steht in den SternenAuf der Suche nach neuen Welten Die jüngste Entdeckung des Teleskops ist zugleich dieDas seit zwei Jahren von der NASA betriebene Weltraum- spektakulärste. Im Februar 2011 wurde ein rund 2.000teleskop Kepler entdeckte bislang mehr als 1.200 neue Lichtjahre von der Erde entferntes System mit sechs Transit-Planetenkandidaten, von denen 54 in der habitablen Zone Planeten entdeckt, die sich auf einer Ebene bewegen.liegen, darunter auch einige kleine Planeten, die erdähnlich Damit gleicht das System mit dem Namen Kepler-11 unse-sein könnten. „Wir sind begeistert von der unfassbaren rem Sonnensystem. „Bisher konnten wir trotz der VielzahlMenge an Planeten, denn Kepler kann nur etwa 1/400 des an Planetenfunden nicht beweisen, dass es eine solcheHimmels erfassen. Es sind zwar noch längst nicht alle Kepler- Konstellation wie in unserem Sonnensystem noch einmalPlaneten bestätigt, aber die Quote müsste bei 80 Prozent gibt, obwohl es zu vermuten war. Kepler hat nicht nur denliegen“, betont Kaltenegger. Damit ein Exoplanet als „con- Beweis erbracht, sondern auch gezeigt, welch unglaublichefirmed“ gilt, müssen ihn mehrere Forschungseinrichtungen Masse an Planeten es geben muss. Basierend auf diesenfinden können oder er muss mit zwei unterschiedlichen ersten Ergebnissen muss die Wahrscheinlichkeit, dass sichMethoden nachweisbar sein. Den ersten Exoplaneten, der darunter erdähnliche befinden, recht hoch sein. Da wireinen Stern ähnlich unserer Sonne umkreist, entdeckten 1995 wissen, dass selbst unter widrigsten Umständen auf unsererdie Schweizer Michel Mayor und Didier Queloz durch die Erde Leben existieren kann, liegt es statistisch betrachtetWobble-Methode mithilfe eines hochauflösenden Spektro- nah, dass irgendwo da draußen intelligentes Leben ist“,grafen. Bei dieser Methode werden die Absorptionslinien resümiert Kaltenegger. Für das Jahr 2020 plant die NASAeines Sternes beobachtet, die sich je nach Bewegung des bereits die nächste große Mission. Sollte es eine Exoplaneten-Planeten verschieben. Blaue Linien zeigen an, dass sich Mission werden, dürfen wir spätestens 2030 mit nochder Stern auf die Erde zubewegt, verändern sich die Linien spektakuläreren Entdeckungen rechnen. „Das Kepler-Projektnach Rot, entfernt er sich von ihr. liefert uns statistische Ergebnisse, anhand derer ein ent- sprechend leistungsfähiges Teleskop gebaut werden kann,Lässt sich beides beobachten, kann angenommen werden, das verhältnismäßig nahe gelegene Sterne und Planetendass sich ein Planet auf einer Umlaufbahn um den Stern auffindbar macht“, erklärt Kaltenegger. Denn die nächstebewegt. Denn nicht nur der Stern übt eine Anziehungskraft Erde ist vielleicht gar nicht so weit weg.30 | HaysWorld 01/2011
    • W NEWS UND TERMINE Organisations- und Arbeitsstrukturen So prognostiziert der Bericht die dramatischen Verschie- in Bewegung bungen von Arbeitskräften, Macht und Wohlstand auf der ganzen Welt in den kommenden 20 Jahren. Die Zahl der Deutsche Unternehmen haben ihre Arbeits- und Organisa- Erwerbsfähigen soll in diesem Zeitraum um über eine Milli- tionsstrukturen bereits in hohem Maße flexibilisiert und dies arde Menschen ansteigen. Das Wachstum findet jedoch nur weitgehend abgeschlossen. Nun geht es darum, die einzel- in den Entwicklungsländern statt. Die Erwerbsfähigen in nen Flexibilisierungsmaßnahmen zu optimieren. Dies sind der entwickelten Welt werden hingegen weniger und älter. die Kernergebnisse einer Studie des Instituts für Beschäfti- gung und Employability (IBE) der Hochschule Ludwigs- Regierungen und Industrie müssen sich auf den Umgang hafen und der Hays AG. Befragt wurden 451 Führungskräfte mit diesem Ungleichgewicht vorbereiten – einerseits, um das aus Unternehmen und Organisationen. In den Betrieben wirtschaftliche Potenzial dieser größeren Zahl von Erwerbs- sind variable Arbeitsbeziehungen fast flächendeckend fähigen zu nutzen, andererseits, um Qualifikationen heran- etabliert. So nutzen mehr als 90 Prozent der befragten zubilden, die sonst in vielen Bereichen knapp würden. Unternehmen befristete Arbeitsverträge. Die große Mehr- Entwicklungsmärkte werden eine Periode mit rascher heit der Unternehmen setzt außerdem Freelancer (86 Pro- Industrialisierung und schnellem Infrastrukturausbau erleben, zent) und Zeitarbeiter ein (70 Prozent), um schnell auf wozu qualifizierte, erfahrene Arbeitnehmer benötigt werden, veränderte Märkte zu reagieren. die auf heimischen Märkten nicht in ausreichender Zahl Weitere Informationen unter www.hays.de/studien verfügbar sind. Entwickelte Märkte hingegen werden Wege finden müssen, ihren Wettbewerbsvorteil in Schlüsselindus- trien aufrechtzuerhalten, indem sie in die in der Zukunft Perspektive 2025: Fachkräfte für Deutschland benötigten Qualifikationen investieren, auch wenn dies vor dem Hintergrund eines kleineren und älteren Arbeitnehmer- Der deutsche Arbeitsmarkt ist im Umbruch: Während pools geschieht. die vergangenen Jahrzehnte von Strukturwandel und Der komplette Bericht steht unter: hohen Arbeitslosenquoten geprägt waren, erlebt die http://haysoxfordeconomics.clikpages.co.uk/ Nachfrage nach Arbeitskräften derzeit einen regelrechten globalreport2011/ zum Download bereit. Boom. In einigen Branchen und Regionen werden bereits heute die Fachkräfte knapp. Dies ist keineswegs nur ein Strohfeuer. Denn auf Grund der demografischen Entwick- lung wird das Erwerbspersonenpotenzial bis zum Jahr LERNEN SIE HAYS BEI FOLGENDEN 2025 um rund 6,5 Millionen Personen sinken – und damit VERANSTALTUNGEN PERSÖNLICH KENNEN auch das Angebot an qualifizierten Fachkräften. Wenn nicht aktiv gegengesteuert wird, fehlt es in Zukunft also deutlich an jenen Fachkräften, die ein Motor für Wachs- 19.–20. Mai 2011 tum und Wohlstand sind. Doch Deutschland hat alle ReWeCo Chancen, dieser Entwicklung entgegenzuwirken und Führende deutsche Kongressmesse für den Bereich den Wandel aktiv zu gestalten. Allerdings erfordert Rechnungswesen und Controlling dies einen breiten Ansatz, der viele Hebel nutzt, Denk- RAMADA Hotel, Berlin gewohnheiten aufbricht und Positionen hinterfragt – dieser Herausforderung stellt sich die Bundesagentur 28. Juni 2011 für Arbeit: Mit der Publikation „Perspektive 2025 – VDI nachrichten Recruiting Tag Fachkräfte für Deutschland“ will sie die Debatte auf Karrieremesse für Ingenieure einer soliden Faktenbasis führen. Forum am Schlosspark, Ludwigsburg Weitere Informationen unter www.arbeitsagentur.de 13. September 2011 VDI nachrichten Recruiting Tag Bericht „Creating Jobs in a Global Economy“ Karrieremesse für Ingenieure Kongresshaus, Zürich Gemeinsam mit dem Unternehmen für Wirtschaftspro- gnostik Oxford Economics hat der Personaldienstleister 20.–22. September 2011 Hays plc. den Bericht „Creating Jobs in a Global Economy“ Zukunft Personal erarbeitet. Er verdeutlicht die Herausforderungen, denen Europas größte Fachmesse für Personalmanagement Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Regierungen weltweit Koelnmesse, Köln gegenüberstehen. HaysWorld 01/2011 | 31
    • Hays Hays (Schweiz) AG Hays Österreich GmbHWilly-Brandt-Platz 1–3 Nüschelerstrasse 32 Personnel Services68161 Mannheim 8001 Zürich Marc-Aurel-Straße 4T: +49 (0)621 1788-0 T: +41 (0)44 225 50 00 1010 WienF: +49 (0)621 1788 1299 F: +41 (0)44 225 52 99 T: +43 (0) 1 5353 443-0info@hays.de info@hays.ch F: +43 (0) 1 5353 443 299www.hays.de www.hays.ch info@hays.at www.hays.atUnsere Niederlassungen Unsere Niederlassungenfinden Sie unter finden Sie unterwww.hays.de/standorte www.hays.ch/standorteDie Marke HAYS und das H-Symbol sind eingetrageneWarenzeichen von Hays. © HAYS 2011