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    Iphone siri-apple Iphone siri-apple Document Transcript

    • MOBILAPPLESiri könnte die mobile Welt verändernDie iPhone-Software Siri ist revolutionär, findet FelixSchwenzel. Denn die Sprachsteuerung von Apple machtbeliebige Datenquellen intuitiv und unkompliziert nutzbar.VON Felix Schwenzel | 04. November 2011 - 11:14 Uhr © Kevork Djansezian/Getty ImagesApple stellt bei seiner Produktshow die Sprachsoftware Siri vorSeit 1984 haben sich die Schnittstellen, mit denen wir Computer bedienen, nicht mehrverändert: Tastatur, Maus oder Trackpad erledigen die Eingabe; Daten werden inverschiebbaren und in der Größe veränderbaren Fenstern dargestellt und in hierarchischenDateisystemen gespeichert, die "Dokumente" verwalten.Zwar gibt es seit Jahren unter anderem die Möglichkeit, Computer mit einem Stiftzu steuern oder auch mit der eigenen Stimme. So versteht Windows 7 seinen Nutzervergleichsweise problemlos und kann komplett per Wort dirigiert werden. Durchgesetztaber hat sich diese Technik bislang nicht so richtig. Denn der Nutzer muss zuvor wieeben bei Windows die korrekten Kommandos lernen und beispielsweise Dinge sagen wie:"Bildlauf nach oben" oder "auf Papierkorb doppelklicken". Das ist nicht viel anders, als mitder Maus auf das Symbol zu drücken.Anders die Software Siri, die nun auf dem aktuellen iPhone läuft. Sie scheint unstatsächlich zu verstehen. Überhaupt hat Apple mit der Einführung des iPhones und desiPads grundlegend verändert, wie wir mit einem Computer interagieren. Nicht, dass derKonzern den berührungsempfindlichen Bildschirm oder die Sprachsteuerung erfundenhätte. Aber dank der Neuerungen nehmen wir die meisten Geräte gar nicht mehr alsComputer wahr. 1
    • MOBIL © Felix SchwenzelEin typischer Dialog mit Siri.Zwei Beispiele: Mit dem iPhone aufgenommene Fotos müssen nicht aktiv irgendwogespeichert oder benannt werden. Sie landen von selbst in einer App, die "Fotos" heißt undlassen sich mit zwei Handgriffen per E-Mail verschicken oder zu Facebook schieben. KeineDatei muss gesucht, hochgeladen und angehängt werden, das erledigt das System vonselbst. Auch Notizen können einfach in eine App namens "Notizen" geschrieben werden.App öffnen, schreiben, schließen. Das Speichern erledigt das System.Geringe Kompexität 2
    • MOBILDer Trick ist die Vereinfachung der Oberfläche. Das Prinzip ist mittlerweile zu einemStandard der Computerindustrie geworden und das nicht nur bei mobilen Geräten. So wirddie kommende Windowsversion viele dieser Konzepte anbieten: geringe Komplexität,intuitive Gestensteuerung, vereinfachtes und berührungsfreundliches Design.Apple allerdings scheint schon wieder einen Schritt weiter zu sein. Nachdem dasUnternehmen die Gestensteuerung eingeführt und damit eine ganze Industrie inspiriert hat,nimmt es sich nun die Sprache vor. Die Technologie, mit der sich das neue iPhone verbalund wenn man möchte auch ohne Augenkontakt steuern lässt, heißt Siri. Apple hat sie vonSiri Inc. gekauft, einer Firma, die das Konzept seit dem Jahr 2007 entwickelt hat .Sprachsteuerung ist nichts Neues. Eine Spracherkennung aber, die erstens funktioniert undzweitens das Gesagte interpretiert und zumindest ansatzweise die Intention erkennt ist, istdurchaus eine Neuerung. Anders als bei einer klassischen Handy-Sprachsteuerung kannman Siri beispielsweise in umgangssprachlichem Ton sagen, es solle die Schwester auf derArbeit anrufen. ("Ruf meine Schwester auffa Arbeit an", funktioniert tatsächlich.)Siri fragt und lerntKennt Siri die Schwester nicht, fragt es nach, wer die Schwester sei und merkt sichdie Information fortan. Sind Privat-, Handy- und Arbeitstelefonnummern sorgfältig imAdressbuch gepflegt, fragt Siri nicht mehr nach. Das Programm erfasst den Kontext undwählt die richtige Nummer.In Deutschland kann Siri auf diese Weise SMS-Nachrichten oder E-Mails verschickenoder vorlesen, Termine, Weckzeiten und Erinnerungen einrichten oder ändern, Fragenzum Wetter oder zum Sonnenauf- und -untergang beantworten, Aktienkurse anzeigen oderMusik abspielen.Auf technischer Ebene laufen bei der Kommunikation mit Siri vier Prozesse ab. Dererste ist die eigentliche Spracherkennung, die Apple von der Firma Nuance lizensierthat. Nuance hat Erfahrung in dem Gebiet und bietet beispielsweise auch dasbekannte Diktierprogramm Dragon Dictate an.Diese Spracherkennung funktioniert mit deutschen Sätzen gut und in der Regel fastfehlerfrei. Kommen allerdings Fremdwörter oder englischsprachige Namen im Adressbuchoder in der Musiksammlung vor, muss die Software meist passen. Auf die Ansage "spieleAmy Winehouse", sagt Siri, dass sie "Amy Weinhaus" leider nicht finden könne. Wennman die Namen amerikanischer Interpreten deutsch ausspricht, trifft Siri manchmal denRichtigen. Natürlich kann, wer die Geduld aufbringt, dem System Neues beibringen.Dann versteht es im Zweifel immer noch "Amy Weinhaus", weiß aber, dass es AmyWinehouse abspielen soll.Der zweite Schritt, die Intentionserkennung, ist das wohl größte Problem derSprachsteuerung – und funktioniert hier sensationell gut. Das Praktische, aber gleichzeitig 3
    • MOBILauch leicht Erschreckende ist, dass Siri alle möglichen Kontext-Informationen verarbeitet,die das iPhone liefert. Gleichzeitig lernt das System aus den Handlungen seines Nutzers.Mit anderen Worten, Siri weiß alles über einen. Siri weiß, wo man sich in Zeit und Raumbefindet, in welchen Verwandtschaftsverhältnissen man lebt, welche Vorlieben man hat.Siri läuft dabei nicht etwa auf dem iPhone, sondern auf den Servern von Apple. OhneInternetverbindung funktioniert die Spracherkennung nicht. Und werden die eigenenVorlieben, beispielsweise die Musikbibliothek und eben die Verwandtschaftsverhältnissenicht auf Apple-Servern gespeichert, kann das Programm auch nicht erahnen, was dieWorte bedeuten sollen.Noch gibt es zu wenig DatenquellenDer dritte Schritt ist die Auswahl der besten Antwortmöglichkeit. Dabei ist das iPhone4S eher nicht so gut. Denn die Datenquellen, die Siri zur Verfügung stehen, sindüberschaubar. Die Firma Siri Inc. hatte vor dem Kauf durch Apple eine Version imApp-Store veröffentlicht , die viel mehr Schnittstellen und Einsatzzwecke bot. Etwa dieMöglichkeit, einen Tisch im Restaurant über den Webservice Open Table zu reservierenoder Tickets über Ticket Master oder über MovieTickets zu bestellen.In der Nutzung solcher strukturierter Datenquellen steckt das eigentliche Potenzial von Siri.Alle Dienste, die über eine Programmierschnittstelle (API) verfügen, können so angezapftwerden, ob sie nun Daten aus dem Web bereitstellen oder Inhalte, die in Form einer Appauf dem Gerät liegen. Die Macher nannten Siri in ihrem Marketingsprech deshalb auch eine"Tumaschine" ( do engine ), im Gegensatz zu einer Suchmaschine ( search engine ). 4
    • MOBIL © Felix SchwenzelAntwort Siris auf eine vergebliche Suchanfrage.Eine Suchmaschine ist Siri gleichwohl, werden in einem vierten Schritt doch diegefundenen Ergebnisse nach den persönlichen Präferenzen des Nutzers gefiltert, sortiertund möglichst hübsch präsentiert.Siri ist damit bereits jetzt, trotz seiner eingeschränkten Fähigkeiten, faszinierend. Solltedas Unternehmen die Siri-Schnittstellen für Drittentwickler öffnen, könnte um die Sprach-und Intentionserkennung von Siri gar ein ganzes Ökosystem entstehen.So etwas hat der Konzern schon einmal getan und damit großen Erfolg gehabt. DankVeröffentlichung der iOS-Entwicklungsumgebung kann Jedermann Programme für 5
    • MOBILiPhone oder iPad schreiben. Wodurch die Zahl der Apps rasch wuchs und damit auchdie Einsatzmöglichkeiten der sie nutzenden Geräte. Auch das ein Modell, das längst andereUnternehmen übernommen und ausgebaut haben.Mit Siri nun hat der Konzern ein weiteres Mal die Bedienung eines komplexen Systemsradikal vereinfacht. Denn nicht die gut funktionierende Spracherkennung ist die wahreInnovation Siris, sondern die Möglichkeit, komplexe Datenquellen zu nutzen.Ob Siri wirklich das nächste große Ding wird, wie die Entwickler im Interview mitRobert Scoble sagten, muss sich erst noch zeigen. Das Potenzial dazu hat das Programmzumindest.COPYRIGHT: ZEIT ONLINEADRESSE: http://www.zeit.de/digital/mobil/2011-11/iphone-siri-apple 6