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105369360 paracelsus-1-2005 105369360 paracelsus-1-2005 Document Transcript

  • Paracelsus Health & Healing 1/III P A R A C E L S U S Health & Healing Paracelsus – Die sieben Metalle: Aurum Homöopathie: Calcium carbonicum Das ethische „Gesetz in mir“ Vom Wesen der Biologischen Medizin Von der Viersäftelehre zur modernen Naturheilkunde www.paracelsus-center.ch Heft Nr.1/III · November 2005
  • Anzeige Benny-Energiebär das energetisierte Kuscheltier harmonisiert und beruhigt Kinder und Erwachsene per „Information“ Kinotakara Entschlackungspflaster Entschlacken im Schlaf: einfach unter die Füße kleben allesgesunde-Versand Ulrike Wiedemann Otto-Raupp-Str. 5 D-79312 Emmendingen Tel. +49-7641-935698 · Fax. -935699 e-mail: info@allesgesunde.de Shop: www.allesgesunde.de Weitere Infos: www.aurum-potabile.com www.edelstein-essenzen.de Aurum Potabile……das legendäre Trinkgold der Alchemisten und weitere Lebenselixiere des Paracelsus Als Urtinktur oder Anwendungsverdünnung - die 7 Metall-Essenzen aus den 7 Planeten-Metallen u.a. Silber, Kupfer, Eisen, Zink - die 9 Edelstein-Essenzen aus den 9 Haupt-Heilsteinen des Ayurveda und der Alchemie u.a. Diamant, Rubin, Smaragd - alchemistische Notfall-Tropfen das „Edelstein-Rescue“ und das „Metall-Rescue Electrum“ Bücher - Schätze der Alchemie: EDELSTEIN-ESSENZEN - Schätze der Alchemie: METALL-ESSENZEN
  • Paracelsus Health & Healing 1/III Editorial .............................................. 3 Paracelsus – Die sieben Metalle: Aurum II............................. 4 Heil-Rezepte...................................... 8 Der „Magnet der Weisen“.............. 12 Homöopathie: Calcium carbonicum....................... 17 Ayurvedische Prinzipien VII........... 20 Okkultes Heilen IV ........................... 22 Heilen im Neuen Zeitalter.............................................. 24 Medizin und Tao im traditionellen China I................................................. 26 Quantenphysik und Bewusstsein II................................... 30 Bioresonanz: Therapie mit Zukunft VI................. 34 Das ethische „Gesetz in mir“........ 38 Vom Wesen der Biologischen Medizin III.......................................... 40 Von der Viersäftelehre zur modernen Naturheilkunde ............ 45 „So sollt ihr leben” VII.................... 49 Impressum.......................................... 51 3 Editorial Seit ältester Zeit gibt es im Himalaya eine einfache Lebensweise, um die Ge- sundheit zu erhalten. Sie umfasst - eine kurze Atemübung (Pranayama) am Morgen, nicht länger als 5 Minu- ten, - den Verzehr von Gemüsen, Früchten, Milch und Getreide, - geeignetes Schuhwerk für draußen, - eine positive Einstellung im Denken, um die Tagesereignisse anzunehmen. Fleisch, Alkohol und Rauschgift gelten als Feinde der Gesundheit. Bis heute fol- gen viele Menschen in den entlegenen Himalaya-Tälern diesem diätetischen System. Jene einfachen Bergbewohner haben eine viel bessere Gesundheit als die Stadtbewohner überall auf dem Pla- neten. Man vermeidet es, Spargel, Sellerie und Knoblauch zu essen. Diese Gemüse gel- ten als Medikamente, und sie werden bei gesundheitlichen Störungen gege- ben. Zum täglichen Leben gehört auch, sich in der Sonne aufzuhalten, in Flüs- sen zu baden, Wasser zu trinken und um Feuerstellen zu sitzen. Dadurch erhält man eine bessere psychische Energie. Dies alles gehört zum Allgemeinwis- sen der Menschen in jenen Tälern. In der Natur mit ihrer Pflanzenwelt unter- scheiden sie Spender, Erhalter, Wieder- hersteller und sogar Zerstörer des Le- bens. Je nachdem, was gerade benötigt wird, nutzen sie die Naturprodukte für alle vier Richtungen. Durch die Erhöhung des Mineralgehalts im Erdboden kann man die Aktivität der pflanzlichen Substanz ganz einfach verstärken. Jene Bergbewohner kennen die entsprechende Technik und kultivie- ren den Boden auf diese Weise. In diesen Tälern gibt es viel Wissen über Gesundheit und Heilung, das für die wis- senschaftliche Forschung und für einfa- che Heilungstechniken von Nutzen ist. Manchmal müssen wir einfacher sein, um Lösungen für komplizierte Heilun- gen zu finden. Bessere Gesundheit geht häufig mit einer einfachen und natür- lichen Lebensweise einher. Möge das Wissenschaftszeitalter die Menschheit zur Einfachheit führen. Dr. K. Parvathi Kumar I n h a l t
  • Paracelsus Health & Healing 1/III 1. Aurum (Teil 2) Gold als Heilmittel Für Paracelsus war Gold ein Universal- heilmittel, von den Alchemisten auch Panacea genannt, was aus dem Grie- chischen abgeleitet wurde: „Unter allen Elixieren ist das Gold das höchste und das wichtigste für uns. Das Gold kann den Körper unzerbrechlich erhalten. Trinkbares Gold heilt alle Krankheiten, es erneuert und stellt wieder her.“ Gold wird heute eingesetzt bei: Herz- Kreislaufkrankheiten, Herzkrämpfen, psychosomatischen Herzbeschwerden, Blutdruckschwankungen, Depressionen, Angstzuständen, Anregung der Vitali- tät und Verbesserung der Lebensfreude, Rheuma, Gicht, Sklerosen, zu schnel- lem Alterungsprozess und bei Autoim- munkrankheiten. Paracelsus hat Gold bei folgenden schweren Krankheiten erfolgreich eingesetzt: Kontrakturen und Lähmungen Paracelsus schreibt, dass die Kontraktu- ren (Verkürzung bestimmter Muskeln) und Lähmungen am häufigsten durch Verletzungen zustande kommen. „Diese Kontraktur kommt durch äußere Zufälle zustande, wie durch Hauen oder Fallen.“ (II, 80) Dadurch kann es zu Lähmungen kom- men: „Erstens durch eine Verstopfung im Fleisch, so dass keine Nahrungssäf- te durchgehen können, davon entstehen gelähmte und schwindende Glieder, wie wir es noch bei der Schwindsucht be- richten werden.“ (II, 80) Weitere Ursachen für Kontrakturen sind Ablagerungen von Grieß, Stein, aber auch von Wein, Zorn oder Koliken. Durch Grieß und Stein tritt die Läh- mung „nur unterhalb des Gürtels mit vielen Schmerzen und Wehetagen auf. Zuletzt sind die Kranken, bevor sie ster- ben, unempfindlich, sehr krumm und lahm und liegen, ohne sich bewegen zu können. Manchmal ist die Lähmung unsichtbar nur im Bauch mit Grimmen, dabei kommt es zur Lähmung der Där- me …“ (II, 81) Die Ursache liegt darin, dass Grieß oder Sand die Lebenskraft und den Lebenssaft verletzt in dem Sin- ne, dass das Gewebe nicht mehr mit Nährstoffen und Lebensenergie ver- sorgt werden kann. Liegt die Schwäche und Schädigung in den Armen und Beinen, kann es zu Schwindsucht führen. „Durch viel essig- ähnliche Säure der Galle kommt es zum ZitternindenGliedern,anmancherStel- le mehr als an einer anderen, manchmal mit zusammengezogenen Gliedern, weil es die Natur der Säure der Galle ist, zu- sammenzuziehen …“ Auch Zorn oder Neid können zu Krüm- mungen und Lähmungen im ganzen Körper führen. „Keine Kontraktur ist är- ger. Sie ist eine Entzündung des ganzen Körpers und ist in allen inwendigen und auswendigen Gliedern verteilt.“ (II, 85) Die Kontrakturen, die durch den Wein entstehen, sind am schwersten zu be- handeln. „Sie kommen zustande, weil der Wein einen feinen, scharfen Geist 4 Sabine Mrosek Paracelsus – Die sieben Metalle Sabine Mrosek ist Naturheilprakti- kerin und klassische Homöopathin. Sie führt seit 20 Jahren eine Praxis in Luzern, Schweiz.
  • Paracelsus Health & Healing 1/III enthält. Wenn der Wein getrunken wird, vereinigt sich dieser Weingeist mit dem Lebenssaft, … weil er vom Lebenssaft als Nahrung und wegen der Ähnlichkeit an- gezogen wird … Wenn der Wein im Le- benssaft wohnt, bringt er denselben mit der Zeit zum Austrocknen. Je mehr Wein getrunken wird, desto mehr gewinnt er die Oberhand und verzehrt den Lebens- saft. Dies geschieht so lange weiter, bis nichts mehr vom Lebenssaft da ist. Auf diese Weise wird das Glied der Nahrung und Beweglichkeit beraubt und stirbt ab. Die Adern ziehen sich infolge ihrer Trockenheit zusammen. Es kommt zur Schwindsucht …“ (II, 87) Damit diese Kontrakturen und Lähmun- gen geheilt werden können, braucht es Arzneimittel, die porenöffnende, säfte- wärmende und nervenreinigende Wir- kung (Aperitiva, Calefacientia, Humec- tantia) haben, schreibt Paracelsus. Aurum potabile und Aurum Oeli gehö- ren zu den Mitteln. Ist ein Glied bereits abgestorben (infolge von Gefäßverkal- kung oder Thrombose), sind wiederbele- bende Arzneimittel notwendig. Paracel- sus nennt diese Mittel Confortativa, durch die der Lebensgeist mit Gewalt in die Glieder getrieben wird, um von ihnen den vergifteten Lebensgeist aus- zutreiben. Nur ein geistiges (alkoholi- sches) Arzneimittel vermag durch den ganzen Körper zu dringen. Man unter- scheidet innere und äußere Mittel. Die inneren sollen purgieren (reinigen), er- wärmen oder abkühlen. Hierzu gehören Aurum potabile, Oleum Auri, Essentia Antimonii, Oleum Vitrioli, Aqua Tarta- ri, Quinta Essentia Lapidum, Corallorum usw. In diesen Arzneimitteln liegt eine mächtige Kraft. Aurum potabile ist ei- nes der wichtigsten Mittel und ein Con- fortativum höchster Potenz. Es erneuert die Lebenskraft im Körper. Bei Kon- trakturen der Glieder, bei Lähmungen, Rheuma und Gicht ist Aurum ein her- vorragendes Heilmittel. Epilepsie Paracelsus nennt nebst Eichenmistel (Viscus Quercinus), Mandragorae (Al- raum, Papaver (Schlafmohn), Jusquia- mus (Bilsenkraut), Poenia (Pfingstrose) u. a. folgende Arzneimittel, die helfen, Epilepsie oder die hinfallende Krank- heit, wie er sie nennt, durch ihre Stär- kung der Natur zu heilen: „Aurum Potabile, Oleum Auri, Quinta Essentia Auri, Mercurius Reverberatus, Materia Perlar, Solutio Corallorum, Ma- gister, Antimonij, Extractio Sulphuris etc. Voller Begeisterung schreibt er: „Diese Arzneimittel besitzen eine wunderbare Kraft. Es ist kaum zu glauben, dass in der Natur eine solche Kraft verborgen liegen soll, die solche und andere Krankheiten heilt, die sonst in keiner anderen Wei- se geheilt werden können. Darum sollen wir in der Medizin nicht verzagen und verzweifeln, denn der, der die Feinde ge- schaffen hat, hat auch die Feinde gegen die Feinde geschaffen, und es gibt keine Krankheit, die den Menschen unbedingt tötet oder töten kann. Denn alle Krank- heiten ohne Ausnahme können geheilt werden, nur gibt es manche, bei denen wir es noch nicht verstehen.“ (II, 57) Alchemistische Herstellung von Gold Gold muss nach Paracelsus erst zersetzt, d. h. von seinem Körper befreit, gerei- nigt und erhöht werden. Erst durch die „Tötung“ und „Wiederbelebung“ kann aus dem Gold ein hohes Heilmittel wer- den: „Alle Corpora also, die dir feindlich sind, müssen hinweggenommen wer- 5 den, auf dass alle Gegenmittel dahin- schwinden und du das Gute erhältst, das du suchst. Und ebenso wie kein Stück Gold nütze und gut, das nicht ins Feuer gebracht wurde, ebenso wenig ist auch die Arznei nütze und gut, die nicht durchs Feuer geht, denn alle Din- ge müssen durchs Feuer in anderer Form wieder geboren werden, in der sie dem Menschen dienstlich sein sollen. Denn der Arzt soll nicht Gifte, sondern Arca- na brauchen.“ (I, 395) Aus dem metal- lischen Gold wird auf alchemistischem Wege das Allheilmittel Aurum Potabi- le zubereitet. Bereits geringste Spuren von Gold wirken wie ein Katalysator im Stoffwechsel und beeinflussen das Ner- vensystem positiv. * * * Herstellung von Aurum potabile Das Aurum potabile wird hergestellt, wenn man Gold mit anderen Mitteln und Flüssigkeiten vermengt und da- durch trinkbar macht. Rec. Aurum foeliatum (Blattgold) oder ge- pulvertes Gold Löse es zu einem Succus (Saft) unc. 1 (30 g) Aceti dest., Acetum purum = reiner Es- sig, so viel wie gebraucht wird. Destilliere die Stoffe und scheide sie so lange, bis kein Zusatz mehr geschmeckt werden kann. Nimm dann von dem unten genannten Aq. Vitae unc. 5 (= 150 g), mische es dazu, gib es in einen Pelikan und lasse alles einen Monat lang digerieren. Aurum potabile und Aurum Oleum ha- ben eine gute Wirkung bei Kontraktu- ren (Versteifung) der Glieder.
  • Paracelsus Health & Healing 1/III Herstellung von Aqua vitae Rec. Vini ardentis, Spiritus ardens = Brannt- wein, Weingeist, zehn Pfund; Rosarum, Mel rosatum = Rosenhonig Melissae, Melissa officinalis Rosmarini, Rosmarinus officinalis Anthos Cheiri = Ätherisches Öl der Ros- marinblüte Folior. Hellebori utr. (das heißt nigr. et alb.), Helleborus niger und Helleborus albus = Schwarze Nieswurz Majorani Mj (eine handvoll), Origanum majorana Cinamoni, Cinnamomum aromaticum = Zimt Maceris, Myristica fragrans = Muskat- nussblüte Muscatae nuc., Myristica fragrans, Nux moschata = Muskatnuss Caryophyllorum, Caryophyllata offici- nalis, Geum urbanum = Gewürznelke Paradisi Gran., Grana paradisi, Aframo- mum-Arten = Paradieskörner Piperum omnium = ganzer Pfeffer, Pi- per nigrum Zinziberis, Zingiber officinale = Ingwer (Ginger) Cubebarum, Piper cubeba, Cubeba offi- cinalis = Kubebenpfeffer ana zwei Unzen Succi Chelidoniae, Chelidonium majus, Chelidonium grandiflorum = Schöllkraut Tapsi, Verbascum thapsus = Echte Kö- nigskerze Melissae ana eine halbes Pfund, Melissa officinalis Cinerum fabarum fünf Unzen (150 g). Mische diese Mittel zusammen. Lasse sie zehn Tage im Pelikan digerie- ren, dann sondere sie ab und gebrauche das Mittel wie oben. Herstellung von Oleum Auri Rec. Nimm den Saft des Goldes, der vom ganzen Gold durch Essig geschieden wurde und lasse ihn 14 Tage im unten aufgeführten Digest kochen. Destilliere das Ganze durch ein Bad, so dass dir ein dickes Öl bleibt. Das ist Gold-Öl ohne jede Beimengung. Das Rezept für den Digest ist: Rec. Succi Chelidoniae ein Pfund, Chelidoni- um majus, Chelidonium grandiflorum = Schöllkraut-Saft Aquae Vitae circulatae = Weingeist vier Pfund gelösten Spiritum Salis, Spiritus Salis acidum = saurer Salzgeist drei Unzen. Mische dies zusammen und gebrauche es nach obiger Vorschrift. aa (ana) = eine gleiche Menge Rec. oder Rp. = Recipe = nimm Unc. = Uncia = 1 Unze = 1 Bund = ca. 30 g Mj = Manipulus = Handvoll = 1/2 Unze Literatur: Paracelsus: Sämtliche Werke, Bd. I, II, III. Anger – Verlag Eick 6 Paracelsus – Die sieben Metalle Goldsand
  • Paracelsus Health & Healing 1/III 7 „Der Schlüssel zur körperlichen Gesundheit liegt darin, für die tägliche Aufnahme und Umsetzung körpernotwendiger Stoffe sowie für die Ausscheidung zu sorgen.“ Dr. K. Parvathi Kumar
  • Paracelsus Health & Healing 1/III Fälle aus der homöopathischen Praxis Ein Bruder und eine Schwester von 3 Jahren, bzw. 3 Monaten wurden wegen juvenilem Asthma und chronisch wie- derkehrender Bronchitis in die Praxis gebracht. Der Bruder, R.K. Buman, wur- de am 5.8.80 mit folgenden Sympto- men gebracht: 1. Trockener Husten, der 3 Tage nach der Geburt begann, begleitet von Er- brechen. 2. Häufige Erkältungen, nach denen der Husten einsetzte. 3. Begleitendes Fieber. 4. Wenig Nahrungsaufnahme wegen mangelndem Appetit. Erbricht, wenn er zum Essen gezwungen wird. 5. Schmerzen in der Nabelgegend. 6. Mental eigensinnig, grob, reizbar und mürrisch. 7. Schmerzen in den Beinen. 8. Würmer im Stuhl. 9. Ständiges Verlangen nach einem Ventilator, ohne den er nicht schlafen konnte. Verlangen nach Eis, das aber die Beschwerden verschlechterte. 10. Kalte Luft und Wetteränderung füh- ren zu Verschlechterung. 11. Tastbare Drüsen in der Halsregion. Er wurde mit akutem Fieber, Erkältung und Husten gebracht, aber er kam nicht zur Ruhe. Sein Zustand verschlechterte sich am Abend und in der Nacht. Dr. Bhaskar gab ihm eine Gabe Pulsa- tilla C30 am 5.8.80. Alle Symptome besserten sich, nur der trockene Hus- ten blieb. Der Junge war dünn und schwächlich, und er nahm nicht zu. Er bekam eine Gabe Calc. carb. C200 am 15.8.80, aber es trat keine Veränderung ein. Am 29.9.80 berichteten die Eltern von unwillkürlichem Wasserlassen so- gar beim Sprechen, und er hatte jegli- chen Appetit verloren. Mit diesen bei- den Leitsymptomen und weiteren in der Gesamtheit verschrieb ich Causti- cum C200. Der Junge erholte sich in der folgenden Woche bis zum 19.9.80. Der Appetit verbesserte sich, das Einnässen stoppte, der Husten wurde besser, blieb aber noch. Am 19.9.80 wiederholte ich Causticum C200, da der Husten wieder schlimmer wurde. Der Zustand besserte sich. Ich wiederholte Causticum C200 am 18.10.80 und am 24.10.80. Außer- dem gab ich ihm täglich Calc. phos D6. Der Junge erholte sich, er nahm zu und hatte weder Fieber, Erkältung noch Husten. RuhrmitSchleim,FieberundKolikentra- ten am 10.12.80 auf. Dr. G. S. R. Murthy gab ihm eine Dosis Aloe C30 und wie- derholte diese am 12.12. und am 14.12.80. Das Fieber sank, der Schleim blieb. Am 9.1.81 wurde eine Dosis Caus- ticum C200 wiederholt, als der Schleim verschwand. Causticum C200 wurde am 3.2. und 17.2.81 wiederholt. Alles heil- te aus bis auf die Erkältungen. Die Drü- sen am Nacken waren abgeschwollen. Er konnte täglich Eis essen, ohne dass Folgen auftraten. Die Behandlung war beendet. Nach 10 Monaten bekam er etwas trockenen Husten begleitet von leichtem Schielen. Causticum C200 und 1M zeigten keine Wirkung. „Angezeig- te Mittel ohne Wirkung“ ließen mich an 8 Heil-Rezepte
  • Paracelsus Health & Healing 1/III Sulphur denken, und er bekam eine Do- sis C200 am 9.2.81. Der Junge besserte sich allmählich und braucht heute kei- ne Mittel mehr. Die Symptome seiner Schwester Ratna Burma waren wie folgt: 1. Schwere Anfälle mit Erkältung und Husten, die sich im Winter, bei bewölk- tem Himmel und bei jeder Wetterände- rung verschlechterten. 2 Würmer im Stuhl mit Schleim. 3. Weiße Punkte an den Beinen. 4. Rasseln in der Brust (Schleim), das sich nach Erbrechen besserte. 5. Schlechter Appetit. Am 20.12.81 verordnete Dr. O. Rama- chandrarao eine Gabe Pulsatilla D6, worauf sich nur das Fieber besserte. Am 26.12.81 verordnete ich ihr eine Gabe Psorinum C200 und wartete 2 Wochen ab. Der Zustand des Kindes verbesserte sich deutlich, die Flecken an den Bei- nen wurden stärker. Ich wiederholte Psorinum C200 am 26.12. mit sehr gu- ter Wirkung. Das Mädchen konnte sich im Januar bei nebligem Wetter draußen aufhalten. Die Flecken blieben. Nach einer weiteren Gabe Psorinum C200 am17.3.82 verschwanden die Flecken, und das Mädchen ist jetzt völlig be- schwerdefrei. Dr.E.V.M. Acharia, DHMS Fußleiden Es kam ein Herr zu mir, der nicht mehr selbst aus dem Wagen steigen konnte; mühsam und langsam schleppte er sich mit zwei Stöcken fort. Er erzählte: „Vor sechs Jahren überfiel mich ein Schmerz in meinem rechten Fuß. Das Knie war etwas geschwollen, der Schmerz stei- gerte sich von Woche zu Woche; die Kraft in demselben ließ auch nach, und es kam mir vor, als ob der ganze Fuß ab- sterbe. Wenn ich in der Nacht aufwach- te und mit dem linken Fuß an den rech- ten kam, so war er eiskalt und schien mir wie tot zu sein. Ich habe einen be- rühmten Arzt in einer Hauptstadt auf- gesucht; es wurde verschiedenes ge- raten und angewendet: Gift und nicht Gift; ich habe mehrere Ärzte befragt, und einer elektrisierte meinen Fuß sieb- zig Mal, doch alles vergebens. Auch der rechte Arm und die ganze rechte Seite wurden schwächer, und ich habe kei- ne andere Aussicht mehr, als dass die ganze Seite lahm würde. Ich bin erst 29 Jahre alt.” Wo fehlte es wohl hier? Ganz einfach: Es staute sich das Blut im Schenkel und im Knie, der regelmäßige Blutum- lauf war gestört. Es drang nicht mehr so viel Blut in den Fuß, als nötig war, zuletzt fast keines mehr, deshalb auch keine Wärme, und so musste natürlich der ganze Fuß verkümmern. Mit der Zeit stellten sich auf dieser Seite wei- tere Störungen im Blutlauf ein, und das Übel vergrößerte sich. Die Aufgabe der Heilung bestand darin, dass der rech- te Blutumlauf wiederhergestellt werde, dass alle Teile des Körpers gleichmäßig genährt und erwärmt werden und so- mit auch der ganze Leib gleichmäßig gekräftigt werde. Zu diesem Zweck fol- gende Behandlung: 1. Jeden Tag zwei Obergüsse und zwei Schenkelgüsse. 2. Jeden Tag zweimal im nassen Grase barfuß gehen, weil es Frühling war. 3. Jeden Tag eine Tasse Tee von Wa- cholderbeeren und Wermut, in drei Portionen trinken (morgens, mittags, abends). Die Wirkung war ganz auffallend: Nach 16 Tagen war aller Schmerz verschwun- 9 den, der Blutlauf vollständig hergestellt, und der Wiedergenesene wanderte mit Jubel umher wie andere Gesunde. Bei der Kur hob er ganz besonders hervor, dass er gemerkt habe, wie nach dem zweiten Schenkelguss das Blut von oben nach unten in den Fuß gedrungen sei und denselben ganz rasch erwärmt habe. Die Schenkelgüsse bewirkten, dass das Blut in einen raschen Gang kam und die Anstauungen des Blutes beseitigt wur- den. Die Obergüsse bewirkten dassel- be im oberen Körper, wo auch der Arm schon geschwächt, weil nicht hinläng- lich genährt war, während die übrigen Teile des Körpers gesund waren. Der Tee aber bewirkte eine gute Verdauung, und so trat eine rasche Kräftigung des gan- zen Körpers ein. Pfarrer Sebastian Kneipp (1821–1897), aus: So sollt ihr leben Oberguss
  • Paracelsus Health & Healing 1/III Bruch/Hernie Eine Hernie ist eine Ausstülpung des Bauchfells durch eine Lücke in der Bauchwand und wird im Volksmund auch als „Bruch“ bezeichnet. Der durch das Bauchfell gebildete Bruchsack kann Darmteile enthalten, Teile des großen Netzes, das den Darm außen überdeckt, oder er kann mit Flüssigkeit gefüllt sein. Seltener kann der Darm auch in einer Bauchfelltasche innerhalb der Bauch- höhle eingeklemmt werden. EtwavierProzentderBevölkerungerkran- ken in ihrem Leben einmal an einer Her- nie. Im Kindesalter sind fast ausschließ- lich Jungen betroffen, und auch später erkranken vor allem Männer daran. Es gibt je nach dem Ort, an dem sie in Erscheinung treten, verschiedene Her- nienarten: z. B. der Leistenbruch, er ist die häufigste Bruchform; der Nabel- bruch; Zwerchfellbruch u. a. m. Das Krankheitsbild n Es können ziehendeSchmerzenan der Durchtrittsstelle („Bruchpforte“) auftre- ten besonders bei körperlicher Belas- tung, Husten oder Stuhlgang und zwar bevor die Vorwölbung zu sehen ist. n Die Hernie zeigt sich äußerlich als Vorwölbung der Bauchwand („Bruchge- schwulst“). Sie kann ständig vorhanden sein oder nur im Stehen und bei Belas- tung heraustreten. Meist verschwindet sie im Liegen oder durch Druck mit der Hand. Komplikation „Einklemmung“ (Inkarzeration) ist die wichtigste und gefährlichste Komplika- tion. Sie tritt immer plötzlich auf. Die Bruchgeschwulst lässt sich nicht mehr ins Bauchinnere zurückschieben, sie schmerzt extrem, wird teigig geschwol- len und gerötet. Wenn Darmschlingen in der Bruchgeschwulst gefangen sind und abgeklemmt werden, führt dies zum Darmverschluss. Dann muss schnell operiert werden, weil sonst das einge- klemmte Gewebe wegen mangelnder Durchblutung absterben kann. 10 Darm Bauchmuskulatur Darmsegment im Bruchsack Bauchfell Haut Bauchfell Hernie schematisch Bruchgeschwulst Heil-Rezepte
  • Paracelsus Health & Healing 1/III PARACELSUS gibt folgende Rezepte für den „Bruch“ an: Betonica (= Stachys officinalis = Be- tonie, Echter Ziest, Heilziest) Es gibt kein Kraut (außer 3, die in Wundtränke kommen), das kräftiger bei einem Bruch der Kinder ist als Betonica in Wein ge- kocht und warm über den Bruch gelegt. Man muss zu Betonica Saniculus al- bus (= Sanicula europaea = Bruchkraut, Heil aller Schäden, Sanikel) geben. Dies soll zusammen gestoßen und aufgelegt werden. Ein Trank davon gesotten und getrunken, heilt auch einen Bruch (rup- turam), wenn die Eisenbänder vorher da sind. III, 551 Porrum (= Allium porrum = Lauch, Sup- penlauch): Der Saft von Porrum und die trockenen Wurzeln von Consolida (= Symphytum officinale = Beinwell, Wall- wurz) sollen gestoßen und gemischt werden. Dies soll man auf einen Bruch auflegen und es heilt ihn. III, 554 Literatur: Paracelsus: Sämtliche Werke, Bd. III. Anger – Verlag Eick 11 Beinwell (Symphytum officinale) Die Teufelsbrücke über den Fluss Sihl, in der Nähe des Geburtshauses von Paracelsus
  • Paracelsus Health & Healing 1/III Aus giftigem Antimonerz wird per al- chemistischer Transmutation, also Verwandlung des Elements, ein be- deutsames Heilmittel – dieser nach heutiger Schulmeinung unmögliche Vorgang wurde an der Uni München nachvollzogen. Was niemand geglaubt hatte: die Alchemisten hatten Recht! „Antimon enthält von allen Mineralien das höchste und stärkste Arcanum (Heil- mittel) in sich. Es reinigt sich selbst und zugleich das übrige, was unrein ist. Fer- ner, wenn überhaupt nichts Gesundes im Körper ist, verwandelt es den unreinen Körper in einen reinen, was bei Lepra be- wiesen ist.“ So preist Paracelsus die au- ßergewöhnliche Heilkraft des Antimons (Sämtliche Werke, Bd. III, Aschner-Aus- gabe, S. 151). Derartige Berichte waren der Anlass, dass man an der medizini- schen Fakultät der Universität München die alchemistische Heilmittelaufberei- tung des Antimons näher untersucht hat. Im Rahmen einer Doktorarbeit wur- de erforscht, ob das Metall Antimon sich wirklich im alchemistischen Laborpro- zess verändert. In der heutigen Medi- zin wird Antimon nämlich aufgrund sei- ner Giftigkeit meist nur in sehr geringen Mengen als Brechmittel eingesetzt. Eine wirkliche Wandlung des Elements aber hatte niemand auch nur im Entferntes- ten für möglich gehalten. Der wahre Grund des „Goldmachens“ Als „Goldmacher-Kunst“ hat sich die Al- chemie in das Gedächtnis der Mensch- heit eingeprägt. In heutigen Lexikas wird natürlich das vergebliche Bemü- hen mittelalterlicher Quacksalber be- tont. Gemeint ist eine sogenannte Transmutation, also die Umwandlung eines chemisch stabilen Elements in ein anderes (instabile, radioaktive Elemen- te zerfallen im Laufe von Jahrhunder- ten oder Jahrtausenden von selbst und verwandeln sich dadurch in ein anderes Element). Der modernen Physik ist eine solche künstliche Umwandlung mit Hil- fe von Teilchenbeschleunigern nur un- ter Einsatz enormer Energiemengen und nur bei einzelnen wenigen Atomen möglich. In der Alchemie hingegen gilt die Umwandlung beispielsweise von Blei oder Quecksilber in Gold als mög- lich und ist sogar ein Beweis der aller- höchsten Kunst des Alchemisten. Wem dies gelingt, der ist auch in der Lage, das allerhöchste Heilmittel der Alche- mie, den „Stein der Weisen“, herzustel- len. So ist die „Metallprobe“ eigentlich nur der – freilich höchst spektakuläre – Beweis, dass der Alchemist wirklich über dieses höchste Arkanum verfügt und seinem Patienten stattdessen nicht ein anderes, weniger aufwändiges und daher weniger teures Elixier verkauft. An der Uni München wurde zwar nicht diese Transmutation von Gold versucht. Mit der Bearbeitung des Antimons nach alchemistischen Laboranweisungen er- brachten die Mediziner aber ungewollt den Beweis, dass eine solche Transmu- tation prinzipiell der Alchemie mög- lich ist. „Das Verschwinden von An- timon nach der Extraktion ist nicht geklärt“, resümiert Dr. David Schein das Ergebnis seiner Doktorarbeit. Mit 12 Der „Magnet der Weisen“ Alchemistische Transmutation des Antimon Ulrich Arndt Ulrich Arndt ist Journalist und Buch- autor, sowie Beirat in der Europäi- schen Kommission Interdisziplinärer Wissenschaften. Er studierte Germa- nistik, Theaterwissenschaften und Politik und war lange Jahre als Re- dakteur der Fachzeitschrift „esotera“ tätig. Er hat mehrere Ausbildungen in energetischen Therapiemethoden absolviert und arbeitet heute als selbstständiger Autor.
  • Paracelsus Health & Healing 1/III dieser sachlichen Feststellung vermei- det er geschickt jede Andeutung, welch hochgradige Verwunderung den Wis- senschaftler angesichts dieses Vorgangs ergriffen haben muss: Dieser bedeutet nämlich nicht weniger als den Umsturz der heute gültigen Erkenntnisse der Na- turwissenschaft von der Unwandelbar- keit chemischer Elemente. Mehr noch: Bei dem von Dr. Schein nach alten alchemistischen Laboranweisun- gen vollzogenen spektakulären Prozess wird aus giftigem, arsenähnlichem An- timonerz sogar ein bedeutendes, völlig ungiftiges Heilmittel. Damit wurden die alten Rezepturen und Heilberichte von Paracelsus und Basilius Valentinus ein- drucksvoll bestätigt, die sich so sehr von den vergeblichen Heilanwendungen des Antimon in späteren Jahrhunderten un- terscheiden. Aufgrund des hohen Anse- hens, das Paracelsus im 16. und 17. Jahr- hundert genossen hat, hatten sich die von ihm hochgelobten Antimon-Heilmit- tel rasch verbreitet. Allerdings geriet das Wissen um die korrekte alchemistische Aufbereitung immer mehr in Vergessen- heit und Quacksalber verkauften einfa- che giftige Antimonwässer. Schon Mitte des 17. Jahrhunderts führte diese miss- bräuchliche Verwendung dazu, dass Ab- solventen an vielen medizinischen Uni- versitäten schwören mussten, niemals Antimon- und Quecksilber-Präparate zu verwenden. 1666 wurde dieses Verbot zwar wieder aufgehoben, und man emp- fahl nur noch, die Dosis so gering wie möglich zu halten. Von der Bereitung völlig ungiftiger Antimon-Medikamen- ten aber wussten nur noch wenige. Ein Heilrezept wird wiederentdeckt Im Rahmen seiner Doktorarbeit im Fachbereich Medizin hatte David Schein 1978 den Wahrheitsgehalt alter Anlei- tungen zur Herstellung alchemistischer Heilmittel aus Antimon praktisch über- prüfen wollen. „War hier eine alte hoch- wirksame Heilsubstanz in Vergessenheit geraten?“, fragte er sich angesichts der vielen alten medizinischen Texte, die über ganz erstaunliche Heilerfolge durch das „Spießglas“, wie Antimon der äuße- ren Form wegen damals auch genannt wurde, berichten. Tatsächlich hat die Heilanwendung von Antimon eine Jahr- tausende alte Tradition. Bereits im „Pa- pyrus Ebers“ aus dem 16. Jahrhundert v. Chr. ist vermerkt, dass Antimon-Ver- bindungen erfolgreich bei Augenkrank- heiten eingesetzt werden können. Im 1. Jahrhundert n. Chr. setzten es römi- sche Ärzte zudem gegen „wildes Fleisch“ und Geschwüre ein, und im Mittelalter wurde es zusätzlich bei Hämorrhoiden, Wunden, Fisteln, Hautkrebs, Lepra und anderen Leiden empfohlen. Paracelsus beschrieb erstmals ausführ- lich die innerliche Anwendung von An- timon, das jedoch zuvor auf alchemis- tischem Wege „von seiner Giftigkeit befreit“ werden musste. Er bezeichne- te seine Antimon-Bereitungen gar als ein universelles Mittel zur Reinigung des Körpers von „Giften“: „Wie Anti- monium das Gold vollendet (im Sinne von reinigen), in derselben Weise und Form vollendet es auch den Körper. In ihm ist nämlich die Essentia, die nichts Unreines mit Reinem zusammen lässt“ (Bd. III, S. 151). Damit bezieht sich Pa- racelsus auf eine höchst verblüffende Eigenschaft des Antimon: Fügt man es einer Mischung geschmolzener Metalle hinzu, verbindet es sich mit dem ent- haltenen Gold und trennt es von den „unreinen“ Metallen. Weil Antimon da- bei das Edelmetall scheinbar „frisst“ 13 und „herauszieht“, wurde es früher auch „Wolf der Metalle“ oder „Mag- net der Weisen“ genannt. Diese schein- bar magische Kraft des Antimon wirkt in ähnlicher Weise auch im Menschen. Nach der alchemistischen Aufbereitung trennt es auch im Organismus das „Rei- ne“ vom „Unreinen“ und leitet damit das „Kranke“ (im Sinne von eingelager- ten „Giften“, Stoffwechselschlacken und Krankheitserregern) aus. Am intensivs- ten ist nach Paracelsus das Antimonöl, das er gemeinsam mit der Quintessenz der Melisse verabreicht: „… desgleichen das Antimonium sublimiert, kalziniert, reverberiert und in ein Öl gebracht, dann sehet, wie großen Nutzen, große Kraft und große Tugend, schnelle Wir- kung sie zeigen und beweisen“ (Bd. III, S. 243). Das Antimonöl “… soll in Quin- ta Essentia Melissae verordnet werden“ (Bd. III, S. 151). David Schein arbeitete in seiner Doktor- arbeit eine Rezeptur des Alchemisten Basilius Valentinus nach, der durch sei- ne 1604 erschienene Schrift „Triumph- Wagen des Antimon“ bekannt gewor- den war. Die Anleitung klingt zunächst recht einfach, wenn auch sehr zeitauf- wändig: Zuerst wird Antimonerz, das aus einer Mischung verschiedener An- timonoxide und vor allem -sulfide be- steht, so lange sanft erhitzt, bis es nicht mehr raucht (wegen der hochgiftigen Dämpfe sollten Hobby-Alchemisten diesen Prozess nicht ohne Absauganla- ge nacharbeiten!). Dann wird das Gan- ze zu einem Glas geschmolzen. Dieses Glas kann jede Farbe des Regenbogens annehmen, was Basilius Valentinus und Paracelsus als Zeichen dafür werteten, dass im Antimon alle Qualitäten ent- halten sind. Je nach Zubereitung könne es daher als eine Art Universalheilmit-
  • Paracelsus Health & Healing 1/III tel auch bei allen Krankheiten einge- setzt werden. Tatsächlich gelang es Dr. Schein, Antimonglas in den Farben Rot, Gelb, Orange, Grün, Braun, Grau, Weiß und Schwarz herzustellen, indem er die Anteile der verschiedenen Antimonoxi- de und -sulfide variierte. Valentinus empfiehlt für den weiteren Prozess nur ein goldfarbenes Antimon- glas zu verwenden. Dies wird nach dem Abkühlen sehr fein vermahlen. Auf das Pulver gießt man mehrmals konzen- trierten Essig, bis es sich rot-gelb ver- färbt. Sodann wird das Pulver bis zu 144 Mal mit destilliertem Regenwasser übergossen und durch Destillation wie- der davon getrennt. Danach besitzt es – laut Valentinus – seltsamerweise einen süßen Geschmack, was auch bei der Dr. Scheins Aufbereitung der Fall war. Zum Schluss lässt man das Pulver in Alkohol ziehen. Zunächst verfärbt sich die Flüs- sigkeit schwarz und auf ihrer Oberflä- che schillern erneut alle Farben des Re- genbogens, dann färbt sie sich rot. Die so entstandene Flüssigkeit ist eine An- timon-Tinktur, die sich zur innerlichen Anwendung eignet. Unbekannte organische Verbindungen So einfach sich die Beschreibung des – immerhin mehrwöchigen – Herstel- lungsprozesses hier liest, birgt er doch unzählige Tücken. Denn obwohl Basilius Valentinus in seinen Laboranweisungen im Vergleich zu anderen alchemisti- schen Schriften recht präzise war, stel- len heute allein schon die altertümliche Sprache und symbolische Verschlüsse- lungen genügend Hindernisse für eine einfache Umsetzung dar. Darüber hi- naus gelten einzelne Herstellungs- schritte nach heutigem Wissensstand der Chemie schlichtweg als undurch- führbar und unsinnig. Zum Beispiel die von Basilius Valentinus beschriebene Reaktion von Antimon-Verbindungen mit Essigsäure und Alkohol ist nach heutiger Auffassung unmöglich. Dr. Schein war daher auf missliebige Über- raschungen gefasst, und so war es für ihn eine echte Sensation, dass all die- se „unmöglichen“ chemischen Reaktio- nen genau so stattfanden, wie sie be- schrieben worden waren. Er musste die alten Anweisungen nur genau befolgen – ein erneuter Beweis für die sehr ge- naue Beobachtung der Natur durch die Alchemisten und ihre höchst erstaunli- chen Kenntnisse. Den Grund dafür, dass unbekannte Re- aktionen möglich werden, vermutet Dr. Schein darin, dass sich durch die Erhit- zung und Aufschmelzung des Antimons zu einem Glas die räumliche physikali- sche Struktur, also die Anordnung der Moleküle des giftigen Metalls verän- dert. Dadurch könnte es neue Eigen- schaften erhalten. Zugleich räumt er jedoch ein: „Es liegt ein Phänomen vor, dessen Wesen mit Hilfe des heutigen Wissens nicht erkannt werden kann.“ Schließlich konnte der Mediziner auch die Ungiftigkeit der entstandenen Präpa- rate bestätigen, denn „die Tinkturen aus Antimon sind chemisch gesehen weder eine Antimon-Verbindung, noch enthal- ten sie gelöstes Antimon“. Stattdessen handele es sich um komplexe organische Verbindungen, die bisher noch nicht ge- nauer untersucht worden sind. Sie ent- stehen vermutlich aus unbekannten Re- aktionen des Essigs und Alkohols, die ja beide organischen Ursprungs sind, mit dem Antimon als eine Art Katalysator. Verblüffend dabei ist, dass sich im Lau- fe der alchemistischen Zubereitung der 14 Der „Magnet der Weisen“
  • Paracelsus Health & Healing 1/III Gehalt an giftigem Antimon in den fes- ten Restsubstanzen um über 60 Prozent verringert, ohne dass sich diese fehlen- de Menge in den ausgezogenen Tinktu- ren wiederfinden würde. So enthalten die Feststoffe vor dem Auszug mit Alko- hol 31 Prozent reines Antimon, danach nur noch 11 Prozent. Der Auszug selbst aber enthält keinerlei reines Antimon. Es muss daher eine Transmutation des Ele- ments stattgefunden haben. Die Alche- misten waren sich dieser Verwandlung sehr wohl bewusst: „Vornehmlich aber, so ist Antimonium ein lautes Gift, und nicht ein geringes, kleines und niedriges Gift, sondern ein sehr hohes vornehmes Gift, durch und durch, und zwar das al- lergrößte Gift, damit man Menschen und Vieh zu Tode hinrichten kann“, warnt Basilius Valentinus in seinem „Triumph- Wagen des Antimon“ und fährt fort: „Nach der Bereitung des Spießglases wird durchaus kein Gift mehr gefunden, denn es muss das Antimonium ganz und gar umgewandt, durch die spagyrische Kunst (die alchemistische Laboraufbe- reitung), und aus dem Gift eine Artzney werden.“ Die Heilkräfte des Antimons David Schein konnte leider im Rahmen seiner Doktorarbeit nicht auch noch die tatsächliche Heilwirkung der Antimon- Essenzen untersuchen. Sein Resümee: „Es zeigt sich aber, dass alle überprüf- ten Angaben im ‚Triumph-Wagen des Antimon’ zutreffen … Wenn man bis- lang die hochgelobte Heilwirkung der darin beschriebenen Präparate nicht ernst nahm und sie für giftig hielt, so sind sie doch unter den neuen Aspek- ten anders zu bewerten. Zu prüfen wäre nunmehr, ob sie auch heute für die Me- dizin von Wert sein können.“ Was Dr. Schein offenbar nicht wusste: Auch heute werden derartige Tinkturen aus Antimon als Heilmittel hergestellt. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts hat nämlich der bekannteste Alchemist des letzten Jahrhunderts, Baron Alexander von Bernus, Gründer des berühmten „La- boratorium Soluna“ in Donauwörth, die alten alchemistischen Antimon-Rezepte des Basilius Valentinus für die Heilkunde wiederentdeckt. Und vor gut zwei Jah- ren gelang es dem Wiederentdecker der Paracelsus-Goldessenz „Aurum Potabile“ Achim Stockhardt, auch die hohen Heil- mittel aus dem Antimon nach Rezeptu- ren des Paracelsus nachzuarbeiten: das Antimonöl, kombiniert mit der Quint- essenz der Melisse als „Oleum antimo- 15 Der Reichsapfel symbolisiert das Antimon, es wird gehalten von Saturn, der für die erdenden Kräfte des Metalls steht (aus Isaak Hollandus: „Hand der Philosophen“).
  • Paracelsus Health & Healing 1/III nii“. Nach den Erfahrungen von Ärzten und Heilpraktikern lindert Antimon Ge- lenk- und Gliederschmerzen und andere Schmerzen, die im Zusammenhang mit Ablagerungen stehen. Zudem wirkt es sowohl bei Krankheiten, die durch Bak- terien hervorgerufen werden, als auch bei Viruserkrankungen. „Dabei ist jedoch nicht klar, ob es sich um direkte Gegen- wirkungen wie bei Antibiotika handelt oder ob die Stärkung der körpereige- nen Abwehrkräfte dafür verantwortlich ist“, räumt die Münchner Heilpraktike- rin Anna Röcker ein. Basilius Valentinus hatte offenbar eine antibakterielle An- wendung im Sinn, wenn er eine Einnah- me zur besseren Wundheilung empfiehlt, „damit der innere Quell des Wundflus- ses ausgetrocknet werde“. Auch bei Pilz- erkrankungen, etwa bei dem Darmpilz Candida Albicans setzt Heilpraktikerin Röcker erfolgreich Antimonpräparate ein. Damit würde Antimon, der „Magnet der Weisen“, tatsächlich helfen, „alles Unrei- ne“ wie Bakterien, Viren und Pilze sowie bestimmte Stoffwechsel-Ablagerungen aus dem Körper „zu ziehen“, ganz so, wie es Paracelsus und Basilius Valentinus be- schrieben haben. Energetisch gesehen gilt Antimon in der Alchemie als das „Erdungsmittel“ schlechthin. Es vermag also Körper, Geist und Seele wieder in die rhyth- mischen Abläufe auf unserer Erde zu integrieren. Auf diese universelle, in- tegrierende Wirkkraft weist auch das traditionelle alchemistische Symbol für Antimon, der „Reichsapfel“ mit dem Kreuz über der Erdkugel hin. Es stellt die Herrschaft der vier Elemente über die zyklischen Abläufe der Natur dar. Dazu gehören auch die Rhythmen im Men- schen wie der Schlaf-Wach-Rhythmus, weshalb Antimon beispielsweise auch bei Schlafstörungen – die ja ebenfalls ihre Ursache in Verschlackungen haben können – eingesetzt werden kann. Rudolf Steiner, der Begründer der An- throposophie, sah den Grund für die große universelle Heilkraft des Anti- mons in einer engen „Verwandtschaft“: Vergleichbar dem Menschen, der zwi- schen Tier und Engeln steht, sei das An- timon weder Mineral noch Erz, weder Kristall noch Metall – beide seien „Zwi- schenwesen“. Daher meint Steiner: „Der Mensch ist eigentlich Antimon.“ Literatur: Arndt, Ulrich: Schätze der Alchemie: Edelstein-Essenzen, und Schätze der Alchemie: Metall-Essenzen. Beide: Freiburg: Hans-Nietsch-Verlag Testberichte zu den Paracelsus-Essenzen: www.life-testinstitut.de und www. edelstein-essenzen.de 16 Antimon als „Wolf der Metalle“: Antimon trennt Gold von den unreinen Metallen, symbolisiert durch den Wolf, der den kranken, alten König frisst. Beim späteren Trennen von Gold und Antimon durch die Schmelze wird das reine Gold gewonnen, symbolisiert im Bildhintergrund, wo der Wolf verbrannt und der wiedergeborene König dem Feuer entspringt (aus Michael Maier: „Atlanta fugiens“).
  • Paracelsus Health & Healing 1/III Es ist beabsichtigt, in dieser Reihe die Materia Medica einiger homöopathi- scher Mittel mit besonders großem Wir- kungsspektrum und anderer wichtiger Arzneimittelzuveröffentlichen.Umeine bessere Vorstellung von dem Arzneimit- telbild zu bekommen, wurden allgemei- ne und mentale Symptome aus Kents „Materia Medica“ dargelegt, gefolgt von Allen‘s „Keynotes“ (Grundgedanken). Besonderheiten, von denen Studierende meistens nur verwirrt werden, wurden weggelassen. Wir glauben, dass die- se Lernmethode den Studierenden den richtigen Weg weist, um die Arzneimit- tel und die Arzneimittelbilder zu verste- hen. Unter dem Untertitel „Spezialstudi- um“ werden hauptsächlich Symptome, die ansonsten unbeachtet bleiben oder in keinem Text deutlich dargelegt wer- den, hinzugefügt. Sie wurden aus den Vorträgen von Dr. E. Krishnamacharya zusammengestellt. Allgemeines: Calcium carbonicum ist ein sehr tief und lange wirkendes homöopathisches Mittel. Seine Wirkung zieht sich über mehrere Monate und Jahre hin und verändert die Calcarea Konstitution des Patienten. Kalzium ist ein notwendiger 17 Homöopathie: Calcium carbonicum Dr. Ekkirala Krishnamacharya Dr. Ekkirala Krishnamacharya war ein spiritueller Lehrer, Heiler, Homöopath und Autor zahlreicher Bücher. Er ver- mittelte ein umfassendes Verständnis der heiligen Schriften und legte ihre Brauchbarkeit für das tägliche Leben dar. Er hatte es sich zur Aufgabe ge- macht, zum wachsenden Bewusstsein und zur spirituellen Vereinigung von Ost und West beizutragen. Mineralstoff für das Knochenwachstum, denn 99 % davon befindet sich im Ske- lett. Mit einer gesunden und ausgewo- genen Ernährung wird dem Körper Kal- zium zugeführt. Besonders bei Kindern ist die Aufnahme von Kalzium wichtig für ein gesundes Knochenwachstum und für kräftige Zähne. Den Calcarea- Patienten ist es häufig angeboren, dass das Kalzium nicht aus der natürlichen Nahrung aufgenommen und verwertet werden kann. Solchen Patienten wer- den dann künstlich Kalzium Präparate verabreicht, was genau verkehrt ist. Es ist ganz wichtig, dass dem Körper ein Medikament verabreicht wird, das ihn befähigt, das Kalzium zu resorbieren. Ein solches Mittel ist das potenzierte Calcium carbonicum. Eine einzige Dosis von höher potenzier- tem Calcium carbonicum kann bewir- ken, dass das Kind die Nahrung wie- der richtig verdaut und Kalzium aus der Nahrung aufnehmen kann. Auf einmal wachsen die Knochen wieder, werden stabil und Zähne bilden sich. Die Be- handlung mit Kalzium beruht darauf, dass man die Fähigkeit weckt, Kalzi- um aufzunehmen, was aber nicht ge- schieht, indem man tonnenweise Kal- zium zuführt. Es ist sehr wichtig, dass man keinesfalls die rohe Substanz zu- führt, denn davon ist die Entwicklung des Kindes ohnehin schon stark beein- trächtigt worden. Die typischen Calcarea Patienten sind schwammig, fett und pummelig. Ihre Gesichtsfarbe ist wächsern und bleich. Zum Aussehen von Calcarea-Patienten gehören große Köpfe, aufgetriebene Bäuche, abgemagerte untere Gliedma- ßen. Man sieht eine große Erschlaffung aller Gewebe, der Muskeln und auch der Blutgefäße (vor allem der Venen).
  • Paracelsus Health & Healing 1/III Das führt häufig zu Krampfadern und zu schmerzenden, brennenden Hämor- rhoiden. Die Calcarea-Patienten sind fett, ohne jede Körperkraft. Sie neigen zu Ödemen und vergrößerten Lymph- knoten. Ihre Gelenke sind schmerzhaft geschwollen und entzündet. Sie sind rheumatisch und neigen zu Gicht, häu- fig sieht man Hüftgelenkleiden. Alle Drüsen in ihrem Körper sind ange- griffen, entzündet, verhärtet und knotig. Auch Geschwüre verhärten sich. Calca- rea carb. kann das Wachstum bösarti- ger Geschwüre aufhalten und Tumore, wie fetthaltige oder zystische Polypen in der Nase, den Ohren, der Vagina, der Blase und anderen Körperbereichen heilen, ebenso tief sitzende Abszesse in den Muskeln, Schenkeln und im Abdo- men. Calcarea kann auch den eitrigen Zustand eines Abszesses heilen. Dies ist in der Allopathie überaus schwierig. Knochenauswüchse, die durch unre- gelmäßige Verteilung des Kalks entste- hen, können mit Calcarea carb. geheilt werden, ebenso Missbildungen und Er- weichung der Knochen, durch die sich die Knochen verbiegen. Aufgrund der schwachen Knochen und Beinmuskeln beginnt ein Kind mit solchem Körper- bau spät zu laufen. Ein Calcarea-Patient ist empfindlich gegenüber kaltem Wind, und er fröstelt. Er reagiert empfindlich auf stürmisches und kaltes Wetter. In der kalten Jahres- zeit, die auf den Sommer folgt, leidet er mehr. Er entwickelt Blutandrang im Kopf, und der Kopf wird heiß. Trotzdem friert der Patient in seinem subjekti- ven Empfinden. Er ist am ganzen Körper kalt, besonders an den Füßen, so dass er das Bedürfnis hat, warm eingehüllt zu werden. Er schwitzt stark an verschie- denen Stellen seines Körpers. Während des Schlafes ist sein Kopfkissen nass vom Schweiß. Ein typisches Calcarea Symptom ist der Schweiß, der bei der geringsten An- strengung am Kopf und im Gesicht aus- bricht, selbst wenn andere Körperteile frei davon sind. Sobald der Patient auf- hört zu schwitzen, fühlt er sich sofort krank. Entweder hat er Kopfschmerzen, oder er hat sich erkältet. Im Allgemeinen fühlt sich der Calcarea Patient müde, erschöpft und schwach. Jede Anstrengung verschlägt ihm den Atem und Hitze steigt ihm in den Kopf. Er ist so erschöpft, dass er keine Trep- pen steigen kann, ohne zu keuchen und nach Luft zu ringen. Nach jeder An- strengung hat er Kopfschmerzen oder Fieber. Das Herz, die Muskeln und der ganze Körper sind kränklich. Seine Muskeln sind so schwach, dass sie keine länge- re Beanspruchung durchhalten können. Auch der Kreislauf des Calcarea Patien- ten ist schwach, und von jeder Aufre- gung bekommt er Herzklopfen. „Große Angst und Beklemmung. Ruhe- losigkeit und Herzklopfen. Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit“ sind typische Calcarea-Symptome. Mentale Symptome: Das Denken des Patienten ist genauso schwach wie sein Körper. Längere ge- dankliche Anstrengung kann er nicht aushalten. Nach gedanklicher und kör- perlicher Anstrengung wird er müde, er schwitzt stark und ist gereizt und auf- geregt. Emotional gerät er leicht aus dem Gleichgewicht. Beschwerden, die nach emotionaler Unausgeglichenheit, Unruhe und Aufregung auftreten, hal- ten einige Tage und sogar Wochen an. Der Patient ist nicht in der Lage, sein 18 Calcium carbonicum
  • Paracelsus Health & Healing 1/III Denken auf etwas zu konzentrieren, und dessen ist er sich bewusst. Des- halb glaubt er, geisteskrank zu werden. Dies ist die Besonderheit dieses Medi- kaments. Ein Calcarea-Patient hat die fixe Idee, dass er geisteskrank ist, und er fürchtet, dass die Leute es bemer- ken. Tag und Nacht liegt er wach und denkt darüber nach, dass die Leute die- sen Verdacht haben und ihn argwöh- nisch beobachten. Mit solchen Gedan- ken im Kopf schaut er sie misstrauisch an. Sogar unbedeutende Kleinigkeiten beunruhigen ihn, und er kann diese Ge- danken nicht loslassen. Er brütet über bedeutungslose Dinge und gerät in ei- nen passiven mentalen Zustand. Die auf ihn einstürmenden Gedanken lassen ihn nicht schlafen. Er spricht mit sich selbst und mit erdachten Personen. Dazu tut er alle möglichen seltsamen Dinge, zum Beispiel zupft er an seinen Fingern. Wenn er seine Augen schließt, erscheinen ihm Gesichter. Immer hat er das Gefühl, dass jemand neben ihm geht. Er hat Halluzinationen mit schrecklichen Bildern. Beispielsweise sieht er Hunde, die um ihn herumlaufen, und er kämpft mit ihnen. Eine derartige mentale Belastung bringt eine hysterische Frau dazu, schrei- end umherzulaufen. Häufig bekommt sie Schreianfälle, dann ist sie wieder ganz still und spricht mit niemandem. Solche hysterischen Anfälle werden vor allem durch den Tod ihres Kindes, ihres Ehe- mannes oder einer anderen nahe stehen- den Person verursacht. Bei Männern führt eine solche Verfassung zu vielen Arten der Verirrung. Zum Beispiel hört ein Ge- schäftsmann auf, sich um sein Geschäft zu kümmern und sitzt nur noch träge zu Hause herum. Obwohl er von Natur aus ein aktiver Mensch ist, wird er in dieser Zeit der Verrücktheit träge. Calcarea Kinder nehmen alles sehr ernst und sind häufig frühreif. Kleine Kinder sprechen über spirituelle Dinge, den Himmel und möchten früh sterben, um in den Himmel zu gelangen. Ältere Pati- enten verlieren die Lebenslust. Der Cal- carea Patient ist voller Furcht, schwer- mütig, lebensmüde, traurig, verzweifelt und hoffnungslos. Immer fürchtet er, dass etwas Schlimmes geschehen wird. Obwohl er früh sterben möchte, fürch- tet er sich vor dem Tod und auch da- vor, an Tuberkulose zu erkranken. Da er schreckliche Träume hat, die lär- mend beginnen, hat er keinen gesun- den Schlaf. Spezialstudium: Da die Patienten ständig lesen, ist ihr Denken verwirrt. Mit diesem Durchei- nander im Kopf machen sie sich Sor- gen um anderweitige Themen, während sie über ein ganz anderes Thema lesen. Sie schaffen es kaum, ein paar Seiten zu lesen. Ein Calcarea-Patient begreift schwer und liest immer wieder diesel- ben Lektionen. Er hat Angst, dass sein Denken Fehler machen könnte. Sei- ne bildliche Vorstellungskraft ist nur schwach, und er hat falsche Vorstellun- gen von seinem Denken. Eifrig beschäf- tigt er sich mit albernen Dingen wie Papierfetzen kauen, Kreide zerdrücken usw. Bedeutungslose Kleinigkeiten las- sen ihn Tag und Nacht nicht schlafen. Immer möchte er still und allein sein und nicht angesprochen werden, aber in seinem Denken überstürzen sich die Gedanken. Sein Denken ist ruhig, wenn er in Gesellschaft ist, aber es ist ruhe- los, sobald er allein ist. Nachts schmie- det er viele Pläne, die er jedoch nicht umsetzen kann. Monotonie macht sich breit. Obwohl er gedanklich immer be- 19 schäftigt ist, bleibt er körperlich trä- ge. Entweder magert er rasch ab oder er wird fettleibig. Sein oberes Abdomen ist schwer. Er ist erschöpft und seine Glieder zittern. Kinder erbrechen Milch, und sie kommt sauer aus dem Magen. Calcarea-Patienten haben ein seltsa- mes Verlangen nach rohem Reis, Kalk, Lehm usw. Wenn die oben genannten mentalen und allgemeinen Beschreibungen zu- treffen, heilt dieses Medikament auch alle speziellen, individuellen Symptome. Daher behandeln wir an dieser Stelle keine speziellen Symptome.
  • Paracelsus Health & Healing 1/III Massage II Aufbewahrung der Massageöle Öle besitzen die Fähigkeit, die Wirkungen der Lichtfrequenzen aufzunehmen und zu speichern, wenn die Öle in verschie- denfarbigen Flaschen aufbewahrt wer- den. Man kann die gefärbten Flaschen mit den Ölmischungen 40 Tage lang in die Sonne stellen, um besondere Wirkun- gen zu erzeugen. Kurz gesagt: Wird ein Öl in einer roten Flasche aufbewahrt, be- kommt es ein heißeres Naturell, während das gleiche Öl in einer blauen Flasche ein kühleres Naturell bekommt. Wo zusätz- liche Hitze benötigt wird, sollte man die Mischungen 1, 3 und 4* in einer roten Flasche aufbewahren oder sie aus Ölen herstellen, die in roten Flaschen aufbe- wahrt wurden. Die kühlende Wirkung des blauen Lichts passt zu den Mischungen 2 und 9*. Vor allem das Senföl sollte man in einer blauen Flasche in der Hausapothe- ke lagern, da es bei kühler Lagerung die beste Erste Hilfe bei Verbrennungen ist. Wasser aus Hagelkörnern, das gefroren aufbewahrt wird, ist ebenfalls ein gutes Mittel bei Verbrennungen. Kopfmassage Wird Öl auf dem Kopf einmassiert, neh- men es die Haarwurzeln auf. Sie sind wiederum mit dem Nervengewebe ver- bunden, das direkt zum Gehirn führt. Öl kräftigt das Haar und beugt seinem Aus- trocknen vor. Trockenheit führt zu sprö- dem Haar und vielen Kopfhautproblemen. Außerdem wird durch die Entspannung der Muskeln und Nerven die Erschöpfung des Körpersystems beseitigt. Eine Massage der Stirn beruhigt eben- falls das System und erzeugt ein wohl- tuendes Gefühl von Leichtigkeit und Euphorie. Schläfenmassage verbessert die Sehkraft und schafft einen Zustand konzentrierten Gewahrseins. Fußmassage Eine einfache Fußmassage mit Senföl am Abend vor dem Schlafengehen heilt Taubheitsgefühl in den Füßen, verhin- dert das Reißen und Schälen der Haut bei Kälte, verringert oder beseitigt In- fektionen durch Pilze oder Bakterien, baut Unruhe ab und fördert den gesun- den Schlaf. In alten indischen Shastras (Schriften) heißt es: „Krankheit nähert sich keinem Menschen, der vor dem Schlafen seine Füße massiert, genauso wie Schlangen nicht in die Nähe der Adler kriechen.“ Bei der Massage sollte man einfach den natürlichen Konturen des Fußes folgen. Die reinigende Massage Volkstümliche indische Heiler haben eine Praxis entwickelt, die die besten Elemente der Körperreinigung mit allen Vorteilen der täglichen Massage verbin- det. Dieses Verfahren ist unter dem Na- men Ubtan bekannt. Als erstes stellt man eine Paste aus einer Tasse Kichererbsenmehl oder Vollwei- zenmehl, einer halben Tasse Senföl und einem Teelöffel Kurkuma her. Nachdem man alles gut miteinander vermischt hat, fügt man so viel Wasser hinzu, dass eine Paste von der Festigkeit geschmei- diger Kuchenbutter entsteht. Diese 20 Ayurvedische Prinzipien VII Dr. K. Parvathi Kumar
  • Paracelsus Health & Healing 1/III Ubtan-Paste sollte auf den gesamten Körper einschließlich der Haare aufge- tragen werden. Wenn die Mischung zu trocknen beginnt und Risse bildet, sollte man sie abreiben und bei der Bewegung denselben Prinzipien folgen, die in Heft 12/II dargelegt wurden. Nach der indischen Volksmedizin be- seitigt das Auftragen der Ubtan-Paste Probleme, die durch Unausgewogenheit des Schleims verursacht wurden. Au- ßerdem vermehrt die Paste das Sperma, steigert Körperkraft und Vitalität, regt den Blutkreislauf an und heilt Haut- krankheiten und -infektionen. Durch Auftragen der Ubtan-Paste auf das Ge- sicht werden die Kiefern- und Wangen- muskeln entspannt, und man bekommt einen gesunden, klaren Teint. Seife ist der größte Feind der Haut, weil sie die benötigten natürlichen Öle und chemischenStoffeabwäschtunddiePo- ren austrocknet. Ubtan dagegen ist der größte Freund und Reiniger der Haut. Das Kurkuma in der Ubtan-Mischung enthält Jod in solcher Form, dass es un- mittelbar durch die Haut aufgenommen werden kann und die Nerven im gesam- ten System gestärkt werden. Das Öl und das Mehl reinigen die Haut und machen sie geschmeidig. Zusätzlich macht das Öl die Haut zart und strahlend. Aufgrund des Jodanteils im Kurkuma entzieht die Paste zu Anfang, nach- dem sie aufgetragen wurde, dem Sys- tem überschüssige Hitze. Sobald sie zu trocknen anfängt, wird durch das Ab- rubbeln die normale Temperatur wie- derhergestellt und die Oberfläche des ganzen Organismus mit neuer Energie aufgefrischt. Vom Blutstrom wird die Samenflüssig- keit durch den Körper transportiert, da- nach in die Prostata und in die Hoden 21 Ubtan-Paste: Kichererbsenmehl, Senföl und Kurkuma hineingezogen und ausgeleitet, entspre- chend dem Impuls, der von der Hypo- physe im Gehirn gegeben wird. Nach der indischen Volksmedizin ist das Bindu (Ojas = Leuchten) auf den Gesich- tern von Kindern und gesunden Erwach- senen zu sehen. Durch das Auftragen von Ubtan wird die Samenflüssigkeit gestärkt, und Hautkrankheiten sowie alle drei Elemente in der Körperchemie werden zu gegebener Zeit geheilt. * siehe Paracelsus – Health & Healing Heft Nr. 12/II Ubtan: eine Praxis, die die besten Elemente der Körperreinigung mit allen Vorteilen der täglichen Massage verbindet.
  • Paracelsus Health & Healing 1/III Okkulte Anatomie Für die okkulte Heilung ist das okkulte Verständnis der Körpernatur von Bedeu- tung. Vom okkulten Standpunkt wird der physische Körper als Automat betrach- tet. Das okkulte Verständnis bezieht den Vitalkörper, den Wunschkörper und den Mentalkörper in die Heilung ein. Der Vi- talkörper wird vom Lebensprinzip er- halten, während der Mental- und der Wunschkörper vom Bewusstseinsprin- zip gesteuert werden. Der Mensch in- karniert mit einer bestimmten Absicht, die man den Willen der Seele nennt. Dieser Wille legt das Sein und das Tun fest. Der Wille des Menschen kommt durch die Form zum Ausdruck, und die Form wird durch die Lebenskraft ange- trieben. Somit erkannten die Menschen in alter Zeit zwei Kraftströme: – den Strom des Bewusstseins, des Willens, der durch das Denken, die Sin- ne und den Körper arbeitet, – den Strom des Lebens, der den Kör- per mit Leben erfüllt. Der Wille des Menschen wirkt als Be- wusstsein. Menschen sind eigenbe- wusst, aber nicht die Tiere. Auch die Tiere sind von Leben erfüllt, in ihrem Bewusstsein jedoch nicht so weit ent- wickelt wie der Mensch. Das Bewusst- sein macht den Menschen zu einer ra- tional denkenden Wesenheit. In der Zirbeldrüse im Gehirn befindet sich der Sitz dieses Bewusstseins bzw. Willens. Der andere Aspekt – die Lebenskraft, die jedes Körperatom belebt und das Ein- heits- oder Integrationsprinzip darstellt – findet seinen Weg zum Herzen und ist dort verankert. Von diesen beiden Punk- ten aus, das heißt vom Kopf und vom Herzen, versucht der Mensch mit seiner Ausrüstung, dem Körper, zu arbeiten. Jede Nacht, wenn wir schlafen, zieht sich das Bewusstseinsprinzip in sich selbst zurück, während das Lebensprin- zip weiterarbeitet. Häufig geht das Be- wusstsein (der Mensch als solcher) auf Reisen und kehrt erst zurück, wenn wir erwachen. Im Schlaf bleibt der magne- tische Faden oder der Energiestrom, an dem die Lebenskraft entlang fließt, er- halten. Er stellt außerdem den Rückweg zum Körper dar. Beim Tod wird dieser Lebensfaden zerrissen. Solange der Le- bensfaden unversehrt ist, kehrt die be- wusste Wesenheit (der Mensch) in den Körper zurück, aber wenn der Faden zerschnitten ist, kann der Mensch nicht mehr zurückkehren. Die Absicht und der Wille des Menschen benutzen den Be- wusstseinsfaden, und mit Hilfe des Le- bensstroms drücken sie sich durch den Körper aus. Diese bewusste Wesenheit wird Atma oder Geist genannt. Dies führt uns eine weitere Dimension vor Augen: Im Schlaf bleibt der Mensch nicht im Körper, sondern wandert wo- anders hin. Das Traumerleben ist ein Beispiel dafür. Es ist eine außerkörperli- che Erfahrung. Der Körper ruht auf dem Bett, während der Mensch umherreist, um bekannte und unbekannte Orte und Personen zu erleben. Dabei ver- lässt er den Körper durch das Kopfzent- 22 Okkultes Heilen IV Dr. K. Parvathi Kumar Dr. K. Parvathi Kumar ist Autor von über 30 Büchern. Er hielt mehr als 160 Seminare auf drei Kontinenten. Seine Themen umfassen die Bereiche Meditation, Astrologie, Heilen, Farbe, Klang, Symbolik, Zeitzyklen usw. Unter anderem kümmert sich Dr. K. Parvathi Kumar um verschiedene soziale Wohl- fahrtsprojekte. Zum Beispiel grün- dete und unterstützt er Schulen und Heilungszentren in Indien, in denen kostenlos Erziehung, homöopathische Behandlung und andere benötigte Hilfe gegeben wird.
  • Paracelsus Health & Healing 1/III rum. Manche Menschen gehen bewusst aus dem Körper, aber viele treten un- bewusst heraus. Wer ihn bewusst ver- lässt, wird als Yogi bezeichnet, während die anderen normale, durchschnittliche Menschen sind. Der Unterschied zwischen beiden liegt im Gewahrsein. Entsprechend der Ent- wicklung und der daraus folgenden Er- schließung des Mechanismus existiert das Gewahrsein in verschiedenen Ab- stufungen. In seinem Ausdruck ist der Mechanismus des Gewahrseins oder Bewusstseins (des menschlichen We- sens) dreifach. Zuerst gibt es die Nadis (dies sind nicht die Nerven) und die sieben Kraftzentren mit folgenden Drüsengeflechten: Durch diese sieben Zentren und ihre entsprechenden Drüsen bringt sich der Mensch zuerst zum Ausdruck. Seine zweite Ausdrucksform erfolgt durch das Nervensystem mit seinen drei Unterteilungen: 1. das zentrale Nervensystem, 2. das sympathische und periphere Ner- vensystem, 3. das endokrine System. Als Drittes drückt sich der Mensch durch den Sinnesapparat aus. Ist das Verhalten des Menschen von niederer Qualität, wird die Funktion dieses dreifachen Ausdrucks angegrif- 23 1. Kopfzentrum Zirbeldrüse (1) 2. Ajnazentrum Hypophyse (2) 3. Kehlzentrum Schilddrüse (3) 4. Herzzentrum Thymusdrüse (4) 5. Solarplexus Bauchspeicheldrüse (5) 6. Sakralzentrum Keimdrüsen (6) 7. Basiszentrum Nebennieren (7) | | | | | | |(1) (2) (3) (4) (5) (6) (7) fen, und das wirkt sich wiederum auf den Mechanismus aus. Heute entstehen die meisten Krankheiten aus endokri- nen, Nerven- und Drüsenstörungen. Um sie zu beheben, scheint eine friedliche Lebensweise ohne Konkurrenzdenken und ohne Aggressionen, die außerdem einfach und von hoher Qualität ist, un- umgänglich zu sein. Je eher der Mensch lernt, ein solches Leben zu führen, des- to schneller wird seine Gesundheit wie- derhergestellt.
  • Paracelsus Health & Healing 1/III Einführung Es gibt sieben Arten des Heilens, die mit den Energien der sieben Strahlen in di- rektem Zusammenhang stehen. Ärzte und Heiler werden sich in Zukunft immer mehr mit der Wissenschaft der sieben Strahlen und der sieben Heilweisen auseinander- setzen. Was in der Zeitschrift Paracelsus – Health & Healing darüber an Wissen vermittelt wird, ist nur der Anfang einer neuen, fundamentalen Heilwissenschaft. Es gibt bis jetzt nur Wenige, die damit ver- traut sind, und es ist sehr schwierig, einen Heiler zu finden, der hinreichend geschult ist, um die Methoden oder sieben Ar- ten des Heilens anzuwenden. Die Grund- lage für diese Heilweise ist das Studium der sieben Strahlen. Um mit den Strahlen arbeiten und heilen zu können, muss ein Heiler die Strahlenqualitäten seiner Kör- per (Mental-, Astral-, physischer Körper) und seiner Persönlichkeit, insbesondere je- doch seinen Seelenstrahl kennen. Er muss wissen, wie, wo und wann er die Energien des Seelenstrahles einsetzen kann. Dazu braucht es ein gewisses Maß an Erleuch- tung und Strahlkraft, die er entsprechend anwenden und vermitteln kann. Solange dies nicht der Fall ist, sind diese Strahl- methoden und Techniken, welche die Ver- wendung und Lenkung der Strahlenen- ergien bestimmen, nutzlos. Doch selbst wenn diese Grundlagen fehlen, ist es sinn- voll, sich mit dieser neuen Wissenschaft des Heilens auseinanderzusetzen. Es ist ein guter Dienst an der Menschheit, die notwendigen Schritte zu tun, ein Studi- um der sieben Strahlen zu absolvieren und den Weg der Vervollkommnung zu gehen. Die Grundlagen dafür bieten das Beschrei- ten des achtfältigen Yogapfades, die Bha- gavad Gita und das Studium der Wissen- schaft der sieben Strahlen. (S.M.) Dieser Abschnitt wird kurz sein und be- steht lediglich aus einer Reihe von sum- marischen,zusammengefasstenAussagen, die ein Nachschlagebuch, einen Leitfaden für den Heiler darstellen, auf den er sich stützen kann. Diese Aussagen umfassen drei Kategorien: 1. Die sieben Strahlenergien 2. Die Strahlen des Heilers und des Pati- enten 3. Die sieben Heilmethoden Diese Aussagen vervollständigen den IV. Band der Abhandlung über die sieben Strahlen und teilen dem fortgeschritte- nen Heiler vieles mit. Sie sollten helfen, die Heilbehandlung wirksamer zu gestal- ten, selbst wenn nur die Vorarbeiten und Grundregelnmitgeteiltwerden.Eserübrigt sich wohl der Hinweis, dass der Heiler sich in dieser Anfangstätigkeit vervollkomm- nen muss; und – strebend und arbeitend – mag er vielleicht selbst (allein und ohne Hilfe) in die tiefere Bedeutung dieses Tei- les der Ewigen Weisheit eindringen. 1. Die sieben Strahlen-Energien Fünfzehn Aussagen 1. Die sieben Strahlen verkörpern und bringen die Gesamtheit der Energien zum Ausdruck, die überall durch unseren gan- zen Planetenkörper kreisen. 2. Diese sieben Strahlenergien sind die sieben Kräfte, die gemeinsam den Haupt- strahl der Liebe-Weisheit bilden. Dieser ist der zweite Strahl unseres Sonnensystems und der beherrschende Strahl in jeder pla- netarischen Ausdrucksform innerhalb des Sonnensystems. Alle sieben Strahlen sind Unterstrahlen dieses großen kosmischen Strahles. 3. Ganz gleich, auf welchem Strahl sich der Heiler befindet, er muss dennoch stets durch den zweiten Unterstrahl dieses gro- ßen Strahles wirken – den Strahl der Lie- 24 Heilen im Neuen Zeitalter Die sieben Heilweisen I
  • Paracelsus Health & Healing 1/III be-Weisheit in jedem Strahl. Dadurch kommt er mit dem herrschenden Seelen- und Persönlichkeitsstrahl in Verbindung. Der zweite Strahl hat die Fähigkeit, alles einzubeziehen. 4. DerzweiteStrahlundderzweiteUnter- strahl auf allen Strahlen sind in ihrer We- sensäußerung zweifach. Der Heiler muss lernen, durch den Liebesaspekt und nicht durch den Weisheitsaspekt zu wirken. Dies erfordert viel Schulung, um geistige Un- terscheidung anwenden zu können. 5. Der Heiler muss beim Heilen jene Trä- ger (oder Körperhüllen) der Formnatur ver- wenden, die auf der Linie 2 – 4 – 6 – sind. Wenn er keine solchen Hüllen oder Körper mit dieser grundsätzlichen Energie besitzt, kann er nicht heilen. Das wird nur selten erkannt und anerkannt. Es kommt jedoch kaum vor, dass eine Ausrüstung keinerlei Ausgangsstellen für den zweiten Strahl hat. 6. Jene Heiler, die sich auf dem zweiten Strahl befinden oder einen kraftvollen Träger vom zweiten Strahl besitzen, sind für gewöhnlich große Heiler. Christus, der wahrste, jemals auf Erden bekannte Re- präsentant des zweiten Strahles, war der größte aller heilenden Gottessöhne. 7. Der Strahl der Seele bedingt und be- stimmt die Methode, die angewendet werden soll. Jener Strahl der Persönlich- keitsträger, der am engsten mit dem zwei- ten Strahl verbunden ist (dem alle Un- terstrahlen als Leitungswege dienen) ist derjenige, durch den die heilende Energie strömen muss. 8. Der zweite Unterstrahl des Seelen- strahles bestimmt die Art und Weise, wie der Heiler an das Heilproblem herangeht, dem er sich unmittelbar gegenübersieht. Diese Energie wird in Heilkraft umgewan- delt, wenn sie durch den hierfür geeigne- ten Persönlichkeitsträger strömt. Hierfür geeignet heißt, dass der Strahl dieses Trä- gers der zweite, vierte oder sechste sein muss. 9. Der hierfür geeignete Träger kann ent- weder der Mentalkörper oder der emo- tionelle Körper sein. Da die große Masse der Menschheit ihren Schwerpunkt in der Astralnatur hat, wird die Heilung im All- gemeinen am erfolgreichsten sein, wenn der Heiler eben diesen Körper als Übertra- gungskanal verwendet. 10. Es entsteht daher ein Energiedreieck aus: a) der Energie der Seele, b) dem zweckdienlichen Träger, c) dem Ätherkörper, entweder über das Herz oder über das Solarplexus-Zentrum. 11. Innerhalb des Ätherkörpers bildet sich ein sekundäres Dreieck für den Kreislauf der Energien zwischen: a) dem Kopfzentrum, der Empfangsstati- on; b) dem Ajnazentrum, dem Zentrum für die gelenkte Verteilung; c) dem Zentrum, das – als Weg des ge- ringsten Widerstandes – die Energie des Seelenstrahles verspürt, welcher der sie- ben Strahlen auch immer dieser sein mag. 12. Dieses sekundäre Dreieck wird mit dem ersten Hauptdreieck durch einen „Akt der Überlegung“ verbunden. Dies ist ein Teil der Methode, den ich zurückhalte. 13. Der aufrichtige und erfahrene Heiler kann (in Ermangelung der esoterischen Formel, welche die Verbindung zwischen den beiden Dreiecken herstellt) viel tun, um eine befriedigende Verbindung zu bekommen, und zwar durch einen be- wussten Akt des Glaubens und durch die standhafte Behauptung seiner festgeleg- ten Absicht. 14. Das größere Dreieck betrifft den Hei- ler und macht ihn zu einem Übertragungs- werkzeug; das geringere ist dasjenige, das 25 die Wirkung auf den Patienten ausübt und durch das der Heiler – auf der physischen Ebene – wirkt. 15. Das Vorgehen des Heilers besteht also vor dem bewussten Akt des Heilens aus drei Phasen: Erste Phase: a) Der Heiler verbindet sich tatsächlich und bewusst mit seiner eigenen Seele. b) Dann entscheidet er, welcher von sei- nen Persönlichkeitsträgern verwendet werden soll; diese Entscheidung beruht darauf, wie dieser Träger gegenüber den Energien reagiert, die auf der Linie 2 – 4 – 6 hereinkommen. c) Durch einen Willensakt verbindet er dann die Seelenenergie – über den er- wünschten Träger – mit dem geeigneten Zentrum im Ätherkörper; dieses kann das Herz oder der Solarplexus sein, vorzuzie- hen ist jedoch immer das erstere. Zweite Phase: a) Er schafft das sekundäre Dreieck, indem er seine Aufmerksamkeit im Empfangsor- gan, dem Kopfzentrum, konzentriert. b) Dann verbindet er dieses Kopfzentrum vermittels der schöpferischen Imagination mit dem Zentrum zwischen den Augen- brauen und hält die Energie dort fest, da dieses das leitende Vermittlungsorgan ist. c) Er bemüht sich, in diesem Ajnazentrum die Energie desjenigen ätherischen Zen- trums anzusammeln, das zu seinem See- lenstrahl eine wesensgemäße Beziehung hat. Dritte Phase: Dann stellt er mit Bedacht die Verbindung zwischen den beiden Dreiecken her; hier- auf ist er zur Heilarbeit bereit. Bailey, Alice A.: Esoterisches Heilen. Genf: Lucis Trust, S. 752–755. Zusammengestellt von Sabine Mrosek.
  • Paracelsus Health & Healing 1/III Mehrere Jahrtausende vor unserer Zeit, zur Zeit des Kaisers Yao, lebte in China Pengzu, „der Patriarch der Stadt Peng“, dem die Tradition ein Alter von über 800 Jahren zuspricht. Er ist ein Symbol der Langlebigkeit geworden und wird sowohl von den Ärzten als auch von den Taoisten verehrt. Er war Schama- ne, sagt man, und die chinesische Kul- tur betrachtet ihn als den ersten na- mentlich bekannten Arzt Chinas. Laut Legende sind Peng, Xian und andere Schamanenärzte in die trockenen Ge- genden des äußersten Westens gegan- gen, auf den Berg der übernatürlichen Geister (Lingshan), um dort mit den Geistern zu verkehren und wilde Heil- kräuter zu sammeln. Man erzählt sich, dass Pengzu, ein Nachfahre des Gelben Kaisers (Huangdi), Meister in der Kunst war, „das Leben zu nähren” (yangsheng) mittels verschiedener Praktiken, die von Diät bis zur Ausgestaltung der Lebens- weise reichten und auch Gymnastik-, Atmungs- und geistige Techniken be- inhalteten, die später insbesondere von den Taoisten aufgegriffen wurden. Obwohl die chinesische Medizin sich langsam des Volksglaubens und des Schamanismus entledigt hat, um eine Medizin der Gelehrten zu werden, eine Entwicklung, die sich gemeinsam mit der Gründung des Zentralstaates in China vollzog (4.–3. Jh.v.Chr.), so hat sie doch ihre archaischen Formen über die volks- tümlichen Ausgestaltungen der Medizin beibehalten. Ihre Tradition ist mit drei mythischen Figuren der chinesischen Zi- vilisation verbunden: dem Gelben Kaiser (Huangdi), dem Göttlichen Landmann (Shennong), dem Vater der Pharmako- pöe1 , und Fuxi, dem man die Erfindung der acht Trigramme zuspricht, die auf dem Gedanken der Bewegung des Qi2 als Yin und Yang gründen. Der Taoismus ist mit Lao Tse (5. Jh.v.Chr.) geboren, dem man das Buch des Wegs (Tao) und der Tugend zuspricht, einer Reihe von Aphorismen über die Kunst, sein Leben oder ein Reich zu verwalten. Der Taoismus hat sich zu seiner vollen Blüte hundert Jahre später mit Zhuang- zi entfaltet, der wichtigsten Gestalt der taoistischen Denkweise. Der Gelbe Kai- ser (Huangdi) und Lao Tse wurden die Meister von Anhängern, die die soge- nannte „Huanglao-Richtung” gebildet haben, denn sie vertraten die Vorstel- lung einer Welt und des Lebens, die man diesen beiden Meistern, Huangdi und Lao Tse zusprach und die den Techniken für Langlebigkeit eine wesentliche Be- deutung einräumten. In der Folge wur- den diese vom religiösen Taoismus mehr oder weniger absorbiert und weiterent- wickelt. Um den Beginn des christlichen Zeitalters wurde Lao Tse für göttlich er- klärt und Meister von verschiedenen politisch-religiösen Bewegungen. Diese waren der Beginn der großen Religion des Taoismus, die später verschiede- ne Formen annahm. Zusammenfassend können zwei Hauptaspekte dieser Re- ligion herausgestellt werden: der eine wird von der Schule der Himmlischen Meister vertreten und misst religiösen 26 Medizin und Tao im traditionellen China I Catherine Despeux Catherine Despeux, Maître de Con- férences am Institut National des Langues et Civilisations Orientales in Paris ist Kennerin des Taoismus und der traditionellen chinesischen Me- dizin. Schwerpunkt ihrer Forschung bilden die Techniken zur Erhaltung der Gesundheit und Langlebigkeit- spraktiken des traditionellen China.
  • Paracelsus Health & Healing 1/III Riten und einem kodifizierten sozialen Zusammenleben eine wichtige Bedeu- tung bei. Der andere wird von der Be- wegung des Bergs Lao (bei Nankin) ver- treten und legt den Akzent eher auf das individuelle Heil und die Entwicklung von Langlebigkeitstechniken. Mit Erscheinen dieser zwei religiösen taoistischen Bewegungen verstärkte sich der Unterschied zwischen Medizin und Taoismus, ohne dass es jedoch zu einer Spaltung kam, da ihre Vorstellun- gen über das Leben, Krankheit und The- rapien ähnlich sind. Da, wo die Medizin heilte, nährte und erhielt der Taoismus das Leben, könnte man sagen. Wir müs- sen unsere westlichen Denkkategorien beiseite lassen, die zu einer Trennung von Krankheit und Gesundheit führten: der Arzt sowie der Taoist sollte nicht die Kranken heilen, sondern die Gesundheit erhalten und Krankheiten verhindern. Dadurch trug er zum individuellen und sozialen Wohlbefinden bei, denn Heilen und Regieren entspringen demselben Verfahren und werden in Chinesisch durch zhi ausgedrückt, was wortwört- lich „Ordnung bringen” bedeutet. Im Suwen, dem Kanon der traditionellen chinesischen Medizin, wird folgendes gesagt: „Der Weise bringt einen bereits erkrank- ten Menschen nicht in Ordnung (er heilt nicht), sondern er stellt die Ord- nung her, bevor die Krankheit erscheint. Er ordnet nicht (regiert nicht) ein von Unruhen verwirrtes Land, er ordnet ein Land, das noch nicht in Unordnung ist. Nach Erscheinen einer Krankheit, da- gegen medizinisch vorgehen, oder (in ein Land) Ordnung bringen, in dem die Unruhen schon herrschen, ist das nicht wie das Graben eines Brunnens, wenn man schon dürstet, oder das Einschmel- zen von Waffen, wenn der Krieg schon begonnen hat, das heißt, handelt man hier nicht zu spät?” So sind der Taoismus und die Medizin immer in enger Verbindung gestanden, da beide ähnliche Vorstellungen des Le- bens haben, die auf dem Konzept von Qi beruhen, das man oft sinn-verengend mit „Energie” übersetzt. Qi, Grundlage des Lebens Das Leben entsteht durch Qi. Diese Idee ist in der chinesischen Kultur fest ver- ankert. Einer der ersten, der sie ver- treten hat, ist der taoistische Denker Zhuangzi, der sagt: „Das menschliche Leben entsteht aus einer Anhäufung von Qi. Wenn das Qi sich anhäuft, ent- steht Leben, wenn es sich zerstreut, er- scheint der Tod.” Qi, das sowohl Wasser als auch Feuer ist, ruft die Bewegung hervor, die Dynamik des Lebens, es stellt mittels seiner Beweglichkeit und seines Zirkulierens einerseits die Verbindung und Einheit innerhalb des menschlichen Körpers her, und andererseits zwischen dem menschlichen Körper und dem Universum. Einheit in der Bewegung. So ist das Qi gleichzeitig unveränderlich und in ständiger Veränderung begriffen. Es zeigt sich in Bewegung, nimmt ver- schiedene Formen an, verwandelt sich und bewahrt dennoch immer seine Ein- heit. Jedes Element, jede Erscheinungs- form, von den verschiedenen materiel- len Formen bis hin zu den Gefühlen und den vielfältigen glücklichen oder un- heilvollen Ereignissen des Lebens, sind Ausdruck des einzigartigen Qi. Qi tritt sowohl im menschlichen Kör- per als auch im Universum hauptsäch- lich in zwei sich ergänzenden Formen in Erscheinung, die so unzertrennlich sind wie Tag und Nacht: Yin, das der Nacht, 27 dem Schatten, dem Mond und dem Weiblichen entspricht, und Yang, das dem Tag, dem Licht, der Sonne und dem Männlichen entspricht. Yin und Yang er- zeugen sich gegenseitig, der Höhepunkt des einen führt zur Geburt des anderen. Sie entwickeln sich im Rahmen eines ununterbrochenen Zyklus und geben dem Leben und der Strömung des Qi ei- nen Rhythmus, der den Zyklen der Tage und Jahreszeiten entspricht. Qi tritt des Weiteren auch in Form von fünf Phasen in Erscheinung, die man die fünf wirkenden Kräfte oder fünf Elemente nennt: Holz, Feuer, Erde, Me- tall und Wasser. Diese stehen in Verbin- dung mit den vier Jahreszeiten plus ei- ner Zwischenperiode zwischen Sommer und Herbst, mit den fünf Grundfarben, den fünf Sinnen, den fünf Himmelsrich- tungen (die fünfte ist die Mitte), den fünf Organen (Leber, Herz, Milz, Lunge und Nieren) und den verschiedenen Tei- len des Körpers. Dieses ganze Entspre- chungssystem, das unter anderem eine Ordnungsfunktion hat, erlaubt es der Medizin, die Funktionsweise des Orga- nismus zu erforschen und zum Beispiel durch die Untersuchung von Farben he- rauszufinden, welches Organ in seiner Funktionsweise gestört ist. Gesundheit und Krankheit Die chinesische Weisheit besagt, dass bei der Zeugung des Lebens das Sperma des Vaters und das Blut der Mutter, zwei Formen des Qi, sich vereinigen und ver- mischen, um den Embryo zu bilden, der durch das Qi der mütterlichen Gebär- mutter wächst und sich entwickelt. Bei der Geburt besitzt das Individuum also ein Lebenspotential, das „authentische Qi” (zhenqi), das während des ganzen Lebens hindurch bewahrt, ernährt und
  • Paracelsus Health & Healing 1/III vervollkommnet werden muss. Erst in der Pubertät erhält der Mensch jedoch seine gesamte Qi Menge, das heißt mit 16 Jahren für einen Mann und mit 14 Jahren für eine Frau, wobei diese Zah- len symbolischen Charakter haben. Die Gesundheit wird im Körper haupt- sächlich durch zwei Formen des Qi er- halten:dasabwehrendeQi,daseineBar- riere darstellt und den Menschen gegen alle äußeren Aggressionen schützt, und das in allen Zwischen- und Leerräumen des Körpers zirkuliert, und das nährende Qi, das sich durch das Blut verbreitet. Sie wird weiterhin durch eine angemes- sene Lebens- und Verhaltensweise, eine ausgewogene Ernährung und verschie- dene Techniken erhalten, die das „Leben nähren” (yangsheng). Gesund sein heißt demnach, einerseits das Leben zu nähren und es anderer- seits zu beschützen. Zu diesem Zweck muss man seine Integrität beibehalten und ständig das „höchste Gleichge- wicht” (talping) bewahren, wobei da- mit auch der große Frieden ausgedrückt wird, der auf der Welt herrschen sollte. Dies erfordert eine ständige Aufmerk- samkeit, ein ständiges Beobachten der weltweiten Lage, da die Änderung eines einzigen Bestandteils der Gesamtheit eine weitere Änderung nach sich zieht, um das Gleichgewicht zu bewahren, woraus sich dieser grundlegende Ge- danke der chinesischen Kultur der „Ord- nung” (zhi) ergibt. Dieser Begriff bedeu- tet sowohl „heilen“ als auch „regieren“. Sich den natürlichen Rhythmen anpas- sen und die universelle Harmonie durch eine ständige Anpassung und das stän- dige Bewusstsein der Einheit bewahren, dies gewährleistet Gesundheit. Aus diesen Vorstellungen, die hier zu- sammengefasst sind, ergibt sich, dass Krankheit vorhersehbar und vermeid- bar ist. Jedes bewusst lebende Indivi- duum erkennt eine äußere oder innere Störung und kann dieser mit einer ver- stärkten Verteidigung entgegentreten, um die Integrität seines Selbst zu be- wahren. Deshalb haben die Chinesen der Krankheitsvorbeugung so viel Ge- wicht zugemessen, die zumindest the- oretisch die Hauptaufgabe des Arztes war. Der Taoist, für den der Weg (Tao) darin besteht, zu den Wurzeln des Le- bens zurückzukehren, kann nur dann diesen Weg gehen, wenn er bei guter Gesundheit ist; und umgekehrt, sobald er dem Weg (Tao) folgt, im Einklang mit der Natur ist und die Einheit bewahrt, bleibt er vor Krankheit geschützt. Sowohl für den Arzt als auch für den Taoisten hat ein Mensch sein volles Qi erst zum Zeitpunkt der Pubertät entwi- ckelt. Die Integrität dieses Potentials zu bewahren, bedeutet, Schäden und dem- entsprechend das Altern zu verhindern. So wird das Altern, das in unserer west- lichen Kultur normal und unvermeidbar erscheint, in China zu einem nahezu pathologischen Phänomen. Es sind die Taoisten, die am meisten ihre Aufmerk- samkeit den Mitteln zugewandt haben, den Alterungsprozess zu verhindern, um dank ihrer Techniken, die das Leben er- halten, im Vollbesitz ihrer physischen Kräfte und ihrer jugendlichen Erschei- nung an ihr Lebensende zu gelangen. Mit der Rückkehr zur Einheit verfeiner- ten sie die Qualität ihres Qi, ebenso die Fähigkeit zur Kommunikation und zum Austausch mit dem Qi des Universums, und vollbringen damit eine permanente Regeneration. Diese Auffassung von Leben ist nicht ohne Einschränkungen, die man wie folgt zusammenfassen kann: Maßhalten 28 Medizin und Tao im traditionellen China I
  • Paracelsus Health & Healing 1/III bei allem und die richtige Mitte bewah- ren. Die Mitte bewahren ist ein Begriff, der so im chinesischen Denken veran- kert ist, dass er den Namen des Landes geprägt hat: Zhongguo, „Reich der Mit- te”. Selbstbeherrschung und Kontrolle über jede Situation sind gefordert, um sich nicht von den verschiedenen Emo- tionen überwältigen zu lassen. Auf der anderen Seite gibt diese Lebensauffas- sung die außerordentliche Freiheit, die in der Erfüllung des Menschseins be- steht. Der in Harmonie lebende Mensch dehnt diese auf seine Umwelt aus und erreicht eine vollkommene Autonomie. Diese Vorstellungen setzen die feste Überzeugung voraus, dass jedes Indivi- duum Meister seines Lebens sein kann. Die taoistischen Schriften wiederholen ständig, dass „das Schicksal von jedem Einzelnen und nicht nur vom Universum abhängt.” So ist jeder für seine Gesund- heit verantwortlich und dazu fähig, sie zu bewahren, indem er sich auf den Weg des Tao begibt. (wird fortgesetzt) 1 Pharmakopöe: Arzneibuch; amtliches Vorschriftenbuch über Beschaffenheit und Prüfung, z. T. auch Bereitung, Auf- bewahrung und Dosierung von Arz- neimitteln, die dadurch standardisiert werden. 2 Im westlichen Sprachgebrauch wird häufig „Atem“ an die Stelle des chi- nesischen Wortes Qi gesetzt. Auch im Original des vorliegenden Artikels ver- wendet die Autorin das französische 29 Qi ist beides, Wasser und Feuer Wort „souffle“ oder „souffle vital“, setzt aber manchmal Qi in Klammern dazu. Qi Gong Meister betonen, dass die Be- wegung des Qi im Körper unabhängig vom Atem verläuft. Damit für den Leser keine Verwirrung entsteht, wird daher das Wort „Atem“, im französischen Text „souffle“, jeweils durch Qi ersetzt. Eine adäquate Übersetzung dieses Begriffs, das in Japan Ki, in Indien Prana genannt wird, gibt es in den modernen westli- chen Sprachen m. E. nicht. Der häufig verwendete Begriff der Lebensenergie trifft die Bedeutung nur unvollständig. (B. Pfl.-M.) aus: Arts et Vie Plus Nr. 4 Mai–Juni 1967
  • Paracelsus Health & Healing 1/III Vom deterministischen und mechanis- tischen Newtonschen Modell des 17. Jahrhunderts gehen wir nun zum unbe- stimmten Quantenmodell über, in dem die Gegenwart nicht bis ins kleinste De- tail erkannt werden kann. Es gibt eine Wechselwirkung zwischen dem Beo- bachter und dem Beobachteten. Eine subjektive Welt, in der die Wahrneh- mung ein grundlegender Bestandteil ist und das Verhalten von Teilchen vom Beobachter und der Betrachtungsweise abhängt, transzendiert das Gesetz von Ursache und Wirkung, Zu den grundlegenden Eigenschaften gehören: n Welle-Teilchen-Dualität n Kohärenz: eine Eigenschaft der Quantenwelt n Nicht-Örtlichkeit n Unbestimmtheit Welle-Teilchen-Dualität Geist-Körper-Dualität ist die Entspre- chung der Welle-Teilchen-Dualität. Der physische Körper ist der materielle As- pekt, während das Bewusstsein der Wel- len-Aspektist.InderQuantenphysikgibt es ein bemerkenswertes Experiment – der Young’sche Doppelspaltversuch – in dem bewiesen wird, dass das Bewusst- sein eine Verschiebung des Gleichge- wichts bewirkt, und dass ein innerer Dialog zwischen dem Forscher, den Ele- mentarteilchen und dem Bewusstsein des Forschers existiert. Wohin auch im- mer der Forscher seine Aufmerksamkeit lenkt, entsprechend verändert sich das Ergebnis des Experiments. Wir sollten über die Bedeutung dieser Tatsache nachdenken und uns bewusst machen, dass die Welt der subatoma- ren Teilchen in der gesamten Materie besteht (… und wir werden aus Materie gebildet …). Kohärenz: Eine Eigenschaft der Quantenwelt Dies ist die Essenz des Magnetismus, des Laserlichts, von hochkohärenten mentalen Stufen des Bewusstseins … Das Konzept des „Feldes“ spielt bei der Wechselwirkung aller Systeme in der Natur eine überragende Rolle. Jeder Körper bildet ein „Feld“ um sich selbst und verändert damit die Eigenschaf- ten des ihn umgebenden Raumes. Die Physik selbst betrachtet nicht mehr nur Materie und ihre Teilchen, sondern ak- zeptiert die Tatsache, dass das „Feld“ eine wichtige Rolle bei der Wechselwir- kung aller Systeme spielt. Das gebildete Feld ist untrennbar mit den vier grund- legenden Kräften verbunden: n Gravitationskraft, n elektromagnetische Kraft, n schwache Nuklearkraft, n starke Nuklearkraft. Diese Kräfte bestimmen das Verhalten aller Materie sowie der biologischen, chemischen und nuklearen Phänomene. Dank dieser Kräfte wird alles wunderbar zusammengehalten und geeint. Im 17. Jahrhundert begriff Isaac New- ton das Konzept der Anziehung der Schwerkraft als das Gesetz der univer- 30 Quantenphysik und Bewusstsein II Dr. Inmaculada Nogués Dr. Inmaculada Nogués ist Familien- ärztin und Homöopathin und befasst sich mit Syntergetik. Sie hat ihre Arztpraxis in Barcelona, Spanien. Syntergetik ist eine ganzheitliche Annäherung an die Synthese der Medizin bzw. Medizin des Bewusst- seins und wurde von Dr. Jorge Car- vajal in Kolumbien entwickelt.
  • Paracelsus Health & Healing 1/III salen Gravitationskraft. Alle materiel- len Objekte ziehen sich gegenseitig an. Materie besitzt die Eigenschaft, dass je- des Teilchen im Universum durch seine Masse eine Anziehungskraft auf andere Teilchen ausübt. Diese Kraft ist verant- wortlich für die Anziehung und Kohäsi- on aller Himmelskörper. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhun- derts wurde eine Vielzahl grundlegen- der Entdeckungen im Bereich der Elek- trizität und des Magnetismus gemacht. Einer der bemerkenswertesten Forscher war Hans Christian Oersted, Professor der Physik in Kopenhagen, der im Jahre 1820 die Beziehung zwischen Elektri- zität und Magnetismus entdeckte. Die elektromagnetische Kraft besteht aus zwei Feldern, die eng miteinander ver- bunden sind: aus dem elektrischen Feld und dem magnetischen Feld. Die Magneten zeigen die Existenz von magnetischen Kraftlinien, die in der Lage sind, ein Feld aufzubauen. Sie zei- gen auch, dass Körper mit unterschied- licher Ladung einander anziehen bzw. Körper mit gleicher Ladung sich ge- genseitig abstoßen. An diesem Beispiel wird ersichtlich, wie das „Feld“ die An- ordnung der Teilchen bestimmt – eine unsichtbare Schablone dessen, was später Form annimmt. Unser Planet besitzt ein magnetisches Feld von annähernd 500 Milligauss, und alle Menschen unterliegen seiner Wir- kung. Aber nicht nur die Erde, auch die Sonne und der Mond selbst als sich be- wegende Massenkörper besitzen eigene elektromagnetische Felder, die konti- nuierlich eine Wirkung auf uns und das gesamte Sonnensystem ausüben. Es ist bekannt, dass wenn wir einen Magneten spalten, jeder Teil ein Mag- net bleibt; kleiner zwar, aber mit neuen Polen. Diese magnetische Eigenschaft ist eine der Materie selbst (in den Ato- men) innewohnende Eigenschaft. Daher ist der Magnetismus eng verbunden mit der grundlegenden Existenz der Atome: Es sind die atomaren Elektronen mit ih- rem Spin, die beim Drehen die Magnet- felder hervorrufen. Der Spin ist eine Quanteneigenschaft. So gesehen können wir Atome und Moleküle als sehr klei- ne Magneten begreifen. In einem nicht magnetisierten Eisenstab sind die Ato- me ungeordnet, und die magnetischen Teile der Atome neutralisieren sich ge- genseitig, da alle Atome ungeordnet in alleRichtungenvorliegen.IneinemMag- neten bzw. einem magnetisierten Stab sind alle Atome im Raum gerichtet und geordnet. Mit seinen Polen trägt jedes Atom zur Erhöhung der magnetischen Wirkung bei, und alle gemeinsam bilden einen Magneten. Daher unterscheidet sich ein Magnet von einem nicht mag- netisierten Eisenstab durch die gerichte- te Anordnung seiner Teilchen. Kohärenz, Ordnung und Harmonie sind unerläss- lich, um einen Magneten herzustellen, der eine Anziehungskraft ausübt und eine Ordnung herstellt. Unser Herz produziert das kraftvolls- te elektromagnetische Feld im Körper. Es ist der wichtigste elektrische Oszil- lator. Es entspricht dem vierten ener- getischen Zentrum. Es ist ein Zentrum der Synthese, das ein elektrisches Po- tential produziert, das 5000 Mal grö- ßer ist als die Summe aller elektrischen Felder im Körper. Selbst innerhalb einer Reichweite von drei Metern beeinflusst das magnetische Feld unseres Körpers unsere Patienten. Wenn wir unser Be- wusstsein im Herzen zentrieren, kön- nen wir eine Harmonisierung unseres gesamten elektromagnetischen Feldes 31 herstellen. Entsprechend dem Grad un- seres Bewusstseins schaffen wir perma- nent Harmonie oder Disharmonie. Das innere Vertrauen wird im Herzen gebo- ren, und dieses innere Vertrauen drückt sich als Kohärenz aus. Wenn sich das Herz zusammenzieht, trägt es eine Klangwelle hinein, eine thermische Welle, eine Druckwelle, eine magnetische Welle. Es gibt ein ganzes Bündel an Informationen oder Frequen- zen weiter, die buchstäblich den gesam- ten Körper überziehen. Wenn im Herzen eine Veränderung stattfindet, dann ver- ändern sich auch alle Körperzellen. Und was verändert die Muster der Herz- frequenz? Emotionen. Alle Emotionen werden aus Angst oder Liebe geboren. Es gibt zwei Physiologien: Die Physio- logie der Liebe und die Physiologie der Angst. „Die Kunst aller Therapien be- steht darin, die Physiologie der Liebe wieder zu beleben.“ Eine der ersten Regeln in der Arzt-Pa- tienten-Beziehung ist es, im „Hier und Jetzt“ zu sein. Das heißt präsent zu sein und mit all unseren Sinnen zuzuhören. Wir müssen mit unserem Gesprächs- partner in Resonanz gehen und eine Atmosphäre des Vertrauens aufbauen. Vertrauen ist ein Magnet, der Bezie- hung ermöglicht und jedes Gefühl der Illusion oder Gefühle von Furcht und Einsamkeit auslöscht. Wenn wir un- ser Bewusstsein auf unser Herz rich- ten, entsteht eine umfassende Harmo- nisierung unseres elektromagnetischen Feldes (das den Raum unserer weit ge- öffneten Arme umschließt), denn un- ser Herz ist der wichtigste magnetische Oszillator. Unsere Gehirnhälften werden auf der Alpha-Frequenz harmonisiert, auf einer oberflächlichen wie auch ei- ner tiefen Ebene. Dabei kommt es zu ei-
  • Paracelsus Health & Healing 1/III kannt, dass in der subatomaren Welt eine sofortige Übertragung von Infor- mation stattfindet und so das Prinzip der Nicht-Örtlichkeit besteht. Im Jahre 1982 maß Alain Aspect die Polarisie- rung in einem niedrig-frequenten Pho- tonenpaar, das von einer einzigen Quelle emittiert wurde, und zeigte, dass jedes der Photonen sofort „wusste“, was sein Gegenpart getan hat. Es ist, als „wür- de jeder Punkt im Raum-Zeit-Gewebe die Information des gesamten Systems halten.“ Von daher stammt die Idee des Universums als unendliches kosmisches Hologramm, in dem eine unbegrenzte Menge an Informationen existiert. Im Hologramm finden wir ein einzigartiges Modell, um die energetische Struktur des Universums sowie die Multidimen- sionalität des Menschen zu verstehen. Im Jahre 1947 beschrieb der Physiker Denis Gabor das mathematische Prinzip eines Hologramms, eine Entdeckung, die ihm später den Nobelpreis einbrachte. Holographie ist eine fotografische Tech- nik zur Herstellung von dreidimensiona- len Bildern, die man als Hologramme be- zeichnet. Ein Hologramm ist in Wahrheit ein Bild in drei Dimensionen. Eine weite- re sehr wichtige Eigenschaft des Holo- gramms besteht darin, dass man, wenn man ein Stück des holographischen Fil- mes ausschneidet und durch dieses Stück Laserlicht sendet, das Bild des gesamten Objekts erhält und nicht nur des heraus- geschnittenen Stücks. Wir erhalten das Bild des unversehrten Objekts in drei Di- mensionen. Das ist das holographische Prinzip: „Jedes Teil enthält das Ganze, und das Ganze ist im Teil enthalten.“ Dieses Konzept revolutioniert alle Zwei- ge der Wissenschaft und Gedankenschu- len. Es gibt viele Wissenschaftler, die in dieser Richtung arbeiten, wobei zwei von ihnen eine herausragende Stellung einnehmen: der Neurochirurg Karl Prib- ran und der Physiker David Bohn. Karl Pribran macht Forschungen auf dem Gebiet des Gedächtnisses und der Gehirnfunktionen. Seine Studien haben ihn zu der Schlussfolgerung geführt, dass unser Gehirn in vielen Bereichen wie ein Hologramm funktioniert. Wenn unser Gehirn tatsächlich wie ein Holo- gramm funktioniert, könnten wir Zu- gang zu einem größeren Ganzen haben, zu einem Feld oder – wie er sagt – „ei- nem holistischen Frequenzbereich“, der die Grenzen von Raum und Zeit über- schreitet. Wir können uns mit einem Bewusstseinszustand verbinden, in dem wir Zugang zum Ganzen, zur Einheit, zum Nicht-Raum, zur Nicht-Zeit haben und so die mystischen Erfahrungen der Einheit verstehen, die von den Mysti- kern und Weisen aller Zeiten allgemein- gültig beschrieben wurden. Darüber hinaus arbeitet der englische Physiker David Bohn auf dem Gebiet der subatomaren Physik und des Quanten- potentials, und seine Studien führten ihn zu dem Schluss, dass die physischen, materiellen Entitäten, die in Raum und Zeit getrennt erscheinen, tatsächlich in einem gemeinsamen Feld zusammen bestehen und unterschwellig oder, wie er es selbst ausdrückt, „implizit“ mitein- ander verbunden sind. Für ihn existieren zwei Dimensionen oder Sphären: 1. die Dimension der Manifestation, oder „explizite Sphäre“, wo Dinge und Ereignisse getrennt existieren. Dort spielen Raum und Zeit eine Rolle. 2. die Dimension der Nicht-Manifesta- tion, oder „implizite Sphäre“, die jen- seits des Erscheinungsbildes existiert, wo Dinge und Ereignisse raum- und zeitlos, einzigartig und unteilbar sind. 32 ner Harmonisierung unseres limbischen Systems, das unser emotionales Poten- tial bestimmt. In diesem Stadium des Bewusstseins und der Kohärenz entsteht in einem selbst die größte Kohärenz, wie ein har- monisierender Magnet, und der Thera- peut, der phasengleich ist, bringt den Patienten dazu, ebenfalls phasengleich zu werden. Ein Therapeut, der in diesem Zustand ist, strahlt durch seine Hände ein sehr schwaches pulsierendes mag- netisches Feld von 7,8 Zyklen pro Se- kunde oder 7,8 Hertz aus. Dies ist wich- tig, da der Puls des magnetischen Feldes der Erde zwischen 0,1 und 30 Zyklen pro Sekunde schwankt. Die wichtigste Puls- frequenz des erdmagnetischen Feldes beträgt ebenfalls 7,8 Hertz oder Zyklen pro Sekunde. Ein Therapeut ist in der Lage, die verlorene 7,8-Hertz-Schwin- gung im Patienten wieder herzustellen und ihn so erneut harmonisch mit der Erde zu verbinden. Synchronisation ermöglicht Resonanz und Kommunikation. In diesem Stadi- um können therapeutische Bilder über- tragen werden – d. h. wenn das Gehirn des Therapeuten sich auf das Gehirn des Patienten einstellt und beide harmo- nisch in Resonanz zueinander stehen –, die eine tiefgründige physiologische und therapeutische Wirkung haben. An dieser Stelle wird die Bedeutung von Entspannungstechniken klar, die uns in den Alpha-Zustand und weitergehende Visualisierungen führen. Nicht-Örtlichkeit Das Prinzip der Nicht-Örtlichkeit erklärt die Wirkungen auf Distanz (ein Experi- ment von Einstein-Podolski-Rosen). In diesem Zusammenhang macht uns die Quantenphysik mit der Tatsache be-
  • Paracelsus Health & Healing 1/III Die mystischen Erfahrungen der Einheit ließen sich durch eine Verbindung mit dieser Sphäre erklären. Unbestimmtheit Die Quantenwelt ist unbestimmt. Und dieses Unbestimmtheitsprinzip (Hei- senbergsche Unschärferelation) ma- nifestiert sich auch in der Physiologie unseres Gehirns, speziell in der sympa- thischen Verbindung – im synaptischen Raum. Heisenbergs Unschärferelation ist schon lange in die Sprache der Sozio- logen und Psychologen eingegangen. Der Begriff „Quantensprung“ wird im- mer dann benutzt, wenn eine plötzli- che Veränderung eintritt. Derzeit for- dert die Neurophysiologie, Phänomene der Quantenphysik zu berücksichtigen, um das Bewusstsein zu ergründen. For- scher, die in die Mysterien der Wech- selwirkung von Geist und Materie ein- dringen wollen, konzentrieren sich auf das Studium von Quantenereignissen, die innerhalb und zwischen Neuronen im Gehirn stattfinden. Der Raum zwi- schen zwei Neuronen – der synaptische Spalt – ist so geringfügig, ca. 200 bis 300 Amstrom, dass er in das Gebiet der Quantenphysik gehört. 1970 haben der Neurologe John C. Ec- cles sowie andere Neurologen Daten über den Einfluss des ephemeren Den- kens gesammelt, das auf die statische Materie einwirkt. Eccles beobachtete, dass das synaptische Vesikel, in dem die Neurotransmitter gespeichert wer- den, eine nahezu kugelförmige Struktur von 400A Durchmesser hat. Eddigton studierte diese Vesikel und kam zu dem Schluss, dass das Prinzip der Unschärfe- relation der Quantenphysik tatsächlich auf ein Objekt dieser Größe anwend- bar ist und bezifferte die Unschärfe auf 50A pro Millisekunde. Diese Zahl ist äu- ßerst wichtig und bedeutungsvoll, denn 50A könnten die Größenordnung sein, mit der das Bewusstsein vermutlich in Wechselwirkung mit dem neurophysi- ologischen Mechanismus des Gehirns steht. Mit anderen Worten könnten 50A das Maß des „Freien Willens“ oder „mentalen Einflusses“ sein. Quantenphysik, Bewusstsein, Kohärenz, elektromagnetisches Feld, Herz – der wichtigste magnetische Oszillator, Re- sonanz, Induktion, vereinigtes Feld, Nicht-Örtlichkeit, Unschärfeprinzip, Un- bestimmtheit. All diese können Konzep- te sein, die in unserem Bewusstsein in Resonanz gehen und uns neue Türen öffnen. Richtungsweisende Fäden, die uns erlauben, tiefer in das Wunder un- seres Selbst und der gesamten Schöp- fung einzudringen. Wir sind dabei, einen „Quantensprung“ in unserem Bewusstsein zu vollziehen und dadurch auf eine neue Umlaufbahn zu gelangen, wo Harmonie, Frieden und Kohärenz integraler Bestandteil unserer Physiologie und Existenz sind. Vielleicht können wir verstehen, dass die schwache nukleare Kraft – die elektro- magnetische Kraft, die fast eine Million mal geringer ist als die starke nukleare Kraft – verantwortlich ist für die Um- wandlung eines Neutrons in ein Proton bzw. für die Umwandlung von Materie, dass sie beteiligt ist an der Umwand- lung eines Elektrons in ein Antineutrino, ein subatomares Teilchen, das durch die Erde hindurchgehen kann als wäre sie ein leerer Raum und ursprünglich von der Sonne, der Lebensquelle, kommt. Vielleicht werden wir verstehen kön- nen, dass im Herzen des Atoms, inner- halb der Protonen und Neutronen, eine 33 wundervolle kohäsive Kraft wirkt. Diese Kraft sorgt dafür, dass die Quarks ver- bunden bleiben (die wiederum ein un- ermessliches Potential haben, das 1039 Mal höher ist als die Gravitationskraft). Diese Kohäsion wird durch Gluonen be- wirkt, die alles vollkommen zusammen- führen und für Kohäsion sorgen. Dies ist der direkte Ausdruck der erhabens- ten aller Energien – der Lebensenergie oder der Energie der Liebe. Quantenmechanisches Modell eines Atoms
  • Paracelsus Health & Healing 1/III Die Infektion mit Candida Die Candidainfektion ist die häufigste Begleitinfektion bei Allergien und die am meisten unterschätzte. Die Schul- medizin bagatellisiert sie, die alterna- tive Medizin sieht in ihr den Schlüssel vieler Krankheiten. Was sind diese Can- dida? Candida bezeichnet eine gan- ze Gruppe von Candidapilzen, die im Darm eines jeden vorkommen. Laien- haft spricht man von den „Darmpilzen“. Allein die Literatur über diese Krankheit und die Behandlungsmöglichkeiten fin- den sich in jeder Verlagsreihe über me- dizinische Themen und Laienaufklärung. Es gibt Spezialisten, die für viel Geld mit Infusionen, Diäten, Darmspülungen, Ozontherapie, Sauerstofftherapie usw. das Problem angehen. Allein über die Pilzdiät gibt es mehr Bücher als über die Bioresonanz. Wenn diese Behand- lungen und Empfehlungen erfolgreich wären, müsste der Candida schon aus- gerottet sein. Ich möchte deshalb versuchen, mich diesem sensiblen Thema von verschie- den Seiten zu nähern, um klar zu ma- chen, dass es sich hier nicht um eine reine Infektion handelt, sondern einen Teil eines komplexen Systems, aus dem man diese Infektion nicht herausreißen kann. Ich möchte aber auch betonen, dass ich garantierte Ergebnisse durch meine Methode vorweisen kann, die zu 90 % aller Fälle die Beseitigung des Problems auf Dauer gewährleistet. Die Mediziner H. H. Charles und H. Fink schreiben in ihrem Buch über Candi- da: „Nach den Erfahrungen der letzten Jahre wird zunehmend deutlich, dass die Candidainfektion auf einer Immun- schwäche beruht und dass es nicht ge- nügt, die Darmpilze mit Antimykotica zu bekämpfen, sondern dass gleichzei- tig das Immunsystem gestärkt werden muss.“ Hier wird auf übergeordnete Zusam- menhänge hingewiesen, aber das ist nur ein wichtiger Teil. Die Grundfrage ist, weshalb ein bei jedem Menschen vorkommender Darmparasit zu einer Infektion wird. Die Parallele zur Helico- bacterinfektion liegt nahe. Die Allergie macht eine Entzündung des Darms und auf dieser entzündeten Schleimhaut kann sich der Helicobacter gut vermeh- ren. Ein anschauliches Beispiel ist die Infektion einer kleinen Hautabschür- fung bei Schmutzarbeiten. Eine intakte Haut infiziert sich nicht! Aber an jeder beschädigten Stelle der Haut können Bakterien eindringen und eine Infekti- on auslösen. Die Grundlage für die Vermehrung der Candida ist die Entzündung der Darm- schleimhaut bei einer Allergie. Die zweite Grundlage stellt die verminder- te Abwehr des Immunsystems dar. Erst durch das Zusammenwirken dieser Fak- toren kann es zum Überschreiten einer pathologischen Schwelle kommen und dadurch zur Infektion. Welche Sympto- me diese Infektion verursachen kann, zeigt die folgende Tabelle. 34 Bioresonanz: Therapie mit Zukunft VI Methode: Medizinische Bioresonanz Dr. G. Rummel ist seit über 30 Jahren als Allgemeinmediziner niedergelassen und hat als Sportmediziner verschiedene Methoden der Frühmobilisation entwi- ckelt. Auch mit Verfahren wie Akupunk- tur, Neuraltherapie, Chiropraktik hat er sich beschäftigt. Die größte Faszination ging von der Bioresonanz aus, die er 1996 kennen lernte und stufenweise weiterentwickelte. Schließlich entstand eine ganz neue Methode, die auf den Grundlagen der Schulmedizin aufbaut und den wissenschaftlichen Hinter- grund der Wirkung der Bioresonanz analysiert. 1997 wurde die Medizinische Gesellschaft für Bioresonanz gegründet. Dr. Gerhard L. Rummel
  • Paracelsus Health & Healing 1/III Klinische Symptome der Candida- Infektionen n Müdigkeit n Depression n Nervenschmerzen n Schwindel n Herzbeschwerden n Panikattacken n Schwitzen n Aggressivität n Innere Kälte / Frieren n Konzentrationsmangel n Schlafstörungen n Juckreiz n Magenbeschwerden n Verstopfte Nase n Verstopfung / Durchfälle n „Zappelphilipp“ n Blähungen n Kopfschuppen n Süßhunger n Periodenschmerzen n Heißhunger n Prostatitis Diese Symptome sind die am häufigs- ten genannten bei Candidainfektion. Die Zahl der genannten Symptome kor- reliert mit der Schwere der Infektion. Viele Patienten werden sich in diesen Symptomen erkennen und endlich das Stigma einer psychopathischen Person abschütteln können. Die Medizin ist schnell bei der Hand mit einer Abstem- pelung zum psychisch Kranken und die meisten Patienten mit diesen Symp- tomen waren beim „Neurologen“ we- gen ihrer Nervenschmerzen. Oft wer- den Psychopharmaka verordnet. Viele Kranke resignieren und schweigen ihre Symptome tot. Fast alle Patienten mit einer langen Liste von Beschwerden waren bei den verschiedensten Fach- ärzten, die ihnen alle eine „Gesundheit“ bescheinigten, aber ihre Beschwerden nicht erklären konnten. Fast jeder Pati- ent bringt eine Mappe voller „normaler“ Befunde mit, die keine Erklärung ihrer Beschwerden sind. Zur Verdeutlichung möchte ich eine Ge- schichte einer Patientin schildern, die vielleicht für viele übertrieben klingt, die ich aber ähnlich schon hundertfach gehört habe. Die etwas ältere Dame kam mit einem Bündel Akten über die bishe- rigen Untersuchungen zum Informati- onsgespräch über Bioresonanz. Befunde einer Uniklinik, von fünf verschiedenen Fachärzten und eine Liste von Medika- menten. Ich wollte zuerst ihre Sympto- me hören. Sie war bis vor fünf Jahren eine lebenslustige Frau, ging auf Feste bei Vereinen, dichtete Faschingsverse, tanzte gerne und war selten krank. Nach einer „Grippe“ erholte sie sich schlecht und bekam wegen einer Bronchitis Anti- biotica. Da die Symptome blieben, wur- den noch mehrmals verschiedene Anti- biotika gegeben, insgesamt fünf Zyklen jeweils acht bis zehn Tage lang. Zwar verschwand das Fieber, aber der Husten blieb, und es stellten sich Schmerzen am ganzen Körper ein. Sie wurde immer schwächer. Der Mund war trocken, die Zunge belegt, ständig musste sie Spru- del trinken wegen der trockenen Lippen, und der Speichel war weiß und klebrig. Dazu kamen Schlafstörungen, Blähun- gen, und sie musste sich schon mor- gens hinlegen, weil sie nach zwei Stun- den schon todmüde war. Sie ging nicht mehr aus, interessierte sich für nichts mehr und zu Ärzten ging sie nach den vielen Untersuchungen nicht mehr, weil nichts gefunden werden konnte. Die Mittel gegen die Schmerzen hal- fen nur wenig, und schließlich bot man Morphium an. Zur selben Zeit war die 35 Schwiegermutter an Krebs erkrankt und musste Tag und Nacht von ihr versorgt werden. Schließlich war sie überzeugt, selbst auch Krebs zu haben. In ihrer Not versuchte sie es bei ver- schiedenen Heilpraktikern, die sie we- nigstens ernst nahmen und mit homö- opathischen Mitteln halfen. Auch die üblichen Diäten und Darmspülungen brachten keinen Erfolg. Ein Heilprakti- ker stellte die Diagnose einer Candida- infektion. Diese nicht untypische Krankenge- schichte zeigt die verheerenden Aus- wirkungen einer wahrscheinlichen Virusinfektion auf einen Menschen, dessen ganzes Leben zerstört wird und der in der Schulmedizin meist als Hypo- chonder betrachtet wird. Durch Biore- sonanz konnte wieder ein lebensfroher Mensch entstehen. Die Candidainfekti- on war nur Folge einer unkontrollierten Antibiotikagabe, mit der das Immunsys- tem völlig ruiniert wurde. Der eigent- liche Auslöser war eine Mononucleose (Pfeiffersches Drüsenfieber = wichtige Virus-Infektion) zusammen mit erheb- lichen familiären Problemen. Also kann eine solche Situation auch ohne Aller- gie als Auslöser entstehen. Virusinfektion + Stress + Antibiotika Ë Immunsuppression + Candida-Infektion Ë Zusammenbruch Wir haben es hier mit einem vielschich- tigen Problem zu tun, das als Starter eine Virus-Infektion hat, der die Can- didainfektion folgt. Pilzerkrankungen sind aber auch sonst weit verbreitet und häufiger als angenommen.
  • Paracelsus Health & Healing 1/III Hier einige offizielle Zahlen einer Sta- tistik aus dem „Deutschen Ärzteblatt“: 20 % haben Hautpilz 20 % aller Frauen haben Scheidenpilz 15 % haben Nagelpilz Demnach sind 30 % der Bevölkerung infiziert mit Candida, was auch der Zahl der Allergiker entspricht. Die wahre Zahl der Allergiker liegt aber weit höher, da die Krankheiten des Neuralorgans und teilweise auch des Verdauungsorgans nicht offiziell zu den Allergien gezählt werden. Faktoren, die das Wachstum der Candi- da begünstigen sind: 1. Antibiotika 2. Cortison 3. Immunsuppressiva und Bestrahlun- gen 4. Toxine 5. Stress 6. Virusinfektionen Bei der Gabe von Antibiotika werden die Bakterien der Darmflora reduziert, so dass das innere Gleichgewicht zu Guns- ten der Candida verändert wird. Corti- son wirkt schwächend auf das Immun- system, genauso wie Immunsuppressiva und Bestrahlungen oder Toxine. Auch Stress wirkt in dieser Richtung. Die Rolle der Virusinfektionen wird in einem eigenen Kapitel behandelt. Die- se Infektionen sind besonders aggressi- ve Belastungen. Bei Allergikern treffen diese Infektionen auf ein geschwächtes Immunsystem, weshalb diese Infektio- nen hier viel schlimmere Auswirkungen haben. Das Candidagesetz Um die Zusammenhänge und die Be- deutung der Candidainfektion bei Aller- gikern darzustellen, wurde das „Candi- dagesetz“ formuliert. Das Schema zeigt eine lineare Abhän- gigkeit der Schwere der Candidainfek- tion von der Zahl der Allergien und der Schwere von Restinfektionen im Körper durch Virusinfektionen. Damit steigt auch die Zahl der notwendigen Thera- pien nicht nur linear, sondern exponen- tiell. 36 Bioresonanz: Therapie mit Zukunft VI Candida-Infektionen Candida Candida Normbereich Allergien/Infektionen
  • Paracelsus Health & Healing 1/III Im Wesentlichen korreliert diese Aussa- ge auch mit der Schwere der Belastung des Immunsystems. Die Behandlung der Candidainfektion Die Behandlung der Candida kann nur gesehen werden im Rahmen einer Ge- samtstrategie. Wenn man die Diäten wie Fastenkuren, kohlenhydratfreie Kost und Darmsanierung vom medizini- schen Standpunkt analysiert, muss man auch die anatomischen Grundlagen be- rücksichtigen. Wie die Abbildung zeigt, schwimmt der Candida auf dem Schleim, hat aber auch „Füße“ (Mycelen), mit denen er sich in der Darmwand festkrallt und auch von dort ernährt wird. Ein „Aushungern“ wird wenig erfolgreich sein, weil die Ernährung über die Schleimhaut gesi- chert ist. Auch mechanische Prinzipien wie Spülungen sind wenig sinnvoll. Eine eigene Statistik mit verschiedenen Diäten ergab, dass die Patienten mit Mischkost und vegetarischer Ernährung die besten Kontrollen bei den Stuhlpro- ben hatten. Bei den Fastenkuren waren die Nebenwirkungen teilweise drama- tisch. Die einzige Möglichkeit einer effektiven Therapie ist die Beseitigung der Ursa- chen, die zur Pilzinfektion führen. Wer nicht die immunologische und allergi- sche Situation verbessert, erzielt nur vorübergehende Besserungen. Ein noch nicht ausreichend erklärbares Problem sind die Toxine, die beim Zer- fall der Candida entstehen. Sie lösen oft erneute Schübe einer Allergie aus. Nach einer Behandlung mit Antimykotika 37 treten innerhalb von einem Tag häufig gleichartige Symptome auf, die eindeu- tig mit Candida korrelieren und bei der Nesselsucht kommt es zu regelrechten Krankheitsschüben. aus: Rummel, Gerhard L.: Bioresonanz – Therapie der Zukunft. Elztal: Verlag Laub GmbH & Co. KG, 2003 Weitere Informationen: Medizinische Gesellschaft für Bioresonanz, www.mgb-info.de Dünndarmzelle BasalmembranFresszellen (Makrophagen) schleimbildende Becherzelle Immun- Abwehrzelle Immunzelle zw. Darmzellen normale wandständige Darmbakterien Candida Darmschleim Immunabwehrkörper (Antikörper)
  • Paracelsus Health & Healing 1/III Platon hat versucht „das höchste Gut“ zu definieren. Aristoteles hat es als Ethik erstmals ausführlich behandelt. Seither bildet die Ethik ein Hauptthema der Philosophie. Kant definiert sie als „das moralische Gesetz in mir“. Auch Spinoza und in jüngerer Zeit Nikolai Hartmann (1882–1951) waren überzeugt, dass sich die Ethik ebenso beweisen lasse wie die Gesetze der Geometrie. Mit der Einführung der logischen Ka- tegorien der Regulations-Psychologie wurde es möglich, „das Gesetz in mir“ logisch zu beweisen. Das psycho-physiologische Regulati- onssystem, das wir „Psyche“ nennen, reguliert die Emotionen und Motivatio- nen (Limbisches Zwischenhirn, Thalmus und Amygdala) mit drei logisch defi- nierten Polaritäten. 38 Das ethische „Gesetz in mir“ ist die Basis der psychosomatischen Therapie. Prof. Dr. Max Lüscher, Luzern Max Lüscher studierte Psychiatrie und doktorierte in den Fächern Philosophie, Psychologie und Rechtsphilosophie mit der herausragenden Doktorarbeit „Die Farbe als psychodiagnostisches Hilfs- mittel“. Er arbeitete als Psychotherapeut in Basel und in Berlin, dann ließ er sich in Luzern nieder. Dort leitet er das Ins- titut für medizinische Psychodiagnostik und unterstützt die wissenschaftlichen Arbeiten zur Lüscher-Color-Diagnostik und Therapie. Seine Haupttätigkeit sind Seminare zur Ausbildung von Ärzten und Gastvorlesungen. Die Lüscher-Co- lor-Diagnostik wird in sieben Sprachen unterrichtet und weltweit an vielen Universitäten benutzt. Deren 6 logischen Kategorien sind: 1. direktiv (bestimmend) gegenüber rezeptiv (empfangend) 2. konstant (bleibend) gegenüber variabel (wechselnd) 3. integrativ (verbindend) gegenüber separativ (trennend) Aus der Kombination dieser 6 Kategorien ergeben sich die vier logisch begrün- deten, normalen Selbst-Gefühle. Diese vier normalen Selbstgefühle sind die Voraussetzung zur psychosomatischen Gesundheit. Die Selbst-Achtung (direktiv, konstant, separativ). Das Selbst-Vertrauen (direktiv, variabel, integrativ). Die innere Zufriedenheit (rezeptiv, konstant, integrativ). Die innere Freiheit (rezeptiv, variabel, separativ). Wer in den normalen Selbst-Gefühlen lebt, verhält sich anderen gegenüber normal, also ethisch. Die 6 Kategorien begründen die 6 ethischen Normen. Die Kategorie direktiv entspricht der Verantwortung. Die Kategorie rezeptiv entspricht der Toleranz. Die Kategorie konstant entspricht der Aufrichtigkeit. Die Kategorie variabel entspricht der Aufgeschlossenheit. Die Kategorie integrativ entspricht dem Wohlwollen. Die Kategorie separativ entspricht der Gerechtigkeit.
  • Paracelsus Health & Healing 1/III Beispiel 1: Die Kategorie rezeptiv: Die Selbstgefühle: Innere Freiheit und innere Zufriedenheit sind beide rezep- tiv. Die innere Freiheit ist offen und fä- hig etwas zuzulassen. Die innere Zu- friedenheit ist bescheiden und duldsam. Diese beiden rezeptiven Selbstgefühle sind die Voraussetzung für das ethische Verhalten der Toleranz. Beispiel 2: Die Kategorie integrativ: Die Selbstgefühle innere Zufriedenheit und Selbst-Vertrauen sind beide inte- grativ. Bei innerer Zufriedenheit ist man bescheiden und verständnisbereit. Wer Selbst-Vertrauen hat, ist fähig, sich zu engagieren und zu helfen. Diese beiden integrativen Selbstgefühle sind die Vo- raussetzung für das ethische Verhalten das Wohlwollen. „Benevolence“ ist von englischen und amerikanischen Philo- sophen (z. B. Butler, Hume, Smith und James, Dewey) für das Kriterium der Ethik gehalten worden). Beispiel 3: Die Kategorie separativ: Die Selbstgefühle Selbst-Achtung und innere Freiheit sind beide separativ. Wer Selbst-Achtung hat, verhält sich wahr- haftig und will objektiv urteilen. Wer sich innerlich frei fühlt, ist offen und kann unabhängig urteilen. Das sind die Voraussetzungen für die ethische Norm der Gerechtigkeit. Die kategorial begründeten, vier norma- len Selbst-Gefühle und die durch diese Kategorien begründeten ethischen Nor- men bilden die Voraussetzung für die psychosomatische Gesundheit. Darum ist es das Ziel aller Psychotherapie, die- se normalen Selbstgefühle herzustel- len. Die psychosomatische Therapie soll den Patienten in den Zustand dieser Selbst- gefühle versetzen (durch mentale oder durch psycho-physiologische Metho- den). Die Test-Farben der Lüscher-Color-Di- agnostik wurden nach denselben Ka- tegorien ausgewählt. Darum deckt die Farbenwahl des Patienten den Zustand seines Selbstgefühls und den psychoso- matischen Status auf. Die normalen Selbstgefühle und das durch sie entstehende ethische Verhal- ten sind in dem kategorial regulieren- den „Gesetz in mir“ begründet. Das gilt für jedes Lebewesen, das ein „schlech- tes Gewissen“ haben kann. Ohne die kategoriale Gesetzmäßigkeit, ohne dieses rigorose „Gesetz in mir“, wäre Psychotherapie überhaupt nicht möglich. Sie bestünde aus willkürlichen Auslegungen und sogar schädlichen Unterstellungen. Die ausführliche Begründung der norma- len Selbstgefühle und der ethischen Nor- men enthält das Taschenbuch: Lüscher, Max: Der 4-Farben-Mensch. Ull- stein Verlag, TB Internet: www.luscher-color.com e-mail: info@luscher-color.com 39 „Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht: Der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir.“ Immanuel Kant (1724–1804)
  • Paracelsus Health & Healing 1/III Paradigmen der Biologi- schen Medizin (Teil 2) 3. Störherde verschlimmern chroni- sche Krankheiten oder lösen sie aus Ein Störherd ist ein unterschwelliger Entzündungsherd, welcher am Ort des Herdes nicht bemerkt wird, aber über das Mesenchym oder via meridianer Si- gnale eine Fernstörung machen kann. Diese Fernstörung führt dann zu Fehlre- aktionen und Fehlfunktionen am Fern- organ. Störherde sind sehr häufig Mitursa- che chronischer Krankheiten. Häufigste Störherde (ca. 80 %) sind: n tote (wurzelbehandelte) Zähne n alte Narben oder chronische Entzün- dungen in Tonsillen oder Nasen-Neben- höhlen n chronische Darm-Fehlbesiedelungen mit unterschwelliger Reizung der Darm- krypten Bei chronischen Leiden, welche mit sonstigen Naturheilmethoden nicht heilen , muss IMMER an Störherde ge- dacht werden. Häufig sehen wir Stör- herde als Ursache von M. S., Polyarth- ritis, Rückenbeschwerden, Kopfweh, Neuralgien. Nur subtile Regulationsteste können Störherde aufzeigen, wie Elektroaku- punktur, Milieuteste und die Thermo- regulationsdiagnostik nach Prof. Rost. Mit normalen Blutuntersuchungen sind Störherde nicht zu erkennen. Der Störherd (= unterschwellige Entzündung, welche nur an Fernwirkung verspürt wird) n benötigt einen „Auslöser“, d. h. eine Zweitursache n kann für Jahre stumm sein! 4. Alle Krankheiten sind polycausal und abhängig von der Konstitution des Patienten Nicht die Diagnose, sondern die Konsti- tution ist wichtig – Homöopathie / Kon- stitutionenlehre / 5 Elementen-Lehre Sehr viele Krankheiten sind „idiopa- thisch“, d. h. man kennt deren Ursache nicht. Dies allein deshalb, weil sie eben immer verschiedene Ursachen haben, welche ganz individuell in verschiede- nen Patienten verschieden kombiniert sind, je nach Konstitution! Das breite Suchen verschiedener Ursa- chen ist daher bei chronischen Krank- heiten sehr wichtig, sowie das Erkennen der Konstitution des Patienten: Jeder Konstitutionstyp ist auf andere Belas- 40 Vom Wesen der Biologischen Medizin III Dr. med. Thomas Rau Dr. med. Thomas Rau ist Chefarzt der Paracelsus Klinik Lustmühle, Schweiz. Die Klinik integriert als einzige Klinik im deutschsprachigen Raum konse- quent die breit angewendete biologi- sche Medizin mit der ganzheitlichen Zahnheilkunde. Dr. Rau hat ein fundiertes Wissen in vielen Bereichen der Ganzheitsmedizin. Er übt eine sehr intensive Lehrtätigkeit in biolo- gischer Medizin in Europa und den USA aus. In Louisville KY, USA hat er eine Partnerklinik aufgebaut und ist Gründer und Board Member des Biological Medicine Network, U.S.A. Der Störherd
  • Paracelsus Health & Healing 1/III tungen empfindlich, was uns auch die Homöopathie mit ihrer ausgefeilten Konstitutionenlehre zeigt. Beispiele multicausaler Erkrankungen sind viele: Allergien / Multiple Sklerose / Autoim- munerkrankungen / kindliche Verhal- tensstörungen, etc., etc. Gerade bei solchen Krankheiten müssen soviel Teilursachen wie möglich gefun- den werden, die wie Mosaiksteinchen erst zusammen ein Bild erzeugen. Beispiel: Der „Allergietempel“ Ein gutes Beispiel sind Allergien oder Asthma: Das Allergen ist meist nur aus- lösender Faktor. Grundlegend aber sind Milieufaktoren und immunverändernde Belastungen: Nahrungsmittelallergien, Schwermetallbelastungen, Dysbiosen oder Pilze, Spurenelementmängel. So können auch Allergiker geheilt wer- den, ohne dass man das Allergen elimi- nieren kann, sondern einzig, indem man die Begleitursachen beseitigt. Die Lehre der Konstitutionen ist für die Biologische Medizin von größter Wich- tigkeit und kann sich in eigentlich allen bewährten traditionellen Naturheilver- fahren wiederfinden, allerdings mit un- terschiedlichen Bezeichnungen. Einzig die „moderne“ westliche Schulmedizin stellt die Bedeutung der verschiedenen Reaktionsweisen verschiedener Patien- ten in den Hintergrund und behandelt Diagnosen in einer reproduzierbaren und nicht individualisierten Weise. Dies hat natürlich den großen Vorteil, dass die Schulmedizin auf eine kochbuchar- tige Weise lernbar ist und auch von je- dem reproduziert werden kann. Es hat aber den Nachteil, dass Medizin nicht mehr für den Menschen, sondern „ge- gen eine Diagnose“ gemacht wird und ihren künstlerischen Charakter verliert. Im Folgenden werde ich einige verschie- dene Benennungen von Konstitutionen auflisten, welche den verschiedenen traditionellen Heillehren entstammen: Traditionelle Chinesische Medizin: n Meridian-Konstitutionstypen (= „Funktionskreistypen“ nach Dr. Rau) Leber–Gallenblase – Herz–Dünndarm – Magen–Milz/Pancreas – Lunge–Dick- darm – Niere–Blase n Wandlungsphasen und deren Cha- raktere: Holz (Wind, Frühling) – Feuer (Sommer) – Erde (Spätsommer) – Metall (Herbst) – Wasser (Winter) Ayurvedische Medizin: n Vatta – Pitta – Kapha-Typen Diese drei Typen entsprechen verblüf- fenddenKonstitutionstypenderKretsch- mer’schen Lehre und Enderleins drei Haupttypen: Stauung – Entzündung – Degenerations-Typ, bzw. Mucor – Peni- cillium – Aspergillus – Konstitution! Isopathische Konstitutionstypen: n Mucor – Penicillium – Aspergillus ni- ger-Typ 41 Prof. Dr. Günter Enderlein, der Begrün- der der Isopathie und Entwickler der Lehre des Pleomorphismus, hat beob- achtet, dass beim Überwiegen einer en- dobiontischen Hochvalenz auch meist eine zugehörige Krankheitsneigung be- steht, sowie eine typische Konstitution- und Wesensart des Patienten. n Der Mucor-Typ neigt zu Stauun- gen, entspricht in vielen Teilen dem lu- etischen Typ, neigt zu Krankheiten des „Fließenden“, zu Gefäß- und Kreislauf- krankheiten, Stoffwechselstörungen und Drüsenstörungen. Er entspricht in Vielem auch dem leptosom-entoderma- len Typ Kretschmers. n Der Penicillum-Typ neigt zu infektiö- sen Krankheiten, überschießenden Lei- den, Eiterungen, Entzündungen bakte- rieller Art, ev. mit Einschmelzungen. Er enstpricht dem Sykotiker in großen Tei- len. n Der Aspergillus-Typ ist der psorini- sche, welcher in der Jugend zu Allergi- en und lymphatischen Leiden neigt. In zunehmendem Alter kommt aber das Degenerative und Chronische zum Vor- schein. Krankheiten des Bindegewebes, des Stützapparates, Gehirns, Niere ge- A L L E R G I E P S Y C H E Grundallergien/Fehlernährung Allergen Toxine/Quecksilber Übersäuerung Dysbiose (Darmschleimhaut) Pilze (SchimmelpilzAspergillus) Histamin
  • Paracelsus Health & Healing 1/III hören zu seinen Prädilektionsorganen. Die Grundkrankheit ist die Tuberkulo- se oder im homöopathischen Sinne das „tuberkuline“ Reagieren. Kretschmer’s Konstitutionenlehre: n Leptosom-ektodermal-asthenisch (schizothym-introvertiert) n Normosom-athletisch-mesodermal n Pyknisch-entodermal (zyklothym- depressiv-extrovertiert) Hahnemann’sche Miasmenlehre: Hahnemann, der große Begründer der Homöopathie, hat nebst den konsti- tutionellen Wesensarten der einzel- nen „großen“ Homöopathika (d. h. der wichtigen Einzelmittel) auch eine Re- aktionstypologie geschaffen, welche drei prinzipielle Reaktionstypen unter- scheidet, welche praktisch genau den Haupt-Typen nach Enderlein entspre- chen und aufgrund ihrer Wesenart auch homöopathisch immer wieder die glei- chen Konstitutionsmittel haben, aber auch spezifische Reaktionstypen und dadurch Krankheitstypen aufweisen. Hahnemann ging von typischen Krank- heiten seiner Zeit aus, als er den zuge- hörigen Wesenstypen beschrieb: n Luetische (Syphilitische) Konstituti- on: Der Luetiker neigt zu destruktiven Reak- tionen, Stoffwechsel-Krankheiten, Stau- ungs- und Reiz-Krankheiten, Krankhei- ten des Stützapparates, sowie in seinem Verhalten zu feurig-impulsiven, unbere- chenbaren, aber auch destruktiven Re- aktionen. n Skosis oder sykotische Konstitution: Rührte her von der Sykosis (= Feigen- warzenkrankheit des Trippers = Gonor- rhoe): ein Mitteltyp, aber mit Neigung zu überschießenden Reaktionen, Infek- tiösen Krankheiten, eigentlich der Peni- cillium-Typ. n Psorische Konstitution: Von der Psora, der damals häufigen Krätze, einer Hautkrankheit degenera- tiver Art. Der Psoriker hat ein Zuwenig an Reaktionen, neigt zu Atopien, dege- nerativen Krankheiten, neurolgisch-de- generativen Krankheiten. Er ist aber von seinem Wesen berechenbar, geradlinig, wenn auch oft starr, systematisch und oft „trocken“, ordentlich. Die Typenlehre Carl Hutters (Naturelle) Carl Hutter ist der Begründer der Pa- tho-Physiognomie, der Lehre des Ha- bitus und der Erscheinung eines Menschen. Hutter hat enorm viele Ver- bindungen zwischen Haltung, Körper- bau, Gesichtsphysiognomie und Wesen des Menschen beschrieben. Auch er be- schreibt 3 Haupttypen, die er „Naturel- le“ nannte. n Ruhe- und Ernährungsnaturell: Ein Rumpf-Bauchmensch, ruhig, aufs Praktische ausgerichtet, einfach, der Lymphatiker. n Bewegungs- und Tatnaturell: auf Energie und Herrschaft ausgerich- tet, schnell im Erkennen und Reagieren, groß, dynamisch. Muskelmensch, Be- wegungsmensch. n Denk- und Empfindungsnaturell Feiner Mensch, stirnbetont, starke geis- tig/seelische Ausstrahlung. Introvertier- ter Denker, Typ Musiker Das Wichtige am konstitutionellen Er- kennen des Patienten ist, dass man da- mit den Menschen viel individueller be- handeln kann und auch erkennt, welche körperlichen Reaktionsweisen er auf Therapien zeigen wird. Es ermöglicht einem aber auch, den Patienten vor- beugend zu beraten und Krankheitsten- 42 Vom Wesen der Biologischen Medizin III
  • Paracelsus Health & Healing 1/III denzen zu erkennen. Der Patient wird – entsprechend seiner Grundkonstituti- on – auch immer wieder den ähnlichen Problemen und Themen in seinem Le- ben begegnen. Die Konstitutionen ha- ben daher auch einen tiefgreifenden Einfluss auf das Erleben und die Psy- chologie des Patienten. Mit dieser Erkenntnis arbeitet auch die homöopathische Konstitutionenleh- re, welche einzelnen homöopathischen Mitteln ein ganz spezifisches Erleben und Krankheitstendenzen und Krank- heitsbilder zuordnet. 5. Die Ernährung ist ein wichtiger Faktor in der Heilung oder: die Kraft zum Erneuern des Orga- nismus stammt aus den Aufbau- Kräf- ten der Natur (Anthroposopische Lehre) und wird mit der Nahrung zugeführt! Der Darm ist unser bei weitem größtes Organ und trägt ebenso viele Bakteri- en auf sich, wie wir im ganzen Men- schen Zellen haben. Die Darmschleim- haut ist das Organ, welches sich am schnellsten ersetzt und umbaut. Diese Erneuerungskräfte und die Darmbakte- rien durchwirken unser ganzes Wesen und hängen weitgehend ab von dem, was wir essen. Die Aufbaukräfte des Menschen – gerade bei degenerativen Krankheiten – müssen also immer über den Darm aufgebaut werden. Daher sind individuelle Ernährungsum- stellungen bei chronischen Krankheiten von größter Wichtigkeit. Die Ernährung soll vollwertig, möglichst naturbelassen und sehr arm an tierischen Eiweißen sein, am besten vegetarisch und Kuh- milch-frei. Nahrungsmittel-Unverträglichkei- ten sind enorm häufig und oft Ursa- chen chronischer Krankheiten, bei de- nen man nie an Nahrungsmittel denkt: Praktisch alle Allergien, Darmleiden, Rheuma, insbes. Polyarthritis, kindliche Verhaltensstörungen, praktisch alle In- fektanfälligkeiten, etc. Langfristig ist die gesunde Ernährung der wichtigste Faktor in der Behandlung chronischer Gesundheitsstörungen.1 6. Der Darm vernetzt uns mit der Erde durch die Darmbakterien und dadurch, dass alles, was wir erneuern und als Stoffe in uns gebrauchen, durch die Er- nährung in uns kommt. Die Bakterien, die all dies gewährleisten, uns entgif- ten, aber auch viele Stoffe „vor-verdau- en“, leben in wunderbarer Symbiose mit dem Menschen – sie sind eigentlich ein Teil von ihm. Sie gewährleisten unser Immunsystem durch dauernde Stimu- lation. Sie kommen von der Erde und sie sind es aber auch, welche uns nach dem Tode wieder zurückführen zur Erde. Sie bringen uns anabole und etherische Form- und Aufbaukräfte. Die Pflege der Darmflora durch isopathi- sche Therapie und faserreiche vegetari- sche Ernährung ist von größter Wich- tigkeit. Häufig benötigt aber der Patient für längere Zeit eine gezielte Therapie mit Spurenelementen (z. B. Molybdän), Vitaminen und Aminosäuren, sowie eine Einstellung des Säure-Base-Gleichge- wichtes, damit sich seine Darmflora wieder richtig entwickelt. Einläufe, Co- lon-Hydrotherapien und gezielte Bak- terienpräparate können diesen Vorgang deutlich beschleunigen. Die praktische Bedeutung dieser Zusammenhänge ist frappant: darmbedingte Erkrankungen sind häufig: Migränen, Allergien, Lun- genleiden verschiedener Art, lumbale Rückenprobleme, Oberbauchblähungen, 43 Übelkeit, chronische Verstopfung, Über- gewicht (!) etc. Auch hier hat die Biologische Medi- zin einige subtile Testmethoden, wel- che die Intaktheit der Darmflora zeigen: Thermoregulationsdiagnostik, kompre- hensive Stuhltestungen auf Verdau- ungs- und Absorptionsleistung, sowie die Dunkelfeldmikroskopie, welche die dynamischen Vorgänge der bakteriellen Entwicklungen an Blut oder anderen Test-Medien aufzeigen. Die Besonderheit biologisch-ganzheit- licher Medizin ist also, dass sie indivi- duell verschiedene Naturheilmethoden kombiniert und moderne orthomoleku- lare Erkenntnisse mit dem konstituti- onellen Typ des Patienten vernetzt. Die Krankheit des Organs steht dabei in der Therapie im Hintergrund gegenüber der Wiedererlangung eines dynamisch-re- gulativen Zustandes des Gesamtpatien- ten. 1 Ergänzungen zu diesem Thema siehe: Artikel „Darm, Ernährung und Gesundheit“ in Paracelsus – Health & Healing Hefte Nr. 6–9/I
  • Paracelsus Health & Healing 1/III44 Ursachen der Krebsentstehung Tabelle und kurzer Erklärungstext zur Krebsentstehung: Die biologische Medizin betrachtet Krebs als einen dynamischen Prozess und nie als eine Entität. Das heißt, Krebs entwickelt sich langsam und durchschreitet in dieser Entwicklung verschiedene Phasen der Degeneration bis zur Entartung der Zellen. In vielen Fällen, insbesondere in den frü- hen Stadien der Krebserkrankung, kann diese Entwicklung gestoppt oder sogar rückgängig gemacht werden, wenn die Ursachen der Krebsentstehung beseitigt werden. Die Ursachen und Einflüsse, welche die degenerative Entwicklung bewirken, sind nur zum Teil erforscht. Viele Teil- ursachen sind aber bekannt und kön- nen auch beeinflusst werden. Hier setzt die ganzheitlich-biologische Krebsthe- rapie an. Aus ganzheitlich-biologischer Sicht ist es von größter Wichtigkeit, dass jeder Krebspatient eine biologische Krebs- therapie erhält, auch wenn er parallel dazu schulmedizinische oder alterna- tivmedizinische krebszerstörende The- rapien erhält. Nur durch die Entfernung der untenstehenden krebsbegünstigen- den Faktoren kann nämlich ein Rück- fall oder die Metastasierung vermindert oder vermieden werden. Aus ganzheitsmedizinisch-biologischer Sicht sind nämlich Metastasen oder KrebsrückfälleNeutumoren,welcheent- stehen, da die tumorauslösenden Fak- toren nicht angegangen wurden. © Dr. med. Thomas Rau, Paracelsus Klinik Lustmühle, 2001 Für weitere Informationen siehe auch: www.paracelsus.ch O2-Zufuhr zellulär freie Radikale Gifte Mineral- und Spurenelemente- mangel Lactat Krebszelle Über- säuerung Übereiweißung Geopathie Zelle Störfelder! (Zähne, Narben, chronische Infektionen) Mucor Schwermetalle Vom Wesen der Biologischen Medizin III
  • Paracelsus Health & Healing 1/III Der griechische Philosoph Empedokles (um 495–435 v. Chr.) postulierte, dass die gesamte Schöpfung durch unter- schiedliche Anteile an den vier Urele- menten Luft, Feuer, Wasser und Erde charakterisiert sei, und dass die vier Primärqualitäten Trockenheit, Wärme, Feuchtigkeit und Kälte entsprächen. Po- lybos, ein Schüler des Hippokrates (um 460–377 v. Chr.) entwickelte zu dieser Zeit die Viersäftelehre (Humoralpatho- logie), die besagte, dass alle Krankhei- ten aus einer fehlerhaften Mischung der vier Körpersäfte Blut, Schleim, gel- be und schwarze Galle entstehen soll- ten. Damit stand er im Widerspruch zu Hippokrates, der u. a. die individuelle Anwendung von heißen Bädern, Heil- gymnastik, Wasseranwendungen, Mas- sagen, Heilpflanzen und Diätetik zur Behandlung von Krankheiten empfahl: Diese Maßnahmen sollten die „Physis“, die Selbstheilungstendenz des Organis- mus, unterstützen. Der Arzt sollte dort eingreifen, wo die natürliche Selbsthilfe des Organismus versage. Mit dieser in- dividualisierten Therapiekonzeption war Hippokrates seiner Zeit weit voraus. Der einflussreiche Philosoph Aristote- les (384–322 v. Chr.) ordnete die Vierer- schemata der Elementenlehre und der Humoralpathologie einander zu und verhalf letzterer damit zum Durchbruch als führende Medizintheorie der Anti- ke. Der offenkundige Vorteil gegenüber der individualisierten Therapie war die große Arbeitserleichterung für die Ärz- te, die nach den sich in der Folge rasch entwickelnden Therapieschemata vor- gehen konnten. Diese Schematisierung ist im Übrigen keine rein europäische Erfindung, sondern bildet auch die Be- handlungsgrundlage, z. B. im Ayurveda und der traditionellen chinesischen Me- dizin. Der römische Arzt Galenos (129 – um 199) ordnete dem Überwiegen des einen oder anderen Körpersaftes unter- schiedliche Gemütsdispositionen zu und legte damit die Grundlage zur Lehre von den vier Temperamenten sanguinisch, cholerisch, phlegmatisch und melan- cholisch. Galen formulierte aber auch die sechs „nicht natürlichen Dinge“ (res non naturales), d. h. ein aktives Verhal- ten für die Gesunderhaltung: Für Licht und Luft, Essen und Trinken, Bewegung und Ruhe, Schlafen und Wachen sowie Ausscheidungen und Gemütsbewegun- gen hat der Mensch selbst zu sorgen. Diese Empfehlungen fanden im folgen- den Jahrtausend infolge der körper- feindlichen und autoritären Haltung der Kirche kaum Gehör: Hingegen be- herrschte die Humoralpathologie, die die Unterstützung der Kirche und auch der im Mittelalter aufkommenden Uni- versitäten genoss, die europäische Me- dizin und erstarrte immer mehr zum bevölkerungs- und patientenfernen Dogma. So übten die mittelalterlichen Schulmediziner die Wundbehandlung nicht persönlich aus, weil diese Tätig- 45 Von der Viersäftelehre zur modernen Naturheilkunde Prof. Dr. med. Karin Kraft Dr. Karin Kraft ist Inhaberin eines Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Universität Rostock und Chef- ärztin an der Rehabilitationsklinik „Moorbad” Bad Doberan.
  • Paracelsus Health & Healing 1/III46 Von der Viersäftelehre zur modernen Naturheilkunde keit für unehrenhaft gehalten wur- de. Man überließ sie den Schmieden, Henkern, Steinschneidern, Badern und Barbieren: Letzteren oblag auch das Ableiten der verdorbenen Körpersäfte durch Setzen von Schröpfköpfen und Blutegeln, die Durchführung von Ader- lässen und Klistieren und das Erzeugen von künstlichen Eiterungen sowohl für die Prophylaxe als auch zu Therapie- zwecken. Bei der Bevölkerung erfreuten sich Schwitzbäder als ableitendes Verfahren der größten Beliebtheit, weshalb ge- gen Ende des 12. Jahrhunderts überall öffentliche Schwitzbadestuben eröff- net wurden. Hier wurden Dampfbäder durchgeführt und Mineralwässer und Kräuterabkochungen verwendet. Auch ansonsten benutzte die Bevölkerung ziemlich unabhängig von den Ärzten ihr über Jahrhunderte tradiertes Wissen über die Heilpflanzen. In der Zeit der Aufklärung wurden die Schwitzbäder jedoch wegen der sich rasch ausbrei- tenden Syphilis verboten und die Kirche versuchte, das heilkundliche Wissen der Bevölkerung durch die Hexenjagden auszurotten. Die „materia medica“ des griechischen Militärarztes Dioskurides (40–90 n. Chr.) diente dagegen in der Schulmedizin über viele Jahrhunder- te als Standardwerk. Die oft wenig na- turgetreuen Abbildungen führten aller- dings leicht zu Verwechslungen. Erst die ab 1530 erscheinenden Kräuterbücher zeichneten sich durch exakte botani- sche Darstellungen aus, es wurden hier aber nur die einheimischen Heilpflan- zen dargestellt und beschrieben. Im 13. bis 15. Jahrhundert wurde die Medizin durch die Astrologie, die in der orientalischen Heilkunde eine gro- ße Rolle spielte, zunehmend stark be- einflusst. So wurden z. B. die Körper- teile den Tierkreiszeichen zugeordnet, ärztliche Eingriffe der Konstellation der Gestirne angepasst und außerirdi- sche Vorgänge zur Erklärung von irdi- schen Katastrophen bemüht, wie z. B. der infolge einer zunehmenden Bevöl- kerungsdichte und einem mangelhaf- ten hygienischen Verständnis verstärkt auftretenden Seuchen. Auch magische Vorstellungen spielten nun eine große Rolle. Mit der so genannten „Dreckapo- theke“ glaubte man, die Dämonen, die man für die Auslösung unerklärlicher Krankheiten verantwortlich machte, vertreiben zu können. Es wurden dafür abenteuerliche Mischungen aus optisch widerwärtigen und übel riechenden Be- standteilen hergestellt. Paracelsus (1493–1541) konnte sich zwar nicht von den magisch-astrolo- gischen Vorstellungen lösen, wurde aber dennoch zum großen Wegbereiter der naturwissenschaftlich orientierten neuzeitlichen Heilkunde. Er bekämpf- te die Dreckapotheke, die dennoch erst während und nach dem dreißigjähri- gen Krieg (1618–1648) ihre Blütezeit hatte, und die auch Wundermittel wie den Theriak, der schließlich aus über einhundert Bestandteilen zusammen- gesetzt war, verwendete. Martin Lu- ther (1483–1546), den die meisten nur als Reformator kennen, widmete sich in seiner zweiten Lebenshälfte ebenfalls dem Kampf gegen die Dreckapotheke und unterstützte den Gedanken des ge- mäßigten Lebens als Grundlage für die Gesunderhaltung des Leibes ganz im hippokratischen und galenschen Sinne. Der im Laufe der Jahrhunderte sehr mühsam und gegen große Widerstän- de erworbene naturwissenschaftliche Erkenntnisgewinn zeigte zunehmend,
  • Paracelsus Health & Healing 1/III schen Versuche mit Arzneimitteln zur Dosisfindung an Gesunden durch und wandte sich gegen das Kombinieren von Arzneien. Er kann deshalb als Vorläufer der klinischen Pharmakologie bezeich- net werden. F. W. Sertürner isolierte 1803/05 aus dem Opium das Morphin. L. Pasteur fand 1857 Gärung und Fäul- nis verursachende Mikroorganismen und entwickelte später eine Schutzimp- fung gegen Tollwut. R. Koch entdeckte 1878–90 den Tuberkelerreger. Die syste- matische und zunehmend erfolgreiche Bekämpfung der Seuchen durch hygie- nische Maßnahmen brachte schließlich den Durchbruch der naturwissenschaft- lichen Medizin gegenüber der in diesem Bereich gänzlich versagenden Humoral- pathologie, der durch die 1876 durch R. Virchow durchgesetzte Abschaffung des Philosophikums und die Etablierung des Physikums im Medizinstudium deut- lich illustriert wird. Die Anfänge der Naturheilbewegung entwickelten sich aus der Wiederbele- bung der Wasserheilkunde in England und im deutschsprachigen Bereich, wo J. S. Hahn (1664–1742) und seine bei- den Söhne die Hydrotherapie im Sinne einer Selbsthilfe als Kur zu Hause pro- pagierten. Mit diesen Empfehlungen standen sie im völligen Widerspruch zur damaligen Schulmedizin, die jeg- licher Anwendung von Wasser, so- gar zu Reinigungszwecken, misstrau- te. Rousseau und seine Thesen von den Kulturschäden an der menschlichen Gesundheit beeinflussten schließlich ab dem späten 18. Jahrhundert einflussrei- che Ärzte dieser Zeit. Ch. W. Hufeland (1762–1836) griff die hippokratischen Prinzipien wieder auf und empfahl die Verwendung von Heilmitteln aus der Natur. Ca. 1848 prägte der bayerische Militärarzt Lorenz Gleich (1798–1865) schließlich für diese medizinische Rich- tung die Begriffe „Naturheilverfahren“ und „Naturheilkunde“ (Physiatrie), die von medizinischen Laien begeistert aufgegriffen wurden. Der Bauernsohn V. Prießnitz (1799–1851) systemati- sierte die Wasserheilkunde: 1826 baute er in Gräfenberg (Schlesien) eine Kalt- wasserheilanstalt, in der neben der Hy- drotherapie auch Bewegungstherapie betrieben wurde, im Jahre 1845 gab es allein in Deutschland bereits etwa acht- zig Wasserheilanstalten. Der Pfarrer Se- bastian Kneipp (1821–1897) fügte der Hydro- und Bewegungstherapie die An- wendung von Heilpflanzen hinzu, zu- dem enthielt seine Heilmethode implizit religiöse Elemente. Dies war den Vertre- tern der frühen Naturheilkunde jedoch suspekt, sie betrachteten die sich ent- wickelnde Kneippbewegung denn auch eher als Konkurrenz denn als Mitstrei- ter. Kneipps 1886 erschienenes Buch „Meine Wasserkur“ erreichte 1894 be- reits die 50. Auflage. Der reißende Ab- satz erklärt sich durch die allgemeinen zivilisationskritischen Diskussionen um gesundheitliche Schäden durch Indus- trialisierung und Urbanisierung, die in den Städten zur Gründung zahlreicher Naturheilvereine durch Laien führte, die für eine bessere naturgemäße Ernäh- rungs- und Heilweise kämpften. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhun- derts wurde auch die Bedeutung von frischer Luft, Sonnenlicht und Ernäh- rung als Gesundheitsfaktoren entdeckt. Der Färbereibesitzer A. Rikli (1823– 1906) erfand die „Lufthütten“, in denen die Kranken unbekleidet verweilen und schlafen konnten. Zum therapeutischen Repertoire gehörten zudem Wandern, Gartenarbeit, Gymnastik, Barfußlau- 47 dass die stark vereinfachende Sichtwei- se der Humoralpathologie in der Praxis unzulänglich war. Das Verbot der Lei- chenschau seit der Antike, das im üb- rigen auch Grundlage der manchmal nur schwer nachvollziehbaren anato- mischen Vorstellungen der traditionel- len indischen und chinesischen Medizin ist, hatte den Fortschritt sehr stark be- hindert, wurde aber von mutigen Ärz- ten immer wieder heimlich durchbro- chen. So konnte der Anatom A. Vesalius mit seinem Buch „Über den Bau des menschlichen Körpers“ 1543 endlich vielen Irrtümern ein Ende setzen. Die- se Entwicklung wurde durch den ab dem 15. Jahrhundert zunehmenden Ge- brauch von Feuerwaffen und der daraus resultierenden schweren Kriegsverlet- zungen geradezu erzwungen. Weni- ger Glück hatte H. Mercurialis, der mit seinem 1569 erschienen Buch „de arte gymnastica“ eindringlich, aber erfolglos auf die positive gesundheitliche Aus- wirkung des Sports hinwies. Diese Ge- danken wurden erst im späten 18. Jahr- hundert allgemein aufgegriffen. Die seit der Aufklärung geforderte syste- matische naturwissenschaftliche Denk- weise begann allmählich sich auch in der Medizin durchzusetzen. Der engli- sche Arzt W. Withering wendete erst- malig 1775 auf Hinweis einer Kräuter- kundigen einen Extrakt von Fingerhut bei einem Kranken mit fortgeschrittener Wassersucht mit Erfolg an. Erst nach einer 10jährigen praktisch-experimen- tellen Erprobungsphase präsentierte er schließlich der Fachwelt seinen For- schungsbericht einschließlich Erfol- gen und Misserfolgen. S. Hahnemann (1755–1843) gilt zwar heute vor al- lem als Entwickler der Homöopathie, er führte aber auch die ersten systemati-
  • Paracelsus Health & Healing 1/III48 fen und Sonnenbäder. Der Fuhrmann J. Schroth (1798–1856) entwickel- te seine bis heute bekannte „Schroth- Kur“. Der Apotheker T. Hahn verordne- te als Erster ab 1852 seinen Patienten neben der Wasserkur auch eine vege- tarische Diät. Dies beeindruckte den Politiker E. Baltzer (1814–1887) der- art, dass er 1867 einen Verein grün- dete, der später „Deutscher Verein für naturgemäße Lebensweise (Vegetari- aner)“ hieß. Um 1900 entwickelte der Schweizer Arzt M. Bircher-Benner das Birchermüesli. Er legte bei seinen Pati- enten großen Wert auf „Ordnung, Re- gelmäßigkeit, Pünktlichkeit“ und präg- te später den Begriff Ordnungstherapie. Seine Rohkostdiät widersprach der da- maligen Lehrmeinung, die großen Wert auf den Eiweiß- und Kaloriengehalt der Nahrung legte, wurde aber in späterer Zeit durch die Ergebnisse der Vitamin- forschung bestätigt. Die naturwissenschaftliche Medizin leistete gegenüber diesen Bewegun- gen erheblichen Widerstand. Erst 1926 wurde in Berlin das erste Krankenhaus für Naturheilkunde errichtet, und neue Kneipp-Anstalten konnten in dieser Zeit eröffnet werden. Gegen den Wi- derstand der medizinischen Fakultä- ten wurden 1920 in Berlin und 1925 in Jena Lehrstühle für Naturheilkunde er- richtet. Erst die nationalsozialistische Führung versprach der Naturheilkun- de die so lange verweigerte staatliche Anerkennung und Aufwertung. Nach den Vorstellungen des Reichsärztefüh- rers Gerhard Wagner sollten die Ärzte verpflichtet werden, neben den schul- medizinischen auch naturheilkundli- che Heilverfahren anzuwenden. Nach ihrer Integration in die „Neue Deut- sche Heilkunde“ kam es jedoch zu ei- nem Kurswechsel in der Gesundheits- politik zugunsten der „Schulmedizin“. Anstelle einer gleichberechtigten Zu- sammenarbeit wurde nunmehr die Er- forschung und Überprüfung naturheil- kundlicher Verfahren, allerdings auf der Grundlage der Schulmedizin gefordert. Gründe dafür waren neben dem Wider- stand führender naturwissenschaftlich orientierter Ärzte und der Kassenärzte Machtkämpfe innerhalb der Partei und der mit Kriegsbeginn stark wachsende Einfluss der chemisch-pharmazeuti- schen Industrie. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die klassischen Naturheilverfahren in der ehemaligen DDR durch den Fortbe- stand des Berliner Lehrstuhls und durch die Einführung einer Facharztausbil- dung für Physiotherapie verankert. In der BRD wurden die Heilbäder und Re- habilitationseinrichtungen wieder be- lebt und u. a. die aus- und ableitenden Verfahren wieder aufgegriffen, die seit den achtziger Jahren allmählich wieder an Bedeutung gewinnen. A. Pischinger entwickelte das System der Grundregu- lation. Seit den 70er Jahren ist auch das Interesse der Bevölkerung an „natürli- chen“ Heilmethoden stark angestiegen. Die als Konstitutionslehre und, ab Mit- te der achtziger Jahre, im Rahmen der indischen und chinesischen traditionel- len Medizin immer wieder auflebenden Vorstellungen der Elementenlehre dürf- ten auch zukünftig von Bedeutung sein, da sie die rasche Einteilung Gesunder für Präventionsmaßnahmen erleichtern. Damit nimmt sie den Platz ein, den sie schon in der Antike für sich beansprucht hat. Im Bereich der Krankenversorgung ist dagegen die individuelle Therapie im hippokratischen Sinne angezeigt, wo- bei inzwischen die Wirkung vieler Na- turheilverfahren naturwissenschaftlich abgesichert werden konnte. In der Gesundheitspolitik wird die indi- viduelle Gesundheitsvorsorge mit na- türlichen Heilmitteln immer mehr zum Schwerpunkt, dies wird insbesondere bei den aktuellen Präventionsgesetzen deutlich. Auch die Akzeptanz der Insti- tutionen nimmt zu: Die ärztlichen Stan- desorganisationen verleihen seit vielen Jahren die Zusatzbezeichnung „Arzt für Naturheilverfahren“. In Berlin existierte zwischen 1989 und 2004 ein Lehrstuhl für Naturheilkunde, an der Universität Rostock besteht er seit 2002, an der Universität Essen seit 2004. Das Fach- gebiet „Naturheilkunde“ ist seit 1993 Bestandteil der ärztlichen Ausbildungs- ordnung, seit 2002 Prüfungsfach. Die Gesetzlichen Krankenkassen fördern im Rahmen von Modellprojekten die wis- senschaftliche Untersuchung von Na- turheilverfahren und erstatten die Kos- ten stationärer Aufenthalte, neuerdings auch in naturheilkundlich spezialisier- ten Rehabilitationskliniken. Sie haben mittlerweile erkannt, dass eine mehr- wöchige Therapie mit individuell zu- sammengestellten und hinsichtlich ih- rer Wirkung wissenschaftlich belegten Naturheilverfahren gerade für chro- nisch Kranke eine große Chance dar- stellt. Diese gilt es zu nutzen.
  • Paracelsus Health & Healing 1/III Trinken beim Essen Es herrscht unter den Menschen eine zweifache Ansicht: Die einen sagen, man solle recht wenig trinken und be- sonders nichts während der Mahlzeit; andere dagegen behaupten, man solle bei jeder Speise eine Zugabe von Flüs- sigkeit zu sich nehmen. Was mag wohl das Rechte sein? Die Speise, die du in dich aufnimmst, muss zuerst von den Zähnen gut ver- arbeitet werden, je gründlicher, desto besser; denn gut gekaut ist halb ver- daut. Die Speise muss ferner mit Spei- chel vermischt werden; im Mund sind mehrere Drüsen, die den Mundspeichel absondern. Wenn nun die Speisen gegen die Drüsen drücken, so fließt der Spei- chel aus und vermischt sich mit der ge- kauten Speise. Je besser die Speisen mit Speichel vermischt werden, umso bes- ser sind sie vorbereitet für den Magen. In diesem werden die aufgenommenen Speisen mit Magensaft vermischt, und je inniger die Vermischung, umso bes- ser wird auch die Verdauung sein; denn der Magensaft muss ja die Speisen zer- setzen und auflösen, die weichsten wie die härtesten. Außer diesen zwei Um- wandlungen der Speisen im Mund und im Magen finden noch mehrere andere im Darmkanal statt, bis der Speisebrei so zersetzt ist, dass die Natur das für sie Notwendige ausziehen kann. Es wird also derjenige nicht recht tun, der die Speisen, ohne sie ordentlich zu zerkau- en, verschluckt. Müssen aber die Spei- sen mit dem Magensaft vermischt wer- den, so fragt es sich: Wird dies ebenso gut geschehen, wenn man während des Essens öfters trinkt, als wenn man nicht trinkt? Trinkt jemand beim Essen, dann werden notwendigerweise die Speisen zuerst mit dem Getränke vermischt, und infolge davon können die Magen- säfte nicht mehr so eindringen in die Speisen, weil sie bereits mit Flüssigkeit durchtränkt sind. Wie dünn werden die Magensäfte, wenn sie fünf- bis sechs- mal, ja noch öfter mit Flüssigkeit ver- mischt werden! Sind aber die Magen- säfte zu sehr verdünnt, so haben sie keine Kraft mehr, die Speisen zu verar- beiten. Dann kann aber auch die Natur nicht alles bekommen, was in den Spei- sen enthalten ist; es wird ein großer Teil der Speisen unaufgelöst und unausge- nützt abgehen. Der allein richtige Grundsatz ist: Trin- ke, wenn dich dürstet, denn der Darm sagt dir, es fehlt an Flüssigkeit für die Magensäfte. Dürstet dich nicht, so sind deine Magensäfte schon dünn genug; dann lass das Trinken bleiben! So gilt also die Regel: Wer Durst vor dem Essen hat, der trinke; er trinke aber nur ganz wenig und glaube ja nicht, dass er mit dem vielen Trinken schnell allen Durst stillen könnte! Während des Essens trinke man gar nicht und selbst nach der Mahlzeit noch nicht sofort, sondern erst dann, wenn Durst sich ein- stellt. Ich bin an Hand der Erfahrung zu der Überzeugung gekommen, dass man durch die Speisen Flüssiges genug be- kommt. 49 „So sollt ihr leben” VII Nach Sebastian Kneipp Sebastian Kneipp (1821-1897), der bekannteste Vertreter der Hydrotherapie
  • Paracelsus Health & Healing 1/III50 Maß im Essen Wie man streitet über das Trinken beim Essen, so auch über das Maß der Spei- sen, wie viel man genießen soll. Es gibt Leute, die recht viel essen und glauben, wenn der Magen nicht recht gefüllt wäre, so hätten sie nicht genug Nah- rung genommen. Sie sind auch für das öftere Essen. Andere dagegen sind der Ansicht, es reiche eine kleine Portion aus, und man solle nicht so oft essen. Welche Meinung ist wohl die richtige? Für die menschliche Natur reicht eine kleine Portion aus, um sie gut zu nähren und in der Kraft zu erhalten, vorausge- setzt, dass diese kleine Portion gut aus- genützt wird. Wenn man aber recht vie- le Speisen zu sich nimmt, die weder gut verdaut noch gehörig ausgenützt wer- den, dann hat man einen großen Teil umsonst gegessen. Es kommt daher viel darauf an, dass man die Natur an wenig gewöhnt und dass dieses Wenige gut ausgenützt werde, nicht aber, dass viel genommen werde und das meiste da- von nutzlos abgehe. Ich kenne einen Herrn, der über 80 Jah- re alt ist. Er nimmt nur die allerkleinsten Portionen zum Frühstück, Mittag- und Abendessen, und zwar ohne Getränk, wenn ihn nicht dürstet. Er ist vollstän- dig gesund, hinlänglich genährt und hat eine vorzügliche Geisteskraft. Ich kannte einen andern Herrn, der weit über 80 Jahre alt wurde. Er hatte die Gewohnheit, kein Getränk zu genießen, begnügte sich mit der einfachsten Kost und aß nur äußerst wenig. Es wird klar, dass es nicht die Menge der Speisen ist, was den Menschen kräftig und gesund macht. Es soll nur gute Kost gewählt werden, dann reicht auch eine kleine Portion aus. Es soll ferner gesorgt werden, dass die Natur das Gebotene gut verarbeiten könne und somit nichts nutzlos gegessen und getrunken werde. Wie oft soll man essen? Viele glauben, ohne vier- bis fünfmal zu essen, könne man nicht bestehen. Am vernünftigsten scheint es zu sein, täglich dreimal zu essen: morgens, mit- tags und abends. Isst man zu oft, dann bekommt der Magen nie Ruhe. Ist er immer gefüllt, wird er auch bestän- dig ausgedehnt. Zehrt er nie ganz auf, was er enthält, so bleiben die Speisen teilweise unverdaut im Magen zurück und verursachen Magenbeschwerden. Von der einen Essenszeit bis zur ande- ren soll im Magen aufgeräumt werden. Wenn die Speisen zu lange im Magen bleiben und darin verderben, so bilden sich auch schlechte Stoffe, und es kön- nen leicht dadurch Krankheiten ent- stehen. – Man mache es sich also zur Gewohnheit, dreimal täglich zu essen. Das reicht vollständig aus. Recht regel- mäßig leben bringt das beste Gedeihen. Je nahrhafter ferner die Kost ist, umso kleiner die Portion. Man vermeide end- lich, was der Natur nicht gut ist, dann darf man auf Gesundheit, Kraft und Ausdauer hoffen. Vom Rauchen Ich bin schon oft gefragt worden, was ich vom Rauchen halte. Meine Meinung hierüber ist diese: Junge Leute, die mit 15 bis 17 Jahren zu rauchen anfangen, setzen sich im Allgemeinen der Ge- fahr aus, sich sehr zu schaden. Erstens wirkt bei einer jungen Natur das Tabak- gift (Nikotin) viel stärker und nachtei- liger ein als in späteren Jahren. Zwei- tens wird das Rauchen, wenn es früh begonnen wird, leicht zur Leidenschaft. Nicht selten wird auch die vollkomme- ne Entwicklung dadurch behindert, und Krankheit und Siechtum können leicht bei jungen Leuten entstehen. Es ge- hört nicht viel dazu, dass Lungenleiden, Halsgebrechen, Aufgeregtheit in den Nerven, Herzklopfen und dergleichen entstehen. Solche und ähnliche Übel sind zwar leicht herangelockt, doch nicht mühelos wieder zu entfernen. Ist das im Allgemeinen so, dann ist es noch mehr der Fall, wenn schlechte Stoffe geraucht werden. Mein Urteil über das Rauchen geht da- hin: Wer gar nicht raucht, tut am bes- ten, weil er seiner Natur keine nachtei- ligen Stoffe zuführt und zugleich nicht wenig Geld erspart. Wenn aber ein ge- sunder Mann in einer freien Stunde, be- sonders bei einer Unterhaltung, eine Zi- garre oder eine Pfeife raucht, so wird es ihm nicht schaden. Sebastian Kneipp (1821–1897), aus: So sollt ihr leben. Zusammengestellt von Margrit Schmid. Wassertrog
  • Paracelsus Health & Healing 1/III 51 Anzeige PARACELSUS – Health & Healing (Gesundheit & Heilen) Die Zeitschrift für Heilmethoden und traditionelles medizinisches Wissen in Ost und West Paracelsus war ein Meister der Gesundheit und des Heilens, eine Brücke zwischen der sichtbaren und unsichtbaren Welt. Was er vor 500 Jahren sagte, hält allmählich auch die moderne medizinische Wissenschaft für richtig. Deshalb wird die Zeitschrift im Gedenken an Paracelsus herausgege- ben. Sie möchte über die verschiedenen Formen des Heilens informieren, die als wirkungsvoll erkannt wurden. Themenbereiche sind: Ayurveda, Homöopathie, Yoga, Alchemie, Naturheilkunde, traditionelle chinesische Medizin und andere traditionelle Therapien aus dem Fernen Osten, Magnettherapie, Hydrotherapie, Massage, Fußreflexzonen- massage, Phytotherapie, Diätetik, Edelsteine und Kristalle mit heilender Wirkung, Farbtherapie, Klangtherapie, alte „Großmutter-Rezepte“, spirituelle Therapien einschließlich der Heilung durch Meditation. Chefredaktion: Dr. K. Parvathi Kumar, Indien Chef-Koordination: Sabine Mrosek, Heilpraktikerin HP, Schweiz Redaktion: Dr. K. Parvathi Kumar, Indien · Sabine Mrosek, HP, Schweiz Dr. med. Josep Parés, Spanien · Brigitta Pflüger-Meienberg, HP, Deutschland · Dr. rer.nat. Paul Meienberg, Deutschland Geschäftsleitung: Dörte Amt-Euler, HP · Günter Andrich · Jürgen Baron Jesus Diaz · Sabine Markgraf · Günter Zwirner Kontakt: (für Redaktion, Abonnements, Inserate) Paracelsus-Center, Ruopigenplatz 2, CH-6015 Reussbühl/Luzern Tel.+Fax. ++41-(0)41-250 82 84 e-mail: info@paracelsus-center.ch www.paracelsus-center.ch Bankkonto: Schweiz UBS-Bank Einsiedeln 80-2-2 Paracelsus-Center Konto Nr. 216-514422.01V IBAN-Code: CH32 0021 6216 5144 2201 V Swift-Code: UBSWCHZH80A Deutschland Paracelsus-Center Konto Nr. 758368-464 Postbank Dortmund BLZ: 440 100 46 IBAN DE 98440100460758368464 SWIFT/BIC: PBNKDEFF Abonnementpreise (einschl. Versandkosten und MwSt.): 1 Jahr: 70,00 Euro 2 Jahre: 135,00 Euro 20 Jahre: 1.290,00 Euro Erscheinungsweise: monatlich Kündigungsfrist: Ein Monat vor Ende der Abo-Dauer, ansonsten automatische Verlängerung um ein weiteres Jahr. Einzelheft: 7,00 Euro ISSN 1660-4466 Druck und Copyright: Paracelsus-Center Die in der Zeitschrift enthaltenen Artikel drücken die Ansichten der Autoren aus. Die Redaktion übernimmt in dieser Hinsicht keine Verantwortung. Allen Autoren und Verlagen möchten wir herzlich für die freundliche Unterstützung und Genehmigung der Aus- zugsrechte danken. i m p r e s s u m
  • Paracelsus Health & Healing 1/III Paracelsus - Center · Ruopigenplatz 2 · CH-6015 Reussbühl / Luzern · Schweiz