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Hier können Sie einen Blick ins Buch "Gebt Mädchen eine Chance" von der ILO (International Labour Organization) werfen. …

Hier können Sie einen Blick ins Buch "Gebt Mädchen eine Chance" von der ILO (International Labour Organization) werfen.

Zu kaufen gibt es das Buch neben anderen Publikationen zum Thema Kinderarbeit hier: http://fachbuecher7-24.de/buch/zeitkritik/kinderarbeit.html

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  • 1. International Labour Oice GEBT MÄDCHEN EINE CHANCE Kinderarbeit überwinden, ein Schlüssel für die Zukunft
  • 2. GEBT MÄDCHEN EINE CHANCE Kinderarbeit überwinden, ein Schlüssel für die Zukunft Internationale Arbeitsorganisation Genf
  • 3. Die Originalausgabe dieser Arbeit wurde von der ILO, Genf, unter dem Titel Give girls a chance. Tackling child labour, a key to the future veröffentlicht. Copyright © 2009 Internationale Arbeitsorganisation Deutsche Übersetzung Copyright © 2011 Edition Aumann Übersetzung und Herstellung mit Genehmigung. Aus dem Englischen übertragen von Dietmar Aumann. ISBN 978-3-942230-82-7 Anmerkungen Die vorliegende Veröffentlichung wurde von Frau Una Murray, IPEC Berater, und Herrn Patrick Quinn vom IPEC Büro Genf erstellt. Das zweite Kapitel wurde von Federico Blanco Allais von IPEC Genf geschrieben. Die Finanzierung dieser ILO Veröffentlichung übernahm das Arbeitsministerium der Vereinigten Staaten (United States Department of Labor) im Zuge des Projekts INT/08/59/ USA. Diese Publikation entspricht nicht unbedingt der Sichtweise oder den Politiken des Arbeitsministeriums der Vereinigten Staaten, noch bedeuten Erwähnungen von Markennamen, gewerblichen Produkten oder Organisationen keinerlei Unterstützung seitens der Regierung der Vereinigten Staaten. Die in Veröffentlichungen des IAA verwendeten, der Praxis der Vereinten Nationen entsprechenden Bezeichnungen sowie die Anordnung und Darstellung des Inhalts sind keinesfalls als eine Meinungsäußerung des Internationalen Arbeitsamtes hinsichtlich der Rechtsstellung irgendeines Landes, Gebietes oder Territoriums oder dessen Behörden oder hinsichtlich der Grenzen eines solchen Landes oder Gebietes aufzufassen. Die Nennung von Firmen und gewerblichen Erzeugnissen und Verfahren bedeutet nicht, dass das Internationale Arbeitsamt sie billigt, und das Fehlen eines Hinweises auf eine bestimmte Firma ode rein bestimmtes Erzeugnis oder Verfahren ist nicht als Missbilligung aufzufassen. Besuchen Sie unsere Website: www.ilo.org/ipec Printed in Germany 2 2
  • 4. VORWORT Es ist nun über zehn Jahre her, seitdem das Abkommen Worst Forms of Child Labour Convention, 1999 (Nr. 182), von der ILO eingeführt wurde. Dieser Vertrag, der von allen ILO Abkommen am schnellsten bestätigt wurde, trug zu einem gewaltigen Sinneswandel bezüglich Kinderarbeit bei. Ein wichtiges Element der Vereinbarung war, die Aufmerksamkeit auf die besondere Situation von Mädchen und Kindern zu lenken, die besonderen Gefahren ausgesetzt sind. Nach einer Schätzung der ILO sind auf der ganzen Welt etwa 100 Millionen Mädchen der Kinderarbeit ausgesetzt. Viele davon haben nur eine geringe bzw. überhaupt keine Möglichkeit auf Bildung und viele werden durch ihre Arbeitssituation gesundheitlichen, lebensgefährlichen und moralischen Gefahren ausgesetzt. Dieser Bericht konzentriert sich auf Mädchen und Kinderarbeit, der Schwerpunkt des World Day Against Child Labour 2009. Natürlich mindert dies keineswegs unsere Besorgnis über das Leid, das Jungen ertragen müssen, die in Kinderarbeit verwickelt sind. Jedoch soll dieser Bericht dem Leser die besondere Verletzbarkeit von Mädchen Nahe bringen. Der Bericht gibt eine umfangreiche Zusammenfassung von Kinderarbeit unter Mädchen. In der Begutachtung der Arbeit, die Mädchen in der heutigen Welt leisten, zeigt es neue unter anderem wichtige Statistiken über bestimmte Aspekte dieser Arbeit auf - zum Beispiel über das Ausmaß von unbezahlten Haushaltsarbeiten. Wenngleich es kaum einen Unterschied zwischen Jungen und Mädchen in der Wirtschaftsleistung im Allgemeinen gibt, so deutet dieser Report darauf hin, dass Mädchen bedeutend mehr in der Haushaltsarbeit beschäftigt sind als Jungen und deshalb ihre Schulausbildung gefährden. -55
  • 5. Obwohl in den letzten zehn Jahren ein Fortschritt in der Verminderung von Kinderarbeit festzustellen ist, droht der Ausbruch der Weltwirtschaftskrise diese Erfolge zu untergraben. Wenn Familien in die Armut gedrängt werden und sich entscheiden müssen, entweder ihre Töchter oder ihre Söhne zur Schule zu schicken, sind es meist die Töchter, die das Nachsehen haben. Während die Krise zunimmt, könnten junge Mädchen unter den Hauptgeschädigten sein. Das internationale Programm der ILO zur Beseitigung von Kinderarbeit hat reichlich Erfahrung zur Bekämpfung von Kinderarbeit gesammelt, sowohl bei der direkten Unterstützung von Kindern auf lokaler, als auch auf politischer Ebene in der Arbeit mit Regierungen. Kinderarbeit effizient zu bekämpfen, benötigt eine integrierte Verfahrensweise, die auf Strategien gegen Armut und auf die Förderung von ehrlicher Arbeit für Erwachsene basiert. Die mit Abstand bedeutendste unter diesen Strategien ist die Bereitstellung von kostenloser und zugleich qualitativ hochwertiger Ausbildung für alle Kinder mindestens bis zum Erreichen des Alters, in dem sie ein Arbeitsverhältnis legal beginnen können. Während im Folgenden sowohl der Fortschritt der letzten zehn Jahre im Kampf gegen Kinderarbeit, als auch die zukünftigen Herausforderungen bewertet werden, liefert der Bericht eindeutige Hinweise, die eine besondere Aufmerksamkeit auf die Situation von Mädchen rechtfertigt. Die Bereitstellung bzw. das Fehlen von Chancen für Mädchen im jungen Alter kann sehr leicht ihre gesamte Zukunft und die Zukunft von Generationen bestimmen. Mädchen haben das Recht frei von Kinderarbeit aufzuwachsen und sich zu entwickeln, genauso wie sie das Recht auf Bildung haben. Wir müssen Mädchen eine Chance geben, damit diese Rechte Realität werden. Michele Jankanish Direktorin ILO Internationales Programm zur Bekämpfung von Kinderarbeit -66
  • 6. INHALTSVERZEICHNIS Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 Kurzdarstellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 Kapitel 1: Warum der Schwerpunkt auf Mädchen . . . . . . . . . . . . . . . 1.1 Mädchen sollten die gleichen Rechte und Chancen haben . . . . 1.2 Mädchenarbeit ist oft versteckt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.3 Mädchen können besonders verletzlich sein . . . . . . . . . . . . . . . 1.4 Die doppelte Last . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.5 Mädchenarbeit und HIV/AIDS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.6 Für die Zukunft in Mädchen investieren . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.7 Internationale Abkommen und die Beachtung von Mädchen . . 10 11 12 12 13 14 15 15 Kapitel 2: Statistiken zur Mädchenarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.1 Globale Statistiken zur Kinderarbeit unter Mädchen . . . . . . . . 2.2 Verteilung auf Arbeitssektoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.3 Häusliche Kinderarbeit in Haushalten von Dritten . . . . . . . . . . 2.4 Arbeitsstunden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.5 Kinder in unbezahlter Haushaltsdienstleistung: Die unsichtbare Arbeit von Mädchen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.6 Die Verbreitung der unbezahlten Hausarbeit . . . . . . . . . . . . . . 2.7 Arbeitsstunden in unbezahlter Hausarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . 2.8 Einfluss der Arbeit auf den Schulbesuch . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.9 Was können wir aus diesen Daten lernen? . . . . . . . . . . . . . . . . 18 18 19 21 21 Kapitel 3: Merkmale der Kinderarbeit bei Mädchen . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.1 Kinderarbeit unter Mädchen – meist in der Schattenwirtschaft 3.2 Landwirtschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.3 Häusliche Arbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.4 Der Produktionssektor . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.5 Bergbau und Ressourcen-Abbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.6 Zwangsarbeit und Schuldknechtschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.7 Menschenhandel und kommerzielle sexuelle Ausbeutung . . . . . . . . 3.8 Mädchen in Verbindung mit bewaffneten Gruppierungen . . . . 30 30 31 35 40 43 46 47 52 Kapitel 4: Investieren in die Bildung von Mädchen . . . . . . . . . . . . . . . 4.1 Bildung - der Schlüssel gegen Kinderarbeit . . . . . . . . . . . . . . . 4.2 Internationale Anstrengungen Bildung für Kinder zu fördern . . 4.3 Geschlechtergleichstellung in der Bildung . . . . . . . . . . . . . . . . 4.4 Angaben zu geschlechtsbedingten Ungleichheiten und die Mädchenbildung beeinflussende Faktoren . . . . . . . . . . . . . . . . 57 57 58 59 23 24 24 26 28 60 -77
  • 7. 4.5 4.6 Der Zusammenhang von Kinderarbeit und Bildung . . . . . . . . . Beseitigung der Hürden für Mädchenbildung . . . . . . . . . . . . . . 64 65 Kapitel 5: Jugendliche Mädchen und der Jugendarbeitsmarkt . . . . . 5.1 Ungleiche Startbedingungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5.2 Der Übergang in ein angemessenes Arbeitsverhältnis kann für Mädchen besonders schwer sein . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5.3 Daten zur Erwerbsbeteiligung von jungen Menschen . . . . . . . . 5.4 Die Entwicklung von Kleinbetrieben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5.5 Gegen die Probleme von jugendlichen Mädchen im Jugendarbeitsmarkt vorgehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67 67 Kapitel 6: Zusammenfassung und die Reaktion der Politik . . . . . . . . 6.1 Regierungen haben die Hauptverantwortung . . . . . . . . . . . . . . . 6.2 Fokus auf Armutsbekämpfung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6.3 Fokus auf Bildung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6.4 Arbeitsaufsicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6.5 Wissensbasis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6.6 Reaktionen auf die Finanzkrise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Grafiken Grafik 2.1 Kinderarbeit nach Altersgruppe und Geschlecht . . . . . . . . Grafik 2.2 Gefährliche Arbeit nach Altersgruppe und Geschlecht . . . Grafik 2.3 Verteilung auf Arbeitssektoren anhand einer Probe aus 16 Auswahlländern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Grafik 2.4 Verhältnis der häuslich arbeitenden Kinder zwischen 5 und 14 Jahren nach Geschlecht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Grafik 2.5 Durchschnittliche Wochenarbeitsstunden der 5-14 jährigen Altersgruppe, nach Geschlecht und Land . . . . . . Grafik 2.6 Verhältnis der arbeitenden Kinder nach Arbeitsstunden, Geschlecht und Altersgruppe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Grafik 2.7 Prozent der 5-14 Jahre alten Kinder in unbezahlter Haushaltsarbeit, nach Geschlecht . . . . . . . . . . . . . . . . . . Grafik 2.8 Wochenstunden in unbezahlter Hausarbeit der 5-14 jährigen Altersgruppe, nach Geschlecht . . . . . . . . . . . . . Grafik 2.9 Verhältnis der unbezahlten Hausarbeit von Kindern, nach Arbeitsstunden und Geschlecht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Grafik 2.10 Verhältnis des Schulbesuchs unter 5 bis 14 Jährigen, nach Arbeitstyp und Geschlecht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Grafik 2.11 Verhältnis der Schulbesuche von 5 bis 14 Jährigen, nach Arbeitsstunden im Haushalt und nach Geschlecht . . . . . . Grafik 2.12 Verhältnis der Schulbesuche von 5 bis 14 Jährigen, nach Arbeitsstunden in wirtschaftlicher Beschäftigung . . . . . . 67 70 70 72 74 74 75 75 76 76 77 18 19 20 21 22 22 25 25 26 27 28 28 -88
  • 8. WARUM DER SCHWERPUNKT AUF MÄDCHEN? 1 Box 1.1 Bittere Tagträume einer Tochter Von Oktober bis Mai arbeitet Jyotsna (15 Jahre) in der einsamen Salzpfanne von Westindien, in der ihre Eltern ihren Lebensunterhalt durch Schürfen der Salzkristalle aus dem Boden verdienen. Der rissige, trockene Meeresboden breitet sich endlos in alle Richtungen aus. Jyotsna und ihre Eltern kommen hierher, wenn der Sommermonsun endet und das Wasser sich aus der weiten Ebene zurückzieht. Jyotsnas zwei kleine Brüder bleiben in ihrem Dorf Karaghoda zurück, getrennt durch einen Laufweg von sieben Stunden zu ihrer isolierten Hütte auf der Salzpfanne. "Es ist leichter ein Junge zu sein", sagt Jyotsna, die schon mit 10 Jahren die Schule abbrechen musste, um ihren Eltern zu helfen. „Die dürfen zur Schule gehen“. Jyotsnas Mutter sagte, sie könne es sich nicht leisten alle ihre Kinder auf die Schule zu schicken, also suchte sie ihre Tochter aus, mit ihr zu arbeiten. "Es tut mir Leid, dass sie so ein hartes Leben haben muss", sagt ihre Mutter Ranjanben (35 Jahre), "aber das ist das Schicksal von Mädchen. Genauso wie es mein Schicksal auch war.“ Anders als ihre Mutter, die nie einen Klassenraum betreten hat, ging Jyotsna unregelmäßig für ein paar Jahre in die Schule, dank einer großen Anstrengung der Regierung in den letzten 10 Jahren, alle Kinder in eine Schule einzuschreiben. Trotzdem kann Jyotsna kaum lesen oder schreiben. "Meine Brüder, die werden studieren gehen. Die können auf andere Sachen hoffen", sagt sie. "Aber was kann ich mal werden?" 1 1 M. Jordan, “Bitter Daydreams of a daughter”, Los Angeles Times-Washington Post News Service reproduziert in der Irish Times, 24. Dezember 2008. - 12 12
  • 9. 1.1 MÄDCHEN SOLLTEN DIE GLEICHEN RECHTE UND CHANCEN HABEN Haben Mädchen die gleichen Chancen? In den meisten Ländern und Kulturen unterscheiden sich die Arbeits- und Aufstiegsmöglichkeiten der Mädchen und Jungen schon ab ihrer Geburt, über die Kindheit, bis in das Erwachsenenalter hinein. Tatsächlich gibt es sehr wenige Länder, Gesellschaften und Verbände, in denen Mädchen die exakt gleichen Möglichkeiten haben wie Jungen. Der Zugang zu Bildung ist ein Menschenrecht2, und ein wichtiger Grundstein für die persönlichen Erfolge und das zukünftige Wohlergehen. Trotzdem werden in weiten Teilen der Erde weiterhin Mädchen und Jungen unterschiedlich behandelt, wenn es um den freien Zugang zur Bildung geht. Eltern legen meist mehr Wert auf die Bildung ihres Sohnes, als auf die ihrer Tochter, und deshalb werden Mädchen meist früher von der Schule genommen als Jungen. Die Konsequenz dieser Ungleichheit kann an globalen Analphabet-Statistiken abgelesen werden. Von den 16 Prozent der Weltbevölkerung, die keinen einfachen Satz lesen oder schreiben können, sind zwei Drittel Frauen. 3 Diese Diskriminierung von Mädchen im Bereich der Bildung kommt meist von der Ansicht, dass Jungen später im Leben bessere Möglichkeiten am Arbeitsmarkt hätten, wohingegen Mädchen eher der Hausarbeit nachgehen, heiraten und in eine andere Familie ziehen würden. Diese Ungerechtigkeit im Zugang zur Bildung bedeutet, dass Mädchen bereits soziale und wirtschaftliche Nachteile haben, wenn sie das Mindestalter für einen Arbeitseintritt erreichen. Was sind die Konsequenzen aus den unterschiedlichen Geschlechterrollen? Kinder werden dazu erzogen, nach dem Vorbild ihrer Eltern zu leben. In den meisten Gesellschaften resultiert aus den verschiedenen Geschlechterrollen, dass Mädchen und Jungen anderen Beschäftigungen nachgehen. Beispielsweise ist kein Mensch dazu geboren, zu Stricken oder zu Kochen, sondern erlernt diese Fähigkeit erst über einen gewissen Zeitraum. In den meisten Kulturen ist es wahrscheinlicher, dass Mädchen diese „weiblichen Fertigkeiten“ beigebracht bekommen. Diese „geschlechter-spezifischen“ Arbeitsgebiete mögen von Kultur zu Kultur unterschiedlich sein, trotzdem werden fast alle Mädchen und Jungen in eine solche Geschlechterrolle gedrängt. Oft wird der weiblichen Rolle weniger Wert und Bedeutung zugerechnet als der männlichen. Mädchen werden daher häufiger in Positionen angestellt, die relativ niedrig bezahlt sind. 2 3 Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 23. UNESCO: Overcoming inequality: Why governance matters, EFA Global Monitoring Report 2009, (Oxford University Press, 2008), S. 93 - 13 13
  • 10. INVESTIEREN IN DIE BILDUNG VON MÄDCHEN 4 4.1 BILDUNG - EIN MENSCHENRECHT UND DER SCHLÜSSEL GEGEN KINDERARBEIT Gemäß Artikel 23 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ist Bildung ein universelles Menschenrecht. Jedoch zeigen Statistiken weltweit, dass Mädchen zu allen Ebenen der Bildung seltener Zugang haben als Jungen. Fast zwei Drittel aller Analphabeten sind weiblich, diese Statistik spiegelt die Ungleichheit im Bildungssektor wider. Der Bildungszugang für Kinder und die Beseitigung von Kinderarbeit ist eng miteinander verbunden. Einerseits kann Bildung, wenn diese frei zugänglich, umfangreich und in guter Qualität ist, viel dazu beitragen Kinderarbeit zu vermindern, andererseits ist Kinderarbeit eine der größten Hürden für Bildung. Kinder, die ganztags arbeiten, können schlicht keine Schule besuchen. Je länger Kinder arbeiten, desto geringer ist die Chance, dass sie von der Schule profitieren können. 68 Das Investieren in die Verbesserung des Bildungszugangs für Mädchen kommt nicht nur der persönlichen Entwicklung der Mädchen zu Gute, sondern auch, durch die Entwicklung des sozialen Fortschritts, der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung. Die Bildung der Mädchen kann ein nachhaltiger Vorteil für ihre zukünftigen Familien und die Gesellschaft im Allgemeinen sein. Einer der speziellen Vorteile der Bildungsinvestitionen von Mädchen ist in Box 4.1 weiter unten dargestellt. 68 F. Blanco Allais and F. Hagemann: Child labour and education: Evidence from SIMPOC surveys, Arbeitspapier, IPEC Statistical Information and Monitoring Programme on Child Labour (SIMPOC) (Genf, ILO 2008). - 59 59
  • 11. Box 4.1 Einige der Erträge aus den Investitionen in die Bildung der Mädchen69 Verringerung der Mutterschaften bei Frauen Frauen mit einer Schulausbildung verschieben die Hochzeit und Schwangerschaft häufiger auf später und haben so weniger, aber dafür gesündere Babys als Frauen ohne Schulbildung. Verringerung der Säuglings- und Kindersterblichkeitsrate Frauen mit einer Schulbildung suchen öfters medizinischen Rat, stellen häufiger sicher, dass ihre Kinder geimpft sind, wissen besser über die Ernährungsanforderungen von Kindern Bescheid und legen mehr Wert auf Hygiene. Dadurch überleben ihre Kinder häufiger und sind meist gesünder und besser ernährt. Verringerung der Müttersterblichkeitsrate Frauen mit einer Schulausbildung haben größeres Wissen zur Gesundheitspflege, werden seltener in jungen Jahren schwanger und besuchen Vor- und NachSchwangerschaftsuntersuchungen. Verringerung von HIV/AIDS Infektionen Bildung ist für Mädchen das beste Mittel, ihre Verletzbarkeit zu vermindern. Steigerung des Frauenanteils in Berufen und ihre Löhne Bildung erhöht sowohl das potentielle Gehalt von Lohnarbeiten und verbessert die Produktivität für Arbeitgeber. Hilfe für die nächste Generation Eine Mutter mit etwas Schulbildung schickt ihre eigenen Kinder deutlich häufiger ebenfalls zur Schule und hilft so, zukünftige Kinderarbeit zu vermeiden. 4.2 INTERNATIONALE ANSTRENGUNGEN BILDUNG FÜR ALLE KINDER ZU FÖRDERN Millenniumsziele (MDGs) Die Millenniumsziele (MDGs) sind ein großes Vorhaben der internationalen Gemeinschaft, das die Entschlossenheit zeigt, die weltweite Armut zu bekämpfen und Entwicklung zu fördern. Obwohl sie keine direkten Zielsetzungen oder Indikatoren diesbezüglich enthalten, sind sie eng mit Maßnahmen gegen Kinderarbeit verbunden. 70 Das Ziel des zweiten MDGs ist es, sicherzustellen, dass bis 2015 Jungen und Mädchen überall eine volle Grundschulbildung absolvieren können. Das Erreichen von weltweiter Grundschulausbildung wäre ein großer Schritt in Richtung der Abschaffung von Kinderarbeit. Das 69 70 World Bank: Girl’s education: A World Bank priority, verfügbar auf: http://web.world bank.org/ WBSITE/EXTERNAL/TOPICS/EXTEDUCATION/0,contentMDK:20298916~menuPK:6175 72~pagePK:148956~piPK:216618~theSitePK:282386~isCURL:Y~isCURL:Y,00.html. H. Tabatabai: “Child labour and the MDGs”, in Inclusãso Social (Brasília), März 2007, S. 135139. - 60 60
  • 12. In diesem aktuellen Bericht zum derzeitigen Stand von Kinderarbeit, werden anhand vieler Grafiken und Statistiken die Merkmale von Kinderarbeit herausgearbeitet und im Anschluss Maßnahmen dagegen präsentiert und bewertet. Dabei wird besonderes Augenmerk auf die Situation von Mädchen gelegt, die unter Kinderarbeit leiden und Unterschiede zu Jungen in gleicher Situation aufgezeigt. » Der Bericht gibt eine umfangreiche Zusammenfassung von Kinderarbeit unter Mädchen. In der Begutachtung der Arbeit, die Mädchen in der heutigen Welt leisten, zeigt es neue unter anderem wichtige Statistiken über bestimmte Aspekte dieser Arbeit auf. Wenngleich es kaum einen Unterschied zwischen Jungen und Mädchen in der Wirtschaftsleistung im Allgemeinen gibt, so zeigt dieser Bericht, dass Mädchen bedeutend mehr in der Haushaltsarbeit beschäftigt sind als Jungen und deshalb ihre Schulausbildung gefährden. Während im Folgenden sowohl der Fortschritt der letzten zehn Jahre im Kampf gegen Kinderarbeit, als auch die zukünftigen Herausforderungen bewertet werden, liefert der Bericht eindeutige Hinweise, die eine besondere Aufmerksamkeit auf die Situation von Mädchen rechtfertigt. Die Bereitstellung bzw. das Fehlen von Chancen für Mädchen kann ihre gesamte Zukunft und die Zukunft von Generationen bestimmen. Mädchen haben das Recht, frei von Kinderarbeit aufzuwachsen und sich zu entwickeln, genauso wie sie das Recht auf Bildung haben. Wir müssen Mädchen eine Chance geben, damit diese Rechte Realität werden. « Aus dem Vorwort von Michele Jankanish, Direktorin im Programm der ILO gegen Kinderarbeit www.edition-aumann.de ISBN 978-3-942230-82-7

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