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Aufgewacht, aufgebrochen, aber noch nicht angekommen. das deutsche archivwesen und das web 2.0. bastian gillner (landesarchiv nordrhein westfalen)
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  • 1. 1Bastian GillnerAufgewacht, aufgebrochen, aber noch nicht angekommen.Das deutsche Archivwesen und das Web 2.0.Vorbemerkung:Folgender Vortrag wurde am 23. November 2012 auf der Tagung „Offene Archive?Archive 2.0 im deutschen Sprachraum (und im europäischen Kontext)“ gehalten. Fürdie Publikation im zugehörigen Tagungs-Blog wurde er leicht überarbeitet und mitAnmerkungen versehen.Die zugehörige Präsentation findet sich unterhttp://prezi.com/ngh8yzquulo3/aufgewacht-aufgebrochen-aber-noch-nicht-angekommen/?kw=view-ngh8yzquulo3&rc=ref-22936769.Meine sehr geehrten Damen und Herren,die Lage ist ernst: Überall bemühen sich Personen, Firmen und Organisationenfieberhaft darum, sich in der digitalen Welt zu präsentieren. Wer nicht mitmacht, derwird automatisch für hoffnungslos rückständig erachtet, selbst wenn man wenig odergar nichts mitzuteilen hat. Inhalte sind von sekundärer Bedeutung, was zählt ist nurdie Art des Auftritts. Möglichst bunte Bilder, am besten animiert und mit knalligemTon unterlegt, so soll der digitale Auftritt sein. Dabei ist das, was hinter der tollenOberfläche wartet, häufig enttäuschend, oft verwirrend und allzu selten qualitätsvoll.Ob Neuigkeit oder Informationsschrott, das ist nur schwer auseinander zu halten,häufig gar dasselbe. Selbst Archive beteiligen sich schon an dieser aggressivenDarstellungsweise, weil sie davon ausgehen, ihre Interessenten zufrieden stellen, garneue Kundenkreise anwerben zu können. In den englischsprachigen Ländern hatdiese Entwicklung bereits früher eingesetzt und ist weiter fortgeschritten. Aber auchbei uns ist sie nun zu beobachten.1Meine Damen und Herren, diese dramatische Lagebeschreibung stammt nicht vonmir. Sie ist noch nicht einmal aktuell. Vorgetragen wurde sie im Jahre 2001 auf dem
  • 2. 272. Deutschen Archivtag in Cottbus und die große Bedrohung der guten altenArchivwelt, das war das Internet, das Web 1.0. Alles in allem eine mindestensskeptisch zu beobachtende Technologie, die allenfalls in streng reglementiertemMaße für die Archive geeignet sei. Die Vortragenden gaben sich abschließend derHoffnung hin, dass die Archive den künftigen Benutzern ernsthafte Angabenvermitteln und dem Spieltrieb auf dem Bildschirm, wie er allerorten zu beobachtensei, widerstehen werden.Wiederholt sich Geschichte? Angesichts der Haltung des deutschen Archivwesensgegenüber der digitalen Welt bin ich geneigt zu sagen: Ja, sie wiederholt sich. Diearchivische Ablehnung und Skepsis, die vor einer Dekade dem Web 1.0entgegenschlug, gleicht sehr derjenigen, mit der sich das Web 2.0 heute konfrontiertsieht. Mit vermeintlicher Inhaltsleere und Oberflächlichkeit sowie mangelnderfachlich-wissenschaftlicher Relevanz werden gar die gleichen zentralen Argumenteins Feld geführt. Aber ich will nicht vorgreifen. Ich möchte mit einem kurzen Blick aufdie derzeitige Situation des deutschen Archivs 2.0 beginnen, möchte dabei aber einekurze Entschuldigung, gerade gegenüber unseren heutigen Gastgebern,vorausschicken: Wenn ich vom deutschen Archivwesen und seinen, sagen wir,ausbaufähigen Aktivitäten im Bereich der Social Media sprechen, dann bitte ich Sie,immer mitzudenken, dass es auch einige Archivarinnen und Archivare gibt, diemomentan wirkliche Pionierarbeit leisten und mit Blogs, Facebook und Twitterebenso virtuos umgehen wie mit Akten, Amtsbüchern und Urkunden. Die meistendürften ja zudem heute hier versammelt sein – fühlen Sie sich also nicht von allerKritik angesprochen!Zu Beginn ein Beispiel zum gegenwärtig üblichen Informations- undKommunikationsverhalten innerhalb der deutschen Archivwelt:Am 27. Juni 2012 wurde vor dem Parlamentarischen Kontrollgremium derGeheimdienste bekannt, dass während der Ermittlungen gegen denrechtsterroristischen sogenannten Nationalsozialistischen Untergrund beimVerfassungsschutz mehrere Akten vernichtet worden waren. Umgehend wurde dasThema von allen größeren Medien aufgegriffen. In den folgenden Tagen äußerte sichauch der Verband deutscher Archivarinnen und Archivare (VdA) in mehrerenPressemitteilungen zu den Vorgängen und verurteilte diese Vernichtung von Akten
  • 3. 3zu Recht mit scharfen Worten. Vereinzelt wurden diese Äußerungen von der Presseauch aufgenommen. Danach verstummten die Archivare, auch wenn mehrfachweitere Aktenvernichtungen bei den Ermittlungsbehörden bekannt wurden, und auchwenn die eigenmächtige Vernichtung von Akten durch Behörden zu den ärgerlichen,wenngleich keineswegs unüblichen Berufserfahrungen wohl jeden Archivars gehört.Eines unserer Kernthemen, der Umgang mit der schriftlichen Überlieferung, stand füreinen kurzen Moment im Rampenlicht des bundesweiten öffentlichen Interesses. Undwas fiel uns ein? Pressemitteilungen, inklusive der damit verbundenen Abtretung derRelevanzentscheidung an einen mehr oder weniger interessierten Redakteur. Alsdann im Oktober der ehemalige Vizepräsident des Bundesverfassungsschutzes vordem Untersuchungsausschuss aussagte und die Vernichtung von Akten wegen dergesetzlichen Aufbewahrungsfristen als einen völlig normalen und notwendigenVorgang bezeichnete, war von den Archivaren nichts zu hören. Wie auch? Washätten wir denn für Möglichkeiten gehabt? Einen Aufsatz in der regionalenFachzeitschrift verfassen? Einen Arbeitskreis bilden? Einen Notfall-Archivtageinberufen? Sehen wir der Realität ins Auge: Kommunikationskanäle nach außenhaben wir abseits der traditionellen Pressemitteilung praktisch nicht und eineDiskurshoheit können wir außerhalb der eigenenBerufsgruppenichtannähernderlangen. Es schwadronierten also hochrangige Behördenvertreter offenkundig ohneWissen um archivische Belange und wir mussten stumm bleiben und uns allenfallsim Kollegenkreis empören. Mussten wir? Eine leise Ahnung davon, dass es auchanders ging, konnte man allerdings bekommen. Abseits der traditionellenDiskussionskanäle der Fachwelt berichtete nämlich das Blog Archivalia 2 und auch inder Gruppe Archivfragen auf Facebook wurde das Thema diskutiert3. Viel zu wenignatürlich, um an den misslichen Entwicklungen etwas zu ändern, aber doch ein Blickauf Kommunikationsstrukturen, wie sie mit sozialen Medien denkbar sind.Was nicht nur denk-, sondern tatsächlich machbar ist, zeigte sich hingegen zeitgleichin den USA: Im September verkündete der Gouverneur des Bundesstaates Georgia,dass ein rigider Sparkurs es nötig mache, die Georgia State Archives zum 1.November für die Öffentlichkeit zu schließen und von 10 Mitarbeitern 7 zu entlassen.Im unmittelbaren Anschluss an diese Ankündigung starteten die dortigen Archivareeine intensive Kampagne, in deren Mittelpunkt eine eigene Facebook-Seite alszentrale Plattform für alle entsprechenden Nachrichten, Proteste, Solidaritäts- und
  • 4. 4Unmutsbekundungen stand. Über diesen Weg gelang es nicht nur, in lediglich vierWochen knapp 4.000 Unterstützer in dem sozialen Netzwerk zu generieren unddiese Unterstützung in mehr als 17.000 Unterzeichner einer Online-Petitionumzumünzen, sondern schließlich auch, die geplante Schließung vorerstabzuwenden (auch wenn der Kampf um die Arbeitsplätze momentan noch nichtbeendet ist).4Was den deutschen Archivaren in einer problematischen archivpolitischen Situationnicht gelang, das gelang ihren amerikanischen Kollegen in einer ungleichdramatischeren Situation: Die Schaffung eines öffentlichen Bewusstseins für dieeigenen Anliegen, was hierbei tatsächlich zu einem Erfolg der archivischen Seiteführte. Bis vor einer Woche hätte ich noch behauptet, dass ein solchesarchivischesSocial-Media-Campaigning unter Einbeziehung einer interessiertenNetz-Öffentlichkeit in Deutschland nicht zustande käme. Doch die Causa Stralsundhat mich da eines Besseren belehrt und – passend zu dieser Tagung – hat wohlauch das deutsche Archivwesen seine erste erfolgreiche Kampagne, die maßgeblichin den sozialen Medien wurzelt.5Sind das abwegige Beispiele? Sie sagen, eine solche Kommunikation sollte dochlieber den dafür zuständigen Behördenleitern oder Öffentlichkeitsreferentenvorbehalten sein? Gerade wenn es um archivpolitische Fragen geht? Nun gut.Problemlos lassen sich andere Beispiele finden, die von einem momentanen Nicht-Verstehen von sozialen Medien im deutschen Archivwesen zeugen. VielleichtCrowdsourcing? Mitte 2012 hat die Archivschule das Online-Lexikon „Terminologieder Archivwissenschaft“ gestartet. Ein Wiki, immerhin, also ein wunderbarpraktisches Medium, um kollaborativ Wissen zu sammeln. Doch leider dürfen indiesem Wiki allein die aktiven Referendare der Archivschule schreiben. Man scheintes also für sinnvoller zu erachten, das Wiki durch eine kontrollierbare Kleinstgruppebefüllen zu lassen als auf die Erfahrung und das Wissen einer breitenFachöffentlichkeit zurückzugreifen. Entsprechend hat sich seit der ersten Befüllungvor rund fünf Monaten auch nichts mehr am Inhalt geändert.6Oder vielleicht dochlieber Sharing? Da bleiben auch nicht viele schöne Beispiele. Allein dasBundesarchiv hat sich bisher an ein entsprechendes Großprojekt gewagt und 90.000Fotos für Wikimedia bereitgestellt. Wir werden von Herrn Sander ja noch den
  • 5. 5entsprechenden Vortrag hören. Doch auch hier keine allzu guten Nachrichten, denn– lassen Sie es mich etwas provokativ formulieren – die Fotos wurden schlichtweg zusehr genutzt: Das Projekt liegt vorerst auf Eis.71. Der Status QuoSo sieht also momentan, am Ende des Jahres 2012, die virtuelle Präsenz derdeutschen Archive aus: Die Kommunikation ist eine klassische traditionelleBehördenkommunikation, geboren im AncienRégime, verfeinert im Untertanenstaat,herübergerettet ins digitale Zeitalter. Informationen werden quasi-obrigkeitlichverkündet, die Homepage funktioniert kaum anders als das preußische Gesetz- undVerordnungsblatt. Die Interaktivität erschöpft sich in der Anfragenbearbeitung mittelsEingabe und Bescheid, einem – die erfahrenen Aktenkundler werden es wissen –Verhältnis der Über- respektive Unterordnung. Dass Archive Behörden sind, kannihnen nicht vorgeworfen werden, wohl aber, dass sie sich allzu häufig alsAbziehbilder schlechter Behördenklischees erweisen. Dabei sollte doch der (nunauch nicht mehr ganz neue) Prozess der Verwaltungsmodernisierung einenUmbruch, ein Umdenken bringen, beispielsweise – so formuliert es etwa derRahmenplan E-Government des Landes Nordrhein-Westfalen – „die Anpassungkommunaler und staatlicher Geschäftsprozesse an neue Kommunikationsformen“8.Wie die gesamte Verwaltung sollten auch Archive Dienstleister sein, nahe amBürger, bequem zu nutzen, offen für moderne Entwicklungen. Bürgernähe,Interaktivität, Transparenz – was läge hier näher als an die Möglichkeiten vonsozialen Medien zu denken? Für die deutschen Archive offensichtlich anderes. Essind nicht die Chancen und Potentiale der Entwicklung, die hier gesehen werden –einer Entwicklung, die ohnehin unumkehrbar sein dürfte! –, sondern die Bedrohungvon bekannten Arbeitsprozessen, von traditionellen Hierarchien, von ohnehinknappen Ressourcen. Beachtlicherweise werden damit gleich zweiEntwicklungstendenzen ignoriert: der verwaltungsmodernistische Diskurs, in demmittlerweile die Nutzung sozialer Medien als vielversprechender Baustein des E-Government hervorgehoben wird,9 und der archivfachliche Diskurs jenseits derdeutschen Grenzen, in dem soziale Medien zunehmende Normalität sind.10Gerade der fehlende Blick über die Grenzen bzw. die mangelnde Adaptionauswärtiger Projekte ist ärgerlich. Mancherorts lässt sich das Archiv 2.0 nämlich
  • 6. 6bereits in einem fortgeschrittenen Stadium beobachten: Mit dem Archives 2.0-Manifesto11, den 23 Things forArchivists12 oder dem Interactive Archivist13 existierenbereits Grundsatzdokumente für das Archiv 2.0 aus dem us-amerikanischen Raum,dessen Umsetzung dort bereits in vielfältiger Form zu beobachten ist. Allen voransind die National Archives mit einer beeindruckenden Präsenz im Web 2.0 zunennen,14 aber auch eine Vielzahl kleinerer Einrichtungen. Ähnlich sieht es imgesamten angelsächsischen Raum aus, aber durchaus auch in der näherenNachbarschaft wie etwa den Niederlanden. Fachkommunikation undNutzerbeteiligung findet andernorts durchaus bereits über soziale Medien statt.Dagegen nehmen sich die wenigen deutschen Aktivitäten mager aus: Wir habeneinige aktive Kommunalarchive, die (z.T. mit bescheidenen Mitteln) die Potentialevon sozialen Medien wie Facebook und Twitter sehr effektiv nutzen.15 Wir haben einerudimentäre Blogstruktur, allen voran Archivalia, sozusagen das große alteSchlachtschiff des deutschen Archiv 2.0, mit einer immensen Vielzahl von Hinweisenund Nachrichten nicht nur im Bereich Archiv, sondern auch aus dem ganzen OpenData-Bereich sowie einigen historischen Spezialgebieten.16 Diesem hat sich indiesem Jahr das Blog siwiarchiv an die Seite gesellt, das wunderbar zeigt, wieArchive ihre regionalgeschichtliche Kompetenz in moderner Weise unter Beweisstellen können.17 Ebenfalls dieses Jahr entstanden ist der Archivspiegel des Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchivs (BBWA) und somit das erste Blog einesWirtschaftsarchivs.18 Wir haben punktuelle Nutzungen sozialer Medien wie etwa dasBlog zum Rheinischen Archivtag 2012 (oder auch zum kommenden WestfälischenArchivtag 2013).19 Auch interne Anwendungen wie etwa ein Behördenberatungs-Wikiim Landesarchiv NRW sind sporadisch vorhanden.20 Wir haben weiterhin einigearchivische Examensarbeiten, die zeigen, dass das Thema zumindest beimarchivischen Nachwuchs präsent ist.21 Und schließlich haben wir noch eine ganzeReihe von Archivarinnen und Archivaren, die als Privatpersonen verschiedenesoziale Medien nutzen und als solche natürlich auch gerne über archivische Themensprechen; exemplarisch sei hier die gar nicht mehr so kleine Facebook-GruppeArchivfragen (mit momentan rund 140 Mitgliedern) genannt. Intensiver möchte ich andieser Stelle gar nicht auf die Einzelbeispiele eingehen, das können dieVerantwortlichen im weiteren Verlauf des heutigen Tages besser als ich.
  • 7. 7Auf das Gesamtbild gesehen ist das Genannte allerdings sehr wenig, weshalb dasbittere Fazit zum Verhältnis von Archiv und Web 2.0 in Deutschland an dieser Stellelauten muss: es ist kostenlos, es ist weitverbreitet, es hat immense Potentiale – vonso was lassen wir lieber die Finger!Natürlich ist es eine Frage, die sich nach all dem Gesagten aufdrängt: Warum fällt esden deutschen Archiven so schwer, das Web 2.0 als natürlichen Bestandteil derberuflichen Existenz zu begreifen, den Schritt zu vollziehen, den bereits zahllosePrivatleute und Unternehmen und durchaus auch nicht wenige öffentlicheEinrichtungen bereits vollzogen haben? Oder, wie Klaus Graf es bereits 2006 ineinem Diktum formulierte, das weithin noch immer seine Gültigkeit hat: Warum sinddeutsche Archivare virtuell so grauenhaft unkommunikativ?22Dieser Frage will ich mich im Weiteren in fünf Punkten intensiver widmen:2.1 Die GenerationenfrageEin erster Punkt aus einem komplexen Ursachenbündel scheint auf der Hand zuliegen: Die Nutzung von Social Media ist maßgeblich vom Alter bestimmt. Ganzgrundsätzlich gilt: je jünger die Altersgruppe, desto intensiver die Nutzung. Dasschließt natürlich nicht die intensive Nutzung im Einzelfall aus, quantitativ bleiben diemittleren und älteren Jahrgänge aber in der Minderheit. Eine Vielzahl vonUntersuchungen spricht hier die gleiche Sprache; exemplarisch sei die ARD-/ZDF-Onlinestudie 2012 genannt, nach der etwa die Nutzung von sozialen Netzwerken bishin zu den Dreißigjährigen weit verbreitet ist, danach aber massiv einbricht.23 Nun istes aber nicht so, dass die Zwanzigjährigen die Entwicklung des deutschenArchivwesens bestimmen und auch nicht die Dreißigjährigen. Die maßgeblichenEntscheidungen trifft die Generation jenseits der Vierzig. Anders gesprochen:Diejenigen, die die strategischen Entscheidungen treffen – für einzelne Archive wiefür das gesamte Archivwesen –, sind diejenigen, die die geringstenBerührungspunkte zum Thema Social Media haben. Diese Generation ist eher nichtauf Facebook aktiv, stellt seine Urlaubsfotos nicht auf Flickr ein, führt keineLieblingslisten bei Amazon und schreibt lieber Aufsätze für die regionalenGeschichtsblätter als Texte für die Wikipedia. Die berufliche Vernetzung dieserGeneration funktionierte noch ohne soziale Netzwerke, ihre
  • 8. 8Kommunikationsstrukturen hat sie etabliert ohne auf eigene Blogs oder regelmäßigeTwitter-Updates angewiesen zu sein; digitaler Bezugspunkt ist das Web 1.0. Wasdieser Generation fehlt, ist – wie es der Blogger Sascha Lobo einmal poetischformulierte – die „digitale Heimat“, die daraus entsteht, im Netz Freude und Freundegefunden zu haben, vor dem Bildschirm gelacht und geweint, diskutiert und gestrittenzu haben, die „Netzwärme“ gespürt zu haben.24 Üblicherweise resultiert aus diesenkollektivbiographischen Erfahrungen Unverständnis, Desinteresse oder garAblehnung gegenüber dem Web 2.0. Eine scharfe Trennung – der Digital Divide –zwischen denjenigen, die sich mit Funktion, Instrumenten und Habitus des Web 2.0auskennen, und denjenigen, die es nicht tun, ist leider auch im deutschenArchivwesen leidige Realität.252.2 Der publizistische DiskursAber auch wenn diese Trennlinie zuvorderst an Generationsgrenzen verläuft, so istAlter natürlich weder ein allgemeingültiges noch ein alleiniges Kriterium für denUmgang mit sozialen Medien. Sicherlich gibt es genügend Menschen jenseits vonJugend und Adoleszenz, die bloggen, twittern o.ä. Im Falle des Nicht-Kennens undNicht-Nutzens solcher Medien aber – und das ist mein zweiter Punkt – trägt derpublizistische Diskurs in Deutschland nicht dazu bei, sozialen Medien mit Offenheitzu begegnen. Ungeachtet der tatsächlichen Nutzung etwa von sozialen Netzwerken,wie sie alle etablierten Medien pflegen, zeigt sich dort nämlich eine weitverbreiteteDistanz gegenüber den sozialen Medien. Als wohl größte Plattform mit mittlerweileeiner Milliarde (!) Mitgliedern ist es Facebook (als Synonym für Social Mediainsgesamt), das in besonderem Maße zur Zielscheibe der Kritik geworden ist. ImSommer 2012 war es der Spiegel, der Folgendes titelte: „900 Millionen Menschengefällt das. Warum eigentlich?“26 Auch die Süddeutsche Zeitung entblödete sichtatsächlich nicht, ihre komplette Seite Drei für eine Geschichte freizuräumen, in derverschiedene Betroffene – und das ist jetzt leider kein Witz – darüber berichtendurften, dass sie früher Zeit bei Facebook verschwendeten, heute aberbeispielsweise Schafe auf dem Land züchten.27 Heile Landwelt statt Computer-Einsamkeit! Deutscher Wald statt amerikanische Leitkultur! Da verwundert es auchnicht mehr, dass die Zustimmung groß war, als die Bundesverbraucherministerin2010 publikumswirksam ihren Austritt aus dem Sozialen Netzwerk verkündete. DieVerabschiedung aus dem weltgrößten Kommunikationsraum wurde tatsächlich alsAkt
  • 9. 9der Befreiung bejubelt.Auch die regelmäßige Berichterstattung über sogenannteFacebook-Parties dreht sich primär um eine boulevardeske Panikmache, nicht aberum das dabei aufscheinende Mobilisierungspotential des sozialen Netzwerks. Wasfür Facebook gesagt wurde gilt cum grano salis auch für andere soziale Medien:Klagen über unsere fortschreitende Verblödung durch das Internet sind immer gut,um Zeitschriften oder Bücher verkaufen zu können.28 Um das Gesagte wieder aufden engeren Nenner eines deutschen Archiv 2.0 zu bringen: Wer keine persönlichenErfahrungen mit sozialen Medien mitbringt, wird durch den publizistischen Diskursauch nicht ermutigt, ebensolche zu sammeln. Social Media erscheint dort lediglichals chaotische Kraft, die bestehende Arbeits- und Lebensstrukturen zersetzt, kaumaber als faszinierendes Element zukünftiger beruflicher oder zivilgesellschaftlicherOrganisation.2.3 Keine Experimente!Ich komme zu meinem dritten Punkt: „Keine Experimente!“ habe ich ihn genannt.Den Slogan kennen Sie wahrscheinlich alle, er stammt vom wohl erfolgreichstenWahlplakat der deutschen Geschichte (Konrad Adenauer, CDU, 1957) mit geradezuikonographischem Charakter.29 „Keine Experimente!“, dieser erfolgreiche Slogan giltmomentan auch für die archivische Internet-Präsenz. Den Schritt in die digitale Welthaben wohl alle Archive vollzogen und sind mit mal mehr, mal weniger interessantenHomepages online. Verstärkte Anstrengungen richten sich derzeit auf den Ausbauder Homepage-Strukturen, namentlich durch die Bereitstellung retrokonvertierterFindmittel und zunehmend auch die Einbindung von Digitalisaten in Online-Findmittel. Auch Archivportale auf deutscher und europäischer Ebene sindgegenwärtiger Diskussionsstand. Diese Aufgaben dürfen keinesfalls gering geschätztwerden, sie sind vielmehr zentrale Elemente für eine Zukunftsfähigkeit der Archiveüberhaupt. Sie bewegen sich allerdings in den Bahnen einer traditionellenBereitstellung von Informationen;klassisches Web 1.0 sozusagen: ein aktiverAnbieter stellt Informationen bereit (sei es auf der Homepage, sei es auf einemregionalen, einem nationalen oder einem europäischen Portal), die passivenRezipienten können diese Informationen konsumieren.Das Web 2.0 wird von dieser Entwicklung praktisch nicht berührt. Eine Einbindungvon Nutzerinteressen und Nutzerpotentialen findet kaum statt. Eine konstitutive undradikale Nutzerorientierung, wie sie Sharing-Plattformen wie etwa Flickr oder
  • 10. 10Youtube bieten, ist für deutsche Archive ein fremdes Konzept, selbst einfachsteComment- oder Tagging-Funktionen finden keine Anwendung. EntsprechendeLeuchtturm- oder Pilotprojekte sind kaum zu erkennen. Eines der ersten archivnahenCrowdsourcing-Projekte in Deutschland stammt bezeichnenderweise auch gar nichtaus den Reihen der Archive: In der Rubrik „eines Tages“ auf Spiegel Online wird seitMitte 2012 ein Fotoalbum eines unbekannten deutschen Soldaten aus dem ZweitenWeltkrieg kollaborativ erschlossen.30Unser Gastgeber, das Stadtarchiv Speyer gehörtzu den wenigen Archiven, die mit einem ähnlichen Projekt auf Flickr aktiv sind.31Kaum zu vergleichen sind diese Projekte aber etwa mit dem CitizenArchivistDashboard aus den USA, das ein Transkribieren und Taggen zahlreicher Dokumenteerlaubt.32 Als wahrscheinlich beeindruckendster Erfolg kann darunter die Indexierungder US-Volkszählung von 1940 gelten, ein Projekt, bei dem sage und schreibe125.000 Freiwillige in nur zwei Monaten 75.000.000 Namen indiziert haben.33Ebenfalls einen erfolgreichen Umgang mit seriellen Daten kann auch dasniederländische VeleHanden-Projekt vorweisen. Hier geht es um die kollaborativeErschließung historischer Personenregister, von denen beispielsweise die mehr als300.000 Scans niederländischer Konskriptionslisten von 1814 bis 1941 mittlerweilenahezu komplett indiziert worden sind.34 Eine Rezeption dieser Projekte hat inDeutschland bisher kaum stattgefunden. Selbst kleinere Aktionen wie derAskArchivists-Day35 [*] oder der Follow an Archive-Day36, beide auf Twitter, der Day-of-Digital-Archives37 oder auch die Open-Access-Week38 werden praktisch nichtwahrgenommen. Diese mangelnde Experimentierbereitschaft hat sich auch nochnicht durch die sehr eindeutigen Positivurteile gewandelt, wie sie in letzter Zeit auchin deutschen Fachpublikationen zu lesen sind. Das gilt beispielsweise für diePraxisberichte über eine archivische Facebook- und Twitter-Nutzung im Archiv,39verstärkt aber für Besprechungen ausländischer, insbesondere angelsächsischerSocial Media-Projekte.40 Eine weitgehende Wahrnehmung positiver Effekte auf diearchivische Arbeit, eine unbedingte Empfehlung zur Öffnung gegenüber den neuenTechnologien gehört hier zum guten Ton, eine spürbare praktische Relevanz für diebreite Masse der deutschen Archive hat das aber bisher nicht. Der Slogan „KeineExperimente“ hat leider auch noch nach 55 Jahren seine Gültigkeit.2.4 Das Paul-Jonas-Phänomen
  • 11. 11Mit dem gerade Gesagten hängt auch ein weiterer Punkt zusammen, den ich hierdas Paul-Jonas-Phänomen nennen möchte. Paul Jonas ist eine der Hauptfiguren inden Otherland-Romanen des Amerikaners Tad Williams, einer Cyberpunk-Saga, wasdoch irgendwie zu unserem Thema passt. Paul Jonas wacht eines Tages in einerihm fremden Welt auf und hat überhaupt keine Ahnung, wer er ist, wo er ist und wieer dorthin gekommen ist. Bald stellt sich heraus, dass er in einer virtuellen Realitätfesthängt und in der Folgezeit wird er durch eine verwirrende Vielzahl virtuellerWelten stolpern, die ihm fremd sind und erst ganz am Ende verstehen, was das allesist und wofür das alles da ist.Die hübsche kleine Analogie zum deutschen Archivwesen liegt auf der Hand. Gut,immerhin wissen wir, wer wir sind, aber was all die Programme, Portale, Plattformenim Netz so machen, wofür sie da sind, welche es überhaupt so gibt, geschweigedenn wie wir sie zu unserem Nutzen anwenden können – das wissen wir nur inbegrenztem Maße. Manche müssen schon bei Hashtags oder RSS-Feeds alsunbekanntem Terrain passen, kommen dann theoretische Konzepte wie Folksonomyoder Serendipity ins Spiel, dann steigt die Verwirrung exponentiell an.Doch das müssen wir uns klar machen: Das Web 2.0 ist bunt, dynamisch, interaktiv,bisweilen hyperaktiv. Informationen entstehen und kursieren in vorher nichtgekannter Geschwindigkeit und Menge. Informationen können von jedermannbereitgestellt werden, traditionelle Informationsmonopole – wie sie auch Archivebesitzen – verlieren an Bedeutung. Eine Absenz von den digitalenInformationsflüssen bedeutet einen herben Verlust an Relevanz. Diese Gefahr wirdvon den deutschen Archiven noch kaum wahrgenommen. Vielmehr stehen dieArchive als Informationsdienstleister den neuen Informationsstrukturen distanziertgegenüber. Unverständnis prägt den Umgang: liken, sharen, taggen, adden,bookmarken, followen, tweeten, retweeten, crowdsourcen, crowdfunden u.v.a.m. –was ist das eigentlich alles, wozu braucht man das, wie nutzt man das? Dabeibedarf es keines Informatikstudiums, um die grundlegenden Strukturen zu verstehen,ist eine simple Bedienbarkeit vielmehr Charakteristikum des Web 2.0. Nicht zuletztseit der Begründung der geisteswissenschaftlichen Blog-Plattform hypotheses.orgstehen bequem nutzbare Strukturen wie auch Anleitungen zur Blog- oderTwitter-Nutzung zur Verfügung.41Vielleicht paradoxerweise hat diese Unübersichtlichkeitaber auch dazu geführt, dass manche Archive tatsächlich schon mit vorsichtigenSchritten im Web 2.0 unterwegs sind ohne es wirklich realisiert zu haben: Einen
  • 12. 12Imagefilme nicht nur auf der Homepage, sondern auch auf Youtube zu präsentierenist jedenfalls schon Social Media-Nutzung,42 ebenso die Befüllung der Wikipedia mitarchivischen oder historischen Inhalten.43 Aber vielleicht sollte man bei diesem Punktoptimistisch sein: Nicht nur der genannte Paul Jonas, auch die Archive dürften mitzunehmender Präsenz in der fremden virtuellen Welt verstehen, wie das allesfunktioniert und wie das alles zusammenhängt. Es wären nicht Millionen vonMenschen und tausende von Institutionen im Web 2.0 aktiv, wenn es schwer wäre.Allein die Hürde zu überwinden, sich auf diese Neuerungen einzulassen, – also:verstehen zu wollen – dürfte die entscheidende Herausforderung sein.2.5 Das Vogel-Strauß-PrinzipWir haben also gehört: fehlende Affinität, fehlende Konzepte, fehlende Vorreiter unddaraus resultierendes Unwissen, hier scheinen die Probleme des deutschen Archiv2.0 zu liegen. Leider ist nicht die Neugier auf das Neue die folgende Reaktion.Soziale Medien werden nicht als Antwort auf archivische Herausforderungengesehen, allenfalls als neues Problem. Auch scheint es – anders etwa als bei derdigitalen Langzeitarchivierung – keine Sachzwänge zu geben, sich mit diesemNeuen auseinandersetzen zu müssen. Stattdessen dominiert eine Nicht-Beachtungder Thematik, ungeachtet dessen, dass Blogs, Wikis, Facebook, Twitter zuralltäglichen Lebensrealität von Millionen Menschen gehören. Wie beimsprichwörtlichen Vogel Strauß wird der Kopf in den Sand gesteckt und scheinbargeglaubt, dass diese unbekannten Neuerungen wieder verschwinden. Im Dunkelnwächst aber keine Erkenntnis, im Dunkel wächst allenfalls die Angst. Angst davor,die ohnehin knappen Ressourcen auf weitere Aufgaben verteilen zu müssen. Angstdavor, die Ressourcen fehl zu investieren, indem man auf einen vielleicht nurkurzlebigen Hype aufspringt. Angst vor den Nutzern, sei es vor ihrer steigenden Zahloder vor kritischen oder destruktiven Kommentaren. Angst davor, Arbeitsweisen undArbeitsstrukturen publik zu machen, gar rechtfertigen zu müssen. Angst vor einemallgemeinen Kontrollverlust: Kontrollverlust über Arbeitsweisen, über Informationen,über die fachliche Deutungs- und Diskurshoheit, vielleicht gar über die eigenenBestände, wenn sie in digitalisierter Form vorliegen. Was der Kopf im Sandnaturgemäß nicht ermöglicht, das ist die Erweiterung des Horizonts, der Blick auf dieMöglichkeiten jenseits der bisherigen Arbeitsweisen. Dabei könnten am Horizontviele interessante Dinge sichtbar werden: Ein direkterer Kontakt zum Nutzer, d.h.
  • 13. 13eine verstärkte Orientierung an Nutzerinteressen einerseits, eine entlastendeEinbindung von Nutzerpotentialen andererseits. Eine daraus resultierende neueLegitimität und Publizität. Eine gezielte Steuerung von Fachinformationen. EineIntensivierung von Fachdiskursen. Summa summarum eine unbedingt notwendigeAnbindung der erprobten Arbeitsweisen und fachlichen Standards des Archivwesensan moderne Entwicklungen und Erwartungen. Vieles mag unter dem Begriff desArchivs 2.0 denkbar erscheinen, auch wenn momentan wenig gedacht und nochweniger gemacht wird.3. AusblickIch komme zum Schluss und damit auf den Titel meines Vortrags zurück: „Archivareaufgewacht“, so rief Gerd Schneider im Jahre 2004 den deutschen Archivaren zu, inder Absicht, diese zur Wahrnehmung neuer Arbeitsrealitäten zu bewegen. 44Aufgewacht sind wir in der modernen Arbeitswelt. Einen „Aufbruch der Archive zuden Nutzern“ beschwor Mario Glauert im Jahre 2009 mit Blick auf die Möglichkeitender virtuellen Welt.45 Dieser Aufbruch ist schwerer als bloßes Aufwachen, er istmühselig, hat aber – wie langsam, wie vorsichtig, wie vereinzelt auch immer –begonnen. Die heutige Tagung mag dafür als bestes Beispiel gelten. Angekommenaber, in einer neuen virtuellen Heimat, beim dort vielfach schon wartenden Nutzer, inoffenen und transparenten, gemeinschaftlichen und kollaborativen, informativen undinteraktiven Arbeitsstrukturen, in unserem neuen Archiv 2.0, das sind wir noch langenicht. Wir sollten weitergehen!Vielen Dank!1 Vgl. Karl-Ernst Lupprian und Lothar Saupe, Internetauftritte als Form archivischer Öffentlichkeitsarbeit, in:Jens Murken (Red.), Archive und Herrschaft. Referate des 72. Deutschen Archivtags 2001 in Cottbus (DerArchivar, Beiband 7), Siegburg 2002, S. 382-388.2 Vgl. exemplarisch http://archiv.twoday.net/stories/97069512/#97071664.3 Vgl. https://www.facebook.com/groups/198523843522424/463864086988397/?notif_t=group_activity.4 Vgl. https://www.facebook.com/GeorgiansAgainstClosingStateArchives.5 Vgl. https://www.facebook.com/rettetarchivbibliothekstralsund.
  • 14. 146 Vgl. http://www.archivschule.de/uploads/Forschung/ArchivwissenschaftlicheTerminologie/Terminologie.html7 Vgl. etwa http://commons.wikimedia.org/wiki/Commons:Bundesarchiv/de; auch Oliver Sander,„Der Bund mitWiki“. Erfahrungen aus der Kooperation zwischen dem Bundesarchiv und Wikimedia, in: Archivar 63 (2010), S.158-162 (http://www.archive.nrw.de/archivar/hefte/2010/ausgabe2/Archivar_2_10.pdf).8 http://www.mik.nrw.de/themen-aufgaben/moderne-verwaltung/e-government/aktuelles/rahmenempfehlung-e-government.html9 Exemplarisch seien hier zwei Veranstaltungen aus dem Jahre 2012 genannt: der 13. Kongress NeueVerwaltung des Deutschen Beamtenbundes (dbb) „Innovation ist Wandel“(http://www.neueverwaltung.de/1118.html) und das 13. ÖV-Symposium „E-Government in Nordrhein-Westfalen“, mitveranstaltet vom Innenministerium Nordrhein-Westfalen (http://www.oev-symposium.de/oev13/index.php).10 An dieser Stelle sei lediglich auf das zentrale Werk zur Thematik verwiesen: Kate Theimer, Web 2.0 ToolsandStrategiesfor Archives andLocalHistoryCollections, London 2010; vgl. daneben auch das entsprechende Blogvon Kate Theimer unterhttp://www.archivesnext.com/. AlsjüngstesBeispielvomInternationalenArchivtag 2012vgl. Francis Garaba, Availing the liberation struggle heritage to the public. Some reflections on the use of Web2.0 technologies in archives within ESARBICA(http://www.ica2012.com/files/data/Full%20papers%20upload/ica12Final00017.pdf).11 Vgl. http://www.archivesnext.com/?p=6412 Vgl. http://23thingsforarchivists.wordpress.com/13 Vgl. http://interactivearchivist.archivists.org/14 Vgl. http://www.archives.gov/social-media/15 Vgl. Joachim Kemper u.a., Archivische Spätzünder? Sechs Web 2.0-Praxisberichte, in: Archivar 65 (2012), S.130-143 (http://www.archive.nrw.de/archivar/hefte/2012/ausgabe2/ARCHIVAR_02-12_internet.pdf). Auch derVerband deutscher Archivarinnen und Archivare (VdA) und das Landesarchiv Niedersachsen haben Facebook-Auftritte, die aber momentan nur sehr ineffektiv genutzt und allenfalls rudimentär mit Inhalten versorgtwerden.16 Vgl. http://archiv.twoday.net/17 Vgl. http://www.siwiarchiv.de/18 Vgl. http://www.bb-wa.de/de/archivspiegel.html19 Vgl. http://lvrafz.hypotheses.org/20 Vgl. etwa Das Landesarchiv Nordrhein-Westfalen 2010, hrsg. vom Landesarchiv Nordrhein-Westfalen (=Veröffentlichungen des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen 38), [Düsseldorf 2010], S. 12-15; auch Ralf-MariaGuntermann, Behördenberatung im Wandel. Ein Fachkonzept zur Zukunftsfähigkeit archivischerBeratungsdienstleistungen im Landesarchiv NRW, in: Archivar 64 (2011), S. 332-335, hier S. 334-335(http://www.archive.nrw.de/archivar/hefte/2011/ausgabe3/ARCHIVAR_03-11_internet.pdf).21 Vgl. Susann Gutsch, Web 2.0 in Archiven. Hinweise für die Praxis (= Veröffentlichungen der Landesfachstellefür Archive und öffentliche Bibliotheken im Brandenburgischen Landeshauptarchiv 8), Potsdam 2010; BastianGillner, Jenseits der Homepage. Zur archivischen Nutzung von Web 2.0-Anwendungen, Marburg 2011
  • 15. 15(http://www.archivschule.de/uploads/Ausbildung/Transferarbeiten/Transferarbeit_BastianGillner.pdf); SinaWestphal Personenstandsarchive im Web 2.0 am Beispiel des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen, Marburg2012(http://www.archive.nrw.de/lav/abteilungen/fachbereich_grundsaetze/BilderKartenLogosDateien/Transferarbeiten/Westphal_Transferarbeit.pdf); auch Uwe HeizmannDeutschsprachige Archive bei Facebook. DerzeitigerStand und aktuelle Konzepte, Potsdam 2012 (http://www.multimediale-geschichte.de/bilder_co/heizmann_uwe_-_dtspr_archive_b_facebook.pdf).Vgl. daneben auch den Facebook-Auftritt der Stadt Nichtecht, gestaltet im Rahmen der Ausbildung von Fachangestellten für Medien- undInformationsdienste des Karl Schiller-Berufskollegs Dortmund zum 64. Westfälischen Archivtag 2012unterhttps://www.facebook.com/pages/Archiv-der-Stadt-Nichtecht/188556204562208.22 Vgl. http://archiv.twoday.net/stories/2678326/23 Vgl. http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/index.php?id=35424 Vgl. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/s-p-o-n-die-mensch-maschine-meine-heimat-internet-a-792647.html25 Vgl. auch auchhttp://www.initiatived21.de/wp-content/uploads/2011/11/Digitale-Gesellschaft_2011.pdf26 Der Spiegel, Ausgabe 19, 2012.27 Vgl. auch Der Stern, Ausgabe 33, 2012 („iSolation. Immer online, aber sprachlos: Wie die digitale Welt unserFamilienleben verändert“), und Die Zeit, Ausgabe 32, 2012 („Wie Facebook, Google & Co die Welt zensieren“).28 Verwiesen sei an dieser Stelle lediglich auf die intensive mediale Debatte um das Buch von Manfed Spitzer,Digitale Demenz. Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen, München 2012.29 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Keine_Experimente.30 Vgl. http://einestages.spiegel.de/s/tb/25129/nazi-bilder-raetselhaftes-fotoalbum-aus-dem-kz-dachau.html.31 Vgl. http://www.flickr.com/photos/stadtarchiv_speyer/sets/32 Vgl. http://www.archives.gov/citizen-archivist/.33 Vgl. https://the1940census.com/.34 Vgl. http://velehanden.nl/.35 Vgl. http://askarchivists.wordpress.com/about/.36 Vgl. http://followanarchive.blogspot.de/.37 Vgl. http://dayofdigitalarchives.blogspot.de/.38 Vgl. http://openaccessweek.org/39 Vgl. Kemper u.a., Archivische Spätzünder? (wie Anm. 15); auch Michael Hess, Gefällt mir! LandesbibliothekBurgenland goes Facebook. Ein Stimmungsbericht, in: Mitteilungen der Vereinigung ÖsterreichischerBibliothekarinnen und Bibliothekare 65 (2012), S. 316-321 (inkl. Burgenländisches Landesarchiv)(https://fedora.phaidra.univie.ac.at/fedora/get/o:175746/bdef:Asset/view).40 Vgl. exemplarisch die Rezensionen von Wilfried Reininghaus zu Francis X. Blouin und William G. Rosenberg,Processing thePast. Contesting Authority in History and the Archives, New York 2011, in: Archivar 65 (2012), S.
  • 16. 16192, von Marcel Müller zu Kate Theimer (Hg.), A different Kind of Web, Chicago 2011, in: Archivar 65 (2012), S.315-316, von Bastian Gillnerzu Cheryl-Ann Peltier-Davies, The Cybrarian’s Web. An A-Z Guide to 101 free Web2.0 Tools and other Ressources, London 2012, in: Archivar 65 (2012) (imDruck).41 Vgl.http://de.hypotheses.org/, speziell zurTwitter-Nutzunghttp://dhdhi.hypotheses.org/1072, zum OpenAccess allgemein auch http://allianz-initiative.de/fileadmin/user_upload/open-access-strategien.pdf.42 Vgl. exemplarisch zwei (sehr unterschiedliche) Imagefilme des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen:http://www.youtube.com/watch?v=RfdxSrn7tOY&feature=related,http://www.youtube.com/watch?v=MFZdDJ8fq6Q; allgemein auch Robert Lange, Imagefilme für Archive. NeueWege für die Öffentlichkeitsarbeit (Historische Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit, 1), Berlin 2010.43 Vgl. exemplarisch den Wikipedia-Artikel zum herausragenden Bestand der Staatspolizeileitstelle Düsseldorfim Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland: http://de.wikipedia.org/wiki/Gestapo-Personenakten_der_Leitstelle_D%C3%BCsseldorf.44 Gerd Schneider, „Archivare aufgewacht!“ Anmerkungen eines Externen zur gegenwärtigen Situation imdeutschen Archivwesen, in: Archivar 57 (2004), S. 37-44(http://www.archive.nrw.de/archivar/hefte/2004/Archivar_2004-1.pdf).45 Mario Glauert, Archiv 2.0. Vom Aufbruch der Archive zu ihren Nutzern, in:Heiner Schmitt (Hg.), Archive imdigitalen Zeitalter. Überlieferung, Erschließung, Präsentation. 79. Deutscher Archivtag in Regensburg (=Tagungsdokumentation zum Deutschen Archivtag 14), [Fulda] 2010, S. 43-54; auch Ders., Archiv 2.0. Interaktionund Kooperation zwischen Archiven und ihren Nutzern in Zeiten des Web 2.0, in: Archivpflege in Westfalen-Lippe70 (2009, S. 29-34 (http://www.lwl.org/waa-download/archivpflege/heft70/heft_70_2009.pdf).

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