Die Zukunft Der Digitalen Musikdistribution - Studie Pop Akademie 2008 - Presentation Transcript
2008
Popakademie Mannheim
Altendorf, Michael
Weber, Manuel
Winckler, Sebastian
Wind, Simon
Zumak, Tobias
[DIE ZUKUNFT DER DIGITALEN
MUSIKDISTRIBUTION]
Dieser Analysebericht wurde im Frühjahr 2008 im Rahmen einer Projektarbeit an der Popakademie
in Mannheim erstellt. Im Auftrag des Onlinemusik-Anbieters Musicload sollte eine ausführliche
Analyse zum Thema „Musikvertrieb 2020 – die Zukunft der digitalen Musikdistribution“ erstellt
werden.
Inhalt
1. Einleitung ........................................................................................................................5
1.1. Aufgabenstellung ..................................................................................................6
2. Marktübersicht – Online Musikmarkt ..............................................................................9
2.1. Wie kommt Musik vom Künstler zum Kunden? .....................................................9
2.2. Die Marktteilnehmer der Musikbranche .............................................................11
2.2.1. Künstler ...........................................................................................................11
2.2.2. Traditionelle digitale Anbieter .........................................................................12
2.2.3. Web 2.0 Anbieter im Bereich der online Musikdistribution .............................13
2.2.4. Die Rolle der Telekommunikationsanbieter im online Musikbereich ...............14
2.2.5. Markenartikelhersteller als Musikdistributoren ...............................................15
2.2.6. Der digitale Kunde als Teil der Wertschöpfung ................................................15
2.3. Der online Musikmarkt in Zahlen und Daten .......................................................16
2.3.1. Absatz von digitalen Musikgütern....................................................................17
2.3.2. Umsatzzahlen der digitalen Musikindustrie .....................................................17
2.3.3. Handel mit dem Gut Musik..............................................................................18
3. Die Major-Labels im digitalen Zeitalter ..........................................................................19
3.1. Die traditionelle Wertschöpfungskette ...............................................................19
3.2. Die digitale Wertschöpfungskette .......................................................................20
3.3. Geschäftsmodelle der Musikindustrie .................................................................22
3.3.1. B2B – digitale Großhändler (inkl. Content-Aggregatoren) ................................22
3.3.2. B2C - eigene Downloadlösungen der Major-Labels und Direct-Selling ............24
3.3.3. Verdienstmöglichkeiten über Partnerstrukturen .............................................25
3.4. Fazit ....................................................................................................................25
4. Die zukünftige Situation der Major-Labels ........................................................................28
4.1. Veränderung der Wettbewerbsstruktur ..............................................................28
1
4.1.1. Gefahr potentieller neuer Anbieter .................................................................28
4.1.2. Gefahr durch Substitutionsprodukte ...............................................................29
4.1.3. Marktmacht der Lieferanten ...........................................................................29
4.1.4. Marktmacht der Konsumenten........................................................................29
4.2. 360-Grad-Verträge in der Musikwirtschaft ..........................................................30
4.3. Expertenmeinungen zu 360-Grad-Verträgen .......................................................32
4.4. Fazit der Betrachtung von Major-Labels ..........................................................32
5. Künstler-Direktvertrieb ..................................................................................................33
5.1. Neue Geschäftsmodelle der Künstler ..................................................................34
5.1.1. Das Radiohead-Modell - Pick-a-Price-Prinzip bei Künstler und Label ...............34
5.1.2. Das „Prince-Modell“ – Die CD als Giveaway.....................................................37
5.1.3. Technologien zum Direktvertrieb im Internet am Beispiel Kazzong .................38
5.2. Fazit der Selbstvermarktung des Künstlers .........................................................39
6. Die zukünftige Rolle des Künstler-Direktvertriebes ........................................................40
6.1. Künstler-Direktvertrieb bei etablierten Bands .....................................................40
6.2. Künstler-Direktvertrieb bei Newcomerbands ......................................................41
6.3. Fazit ....................................................................................................................42
7. Telekommunikationsdienstleister ..................................................................................43
7.1. Mobilfunkanbieter im Bereich der Musikdistribution ..........................................44
7.2. Medienportale der Telekommunikationsunternehmen .......................................45
8. Die Zukunft der Telekommunikationsunternehmen ......................................................47
9. Die Rolle der Musik im Bereich der Markenartikelhersteller ..........................................48
9.1. Die Nutzung von Musik in der Werbewelt ...........................................................50
9.2. Kooperationen mit Markenherstellern ................................................................50
9.3. Sponsoring von Musik .........................................................................................52
10. Die Zukunft Musik im Bereich der Markenartikelhersteller ........................................53
2
11. Der Einfluss von Web 2.0 Technologien und Anbietern auf den Musikmarkt ..............55
11.1. Geschäftsmodelle für Unternehmen im Internetbereich .....................................55
11.1.1. Das „Brokerage Model“ ......................................................................................56
11.1.2. Das „Advertising Model“ – Finanzierung durch Werbung ....................................57
11.1.3. Das „Infomediary Model“ ...................................................................................60
11.1.4. „Merchant Model“ – Händler im Web.................................................................61
11.1.5. „Manufacturer Model“ – Der online Direktvertrieb.............................................62
11.1.6. Das „Affiliate“ Modell .........................................................................................63
11.1.7. Das „Community Model“ ....................................................................................63
11.1.8. Das „Subscription Model“ - Abonnements im Internet........................................64
11.1.9. „Utility Model“....................................................................................................65
11.1.10. Überblick: Web 2.0 Plattformen mit Fokus Musik ...............................................66
11.2. Analyse der wichtigsten Web 2.0 Plattformen mit Fokus Musik ..........................71
11.2.1. Last.fm .........................................................................................................72
11.2.2. Grooveshark ................................................................................................79
11.2.3. ILike.com .....................................................................................................83
11.2.4. Musicovery.com ..........................................................................................87
11.2.5. Imeem.com..................................................................................................90
11.2.6. Deezer.com .................................................................................................95
11.2.7. Hypemachine...............................................................................................99
11.2.8. MySpace .................................................................................................... 102
11.3. Ergebnis der Betrachtung reiner Web 2.0 Anbieter ....................................... 108
12. Die Zukunft der Web 2.0 Anbieter............................................................................ 111
13. Die Zukunft der Musik nach Dave Kusek und Gerd Leonhard ................................... 115
14. Superdistribution ..................................................................................................... 119
14.1. Funktionsweise ................................................................................................. 119
3
14.2. Praktisches Beispiel – Das PotatoSystem des Fraunhofer Institutes .................. 120
14.3. Verteilung der Provisionen................................................................................ 123
14.4. Schlussfolgerungen aus dem Superdistributionsmodells ................................... 124
15. Schlussbetrachtung.................................................................................................. 125
16. Anhang .................................................................................................................... 130
16.1. Interview mit Tim Renner ................................................................................. 130
16.2. Ausgewählte Meinungen und Antworten der qualitativen Umfrage.................. 137
16.3. Zusammenfassung und Einordnung der Antworten aus der Umfrage ............... 161
16.4. Vergleich der Web 2.0. Portale ......................................................................... 184
17. Glossar ..................................................................................................................... 185
Literaturverzeichnis ............................................................................................................ 189
4
1. Einleitung
Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem zukünftigen Vertrieb von digitalen Musikgütern über
das Medium Internet. Nach einer Definition von Stelzer sind digitale Güter im Allgemeinen
„immaterielle Mittel zur Bedürfnisbefriedigung, welche sich mit Hilfe von
Informationssystemen entwickeln, vertreiben oder anwenden lassen“.1 Digitale Güter im
Speziellen sind in dieser Arbeit rein digitale Musikgüter wie z.B. Song-Downloads und
„Streamings“ über Endgeräte wie Computer und Mobiltelefone. Physische und semi-digitale
Güter (z.B. CDs und DVDs) werden hier nicht als digitale Produkte behandelt.2
Aufgrund der schnellen Entwicklung des Internets und der damit verbundenen rasanten
Entfaltung neuer Vertriebsmöglichkeiten sind fundierte und qualifizierte Aussagen in einem
weit angelegten Horizont schwer beweisbar. Dies wird vor allem deutlich, wenn man sich
vergegenwärtigt, wie jung diese Technologien sind, aber wie massiv sie bereits heute auf das
Werteempfinden der Konsumenten eingewirkt haben. Aus diesem Grund wurde der
Zukunftshorizont dieser Arbeit auf vier Jahre (2012) festgelegt.
Der erste von drei Teilen dieser Arbeit beschäftigt sich mit dem aktuellen Stand der
Musikdistribution. Aufbauend auf einer aktuellen Marktübersicht wird aufgezeigt, über
welche Wege das Produkt Musik vom Künstler zum Endkonsumenten gelangt. Darüber
hinaus werden die unterschiedlichen Geschäftsmodelle der einzelnen Marktteilnehmer
analysiert und deren Entwicklungspotenzial bewertet. Aufgrund der hohen
Nutzungsrelevanz und der progressiven Entwicklung, wird der Fokus auf eine ausführliche
Geschäfts- und Vertriebsanalyse der neuen Web 2.0. Portale gelegt.
Im zweiten Teil wird ein Ausblick in die Zukunft des digitalen Musikvertriebs erstellt. Dabei
wird erörtert, welche Relevanz die einzelnen Marktteilnehmer haben und haben werden und
welche Geschäftsmodelle in der Zukunft relevant sein werden. Hieraus werden Thesen
abgeleitet, die mit Expertenmeinungen aus einer der im Rahmen dieser Studie
stattfindenden Befragung gestützt und ergänzt werden.
1
Vgl. Stelzer, D.: Digitale Güter und ihre Bedeutung in der Internet Ökonomie (2007) S. 835-842.
2
Vgl. Brünner, D.: Online Vertrieb und Marketing digitaler Güter (2008) S.11f.
5
Der dritte Teil erstellt aus diesen Ergebnissen eine Empfehlung für den Musikanbieter
Musicload. Diese umfasst zusammenfassend alle prognostizierten Entwicklungen im Bereich
des digitalen Musikvertriebes.
1.1. Aufgabenstellung
Dieser Analysebericht wurde im Frühjahr 2008 im Rahmen einer Projektarbeit an der
Popakademie in Mannheim erstellt. Im Auftrag des Onlinemusik-Anbieters Musicload3 sollte
eine ausführliche Analyse zum Thema „Musikvertrieb 2020 – die Zukunft der digitalen
Musikdistribution“ erstellt werden. Insbesondere wurde dabei auf folgende Fragestellungen
eingegangen:
Wie ändert sich der Zugang zu Musik durch Web 2.0 Anwendungen und welche
Auswirkungen ergeben sich daraus für Musik-Retailer?
Welche neuen Web-Geschäftsmodelle und Entwicklungen mit hoher Nutzerrelevanz
bieten Potenzial zur Integration in bestehende Download-Angebote?
Welche neuen Vertriebsmodelle werden den Markt bestimmen?
Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts befindet sich die moderne Welt in einem massiven
Umbruch. Ausgelöst durch die Digitalisierung und die damit verbundene Computerisierung
betrifft dieser Wandel alle Wirtschaftszweige. Innerhalb von wenigen Jahren war es möglich,
Medieninhalte wie Musik, Filme, Bücher, Zeitungen, etc. nach Belieben und ohne
Qualitätsverluste einfach und schnell zu kopieren. Die gleichzeitige Etablierung von
Breitband-Zugängen zum Internet als Informations- und Kommunikationsmedium für eine
breite Masse forcierte die Verbreitung von Medieninhalten zwischen den Endkonsumenten
stark. Daraus resultierte, dass erstmals in der Geschichte die Internetnutzer selbst die
Möglichkeit bekamen, ohne jeglichen Einfluss von Unternehmen Musikstücke untereinander
zu tauschen.
Eine neue und einflussreiche Technologie bedeutet vor allem, dass neue Wettbewerber auf
den Markt drängen und somit die traditionellen Unternehmen dieser Branche eine
Vervielfachung des Konkurrenzdrucks erfahren. Die besondere Kostenstruktur digitaler
3
Musicload ist ein im Oktober 2003 gegründetes Musik- und Musikvideo-Downloadportal des deutschen
Internetproviders T-Online.
6
Güter bewirkt durch seine Skaleneffekte (economics of scale4) eine Verringerung der
Markteintrittsbarrieren. Günstigere Produktions- und Vermarktungskosten vereinfachen es
für Unternehmen, erfolgreich global zu wirtschaften.5
Zudem steigt die Marktmacht der Konsumenten stark an. Im Gegensatz zu den klassischen
Medien Fernsehen und Rundfunk, wirkt das Internet als sogenanntes „Pull-Medium“. Das
bedeutet, dass der Konsument die Entscheidungsmacht bekommt, welche Inhalte er aus der
gesamten Fülle an Informationen konsumieren möchte.6 Der Anbieter-Markt wird zum
Nachfrager-Markt. Unterstützt wird dies durch eine größere Auswahl sowie ein durch das
Internet bedingtes höheres Informationsniveau beim Abnehmer.
Das Internet vergrößert aber auch die Macht der Lieferanten von kreativen Inhalten. Sie
haben die Möglichkeit, ihre Werke in Echtzeit und nahezu ohne Vermittler an den
Konsumenten zu bringen. Auch sie profitieren bei der Produktion ihrer kreativen Werke von
einer verbesserten Kostenstruktur.7
Der entscheidende Punkt, der es der Kreativwirtschaft erschwert mit dieser Technologie
umzugehen, ist der Einfluss der illegalen Angebote. Da die Vervielfältigung von digitalen
Inhalten einfach, mit den nötigen Geräten für jedermann umsonst und nahezu perfekt ist,
sank der Marktanteil der klassischen, physischen Inhalten im Bereich Musik, Film, und
Tageszeitungen in den vergangenen Jahren stark. Der Grund dafür liegt auch in der
Einfachheit der Beschaffung von kostenlosen Substituten und der gleichzeitigen hohen
gesellschaftlichen Akzeptanz des „Raubkopierens“.8
Der erste Wirtschaftszweig der Kreativwirtschaft, der deswegen massive Gewinneinbrüche
verzeichnete, war die Tonträgerindustrie. Sie muss sich seit dem Jahre 1999 (dem Jahr des
Aufkommens der P2P-Plattform Napster) mit massiv sinkenden Verkaufszahlen physischer
Tonträger auseinandersetzen. Sie schaffte es jedoch bislang nicht, eigene konkurrenzfähige
Angebote auf dem Markt zu etablieren.
4
Vgl. Reichwald, R.: Die Ökonomie von Informationsgütern (2003) S. 4.
5
Vgl. Mayer, M.: Kulturwirtschaft im Wandel (2007) S. 17f.
6
Vgl. o.V.: http://de.wikipedia.org/wiki/Pull (13.06.2008).
7
Vgl. Mayer, M.: Kulturwirtschaft im Wandel (2007) S. 20.
8
Vgl. Mayer, M.: Kulturwirtschaft im Wandel (2007) S. 19.
7
Diese Arbeit befasst sich sowohl mit den traditionellen Teilnehmern im Tonträgergeschäft,
als auch mit neuen Geschäfts- und Vertriebsmodellen, sowie deren Möglichkeiten, sich im
Massenmarkt erfolgreich zu etablieren.
Michael Altendorf, Dipl.-Volkswirt
Kontakt: post@michaelaltendorf.de
Manuel Weber
Kontakt: toxic-water@gmx.de
Sebastian Winckler
Kontakt: sebiwinckler@aol.com
Simon Wind
Kontakt: sw2d@gmx.de
Tobias Zumak
Kontakt: tobias@zumak.de
8
2. Marktübersicht – Online Musikmarkt
Der Tonträgermarkt befindet sich seit der Digitalisierung in einem enormen Umbruch. Diese
hat die Musikindustrie vor neue Herausforderungen gestellt und tut dies auch jetzt noch.
Eine Skizze des aktuellen Standes anzufertigen ist, aufgrund der schnellen und sehr
dynamischen Marktbewegungen, schwierig da wöchentlich neue Geschäftsmodelle und
Ideen von den Marktteilnehmern angekündigt werden.
Die digitale Distribution von Musikprodukten unterscheidet sich grundlegend von der
physischen Distribution, da Lager- und Transportkosten sowie Kosten für Retouren nicht
existieren. Gerade durch den digitalen Musikvertrieb können Nischenmärkte abgedeckt und
der „Long Tail Effekt“9 genutzt werden. Diese grundlegende Änderung in der
Distributionsform führt dazu, dass immer neue Marktteilnehmer in eine immer komplizierte
Wertschöpfungskette eintreten und so immer neue Absatzformen zur Generierung von
Umsatz etabliert werden.
Die Marktübersicht zeigt die Wege auf, die das Musikprodukt von der Produktion bis zum
Kauf des Konsumenten durchläuft. Im nächsten Schritt werden alle Teilnehmer der
Wertkette beschrieben. Im dritten Schritt wird der Markt anhand von Zahlen und Daten
geordnet.
2.1. Wie kommt Musik vom Künstler zum Kunden?
Die folgende Abbildung der Distribution von Musikprodukten wurde von den Autoren dieser
Studie entwickelt und zeigt den Weg der Musik vom Künstler zum Konsumenten auf.
Abbildung 1 zeigt den Vertrieb digitaler Güter, auf dem der Fokus dieser Studie liegt. Andere
Marktteilnehmer wie zum Beispiel Produzenten, Verlage oder Massenmedien wie Radio
oder TV werden zur Vereinfachung des Modells ausgeklammert und werden nicht weiter
beachtet.
9
Ein Anbieter verfolgt die Strategie der Bedienung von Nischenmärkten (der sogenannten Long Tail) mit
kleinerer Stückzahl aber höherer Marge. Dadurch umgeht er den wettbewerbsintensiven Massenmarkt, der
zwar zunächst reizvoller erscheint wegen der höheren Menge an Nachfragern und des daraus folgendem
höheren Umsatzes. Wegen des geringeren Verkaufspreises und der höheren Wettbewerbsintensität von
Massenmärkten ist jedoch die Bedienung von Nischen bis hin zu individual Produkten mit höherem
Verkaufserlös als Strategie, vor allem durch die gesunkenen Kosten im digitalen Bereich, möglich und lukrativ.
Die Strategie ist nicht völlig neu, erlangte jedoch durch das Buch „A long Tail“ von Chris Anderson und
Anbietern von B2C Marktplätzen wie Amazon.com neue Popularität.
9
Abbildung 1 - Teilnehmer und Abhängigkeiten im Musikmarkt
Abbildung 1 zeigt die Teilnehmer im Markt und wie diese untereinander in Abhängigkeit
stehen. Abbildung 2 zeigt den technischen Ablauf von der Produktion eines Musikproduktes
bis zum Endgerät des Konsumenten.
Hersteller Digitaler Shop Soft-/Hardware
Vertrieb
•Recording •Digitalisierung •Shop •Software
•Metadaten •Codierung •DRM Hersteller
•Distribution •Auslieferung •Hardware
Hersteller
Abbildung 2 - Digitale Verwertungskette
2.2. Die Marktteilnehmer der Musikbranche
Im Schaubild Abbildung 1 wurden die verschiedenen Wege gezeigt, wie die digitale
Musikdistribution abläuft. Im Folgenden werden alle möglichen Teilnehmer des
Musikvertriebs beschrieben. Hierbei liegt die Konzentration wieder auf den am
Musikvertrieb Beteiligten. Es handelt sich also auch hier nicht um alle Marktteilnehmer am
Markt, analog zum Schaubild Abbildung 1.
2.2.1. Künstler
Die Wertkette der digitalen Distribution beginnt mit dem Künstler selbst. Er schafft das
Werk, welches vertrieben werden soll. Dieses Werk wird, geregelt durch Verträge, an einen
Tonträgerhersteller lizensiert, der es diese Werke auswertet und den Künstler dafür
vergütet. 10
Durch die neuen technischen Möglichkeiten im Bereich des Künstler-Direktvertriebs erhält
der Künstler die Möglichkeit, seine Musikprodukte direkt und ohne zwischengeschaltete
Verwertungsgesellschaften an den Konsumenten zu vertreiben. Die Tonträgerhersteller sind
im Besitz von Lizenzen für Werke und können diese auswerten.11 Sie sind in dieser
Schlüsselposition der Inhaber des Repertoires und können den Weg des digitalen Gutes
lenken. Sie sind vom Vertriebsprozess ausgeschlossen, sobald der Künstler sein Werk selbst
vertreibt.
Der deutsche Markt besteht aus vier „Major-Labels“, die sich den Markt in einen Oligopol
teilen; Universal, Sony BMG, Warner und EMI vereinen zusammen rund 80 % des Marktes. 12
Diese sind Geschäftsbereiche großer Entertainmentkonzerne und besitzen daher eine hohe
Finanzkraft. Der Rest des Marktes wird durch die Independent-Labels abgedeckt. 13 Die
unabhängigen Tonträgerhersteller agieren flexibel am Markt und haben gerade darin ihre
Stärke gegenüber den großen Major Firmen. Gerade im Bereich der digitalen Distribution ist
10
Vgl. Krogmann, N., & Fechner, G.: Online-Vertrieb. In: Scheuermann, A. & R. Moser: Handbuch der
Musikwirtschaft (2003) S. 343-365.
11
Vgl. Schmidt, C.: Organisation der Majors. In: Scheuermann, A. & R. Moser: Handbuch der Musikwirtschaft
(2003) S. 209-223.
12
Vgl. Höferle, C.: Myspace will zum Handelspartner der Musikbranche aufsteigen. http://www.musikwoche.de
(9. April 2008).
13
Vgl. Vormehr, U.: Independents. In: Scheuermann, A. & R. Moser: Handbuch der Musikwirtschaft (2003) (S.
223-239).
11
diese Schnelligkeit am Markt ein Vorteil, denn so kann auf neue Trends schnell reagiert
werden. Dies ist in einem stark dynamischen Markt ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil.
Außerdem bestehen flache Organisationstrukturen, die schnelle Entscheidungen und deren
Ausführung begünstigen.
2.2.2. Traditionelle digitale Anbieter
Die ökonomisch wichtigsten Vertriebswege werden durch die traditionellen Anbieter
organisiert.14 Im digitalen Markt zählen dazu Musicload, iTunes, AOL, Napster und weitere
kleinere Anbieter. Diese Anbieter vertreiben das Repertoire, welches sie von den Major- und
Independentlabels direkt erhalten oder über Content-Aggregatoren 15, die für kleine Labels
oder Künstler direkt die digitalen Güter zur Verwendung durch die Anbieter aufbereiten
Folgende Tabelle gibt einen Überblick über die traditionellen Anbieter Musicload, iTunes und
AOL, sowie deren relevante Kennzahlen aus dem Jahr 2007.
Musicload iTunes AOL
Käufer in Mio. Personen 2,2 2,6 0,9
Ø Kaufintensität in Stück 4,4 6,2 4,2
Ø Ausgaben in € 8 10 6
Absatz in Mio. 9,8 15,9 3,6
Ø Preis in € 1,85 1,56 1,44
Tabelle 1 Kennzahlen der traditionellen digitalen Anbieter (Kostenpflichtige Downloads: Kennzahlen Musik, 2007)
Neben den Kennzahlen in der Tabelle gibt es weitere Qualitätskriterien, die zur Bewertung
und Übersicht über die Anbieter herangezogen werden können:
Klangqualität
DRM Schutz vorhanden
Vertrieb über Browser oder Client-Software
Benutzerfreundlichkeit
Bezahlsysteme
Service
Vernetzung der Kunden untereinander (durch Communities)
14
Vgl. Krogmann, N., & Fechner, G.: Online-Vertrieb. In: Scheuermann, A. & R. Moser: Handbuch der
Musikwirtschaft (2003) S. 343ff
15
Vermittler zwischen Labels und online Einzelhändlern, die Inhalte aufbereiten.
12
2.2.3. Web 2.0 Anbieter im Bereich der online Musikdistribution
Das Internet hat in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung vollzogen. Dabei entwickelte
es sich zu einem Vertriebskanal mit vielfältigsten Kommunikationsmöglichkeiten. Bei
Anwendungen im Bereich des so genannten „Web 2.0“ steht nicht mehr nur die einseitige
Kommunikation von Redakteur zu Leser im Mittelpunkt, sondern die wechselseitige
Kommunikation unter den Lesern.16 Der Leser kann selbst im Internet zum Redakteur
werden und Inhalte hinterlegen, z.B. durch das Schreiben von Blogs.
Dieser Möglichkeit liegt eine hohe Glaubwürdigkeit zu Grunde, denn die Inhalte stammen
von ähnlich interessierten Nutzern und nicht mehr nur von einer bezahlten Redaktion. Diese
Tatsache zeigt sich im Bereich der Empfehlungssysteme. 17 Interessierte können indirekt auf
gesammelte Daten zurückgreifen und können somit aus der Summe der Erfahrungswerte
Empfehlungen z.B. beim Einkaufen profitieren.
Zu den bekanntesten Web 2.0 Plattformen zählt die stark interaktive Seite von MySpace18,
auf der mittlerweile 235 Mio.en (Stand: 03. Juni 2008)19 registrierten Personen ihre eigenen
Inhalte hinterlegen, sei es ein einfaches persönliches Profil, eigene Musik oder auch ein
Portal für Regisseure.
Ein Vorzeigeunternehmen im Musikbereich ist das Portal Last.fm. Das Musik-Hör-Verhalten
der Nutzer wird ständig beobachtet, gespeichert und durch Algorithmen analysiert. Diesen
Service nennt Last.fm „Scrobbeln“.20 Last.fm ist ein aufstrebendes Startup, dessen
Geschäftsmodell allerdings noch unklar ist.21
Die Angebote im Web 2.0 sind ebenso vielfältig wie Firmengründungen in diesem neuen
Marktsegment, wo meist der technologische Fortschritt als Wettbewerbsvorteil gesehen
16
Eine Definition von Web 2.0 und eine Abgrenzung zu den traditionellen online Händlern wird in Kapitel 11
vorgenommen.
17
Empfehlungssysteme oder auch „Recommendations“ sind eine digitale Form der Bücherrezension die heute
auf jeglichen Inhalt im Internet angewendet wird. Sei es Hotelbewertungen oder die Empfehlung von neuen
Songs oder eines Staubsaugers. Dies wird oft in Form von Stern wie bei der Hotelbewertung (1-5 Sterne) oder
auch in schriftlicher Form vorgenommen.
18
Vgl. Höferle, C.: Myspace will zum Handelspartner der Musikbranche aufsteigen. http://www.musikwoche.de
(09.04.2008).
19
Vgl. Wikipedia: Myspace. http://de.wikipedia.org/wiki/Myspace (11.04.2008).
20
Vgl. Last.Fm: Hilfe. http://www.lastfm.de/help/ (17.06.2008).
21
Vgl. Höferle, C.: o.T. http://www.musikwoche.de (17.06.2008).
13
wird. Jedes Startup im Musikbereich entwickelt eine völlig neue Idee, die sich jedoch nach
folgenden Kernpunkten eingliedern lassen:
Radiostationen/Stationen um Musik zum eigenen Geschmack zu finden (Bsp.:
last.fm / laut.fm / deezer)
Musik kaufen (Bsp.: indistr / amiestreet / …)
Musik kostenlos, aber dafür werbefinanziert (Bsp.: qtrax / … )
Uploaden und Teilen der eigenen Musik (Bsp.: simfy / grooveshark / …)
2.2.4. Die Rolle der Telekommunikationsanbieter im online Musikbereich
Die Telekommunikationsunternehmen gehören zu den neueren Teilnehmern im digitalen
Musikmarkt und haben sich Platz in der Wertschöpfungskette verschafft. Unter dem Begriff
der Telekommunikationsunternehmen 22 sind nicht nur die Musikdownload-Shops der
Mobilfunkanbieter wie zum Beispiel Vodafone zu verstehen, sondern auch Internet-
Breitbandanbieter (Internet Service Provider) wie T-Online, die aufgrund ihrer Marktmacht
auch am Musikvertrieb partizipieren können. Die Internet Service Provider treten am Markt
nicht nur als Netzanbieter auf, sondern nutzen, ähnlich wie völlig musikbranchen-fremde
Markenartikelhersteller, Musik unter anderem auch als Werkzeug zur Kundenbindung und
Emotionalisierung ihrer Marke. Daher ergeben sich teilweise Überschneidungen mit der
Strategie von Markenartikelherstellern. Der Bereich des Musikvertriebes über mobile
Endgeräte, welcher über große Anbieter wie zum Beispiel Vodafone und Jamba abgewickelt
wird, blieb im letzten Jahr hinter den hohen Erwartungen zurück.23 Diese Hoffnungen
gründen auf der Tatsache, dass in Deutschland rund 15 Mio.en Handys mit MP3 Funktion im
Umlauf sind, dennoch konnten nur 4,7 Mio.en Songs (2007) verkauft werden.24 Anders als in
Asien ist man damit weit davon entfernt die Verluste des schwindenden Tonträgerhandels
auszugleichen. Die Erfahrungen aus Asien haben allerdings gezeigt, dass die technische
Weiterentwicklung der Handys und besonders der Netze (UMTS) Voraussetzung für einen
positiven Trend nach oben sind. Der mobile Markt für Klingeltöne ist 2007 um 17,4 %
zurückgegangen 25.
22
Auch „Telkos“
23
Vgl. o.V.: The Move to Digital Varies by Region (2008).
24
Vgl. Ebenda.
25
Vgl. Brockdorff-Dallwitz, J.-F.: Absatz. http://www.musikindustrie.de/jwb_absatz07.html (19.05.2008).
14
2.2.5. Markenartikelhersteller als Musikdistributoren
Immer mehr Markenartikelhersteller26 aus den verschiedensten Bereichen, seien es nun Soft
Drinks (Coca Cola) oder Kleidung (New Yorker) beschäftigen sich mit Musik. Der Musik
Konsum steigt27 und die hohe Emotionalisierbarkeit von Musik kann an eine Marke binden.
Auch Soft- und Hardware-Hersteller wie Apple nutzen Musik zur Absatzförderung ihrer
eigenen Produkte.
Musik ist ein großer Bestandteil der Werbelandschaft in Deutschland. Hier können indirekt
Umsätze für den Künstler generiert werden (Langnese Song, Becks, Bacardi, usw.), indem
Rechte eingeholt werden und über die Hersteller von Markenartikeln verwertet werden.
Besonders hervorzuheben bleibt allerdings, dass es sich zumeist um originär Musik-fremde
Unternehmen handelt. Sie verwenden die Musik als Teil einer Werbe- oder Absatzstrategie.
Musik ist für diese Anbieter zu meist nicht elementarer Teil eines Erlösmodells. Sie stehen
daher ökonomisch gesehen im Gegensatz zu Unternehmen der Musikbranche, die auf die
Einnahmen durch Musikverwertung angewiesen sind. Eine andere Möglichkeit neben dem
Nutzen von Musik als Werkzeug zur Vermarktung ist die Zusammenarbeit von
Markenartiklern und Lizenzinhabern. Als aktuelles Beispiel kann die Kooperation zwischen
Universal und Nokia mit Namen „Comes with music“ genannt werden.28 Dieser Service soll
das Repertoire von Universal (und in Zukunft auch weiteren Major-Labels) für einen
Pauschalpreis, der direkt beim Kauf des Handys entrichtet wird, über Nokia Handys
vertreiben.
2.2.6. Der digitale Kunde als Teil der Wertschöpfung
Als letzter und wesentlichster Teil der Wertkette des digitalen Musikvertriebs steht der
Kunde, der das digitale Gut legal über das Internet erwirbt. Die Digitalisierung der Musik hat
beim Kunden für ein völlig neues Bild von digitaler Musik gesorgt. Der Wert von Musik und
die Bereitschaft zu zahlen sind gesunken und Piraterie ist eine massive Bedrohung, da sie
nicht nur für sinkende Umsätze zur Verantwortung gezogen werden kann, sondern massiv
26
Auch „Markenartikler“.
27
Interview Frank Briegmann: „Die Musiknutzung von CD, MP3 etc. ist, sogar ohne den Radiokonsum
mitzurechnen, zwischen 1995 und 2005 von 15 min auf 45 min täglich gestiegen, hat sich also verdreifacht.“ In:
Promedia (03/2008) S.17.
28
Vgl. Bonstein, J.: Kundensuche im Feindesland (2008) .
15
zum gefühlten Wertverlust von Musik beträgt. Online Musik hat zu einer Machtverlagerung
zum Kunden hin geführt.29 Die digitale Revolution und die damit verbundene Möglichkeiten
für den Konsumenten haben zu einer Veränderung der Marktstruktur geführt. Der Kunde
besitzt heute im Onlinebereich eine höhere Marktmacht, da er im Internet seine Stimme
gegen das Marketing von Großkonzernen in der Masse gesehen im stärker wird. Vor allem
der illegale Download hat zu einer Verschiebung der Kräfteverhältnisse hin zum Kunden und
zu einem Umsatzeinbruch der Oligopolisten geführt. Kunden, die Musik online kaufen sind
jung, gebildet und haben ein hohes Einkommen.30
2.3. Der online Musikmarkt in Zahlen und Daten
Die Umsatzzahlen im Tonträgermarkt haben sich auch im letzten Jahr wieder rückläufig
entwickelt.31 Gerade die stärker in den Markt drängenden Markenartikler und
Telekommunikationsunternehmen sind aufgrund ihrer Finanzkraft und Unabhängigkeit von
Umsätzen aus dem Bereich von Musik eine Konkurrenz zu den traditionellen Anbietern und
Labels.
Weltweit gab es 2007 einen Rückgang der Umsätze um 8,3 % auf 12,2 Mrd. Euro insgesamt,
nur der Bereich digital stieg um 38 % auf 2,9 Mrd. Dollar.32 “The German digital music
market grew by an estimated 38 per cent up to the third quarter of 2007 year-on-year (IFPI
Germany). Although iTunes is still the market leader in Germany, with an estimated market
share of 42 per cent, Musicload is a serious competitor with a market share of around 32 per
cent (GfK)”.33 In Europa ist iTunes Marktführer mit 23 %.34
Im Folgenden Abschnitt werden Absatz, Umsatz und die Käufer in Deutschland beschrieben.
29
Vgl. Birkenfeld, S.: Musik im Internet (2005).
30
Vgl. Seelig, A.: Online-Musiksites (2005).
31
Vgl. o.V.: Absatz. http://www.musikindustrie.de/jwb_absatz07.html (15.06.2008).
32
Vgl. Höferle, C.: Achtes Verlustjahr in Folge (2007).
33
Vgl. o.V.: The Move to Digital Varies by Region (2008).
Der deutsche digitale Musikmarkt wuchs im dritten Quartal 2007 um etwa 38 % im Vergleich zum Vorjahr (IFPI
Deutschland). Obwohl iTunes immer noch der Marktführer in Deutschland mit einem Marktanteil von 42 %
ist,ist Musicload ein ernst zu nehmender Wettbewerbe mit einem Marktanteil von rund 32 % (GfK).
34
Vgl. Toppin, E.: Online music sales set to increase in Europe (2007).
16
2.3.1. Absatz von digitalen Musikgütern
Der Konsum und Absatz von Musik ist ungebrochen. Die Menschen hören Musik, kaufen und
nutzen sie. Auch wenn 2007 fast 50 Mio.en Euro auf dem digitalen Markt der Zukunft
umgesetzt wurden, ist der Rückgang der CD Verkäufe auf 148,6 Mio.en CD Alben mit 0,6 %
sehr gering ausgefallen. Der Absatz von CD Alben stagniert, doch im Bereich der Singles ist
die schon lange prognostizierte Wende nun endgültig vollzogen. Erstmals wurden 2007 mehr
einzelne Musiktitel digital erworben, als CD Singles verkauft, der Rückgang fällt mit 32,7 %
massiv aus. In absoluten Zahlen fiel der Verkauf von CD Singles von 15,9 Mio.en auf 10,7
Mio.en Stück. Der Markt für einzelne Download Tracks stieg hingegen um 38 %, kann aber
den Rückgang bei den CD Singles damit nicht ausgleichen. 2007 wurden 35,2 Mio.en
einzelne Songs online in Deutschland gekauft.35
Absatz
40 34,4
30 25,9
19,6
20 Umsatz in Mio €
10 Linear (Umsatz in Mio €)
0
2005 2006 2007
36
2.3.2. Umsatzzahlen der digitalen Musikindustrie
Umsatz in Mio €
80
60
60 48
36
40 Umsatz in Mio €
20 Linear (Umsatz in Mio €)
0
2005 2006 2007
37
35
Vgl. Brockdorff-Dallwitz, J.-F.: Absatz. http://www.musikindustrie.de/jwb_absatz07.html (19.05.2008).
36
Vgl. Löhle, V. & Freier, C.: Kostenpflichtige Downloads: Kennzahlen Musik. (2007) S. 53.
37
Vgl. Ebenda.
Der digitale Musikverkauf wird für die Tonträgerindustrie immer wichtiger. Der Anteil am
Gesamtumsatz steigt seit Jahr für Jahr an und Erreichte im Jahr 2007 einen Anteil von 4% am
Gesamtumsatz. Diese hohen Wachstumszahlen dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen,
dass der Verlust im Tonträgergeschäft damit nicht ausgeglichen werden kann. Das physische
Musikprodukt ist weiterhin mit 81% des Umsatzanteils größter Umsatzträger der
Tonträgerbranche.38
Auch wenn sich diese Zahlen auf den Bereich Tonträger und Online konzentrieren ist
festzuhalten, dass dies nur einen Teil der gesamten Branche repräsentiert. Die Abhängigkeit
vom Tonträgergeschäft wird durch neue Erlösquellen im Merchandising, Lizenzhandel, Live
Einnahmen usw. verringert.
2.3.3. Handel mit dem Gut Musik
Der Handel mit Musik wird zunehmend über das Internet organisiert. Auch wenn vom
Kunden mehrheitlich physische Produkte konsumiert werden, erwerben mittlerweile knapp
25% (2007) der Kunden Musik-CDs und DVDs über das Internet. Der größte Anbieter in
diesem Bereich ist Amazon.de.
38
Vgl. Brockdorff-Dallwitz, J.-F.: Absatz. In: Jahreswirtschaftsbericht 2007:
http://www.musikindustrie.de/jwb_absatz07.html (10.6.2008)
18
3. Die Major-Labels im digitalen Zeitalter
Der wichtigste Teil der Musikindustrie sind mit Abstand außer den Schöpfern von Musik die
vier Major-Labels die sich einen Großteil der Einnahmen auf den Verkäufen teilen, die jedoch
auch einen Großteil des Risikos von Neuinvestitionen in Künstler tragen.
3.1. Die traditionelle Wertschöpfungskette
Mit einem summierten Marktanteil von 80% dominieren die verbliebenen Major-Labels
Universal Music Group (Vivendi), Warner Music Group (Time Warner), EMI (EMI Group),
sowie Sony Music (Sony BMG) den Weltmarkt für Musik. Diese sind Industriezweige großer
Medienkonzerne und können daher auf die hohe Finanzkraft ihrer Mutterkonzerne bauen.
Grundlegend lässt sich der Erfolg der Major-Labels an drei strategischen Säulen
festmachen39:
Kostendegression durch ihre Größe und große Zahl von Produktionen (z.B. Universal
Music ca. 400 Neuveröffentlichungen pro Jahr40)
Marktdurchdringung durch einen attraktiven und vollständigen Katalog
Risikoverringerung durch Diversifikation.
Oligopolmarkt ermöglicht einen höheren Verkaufspreis
Daraus resultiert eine hohe Verhandlungsmacht gegenüber Partnern, Aggregatoren,
Einzelhändlern und dem stationären Handel, welche allerdings durch die gegenseitige
Abhängigkeit von Künstler und Label vor allem im Bereich der Topstars eingeschränkt wird.
Die dominierende Rolle, die die Major-Labels in der Tonträgerindustrie spielen, ist darauf
zurückzuführen, dass sie nahezu alle Stufen der Wertschöpfung direkt übernehmen.
Künstleraufbau, Marketing und die Distribution des Produktes über Absatzmittler an den
Handel stellen immer noch die Hauptgeschäftsfelder einer großen Plattenfirma dar. Alle
anderen Stufen der Wertschöpfungskette werden direkt oder indirekt über Tochterfirmen
der Entertainmentkonzerne vertreten.
39
Vgl. Gagnus, O.: Veränderung der Wertschöpfung in der Musikindustrie durch Digitalisierung (2006) S.6f.
40
Vgl. Briegmann, F. (President/CEO Universal Music): ”Die Bedeutung der Musik als Kommunikationsmittel
wächst weiter“. In: Promedia (03/2008) S. 16.
19
Beschaffung Musik- Tonträger- Physische
Marketing Handel Broadcast Konsument
A&R Produktion Produktion Distribution
41
Abbildung 3 - Die traditionelle Wertschöpfungskette der Major-Labels
3.2. Die digitale Wertschöpfungskette
Seit der Jahrtausendwende ist die Tonträgerindustrie aufgrund der Etablierung digitaler
Güter und der damit verbundenen Entkoppelung vom Trägermedium einem grundlegenden
Wandel unterworfen. Folglich entstand ein
„Die Digitalisierung Strukturwandel, welcher sowohl auf ökonomischer,
verändert den technischer und auch auf rechtlicher Seite ein Umdenken in
gesamten Bereich der der Herangehensweise an die Musikvermarktung fordert.
Wertschöpfung. Wir
Digitale Güter42 zeichnen sich durch folgende besondere
beschreiten neue
Eigenschaften 43 aus:
Wege in der
Vermarktung von Kopien sind perfekt (ohne Qualitätsverlust) und
Marken und Künstlern kostengünstig herzustellen
Homogene Güter
und im Verkauf von Leicht über das Internet zu vertreiben
deren Musik“ „economies of scale“ 44
Hoher Fixkostenanteil
Frank Briegmann – CEO Geringe Vertriebskosten
Universal Music Veränderbar
41
Eigene Darstellung – Vgl. Gagnus, O.: Veränderung der Wertschöpfung in der Musikindustrie durch
Digitalisierung S.3.
42
Stelzer, D.: Digitale Güter sind immaterielle Güter zur Bedürfnisbefriedigung, die sich mit Hilfe von
Informationssystemen entwickeln, vertreiben und anwenden lassen.
43
Vgl. Brünner, D.: Online Vertrieb & Marketing digitaler Güter (2008) S. 14.
44
Vgl. Reichwald, R.: Die Ökonomie von Informationsgütern (2003) S. 4.
Diese grundlegende Veränderung ist gerade für die Major-Labels eine große
Herausforderung. Das klassische Geschäftsmodell der Produktion, Vermarktung und dem
Vertrieb von Tonträgern, welches über Jahrzehnte galt und erfolgreich praktiziert wurde, ist
bis heute noch die Haupt-Umsatzquelle. Es ist aber absehbar, dass es einer konsequenten
strukturellen Neuausrichtung der Plattenfirmen bedarf. Die heute geltende digitale
Wertschöpfungskette macht deutlich, wie vielseitig diese Veränderung ist.
Tonträger- Stationärer
Produktion Physische Handel
Distribution
Beschaffung Musik-
Marketing Broadcast Konsument
A&R-ing Produktion Digitalisierung Online Services
Virtuelle
Distribution
Rechte Mobile Services
45
Abbildung 4 - Die digitale Wertschöpfungskette der Major-Labels
Die Plattenfirmen verzeichnen seit 1998 einen Absatzeinbruch von nahezu 40% mit
physischen Tonträgern.46 Legale Downloads können mit einer hohen Zuwachsrate, aber
einem bisher minimalen Umsatzanteil von 4%47 die Verluste nicht kompensieren. Daher
beginnen einige Labels momentan ihre Geschäftsfelder zu erweitern. Unter dem Stichwort
„360-Grad-Vertrag“ soll eine Art „Rundumvermarktung in einer Company“ entstehen und so
der Plattenfirma die Möglichkeit geben, auch an anderen Umsatzquellen wie z.B.
Merchandising und dem Verkauf von Konzerttickets zu partizipieren.48 Da dieses Modell
momentan noch nicht konsequent eingeführt ist, wird auf seine Eigenschaften im Kapitel
„Die zukünftige Situation der Major-Labels“ eingegangen.
45
Eigene Darstellung – angelehnt an Gagnus, O. Veränderung der Wertschöpfung in der Musikindustrie durch
Digitalisierung S.13.
46
Vgl. Bundesverband Musikindustrie: Jahreswirtschaftsbericht 2007. S. 19.
47
Vgl. Bundesverband Musikindustrie: Jahreswirtschaftsbericht 2007. S. 14.
48
Vgl. Kuhn, J.: Der Radiohead-Effekt. In: Süddeutsche Zeitung (20.10.2007).
3.3. Geschäftsmodelle der Musikindustrie
Im folgenden Abschnitt werden die Geschäftsmodelle der Musikindustrie beschrieben.
Weiterhin werden in Kapitel 11 die Geschäftsmodelle der rein digitalen und im Besonderen
der Web 2.0 Anbieter analysiert. Diese sind teilweise neu und teilweise Erweiterungen der
hier beschriebenen Modelle.
3.3.1. B2B – digitale Großhändler (inkl. Content-Aggregatoren)
Wie im klassischen physischen Vertrieb wird auch der digitale Vertrieb heutzutage
größtenteils über B2B-Lösungen, also über traditionelle Absatzmittler gelöst. Das Major-
Label, welches Repertoire- und damit Lizenzeigener ist, vertreibt die digitalen Güter an die
verschiedenen B2B-Plattformen.49
"Bits haben kein Gewicht Sie verkaufen diese schließlich über ihren Shop an den
und bewegen sich mit
Lichtgeschwindigkeit. Endkonsumenten. Im Bereich der Independent-Labels,
Die Grenzkosten für die aber auch beim Eigenvertrieb der Künstler spielen sog.
Produktion weiterer Bits
sind gleich null. Man „Content-Aggregatoren“ eine entscheidende Rolle. Sie
benötigt keine fungieren als Schnittstelle und agieren somit intermediär
Lagerhallen für Bits.
Man kann sie verkaufen zwischen Labels und den virtuellen Handel.
und gleichzeitig
behalten. Das Original Die Hauptaufgabenfelder der Content-Aggregatoren
und die Kopie sind nicht gliedern sich in folgende Tätigkeitsbereiche:50
voneinander zu
unterscheiden. Sie
Sublizensierung der Musik von den Labels
halten sich nicht an Zoll-
oder andere Grenzen. Technologie (Digital Service Providing)
Regierungen können
o Metadaten, Digitalisierung
nicht feststellen, wo sie
sich grade befinden. o Codierung (Formate, DRM…)
Regulierungsinstanzen
können keine Vertrieb an die B2B-Plattformen
angemessene Marketing
Rechtsprechung
durchsetzen. Der o Sales Marketing
Marktplatz von Bits ist o Affiliate Marketing
global."
Royalty Management
Nicholas Negroponte
49
B2B-Plattformem Im Musikbereich sind z.B.: Musicload, iTunes, Napster und Vodafone.
50
Vgl. Brünner,D. (Präsentation): Online Vertrieb & Marketing digitaler Güter (15.01.2008), Folie 22.
22
Die B2B-Anbieter unterscheiden sich vor allem durch die verschiedenen Abrechnungsarten
beim Kauf der Musik.
Es lassen sich drei verschiedene Modelle abgrenzen:
1. A-la-carte-Download Service
Dies ist das klassische Modell des Verkaufs von Musik. Der Kunde zahlt für den
digitalen Song oder eine festgelegte Zusammenstellung von Musik (auch Album
oder Bundle) einen festgelegten Betrag und erhält den Song mit
unterschiedlichen Nutzungsrechten, welche durch den Einsatz von DRM (Digital
Rights Management) gewahrt werden sollen. Aufgrund von Problemen bezüglich
der Interoperabilität, Verwirrung des Kunden aufgrund verschiedener Formate
und des leichten Umgehens des DRMs51, haben sich mittlerweile alle vier Major-
Labels zum DRM-Verzicht beim A-la-Carte-Modell entschieden.52
2. Subscription-Services
Abo-Modelle, wie das von Napster bieten dem Kunden einen kompletten
Repertoirezugang gegen Bezahlung einer monatlichen Abgabe. Der Kunde kann
alle Songs des Gesamtrepertoires herunterladen. Sobald er allerdings das
Abonnement kündigt, werden die Dateien auf der Festplatte durch einen DRM-
Schutz unbrauchbar.
Die fehlende Interoperabilität mit dem iPod könnte hierbei ein Grund für das
gebremste Wachstum dieses Modells sein. Jedoch treten aktuell neue Anbieter
wie Mobilfunk- und Breitbandanbieter sowie Markenartikler in den Markt ein, die
in Zukunft gegen eine Pauschalabgabe unbegrenzten Zugang zum Repertoire
gewähren möchten.53
3. Bricks-and-Clicks-Model54
Die Handelskette Saturn bietet in Zusammenarbeit mit dem Major-Label Sony
BMG den Downloadshop musicbon.de an. Dieser besteht im Wesentlichen aus
51
Vgl. Pohl, G. (Präsentation): Geschäftsmodelle der digitalen Musikdistribution (16.01.2008).
52
Vgl. Dubosson-Torbay & Pigneur & Usunier: Business Models for Music Distribution after the P2P Revolution
S.2.
53
Vgl. Ebenda.
54
Vgl. o.V.: http://en.wikipedia.org/wiki/Bricks_and_clicks (26.05.2008).
23
zwei Bestandteilen: den „musicbon Prepaid-Karten“ und dem „musicbon-
Download-Portal“. Der Kunde kauft im Handel eine Prepaid-Karte, die einen Code
enthält. Damit kann er daraufhin auf der Website von musicbon die Musiktitel
nach Eingabe dieses Codes herunterladen.55
“MusicNet and PressPlay, 3.3.2. B2C - eigene Downloadlösungen
were disasters, largely der Major-Labels und Direct-Selling
because the labels didn't Als Reaktion auf die Zunahme illegaler P2P-
trust their users—or one Plattformen entwickelten die Major-Labels eigene
another. High subscription Downloadangebote. Vorreiter war dabei im Jahr
fees and poor selections 2001 der Online-Shop pressplay von Universal und
turned off would-be Sony, sowie das Online-Portal musicnet (Repertoire
customers; most skulked off von BMG, Warner und EMI). Diese wurden jedoch
to the underground services, aus Gründen der Unübersichtlichkeit, unattraktiver
such as Kazaa and Limewire, Nutzungsmöglichkeiten durch restriktiven DRM-
which had sprung up after Schutz, wenig Katalogtiefe und hohen Kosten wieder
Napster's demise.” eingestellt.56
Chris Taylor – Time Magazine Heute bietet in Deutschland lediglich Universal
Music einen eigenen Downloadshop für sein Jazz-
Repertoire an.57
55
Vgl. FAQ: http://www.musicbon.de (28.06.2008).
56
Vgl. Krämer, C. A.: Musikdistribution in der Netzwerkgesellschaft (2005) S.92f.
57
Vgl. o.V.: http://www.downloadshop.jazzecho.de (28.06.2008).
24
Verdienen Sie mit youtube 3.3.3. Verdienstmöglichkeiten über
Geld? Partnerstrukturen
In letzter Zeit hat bei den Major-Labels ein Umdenken
„Ja. Es ist eines der
beim Umgang mit Social-Network-Plattformen
verschiedenen neuen
eingesetzt. Während in den vergangenen Jahren fast
Geschäftsmodelle, das wir
ausschließlich gegen die Betreiber wegen Verstößen
mit einem neuen Player
gegen das Urheberrecht geklagt wurde, suchen einige
ausgehandelt haben. Es
Plattenfirmen heute den Weg der Kooperation. So
gibt theoretisch fees-for-
wurden in zahlreichen Kooperationsvereinbarungen
click, Beteiligungen an
Entlohnungssysteme für Labels und Künstler
Advertisement Revenues
entwickelt, um an den Gewinnen der Social-Networks
oder Equity-Modelle – all
zu partizipieren. Die Argumentation der Labels ist es,
diese Wege muss man
dass lizensiertes und urheberrechtlich geschütztes
gehen. Daneben
Material in großer Zahl auf diesen Seiten zu finden ist
existieren Marketing-
und somit deren Qualität prägt.58
Kooperationen und
weitere Tools. Youtube ist Auch das Social-Network MySpace.com will zu einem
2006 für 1,6 Mrd US$ großen Teilnehmer im Musikgeschäft aufsteigen. So soll
verkauft worden. Unser der Kunde zukünftig direkt auf der MySpace-Seite des
Content Musik trägt Künstlers legal musikalischen Content erwerben
erheblich zu diesem Wert können.59
bei.“
Frank Briegmann – CEO Universal
3.4. Fazit
Music
Diese Analyse zeigt deutlich, unter welchem
Handlungsdruck die Major-Labels agieren müssen. Die
seit dem Jahr 1998 stetig fallenden Umsätze im
Tonträgerbereich sind in ihrem Ursprung auf den
technologischen Wandel zurückzuführen, die Gründe
dafür sind jedoch vielschichtig:
58
Vgl. Briegmann, F.:o.T. In:Promedia (03/2008) S. 18.
59
Vgl. o.V. (Musikwoche-News): Myspace will zum Handelspartner der Musikindustrie aufsteigen (04.04.2008).
25
1. Gefahr durch Substitute
a. Schätzungen zufolge kommen auf jedes verkaufte physische Musik-Album
immer noch drei Kopien 60 und das Verhältnis zwischen legal verkauften Songs
und illegal heruntergeladenen Songs liegt bei knapp 1:10.61
b. Legale Angebote
Die Etablierung eigener Shop-Lösungen zum Direktverkauf der Labels ist
bisher gescheitert. Dies wird durch die Auflösung der Online-Shops pressplay
und musicnet bestätigt. Die funktionierenden Business-Modelle aus Sicht der
Major-Labels bestehen zum überwiegenden Teil aus B2B-Lösungen.
2. Marktmacht der Abnehmer
a. Der Online-Verkauf von Einzeltiteln bewirkt, dass der Kunde sich statt des
erzwungenen Kaufs eines kompletten physischen Albums häufig nur noch die
Titel kauft, die ihm wirklich gefallen („Kannibalisierung der CD“).
b. Verringertes Werteempfinden beim Kunden für Musik fördert illegale
Aktivitäten.62
3. Gefahr durch neue Anbieter
a. Eine günstigere Kostenstruktur in den Bereichen Musik-Produktion, Marketing
und Vertrieb führen dazu, das die Markteintrittsbarrieren fallen und
branchenferne Anbieter in den Markt stoßen.63
b. Es entstehen monopolistische Tendenzen. Die Anbieter versuchen, Lock-In-
Effekte64 über DRM-Schutz (z.B. Abo-Modell von Napster) oder
eingeschränkte Hardware-Kompatibilität (z.B. Apple mit ITunes) zu erreichen.
4. Markmacht der Produzenten und Musiker
Musiker und Produzenten können ihre Werke selbst oder mit Hilfe anderer
Anbieter im Internet veröffentlichen. Die Tonträgerfirma mit klassischer
Mittelstellung wird dadurch ausgeschnitten.65
60
Vgl. Bundesverband Musikindustrie: Jahreswirtschaftsbericht 2007. S. 25.
61
Vgl. Ebenda S. 27.
62
Vgl. http://www.musikindustrie.de (13.07.2008).
63
Vgl. Mayer, M.: Kulturwirtschaft im Wandel (2007) S. 23.
64
Vgl. Grimm & Stadler: Theorien und Probleme der New Economy. o.J. S. 15.
65
Vgl. Mayer, M.: Kulturwirtschaft im Wandel (2007) S. 23.
26
Daraus resultiert, dass die Labels beginnen ihre Geschäftsfelder vertikal zu diversifizieren. 66
Exemplarisch kann die Übernahme des Merchandising-Herstellers Deutschrock von Universal
Music im Jahr 2007 benannt werden.
Zusätzlich gehen sie strategische Partnerschaften mit großen Online-Portalen wie z.B.
Youtube und MySpace ein, da diese Umsatz mit Inhalt, dessen Rechte bei dem Label liegen,
erzielen.
66
Vgl. Thommen & Achleitner: Allgemeine Betriebswirtschaftslehre (2006) S. 179.
27
4. Die zukünftige Situation der Major-Labels
Die zukünftige Situation der Major-Labels wird in erster Linie davon abhängen, wie sich der
Tonträgermarkt in den nächsten Jahren entwickelt. Das hängt damit zusammen, dass der
Hauptumsatz der Tonträgerfirmen immer noch mit physischen Tonträgern erzielt wird.67
Trotz hoher Wachstumsraten bei Musikdownloads werden es diese kurz und mittelfristig
nicht schaffen, die Verluste im physischen Bereich auszugleichen. Aus diesem Grund
versuchen die Major-Labels ihre Geschäftsfelder zu diversifizieren („360-Grad-Verträge“),
um nicht alleinig von den Umsätzen der Tonträger abhängig zu sein.68
4.1. Veränderung der Wettbewerbsstruktur
4.1.1. Gefahr potentieller neuer Anbieter
Durch die technische Revolution der vergangenen Jahre haben sich die Kosten in einigen
Bereichen der Wertschöpfungskette stark verringert. Vor allem im Bereich der
Musikproduktion ist es heute möglich, professionelle Audio-Produktionen mit
vergleichsweise geringen finanziellen Mitteln herzustellen. Oftmals reichen dazu heute
schon handelsübliche Computer mit einer speziellen Audio-Software aus. Auch die
Distribution von Musik über das Internet bewirkt eine erhebliche Kosteneinsparung. Die
Kosten für den Vertrieb digitaler Produkte sind im Vergleich zum physischen Vertrieb gering
und das Risiko von kostenintensiven Retouren von Tonträgern besteht nicht mehr. Diese
Punkte bewirken, dass Markteintrittsbarrieren fallen und neue Anbieter in den Markt
drängen.
Zusätzlich zu den Markenartikelherstellern haben auch Konzertveranstalter erkannt, dass
aufgenommene Musik ein großes zusätzliches Umsatzpotential birgt. Die sinkenden
Einnahmen bei CD-Verkäufen bewirken eine steigende Autonomie des Künstlers dessen
Bindung zur Plattenfirma daraus resultierend schwächer wird. So vermarktet z.B. der
Konzertveranstalter „Live Nation“ zukünftig nicht nur die Konzerte von Top-Stars wie Jay-Z
und Madonna, sondern auch deren physische und digitale Musikprodukte und wird somit
zur Konkurrenz der klassischen Tonträgerfirmen.
67
Vgl. o.V. (Musikwoche-News): Musikindustrie präsentiert Jahresbericht (14.03.2008).
68
Vgl. Ebenda
28
4.1.2. Gefahr durch Substitutionsprodukte
Auch in der Zukunft werden illegale Musikanbieter das größte Problem der Musikindustrie
sein. Zwar ist die Zahl der illegalen Downloads von über 600 Mio.en im Jahr 2003 auf 374
Mio.en im Jahr 2006 zurückgegangen, trotzdem wurden im Jahr 2006 noch 14mal mehr
Musikstücke illegal aus dem Internet heruntergeladen, als legal verkauft wurden.69 Die
Tonträgerindustrie wird auch in absehbarer Zeit rechtlich gegen Raubkopierer vorgehen.
Alleine im ersten Halbjahr 2007 wurden 25.000 Strafanzeigen gegen die Nutzer illegaler
Tauschbörsen gestellt.70
4.1.3. Marktmacht der Lieferanten
Die Internetrevolution hat es den Lieferanten von musikalischen Inhalten (also Künstler,
Produzent, Rechteinhaber, usw.) erleichtert, ihre Musik selbst über das Internet zu
vertreiben. Dieser Trend kann sich in der Zukunft noch verstärken. Dies gilt vor allem für
kleinere Bands, die über ihre eigene Homepage Musikstücke verkaufen können, ohne bei
einer Tonträgerfirma unter Vertrag zu sein. Der Selbstvertrieb bei bekannten Bands wie z.B.
Radiohead wird nach Expertenmeinung in der Zukunft eher ein Ausnahmephänomen
bleiben.71
4.1.4. Marktmacht der Konsumenten
Wie die Vergangenheit gezeigt hat, funktioniert der Online-Musikmarkt bisher hauptsächlich
Einzeltitel-bezogen. Das bedeutet, dass aus einem Musik-Album häufig nur einzelne Titel
heruntergeladen werden, selten aber das gesamte Album zum Komplettpreis.72 Mit
zunehmendem Einfluss des Distributionsweges über das Internet, wird das Problem der
Entbündelung (auch: „Kannibalisierung von Musik“) weiter zunehmen.
Zusätzlich sprechen Experten bereits heute von einem verringerten Wertempfinden
gegenüber physischen und digitalen Musikprodukten. Gerade bei der jungen Zielgruppe, die
Musik größtenteils rein digital konsumiert, hat sich der Wert von Musik in den letzten Jahren
drastisch verringert. Dateien, die man ohne qualitative Verluste beliebig oft kopieren und
verteilen kann, haben für die meisten Konsumenten verständlicherweise nicht mehr den
gleichen Wert wie eine gekaufte CD oder Schallplatte. Für viele haben solche Dateien auch
69
Vgl. o.V: http://www.musikindustrie.de/tauschboersen0.html (13.06.2008).
70
Vgl.: ebenda.
71
Vgl. o.V.: Musikwoche Livepaper (49/2007) S. 10.
72
Vgl. Bundesverband Musikindustrie: Jahreswirtschaftsbericht 2007. S. 19.
29
überhaupt keinen materiellen Wert mehr, was die große Zahl der Nutzer illegaler
Tauschbörsen beweist. Fraglich ist, ob es die Musikindustrie überhaupt noch schaffen kann,
diese Personen in der Zukunft wieder zum Bezahlen für Musikprodukte zu überzeugen.
4.2. 360-Grad-Verträge in der Musikwirtschaft
Bei sogenannten 360-Grad-Verträgen handelt es sich um eine neumodische Vertragsform
der ganzheitlichen Künstlervermarktung.
Ziel ist eine Rundumverwertung des Musikers durch eine Firma, die den Künstler in allen
möglichen Auswertungsformen seines künstlerischen Schaffens berät und an den Erlösen
beteiligt ist. Dafür könnte die Plattenfirma beispielsweise höhere Vorschüsse bezahlen, mehr
Tournee-Zuschüsse übernehmen oder auch längerfristige Vermarktungskonzepte anbieten.
So versuchen die Major-Labels, die schwindenden Umsätze des reinen Tonträgerverkaufs
durch Diversifizierung der Geschäftsmodelle auszugleichen. Das bewirkt insbesondere den
Zukauf neuer Geschäftsbereiche. Waren die Major-Labels in der Vergangenheit reine
Tonträgerfirmen, so befinden sie sich momentan in einem grundlegenden Wandel hin zu
umfassenden Entertainment-Konzernen.
Dieses Modell wird bereits von einigen Independent-Labels praktiziert. Zunehmende
Relevanz und Aufmerksamkeit wurde dem Modell mit dem Aufkommen der 360-Grad-
Verträge großer Konzertveranstalter wie beispielsweise Live Nation zuteil.
Ein Beispiel für die konsequente Rundumvermarktung der Künstler ist das vom ehemaligen
Universal-Chef Tim Renner geführte Independent-Label Motor Music. Dieses bietet sich den
Künstlern sowohl als traditionelle Plattenfirma (Motor Music), Online-Label und Online-
Vertrieb (Motor Digital), On- und Offline-Radio (Motor.Fm), On- und Offline Musikfernsehen
(Motor TV), Konzertveranstalter (Motor Tours) als auch in Funktion des Künstler-Managers
an.73
Die Major-Labels streben an, in der Zukunft in allen Bereichen der Wertschöpfung eines
Künstlers mitzuverdienen. Dies betrifft vor allem die Bereiche Verlag, Live-Geschäft,
Management, Merchandising sowie die Weitervermittlung von Künstlern an Werbepartner.
73
http://www.motormusic.de
30
Das nachfolgende Beispiel zeigt jedoch, dass es sich beim Streben der Major-Labels hin zu
360-Grad-Strukturen aktuell lediglich um teilweise erweiterte Verträge bezüglich der
Künstler-Wertschöpfung handelt.
Beispiel: Universal Music
Künstlermanagement
Booking-Agentur: Die Universal Music Artist Agency vermittelt
Künstlerauftritte
Merchandising: Übernahme des größten deutschen Merchandising-
Herstellers Deutschrock
Beispiel: Sony BMG
Konzertveranstalter
Abteilung Brand Management (vermittelt Künstler zu Werbezwecken an
Markenartikelhersteller)
Sony BMG besitzt Beteiligungen bei Managementagentur und
Konzertveranstalter (MTS und Bucardo)
Allerdings birgt dieses Modell auch Nachteile: "Das Modell erhöht das Risiko", räumt CTS-
Chef Schulenberg ein. "Früher haben sich Plattenfirmen und Konzertvermarkter das Risiko
eines Künstlers geteilt." Das könnte sich unter Umständen negativ auf die
Künstlerentwicklung auswirken: Wenn ein Künstler den musikalischen Durchbruch nicht
schaffen sollte, bleiben der Plattenfirma hohe Kosten für die Umsetzung der Nebenrechte.
Außerdem bedeutet ein höheres finanzielles Engagement der Plattenfirma unter Umständen
auch, dass sie länger auf eine Kostendeckung warten müssen.
31
4.3. Expertenmeinungen zu 360-Grad-Verträgen
Eggert (V2): "Wenn ein Label eine Band mit viel Einsatz über Jahre aufgebaut hat, will es nach
einem Durchbruch auch von den Erlösen profitieren. Und mit dem Tonträger-Verkauf
funktioniert das immer weniger. Natürlich ist das eine mittelfristige Alternative, die erst in
künftigen Verträgen wirksam wird. Bei einer Newcomer-Band, die vor 97 Fans spielt, gibt es
weiter nichts zu verteilen." 74
Bönisch (KBK): „Echte 360-Grad-Modelle gibt es so gut wie gar nicht. Wenn die Plattenfirmen
360 Grad sagen, meinen sie eigentlich 180 oder 270 Grad. Denn ganz selten haben sie von
einem Künstler alle Rechte. Das hätte man vielleicht gerne - aber ich halte das auch für
juristisch bedenklich, wenn ein Künstler all seine Rechte an eine Person oder Firma abtritt.
Das wäre letztlich sittenwidrig.“
Bönisch (KBK): „Dass jeder versucht, bei der berühmten Wertschöpfungskette seinen Anteil zu
vergrößern, ist legitim. Das muss er auch, weil das Risiko immer höher wird. Für uns als
Veranstalter bedeutet das, in einer Ära, die nicht mehr einseitig von großen Plattenfirmen
geprägt ist, nach neuen Möglichkeiten Ausschau zu halten. So können auch wir im Zeitalter
von Digitalisierung und schneller Kommunikation Deals mit Bands machen, bei denen wir sie
etwas umfassender betreuen. Dabei lautet mein Ziel aber nie 360 Grad. Vielmehr geht es mir
darum, für einen Künstler eine passende Gruppe an einem Tisch zu versammeln, um dann zu
entscheiden, wie man ihn gemeinsam am besten aufbauen kann. Das könnte man dann ein
kommunikatives 360-Grad-Modell nennen, wenn man so will.“
4.4. Fazit der Betrachtung von Major-Labels
Den Tonträgerfirmen kann es in den nächsten Jahren gelingen, die Krise in einen
Aufschwung umzuwandeln. Dazu müssen allerdings einige Bedingungen erfüllt werden:
Eigene Downloadangebote der Major-Labels, die qualitativ besser und einfacher zu bedienen
sind als die der Raubkopierer müssen etabliert werden. Nur wenn der Kunde einen
Mehrwert zu den illegalen Plattformen sieht, wird er auch legale Angebote nutzen.
Außerdem werden die Major-Labels in den nächsten Jahren weitere Geschäftsfelder
hinzukaufen, um das 360-Grad Modell mit den fehlenden Bausteinen zu komplettieren.
74
Vgl. o.V.: http://www.berlinonline.de/berliner-
zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2007/0919/wirtschaft/0009/index.html (30.06.2008)
32
5. Künstler-Direktvertrieb
Die Idee vom Künstler-Direktvertrieb ist keine neue Idee. So veröffentlichen beispielsweise
Die Ärzte oder Xavier Naidoo seit etlichen Jahren CD-Produktionen über ihre eigens
gegründeten Plattenfirmen. Die Major-Labels übernehmen in diesem Fall lediglich den
Vertrieb des physischen Produktes, aus den wesentlichen Teilen der Wertschöpfung werden
sie allerdings ausgeschlossen. So kommt es zu einer Veränderung in der Beziehung zwischen
Major-Label und Künstler. Bei einem Bandübernahmevertrag oder einem
Künstlerexklusivvertrag ist der Künstler gänzlich aus dem finanziellen Risiko eines „Flops“
des Produktes ausgenommen. Vertreibt er sein Produkt allerdings selbst über sein eigenes
Label trägt der Künstler bzw. sein eigenes Label das Risiko selbst.
Trotzdem ist dieses Modell für bekannte Bands ein Mittel zur Gewinnmaximierung, denn der
Anteil am Verkaufsumsatz erhöht sich um ein vielfaches. So erhält der Künstler bei einem
Künstlerexklusivvertrag in der Regel 6%-12% des HAP (=Handelsabgabepreis), bei einem
Bandübernahmevertrag sind es meist zwischen 16%-26% des HAP.75 Mit einem
Vertriebsvertrag sind es dagegen häufig bis zu 80% des HAP, die dem Künstler nach Abzug
der Vertriebsmarge bleiben.76
Aufgrund der hohen Produktions- und Marketingkosten wird dieses Modell nahezu
ausschließlich von bereits bekannten Bands genutzt, da die Bekanntheit eine enorme
Risikominimierung bedeutet. Der Initiale und kostenintensive Aufbau des Künstlers ist
abgeschlossen und dieser ist nicht zwangsläufig auf die Vorschusszahlungen angewiesen. Die
Relevanz des Künstler-Direktvertriebes wurde jedoch durch das Aufkommen des Internets in
den vergangenen Jahren erheblich gesteigert und auch für kleinere Bands interessant. Diese
Entwicklung hat folgende Gründe:
- Technische Neuerungen führen zu einer erheblichen Vergünstigung der
Produktionskosten.
- Zunehmende Relevanz des Internets für die Musikvermarktung und eine erheblich
verbesserte Kostenstruktur für das Marketing.
75
Vgl. Meinking, O.: Erlösquellen der Musikbranche. o.J. S.1 f.
76
Vgl. Ebenda S.4.
33
- Direkte Zielgruppenansprache über das Internet – der Künstler tritt eigenständig in
einen Dialog mit dem Kunden.
- Veränderte Kostenstruktur durch digitale Güter (economies of scale77) und dadurch
höhere Skalenerträge als bei physischer Distribution.
- Kostengünstiger Vertrieb (und kein Retouren-Risiko).
- Chancen bei der Durchdringung von Nischenmärkten im digitalen Vertrieb durch
Long-Tail-Nutzung.
5.1. Neue Geschäftsmodelle der Künstler
Die unterschiedlichen Geschäftsmodelle und die Möglichkeiten im Direktvertrieb des
Künstlers sollen nun anhand von Beispielen erläutert und erklärt werden. Diese Modelle
basieren auf dem Business Modell der Disintermediation78 oder aus dem amerikanischen
„cutting out the middleman“. Dabei werden die Plattenfirmen komplett aus der
Wertschöpfung ausgeschnitten.
5.1.1. Das Radiohead-Modell - Pick-a-Price-Prinzip 79 bei Künstler und Label
Besondere Medienaufmerksamkeit erzeugte die Band Radiohead im Oktober 2007 mit ihrem
Album In Rainbows. Dieses wurde direkt auf der Website der Band nach dem Pick-a-Price-
Prinzip verkauft. Die Verkaufsstrategie bedeutet, dass der Kunde selbst entscheidet, welchen
Betrag er für das Album bezahlen möchte. Es war den Fans allerdings auch möglich, das
Album kostenlos und ohne Einschränkungen auf den Rechner zu laden oder aber bis zu
einem Maximalbetrag von 99,99 Pfund (etwa 129€) dafür zu bezahlen.
Die Band wertet die Aktion als vollen Erfolg. Nach eigenen Angaben wurden innerhalb von
drei Monaten mehr als eine Mio. digitale Alben verkauft oder verschenkt. Zu dem
finanziellen Erfolg des Modells wollte sich die Band allerdings nicht äußern.
Laut dem amerikanische Marktforschungsinstitut Comscore bezahlten 62% der
"Downloader" nichts für das Album, die verbleibenden 38% zahlten im Durchschnitt sechs
77
Vgl. Reichwald, R.: Die Ökonomie von Informationsgütern (2003) S. 4.
78
Vgl. o.V.: http://en.wikipedia.org/wiki/Disintermediation (26.05.2008).
79
Vgl. o.V.: http://newpagesblog.blogspot.com/2008/03/pick-your-price-subscriptions-to-fence.html
(16.06.2008).
34
Dollar (4,12€). 17% der Kunden zahlten weniger als vier Dollar (2,75€), sechs Prozent
überwiesen zwischen vier und acht Dollar (5,50€), zwölf Prozent zwischen acht und zwölf
Dollar (8,24€), vier Prozent zahlten mehr und fünfzehn Personen den Höchstpreis.80 Unter
Berücksichtigung der nicht zahlenden „Downloader“ nahm die Band laut Comscore
durchschnittlich 2,26 Dollar (1,55€) pro Album ein.81
Radiohead - wer zahlte wieviel?
ohne Zahlung weniger als 2,75€ 5,50 € 8,24 € mehr als 8,24 €
Abbildung 5 - Radiohead - wer zahlte wieviel?
Dieser geringe Betrag und die Tatsache, dass das Album noch im Winter des gleichen Jahres
als physisches Produkt über das Label XL Recordings82 erschien, würde sicherlich einen
vorschnellen Schluss zulassen: Wahrscheinlich wäre die Tonträger-Veröffentlichung
finanziell erfolgreicher mit einer Plattenfirma im Rücken gewesen. Comscore erlaubt sich
daher folgendes Rechenbeispiel:
Ein durchschnittlicher E-Commerce-Anbieter wandelt fünf Prozent seiner Besucher in
Käufer um. Wird dies als feststehender Faktor angenommen (in der Realität war der
Faktor bei Radiohead erheblich höher), ergeben sich bei einem durchschnittlich
80
Vgl. von Petersdorff, W.: Die totale Kundendemokratie im Test – FA SZ Nr.4 (27.01.2008) S.51.
81
Vgl. o.V. (Musikwoche-News): Nur 38 Prozent bezahlten für Radiohead-Download (07.11.2007).
82
Vgl. o.V.: Eine Klasse für sich – Radiohead bleiben unberechenbar. In: Musik-Guide 21-2007. S.5.
bezahlten Betrag von sechs Dollar und 1,2 Mio. Besuchern Einnahmen von 360.000
Dollar (ca.230.000€). Errechnet man nun mit den gleichen Faktoren den
Einnahmestrom der herkömmlichen physischen CD, erhält man einen Betrag von
rund einer Mio. US$ (etwa 635.000 €).83
Allerdings müssen in diesem Zusammenhang auch andere Faktoren bedacht werden:
- Eine nicht zu eruierende Zahl der „Downloader“, die nichts zahlten, hätte sich das
Album auch über den physischen und traditionell-digitalen Handel nicht gekauft oder
illegal heruntergeladen.
- Eine größere Zahl von Musikkonsumenten vergrößert die Fanbase stark. Daraus
können eventuelle Synergie-Effekte mit Ticket- und Merchandising-Verkäufen oder
auch physischen Tonträgerverkäufen generiert werden.
- Die Band verzeichnete auch aufgrund des gesteigerten Medieninteresses in diesem
Zeitraum 1,2 Mio. Besucher auf ihrer Webseite. 84
Außerdem hatte die Gruppe Radiohead als erste Band mit diesem Business Modell den
Vorteil einer flächendeckenden Medienunterstützung. Zusätzlich dürfte die Ausgliederung
der Musikindustrie bei dieser sehr demokratischen und beinahe anti-kapitalistischen Form
des Verkaufs eine Rolle spielen. Der Musikkonsument weiß, dass der Betrag, den er bezahlt,
nahezu vollständig bei der Band ankommt und nicht wie in der breiten Öffentlichkeit
fälschlicherweise angenommen, größtenteils bei den Plattenfirmen und Retailern versickert.
Nun stellt sich die Frage, ob sich dieses Modell auch auf weniger bekannte Bands übertragen
lässt. Dazu stellte das deutsche Independent-Label 2nd rec im November 2007 neun
Tonträger aus ihrem Katalog nach dem Pick-a-Price-Prinzip physisch zur Verfügung. Der
Kunde selbst musste die Portokosten nicht tragen und konnte so auch völlig kostenlos eine
physische CD erhalten. Um Transparenz zu schaffen, wurde zusätzlich ein Brief beigelegt, der
die Produktionskosten einer solchen CD erläuterte. Der Kunde bezahlte nach Erhalt der
Ware.85
83
Vgl. Lipsman, A.: Radiohead Freeloaders Abound, But Does the Business Model Work
http://www.comscore.com/blog/2007/11/radiohead_freeloaders_abound_b.html (26.05.2008).
84
Vgl. Ebenda.
85
Vgl. o.V. (2nd rec Blog): http://www.2ndrec.com/blog/2008/02/11/facts-figures/ (26.05.2008).
36
Die Ergebnisse nach Ablauf der Aktion:
481 versendete Tonträger
127 Personen bezahlten (26,62 %)
Durchschnittliche Bezahlung: 8,87€ für ein komplettes Album und 7,95€ für eine
EP
Nach Abzug der Portokosten blieben dem Label also lediglich 0,74€ für jedes
versendete Exemplar
Parallel dazu erstellte das Label eine Umfrage, die ein eventuelles Missfallen des Produkts
beim Käufer herausfiltern sollte. 19,4 % bewerteten die Produkte mit einer 1 (Skala von 1-6,
1=sehr gut) und 44,48% mit einer 2 (Der Durchschnitt lag bei 2,39). Das bedeutet, dass 64%
die Produkte mit „gut“ bewertet hatten und trotzdem nur 26,62% dafür bezahlten.86
Eigenes Rechenbeispiel:
Der Gesamteinnahmestrom für das Label betrug 355,94€ für 481 verkaufte
Tonträger. Bei einem angenommenen HAP87 von 10€ hätten über den traditionellen
Verkauf im Handel oder auf der Homepage nur insgesamt 40 Tonträger verkauft
werden müssen, um ein besseres Ergebnis zu erzielen.
5.1.2. Das „Prince-Modell“ – Die CD als Giveaway
Der britische Musiker Prince veröffentlichte im Juli 2007 sein neu erschienenes Album Planet
Earth als Gratis-Zeitungsbeileger (sog. Covermount) über die Tageszeitung Mail on Sunday.
Die Zeitung, die eine durchschnittliche Auflage von zwei Mio. hat, verkaufte an diesem Tag
knapp drei Mio. Exemplare mit CD-Beilage.88
Nach Schätzungen gingen der Branche dadurch Einnahmen in dreistelliger Mio.enhöhe
verloren.89
Der wesentliche Unterschied zum „Radiohead-Modell“ besteht in der Tatsache, dass der
Sänger unbestätigten Angaben zufolge eine Einmalzahlung von 250.000 Pfund (etwa
370.000€) erhalten haben soll.90
86
Vgl. Ebenda.
87
HAP = Handelsabgabepreis.
88
Vgl. Friese, U.: Prince düpiert die Musikindustrie. In: FAZ Nr. 164 (2007) S.14.
89
Vgl. Ebenda.
37
Dieses Modell ist als ein Weg des Direkt-Marketings zu verstehen und muss deshalb von den
Geschäftsmodellen abgegrenzt werden. Der Künstler wird über eine Einmalzahlung finanziell
vergütet und kann aber massiv vom Marketingeffekt dieser Aktion profitieren. Es kann
angenommen werden, dass durch diese Aktion sowohl die Ticket-
„Mit dem und Merchandising-Verkäufe als auch die CD-Katalogverkäufe des
Vertrieb über die Künstlers stark angestiegen sind. Außerdem dürfte sie auch
Zeitung kann ich Auswirkungen auf die spätere physische und traditionelle
meine Veröffentlichung der CD gehabt haben.
Zuhörerschaft
direkt erreichen
und ich bleibe 5.1.3. Technologien zum Direktvertrieb im Internet
zudem von am Beispiel Kazzong
Über das Internet kann der Künstler direkt mit dem Kunden in
Problemen
Verbindung treten. Bisher scheiterte jedoch der direkte Verkauf
verschont, mit
von Musik vom Künstler Kunden an geeigneten
denen die
Abrechnungsmodellen.
Musikindustrie
Plattformen wie Kazzong.com bieten einen Service für Künstler
konfrontiert ist.“
und Labels an, ihre Musik über sog. Widgets (einfach zu
integrierende Web-Bausteine) auf ihren eigenen MySpace-Seiten,
Prince
Homepages oder Blogs zu verwerten. Dabei kann der Künstler
auch festlegen, zu welchem Preis er den Song verkaufen möchte (0,59€ - 1,29€), in Echtzeit
die Verkäufe verfolgen und er bekommt den Verkaufserlös monatlich auf sein Konto
überwiesen. Außerdem werden die Abwicklung von Abrechnungsprozessen sowie Gebühren
für die Verwertungsgesellschaften (z.B. Gema) übernommen.91 Wie bei einigen anderen
Web 2.0. Plattformen greift auch Kazzong auf das Anteils-Modell zurück; das bedeutet, dass
sie vom Verkaufserlös einen Anteil einbehalten, um die Kosten zu finanzieren und Gewinne
zu erwirtschaften. Dieser Anteil beläuft sich auf rund 50%.92
90
Vgl. o.V.: http://futurezone.orf.at/it/stories/207820/ (26.05.2008).
91
Vgl. o.V.: http://www.Kazzong.com (16.05.2008).
92
Vgl. o.V.: http://www.Kazzong.com – FAQ (28.06.2008).
38
5.2. Fazit der Selbstvermarktung des Künstlers
Das Radiohead-Modell kann nur bei etablierten Bands ein Modell für die Zukunft sein. Nur
bekanntere Künstler, in die zuvor enorme Kosten für Künstleraufbau und
Marketing/Vermarktung geflossen sind, haben die Möglichkeit davon zu profitieren. Der
Künstler stellt bereits eine etablierte Marke dar, dessen Bekanntheit zum erfolgreichen
Direktvertrieb genutzt werden kann.
Im Gegensatz dazu nutzen unbekanntere Bands die Kontakte und Marketingmöglichkeiten
der Labels um eine solche Bekanntheit zu erlangen und im Gegenzug Anteile ihrer Gewinne
abzugeben. Beim Wandel vom Anbieter- zum Nachfragemarkt wird jedoch das Risiko auch
für Labels erhöht.
Allerdings: Nach Comscore hat die Band pro verkauftem (und verschenktem) Album-
Download 1,55€ eingenommen, welche zum Großteil direkt an die Band fließen dürften. Eine
Band, welche ihr Album aber über eine klassische Vertragsstruktur an ein Label lizensiert,
würde an den Verkaufseinnahmen ab einer vertraglichen Beteiligung von über 12% (was in
der Praxis durchaus realistisch ist), mehr als 1,55€ pro Album verdienen. Daraus lässt sich
schließen, dass das Radiohead-Modell rein wirtschaftlich gesehen bisher einen nur
bedingten Erfolg verspricht. Radiohead hätte bei einem traditionellen Vertragsschluss mit
einer Plattenfirma nach o.g. Rechenbeispiel einen nahezu doppelten Gewinn erzielt. Jedoch
kommen gerade bei etablierten Bands der PR-Effekt, eine Vergrößerung der Fangemeinde
und daraus resultierend eventuelle Synergieeffekte mit anderen Einnahmequellen (z.B.
Ticket und Merchandising) hinzu. Kleine Bands ohne bestehende Fangemeinde können von
diesem Modell nicht profitieren.
Kritik an diesem Modell kommt vor allem von Seiten der Labels: Sie sehen in dem
Selbstvertrieb von Radiohead das Auflösen eines Generationenvertrags. Die erfolgreichen
Künstler eines Labels finanzierten bisher den Künstleraufbau von Newcomer-Bands mit.
Sollten den Labels die Erträge der großen Bands fehlen, so könnte sich das langfristig negativ
auf den Künstleraufbau auswirken.
39
6. Die zukünftige Rolle des Künstler-Direktvertriebes
6.1. Künstler-Direktvertrieb bei etablierten Bands
In der Vergangenheit haben sich einige sehr erfolgreiche Bands und Musiker vom
traditionellen Weg der Tonträger-Veröffentlichung mit einem Major-Label abgewandt und
ihre Produkte direkt an die Konsumenten vertrieben. So veröffentlichte die Band Nine Inch
Nails über eine eigens eingerichtete Website ihr neues Album in fünf verschiedenen
Versionen:
Download von 9 Titeln (ohne DRM, MP3-Format) kostenlos
Alle 36 Titel (ohne DRM, verschiedene Formate) 5 US-Dollar
Doppel-CD plus alle Titel zum Download 10 US-Dollar
Deluxe-Edition (Doppel-CD, DVD, Blue-Ray-Disc) 75 US-Dollar
Ultra-Deluxe-Limited-Edition (2500 Stück) 300 US-Dollar
Die Ultra-Deluxe-Limited-Edition war innerhalb von drei Tagen ausverkauft, was einem
Umsatz von 750.000 US-Dollar entspricht.93
Der Erfolg dieses Prinzips ist auf unterschiedliche Faktoren zurückzuführen. Diese sind
gleichzeitig Voraussetzung für einen wirtschaftlich erfolgreichen Selbstvertrieb:
Hohe Bekanntheit der Band.
Hohe Produktdifferenzierung und dadurch Abschöpfung der unterschiedlichen
maximalen Zahlungsbereitschaft pro Kunde.
Kein DRM-Schutz, unterschiedliche Formate wählbar, darunter MP3.
Psychologische Komponente: Dem Konsument wird kommuniziert, das der gesamte
Erlös zur Band fließt.
Geringe Vertriebskosten.
Exklusivrechte sind durch das Urheberrecht gewahrt.
Die Medien und Internet-Blogs kommentierten dies als „Die Zukunft der Musikwirtschaft“ 94
und erklärten nach dessen Erfolg den Tod der klassischen Musikindustrie. Allerdings muss an
93
Vgl. o.V.: http://arstechnica.com/news.ars/post/20080305-reznor-makes-750000-even-when-the-music-is-
free.html (30.06.2008).
40
dieser Stelle differenziert werden. Denn das Geschäftsmodell ist wirtschaftlich nur
erfolgreich, weil die Band die nötigen Voraussetzungen erfüllt: Sie besitzen die nötige
Bekanntheit und Medienpräsenz und die Band steht seit Jahren für musikalisch und
qualitativ hochwertige Produktionen. Das Modell ist also nicht die „Zukunft der
Musikwirtschaft“, sondern allenfalls ein Zukunftsmodell für etablierte Bands. Trotzdem kann
es fundamentale Auswirkungen auf die traditionellen Marktteilnehmer haben:
Sollte ein Großteil der erfolgreichen Künstler zum Selbstvertrieb übergehen, fehlen den
Major-Labels finanzielle Mittel zum Künstleraufbau von Newcomern. Damit wird das bisher
geltende Prinzip, das ein Topstar viele Newcomer mitfinanziert, außer Kraft gesetzt. Daraus
resultieren weniger Veröffentlichungen der Major-Labels von unbekannten Bands und
letztendlich das fehlende Wachsen eines Newcomers zu einem Topstar.
6.2. Künstler-Direktvertrieb bei Newcomerbands
Auch unbekannte Newcomerbands können heutzutage mit wenig Aufwand ihre Produkte
selbst vertreiben. Ein neuartiger Denkansatz in dieser Richtung ist es, um den Künstler
herum eine Verwertungsgesellschaft aufzubauen. Die Teilhaber investieren sowohl Zeit, als
auch finanzielle Mittel zum Künstleraufbau und der Musikproduktion und werden am
Gewinn und Verlust entsprechend beteiligt.95
Ein Beispiel:
Der Künstler gründet mit den einzelnen Beteiligten eine Gesellschaft (z.B. GmbH, GbR). Die
Beteiligten übernehmen hierbei einzelne, im Gesellschaftervertrag festgelegte
Aufgabenpakete.
Künstler: künstlerische Produktion, Studiomusiker
Produzent: Musikproduktion, Studiomusiker, Livemusiker, Studio,
Mastering, Mix.
Promoter: Presse-, TV- und Funkpromotion, Marketing, Kooperationen
Künstler-Manager Geschäftsführer, Administration, Legal- und Business Affairs,
Strategie, Kooperationen
Tournee-Veranstalter: Booking, Tourneesupport
94
O.V. http://irights.info/blog/arbeit2.0/2008/03/08/nagel-mit-kopfen-machen-%E2%80%93-
selbstvermarktung-von-musikern/ (20.06.2008).
95
Vgl. Weyand, W. (Vorlesung): Die Rolle des Künstlermanagers – heute und morgen (21.04.2008) S. 20-23.
41
Diese Partner gründen gemeinsam eine Verwertungsfirma für alle musikalischen Aktivitäten
des Künstlers, welche alle seine Verwertungsrechte miteinschließt. Mit der Gründung
werden je nach Aufwand unterschiedliche Gewinn- und Verlustbeteiligungen fällig.
Finanzielle Mittel können vor allem über Investitionen der einzelnen Gesellschafter oder
aber über Privatinvestoren (beispielsweise als stille Gesellschafter) gewonnen werden.
Dieses Modell schafft allen Beteiligten durch seine dezentrale Struktur maximale
Unabhängigkeit und Gestaltungsmöglichkeiten. Außerdem besteht bei allen Gesellschaftern
ein großes Interesse am Erfolg des Künstlers. Das Risiko bei einem Flop ist außerdem auf
verschiedene Geschäftspartner verteilt.
6.3. Fazit
Der Künstler-Selbstvertrieb ist ein Modell, welches für bereits bekannte Bands geeignet ist.
Einige etablierte Bands haben sich in der Vergangenheit bereits von den Schallplattenfirmen
abgewendet und die Vermarktung der Produkte selbst in die Hand genommen. Dies wird
auch in Zukunft der Fall sein, denn die Band kann über diesen Weg höhere Gewinne erzielen,
als bei einer Veröffentlichung mit einer Tonträgerfirma. Damit kündigen sie allerdings einen
Generationenvertrag und den Plattenfirmen werden die nötigen finanziellen Mittel zum
Künstleraufbau fehlen. Unbekannten Bands bietet sich die Chance, eine
Verwertungsgesellschaft aus Personen gründen, die an den Erfolg der Band glauben und
investieren.
Obwohl der Künstler-Selbstvertrieb ein sehr medienwirksames Geschäftsmodell ist, wird es
in der Zukunft ein Ausnahmephänomen bleiben. Nur sehr wenige Bands erfüllen die
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung.
Allerdings: Diejenigen Bands, die diese besitzen, können wirtschaftlich enorm davon
profitieren.
42
7. Telekommunikationsdienstleister
Telekommunikationsanbieter wurden durch die Privatisierung aus Staatsnetzen heraus und
die Liberalisierung des Marktes in den letzten Jahren zu eigenständigen großen
Unternehmen, die sich in einem offenen Wettbewerb gegenüber sehen.
Neben den klassischen Festnetzanschlussanbietern, kamen in den letzten Jahren auch immer
mehr Mobilfunkanbieter hinzu. Außerdem haben sich durch die Verbreitung des Internets
Internet Service Provider (ISP)96, Kabelgesellschaften und Voice over IP (VoIP) Anbieter
etabliert. Diese Anbieter nehmen, wie z.B. T-Home in einem großen Konzern mehrere
Positionen ein, auch andere Anbieter wie z.B. der originär als Mobilfunkanbieter O2 sind in
das Geschäft der ISP eingetreten.
Diese Festnetzanbieter, Mobilfunkanbieter, ISP, Kabelgesellschaften oder VoIP Anbieter
allgemein als Telekommunikationsanbieter bezeichnet nutzen Musik vielfältig. Als
Markenartikelhersteller nutzen sie diese in üblicher Form in der Werbung oder beim
Sponsoring, wie z.B. beim O2 Music Flash.97 Darüber hinaus treten sie auch teilweise als
Vertrieb von Musik auf.
Die Lethargie am Markt durch die traditionellen Vertriebe der Musikindustrie neue Wege in
der Verbreitung von Musik zu gehen, nutzen andere Firmen geschickt, um in den Markt
einzusteigen und Elemente der Wertschöpfung für sich zu besetzen. So wird Musik von
Microsoft, T-Online oder AOL distribuiert.98 Diese Anbieter digitaler Inhalte organisieren
nach Erwerb der Lizenzen die Entbündelung, Komprimierung, „Labeling“, anschließend die
Distribution (Indexierung, Download) und abschließend das Kundenmanagement (CRM) und
weitere Verbundleistungen (z.B. Software).99
96
Internet Service Provider
97
„Mit dem Music Flash hat O2 eine völlig neue Eventreihe der besonderen Art ins Leben gerufen. Im Rahmen
des O2 Music Flash werden regelmäßig bekannte Bands präsentiert, die ein einmaliges und exklusives Spontan-
Konzert geben – alles kostenlos und natürlich nicht nur für O2 Kunden!“
98
Vgl. Clement, M. & Schusser, O.: Ökonomie der Musikindustrie (2008).
99
Vgl. Schmidt, S.: Das Online- Erfolgsmodell digitaler Produkte (2007).
43
7.1. Mobilfunkanbieter im Bereich der Musikdistribution
Die vier großen Mobilfunkanbieter in Deutschland in Deutschland beschäftigen sich allesamt
mit dem Vertrieb von Musik oder Klingeltönen über das Handy, teilweise auch in
Kombination mit dem Vertrieb auf den Computer.
Mobilfunkanbieter
O2
13%
e-plus T-Mobile
15% 37%
Vodafone
35%
Abbildung 6 – Marktanteile der deutschen Mobilfunkbetreiber
Universal und E-Plus hatten z.B. den Mobilfunktarif vybemobile im September 2006 als
Phone- und Music-Marke ins Leben gerufen und noch im selben Jahr ein Downloadangebot
für Musik eingebaut.100
Auch der Anbieter Vodafone hat neben seinem Download-Shop auch Produkte wie den
Vodafone Music Manager und der Mobile Music Client. Diese Anwendungen sollen das
Herunterladen und Verwalten von Musik mit Handy und PC vereinfachen.101 Nicht nur die
Ausstattungen in Anwendungen, die Vodafone anbietet, sind auf Musik ausgerichtet, sie sind
auch in der Vermarktung durch Kooperationen aktiv, wenn es um digitale Musik geht.
Warner Music und Vodafone D2 vermarkten das aktuelle Album von Madonna, "Hard
Candy" innerhalb einer gemeinsamen Partnerschaft. Kunden von Vodafone konnten bereits
in der Woche vor der Veröffentlichung des Albums ausgewählte Songs kostenpflichtig über
das Portal Vodafone live herunterladen.102 Dies unterstreicht die Wichtigkeit, die Vodafone
dem Thema Musikvertrieb über das Handy zukommen lässt.
100
Vgl. o.V.: Snoop Dogg singt als Roy Black für E-Plus und Universal
http://www.mediabiz.de/newsvoll.afp?Nnr=253336&Biz=musicbiz&Premium=J&Navi=00000000 (25.04.2008).
101
Vgl. o.V.: Vodafone verstärkt Musik-Engagement
http://www.mediabiz.de/newsvoll.afp?Nnr=255830&Biz=musicbiz&Premium=J&Navi=00000000 (10.05.2008).
102
Vgl. o.V. Madonna vorab mobil bei Vodafone
http://www.mediabiz.de/newsvoll.afp?Nnr=251271&Biz=musicbiz&Premium=J&Navi=00000000 (18.03.2008).
Die Wichtigkeit des mobilen Musikvertriebs wird nicht durch das Engagement der aller
Anbieter am deutschen Markt deutlich, sondern auch die Äußerung von Warner-Chef Edgar
Bronfman jr. der an „Explosion des mobilen Vertriebs“ glaubt. Doch dafür müssten die
Handyhersteller und Telkos noch ihre Hausaufgaben in Sachen Nutzerfreundlichkeit machen,
erklärte der CEO der Warner Music Group.103
Die Mobilfunkanbieter erreichen ihre Wertschöpfung der Klingeltöne laut Clement und
Schusser104 durch diese Schritte:
Künstler Distribution
Ringtone Ringtone Plattform
Verlag Billing
Produzent Broker Provider
Label Provider
Abbildung 7 - Wertschöpfung bei Klingeltönen
Die deutschen Mobilfunkanbieter wie Vodafone, T-Mobile, O2 und E-Plus berichten von
monatlich bis zu 200.000 Downloads pro Titel.105
7.2. Medienportale der Telekommunikationsunternehmen
Die Medienportale sind neben den Mobilfunkanbieter für den digitalen Musikvertrieb der
Telekommunikationsanbieter am Wichtigsten. Die Portale sind die Absatzkanäle der
Internetdienstleister, durch die sie Musik digital anbieten. Nicht nur das Verkaufen von
Musik, sondern auch das Bereitstellen von Musik durch Streaming wird hier angewendet. Die
Zahlen des Datenverkehrs durch „streamen“, begünstigt durch die zunehmende Verbreitung
103
Vgl. o.V.: Bronfman setzt auf die mobile Karte
http://www.mediabiz.de/newsvoll.afp?Nnr=222651&Biz=musicbiz&Premium=J&Navi=00000000 (08. 12.2006)
104
Vgl. Clement, M., & Schusser, O.: Ökonomie der Musikindustrie (2008).
105
Vgl. Ebenda.
von Breitbandanschlüssen und Flatrates, steigen stetig, was die Relevanz dieser Art von
Angebot unterstreicht. Unklar ist indes, wer derzeit der Marktführer unter den "Streamern"
ist. Die Firma compete.com, die den Datenverkehr im Internet untersucht, sieht aktuell das
soziale Musiknetzwerk imeem an erster Stelle (10,3 Mio. Nutzer in den USA), die im Bereich
Web 2.0 aktiv sind.106 Auf dem zweiten Platz liegt der Dienst Yahoo! Music mit knapp 9,7
Mio.en Besuchern und AOL Music mit gut 4,6 Mio.en. Comscore Media Metrix kommt auf
andere zahlen. Sie sehen AOL Music im März mit weltweit 21,9 Mio.en Nutzern an erster
Stelle, gefolgt von Yahoo! Music (20,8 Mio.en) und MTV Networks Music (17,6 Mio.en). Es
bleibt festzuhalten, dass beide Firmen zur Traffic Auswertung ein Wachstum der
Nutzerzahlen bei den diversen Anbietern festgestellt haben.107
106
Auf die Internetplattform Imeem wird in Kapitel 11 noch im Detail eingegangen.
107
Vgl. o.V.: Streamingdienste legen zu
http://www.mediabiz.de/newsvoll.afp?Nnr=254719&Biz=musicbiz&Premium=J&Navi=00000000 (21. Mai
2008).
46
8. Die Zukunft der Telekommunikationsunternehmen
Die Telekommunikationsanbieter sind, wie zuvor beschrieben, ein neuer gewichtiger
Teilnehmer auf dem Musikmarkt. Sie haben ihren Platz in der Wertkette erkämpft.
Besonders die Mobilfunkanbieter in Kooperation mit Markenartikelherstellern wie Apple
oder Nokia mischen den jungen Markt gerade auf. Die technische Entwicklung ist
maßgeblich für die Zukunft dieses großen Bereichs. Wendet man den Blick zurück und
betrachtet die Entwicklung der letzten Jahre oder gar der letzten Monate in diesem Bereich,
wird klar, wie viel Bewegung in dem Markt vorhanden ist. Die Vernetzung über Internet
Flatrates, sich verbreitende Handy Flatrates und den Ausbau des UMTS Netzes mit speziellen
Musik Handys wie dem Nokia N95 lassen den Schluss zu, dass Musik immer weiter in die
drahtlose Welt wandert. Musik über das Handy zu kaufen und zu hören ist noch ein
schwieriger Prozess, der Kunden abschreckt und eine massive Verbreitung noch verhindert.
Mit der technischen Entwicklung, die massiv voranschreitet und täglich weitere Durchbrüche
und Entwicklungen macht, wird in Zukunft der Schlüssel zu einer Musiknutzung über das
Handy oder andere mobile Endgeräte sein. Die Trennung zwischen PC, Musikanlage, Handy
oder mobilen Endgerät wird weniger scharf, Angebote, die einen Download parallel auf
Handy und Heim-PC anbieten existieren bereits jetzt.
Die allgemeinen Medienportale oder speziell die der ISP sind im Moment noch nicht
besonders relevant. Dennoch ist, betrachtet man ihre Marktmacht die sie gegenüber der
Musikindustrie haben, eine große Chance versteckt. Die ISP haben die Infrastruktur und den
Kundenstamm um Musik sehr flächendeckend anbieten und verteilen zu können; es scheint
als würden sie den noch unsicheren Markt sich zunächst setzen lassen, bevor sie hier
einsteigen und ihre Vorteile ausspielen.
47
9. Die Rolle der Musik im Bereich der Markenartikelhersteller
Der große Bereich der Markenartikelhersteller108, die Musik nutzen, um ihr originäres
Kerngeschäft zu unterstützen oder zu erweitern, lässt sich in drei verschiedene
Teilnehmergruppen am Markt einteilen. Etablierte Soft- und Hardware Hersteller
beschäftigen sich mit Musik. Prominentes Beispiel ist Apple, die durch ihrem iTunes Shop
ihrem MP3-Player iPod zum Erfolg verhalfen und umgekehrt. Eine weitere Gruppe sind
Handelsunternehmen, die ursprünglich nicht mit Musik und dessen Vertrieb zu tun hatten.
In den USA ist Wal Mart ein gewichtiger Teilnehmer am Markt der digitalen Distribution, in
Deutschland vertreiben mittlerweile auch Saturn, Karstadt oder Aldi digitale Musik. Eine
dritte Gruppe, die nun Musik vertreibt und nutzt, sind die Konzerne, die ursprünglich als
Markenartikelhersteller verstanden werden und besonders bekannte Marken oder auch
„Brandings“ besitzen. Hierzu zählen Marken wie Coca Cola, die Musik vielseitig nutzen.
Die Gründe Musik mit einer Marke zu verbinden sind vielfältig:
„Musik schafft affektive Markenwelten und unterstützt die Kommunikation von
sprachlichen und bildlichen Informationen“, erklärt Patrick Langeslag, Managing
Director ACG, einer Firma für Audio Branding.
Musik bietet in allen Formen „Exposure“ und damit Promotion und potenzielle
„Umwegrentabilitätseffekte“. Musik als Promotion-Tool zwecks
„Umwegrentabilität“ (z.B. in Form von Gratis-CDs oder -Downloads) basiert auf
dem Charakter von Musik als Wissensgut, das zum Reputationsaufbau der „Marke
MusikerIn“ genutzt werden kann.109
Musik schafft Aufmerksamkeit, erregt Emotionen und kommuniziert Botschaften.
Nicht ohne Grund nutzen Markenartikler Musik in Spots, am Point of Sale, für
Events oder auch im Sponsoring. Denn passt die Musik zur Marke steigen
Wiedererkennung (Recall) und Werbewirkung.110
Markenartikler erhalten einen neuen Zugang zu potenziellen Interessenten. 111
108
Auch „Markenartikler“
109
Vgl. Sperlich, R.: Musikschaffen von Rock-und elektronischer Musik in der "digitalen Metamorphose" (2007).
110
Vgl. Otto, K.: Der Ton macht die Marke (2008).
111
Vgl. o.V.: Britischer Mobilfunker testet werbefinanzierte Downloads
http://www.mediabiz.de/newsvoll.afp?Nnr=251608&Biz=musicbiz&Premium=J&Navi=00000000 (26.03.2008).
48
Die Chancen dieser neuen Absatzmärkte sind längst erkannt und werden zunehmend
genutzt, um Lizenzen zu verkaufen und das Repertoire verbreiten. Große Kooperationen wie
zum Beispiel zwischen Mercedes Benz und den Rolling Stones zur Bigger Bang-Tour sind
selbst im Rock’n’Roll mittlerweile voll akzeptiert und gehören normal dazu.
Die Wichtigkeit dieser Art Musik zu vertreiben und Lizenzen zu verkaufen, ist leicht zu
belegen, der Verlag der EMI leistet sich eine eigene Abteilung, die sich speziell nur um die
musikalischen Bedürfnisse der Markenwelt kümmert. "EMI Music Publishing Media Services
wurde geschaffen, um das Arbeiten mit Musik für Markenartikler, Werbetreibende,
Agenturen, TV-Sender und Filmproduktionen einfacher, transparenter und schneller zu
machen und den Austausch und die Zusammenarbeit in den einzelnen Repertoire- und
Anwendungsbereichen zu optimieren", erklärt Manuel Tessloff (Manager Business
Development, EMI).112 Diese Entwicklung zeigt einen Trend auf, die Wertschöpfungskette zu
erweitern und abseits des Tonträgerverkaufs nach Einnahmequellen zu suchen.
Bei der Zusammenarbeit zwischen Künstler und Marke treffen empfindliche
Persönlichkeitsbilder aufeinander. Sowohl Künstler als auch Marken sind auf ihren Ruf, auf
ihre Reputation, auf das erzeugte Fremdbild angewiesen. Das Image des Künstlers und der
Marke sind wesentlich für das Zustandekommen und das Gelingen einer Zusammenarbeit,
stehen beide Partner, Unternehmen und Künstler, in einem richtigen Verhältnis zueinander,
ist das die nötige Grundvoraussetzung für einen Erfolg. Marken und Künstler, die nicht
zusammen passen, schaden sich gegenseitig, eine passende Zusammenarbeit befruchtet sich
gegenseitig positiv.
Soft- und Hardware Hersteller, Handelsunternehmen und Markenartikler folgen einem Ziel;
sie hoffen auf eine Symbiose zwischen Musik und Markenwelt, die sie durch verschiedene
Maßnahmen erreichen will, sei es durch Werbung, Kooperationen oder Sponsoring. Im
Folgenden wird die Einteilung nicht nach den drei Gruppen Soft- und Hardware,
Handelsunternehmen und Markenartikler unternommen, sondern nach der Art des
möglichen Einsatzes der Musik. Die Einteilung nach Engagement des Unternehmens ist
notwendig, da Soft- und Hardware, Handelsunternehmen und Markenartikler Musik so
vielfältig nutzen, in der Werbung für Kooperationen und Sponsoring.
112
Vgl. o.V.: EMI Publishing stärkt Synch-Geschäft
http://www.mediabiz.de/newsvoll.afp?Nnr=240879&Biz=musicbiz&Premium=J&Navi=00000000 (18. 09.2007).
49
9.1. Die Nutzung von Musik in der Werbewelt
Die Werbe- und die Musikwelt sind unzertrennlich miteinander verbunden. Keine Werbung
kommt ohne Musik aus, zunehmend werden prominente Songs in der Werbung genutzt,
große Unternehmen schmücken sich mit den Namen der Stars, wie zum Beispiel bei der
Pepsi Kampagne mit Britney Spears und Christiana Agiulera als Gladiatoren.
Die Werbewelt bedient sich der Musik und nutzt sie als Mittel zum Zweck der
Emotionalisierung mit der Marke. Musik nimmt einen immer größeren Teil in der Werbewelt
ein und verdrängt teilweise sogar die beworbenen Produkte.
Andere Unternehmen bewerben auch ihre musikfremden Produkte mit Musik und stellen
diese in den Mittelpunkt. Der Song „Like Ice In The Sunshine“ ist unzertrennlich mit Langnese
verbunden. „In unserem Fall ist Musik ein besonders wichtiger Faktor, denn Eisverzehr und
das dazugehörende Feeling wird vor allem durch Musik als emotionale Komponente
unterstützt und transportiert“, erklärt Katja Willers, Marketing Langnese.
Weitere prominente Beispiele sind die Werbespots von Becks’s und Krombacher, oder die
Anwendung bei Bacardi, durch die die Klangfarbe Latin Musik durch Bacardi besetzt sei,
meint Megacult-Chef Deese.
Musik fördert laut dem internationalen Marktforschungsinstitut Millward Brown die
Erinnerungsfähigkeit des Zuschauers an das jeweilige Produkt, das Lernen der im Werbespot
vermittelten Botschaft und die Markenbindung.113
9.2. Kooperationen mit Markenherstellern
Eine weitere Schnittstelle zwischen Marken- und Musikwelt gibt es durch Kooperationen.
Markenartikelhersteller arbeiten mit Musik-Labels oder Künstlern zusammen und erreichen
durch das gezielte Zusammenwirken ihrer Handlungen und Aktionen einen besonderen
Mehrwert. Dieser Mehrwert kommt beiden Seiten zu Gute. In Kooperationen wird zumeist
Neues geschaffen oder Bestehendes erweitert oder geändert.
113
Vgl. o.V.: Studie belegt Wirkung von Musik in der Werbung
http://www.mediabiz.de/newsvoll.afp?Nnr=166718&Biz=musicbiz&Premium=J&Navi=00000000 (16.11.2004)
50
Die Beispiele für diese Art der Zusammenarbeit zwischen Marken- und Musikwelt sind
zahlreich und teilweise nicht scharf von Sponsoring oder reiner Werbung zu trennen.
Zumeist sind Kooperationen Teil eines ganzen Kommunikationsdesigns, welches einen
Künstler, Label und deren Images mit einer Marke verknüpft.
Ein Beispiel aus den USA ist die Kooperation zwischen dem Hip Hop Label Def Jam und
Procter & Gamble, die Konsumgüter wie Wella, Blendax, Old Spice oder Gilette vermarkten.
Diese beiden Firmen haben gemeinsam ein neues Label gegründet, dessen Name „TAG“ ab
sofort nicht mehr nur für ein in den USA bekanntes Body-Spray steht, sondern eben auch für
Musik.114
In England gibt es eine Kooperation von EMI und Burger King, die ihren Kunden als Ergebnis
dieser Kooperation kostenlose Musik-Downloads anbieten können.115
Universal Music Deutschland hat eine Kooperation mit Visa Card und kann seinen Kunden
personalisierte Kreditkarten für Fans anbieten. Diese Kreditkarten zeigen dann das Logo oder
ein Foto der Band.116
Genau vier Monate nach dem Start in Großbritannien und Irland eröffnen die Mobilfunker
von Nokia auch hierzulande ihre musikalische Downloadplattform. Der Store soll künftig ein
Teil des Ovi-Angebots sein, der neuen Nokia-Marke für Internetdienste. "Mio.en von Titeln"
sollen im kopiergeschützten WMA-Format und mit einer Auflösung von "vorwiegend 192
KBit/s" zur Verfügung stehen, heißt es aus dem Hause Nokia. "Der Nokia Music Store schließt
eine bislang vorhandene Lücke zwischen PC und mobilen Geräten", erläutert Anke Fleischer,
Head of Central Europe, S&S Entertainment & Communities Nokia. "Indem wir den dualen
Download durch die Zweiwegesynchronisation ersetzen, bieten wir Kunden einen einfach
nutzbaren Weg, jederzeit und überall auf ihre gesamte Musiksammlung zuzugreifen und
diese auch unterwegs zu erweitern, ohne den gleichen Titel am PC noch einmal
herunterladen zu müssen." Alle Beispiele verdeutlichen, dass die kooperierenden Partner
ihre jeweiligen Vorteile wie Vertriebswege, Zugang zu neuen Kundenkreisen oder
Verfügbarkeit von Ressourcen in die Kooperation einbringen.
114
Vgl. o.V.: Markenartikler baut Deo-Label auf
http://www.mediabiz.de/newsvoll.afp?Nnr=252523&Biz=musicbiz&Premium=J&Navi=00000000 (11.04.2008).
115
Vgl. o.V.: EMI und VerveLife bringen Downloads unters Fast-Food-Volk
http://www.mediabiz.de/newsvoll.afp?Nnr=237407&Biz=musicbiz&Premium=J&Navi=00000000 (10.06.2008).
116
Vgl. o.V.: Urban Card http://www.urbancard.de/flash/flash.html (18.05.2008).
51
9.3. Sponsoring von Musik
Die wichtigste und häufigste Form der Kooperation mit Popstars ist das Sponsoring.117
Darunter ist die Förderung von Stars durch Geld-, Sach- oder Dienstleistungen zu verstehen,
die das sponsorende Unternehmen zur Verfügung stellt und sich somit erhofft seine in der
Kommunikationspolitik gesteckten Ziele zu erreichen. Die Relevanz des Bereichs Sponsoring
wird klar, wenn man die Zahlen dieses Marktes betrachtet. Im Jahr 2008 geben
Markenartikelhersteller in den USA erstmals mehr als eine Milliarde Dollar für
Werbemaßnahmen im Umfeld von Live-Events aus. Die Analysten der IEG, einem
Unternehmen, das sich auf die Beobachtung von Sponsoring-Aktivitäten spezialisiert hat,
rechnen mit einer Summe in Höhe von mehr als 664 Mio.en Euro - 75 Prozent mehr als noch
2003 ins Konzertgeschäft flossen.118
Vorteile Nachteile
– Emotionalisierung – Abhängigkeit vom Künstlerimage
– Zielgruppengenauigkeit – geringere Planbarkeit
– Differenzierungsmöglichkeiten – Kurzlebigkeit der Popmusik
– Imagetransfer und -wirkung – hohe Kosten
– Jugendlichkeit – Konflikt zwischen Kunst und
– Glamour Kommerz
– Lifestyle – Verwechslungsgefahr
– Zeitgeist
– Attraktivität der Künstler
– Auffälligkeit der Künstler
– Sozialisierung über Popmusik
– hoher kommerzieller Charakter und
konsumfreudiges Publikum
– hohe Reichweite
119
Tabelle 2 - Vorteile und Nachteile des Sponsorings
117
Vgl. Ringe, C.: Popstars für Marken (2008).
118
Vgl. o.V.: Tour-Sponsoring knackt Mrd.grenze
http://www.mediabiz.de/newsvoll.afp?Nnr=251890&Biz=musicbiz&Premium=J&Navi=00000000 (01.04.2008).
119
Vgl. Ringe, C.: Popstars für Marken (2008).
52
10. Die Zukunft Musik im Bereich der Markenartikelhersteller
Die Entwicklung der letzten Jahre im Zuge der Digitalisierung des Musikmarktes hat zu einer
Erweiterung der Wertschöpfungskette geführt wie bereits hinlänglich aufgezeigt. Neue
Teilnehmer sind in den Markt eingetreten und nehmen an der Verwertung von Musik teil.
Das Engagement von Markenartikelherstellern hat sich in den letzten Jahren verstärkt.
In der Werbewelt ist Musik als Unterstützung von Bildern oder auch im Radio bereits in
einem großen Maße angekommen. Musik wird bereits zur Emotionalisierung und
Verbindung zur Marke in einem Maße genutzt, welches sich in Zukunft kaum noch steigern
lassen wird. Werbung kommt schon heute nicht mehr ohne Musik aus und wird diese in
Zukunft weiter so intensiv nutzen.
Die Kooperation zwischen Marken- und Musikwelt hat in den letzten Jahren auch eine
gefühlte Intensivierung erfahren. Beide Seiten nutzen die Vorteile und Erfahrung der jeweils
anderen Seite, um zu einem gemeinsamen Größeren zu gelangen. Das Problem an dieser
Konstellation ist, dass die Markenwelt hier im Vorteil ist; zwar sind sie auf die Rechte an
Werken und der Aufführung und dem Auftreten zum Beispiel in Werbespots angewiesen,
dennoch sind sie nicht auf Musik zur Generierung von Umsatz angewiesen.
Markenartikelhersteller nutzen Musik als reines Werkzeug und nutzen ihre
emotionalisierende Wirkung ohne selbst davon betroffen zu sein. Für
Markenartikelhersteller ist es Mittel zum Zweck Kunden zu binden oder neue Kundenkreise
für sich zu öffnen. Musiker hingegen sind durch die unklare Situation auf dem
Tonträgermarkt auf Umsätze und den Verkauf ihrer Musik angewiesen. Aus diesem
Spannungsfeld heraus wird sich die Zukunft dieser Beziehung ergeben. Die Übermacht auf
finanzieller Seite lässt die Musiker und deren Verwerter weiter in der defensiven Stellung. Es
bleibt, betrachtet man die weiter sinkenden Umsätze auf Tonträgerseite, zu befürchten, dass
die Markenartikelhersteller ihre starke Position mehr aus nutzen können. Musiker werden
mehr und mehr nach Möglichkeiten suchen müssen, Umsätze zu generieren, eben auch
gerade bei finanzstarken Partnern wie die der Werbeindustrie und Markenwelt.
Der Bereich des Sponsorings wird nicht nur für die Musikwelt immer wichtiger. Sponsoring
hat gewichtige Vorteile (s.o.) besonders hervorzuheben ist hierbei die große Ehrlichkeit
gegenüber Werbung. Das Vertrauen, in Stars die in einer gekauften Werbung ein Produkt
53
anpreisen sinkt immer weiter, was das Sponsoring umso interessanter macht. Es besitzt eine
hohe Ehrlichkeit und kann neue Kundenkreise oder einen Imagewechsel einer Marke
begünstigen; hier ist die Jägermeister Rock Liga zu nennen, die es geschafft hat, das Image
von Jägermeister an ein junges musikaffines Publikum zu tragen. Sponsoring wird in allen
Bereichen wichtiger und wird weiter wachsen, Musik und Musik Veranstaltungen können
hierbei ihre Vorteile von genauer Zielgruppe bei einem Konzert oder der Übertragung eines
Image auf eine Marke nutzen.
54
11. Der Einfluss von Web 2.0 Technologien und Anbietern auf den
Musikmarkt
Das folgende Kapitel beschreibt die neuen Technologien, die Marktteilnehmer und deren
Geschäftsmodelle die im Zuge der Verbreitung von Internetdiensten der zweiten Generation
auch in den Musikmarkt eingetreten sind. Im Folgenden werden zunächst die neuen
Geschäftsmodelle der Web 2.0 Anbieter genauer erläutert und parallelen zu traditionellen
Geschäftsmodellen oder auch den digitalen Modellen von Internetanbietern gezogen.
Danach werden einzelne Musikplattformen und deren Technologien und Konzepte im Detail
erläutert.
11.1. Geschäftsmodelle für Unternehmen im Internetbereich
Der folgende Abschnitt gibt eine Übersicht über verschiedene neue Geschäftsmodelle die
bekannten Unternehmen im Internet zu Grunde liegen. Durch diese Einteilung lassen sich
verschiedene Geschäftsmodelle voneinander abgrenzen. Es gibt jedoch auch Mischformen
oder Weiterentwicklungen von traditionellen Geschäftsmodellen. Der folgenden Einteilung
liegt das Skript von Rappa „Managing the Digital Enterprise“ zugrunde. Rappa hat als Erster
2001 die Geschäfts- oder auch Businessmodelle von Internetunternehmen in folgende
Kategorien gegliedert: 120
- Brokerage Model
- Advertising Model
- Infomediary Model
- Merchant Model
- Manufacturer Model
- Affiliate Model
- Community Model
- Subscription Model
- Utility Model
120
Rappa, Michael: Managing the Digital Enterprise (2001).
http://digitalenterprise.org/models/models.html (10.6.2008).
55
Nachfolgend werden die für den Musikbereich relevanten Modelle auf Grundlage und
Definition von Rappa näher erläutert und um aktuelle Erkenntnisse erweitert. 121
11.1.1. Das „Brokerage Model“
Das „Brokerage Model“ ist vergleichbar mit einem Aktienbroker an der Börse. Dieser ist
dafür verantwortlich, dass jeder Verkäufer einen Käufer findet und umgekehrt. Bei
erfolgreicher Geschäftsanbahnung und Zustandekommen des Handels bekommt er hierfür
eine Provision. Verschiedene Internetanbieter wie Internetmarkplätze nutzen dieses Modell.
Online Handel wurde Ende der neunziger Jahre unter dem Schlagwort „E-Commerce“
zusammengefasst, welches nach dem Ende des „.com Booms“ und der Konsolidierungsphase
im Internet, heute jedoch kaum noch benutzt wird.
Die heute bekannteste Seite, die dieses Modell nutzt, ist der Auktions-Broker eBay im
Bereich „Consumer to Consumer“ (C2C). Aber auch Amazon.com ist ein solcher virtueller
Marktplatz und bietet nicht nur selbst Waren an, sondern auch Drittanbietern die
Möglichkeit, auf ihrer Plattform an gegen eine Provision oder Gebühr deren Artikel in den
Warenbestand mit aufzunehmen; „Business to Consumer“ oder sogenannte B2C
Marktplätze.
Weniger Präsenz in den Medien, jedoch umso wichtiger und heute Alltag sind die
Internetmarkplätze zum Warentausch zwischen Unternehmen (B2B). Des Weiteren gibt es
Transaktionsbroker wie die Bank PayPal, die für Transaktionen zwischen ihren Kunden und
deren Absicherung eine Gebühr verlangen. Distributoren die Angebote von verschiedenen
Einzelhändlern zusammenfassen und weitervermitteln gehören auch zum Bereich der
Transaktionsbroker.
Insgesamt lässt sich festhalten, dass der Geschäftstätigkeit vieler bekannter Unternehmen
im Internet das „Brokerage Model“ zumindest als Teil einer ganzheitlichen Strategie z.B. in
Kombination mit Werbung, zugrunde liegt. Sie bieten ihre Plattform Drittanbietern zur
Geschäftsanbahnung und Abwicklung an und tragen so lediglich das Risiko der
Anfangsinvestitionen in die Plattform, nicht jedoch in die angebotenen Güter an sich. Somit
121
Rappa, Michael: Managing the Digital Enterprise (2001).
http://digitalenterprise.org/models/models.html (10.6.2008).
56
gibt die Bekanntheit einer Plattform den Ausschlag für den Erfolg des Modells. Für Anbieter
und Nachfrager sind diese elektronischen Plattformen eine Möglichkeit ihre Geschäfte
effizienter abzuwickeln und bieten gegenüber traditionellem Handel einen
Wettbewerbsvorteil.
11.1.2. Das „Advertising Model“ – Finanzierung durch Werbung
Ein werbefinanziertes Geschäftsmodell ist im eigentlichen Sinne kein neues Modell. Es ist
eine Weiterentwicklung des traditionellen Modells der Medienunternehmen.
In Form von Werbeanzeigen auf den einzelnen Seiten stellt diese Form mit eine der
wichtigsten Säulen bei der Finanzierung von Angeboten im Internet dar. Werbeanzeigen sind
prinzipiell auf allen Internetseiten zu sehen. Der Vorteil von Internetseiten im Gegensatz zu
beispielweise Fernsehwerbung ist die zielgruppengenauere Ansprache des potenziellen
Kundensegments. Hier können Unternehmen genau in einzelnen Segmenten oder bei einer
Suchmaschine nach einem Suchbegriff des Nutzers werben.
Für Internetauftritte mit extrem hohen Zugriffszahlen ist dies ein sehr erfolgreiches und auf
den ersten Blick einfach zu durchschauendes Modell. Es werden Werbebanner auf den
Seiten eingeblendet und bei einem Klick des Nutzers auf einen Werbebanner verdient der
Seitenbetreiber mit. Soziale Netzwerke wie Facebook bieten den Werbenden personalisierte
Werbung an. Jeder Nutzer hat ein Profil auf der Seite und dessen Daten werden durch
verschiedene Programme ausgewertet um dem Nutzer dadurch auf ihn zugeschnittenen
Werbung zu bieten. Dadurch entgeht der Werbemarkt dem Problem der direkten
Zielgruppenansprache bei Fernsehwerbung. Für den Kunden ist dies jedoch mit einem
Verlust von Teilen seiner Privatsphäre verbunden. Seiten wie die sozialen Netzwerke
MySpace oder Facebook hatten alleine im Mai 2008 ca. 45-50 Mrd. Abrufe und wachsen
stetig weiter.122 Zum Vergleich: Im Oktober 2005 wurden bei MySpace nur 20 Mio.en
Seitenabrufe pro Monat gemessen. 123 Hier ist einerseits das enorme Wachstum sichtbar,
andererseits muss angemerkt werden, dass ab einer Grenze von mehreren tausend
Mitgliedern eines solchen sozialen Netzwerkes die kritische Masse für den Erfolg einer Seite
122
Vgl. Schonfeld, Erick: Facebook Blows Past Myspace In Global Visitors For May
http://www.techcrunch.com/2008/06/20/facebook-blows-past-Myspace-in-global-visitors-for-may/
(20.06.2008)
123
Vgl. o.V.: http://www.businessweek.com/magazine/content/05_50/b3963001.htm (28.06.2008)
57
erreicht zu sein scheint um erste Netzwerkeffekte zu generieren, die zum weiteren
Wachstum der Seite beitragen.124 Von daher muss nicht zwingend eine solche Nutzerzahl
erreicht werden um ein Internetunternehmen in die Gewinnzone zu führen. Eine
Mindestgrenze, wann ein Unternehmen mit einem werbefinanzierten Geschäftsmodell
erfolgreich ist gibt es nicht, da auch hier die Kosten entscheidend sind. Soziale Netzwerke
genießen 2008 eine hohe Popularität. Es gibt jedoch auch viele andere Seiten, die ähnliche
Strategien zur Erzeugung von Netzwerkeffekten haben wie beispielsweise Google mit ihrer
Suchmaschine oder ihrer Videoseite Youtube. Ein Rechenbeispiel soll hier die Relation
zwischen den Ausgaben und den Einnahmen durch Werbung verdeutlichen:
Die Serverkosten der von Google für 1,6 Mrd. US-Dollar gekauften Video-Plattorm Youtube
werden pro Monat auf mehr als 3,5 Mio.en US Dollar geschätzt.125 Von daher kann der Kauf
eher mit einer Stärkung der Marktmacht von Google auf Anbieter und Abnehmer von
Werbung, als mit Verbesserung des direkten Gewinns gesehen werden, da trotz hoher
Nutzerzahlen nicht jeder Nutzer auf einen Werbebanner klickt. Die Seitenabrufe müssen
außerdem in Relation zu der Klickrate gesetzt werden, da nur maximal 10% der Besucher
einer Seite auch auf einen Werbebanner klicken. Zudem müssen die Einnahmen pro Klick auf
einen Werbebanner von 10-50 Euro-Cent mit in Betracht gezogen werden. Je bekannter die
Seite desto mehr Marktmacht können die Internetseiten bei den Verhandlungen mit
Werbeanbietern ausüben. Unbekannte Internetseiten können selten mehr als 10 Euro-Cent
pro Click auf den Banner einnehmen (Earn per Click).126 Dagegen kann Google für einen
Werbebanner auf deren Suchseite bei bekannten Suchwörtern pro Klick mehrere Euro
verlangen. Dieser Wert wird in Zukunft noch weiter steigen. Der Erfolg von Google und
deren Werbeeinnahmen beruhen nicht einfach auf dem Anbieten von Werbebannern,
sondern verschiedenen Verbindungen zur Erzeugung von Netzwerkeffekten. Schon 1995,
noch vor dem Markteintritt von Google (1998), hat die Portalseite Yahoo ein
124
Erklärungen zu Netzwerkeffekten finden sich u.a. bei Shuen, Amy: Die Web 2.0 Strategie (2008). Grundlage
hierfür sind die Gesetze von Robert Metacalfe, den Erfinder des Ethernet Netzwerkes, der davon ausgeht, dass
der Nutzen für jeden Konsumenten im Netzwerk mit jedem weiteren Nutzer steigt.
125
http://tomokeefe.com/2008/06/04/monetizing-youtube/ (28.06.2008)
126
Der Blogger Robert Basic hat auf seinem Internetblog mehrfach Rechenansätze für die Werbefinanzierung
geliefert, wonach zwischen 10-30ct pro Klick je nach Bekanntheitsgrad erreicht werden können. Marktführer
wie Google berechnen dagegen durch einen raffinierten Algorithmus aus Platzierung auf der Seite, Häufigkeit
des Suchwortes und Anzahl der Werber bis zu mehrere Euro pro Klick auf einen Werbebanner, wodurch sich
auch die enormen Einnahmen erklären lassen. Blog von Basic, Robert: http://www.basicthinking.de/
58
werbefinanziertes Modell erfolgreich genutzt.127 Google hat jedoch diese Art von Modell
durch verbesserte Suchalgorithmen und die einfache Möglichkeit auch für kleine Firmen
über das Programm „Ad-Words“ Werbung zu schalten perfektioniert. Je nach Wichtigkeit
des Suchbegriffs, dh. Anzahl der Suchabfragen eines Begriffs, wird der Preis der Werbefläche
verkauft. Dieser ändert sich dynamisch. Mit jeder weiteren Suche des Begriffs
(Beispielsweise ist mp3 einer der meistgesuchten Begriffe der letzten Jahre) steigt der Preis
pro Werbefläche. Diese und weitere Dienste ermöglichten die enormen Netzwerkeffekte die
Google generiert hat. Durch diese und weitere Dienste wurde Google zum
Vorzeigeunternehmen, wenn es um ein werbefinanziertes Geschäftsmodell geht. Aber auch
allgemein können die Daten die eine Seite sammelt von Wert für die Werbekunden sein.
Seiten wie die der New York Times sammeln die Daten ihrer registrierten Nutzer und können
durch deren Auswertung zielgruppengenaue Werbeflächen anbieten.
Eine weitere von Rappa genannte Möglichkeit wäre Werbung im Sinne von Stellenanzeigen,
wie sie Monster.com anbietet. Dies wäre auch auf die Musikindustrie übertragbar, wenn
bekannte Seiten Fläche an Labels oder Musikeinzelhändler verkaufen. Im
Technologiebereich wird dies von bekannten Blogs wie Read-Write-Web oder Techcrunch
praktiziert.128 CBS Marketwatch, eine bekannte Nachrichten und Börsenseite, nutzt die neue
Art von Werbespot auf deren Startseite. Jeder Nutzer bekommt zunächst einen kurzen
Werbesport gezeigt, einen „Intromercial“, bevor er den Inhalt der Seite lesen kann.
Weiterhin wird es immer mehr Mischformen von Werbung auf der Seite geben, da sich
dieser Bereich noch in der Wachstumsphase befindet und immer neue Ideen von den
Betreibern probiert werden.
Es gibt jedoch auch rückläufige Tendenzen, die hier erwähnt werden müssen: Die
sogenannte Generation Y, die heute zwischen 10 und 25 Jahre alt ist, ist mit dem Internet
aufgewachsen und klickt weitaus seltener auf Werbebanner, als die breite Masse der Nutzer.
Daraus folgt, dass ein rein werbefinanziertes Modell für statische Internetseiten in Zukunft
nicht unbedingt lukrativ sein muss. Jedoch werden die Möglichkeiten für Werbetreibende
immer mehr verfeinert um auch Nischen bedienen zu können.
127
Vgl. Shuen, Amy: Die Web 2.0 Strategie (2008), S.42ff
128
Vgl. www.readwriteweb.com / www.techcrunch.com
59
In Zukunft wird dieser Bereich stark wachsen und Werbefinanzierung wird das bedeutendste
Geschäftsmodell im Internet darstellen, da nicht nur Musik sondern auch Fernsehen und
Videos über das Internet empfangen werden. 129 Dieses Modell stellt zumindest immer einen
Teil einer ganzheitlichen Internetstrategie für Unternehmen dar.
11.1.3. Das „Infomediary Model“
Unternehmen mit diesem Geschäftsmodell stellen einen neuen Baustein in der Wertkette
dar. Das Unternehmen hat als Aufgabe Daten von Nutzern zu sammeln, durch Cookies oder
direkt auf der Seite, und bietet dann Werbenden an, auf dieser Grundlage die passenden
Werbeflächen zu finden und zu nutzen. Doubleclick war eines der ersten Unternehmen in
diesem Sektor und ist sehr erfolgreich. Dieses Modell wird aber auch von den traditionellen
Marktforschern von Nielsen genutzt. Diese erfassen Daten und Nutzerverhalten im Internet
und Verkaufen die aufbereiteten Daten. In der Musikbranche ist der Nielsen Soundscan zu
nennen.130 Aber auch digitale Payback Karten fallen in diesen Bereich.
Im Musikbereich könnten in Zukunft die Anzahl der Nutzerempfehlungen einen Wert
generieren, der durch eine elektronische Währung handelbar wäre. Heute wird dies nur in
Online Computerspielen wie World of Warcraft131 oder Second Life132 praktiziert, wo
Anwenderwissen und Spielzeit in eine Währung umsetzbar sind. In China wird jedoch von
der Firma Tencent eine virtuelle Währung mit dem Namen „QQ Coin“ gehandelt. Diese ist
mittlerweile wegen der Nicht-Kontrollierbarkeit der Geldmenge durch den Staat verboten
worden.133 Des Weiteren besitzt die Betreiberfirma Tencent auch noch das hier meist
unbekannte aber weltweit größte soziale Netzwerk QQ mit 220 Mio.en Nutzern.134 Damit
können Nutzer im Internet virtuelle Werte generieren und diese nutzen um sie bei
bestimmten Anbietern gegen reale Gegenstände zu tauschen. Damit ergibt sich eine völlig
129
Vgl. Berman, Paul. Battino, Bill. Shipnuck, Lousia. Neus, Andreas: The end of advertising as we know it. In
IBM Institute for Business Value – Media and Entertainment Study (2007). S.8
http://www-03.ibm.com/industries/media/doc/content/resource/business/2898468111.html (10.6.2008)
130
Vgl o.V. Nielsen Soundscan http://www.soundscan.com/ (11.6.2008)
131 Vlg. u.a. o.V.: Mio.en mit "World of Warcraft"
http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/199/67132/ (11.6.2008)
132
www.secondlife.com (11.6.2008)
133
Vgl. o.V.: Virtual currency requires tough new regulations (2007)
http://news.xinhuanet.com/english/2007-02/12/content_5730970.htm (11.6.2008)
134
Vgl. o.V.: QQ outperforms Facebook & Co
http://news.cnet.com/8301-13641_3-9912252-44.html (20.06.2008)
60
neue Art der Bezahlung und die Möglichkeit von Anbieter Lock-In Effekten aus denen höhere
Gewinne für die Unternehmen resultieren. Denn Kunden können ihre Währungen nur
innerhalb einer Plattform eines Unternehmens oder deren Partner nutzen.
China erscheint, nicht zuletzt als erster Markt mit einer geplanten Musikflatrate von Google
als innovativer Markt für die Musikbranche.135 Nach einer Bezahlung per Klick auf einen
Werbebanner könnte auch eine Zahlung pro Empfehlung folgen.136 Die Zahlung und der
Verbreitung der Information wird in Zukunft immer größere Bedeutung zukommen, da auch
virales Marketing durch „Micro-Paymentsysteme“ honoriert werden könnte. Nicht zuletzt ist
dies auf die Musikbranche übertragbar durch die Zahlung von „Early Adopters“ für
Empfehlung und Bekanntmachung von Künstlern. Der Autor und Futurist Gerd Leonhard
propagiert schon seit längerer Zeit, dass die Blogs, die neue Künstler empfehlen, wären die
A&Rs der Zukunft sind, die dann nicht mehr nur durch Werbung sondern auch durch eigene
Empfehlungen mitverdienen können.137
11.1.4. „Merchant Model“ – Händler im Web
Dieses Geschäftsmodell existierte schon zuvor beim Handel mit physischen Gütern auf
traditionellen Märkten. Hierbei erwirtschaften Groß- und Einzelhändler ihre Gewinne durch
den Kauf und Verkauf von Gütern. Bekanntestes Beispiel hierfür ist der Bücherversand
Amazon.com. Massive Kostensenkungen und eine sehr große Auswahl im Vergleich zu
traditionellem Vertrieb über Ladengeschäfte haben Amazon.com erfolgreich gemacht. B2C
und B2B sind klassische E-Commerce Geschäftsfelder und hatten zerstörerische Wirkung auf
Unternehmen, die sich dem digitalen Trend verschlossen haben.138
Virtuelle Händler haben gegenüber traditionellen Unternehmen einen Kostenvorteil jedoch
meist den Nachteil nicht vorhandener Infrastruktur.
135
Vgl. Haskings, Walaika: Google Elbows Into China With Free Music (2008)
http://www.ecommercetimes.com/story/61568.html?welcome=1213797506 (11.6.2008)
136
Vgl. Gerd Leonhard, „Blogs sind die A&Rs der Zukunft“. Bekannte Internetblogs werden für die Empfehlung
der nächsten wichtigen Band bezahlt. Genauso wie auch heute schon Fläche auf bekannten Seiten für eine
Empfehlung im Sinne von Werbung genutzt werden. In Zukunft gewinnt durch die Softwaregestützten
Empfehlungssysteme.
137
Vgl. Ebenda.
138
Vlg Drompeter, Marcus: Joseph A. Schumpeter -Sozialökonomik und gesellschaftliche Entwicklung (2001)
http://www.wiwi.uni-frankfurt.de/professoren/schefold/docs/schumpeter-lang.pdf (11.6.2008)
61
Barnes & Nobel konnte durch die Kombination von traditionellem und digitalem Vertrieb
den Vorteil einer bereits vorhandenen Infrastruktur und Logistik für den digitalen Vertrieb
nutzen.139 Dies nenn man „Clicks & Bricks“ Modell und ist eine Strategie der traditionellen
Unternehmen auch im digitalen Markt Marktanteile zu erwerben.
Digitales Vertreiben von rein digitalen Gütern („Bit Vendor“) wurde das erste Mal von Apple
mit dem „iTunes Music Store“ bekannt. Wobei hier einschränkend erwähnt werden muss,
dass sich der Verkauf von Songs unter einem Euro pro Stück nur durch die
Quersubventionierung mit dem Abspielgerät iPod wirtschaftlich erklären lässt. Dieser
Wettbewerbsvorteil in Kombination mit der vorhandenen Marktdurchdringung durch das
zuvor vermarktete Abspielgerät war der Hauptgrund des Erfolges. Andere Musikplattformen
sind am zu hohen Verkaufspreis und der dadurch zu geringen Nachfrage gescheitert.
11.1.5. „Manufacturer Model“ – Der online Direktvertrieb
Der direkte Vertrieb von physischen Produkten über das Internet ist eine neue Möglichkeit
für die Produzenten sich im digitalen Markt neu zu positionieren. Sie verkürzen damit die
Wertschöpfungskette und deren Mitglieder. Bekanntes Beispiel ist der Computerhersteller
Dell. Dieser konnte durch den Direktvertrieb sehr günstige Rechner anbieten und durch die
direkte Bestellung des Kunden beim Hersteller konnten kostengünstig individualisierte
Komponenten angeboten werden und somit hat dies die Akzeptanz beim Kunden stark
erhöht. Dies war zuvor nur zu sehr viel höheren Kosten oder höherem Aufwand möglich.
Automobilhersteller bieten heute auch diesen Service im Internet zur Konfiguration von
Neuwagen an. Weiterhin gehören zu diesem Geschäftsmodell auch der Vertrieb von
Computerprogrammen, also dem Verkauf und dem Download der Softwarelizenz über das
Internet. Plattenfirmen hatten den Direktvertrieb der Musik ihrer Künstler, wie schon zuvor
erwähnt, auch versucht, sind jedoch an der geringen Katalogtiefe und –breite sowie dem zu
hohen Angebotspreis gescheitert.
139
Vlg. http://www.barnesandnoble.com/ir/index.asp (11.6.2008)
62
11.1.6. Das „Affiliate“ Modell
Das Affiliate-Geschäftsmodell basiert hauptsächlich auf einem Partnernetzwerk der
Hersteller von Produkten. Diese Partner schalten auf eigene Rechnung Werbeanzeigen für
andere Anbieter auf ihren eigenen Seiten oder bei Suchmaschinen wie Google. Anzeigen bei
Google haben den Nachteil hoher Kosten und unklarer Einnahmen bei zu geringer
Marktkenntnis. Werbefirmen versuchen diesen Nachteil durch ihren eigenen
Informationsvorsprung wie beispielweise der Kenntnis der Suchmaschinenalgorithmen zu
nutzen.
Große Seiten suchen sich Partnerschaften oder Partnernetzwerke wie z.B. Zanox aus und
zahlen für den Vertrieb ihrer Produkte einen Anteil an den Werbetreibenden aus („revenue
sharing“). Das Risiko trägt der Werbetreibende. Dieser kann jedoch ohne die Produktion
eigener Produkte einfach vom Verkauf profitieren.
Umgekehrt ist es eine einfache Methode zur Finanzierung von Anbietern rein kostenloser
Informationsplattformen und –Dienstleistungen im Internet. Das Angebot ist jedoch kein
Modell zur vollen Finanzierung eines Angebotes da hier die Einnahmen meist nicht hoch
genug sind. Hierunter fallen auch Bannertausch oder „Pay per Click“. Die Klickraten sind
meist zu gering, ermöglichen aber eine einfach Art Einnahmen zu generieren.
11.1.7. Das „Community Model“
Das “Community-Modell” gab es zwar schon Ende der 90er Jahre, hat aber erst im Zuge von
allgemein verfügbaren Breitbandanschlüssen und stark gesunkenen Internetzugangskosten
an Popularität gewonnen. Anbieter von sozialen Netzwerken bieten nur die
Technologieplattform, der gesamte Inhalt kommt dagegen von den Nutzern selbst in Form
von eigenen Profilen und Themendiskussionen. Anbieter wie Facebook und MySpace
verzeichnen, wie schon im Abschnitt „Advertisement Model“ erwähnt enorme
Zugriffszahlen. Die Plattformen sind für die Nutzer kostenlos. Einnahmen werden durch das
Anbieten von individualisierter Werbung oder durch das Anbieten von Nutzungsprofilen
erwirtschaftet. Neben diesen sozialen Netzwerken zählt auch Open Source Software zu
diesem Geschäftsmodell. Hier wird die Entwicklung eines Programms, wie beispielsweise des
Browsers Firefox einer offenen Gruppe übergeben. Diese entwickelt dann kostenlos die
63
Applikation. Motivation ist hier oft Bekanntheit oder Gruppenzugehörigkeit aber auch
Profilierung für spätere Tätigkeiten. Weitere Firmen sind die Anbieter von Podcast oder
Videoplattformen, die durch ihre Bekanntheit den Preis für Werbung auf ihrer Seite
erhöhen. Das Community Model kann als Teil des werbefinanzierten Geschäftsmodells
gesehen werden. Es wird aber auch zum Beispiel für Forschung und Entwicklung von
Unternehmen genutzt, die Fragen an die Internetgemeinde auslagern und für Antworten
monetäre Anreize bieten.
11.1.8. Das „Subscription Model“ - Abonnements im Internet
Das “Subscription Modell” ist vergleichbar mit einem digitalen Zeitungsabonnement. Der
Nutzer kann für eine, meist monatliche, Gebühr Dienste von Internetanbietern nutzen. Diese
sind jedoch nicht nur auf reinen Text beschränkt. Das Modell lässt sich auf beliebige Dienste
ausweiten. Ein in Deutschland sehr bekannte Plattform, das soziale Netzwerk Xing, war einer
der ersten Anbieter, der einige Funktionen auf seiner Platform nur den zahlenden Kunden
zur Verfügung gestellt hat.140 Zu Beginn des neuen Jahrtausends waren im Internet die
meisten Dienste noch umsonst. Xing nutzt diese Kombination aus kostenlosen und
kostenpflichtigen Dienst schon seit Jahren erfolgreich und ist mittlerweile an der Börse
notiert und eines der deutschen Vorzeigeunternehmen, wenn es um Internetfirmen geht.141
Ein Gegenbeispiel ist hier die New York Times. 142 Die meisten Artikel auf der Internetpräsenz
der NY Times waren nur zahlenden Premium-Kunden zugänglich. Dies hatte, aufgrund hohen
Wettbewerbs der traditionellen Zeitungen im Internet zur Folge, dass viele Nutzer auf
kostenlose Anbieter ausgewichen sind. Durch die sinkenden Nutzerzahlen musste die NY
Times ihre Internetstrategie ändern und stellt nun seit Anfang 2008 alle Artikel kostenfrei zur
Verfügung und finanziert sich nur noch durch Werbung. Bei der gestiegenen Nutzerzahl
dürfte dies zu höheren Einnahmen führen, da so eine weitaus größere Nutzerzahl auf die
Seite kommt.
Die größten Erfolgsaussichten hat das Abo-Modell, wenn der kostenpflichtige Dienst einen
echten Mehrwert für den Nutzer generiert, aber auch schon der für einen Teil der Nutzer
140
Die Mischung von kostenlosem und kostenpflichtigen Inhalten und Funktionen wird unter dem Begriff
“Freemium” verstanden.
141
Vgl. www.xing.com (22.06.2008)
142
Vgl. www.nytimes.com (22.06.2008)
64
kostenlose Inhalt so reizvoll ist, genug Nutzer auf die Seite zu lenken. Andernfalls ist diese
Strategie nicht lohnend.
Dauerhaft haben sich bisher die sogenannten „Freemium“ Modelle eine Kombination von
kostenlosen und kostenpflichtigen Diensten durchgesetzt. Meist werden noch weitere
Einnahmen über Werbung generiert. Weiterhin verfolgen einige Marktteilnehmer wie
Immobilienseiten oder die Gebrauchtwagenplattform Mobile.de die Strategie ihre Plattform
zwar den Privatkunden kostenlos, den Firmenkunden jedoch nur gegen Gebühr zur
Verfügung zu stellen. Rappa teil das Subscription Modell noch weiter ein in:
Content Services, also Anbieter von kostenpflichtigem Inhalt wie Text, Video oder Audio
Daten. Soziale Netzwerke wie Xing.com, LinkeIn.com oder auch Classmates.com, die jedoch
auch noch als eigenes Modell aufgeführt werden und „Trusted services“ wie „Truste“. Man
zahlt für die Zertifizierung der Sicherheit einer Seite eine monatliche Gebühr.
Traditionell werden der Vollständigkeit wegen auch die Internet Service Provider wie AOL
oder T-Online zu diesem Geschäftsmodell gezählt. Diese hatten typischerweise eine Gebühr
pro Stunde oder pro DatenVolumen als Geschäftsmodell. Heute bieten fast alle Internet
Service Provider Flatratmodelle an. Dies könnte mit den Musikunternehmen kombiniert
werden und auch deren Inhalt zu Flatrattarifen angeboten werden.
11.1.9. „Utility Model“
Das „Utility Model“ basiert auf der Abrechnung nach Nutzungshäufigkeit. Dieses Modell wird
traditionell von Wasser- und Stromversorgern genutzt aber auch von
Telekommunikationsunternehmen. Im Gegensatz zum „Subscription“-Modell werden hier
ein genauer Preis und kein Pauschalpreis berechnet. In den USA wird dieses Modell auch als
„Pay as you go“ bezeichnet, was dem Modell von PrePaid-Handy Tarifen entspricht.
Dieser ist meist kundenfreundlicher, da der Kunde genau dafür zahlt, was er auch genutzt
hat. Problematisch bei diesem Modell sind die frühen Internetzugangstarife, da es nicht
möglich war das Internet in heutigem Maße zu nutzen ohne sich enormen Kosten gegenüber
zu sehen. Hier war eine Abrechnung nach der Nutzungshäufigkeit ein großer Nachteil und
ein wirklicher Boom hat im Internet erst seit Flatrate-Zugangsmodellen und starkem
65
Preisverfall eingesetzt. Eine ähnliche Entwicklung ist zurzeit auf dem UMTS Markt zu sehen.
Hier werden die Preise weiter fallen bis jeder Nutzer einen mobilen Breitbandzugang nutzt.
Dies wird dann auch zum Durchbruch von mobilen Diensten wie Music on demand oder
online Chats führen und den iPod und die SMS ersetzen. Im Softwarebereich wird dieses on
Demand Modell schon erfolgreich von Unternehmen wie salesforce.com oder SAP
eingesetzt. Deren Preismodell könnte beispielhaft für eines von verschiedenen neuen
Modellen für die Musikindustrie werden. Anstatt einmalig einen sehr hohen Preis für die
Nutzungsrechte und den physischen Besitz des Datenträgers zu zahlen wird ein monatlich
weitaus geringerer Betrag vom Kunden gezahlt. Dadurch wird eine Nutzung des Dienstes
auch den Kunden möglich, die sich das Produkt eigentlich nicht leisten können. Doch durch
die geringeren Gesamtkosten (TCO) wird dies attraktiv. Im Musikbereich könnten Retailer
direkt auf die Datenbanken der großen Musiklabels zurückgreifen und das Modell des
Einzelhändlers wird zum Affiliate Modell, der nur noch einen Anteil für die Vermarktung der
Musik bekommt. Es könnten wieder die 95% der Musikhörer durch geringe
Nutzungsgebühren gewonnen werden, die heute nicht für den Musikgenuss zahlen.
Im nächsten Abschnitt werden Web 2.0 Plattformen im Detail analysiert. Hier werden sich
die hier vorgestellten Geschäftsmodelle, oft auch in Kombination, als Teil der
Unternehmensstrategie und als Erlösmodell genutzt.
11.1.10. Überblick: Web 2.0 Plattformen mit Fokus Musik
Im Bereich der Internettechnologien haben sich unter dem Schlagwort „Web 2.0“143 neben
dem klassischen Wegen Musik zu entdecken, zu erhalten und/oder zu kaufen, weitere Wege
für den Konsumenten von Musik entwickelt.
Den Beginn dieser neuen Art Musik zu erhalten markierte die P2P-Tauschbörse Napster
1998. Nach deren Verbot und Abschaltung wurde jedoch die P2P-Technologie, die direktes
Tauschen zwischen zwei Computern ermöglicht, von weiteren neuen Plattformen
übernommen. Diese werden fast ausschließlich für das tauschen von illegalen Inhalten
benutzt. Diese waren aber auch schon damals vorwiegend durch ihren kollaborativen
143
Vgl. O´Reilly, T.: What is Web 2.0
http://www.oreillynet.com/pub/a/oreilly/tim/news/2005/09/30/what-is-web-20.html (02.06.2008).
66
Charakter und der vom Nutzer selbst erstellten Inhalte geprägt und können somit im
Nachhinein schon mit dem Begriff Web 2.0 bezeichnet werden.
Im Folgenden werden legale Wege des Musikentdeckens bzw. Musikkonsums im
Zusammenhang mit Web 2.0 identifiziert und analysiert.
Basierend auf bestimmten Kriterien werden Web 2.0 Plattformen mit dem Fokus Musik,
hinsichtlich der Geschäftsidee und dem Ertragsmodell durchleuchtet. Daraufhin werden
unter Miteinbeziehung von Faktoren wie Nutzerzahl, Informationen und dem größten
Potential, die wichtigsten und zukunftsträchtigsten Plattformen identifiziert und im nächsten
Abschnitt analysiert.
Neben den zahlreichen illegalen Wegen, ermittelten wir folgende Liste von legalen
Möglichkeiten Musik zu entdecken und/oder zu konsumieren. Einige Anbieter bewegen sich
in rechtlichen Grauzonen, werden aufgrund des Potentials des Geschäftsmodells trotzdem
analysiert. Auch solche Ideen können Inspirationen liefern und auf legalem Wege sinnvoll
umgesetzt werden. Wegen der Vielzahl an Plattformen und der Schnelllebigkeit im Bereich
Jungunternehmen im Web 2.0, erhebt folgende Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit:
Simfy.de/ Grooveshark.com/ Tunesbag.com/ Mediamaster.com/ Deezer.com/ Last.fm/
Pandora.com/ Reble.fm/ Laut.fm/ Indistr.com/ Mixwit.com / MySpace.de/ Justaloud.de/
Songza.com/ Musicovery.com/ Jamendo.com/ Freemusiczilla.com/ Hypem.com/
Mumate.de/ Streampad.com/ Sideload.com/ Purevolume.com/ Anywhere.fm/ Imeem.com/
Ivoon.com/ Skreemr.com/ Finetune.com/ ILike.com/
Dabei lassen sich aus Nutzersicht fünf Grundideen hinter den Plattformen erkennen. Zudem
existieren Mischformen. In nachfolgender Darstellung wurde zur Einteilung auf den
kommunizierten Hauptnutzen geachtet:
1. (Radio-)Stationen, um Musik zum eigenen Geschmack zu finden
Last.fm
Pandora.com
Musicovery.com
Finetune.com
ILike.com
Laut.fm
67
2. Musik kostenlos erhalten (z.B. Werbefinanziert, Spenden, …)
Deezer.com
Mixwit.com
MySpace.com
Jamendo.com
Mumate.de
Hypem.com
Purevolume.com
Sideload.com
3. Musik kaufen (vor allem independent Acts)
Indistr.com
Justaloud.de
Imeem.com
4. Hochladen und Teilen der eigenen Musik (mit Freunden)
Simfy.de
Grooveshark.com
Tunesbag.com
Mediamaster.com
Reble.fm
Streampad.com
Anywhere.fm
Ivoon.com
5. Suchmaschinen um Musik zu entdecken
Songza.com
Skreemr.com
6.Sonstiges
Freemusiczilla.com (Freemusiczilla ist eine Software, um Musik von bekannten
Plattformen wie z.B. Last.fm herunterzuladen.)
68
Mit diesen neuen Ideen geht auch die Frage nach dem Ertragsmodell und dem
wirtschaftlichen Potential einher. Dabei haben sich vor allem fünf Modelle etabliert. Auch
hier bestehen Mischformen, denn nicht jedes Geschäftsmodell beruht auf lediglich einem
Ertragsmodell.
1. Advertisement Modell:
Deezer.com
Last.fm
Pandora.com
Laut.fm
MySpace.com
Justaloud.de
Musicovery.com
Jamendo.com
Hypem.com
Purevolume.com
Imeem.com
Ivoon.com
Skreemr.com
Finetune.com
ILike.com
2. Subscription Modell:
Last.fm
Musicovery.com
Sideload.com
Purevolume.com
3. Brokerage Modell:
Grooveshark.com
Indistr.com
Justaloud.de
4. Affiliate Modell:
69
Deezer.com
Hypem.com
Anywhere.fm
Skreemr.com
Finetune.com
Musicovery.com
Imeem.com
ILike.com
5. Spenden Modell:
Jamendo.com
Darüber hinaus existieren Plattformen, bei denen bisher kein Ertragsmodell zu entdecken
ist. Hier wird meist zunächst versucht möglichst schnell die „kritische Masse“ 144 zu erreichen,
um erst dann ein Modell zur Generierung von Umsätzen zu implementieren oder den
schnellen „Exit“145 zu vollziehen.
Diese sind:
Simfy.de
Tunesbag.com (In Zukunft ist ein Brokerage Modell geplant.)
Reble.fm (In Zukunft ist ein Brokerage Modell geplant.)
Mediamaster.com
Mixwit.com
Freemusiczilla.com
Mumate.de
Streampad.com
Im nächsten Kapitel sollen die populärsten Web 2.0 Plattformen mit Fokus Musik genauer
untersucht werden.
144
Vgl. Economides, N. & Himmelberg, C.: Critical Mass and Network Evolution in Telecommunications (1994)
http://www.stern.nyu.edu/networks/tprc.pdf (02.06.2008).
145
Verkauf der Plattform an Venture Capital Firmen oder andere Unternehmen.
70
Durch Vergleich der Userzahlen (falls möglich), Analyse des Datenverkehr durch Alexa 146 und
dem Grad der Innovation, haben sich folgende Plattformen als besonders interessant und
zukunftsträchtig erwiesen:147
Last.fm
Grooveshark.com
ILike.com
Musicovery.com
Imeem.com
Deezer.com
Hypem.com
MySpace.com
11.2. Analyse der wichtigsten Web 2.0 Plattformen mit Fokus Musik
Im Folgenden werden die ausgewählten Web 2.0 Plattformen mit dem Fokus Musik näher
betrachtet. Dafür wird deren zu Grunde liegendes Geschäftsmodell analysiert.
Hierfür ist zu klären, was genau unter dem Geschäftsmodell eines Unternehmens zu
verstehen ist.
Es gibt unterschiedliche Interpretationen des Begriffs.
Es wird die Definition nach Patrick Stähler, aus seinem Buch „Geschäftsmodelle in der
digitalen Ökonomie: Merkmale, Strategien und Auswirkungen“ verwendet, die nachfolgend
dargestellt ist:
„Ein Geschäftsmodell ist eine modellhafte Beschreibung eines Geschäftes. Ein
Geschäftsmodell besteht aus drei Hauptkomponenten: Value Proposition, Architektur der
Wertschöpfung und dem Ertragsmodell.
1. Ein Geschäftsmodell enthält eine Beschreibung, welchen Nutzen Kunden oder andere
Partner des Unternehmens aus der Verbindung mit diesem Unternehmen ziehen können.
Dieser Teil eines Geschäftsmodells wird Value Proposition genannt. Es beantwortet die Frage:
Welchen Nutzen stiftet das Unternehmen?
146
Vgl. http://www.alexa.com
147
Vergleiche hierzu die Excel Tabelle „Web 2.0 Plattformen mit dem Fokus Musik im Vergleich“ im Anhang.
71
2. Ein Geschäftsmodell ist gleichzeitig eine Architektur der Wertschöpfung, d.h., wie der
Nutzen für die Kunden generiert wird. Diese Architektur beinhaltet eine Beschreibung der
verschiedenen Stufen der Wertschöpfung und der verschiedenen wirtschaftlichen Agenten
und ihrer Rollen in der Wertschöpfung. Es beantwortet die Frage: Wie wird die Leistung in
welcher Konfiguration erstellt?
3. Neben dem Was und dem Wie beschreibt das Geschäftsmodell auch, welche Einnahmen
das Unternehmen aus welchen Quellen generiert. Die zukünftigen Einnahmen entscheiden
über den Wert des Geschäftsmodells und damit über seine Nachhaltigkeit. Es beantwortet
die Frage: Wodurch wird Geld verdient? Dieser Teil des Geschäftsmodells heißt
Ertragsmodell.“148
Um einen ausführlichen Eindruck der einzelnen Plattformen erhalten zu können, werden im
Folgenden die zuvor dargelegten drei Teilbereiche des jeweiligen Geschäftsmodells
bewertet. Zudem werden zu jeder Plattform allgemeine Informationen und deren zukünftige
Strategien, falls möglich aufgezeigt.
11.2.1. Last.fm
Allgemeine Informationen:
Last.fm ist ein soziales Netzwerk mit dem Fokus auf personalisierten Musikempfehlungen.
Die Plattform ist aus den zwei sich nebeneinander her entwickelnden Projekten
Audioscrobbler und Last.fm, entstanden.
Audioscrobbler wurde 2002 als Informatikprojekt von Richard „RJ“ Jones an der Universität
Southampton in England begonnen und diente dazu auf einem registrierten Computer
gespielte Musik zu protokollieren.149
Zur gleichen Zeit gründeten die österreichischen und deutschen Staatsbürgern Felix Miller,
Michael Breidenbruecker, Martin Stiksel, und Thomas Willomitzer Last.fm, eine
Internetradio Station und Musik Community Seite. Die Profile der verschieden Nutzer
148
Stähler, P.: Geschäftsmodelle in der digitalen Ökonomie: Merkmale, Strategien und Auswirkungen (2001) S.
41f.
149
Vgl. Hammersley, B.: Audioscrobbler
http://www.oreillynet.com/xml/blog/2003/03/audioscrobbler.html (02.06.2008).
72
wurden dabei miteinander verglichen, um dadurch geschmacklich passende dynamische
Wiedergabelisten zu generieren. 150
2003 zogen die beiden Projekte in gemeinsame Büros in Whitechapel, London und
arbeiteten eng zusammen, um Last.fm weiter zu entwickeln.
Seit 2006 ist die Seite neben der englischen, auch in einer japanischen und in einer
deutschen Fassung verfügbar.151
Durch den Erfolg und die hohen Zugriffszahlen wurde last.fm am 30.5.2007 für 280 Mio.en
Dollar an das amerikanische Unternehmen CBS Corporation verkauft.152
Derzeit hat Last.fm ca. 21 Mio.en aktive Nutzer und ein Team bestehend aus 80
Mitarbeitern.153
Value Proposition:
Last.fm basiert auf „sozialer Software“154, die entwickelt wurde, um den Nutzern auf Basis
ihrer Hörgewohnheiten neue Musik, Menschen mit ähnlichem Musikgeschmack, Konzerte in
ihrer Umgebung und Musikvideos empfehlen zu können.
Die Hörgewohnheiten werden dabei mit dem sogenannten „Audioscrobbler“ ermittelt.
Hierbei werden über eine heruntergeladene Software alle gehörten Lieder des jeweiligen
Nutzers registriert und gespeichert. Seit Mitte 2007 funktioniert dies zudem bei allen
Liedern, die von dem Nutzer auf dem iPod oder dem iPhone gehört werden.155
Architektur der Wertschöpfung:
150
Vgl. O´Connor, R.: Business big shots: Richard Jones
http://business.timesonline.co.uk/tol/business/industry_sectors/media/article1862587.ece (02.06.2008).
151
Vgl. Röttgers, J.: Mehr Komfort für Musikempfehlungen http://www.netzwelt.de/news/74981-mehr-
komfort-fuer-musikempfehlungen.html (02.06.2008).
152
Vgl. Ihlenfeld, J.: CBS kauft Last.fm für 280 Mio.en US-Dollar
http://www.golem.de/0705/52555.html (28.05.2008).
153
Vgl. o.V.: AOL und Last.fm kooperieren europaweit bei dem Betrieb von AOL Radio
Kooperation ergänzt die kürzlich getroffene Vereinbarung zwischen AOL und CBS Radio in den USA
http://www.presseportal.de/pm/8168/1186888/aol_deutschland_medien_gmbh (07.06.2008).
154
Vgl. Brückmann, B.: Web 2.0–Social Software der neuen Generation
http://www.sciencegarden.de/content/2007-02/web-20%25E2%2580%2593social-software-der-neuen-
generation (01.06.2008).
155
Vgl. Hieber, C.: Last.fm mit iPod-Unterstützung
http://www.ifun.de/content/view/3363/2/ (25.05.2008).
73
Last.fm generiert den Nutzen durch das zur Verfügung stellen ihrer Plattform. Diese enthält
interessante Funktionen, die den Nutzern vor allem das Entdecken von neuer Musik
erleichtert.
Folgende Funktionen sind auf Last.fm implementiert:
Funktionen:
Nutzerprofil:
Gängige Informationen: Bild, Wohnort, Name, Freunde, Gästebuch,
Webseite, usw.
Interaktionsmöglichkeiten: Als Freund hinzufügen, Nachricht senden
Ausführliche Informationen über den Musikgeschmack: Basierend auf dem
Audioscrobbler, werden Charts, Playlisten, personalisierte Radiostationen und
die meist gehörten Lieder und Künstler vom Nutzer angezeigt.
Blog: Jeder Nutzer kann einen eigenen Blog schreiben. Dieser kann von
anderen Benutzern per RSS Feed abonniert werden.
Künstlerprofil: Die Künstler werden von den Nutzern selbst in Form eines Wikis
erstellt.
Gängige Informationen: Bilder, ähnliche Künstler, Titel die abgespielt werden
können, Hörer, Tags, Gästebuch, nächste Konzerte, Videos, Alben
Ausführliche Informationen darüber, wie oft der Titel, wann und von wem
gehört wurde.
Direkte Suche nach Künstlern, Alben, „Tags“156, Labels, Nutzern und Videos: Dies
geschieht über eine einfache Suchmaske. Musikstücke können von den jeweiligen
Nutzern verschlag wortet werden. Somit sind z.B. das Suchen nach Stimmung oder
Genre möglich.
Bilden von Gruppen: Zum Beispiel zu bestimmten Künstlern, Serien und Festivals.
Veranstaltungen: Der Nutzer kann direkt nach Veranstaltungen suchen oder kann
sich Events passend zu seinem Musikgeschmack empfehlen lassen. Die
Eventdatenbank wird dabei von Plattformnutzern, Künstlern und Labels selbst
erzeugt.
Besondere Funktionen:
156
Ein Tag ist ein Schlagwort oder auch „Etikett“, um Daten besser zu beschreiben. Beispielsweise kann ein
Musikstück mit dem Schlagwort „Rock“ gekennzeichnet sein und ist somit eindeutig als Rocklied erkennbar.
74
„Widgets“157: Es können verschieden Widgets implementiert werden:
eigene Playlist
eine Zusammenstellung aus den individuellen Lieblingsalbencover
die eigenen Charts.
„Taste-O-Meter“, um den eigenen Musikgeschmack mit dem seiner Freunde zu
vergleichen.
Anzeige, welche Lieder der Nutzer gerade hört.
Empfehlungsmechanismen:
Angesagteste Künstler, angesagteste Titel: Durch Prozentangaben wird hier gezeigt,
wie sehr sich der Konsum dieses Künstlers oder dieses Titels in der letzten Woche im
Vergleich zur vorherigen Woche erhöht hat.
Top Videos und Top Titel der letzten Woche: Hier wird im Gegensatz zum vorherigen
Punkt die absolute Zahl gemessen.
Wochencharts für kostenlose Downloads: Hier werden die kostenlosen Downloads
nach der Downloadhäufigkeit geordnet dargestellt.
Radiostationen: Durch Eingabe eines Künstlers wird eine Radiostation mit ähnlichen
Künstlern erstellt und abgespielt.
Nutzer und deren Hörgewohnheiten: In jedem Nutzerprofil werden dessen Top-
Künstler der Woche, die Top-Künstler über den gesamten Zeitraum und die Top-Titel
über den gesamten Zeitraum angezeigt.
Playlisten: Diese müssen aus mindestens 15 Liedern bestehen. Die Musikstücke
werden aus rechtlichen Gründen in beliebiger Reihenfolge abgespielt. Nutzer können
sich die Playlisten anderer Nutzer anhören und dadurch neue Musik entdecken.
Personalisierte Empfehlungsmechanismen:
Suche von musikalischen Nachbarn: Auf Grund der eigenen musikalischen
Hörgewohnheiten werden Nutzer empfohlen, die fast den gleichen Musikgeschmack
haben. Durchsucht der Nutzer deren Profil, stößt er oftmals auf Musik, die auch ihm
gefällt.
157
Vgl. o.V.: Widget http://www.itwissen.info/definition/lexikon/Widget-widget.html (27.05.2008).
75
Personalisierte Radiostationen: Basierend auf den eigenen Hörgewohnheiten wird
eine Playlist von ähnlichen Künstlern abgespielt.
Gemeinsamer Musikgeschmack: Dem Nutzer wird bei dem Besuch einer anderen
Nutzerseite sofort angezeigt, wie stark der Musikgeschmack übereinstimmt.
Direkte Empfehlung: Nutzer können während ein Lied abgespielt wird, durch einen
Klick auf den Button „Weiterempfehlen“, dieses Musikstück direkt einem anderen
Nutzer anpreisen.
Weiterhin verfügt Last.fm über viele partnerschaftliche Beziehungen, um Musik anbieten
bzw. verkaufen zu können und die eigene Bekanntheit zu steigern.
Verkaufspartner sind Apples ITunes, Amazon und 7 Digital.
Zudem bestehen Partnerschaften mit EMI, Warner Music Group, Universal Music Group, CD
Baby, The Orchard und IODA sowie mit 150.000 Independent Künstlern und Labels. 158
Seit Juni 2008 hat Sony BMG sein Repertoire für Last.fm gesperrt, bis bessere Konditionen
vereinbart sind. Bis dahin darf kein Künstler von Sony BMG auf Last.fm abgespielt werden.159
Last.fm kooperiert seit Mai 2008 mit AOL. Im Rahmen der Partnerschaft betreibt Last.fm das
Online-Radio von AOL.
„Der Zusammenschluss der AOL Radio-Nutzer mit den 21 Mio. aktiven Last.fm-Besuchern
weltweit schafft somit eine Online Musik Community von bedeutendem Ausmaß. Die
Kooperation wird zunächst in Großbritannien, Frankreich und Deutschland gestartet und
dann in den kommenden Monaten europaweit auf den Markt gebracht.“160
Weiterhin übernimmt der Musikmarkt seit Januar 2008 die Trend-Charts von Last.fm.
Auch hierdurch wird deutlich, welche Wichtigkeit und Größe Last.fm besitzt bzw. der
Plattform zugesprochen wird.161
Ertragsmodell:
158
Vgl. Greif, B.: Last-fm startet kostenlose On-demand-Musikplattform
http://www.zdnet.de/news/tech/0,39023148,39160980,00.htm (12.05.2008).
159
Vgl. Hansell, S.: The Warner Music Ends at Last.FM
http://bits.blogs.nytimes.com/2008/06/06/the-warner-music-ends-at-lastfm/ (25.05.2008).
160
o.V.: AOL und Last.fm kooperieren europaweit bei dem Betrieb von AOL Radio Kooperation ergänzt die
kürzlich getroffene Vereinbarung zwischen AOL und CBS Radio in den USA
http://www.presseportal.de/pm/8168/1186888/aol_deutschland_medien_gmbh (07.06.2008).
161
Vgl. Haglmüller, M.: Musikmarkt übernimmt Trend-Charts von Last.fm
http://www.pressetext.at/pte.mc?pte=080109037 (27.04.2008).
76
Das Ertragsmodell von Last.fm setzt sich aus vier unterschiedlichen Teilen zusammen:
1. Advertisement Modell: Werbebanner sind auf den Unterseiten implementiert. Sie bieten
dabei zielgerichtete Werbung für Labels und Agenturen an. Durch die registrierten Lieder ist
ein fast perfektes „One-to-One-Marketing“ im Bezug auf Musik möglich.
2. Brokerage Modell: Last.fm partizipiert zum Beispiel am Verkauf von Konzertkarten.
3. Subscription Modell: Es besteht die Möglichkeit, den Last.fm-Dienst kostenpflichtig zu
abonnieren. Als Gegenleistung erhält der Abonnent eine werbefreie Oberfläche, priorisierte
Radiostreams sowie verschiedene weitere personalisierte Radios. Zurzeit (Stand: Mai 2008)
kostet dieser Service 2,50 Euro pro Monat.
4. Affiliate Modell: Last.fm partizipiert am Verkauf von Musikdownloads über
Partnerplattformen.
Zukünftige Pläne und Strategien
Durch die großen Erfolge in den letzten Jahren, die großen Nutzerzahlen (21 Mio. User
weltweit + 19 Mio. User durch externe Anwendungen162) und den Aufkauf durch CBS,
erlangte Last.fm eine große Bekanntheit. Diese wird genutzt, um selbst Musik anbieten zu
können. So besteht seit Januar 2008 ein On-Demand-Streaming Angebot mit Mio.en von
Liedern.
Hierfür stellen Labels ihre Musik zur Verfügung und sollen für jedes gespielte Lied entlohnt
werden. Daran können auch Künstler ohne Plattenvertrag partizipieren und ihre Musik über
Last.fm vertreiben. Das Modell ist derzeit in der Beta Phase und wird durch Werbung und
Kaufempfehlungen finanziert. Großer Nachteil ist bisher, dass jeder Titel nur drei Mal
„gestreamt“ werden kann. Im Anschluss daran wird auf ein „Subscription Modell“
hingewiesen, das in Zukunft erscheinen wird bzw. der User kann den Titel bei einem Partner
kaufen. Dieser Service ist derzeit nur in Großbritannien, Amerika und Deutschland
verfügbar.163
Zudem haben sich die Entwickler von Last.fm entschlossen, die Schnittstellen der Plattform
wie bei Facebook zu öffnen. Sie gehen davon aus, dass der Dienst, wenn er dezentral
162
Vgl. Postinett, A.: Last.fm verdoppelt Nutzerzahl
http://www.handelsblatt.com/technologie/it-internet/last-fm-verdoppelt-nutzerzahl;1400008 (01.07.2008).
163
Vgl. Anderson, N.: Why Last.fm's free music won't replace your music collection
http://arstechnica.com/news.ars/post/20080123-last-fm-offers-free-major-label-streaming-with-
limitations.html (03.04.2008).
77
gestaltet und verfügbar ist, sich schneller verbessert und mehr neue Nutzer generiert.
Last.fm stellt unter build.last.fm eine Galerie mit allen Drittanwendungen ins Netz, die
dessen offene Schnittstellen nutzen. Dort befinden sich von externen Entwicklern
programmierte Desktop-Anwendungen und Musikspieler-Erweiterungen, die Musikprofile
an die Last.fm-Datenbank weiterreichen. 164
Last.fm möchte zudem in den mobilen Sektor eintreten. Auch im Bereich von Spielekonsolen
möchten sie zukünftig partizipieren. Letztlich soll der Nutzer durch ein Abonnement sein
persönliches Musikprofil auf alle Web-Plattformen und Endgeräte mitnehmen können.165
Auch im Livegeschäft hat Last.fm mit Bowerty Presents einen Partner gefunden. Bowerty
Presents ist eine Konzert Promotion Firma die viele Konzertstätten in Amerika besitzt. Die
Idee hinter der Kooperation ist, dass Bands die viel positive Resonanz auf Last.fm erhalten,
auf Tour geschickt werden.166
Derzeit befindet sich eine neue Version von Last.fm in der Beta Phase. Die neuen Funktionen
scheinen zunächst nicht revolutionär, sondern stellen vielmehr Überarbeitungen der schon
bestehenden Möglichkeiten dar.
So gibt es in Zukunft eine verbesserte Version der Audioscrobbler Software und eine
komplett einsehbare Musikbibliothek. Somit kann der Nutzer in Zukunft alle gehörten Songs
einsehen.
„Der Relaunch erfolge, um die Online-Musik noch einfacher zugänglich, besser und
erfassbarer zu machen, heißt es im offiziellen Last.fm-Blog.“167
Zudem sollen die persönlichen und offiziellen Charts nicht mehr nur wöchentlich, sondern in
Echtzeit generiert werden. Der Musikplayer wurde verbessert und durch Activity Feeds soll
der Nutzer nun noch besser darüber informiert werden, was die Freunde gerade machen
bzw. hören.
164
Vgl. o.V.: Last.fm startet Website für Erweiterungen http://www.heise.de/newsticker/Last-fm-startet-
Website-fuer-Erweiterungen--/meldung/104582/from/rss09 (29.05.2008).
165
Vgl. Postinett, A.: Last.fm verdoppelt Nutzerzahl
http://www.handelsblatt.com/News/Technologie/IT-Trends-
Internet/_pv/_p/204016/_t/ft/_b/1400008/default.aspx/lastfm-verdoppelt-nutzerzahl.htm (29.04.2008).
166
Vgl. Van Buskirk, E.: Last.fm Jumps Into Live Music with Bowery Presents
http://blog.wired.com/music/2008/06/lastfm-jumps-in.html (30.06.2008).
167
o.V.: Musikplattform Last.fm bastelt an neuer Version
http://www.computerwoche.de/knowledge_center/web/1864862/ (02.07.2008).
78
Am meisten hat sich bisher das Design verändert, was nun das typische rot vermissen lässt
und deutlich schlichter und moderner erscheint. Insgesamt soll dadurch die Plattform an
Einfachheit und Benutzerfreundlichkeit gewinnen.168
Fazit
Last.fm ist insgesamt durch seine innovative Idee des Audioscrobblers, die große Anzahl an
Nutzern, seine gut entwickelte Plattform mit vielen interessanten Funktionen und Widgets,
die zudem dezentrale Orientierung und letztlich durch die umfassenden Kooperationen mit
Major-Labels, über 150.000 Künstlern und Independent Labels, eine der zukunftsträchtigsten
Plattformen aus dem Bereich Web 2.0 mit Fokus Musik.
11.2.2. Grooveshark
Allgemeine Informationen
Grooveshark wurde 2006 von drei Studenten der Universität Florida gegründet. Sie haben es
sich zum Ziel gesetzt, das einfache, intuitive, Spaß bereitende Kaufen von Musik im Internet
zu ermöglichen.
Derzeit arbeiten 40 Menschen an Grooveshark, um die, nach eigenen Worten, beste
Musikerfahrung im Internet zu erschaffen.169
Insgesamt stellt Grooveshark eine Mischung aus Last.fm, Limewire und ITunes dar.
Value Proposition
Grooveshark ist eine Plattform, auf der Nutzer ihre eigene Musik hochladen, um von überall
darauf zugreifen zu können, diese besser zu organisieren, eigene Playlisten zu erstellen,
Musikempfehlungen zu erhalten und DRM-freie MP3s zu kaufen.
Durch den Grooveshark Lite Player können Nutzer zudem Musik eines bestimmten Künstlers
oder direkt Titel abspielen (muss nicht die eigene Musik sein).
168
Vgl. Ebenda.
169
Vgl. o.V.: Company Overview This is how we live http://www.grooveshark.com/about (01.06.2008).
79
Architektur der Wertschöpfung
Der zuvor beschriebene Nutzen wird vor allem durch die zur Verfügung gestellte Plattform
generiert.
Deren Features werden im Folgenden genau dargestellt und erläutert:
Funktionen:
Nutzerprofil:
Informationen: Bild, Name, Anzahl an Liedern in der Bibliothek, Freunde,
Playlisten, Gästebuch, usw.
Interaktionsmöglichkeiten: Nachricht schreiben, als Freund hinzufügen
Nicht so ausführlich und detailliert, wie z.B. auf Last.fm oder MySpace.
Künstlerprofil:
Informationen: Name, Freunde, Tags, Lieder, ähnliche Musik, Gästebuch,
usw.
Nicht so ausführlich und detailliert, wie z.B. auf Last.fm oder MySpace.
Suche nach Liedern, Alben, Künstlern, Nutzern, Playlists, Genres, Tags: Die Suche
erfolgt über eine intuitive Suchmaske.
Eigene Playlists: Jeder Nutzer kann sich eigene Playlists erstellen. Auch die Playlisten
anderer Nutzer können angehört werden.
Eigene Musikbibliothek: Hier bekommt der Benutzer eine gute Übersicht über alle
seine eigenen hochgeladenen Musikstücke. Diese kann er durch „Taggen“ und
Bewerten besser organisieren.
Kauf von MP3s: MP3s kosten 99 Cent.
Besondere Funktionen:
Grooveshark Lite: Grooveshark Lite ist ein im Browser integrierter Webplayer. In
diesem können bekannte und unbekannte Lieder abgespielt werden. Der Player ist
intuitiv und übersichtlich gestaltet und ist folglich geeignet, schnell eine Playliste zu
erstellen und bestimmte Musikstücke bzw. Künstler anzuhören. Der Nutzer kann
damit seine eigene Musik und sämtliche Lieder, die von der Grooveshark-Community
hochgeladen wurde anhören. Zudem erhält jeder Song eine individuelle URL, die
80
Nutzer per Email an Freunde schicken können, um diesen Song zu empfehlen. Aus
Grooveshark Lite können Nutzer zudem ihre bisherigen Playlisten durch Lieder
ergänzen oder neue Playlisten erstellen.
Empfehlungsmechanismen:
„Grooveshark Billboard“: Die am meisten gespielten Lieder werden aufgelistet.
Neue Nutzer: Neue Nutzer werden vorgestellt. Zudem wird prominent aufgezeigt,
wie viele Titel sie bisher schon hochgeladen haben.
Ähnliche Musik: Zu jedem Lied werden dem Nutzer ähnlich klingende Lieder
empfohlen.
„Featured Playlists“: Dem User werden auf der rechten Seite Playlisten empfohlen.
Playlisten von anderen Nutzern: Durch das Erstellen von Playlisten zeigen User,
welche Musik sie gerne hören. Ist ein User auf dem Profil eines anderen, kann er
dessen Playlisten anhören und dadurch neue Musik entdecken.
Tagcloud: Um neue Musik an Hand von Schlagwörtern zu entdecken.
Personalisierte Empfehlungsmechanismen:
Erschaffe einen Mix: Durch das Anklicken von Liedern aus der eigenen
Musikbibliothek, wird daraufhin durch den Klick auf „Create Mix“, ein Mix aus ähnlich
klingenden Liedern erstellt.
Um den Nutzen zu generieren, versucht Grooveshark möglichst viele Verträge mit Labels zu
schließen. Bisher arbeiten einige hundert Plattenfirmen mit Grooveshark zusammen,
etablierte Labels fehlen jedoch. Trotzdem sind deren Titel schon auf der Plattform
vorhanden. Grooveshark erklärt, dass sie die Einnahmen, die mit diesen Musikstücken
generiert werden zurückhalten. Grooveshark übergibt die Erlöse, sobald das Label ihnen die
81
Lizenzen übergibt. Falls Label die Titel von der Plattform entfernt haben möchten, kommt
Grooveshark auch dieser Forderung nach.170
Nach einem Beitrag von Venture Beat agieren die Major-Labels bisher nicht, weder positiv
noch negativ, und beobachten die zukünftige Entwicklung von Grooveshark. 171
Eine Liste der bisherigen Labels ist unter http://www.grooveshark.com/labels-list
einzusehen.
Ertragsmodell
Groovesharks Ertragsmodell basiert auf dem Brokerage Modell. So partizipieren sie an den
Verkäufen der MP3s über die Plattform.
Chief Technology Officer von Grooveshark, Josh Greenberg, erläutert die Verteilung der
Erlöse folgendermaßen:
„Grooveshark splits its profit with the users 50/50 after the royalties, fees, and other
expenses for a given download have been paid out. For example, if a user downloads a $.99
track, we may have to pay $.60 in licensing fees and $.03 in transaction fees, leaving $.36 to
be split evenly between Grooveshark and the user who is "recompensated" for the download.
The system determines which user to recompensate based on things such as purchase
history, community contributions, and number of songs uploaded."172
Grooveshark verfolgt damit einen Weg, bei dem Labels, Nutzer und Grooveshark profitieren.
Zudem wird durch dieses Modell die Aktivität der Nutzer extrinsisch motiviert.
Fazit
Grooveshark ist eine innovative Idee, um jeden an den Verkaufserlösen von Musik
partizipieren zu lassen - Den Künstler, das Label, den Nutzer und Grooveshark selbst.
Trotzdem fehlt der Plattform derzeit Unterstützung, sowohl von den Major-Labels als auch
von großen Investoren. Deswegen ist noch nicht erkennbar, wie erfolgreich diese Plattform
170
Vgl. Morrison, C.: Grooveshark offers P2P music downloads — but is it legal?
http://venturebeat.com/2007/12/05/grooveshark-offers-p2p-music-downloads-but-is-it-legal/ (13.04.2008).
171
Vgl. Morrison, C.: Grooveshark offers P2P music downloads — but is it legal?
http://venturebeat.com/2007/12/05/grooveshark-offers-p2p-music-downloads-but-is-it-legal/ (13.04.2008).
172
Finlayson, G.: Grooveshark takes to the Web with new incarnation
http://www.downloadsquad.com/2008/04/16/grooveshark-takes-to-the-web-with-new-incarnation/
(18.04.2008).
82
in Zukunft sein wird - Revolution der Musikdistribution oder lediglich ein weiterer
gescheiterter Versuch?
Die Plattform bietet im Gegensatz zu Last.fm weitaus weniger personalisierte Empfehlungen
und ist noch nicht ausgereift.
Grooveshark Lite ist ein interessantes Werkzeug, um schnell und einfach nahezu sämtliche
Musik zu streamen. Hier besteht keine Begrenzung wie beispielsweise auf Last.fm.
11.2.3. ILike.com
Allgemeine Informationen
ILike ist nach eigenen Angaben „the Web's leading social music discovery service“ 173.
Seit 2006 arbeiteten die Entwickler an ILike, einer Sidebar für ITunes und Windows Media
Player, mit einer angeschlossenen gleichnamigen Community. Derzeit haben sie ihren Sitz in
Seattle.
Vor allem durch eine Applikation für Facebook haben sie Mitte 2007 einen enormen
Nutzerzuwachs bekommen und haben derzeit rund 25 Mio.en Nutzer.174
Value Proposition
Ihr Nutzerversprechen wird durch die Werbebotschaft deutlich: „Discover new music with
friends.“175 ILike will es dem Nutzer ermöglichen, eigene Musik und selbsterstellte Playlisten
weiterzuempfehlen, neue Lieder und Künstler passend zum eigenen Geschmack zu
entdecken und interessante Informationen zu den Lieblingskünstlern zu erhalten.
Architektur der Wertschöpfung
173
o.V.: About iLike http://www.iLike.com/about (06.04.2008).
174
Vgl. Weigert, M.: iLike wird für Last.fm zur Bedrohung - Dank Facebook
http://netzwertig.com/2007/07/03/zn-iLike-wird-fur-lastfm-zur-bedrohung-dank-facebook/ (14.06.2008).
175
o.V.: iLike. Great minds think iLike. http://www.iLike.com/ (18.05.2008).
83
Die Basis für den Dienst um die „Value Proposition“ zu generieren, bildet ein iTunes- und
Windows Media Player Plug-In. Dieses sammelt Informationen zu den Hörgewohnheiten von
allen ILike-Nutzern und wertet diese aus. Es erinnert zunächst stark an den Audioscrobbler
von Last.fm. Im Gegensatz zu diesem birgt das Plug-In von ILike jedoch weitaus mehr
Funktionen. Diese sind unter dem Punkt „Besondere Funktionen“ aufgeführt.
Im Folgenden werden sämtliche Funktionen innerhalb von ILike aufgezeigt.
Funktionen:
Nutzerprofil:
Informationen: Bild, Name, Alter, Wohnort, Geschlecht, Freundesliste,
Gästebuch
Ausführliche Informationen über Hörgewohnheiten: Zuletzt gehörtes Lied,
am meisten gehörter Künstler, oft gehörte Musikstücke, Künstler die der
Nutzer mag, Lieder die der Benutzer zur Musikbibliothek hinzugefügt hat
Musikgeschmackübereinstimmung: Hier wird wie bei Last.fm, auf Grund der
Hörgewohnheiten gezeigt, inwieweit der Musikgeschmack zwischen Nutzern
übereinstimmt.
Interaktionsmöglichkeiten: Nachricht senden, als Freund hinzufügen
Künstlerprofil:
Informationen: Lieder (meist nur 30 Sekunden lange Ausschnitte), Videos,
Aussagen von Nutzern zur Band, Leute die die Band mögen, Tourdaten, Alben,
ähnlich klingende Künstler, usw.
Blog: Künstler können einen eigenen Blog schreiben.
Suchen nach Künstlern, Liedern und Nutzern: Diese erfolgt über eine intuitive
Suchmaske.
84
Besondere Funktionen:
Letzte Künstler Updates: Hier erhält der Nutzer Neuigkeiten über seine favorisierten
Künstler. Diese kann sich der Nutzer zudem als RSS Feed abonnieren.
Eine weitere Besonderheit, im Fall von ILike, ist das schon zuvor angesprochene innovative
Plug-In. Nach dem Herunterladen des Plug-Ins, erscheint eine ILike-Sidebar im iTunes oder
Windows Media Player und bietet anschließend dem Nutzer folgende Möglichkeiten:
Zusätzliche Informationen zu Künstlern, innerhalb des Musikplayers, während der
Nutzer deren Musik hört, zum Beispiel Bilder, Videos, Konzerte, Neuigkeiten, usw.
Erstellen einer Playliste mit Künstlern und Liedern, die der Nutzer besitzt, passend zu
dem Künstler, den er gerade hört.
Musikempfehlungen, die geschmacklich zum gerade gehörten Künstler passen mit
direktem Link zu iTunes, um Titel zu kaufen.
Kostenlose Downloads von neuen Künstlern. Diese werden von der Plattform
„Garage Band“ integriert.
Informationen darüber, was die eigenen Freunde gerade hören.
Teilen von iTunes Playlists mit Freunden.
Empfehlungsmechanismen:
Weiterempfehlen von Liedern: Dieses geschieht zum einen durch einen „Broadcast
Button“ direkt unter jedem Song und zum anderen durch das Versenden einer Email.
Fastest spreading Songs: Hier werden die am meisten gehörten Lieder aufgezeigt.
Fastest spreading „Garage Band“ Songs: Hier werden die meist gehörten „Garage
Band“ Lieder aufgelistet.
Fastest moving Artists: Hier werden die Künstler, die am meisten Konzerte spielen
aufgezeigt.
Fastest moving „Garage Band“: Wie zuvor genannter Punkt, jedoch begrenzt auf
Garage Band Künstler.
Lieder und Künstler die heute bzw. diese Woche am häufigsten zu iTunes bzw.
Windows Media Player hinzugefügt wurden.
85
Ähnliche Künstler: Ist der Nutzer auf einer Künstlerseite, werden ihm ähnliche
Künstler angezeigt. Zudem erhält er eine Liste von „Garage Band“ Künstlern die
ähnlich klingen.
Personalisierte Empfehlungsmechanismen:
Lieder von Freunden und vom Musikgeschmack passenden Personen: Hier werden
dem Nutzer Lieder vorgestellt, die meist 30 Sekunden vorgehört werden können.
Zudem besteht eine direkte Weiterleitung zu iTunes und Amazon, um diese zu
kaufen.
Personen mit gleichem Musikgeschmack: Hier werden dem Nutzer, an Hand der
eigenen Hörgewohnheiten anderer Nutzer mit ähnlichem Musikgeschmack
vorgestellt. Die Hörgewohnheiten basieren auf den in iTunes und Windows Media
Player gehörten Lieder bzw. den Bewertungen, die für Musikstücke abgegeben
werden.
Konzerte: An Hand der eigenen Hörgewohnheiten, werden dem Nutzer Konzertdaten
von Bands, die dieser gerne hört, angezeigt.
Neben interessanten Features für „normale“ Nutzer von ILike, bestehen interessante
Features für Labels und Künstler.
So können Künstlerseiten auf verschiedenen Social-Communities wie Facebook, Bebo, Hi5,
Ask und MySpace über ein Dashboard auf ILike zentral gesteuert werden.
Kennzeichen sind:
Unbegrenzter Speicher für Musikuploads.
Fans können die Musik der Künstler in ihre eigenen Profile integrieren.
Fans können anzeigen, zu welchen Konzerten des Künstlers sie gehen.
Hochladen von Fotos und Videos auch per Mobiltelefon möglich.
Künstler erhalten Statistiken über die Profilaufrufe.
Eigenen Aussagen zufolge nutzen beispielsweise die Künstler 50Cent, Avril Lavigne und
Death Cap for Cutie dieses zuvor beschriebene System.176
176
Vgl. o.V.: Artists: reach your fans on Facebook and iLike http://www.iLike.com/account/artist_signup
(30.05.2008).
86
Ertragsmodell
Das Ertragsmodell von ILike beruht auf zwei Säulen:
1. Advertisement Modell: Über ein Formular kann sich jeder als Werbender bei ILike melden
und sein Marketingbudget angeben. Für die Platzierung von Anzeigen auf der Plattform
erhält ILike Geld.
2. Affiliate Modell: An verschiedenen Orten auf der Plattform und im Musikplayer erhält der
Nutzer die Möglichkeit Lieder über ITunes bzw. Amazon zu kaufen. Von dem Verkaufserlös
erhält ILike einen Anteil.
Fazit
ILike ist eine interessante Web 2.0-Plattform mit Fokus Musik. Sie ähnelt auf Grund der
personalisierten Empfehlungen und dem Registrieren von angehörten Liedern Last.fm.
Die Anzahl von 25 Mio.en Nutzern und der Alexa-Rang von 2927 verdeutlicht die Wichtigkeit
und Bekanntheit dieser Plattform.177
Im Gegensatz zu anderen Web 2.0-Plattformen ist ILike vollkommen legal und bewegt sich in
keiner rechtlichen Grauzone. Inwieweit Kooperationen mit großen Labels bestehen ist nicht
erkenntlich. Trotzdem ist die Plattform auch unter großen Künstlern anerkannt. So
veröffentlichten beispielsweise REM ihr Album „Accelerate“ zunächst vom 24. – 26. März
2008 exklusiv über die Plattform ILike.
„Sänger Michael Stipe begründete seine Entscheidung damit, dass man entweder mit der Zeit
gehen, oder sich zurücklehnen und zusehen kann wie einen die anderen Musiker überholen.
Er wäre dann doch lieber vorne mit dabei.“178
Besonders innovativ ist das Plug In, welches zuvor ausführlich beschrieben wurde.
11.2.4. Musicovery.com
Allgemeine Informationen
177
Vgl. Weigert, M.: iLike wird für Last.fm zur Bedrohung - Dank Facebook
http://netzwertig.com/2007/07/03/zn-iLike-wird-fur-lastfm-zur-bedrohung-dank-facebook/ (14.06.2008).
178
o.V.: R.E.M.: Gehen mit der Zeit
http://www.motor.de/news/1145191;rem_gehen_mit_der_zeit.html (30.04.2008).
87
Musicovery ist ein interaktives Webradio.
Es wurde von Vincent Castaignet and Frédéric Vavrille gegründet. Beide arbeiteten zuvor an
unterschiedlichen Technologien. So entwickelte Vincent Castaignet ein „Mood Pad“,
während Frédéric Vavrille gerade an einer „graphic discovery engine“ (Liveplasma) arbeitete.
2006 kombinierten sie ihre beiden bisherigen Ergebnisse und gründeten Musicovery. 179
Das Team hat seinen Hauptsitz in Paris, Frankreich.
Value Proposition
Musicovery bietet den Nutzern die Möglichkeit, sich ein eigenes Webradioprogramm, ganz
nach ihren Wünschen zu erstellen. Es dient dazu neue Musik spielerisch zu entdecken.
Architektur der Wertschöpfung
Musicovery haben sich für eine völlig andere Darstellung der Benutzeroberfläche
entschieden. Hier steht der spielerische und bunte Faktor beim Musikentdecken im
Vordergrund. Im Gegensatz zu den meisten anderen Plattformen fehlen sämtliche
Community-Aspekte.
Die Steuerung zur Erstellung eines eigenen Radioprogrammes erfolgt über eine
Navigationsleiste. In dieser befindet sich ein „Mood Pad“, über das die Stimmung der Lieder,
die abgespielt werden sollen, eingestellt werden kann (Dark – Positiv, Energetic – Calm). Eine
Auswahl an Songs kann zudem abhängig von Tempo und Dance-Faktor erfolgen.
Darüber befindet sich eine Skala, auf welcher der Nutzer sich entscheiden kann, inwieweit er
seine Lieblingslieder, Hits, oder neue unbekanntere Titel hören will. Es kann zwischen 18
verschiedenen Genres gewählt werden, von Jazz über Rock und Gospel bis hin zu Klassik.
Eine weitere Skala bietet die Möglichkeit, die zu hörenden Lieder nach ihrem
Erscheinungsjahr zeitlich zu begrenzen. Hierzu dienen zwei auf der Skala verschiebbare
Regler.
179
Vgl. o.V.: Custom Streaming Web Radio Plays Only The Music You Like: Musicovery Finally Here
http://www.masternewmedia.org/news/2006/11/21/custom_streaming_web_radio_plays.htm (16.05.2008).
88
Hat sich der Nutzer entschieden, erscheint eine Karte mit mehreren bunten Song-Blüten. An
deren Farbe und Form ist zu erkennen, um welche Art von Musik es sich in etwa handeln
wird. Darin stehen die Namen von Künstler und Musikstück.
Die Lieder werden „gestreamt“ und es ist kein „on demand“ möglich. Die Songs sind mit
einer kostenlosen Mitgliedschaft nur in einer Qualität von 32 kBit/s verfügbar. Für eine
Gebühr stehen sie mit 128 kBit/s zur Verfügung.
Durch eine kostenpflichtige Mitgliedschaft kann der Nutzer zudem seine Auswahl verfeinern,
Stücke bannen und Lieblingslieder markieren.
Falls das Lied dem Nutzer gefällt, kann dieser sofort über die Partner iTunes, Amazon und
Ebay gekauft werden.
Musicovery ist auch mobil über Spodtronic. Jedoch wird hierzu ein Handy von Nokia
benötigt.180
Ertragsmodell
Musicovery hat mehrere Einkommenskanäle:
1. Advertisement Model: Auf der rechten Seite ist ein großer Werbebanner installiert, meist
Google Ad Sense.
2. Affiliate Modell: Wie zuvor beschrieben, können die Lieder direkt über iTunes, Ebay und
Amazon gekauft werden. Hierfür erhält Musicovery einen Anteil.
3. Subscription Modell: Für eine Gebühr erhält der Nutzer folgende Vorzüge:
Lieblingslieder markieren
Lieder bannen
keine Werbung
bessere Qualität der Lieder
Die Kosten für die Mitgliedschaft betragen rund 2 € pro Monat.
„Bezahlt werden kann dabei per Kreditkarte, Telefonrechnung oder SMS-Versand. Wer
gleich ein Abo für drei oder gar zwölf Monate kauft, bekommt Rabatt und bezahlt lediglich
3,99 beziehungsweise 9,99 Euro.“181
180
Vgl. o.V.: Listen to Musicovery on your mobile.
http://musicovery.com/spodtronic.php?lg=en (01.06.2008).
89
Fazit
Musicovery ist ein interessanter und spielerischer Weg Musik zu hören und zu entdecken.
Mit dem „Mood Pad“ und der Art und Weise der Darstellung, können sie sich von der
Konkurrenz abheben. Nachteile gegenüber anderen Plattformen sind, die fehlenden
personalisierten Empfehlungen, die fehlenden Communityaspekte, die doch extrem
schlechte Qualität der Lieder mit 32 kBits/s und die begrenzte Auswahl von Musikstücken.
Trotzdem wird der Dienst anscheinend häufig genutzt. Es sind zwar keine genauen
Nutzerzahlen auffindbar, aber der Alex Rang von 11 915, die Anzahl an Treffern auf Google
und die häufigen positiven Rezensionen in Blogs lassen dies vermuten.
11.2.5. Imeem.com
Allgemeine Informationen
Imeem wurde von Dalton Calwell, Jan Jannink (vorher bei Napster) und vielen Entwicklern
der ehemaligen Plattform Napster kreiert. Der Dienst ist seit Oktober 2004 verfügbar und
stellt eine Mischung aus sozialer Community und Content Filtering, wie Youtube und Flickr
dar.
Es ist eine der größten sozialen Communities im Internet. Laut Compete182 betrug die Anzahl
an eindeutigen Besuchern, in den Vereinigten Staaten im März 2008, 10.268.904. Dies ist im
Vergleich zum März 2007 eine Steigerung um 58%.183
Damit belegt Imeem vor Yahoo, Platz Nummer eins im Bereich Internetplattformen zum
„streamen“ von Musik in Amerika.
Genaue Nutzerzahlen sind nicht auffindbar, aber der Alexa Rang von 135 stützt
vorangegangene Aussage.
Value Proposition
Imeem ist ein soziales Netzwerk, das es den Nutzern ermöglicht, Neues zu entdecken, zu
interagieren, sich selbst über Musik, Videos und Fotos auszudrücken und sich selbst
181
Scholl, C.: Musicovery im Test: Webradio mal anders http://www.netzwelt.de/news/75400-musicovery-im-
test-webradio-mal.html (19.05.2008).
182
Compete ist ein Unternehmen, das Verhalten von Nutzern im Internet analysiert. Mehr Informationen zu
Compete unter http://www.compete.com zur Verfügung.
183
Vgl. Patriquin, A.: Music Industry Downfall, Part II: The Rise of Social Streaming – Update
http://blog.compete.com/2008/05/12/music-streaming-download-imeem-yahoo/ (19.05.2008).
90
darzustellen. Anhand von gleichen Interessen und Geschmäckern sollen zudem
Verbindungen zwischen Nutzern hergestellt werden.
Ausführlicher stellt Imeem den Nutzen ihrer Plattform wie folgt dar:
„Discover
Enjoy the latest videos, music, photos, or blogs posted on imeem
Stay up-to-date with your personal network of fans and friends with "What's New"
notifications
Get in-depth stats for all your content and track their popularity
Interact
Tag, comment, rate, and share any of your friends' cool (or embarrassing) content
Create or join groups for your favorite band, event, topic, and more!
Start discussions with other imeem users and make new friends
Share
Embed your media on other pages (such as your blog, Bebo, etc.)
Recommend stuff to your friends or add it to your "Favorites" list
Easily add media to your Del.icio.us, Wordpress, Blogger, or Typepad account (to
name a few)“184
Architektur der Wertschöpfung
Funktionen
Nutzerprofil:
Viele detaillierte Informationen: Bild, Name, Geschlecht, Geburtsdatum,
Internetseite, Handynummer, Instant Messaging Tools, Wohnort, Schule,
Universität, Arbeitsstelle, Lieblings Autor / Künstler / Schauspieler / Musik /
Film / Club, Talente
Bei allen Informationen kann individuell geregelt werden, für wen diese
einsehbar sind: 1.Privat, 2.Freunde, 3.Alle
Interatkionsmöglichkeiten: Nachricht schreiben, als Freund hinzufügen,
Instant Messaging
184
o.V.: about imeem http://www.imeem.com/aboutimeem/ (20.05.2008).
91
Individuelle Profile: Profile können individuell angepasst werden. Dazu
stehen viele unterschiedliche voreingestellte Profile und
Anordnungsmöglichkeiten zur Verfügung.
Video-, Photo-, Musikplaylisten, Umfragen, Musikkämpfe, Gruppen, Freunde,
letzte konsumierte Medieninhalte, gehörte Musik, selbst hochgeladene
Musik, Photos und unterstützte Aktionen (z.B. Musikkämpfe von anderen
Personen) können im Profil angezeigt werden, falls gewünscht.
Profil kann per RSS Feed abonniert werden.
Künstlerprofil:
Informationen: Bild, Blogeinträge, Musik, unterstützte Videos / Photos /
Aktionen / Playlists, zukünftige Konzerte, Freunde, Profikommentare, „Über
mich“- Feld (Mit zahlreichen Angabemöglichkeiten), eigene Fotos / Playlisten
/ Videos, Bandmitglieder, Internetseite, Instant Messaging, Ort, usw.
Nutzer können das Profil über RSS Feeds abonnieren und folglich schnell die
neusten Informationen erhalten.
Befinden sich Benutzer auf einem Künstlerprofil können sie ebenfalls Musik,
Videos und Bilder von diesem Künstler auf dessen Seite hochladen.
Suche: Suche nach Playlists, Musik, Videos, Gruppen, Nutzern, Fotos, Umfragen,
Blogs über ein einfaches Suchfeld möglich.
Mediatracker: Hier kann der Nutzer seine letzten hundert Aktionen nachverfolgen.
Zum Beispiel welche Lieder er gehört hat, welche Videos er gesehen hat und vieles
mehr.
Download von MP3s: Hierzu wird zu Amazon und iTunes weitergeleitet.
Besondere Funktionen
Quick Playlist: Auf allen Unterseiten können alle Lieder nacheinander abgespielt
werden, die sich auf der Seite befinden auf der sich der Nutzer aufhält.
Quickmix: Jedes Musikstück kann zu einem Quickmix hinzugefügt werden. Dadurch
können schnelle Playlisten erstellt werden. Der Quickmix öffnet sich in einem Popup.
Stats: Der Nutzer bekommt detaillierte Informationen über seine bisherigen Aktionen
auf Imeem.
92
Empfehlungsmechanismen
Featured Artists: Hier werden besondere Künstler prominent vorgestellt.
Rising Artists/ Songs: Die in der letzten Zeit am meisten gespielten Künstler bzw.
Lieder.
Falling Artsits/ Songs: Gegensatz zum vorherigen Punkt.
Most Played: Die am meisten gespielten Musikstücke und Künstler werden
angezeigt.
Most Discussed: Über welche Künstler wird auf der Plattform am meisten geredet
und diskutiert.
Most Favourited: Die am häufigsten von Nutzern als Lieblingslied markierten Titel.
Most Playlisted: Lieder, die am häufigsten in Playlisten von Nutzern integriert
wurden.
Random: Hier werden nach dem Zufallsprinzip Musikstücke aufgezeigt.
Zuvor genannte Angaben und Empfehlungen bestehen ebenfalls zu Videos
und Playlists (Foto-, Video und Musikplaylists).
Personalisierte Empfehlungsmechanismen:
Friend Update: Dem Nutzer wird angezeigt, was seine Freunde machen bzw.
gemacht haben.
Ähnliche User: Imeem empfiehlt, auf Grund der eigenen Hörgewohnheiten Nutzer,
die einen ähnlichen Musikgeschmack haben.
Friends Media Tracker: Zeigt die letzten hundert Lieder, Videos und Playlisten, die
sich die Freunde des Nutzers angesehen bzw. gehört haben.
Recently Popular Media Tracker: Hier findet der Nutzer die populärsten Lieder,
Videos und Playlisten, die dessen Freunde gesehen bzw. gehört haben.
Imeem verfügt über einen sehr großen Musikkatalog. Die Titel werden von den Nutzern
hochgeladen. Trotzdem werden die Lizenzen der Labels benötigt, um nicht nur 30 Sekunden
Snippets abspielen zu können, sondern komplette Musikstücke zur Verfügung stellen zu
dürfen.
93
Imeem hat es über die hohe Anzahl an Nutzern geschafft, die Major-Labels und viele
Independent Labels davon zu überzeugen mit ihnen zu kooperieren. 185
So bestehen mittlerweile mit allen vier Major-Label, also Universal186, Sony BMG187, EMI188
und Warner189 Lizenzverträge.
Eigentlich forderten diese bisher pro „Stream“ mindestens einen Cent, jedoch hat es Imeem
geschafft einen flexibleren Deal zu bekommen.
„One reason that no one has offered such a service until now is that the labels have insisted
on receiving a minimum of 1 cent for each track played by a streaming service. With Imeem
they have relaxed this rule and agreed to a more flexible arrangement based on revenue
sharing.“190
Ertragsmodell
Imeem generiert Einkommensströme vor allem durch Werbung, also dem Advertisement
Modell. Auf fast allen Unterseiten sind Banner platziert.
Die zweite Einnahmequelle entsteht durch das Affiliate Modell. Nutzer die das Lied kaufen
möchten, werden direkt zu iTunes oder Amazon weitergeleitet. Dafür erhält Imeem einen
Anteil an den Verkaufserlösen.
Fazit
Wie zuvor aufgeführt, bietet Imeem seinen Nutzern viele interessante Möglichkeiten. Durch
die große Anzahl an Nutzern und die bestehenden Verträge mit den vier Major-Labels und
vielen Independent-Labels, hat Imeem eine gute Marktposition.
MySpace erkannte die steigende Macht des Konkurrenten und antwortete mit einer
Blockade von Imeem-Applikationen auf MySpace.191
185
Vgl. o.V.: Imeem http://www.crunchbase.com/company/imeem (02.05.2008).
186
Vgl. Chaffin, J.: Universal digital link with Imeem http://www.ft.com/cms/s/0/ff0a7e34-a6c3-11dc-b1f5-
0000779fd2ac.html?nclick_check=1 (30.04.2008).
187
Vgl. Hau, L.: Sony BMG Reaches Deal With Imeem http://www.forbes.com/business/2007/09/26/sony-bmg-
imeem-biz-media_cx_lh_0926music2.html (15.05.2008).
188
Vgl. Van Buskirk, E.: EMI's Music Now Approved for Uploading to Imeem (Updated)
http://blog.wired.com/music/2007/10/all-of-emis-mus.html (11.04.2008).
189
Vgl. Marshall, M.: Warner streams entire catalog of music for free on imeem
http://venturebeat.com/2007/07/12/warner-streams-entire-catalog-of-music-for-free-on-imeem/
(08.05.2008).
190
Hansel, S.: Imeem Pioneers Free Music With Ads
http://bits.blogs.nytimes.com/2007/10/29/imeem-pioneers-free-music-with-ads/ (09.05.2008).
191
Vgl. Kafka, P.: Myspace's Nutty "Hulu For Music" Plan
http://www.alleyinsider.com/2008/2/Myspaces_nutty_hulu_for_music_plan (12.04.2008).
94
Um gewährleisten zu können, dass nur Lieder komplett abgespielt werden können von
denen Imeem die Lizenzen besitzt, hat Imeem Technologie „Snocap“192 vom ehemaligen
Napster Gründer Shawn Fanning gekauft. Dadurch besitzen sie nun das dafür benötigte
Lizensierungsmodell von Snocap.193
Zudem verfolgt Imeem den Weg der Offenheit und öffnete seine Schnittstellen. Dafür wurde
im März 2008 eine neue Entwickler Plattform geöffnet.
„The new platform is a Flex and ActionScript API that will let developers create customized
music players, access activity data and build things like recommendation engines, smart
playlists and music games.
The apps built on the platform will be limited at first to a sandbox with no public directory
but the company hopes to send apps live site-wide, to other OpenSocial networks and then to
the world at large. It all sounds like a pretty good idea to me.“194
11.2.6. Deezer.com
Allgemeine Informationen
Deezer wurde von den beiden jungen Geschäftsführern Daniel Marhely und Jonathan
Benassaya gegründet.
Zunächst kreierten die beiden einen Dienst namens Blogmusic, welcher auf Grund von
Urheberrechtsklagen wieder geschlossen werden musste. Sie beschlossenen daraufhin ein
legales Businessmodell zu entwickeln, bei dem sie mit den Plattenfirmen zusammenarbeiten
wollen statt ein illegales Angebot anzubieten.
Am 22. August 2007 unterzeichneten sie Verträge mit den französischen
Verwertungsgesellschaften SACEM und SESAM und starteten somit die erste französische
Seite mit unbegrenztem Zugang zu freier und legaler Musik – Deezer wurde geboren.195
Sie agierten sehr erfolgreich. Schon zwei Monate nach dem Launch gab Deezer bekannt,
dass sie nun auch den Katalog von Sony BMG anbieten dürfen.
Am 14. Mai 2008 wurde ein internationaler Vertrag mit Universal Music unterzeichnet.
192
Snocap ist ein Unternehmen, das Tauschbörsen den Verkauf legaler Musik ermöglichen soll. Mehr
Informationen stehen unter www.snocap.com zur Verfügung.
193
Vgl. o.V.: Web-2.0-Übernahme: Imeem kauft Snocap
http://www.heise.de/newsticker/Web-2-0-Uebernahme-Imeem-kauft-Snocap--
/meldung/106152/from/atom10 (28.04.2008).
194
Kirkpatrick, M.: Imeem Launches Developer Platform for Music Social Networking
http://www.readwriteweb.com/archives/imeem_launches_developer_platf.php (18.04.2008).
195
Vgl. o.V.: DEEZER - A GREAT ADVENTURE
http://www.deezer.com/legal/about-us.php (10.05.2008).
95
Zurzeit können knapp zwei Mio.en196 Nutzer auf rund 2.5 Mio.en197 Lieder legal zugreifen.
2007 wurde Deezer zur innovativsten Website von den 01Net Lesern gewählt, vor Facebook
und Dailymotion. 2008 wurde die Seite mit dem Red Herring198 ausgezeichnet, den nur die
100 innovativsten Jungunternehmen Europas erhalten.199
Value Proposition
Deezer will alle Arten von Musik, von Rock über Hip Hop, Jazz, Elektro und Weltmusik,
kostenlos und legal anbieten. Zur gleichen Zeit sollen alle Künstler und Rechteinhaber einen
Anteil an den Werbeerlösen der Seite erhalten.200
Songs werden dabei zum unbegrenzten Stream zur Verfügung gestellt und können zudem
kostenpflichtig bei Partnerseiten heruntergeladen werden.
Architektur der Wertschöpfung
Funktionen:
Nutzerprofil:
Informationen: Bild, Interessen, Alter, Wohnort, usw.
Musikgeschmack: Der Nutzer kann, an Hand von Skalen und Genres den
musikalische Geschmack angegeben.
Interaktionsmöglichkeiten: Nachricht schreiben, als Freund hinzufügen
Künstlerprofil:
Informationen: Webseite, Name, Nationalität, Bilder, Diskografie, Videos,
Fans, Gästebuch usw.
Ähnliche Künstler: Dem Nutzer werden ähnlich klingende Künstler vorgestellt.
196
Vgl. oV.: Deezer zeichnet Abkommen mit Universal Music für Europa
http://www.itnewsbyte.com/de/news/nws145779,,.htm (19.04.2008).
197
Vgl. Ebenda
198
Red Herring wurde 1993 gegründet und mit dem Ziel innovative Entwicklungen und Unternehmen in den
Bereichen Finanzen, Entrepreneur und Technologie zu entdecken.
199
Vgl. o.V.: Deezer zeichnet Abkommen mit Universal Music für Europa
http://www.presseportal.de/pm/71192/1191430/deezer (28.04.2008).
200
Vgl. o.V.: DEEZER - A GREAT ADVENTURE… http://www.deezer.com/legal/about-us.php (10.05.2008).
96
Suche nach Musik: Es kann zwischen Künstler, Album und Lied unterschiedenen
werden. Zudem besteht die Möglichkeit eine alphabetisch geordnete Liste aller
Künstler zu durchsuchen.
Suche nach Nutzern: Hier kann nach Nutzern gesucht werden.
Einstellungsmöglichkeiten sind Alter, Name, Musikgeschmack und Land.
Neuigkeiten: Hier werden interessante Neuigkeiten über Künstler und Bands
publiziert. Deezer leitet dazu zu msn music weiter.
Eigene MP3s hinzufügen: Der Nutzer kann seine eigenen Lieder hochladen und
hierdurch von überall darauf zugreifen. Andere Nutzer können die Musikbibliothek
nicht einsehen.
Playlisten: Diese können einfach erstellt werden. Zunächst neue Playlist erstellen und
daraufhin neben den gewünschten Liedern auf „zur Playlist hinzufügen“ klicken.
Besondere Funktionen:
Activity Feed: Hier wird der Nutzer über die Aktionen seiner Freunde auf der
Plattform informiert.
Player integrieren: Jede Playlist, jede Radiostation und jeder Titel besitzt einen
eigenen Code, um den Player im eigenen Blog oder auf MySpace integrieren zu
können. Der Player kann an eigene Designwünsche angepasst werden.
Empfehlungsmechanismen:
Featured Artists auf der Startseite: Hier werden dem Nutzer Künstler vorgeschlagen.
Ob diese Empfehlungen von Labels eingekaufte Werbung oder redaktionell
gestaltete Inhalte sind, ist nicht ersichtlich.
Deezer Radios: Nach Genre geordnet, um neue Musik zu entdecken.
Top Playlists: Die am meist abgespielten Playlists werden angezeigt.
Top Charts: Die Top10 aus Frankreich, England, Deutschland und den USA. Zudem
nach Genre abrufbar.
Top Künstler: Die am häufigsten gehörten Künstler.
Hyped Album: Das am meisten gehörte Album.
Ähnliche Künstler: In den Profilen von Künstlern werden ähnlich klingende Künstler
angezeigt.
97
URL: Jede Playlist und jedes Musikstück besitzt eine eigene Internetadresse. Diese
kann direkt an Freunde verschickt werden, um diesen neue Musik zu empfehlen.
Empfehlungen im Player: Schon zu Beginn sind Titel, die dem Nutzer gefallen
könnten im Player integriert und können sofort abgespielt werden.
Favorite Albums and Artists: Nutzer können in ihrem Profil ihre Lieblingskünstler und
Lieblingsalben angeben. Dadurch können neue Künstler und neue Musik entdeckt
werden.
Playlists: Nutzer können auch auf die Playlists anderer Nutzer zugreifen. Außerdem
können sie diese kopieren und anschließend auch selbst verfeinern und ändern.
Personalisierte Empfehlungsmechanismen:
Smartradio: Zu jedem Lied das gerade im Player läuft, kann ein Radioprogramm
generiert werden, um neue ähnliche Musik zu entdecken. Durch den Knopf „Mag ich
nicht“ kann das Radio verfeinert und besser an den eigenen Geschmack angepasst
werden.
Ertragsmodell
Deezer generiert Einnahmen durch zwei Quellen.
1. Advertisement Modell: Auf der Seite sind viele Banner implementiert. Die Werbenden
zahlen dafür Geld an die Plattforminhaber.
2. Affiliate Modell: Nutzer erhalten die Möglichkeit Lieder zu kaufen. Dafür werden sie zu
den Partnern ITunes und Amazon geleitet. Als Gegenleistung erhält Deezer einen Anteil der
Verkaufserlöse.
Fazit
Deezer ist eine interessante Plattform, die jedoch stark an Last.fm erinnert. Gegenüber
diesem Konkurrenten mangelt es Deezer an Verträgen mit allen Major-Labels, an
personalisierten Empfehlungen und dem Audioscrobbler. Im Gegensatz zu Last.fm bietet
Deezer ein unbegrenztes Streamingangebot an, während bei Last.fm die Grenze bei drei
Streams pro Musikstück liegt.
Falls Last.fm in Zukunft das Angebot ebenfalls unbegrenzt anbietet, wird Deezer
Schwierigkeiten bekommen am Markt zu bestehen. Dafür mangelt es derzeit an
98
individuellen Funktionen und einem großen Katalog an Liedern, um sich von der Konkurrenz
abzuheben.
11.2.7. Hypemachine
Informationen
2005, war Anthony Volodkin frustriert von eintönigen und langsamen Musikmagazinen und
Radiostationen. Faszinierend empfand er dahingegen MP3 Blogs, die seit 2003 über aktuelle
MP3s berichteten und diese auch in die Posts integrierten, statt lediglich darüber zu
schreiben.
Nachdem er viele Nächte auf solchen Blogs auf der Suche nach neuen MP3s verbrachte,
entschloss er sich den Prozess zu automatisieren. Das Resultat ist Hype Machine: Eine „live
index und music streaming Sation“.201
Hype Machine bedient sich dabei bei den Inhalten anderer Weblogs und sammelt diese an
einem zentralen Ort.
Die Plattform hat nach eigenen Angaben 927 000 Besucher pro Monat und ist in Amerika
beheimatet.202
Value Proposition
Das Nutzerversprechen lautet: „The Hype Machine is here to make music discovery fun and
get artists paid.“203
Architektur der Wertschöpfung
Um das Nutzerversprechen einhalten zu können verfolgt und registriert Hype Machine eine
Vielzahl von MP3 Blogs. Falls ein Beitrag einen MP3 Link enthält, verlinkt die Plattform
diesen in die Datenbank und zeigt ihn auf der Startseite an.
Einige der oftmals aufgerufenen Lieder werden von Hype Machine zudem gespeichert, so
wie Google Search Webseiten speichert, um die Ladezeiten auf den Blogservern zu
verringern und deren Bandbreite zu schützen.
201
Van Buskirk, E.: The Music Fan Behind Hype Machine: Q&A With Anthony Volodkin
http://www.wired.com/entertainment/music/commentary/listeningpost/2007/05/listeningpost_0528
(09.04.2008).
202
Vgl. o.V.: About the Hype Machine http://hypem.com/about, (10.04.2008).
203
o.V.: About the Hype Machine http://hypem.com/about, (10.04.2008).
99
Diese Lieder können jedoch nicht heruntergeladen, sonder nur gestreamt werden.
Der Blog, der das Lied veröffentlicht hat, wird identifiziert und unter dem jeweiligen Lied
angezeigt. So kann der ganze Originalbeitrag angesehen werden.
Nutzer können, falls ihnen ein Musikstück gefällt, dieses über eine Weiterleitung zu Amazon
und ITunes kaufen.
Jeder Verkauf unterstützt dabei den Künstler und Hype Machine.204
Dabei befindet sich Hype Machine in einer rechtlichen Grauzone. Denn es ist nicht klar, ob
der Blog diese MP3s veröffentlichen durfte. Die Gründer berufen sich bei diesem Punkt
darauf, dass sie nur verlinken und die Rechtsverletzung somit nicht bei ihnen vorliegt. 205
Seit März 2008, werden zudem die Lieder die auf Hype Machine gehört werden, von Last.fm
„gescrobbelt“.206
Im Folgenden sind die einzelnen Funktionen aufgelistet, die dem Benutzer den Nutzen der
Plattform ermöglichen:
Funktionen
Nutzerprofil: Mit gängigen Einstellungsmöglichkeiten, wie Name, Internetseite, Ort,
Last.fm und Twitter Account.
Lieder streamen: Neben jedem Lied befindet sich ein Knopf, um diesen abzuspielen.
Lieder kaufen: Hierzu wird der Nutzer zu Verkaufspartnern weitergeleitet.
Besondere Funktionen
Hype Machine Chat: Nutzer können über ein Instant Messaging System miteinander
kommunizieren und sich über bestimmte Künstler und Titel austauschen.
Kooperationen mit Last.fm und Twitter: Nutzer können einstellen, dass auf Twitter
angezeigt wird, welche Lieder, Blogs oder Personen sie favorisieren. Zudem können
die auf Hype Machine gehörten Lieder auch zu Last.fm gescrobbelt werden.
Widgets: Um Inhalte von Hype Machine auf die eigene Seite oder auf andere
Plattformen zu implementieren:
Recent Tracks, also die Songs von der Startseite
204
Vgl. Ebenda.
205
Vgl. Raaf, U.: Hype Machine reloaded
http://www.tonspion.de/newsartikel.php?id=1677 (30.05.2008).
206
Vgl. Perez, S.: Hype Machine Adds New Features
http://www.readwriteweb.com/archives/hype_machine_adds_new_features.php (01.06.2008).
100
Popular Tracks
Spied Tracks
Radio Tracks
Search Resultate zu (individuell einstellbar)
Stuff by User (individuell einstellbar)
Tracks postet by (Blog aussuchen)
Es stehen verschiedene Designs zur Auswahl.
Favorite: Blogs, Nutzer und Lieder können favorisiert werden, um sich diese zu
merken und im Dashboard angezeigt zu bekommen.
Empfehlungsmechanismen:
Latest Tracks: Die in der letzten Zeit von Bloggern geposteten MP3s mit dem
dazugehörigen Blogartikel.
Popular Tracks: Die Titel, die die meisten Klicks auf der Seite generieren. Nach drei
Wochen werden Links entfernt, um Aktualität zu bewahren.
Radio: Ein nonstop-stream von populären und gerade auf Blogs geposteten Liedern.
Just Played: Lieder die gerade von Nutzern angehört wurden.
Most Blogged Artist: Künstler über die am meisten gebloggt wurde.
Most searched: Künstler nach denen am meisten gesucht wurde.
Hype Spy: Nutzer können sehen, was andere Nutzer als letztes getan haben. Die
Ansicht wird alle 90 Sekunden aktualisiert und ist nach Ort filterbar.
Personalisierte Empfehlungsmechanismen:
Dashboard: Hier kann der Nutzer einsehen, welche Lieder er in der letzten Zeit
angehört hat, was die Freunde gehört haben, was zuvor favorisierte Blogs, als letztes
gepostet haben und eigenen favorisierten Lieder.
Nutzer können auch das Dashboard anderer Nutzer einsehen und somit neue
Musik entdecken.
Ertragsmodell
Auch bei Hype Machine sind zwei tragende Einnahmemodelle implementiert:
101
1. Advertisement Modell: Auf der Seite sind zahlreiche Banner implementiert.
2. Affiliate Modell: Um Lieder kaufen zu können, werden die Nutzer zu Amazon, ITunes,
Emusic und Amiestreet weiter geleitet.
Fazit
Hype Machine nutzt bestehende Gespräche über Titel und Künstler auf Blogs und liefert
dadurch interessante Ergebnisse für Nutzer. Vor allem das „Dashboard“ ist eine gute
Möglichkeit, um neue Musik zu entdecken. Nutzer können über Hype Machine sehr
ausgefallene Lieder und Aufnahmen, wie Akustik-Versionen aufspüren.
Der „Communitycharakter“ ist bei Hype Machine im Gegensatz zu Plattformen wie Last.fm
und Imeem weniger ausgeprägt. Zudem bewegt sich Hype Machine, wie zuvor angesprochen
in einer rechtlichen Grauzone. Die Zukunft wird zeigen, inwieweit Gerichtsurteile den Service
einschränken können.
Gerüchten zu Folge, sollen derzeit auch Investoren an der Plattform interessiert sein.
Angeboten in Höhe von 10 Mio.en sollen existieren. Die Gründer weisen diese Angaben
bisher zurück.207
11.2.8. MySpace
Informationen
MySpace ist eine der bekanntesten sozialen Plattformen. Sie wurde 2003 von Tom Anderson
gegründet und ermöglicht es den Nutzern, eigene Profile zu erstellen und miteinander zu
interagieren. Während bei Facebook Aspekte wie Business und Arbeit im Mittelpunkt
stehen, liegt bei MySpace der Fokus auf Privatleben und Freizeit.
Durch viele Kontakte des Gründers zur Musikindustrie, liegt der Schwerpunkt bei MySpace
besonders auf Musik. Er überzeugte befreundete Bands und Labels davon, eigene Profile auf
MySpace zu erstellen. Dadurch war es für Fans möglich mit ihren Lieblingsbands zu
kommunizieren, was zu Beginn zum Erfolg der Plattform beigetragen hat.
207
Vgl. Van Buskirk, E.: Hype Machine Calls Viacom Sale Rumor 'Not Very Accurate'
http://blog.wired.com/music/2008/05/hype-machine-ca.html (19.05.2008).
102
Im Juli 2005 wurde MySpace von Rupert Murdoch, News Corporation für 580 Mio.en Dollar
gekauft.208
Derzeit besitzt MySpace weltweit 117 Mio.en Nutzer209, besitzt den Alexa Rang Nummer
sechs und ist in 29 Ländern210 vertreten.
Immer wieder macht MySpace jedoch auch durch negative Schlagzeilen auf sich
aufmerksam, sei es durch rechtsradikale Inhalte211, unberechtigte Downloads212 von privaten
Fotos213 und Spam.
Value Proposition
Das Nutzerversprechen der Plattform beschreibt MySpace auf der eigenen Webseite wie
folgt:
„MySpace ist eine Online-Community, in der du die Freunde deiner Freunde kennen lernen
kannst.
In deiner privaten Community bei MySpace kannst du in einem immer größer werdenden
Netzwerk aus gemeinsamen Freunden Fotos und Blogs austauschen und dich über
gemeinsame Interessen unterhalten!
MySpace ist für jeden geeignet:
* Freunde, die sich online austauschen möchten
* Singles, die andere Singles kennen lernen wollen
* Leute, die ihre Freunde mit anderen Freunden in Kontakt bringen wollen
* Familien, die mit ihrer Verwandtschaft in Kontakt bleiben möchten - du kannst den
Stammbaum deiner Familie erstellen
* Geschäftsleute und Kollegen, die Netzwerke bilden wollen
* Schulfreunde und Studienkollegen
* Jeder, der auf der Suche nach alten Freunden ist!“214
208
Vgl. Scott-Joynt, J.: What Myspace means to Murdoch
http://news.bbc.co.uk/1/hi/business/4697671.stm (29.04.2008).
209
Vgl. o.V.: Myspace ermöglicht Profil-Einbindung in anderen Portalen
http://diepresse.com/home/techscience/internet/382731/index.do (19.05.2008).
210
Vgl. Stöcker, C.: Myspace schadet News-Corp.-Aktien
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,547853,00.html (01.05.2008).
211
Vgl. o.V.: Rechtsradikale kommunizieren online Myspace vernetzt Nazis
http://www.wdr.de/themen/computer/internet/rechte_seiten/index.jhtml (02.05.2008.2008).
212
Vgl. o.V.: Myspace zum Download http://netzpolitik.org/2008/Myspace-zum-download/ (09.05.2008).
213
Vgl. o.V.: Myspace.com verklagt ehemaligen "Spam King" http://www.heise.de/newsticker/Myspace-com-
verklagt-ehemaligen-Spam-King--/meldung/84139 (02.04.2008).
103
Architektur der Wertschöpfung
Funktionen
Nutzerprofil:
Gängige Informationen: Bilder, Name, Alter, Wohnort, Videos, Stimmung,
Hobbys, Musikgeschmack, Filme, Bücher, Gästebuch, Sternzeichen, usw.
Interaktionsmöglichkeiten: Nachricht schreiben, als Freund hinzufügen, als
Kontakt/Freund einer dritten Person empfehlen, über MySpace Instant
Message mit der Person kommunizieren, als Favorit merken, zu Gruppe
einladen, Nutzer blocken
Musikplayer: Eigene Lieder oder die von Bands auf MySpace können in das
eigene Profil integriert werden. Voraussetzung: Die Band erlaubt dies.
Blog: Nutzer können Blogeinträge schreiben. Andere Nutzer können diese
Blogs per RRS Feed abonnieren.
Künstlerprofil:
Gängige Informationen: Bilder, Name, Bandmitglieder, Bandwebseite, Klingt
wie, Plattenlabel, Anstehende Shows, Über die Band, Gästebuch, usw.
Interaktionsmöglichkeiten: Nachricht schreiben, Band weiterempfehlen, über
MySpace Instant Messanger mit der Band kommunizieren, als Favorit merken,
zu Gruppe einladen, Band blocken
Blog: Bands können Blogeinträge schreiben. Andere Nutzer können diese
Blogs per RRS Feed abonnieren.
Suche: Es kann nach Nutzern, Musik und Videos auf MySpace gesucht werden.
Forum: Nutzer können in Foren über alles diskutieren und sich z.B. über Musik und
Videos austauschen.
Gruppen: Es können Gruppen zu bestimmten Themen erstellt werden. Andere
Nutzer können daraufhin in diese Gruppen eintreten.
214
o.V.: Myspace ist eine Online-Community, in der du die Freunde deiner Freunde kennen lernen kannst.
http://www.Myspace.com/index.cfm?fuseaction=misc.aboutus (18.04.2008).
104
Besondere Funktionen
Dashboard: Hier erhält der Nutzer Einblicke, was seine Freunde als letztes gemacht
haben. Sei es neue Bilder hochgeladen, gebloggt, neue Musik hochgeladen, usw.
„Bulletins“: Jeder Nutzer kann Bulletins, also Nachrichten, die an alle Freunde
geleitet werden, schreiben.
Widgets: Nutzer können diverse Widgets, der unterschiedlichsten Art auf ihren
MySpaceprofilen oder auf anderen Seiten implementieren.
MySpace Instant Messenger: Ein Instant Messenger in dem Skype implementiert ist.
Favoriten: Hier können Nutzer Profile von Bands und Nutzern abspeichern, diese sich
somit merken, ohne sie schon zu ihren Freunden hinzuzufügen.
Secret Shows: Hier bekommt der Nutzer Informationen zu MySpace Secret Shows.
Der Ausdruck des eigenen Profils, mit dem Profil von MySpace Secret Shows in der
Top Freundesliste, ist die Eintrittskarte.
MySpace Mobile: MySpace kann nahezu komplett online genutzt werden. Der Nutzer
kann sich zudem per SMS benachrichtigen lassen, falls neue Nachrichten oder
Freundesanfragen eingegangen sind.
Empfehlungsmechanismen:
Blog Charts: Hier sind die beliebtesten Blogeinträge gelistet. Die Ergebnisse können
themenspezifisch gefiltert werden.
Band der Woche: Hier wird pro Woche eine Band vorgestellt.
Weitere Musiker der Woche: Nicht ganz so prominent platziert werden noch weitere
Künstler der Woche vorgestellt.
Videos auf MySpace: Hier werden Videos vorgestellt.
Hingucker der Woche – Musikpresse auf MySpace: Beiträge aus Visions, Backspin
und Intro sind integriert und verlinkt zum MySpace Profil der jeweiligen Band.
MySpace präsentiert diese Touren: Tourneen die von MySpace unterstützt werden,
werden angezeigt.
Top Künstler: Die am meisten angehörten Künstler werden angezeigt.
Music Video der Woche: Ein Video einer Band wird vorgestellt.
Empfohlene Videos: MySpace empfiehlt bestimmte Musikvideos.
Empfohlene Kanäle: MySpace empfiehlt bestimmte MySpace TV Kanäle.
105
Am meisten gespielte Videos: Die am meisten angeschauten Videos werden
aufgelistet. Der Zeitraum, das Thema und die Sprache kann individuell gewählt
werden.
Die am besten bewerteten Videos: Hier sind die am besten bewerteten Videos
aufgelistet.
Personalisierte Empfehlungsmechanismen:
Leider bietet MySpace bisher keine personalisierten Empfehlungen an.
Ertragsmodell
Das Ertragsmodell von MySpace beruht derzeit ausschließlich auf Werbung (Advertisement
Modell). Auf der Plattform sind zahlreiche Banner platziert.
2006 ist MySpace eine Kooperation mit Google eingegangen. Die Plattform verwendet
seitdem die Such- und Werbefunktionen von Google. Im Gegenzug erhält MySpace bis zum
Ende der Zusammenarbeit, Dezember 2009, 900 Mio.en Dollar.215
Jedoch beklagt MySpace derzeit fallende Bannerklicks. Dadurch ist die Plattform hinter den
erwarteten Umsätzen zurück geblieben. Als Reaktion plant MySpace derzeit einige neue
Ertragsmodelle, wie kostenpflichtige Premiumangebote und MP3 Downloads, um neue
Einkommensströme zu generieren. Diese werden im nächsten Punkt „Zukünftige Pläne und
Strategien“ näher erläutert.216
Zukünftige Pläne und Strategien
Bisher stehen alle Funktionen der Onlineplattform MySpace dem Nutzer kostenlos zur
Verfügung. Da wie zuvor erläutert, MySpace jedoch hinter den erwarteten Umsätzen liegt,
könnten in Zukunft auch Premiumfunktionen zur Verfügung stehen, die gegen einen
Geldbetrag genutzt werden dürfen. In den FAQs (frequently asked questions) der Plattform
ist zu lesen:
215
Vgl. o.V.: Myspace und Google kooperieren Murdochs Investition zahlt sich aus
http://www.tagesschau.de/wirtschaft/meldung104510.html (07.04.2008).
216
Vgl. Schonfeld, E.: Weakness at Myspace
http://www.techcrunch.com/2008/05/08/weakness-at-Myspace/ (10.05.2008).
106
„Es kann sein, dass MySpace in Zukunft um so genannte Premium Services erweitert wird, die
kostenpflichtig sind. Aber alle Features und Funktionen, mit denen du dich momentan bei
MySpace amüsierst, bleiben GRATIS.“217
Genaue Pläne sind bisher nicht kommuniziert.
MySpace verhandelt derzeit mit Labels Verträge aus, um DRM-freie Downloads anbieten zu
können. Universal, Sony BMG und Warner arbeiten schon mit der Plattform zusammen und
gründeten gemeinsam MySpace music. Musik und Videos stehen dabei dem Nutzer
kostenlos und werbefinanziert zur Verfügung. In den nächsten Monaten sollen zudem
kostenpflichtige und kopierschutzfreie Musikdownloads angeboten werden. So soll die
wichtigste Musikplattform mit der weltweit größten Auswahl an Singles, Alben und Videos
entstehen.218
Die Musikindustrie erhofft sich durch die Zusammenarbeit einen Zugang zum internetaffinen
jüngeren Publikum, das bisher über iTunes nicht komplett erreicht werden konnte. 219
Mit dem letzten der vier Major, der Plattenfirma EMI, dauern die Verhandlungen derzeit
noch an.220
Weitere Einnahmen sollen in Zukunft durch personalisierte Werbung generiert werden.
Dabei sollen nicht nur die Angaben zur Person und Blogbeiträge berücksichtigt werden,
sondern auch Freundschaftsverbindungen und Bilder der Nutzer.221
Anfang Mai 2008 kündigte MySpace den Start eines neuen Projektes namens „Data
Availability“ an. Dadurch soll es den MySpace Nutzern in wenigen Wochen möglich sein ihre
Daten von MySpace auch auf andere Plattformen, wie Ebay, Yahoo, Photobucket und Twitter
zu übertragen. Werden Angaben, wie Hobbys, Bilder, Videos, Freundesliste und ähnliches
auf MySpace geändert, werden diese automatisch auch auf den Partnerplattformen
geändert. 222
Die Plattform arbeitet an einem neuen Design. Grund soll der Konkurrent Facebook sein, der
bei der Anzahl an Nutzern immer weiter aufholt. So sollen mehr Übersichtlichkeit, weniger
217
o.V.: Ist Myspace kostenlos?
http://www.Myspace.com/index.cfm?fuseaction=misc.faq&Category=9&Question=33 (18.04..2008).
218
Vgl. o.V.: Myspace verkauft Musik ohne DRM http://www.golem.de/0804/58796.html (01.05.2008).
219
Vgl. Röttgers, J.: Online-Musikmarkt: iTunes gegen Myspace http://www.netzwelt.de/news/77464-
onlinemusikmarkt-itunes-gegen-Myspace-.html (07.05.2008).
220
Vgl. Ebenda.
221
Vgl. o.V.: Myspace plant personalisierte Werbung http://www.heise.de/newsticker/Myspace-plant-
personalisierte-Werbung--/meldung/104448 (18.06.2008).
222
Vgl. Weigert, M.: Myspace & Data Availability: richtiger Schritt, falscher Initiator
http://netzwertig.com/2008/05/09/zn-Myspace-data-availability-richtiger-schritt-falscher-initiator/
(19.06.2008).
107
Werbung, weniger Links und bessere Suchfunktionen das Erscheinungsbild und die
Benutzerfreundlichkeit von MySpace verbessern. 223
Fazit
MySpace ist eine der bekanntesten Web 2.0-Plattformen. Sie wird vor allem von vielen
Künstlern als Promotionplattform genutzt. Nahezu jede Band erstellt dort ihr eigenes Profil,
informiert über MySpace ihre „Freunde“, stellt Lieder zum Anhören bereit und pflegt den
Kontakt zu „Fans“. MySpace wird in Zukunft Musikdownloads anbieten. Durch die
Zusammenarbeit mit vielen Labels, bisher drei der vier Major-Labels inbegriffen, verfügt
MySpace über einen großen Katalog an Musikstücken. Zudem ist MySpace durch die
Finanzierung von News Corporation und dem Vertrag mit Google finanziell stärker als einige
Konkurrenten. Die Plattform kann jedoch im Bereich personalisierter Empfehlungen nicht
mit anderen Plattformen, wie Last.fm konkurrieren.
11.3. Ergebnis der Betrachtung reiner Web 2.0 Anbieter
Die Musikindustrie ist im sogenannten Web 2.0 angekommen. Es existieren viele
interessante Plattformen mit dem Fokus Musik.
Auf diesen Plattformen ist für den Endkonsumenten das „Streamen“ von Musik kostenlos
und meist legal möglich, je nachdem inwiefern Verträge mit den Labels bestehen. Der
Vorgang des Musikhörens, ist dabei intuitiv und losgelöst von komplizierten
Zahlungsmechanismen, wie beispielsweise mit dem „Grooveshark Lite Player“. Der
Download von Musikstücken ist dahingegen kostenpflichtig. Neben dem Hören und Kaufen
von Musik wird das Entdecken von neuer Musik immer wichtiger.
Viele Labels, eingeschlossen der Major-Labels erkennen die wachsenden Nutzerzahlen und
das Potential von Web 2.0-Plattformen und schließen Lizenzverträge mit diesen. Beispiele
sind MySpace, Last.fm und Imeem, die mit Major-Labels und vielen Independent-Labels
zusammen arbeiten.
„Community“-Aspekte, wie ein eigenes Nutzerprofil, Nachrichten schreiben und
Freundesnetzwerk erstellen, sind auf nahezu allen Plattformen vorhanden. Ebenso üblich
sind Funktionen, wie „Taggen“, „Bewerten“ und „Kommentieren“.
223
Vgl. Knoke, F.: Alles neu macht Myspace
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,559483,00.html (13.06.2008).
108
Auffallend ist die immer größere Bereitschaft der Nutzer, persönliche Informationen zur
Verfügung zu stellen. Die beiden Plattformen Imeem und MySpace bieten den Nutzern die
meisten Möglichkeiten sich selbst darzustellen und auszudrücken. Profile können individuell
angepasst und gestaltet werden. Alter, Wohnort, Lieblingsmusik, Webseite, Privatleben,
Hobbies und Bilder können angegeben und auf die Plattformen hochgeladen werden.
Dadurch entsteht eine immer größere Informationsdichte über Nutzer. MySpace wird diese
Angaben, wie im Punkt 4.3.2.8. dargelegt verwenden, um Nutzer-DNAs zu erstellen. Diese
können wiederum für personalisierte Werbung genutzt werden.
Sogar das Registrieren der persönlichen Hörgewohnheiten wird von den Nutzern akzeptiert
bzw. begrüßt. Der Audioscrobbler von Last.fm und das Plug In von ILike sind hierbei
hervorzuheben. Diese gesammelten Informationen ermöglichen personalisierte
Empfehlungen. Rubriken, wie „am meisten gehörte Lieder“ oder „am meisten
heruntergeladene Lieder“ sind allgemeine Charts, die auf dem Verhalten der gesamten
Nutzer basieren. Jetzt erhält der Nutzer ein eigenes Gesicht und bekommt speziell auf seine
Wünsche zugeschnittene Künstler, Lieder oder sogar Konzerte, wie auf der Plattform
Last.fm, empfohlen. Andere Beispiele für personalisierte Empfehlungen sind die Funktion
„Create Mix“ auf der Plattform Grooveshark, das „Smart Radio“ bei Deezer und die
„musikalischen Nachbarn“ auf Last.fm.
Die Nutzer sind sehr gut informiert. Auf Künstlerprofilen sind die neusten Konzerte, Videos,
Informationen und Lieder von Künstlern abrufbar. In Nutzerprofilen ist erkennbar, welche
Lieder von dem Nutzer gehört wurden, welche Künstler er mag, persönliche Einzelheiten und
vieles mehr. Einzelne Profile und Blogs können per RSS Feed abonniert werden, um stets die
neusten Informationen zu erhalten.
Auf MySpace dient dazu das „Dashboard“, bei Deezer die „Activity Feeds“, auf der Plattform
Imeem das „Friend Update“ und bei ILike die „Letzten Künstler Updates“.
Es ist zunehmend der Trend erkennbar, dass Nutzer selbst aktiv werden. Sie erstellen eigene
Playlisten, verfassen gemeinsam Wikis über Künstler, wie z.B. auf der Plattform Last.fm,
laden ihre eigene Musik hoch, wie auf der Plattform Grooveshark, nutzen offene
Schnittstellen, um eigene kleine Applikationen passend zur Plattform zu konstruieren,
implementieren Widgets der Plattform in anderen sozialen Netzwerken, wie StudiVZ und
vieles mehr.
109
Die meisten Ertragsmodelle der Plattformen basieren auf dem „Advertisement“- und dem
„Affiliate“-Modell. Teilweise bestehen auch Subscription Modelle, wie auf Last.fm und
Musicovery.
Es existieren zudem Plattformen, die versuchen gängige Methoden und Wege durch neue
Ideen zu verändern. Grooveshark basiert auf einem innovativen Bezahlungsmodell, bei dem
Urheber, Künstler, Label, Grooveshark und der Nutzer an den Einnahmen beteiligt werden.
Mit einer neuen, spielerischen und bunten Darstellungsmethode der Benutzeroberfläche
hebt sich die Plattform Musicovery von der Konkurrenz ab.
110
12. Die Zukunft der Web 2.0 Anbieter
Web 2.0 Technologien gehen immer mehr in die Plattformen der Internetanbieter ein. Reine
Web 2.0 Seiten werden mehr und mehr von vielen deutschen Internetnutzern benutzt und
gefordert. Nachdem die neuen Technologien mehrere Jahre als Wettbewerbsvorteil genutzt
werden konnten gehen diese allmählich in „common sense“ über. So ergab eine Studie der
Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers vom April 2008,
dass 85% der Deutschen, die oft im Internet „surfen“, selbst Mitglied in sozialen Online-
Netzwerken sind. 70% der befragten wollen darüber hinaus nach eigenen Angaben für
immer Mitglied in ihren sozialen Netzwerken bleiben.224
Es handelt sich somit im Zusammenhang mit Web 2.0, nicht um eine erneute „Dotcom-
Blase“, wie Ende der 90er, sondern um die Implementierung von längst entwickelten
Technologien und der Kundenakzeptanz die durch allgemeine Breitbandzugänge ermöglicht
wird.
Web 2.0 Plattformen mit dem Fokus Musik haben ihre Daseinsberechtigung und werden
nicht als Ganzes in den nächsten Jahren völlig verschwinden. Dagegen sprechen zudem die
wachsenden Nutzerzahlen, wie in den einzelnen Analysen der Plattformen dargelegt. Wie in
jeder Marktwirtschaft werden jedoch nur die attraktivsten Angebote bestehen können.
Seien es Preis-, Kosten- oder Qualitätsvorteile oder sonstige Merkmale, wie innovative
Ideen, die die Plattform von der Konkurrenz abheben. Auf Dauer müssen die Unternehmen
in die Gewinnzone geführt werden und dabei werden nur die Unternehmen mit der besten
Kombination aus Geschäftsmodell, Kundenstamm und die Kostenreduktion durch
Erfahrungskurveneffekte bestehen können. Last.fm verfolgt hierbei einen viel
versprechenden Weg.
Die Plattform konzipiert gerade ein legales „Streaming“-Modell. So bestehen bereits
Verträge mit EMI, Warner Music Group, Universal Music Group, CD Baby, The Orchard und
IODA sowie mit 150.000 Independent Künstlern und Labels. Der vierte Major Sony BMG hat
derzeit sein Repertoire zurückgezogen, um bessere Konditionen zu erhalten, wie im Punkt
8.2.1. dargelegt.
224
o.V.: Nutzer Sozialer Netzwerke sind treu - doch beim Geld hört die Freundschaft auf
http://www.pwc.de/portal/pub/!ut/p/kcxml/04_Sj9SPykssy0xPLMnMz0vM0Y_QjzKLd4p3NgsASZnFG8Q76kfCR
Hw98nNT9YP0vfUD9AtyI8odHRUVARB3vvI!/delta/base64xml/L3dJdyEvd0ZNQUFzQUMvNElVRS82X0JfQ0VS?sit
eArea=49c4e4a420942bcb&content=e51fa203db61223&topNavNode=49c4e4a420942bcb (06.06.2008).
111
Sobald Sony BMG erneut zustimmt, verfügt Last.fm über ein nahezu vollständiges Repertoire
an Musik. Die Plattform MySpace arbeitet derzeit an einem ähnlichen Modell und versucht
durch Verträge mit den Major-Labels einen besonders großen Katalog anbieten zu können.
Die Musikindustrie wird pro „Stream“ bezahlt und will durch den Verkauf von Downloads
zusätzlich Einkommen generieren. Der Musikdownload wird in Zukunft jedoch in der
heutigen Art und Weise nicht mehr bestehen, sondern wird durch die neuen Modelle
erweitert und ersetzt.
Die Menschen verfügen zunehmend über mobile Endgeräte. Nach einer Studie von Bitkom
besitzen 100 Deutsche 109 Mobiltelefone.225 Zudem steigen die Verbreitung von EDGE und
UMTS weiter an. Bitkom (Bundesverband Informationswirtschaft Telekommunikation und
neue Medien e.V.) schreibt dazu: „Nach dem Siegeszug von DSL setzen sich schnelle
Internetverbindungen auch im Mobilfunk durch. Zum Jahreswechsel gab es erstmals mehr
als 10 Mio.en UMTS-Anschlüsse in Deutschland. In diesem Jahr soll die Zahl um 60 Prozent
auf fast 16 Mio.en steigen. Jeder zweite Mobilfunkanschluss, der im Jahr 2008 zusätzlich
geschaltet wird, nutzt den breitbandigen UMTS-Standard.“226
In einigen Jahren werden Flatrate Modelle für mobile Internetnutzung zu ähnlich niedrigen
Preisen verfügbar sein, wie die Internetnutzung derzeit zu Hause. Die Übertragungsraten
werden schnell genug sein, um immer und überall die eigene Musik zu hören - Nicht als
Download, sondern als Stream. Der Download wird überflüssig.
Plattformen, die derzeit ihre Einnahmen durch den Verkauf von Downloads generieren,
müssen ihre Strategie ändern, da durch einzelne Downloads alleine der mündige Kunde nicht
mehr zufriedenzustellen ist, wenn es auf anderen Plattformen bessere Funktionalität und
weitaus günstiger Musik zu erwerben ist. Nicht zuletzt spielt der Preis bei 95% illegaler
Downloads eine große Rolle.
Darüber hinaus werden Funktionen wie personalisierte Empfehlungen und Empfehlungen
aus dem Freundeskreis immer wichtiger. Die Menschen vertrauen der traditionellen
Werbung nicht mehr ausschließlich.
225
Vgl. Gröger, R.: Pressekonferenz Neue Handy-Dienste
http://www.google.de/url?sa=t&ct=res&cd=1&url=http%3A%2F%2Fwww.bitkom.org%2Ffiles%2Fdocuments%
2FPraesentation_BITKOM-PK_Mobilfunk.pdf&ei=_Nl7R6DNKYGYwwHAjIDMBw&usg=AFQjCNGKysU6-
TJc7zJ9dG5agf3k0q1TjA&sig2=1IFFrecG6tehqtNNh_OqEw (01.07.2008).
226
o.V.: Erstmals mehr als 10 Mio.en UMTS-Anschlüsse in Deutschland
http://www.webreaders.de/2008/02/11/erstmals-mehr-als-10-millionen-umts-anschluesse-in-deutschland-
1212017.html (01.07.2008).
112
Die beiden Marktforschungsunternehmen Harris Interactive und Fleishman-Hillard kamen
bei einer Studie zu dem Ergebnis, dass das Web als Entscheidungsfaktor, doppelt so häufig
genannt wird wie das Fernsehen.227 „Noch interessanter ist, wovon wir uns online
beeinflussen lassen. Am wichtigsten sind die Empfehlungen anderer Nutzer.“ 228
Last.fm verfügt über diverse Möglichkeiten Musik untereinander zu empfehlen. Über dies
hinaus ermöglicht Last.fm personalisierte Empfehlungen die auf den eigenen
Hörgewohnheiten der Nutzer basieren. Dies wird wie im Punkt 8.2.1. dargelegt, durch den
Audioscrobbler ermöglicht. In diesen Bereichen kann, die nach Nutzerzahl größte Plattform,
MySpace nicht mit Last.fm konkurrieren.
Prof. Hubert Wandjo, Studiengangsleiter „Musicbusiness“ der Popakademie Baden-
Württemberg sagt dazu:“ Der digitale Vertrieb wird ein Meilenstein für zukünftigen
Musikkonsum werden können, wenn er höchsten Komfort, individualisierte Datenbanken mit
effizienten Empfehlungssystemen im Rahmen einer Flatrate bei höchster audio/visueller
Qualität bietet.“
Darüber hinaus bietet Last.fm nicht nur Musik an, sondern die dazugehörigen Informationen
über Künstler, Alben und Konzerte. Dem User werden Konzerte, die in seiner Nähe
stattfinden empfohlen. Tickets können direkt über Last.fm gekauft werden.
Somit liefert Last.fm den Nutzern viele zusätzliche Möglichkeiten und Informationen zum
Thema Musik.
Tim Renner, CEO von Motor Records unterstützt diese Vorgehensweise von Last.fm: „Du bist
Benutzer und dann wird dir gezeigt was es noch von dem Künstler gibt: Du siehst den
Katalog, siehst Merch und siehst den nächsten Gig und kannst alles direkt kaufen.“
Zudem bestehen hohe Austrittsbarrieren bei der Plattform Last.fm. Falls ein ähnliches
Angebot geschaffen wird, werden nicht viele Nutzer Last.fm verlassen. Sie haben über
Wochen, Monate oder Jahre ihre Lieder durch den Audioscrobbler registrieren lassen.
Last.fm kennt dadurch die Hörgewohnheiten der Nutzer viel besser als jede andere
Plattform.
227
Vgl. Friedrich, A.: Online-Empfehlungen führen zur Kaufentscheidung
http://www.themenblog.de/2008/06/onlineempfehlungen_fuhren_zur_kaufentsch.html (10.06.2008).
228
Ebenda.
113
Derzeit basieren die meisten Ertragsmodelle der Web 2.0 Plattformen mit dem Fokus Musik
auf dem Advertisement Modell. Die Bedeutung von konventioneller Bannerwerbung sinkt
jedoch.229
Es müssen in Zukunft andere Wege gefunden werden, damit Plattformen wirtschaftlich
agieren können. Derzeit sind zwei Modelle denkbar. Zum einen das Anbieten von
personalisierter Werbung. Dadurch gewinnen Banner wieder an Attraktivität. Diesen Weg
verfolgen soziale Netzwerke wie beispielsweise MySpace. Dafür sind viele Informationen
über die einzelnen Nutzer notwendig.
Eine Studie von PricewaterhouseCoopers ergab, dass 37% der Nutzer personalisierte
Werbung akzeptieren würden. Dadurch können höhere Werbeerlöse erzielt werden.230
Die zweite Möglichkeit ist das Anbieten von zusätzlichen Produkten und Dienstleistungen die
Geld generieren.
229
Vgl. Friedrich, A.: Online-Empfehlungen führen zur Kaufentscheidung
http://www.themenblog.de/2008/06/onlineempfehlungen_fuhren_zur_kaufentsch.html (10.06.2008).
230
o.V.: Nutzer Sozialer Netzwerke sind treu - doch beim Geld hört die Freundschaft auf
http://www.pwc.de/portal/pub/!ut/p/kcxml/04_Sj9SPykssy0xPLMnMz0vM0Y_QjzKLd4p3djUBSZnFG8Q76kfCRI
L0vfV9PfJzU_UD9AtyI8odHRUVASpBSEg!/delta/base64xml/L3dJdyEvd0ZNQUFzQUMvNElVRS82X0JfQ0VS?siteA
rea=49c4e4a420942bcb&content=e51fa203db61223&topNavNode=49c4e4a420942bcb (01.07.2008).
114
13. Die Zukunft der Musik nach Dave Kusek und Gerd Leonhard
Dave Kusek, Musiker und Musikpionier und Gerd Leonhard, angesehener Futurist und viel
zitierter Visionär, haben zusammen das Buch „Die Zukunft der Musik“ geschrieben. Darin
schildern sie ihre Ideen und Einschätzungen zur Entwicklung der Musikindustrie.
Im Folgenden werden kurz ihre Kernaussagen erläutert und ihr Modell „music like water“
dargestellt:
Musik wird in Zukunft verfügbar sein wie Wasser - frei fließend und allgegenwärtig.
Das Verlangen nach Wasser zählt zu den Grundbedürfnissen und die Menschen zahlen dafür.
Dadurch existieren einige sehr reiche Wasserversorgungsunternehmen. Die Menschen
bezahlen ohne viel darüber nachzudenken. Die Kosten gehören zum Leben dazu. Sie sind
normal. Schließlich ist der Betrag pro Liter sehr gering. Es werden keine Gebühren verlangt,
falls jemand sich bei einem Freund die Hände wäscht, aus einem Wasserhahn trinkt oder
jemand im Fitnesscenter duscht. Trotz der allgegenwärtigen Verfügbarkeit von Wasser aus
dem Hahn, existieren zusätzlich Premiumprodukte wie Pellegrino- und Evian-
Wasserflaschen. Hierfür zahlen Menschen gerne mehr. Schließlich erhält der Konsument
dadurch keimfreies Wasser, eine schöne Verpackung, die den Transport erleichtert und
Zusätze, wie Kohlensäure und Mineralien.
Dieses Modell könnte auch auf die Musikindustrie übertragen werden. Musik ist für eine
Pauschale oder einen sehr günstigen „pro Liter Betrag“ verfügbar. Eine kleine Ausgabe, die
zum Leben dazu gehört. Darüber hinaus werden mit Premiumprodukten, wie CDs mit
ausgefallener Verpackung, Tickets, Erlaubnis beim Videodreh vor Ort zu sein und anderen
Ideen zusätzliche Einkommensströme generiert.
Das Copyright und das Urheberrecht müssen an das Modell angepasst werden, so dass es
der Gesellschaft dient und jeder Beteiligte gerecht entlohnt wird.
David Bowie sagte dazu in einem New York Times Artikel im Juni 2002:
„Alles was wir jemals über Musik dachten, wird sich innerhalb der nächsten 10 Jahre
komplett umwandeln und daran werden wir nichts ändern können […] Ich bin davon
überzeugt, dass es in 10 Jahren kein Copyright mehr geben wird, und dass Autorenschaft und
geistiges Eigentum ganz schön was abkriegen werden.“
Die Digitalisierung der letzten Jahre hat die Musikindustrie stark geschädigt. Doch
einhergehend mit den sinkenden CD Verkäufen ist ein recht pulsierender und lebendiger
Musikmarkt. In den vergangenen Jahren wurde soviel Musik konsumiert wie nie zuvor.
115
Eigentlich könnten sich die Plattenfirmen und die Musikfans bei den Filesharing-Plattformen
bedanken. Der Zugang zu Musik ist so einfach wie nie zuvor. Durch Netzwerke und das
Internet werden Musiknischen immer weiter hervorgehoben und der Massenmarkt gerät
immer weiter in den Hintergrund.
Die Musikindustrie hat es jedoch nicht geschafft angemessen auf den Wandel zu reagieren.
Die erfolgreichsten Unternehmen weltweit begehen eigentlich nicht den Fehler Neues
zunächst zurück zu weisen. Sie versuchen selbst Nutzen aus den neuen Entwicklungen zu
generieren.
„Man ist doch nicht der Eismann, der immer noch versucht, den Menschen Eisblöcke zu
verkaufen, obwohl bereits jeder einen Kühlschrank besitzt.“231
Warum wehrt sich die Musik trotzdem immer noch extrem gegen das „music like water“ –
Modell?
Sie wollen die Kontrolle nicht aufgeben und sind in gelernten Normen gefangen. Trotzdem
wird sich in Zukunft zeigen, dass man Menschen keine überteuerten Plastikscheiben
verkaufen kann, die schon Zugang zum kompletten Musikkatalog haben. Bisher wurde
Wasser nur als Premiumprodukt in Evianflaschen verkauft, doch die Menschen beginnen das
Leitungswasser zu entdecken.
Auch das Marketing der Musikindustrie wird sich ändern. Die Präsenz eines Künstlers, ist wie
heute, auch in Zukunft unabdingbar. Doch es wird konkurrenzbetonter und viel schneller
ablaufen.
In den vergangenen Jahren haben die Major-Labels gemeinsam mit ihren großen
Medienpartnern den Vertrieb und das Marketing kontrolliert. Musik wurde über Radios,
Musikfernsehen, Mundpropaganda und Magazine entdeckt. Heute stehen den Menschen
viele andere Wege zur Verfügung. Das Internet gewinnt immer mehr an Bedeutung,
während Radio und Fernsehen unwichtiger wird. „Taste Agents“ und Programme, die uns
neue Musik empfehlen, helfen uns neue Musik, passend zu unseren Hörgewohnheiten zu
entdecken. Denn der Mensch neigt dazu, sich gegenüber Musik zu öffnen die so ähnlich
klingt wie die Musik, die man selbst hört. Diese Erkenntnisse wurden aus zahlreichen Studien
über Konsumentenverhalten im Online-Radio gezogen.
231
Kusek, D. & Leonhard, G.: Die Zukunft der Musik (2006) S.8.
116
„Zum Glück neigen sich die Zeiten des Einheits-Massenmarketings mit seinen Weltstars für
ein Weltpublikum dem Ende zu. Schon bald wird sich im Vertrieb, und noch mehr im
Marketing, ein Wechsel hin zu digitalen Mitteln vollziehen.“232
Mobile Anwendungen und mobile Netzwerke werden immer attraktiver und werden das
Musikbusiness und das Musikmarketing radikal verändern.
Die Firmen müssen ihre Kunden besser kennen lernen und Direktmarketing betreiben. Es
muss ein Verhältnis zwischen Firma und Kunden aufgebaut werden. Dadurch können
Informationen über Kunden dazu dienen, passendere Produkte anzubieten.
In seinem Blog „Mediafuturist“, stellt Gerd Leonhard eine weitere These auf: “Blogs will be
Record Labels, and Bloggers will be the new Music Moguls. BlogJs anyone?“233
Folgende Kernaussagen stecken hinter seiner Vision:
Innerhalb der nächsten zwei Jahre, werden die führenden Musikblogs zu „Record Labels“
werden. Die Leute, die sie schreiben und pflegen, werden gut vernetzten BlogJs sein, bisher
bekannt als Blogger. Sie werden ihre Blogs als die primäre Art, Aufmerksamkeit für Musik zu
erzeugen nutzen und werden ein komplettes Angebot anbieten, das TV Sendungen, Chats,
Webcasts und Spiele beinhalte. Die BlogJs werden auf allen Plattformen und Endgeräten
Musik verbreiten.
Ihre Leser- und Hörerschaft wird ihnen per RSS Feeds und personalisierten Startseiten
folgen. Sie werden die neuen Informationen über alle ihre Endgeräte empfangen können,
ihren Fernseher, ihr Handy, ihren Computer, ihren interaktiven Badspiegel, ihr Autoradio, …
Diese Inhalte werden von jedem einzelnen über unzählige Widgets wiederholt weiter
verbreitet und empfohlen. Das Marketing der Zukunft wird somit durch und mit den Nutzern
stattfinden und manche werden dafür sogar bezahlt werden.
BlogJs werden authentisch sein, sie werden die Massen in Punkten wie Technology, Stil,
„Coolness“, Trends, Politik und Mode leiten.
Blogs werden mit sozialen Netzwerken verschmelzen. Jeder einzelne wird senden und seine
eigene Lieblingsband, seine Lieblingslieder und seinen Geschmack weitergeben.
Die Anzahl an Musikblogs wird mit dem Entstehen von Musik-Flatrates stark zunehmen.
Blog-Aggregatoren werden die neuen Radios sein. Hunderte von nischenbegeisterten BlogJs
232
Ebenda S.58.
233
Leonhard, G.: Future Stories #1: Blogs will be Record Labels, and Bloggers will be the new Music Moguls.
BlogJs anyone? http://www.mediafuturist.com/2008/04/future-stories.html (30.06.2008).
117
werden entstehen, die zu vertrauenswürdigen Meinungsführern werden. Sie werden
tausende von Musikfans begeistern, die dadurch neue Musik entdecken werden. Wie im
heutigen Musikfernsehen wird Authentizität und „Coolness“ regieren.
„Those former MP3 pirates and stream-rippers are the new Clive Davis’s and Ahmet Erteguns
- they have the ears for the new artists and a direct pipeline (read: feed) to perfectly matched
audiences, around the globe. […] music-based blogging will be unleashed in a major way and
stands to become very powerful very quickly - everyone is going to want a piece of that hot
new BlogJ. This is when we will see blogs become record labels and music publishers (albeit
with an altogether different operating paradigm), filling the gaping void that has been left by
the dinosauric and hopelessly control-obsessed Major-Labels, those large indie label chiefs
that still hope to become Major-Label bosses themselves before the money dries up, short-
sighted and technologically hyper-challenged manaNipho95gers, and eerily self-outmoding
public broadcasters.“234
234
Leonhard, G.: Future Stories #1: Blogs will be Record Labels, and Bloggers will be the new Music Moguls.
BlogJs anyone? http://www.mediafuturist.com/2008/04/future-stories.html (30.06.2008).
118
14. Superdistribution
14.1. Funktionsweise
“Superdistribution is a system involving distributed music tracks/digital data that allows
consumers to preview material before purchasing. Every ensuing sales commission then gets
shared with those that helped to pass the song/data along.” (Ted Cohem, EMI)
Superdistribution ist demnach ein Modell, welches es dem Käufer von digitalen Inhalten
erlaubt, diese weiter zu verbreiten. Statt auf restriktiven Kopierschutz, setzt dieses System
vor allem auf positive Anreize zum Bezahlen. Denn der Käufer von digitalem Inhalt wird,
sofern er diesen weiterverbreitet, anteilig für die Distributionsleistung entlohnt.
Wie die Abbildung 4 zeigt, lässt sich der Distributionsprozess in verschiedene Ebenen
aufteilen. Die erste Ebene stellt den Vertrieb der Musik zwischen dem Musikanbieter und
den Kunden dar. Der Kunde zahlt einen festgelegten Betrag und erhält dafür sowohl das
Musikstück, als auch das Recht zur Weiterverbreitung von der Download-Plattform(1).
Macht dieser von seinem erworbenen Wiederverkaufsrecht Gebrauch, verkauft er das
Musikstück an weitere Konsumenten(2). Diese zahlen einen festgelegten Betrag und
erhalten wiederum das Musikstück mit dem Recht zur Weiterverbreitung. Für seine
Distributionsleistung wird der erste Kunde (Ebene 1) über ein Belohnungssystem belohnt.
Auch die Downloadplattform (und damit auch die Rechteinhaber) profitiert von dem
Verkauf des Musikstücks über mehrere Ebenen: Sie erhält den Kaufpreis abzüglich der
Beteiligung, die der Wiederverkäufer für seine Dienste bekommt.235
235
Vgl. O.V.: 4FO's Multi-level Superdistribution Technology
http://www.4fo.de/download/MLSuperdistribution_Flyer.pdf (28.06.2008).
119
Abbildung 8 - Funktionsweise der Superdistribution
14.2. Praktisches Beispiel – Das PotatoSystem des Fraunhofer
Institutes
Das PotatoSystem ist eine Entwicklung der 4FriendsOnly.com Internet Technologies AG236
und des Fraunhofer Instituts für Digitale Medientechnologien237 für Plattenfirmen, Künstler
und Produzenten. Es basiert auf einem Anreizsystem zum legalen Erwerb digitaler Güter,
welches bewusst auf einen Kopierschutz verzichtet. Dadurch erhält der Nutzer ein
Höchstmaß an Nutzungsfreiheit. In Zusammenarbeit mit der GEMA bleiben die Rechte der
Künstler und Urheber gewahrt. 238
Dabei setzt das PotatoSystem auf unterschiedliche Distributionswege: Über einen
automatisch generierten Verkaufslink als html-Code kann das Download-Angebot in jede
Homepage eingebaut werden. Zusätzlich dazu können sogenannte Widgets (kleine
236
http://www.4FO.de.
237
Weitere Information unter http://www.idmt.fraunhofer.de.
238
Nützel & Grimm: Musikvertrieb mit Potato Web Services (2005), Datenschutz und Datensicherheit 29 S.125.
Webbausteine) in die Homepage, Community oder z.B. auf der MySpace-Seite eingefügt
werden. Dazu bekommt jeder Anbieter automatisch einen eigenen Download-Shop auf der
Seite von PotatoSystem. 239 Neu ist, dass der Konsument über verschiedene Wege zum
Bezahlen des Produktes animiert wird: Er erhält bei erfolgreichem Weiterverkauf einen
Provisionsanteil.
Die Abbildung 9240zeigt den
Verlauf der Transaktion. Der
Erstanbieter (z.B. Produzent
oder Plattenfirma) stellt
einen Verkaufslink auf
seiner Homepage ein(1).
Dieser enthält eine
Transaktionsnummer (TAN).
Bezahlt der Konsument nun
für die digitale Datei(2),
Abbildung 9 – PotatoSystem zwischen Produzent und Konsument
fließt der Verkaufspreis
zunächst an den Bezahlsystem-Anbieter. Er übermittelt die Konsumentendaten und die alte
TAN an den Web-Service des Potato-Systems welcher der Datei eine neue TAN zuweist
(3+4). Daraufhin bekommt der Konsument die Datei geliefert, welche eine neue TAN enthält
(5). Der Bezahlsystem-Anbieter verteilt schlussendlich die Anteile, welche den
Rechteinhabern zustehen.
239
Vgl. O.V.: http://www.potatosystem.de - FAQ (25.06.2008).
240
Vgl. o.V.: Infoblatt des Fraunhofer Institutes
http://www.vue.fraunhofer.de/fileadmin/Dateien/Medien_PR/pdf/Sonstiges/Fraunhofer-IDMT%20-
%20Das%20Potato-System.pdf (02.07.08).
Die TAN stellt in diesem Fall
sicher, dass das verkaufte
Musikstück eindeutig dem
bestimmten Konsumenten
zugeordnet werden kann.
Dies wird im nächsten
Schritt deutlich, wenn der
erste Konsument das
Musikstück an einen zweiten
Konsumenten weiterverkauft
Abbildung 10 – PotatoSystem zwischen Erstkäufer und Konsumenten
(siehe Abbildung 10241). Über
ein dezentrales Peer-to-Peer-Netzwerk wird die digitale Datei an den zweiten Konsumenten
transferiert (1). Dieser bezahlt den fälligen Kaufpreis an den Bezahlsystem-Anbieter und
erhält dafür eine neue, personalisierte TAN (4/5), welche automatisch in die Datei eingebaut
wird. Der Bezahlsystem-Anbieter erstellt daraufhin die Abrechnung für alle Beteiligten:
Sowohl er, als auch der Erstanbieter und der erste Konsument erhalten die jeweiligen
Anteile am Verkaufserlös.
Entscheidend ist in diesem Fall, dass der Vertrieb der digitalen Musikdateien zwischen den
Konsumenten dezentral, also über ein Peer-to-Peer-Netzwerk geschieht. Die Nutzer von
PotatoSystem erhalten über einen P2P-Client Zugriff auf alle Dateien, die andere Käufer für
sie bereitstellen. Das bedeutet, dass jeder Nutzer die Musikstücke auch kostenlos erhalten
kann. Ein Wiederverkaufsrecht und somit eine Provisionsbeteiligung erhält er jedoch erst,
wenn er selbst für den Musiktitel bezahlt hat.
241
Vgl. Ebenda.
14.3. Verteilung der Provisionen
Die Provisionen am Verkaufserlös werden
von dem Bezahlsystem-Anbieter auf die
einzelnen Beteiligten verteilt: Der
Rechteinhaber erhält nach seiner
abonnierten Nutzungsart einen Anteil
zwischen 55% und 70%, welcher bereits die
GEMA-Abgaben enthält. Für
Transaktionskosten werden 14% verwendet.
Der Nutzer erhält einen Wiederverkaufsanteil
von 14%.242
Abbildung 11 - Wiederverkaufsprovisionen und Affiliate-Anteil
Die Provision beim Wiederverkauf teilt
sich folgendermaßen auf: Als direkter
10% des
Verkäufer an einen Kunden erhält der Verkaufserlöses
Nutzer 10% des Verkaufserlöses. 3% des
Verkauft dieser das Musikstück an Verkaufserlöses
1% des
einen weiteren Konsumenten, so
Verkaufserlöses
erhält der Erstanbieter noch 3% des
Abbildung 12 - Provisionen beim Wiederverkauf zwischen
Verkaufserlöses. Wird das Musikstück Kunden
erneut verkauft erhält der Erstanbieter
noch 1% des Erlöses.243
242
Vgl. o.V.: http://www.potatosystem.de - FAQ (25.06.2008).
243
Vgl. Ebenda.
14.4. Schlussfolgerungen aus dem Superdistributionsmodells
Das PotatoSystem setzt das theoretische Modell der Superdistribution in die Praxis um. Der
Kunde zahlt nicht für die Musik direkt, sondern für das Recht, die Musikstücke weiter zu
verkaufen. Die einzelnen Musikstücke sind aber auch umsonst erhältlich. Möchte der
Konsument sie aber weiterverkaufen (und damit das Recht auf Provision bekommen), muss
er dafür bezahlen.
Dabei geht es in erster Linie darum, dem Konsumenten einen finanziellen Anreiz zu geben,
die Musikstücke legal zu erwerben. Denn sobald er diese legal kauft, hat er die Möglichkeit,
mit diesen Musikstücken über eine Peer-to-Peer-Plattform (P2P) Geld zu verdienen. Dabei
hängt der zu erzielende Gewinn auch vom Konsumenten selbst ab. Desto mehr Nutzer und
Freunde er über das Internet auf seinen Verkauf hinweist, desto größer ist die Chance,
Gewinne zu erzielen.
Aber auch der Künstler und die Plattenfirmen können von diesem Modell enorm profitieren.
Die Distributions- und Marketingkosten werden in diesem Fall komplett auf den Nutzer
übertragen. Durch die Möglichkeit, Musikstücke kostenlos zu erhalten, kann eine breite
Streuung aufmerksamkeitsfördernd wirken. Außerdem wird das gesamte
Transaktionsmanagement von der Plattform übernommen.
Problematisch für den Massenmarkt stellt sich die Komplexität dieses Modells dar. Die
Verteilung der Provisionen ist unter Umständen nicht für alle Nutzer direkt nachzuvollziehen.
Dieses Problem könnte über eine einfache Peer-to-Peer-Software (angelehnt an z.B. Kazaa)
gelöst werden, die die Verkaufsprozesse an weitere Nutzer automatisiert.
Der Erfolg dieses Modells wird deshalb weitgehend von der Verständlichkeit des Systems
und der Bedienungsfreundlichkeit abhängen. Sollte dies gelingen, kann PotatoSystem eine
starke Konkurrenz zu den bestehenden Download-Portalen werden.
124
15. Schlussbetrachtung
Nach der Betrachtung der verschiedenen Teilnehmer der Wertschöpfungskette der
Musikdistribution wird ersichtlich, wie stark sich der Markt in den letzten Jahren gewandelt
hat. Alleine im Zeitraum des Entstehens dieser Studie haben sich die Strategien der
betrachteten Unternehmen geändert. Eine Abkehr von DRM und eine Einbettung der Web
2.0 Funktionalität in die bestehenden Angebote der großen Anbieter konnte beobachtet
werden.
In der Studie werden zum Großteil Unternehmen und Geschäftsmodelle behandelt die in
den letzten Jahren entstanden sind. Von daher ist auch die Verunsicherung der Major-Labels
zu verständlich, die in den letzten Jahren versucht haben mit DRM oder mangelhafter
Umsetzung von eigenen Shops, ihren Marktanteil zu verteidigen. Diese unüberlegten
Reaktionen haben dem Markteintritt von neuen Unternehmen aus dem Internet und
Technologiesektor die Tür geöffnet. Der Konsument wurde kriminalisiert, nachdem der
Kampf gegen P2P Tauschbörsen schon verloren war. Statt die verlorengegangen Kunden
durch neue, einfache Möglichkeiten Musik zu entdecken und zu kaufen wiederzugewinnen,
hat die Strategie der Kriminalisierung zu einer weiteren Abkehr des Kunden von den Labels
geführt. Der Konsument gibt immer noch gerne sein Geld für die Künstler aus, jedoch eher
für Live Konzerte oder Merchandise Artikel. Neue Unternehmen haben diesen Trend erkannt
und bieten Musik kostenlos und werbefinanziert an. Diese Nische wurde von den
technologisch überlegenen Unternehmen aus dem Internetbereich genutzt. Die Strategien
der verschiedenen Marktteilnehmer sind teils als Reaktionen auf die neuen
Marktgegebenheiten und diese neuen Teilnehmer zu verstehen.
Auf der anderen Seite haben diese Tendenzen, die durch technologischen Fortschritt und die
massenhafte Verbreitung des Internets auch auf mobilen Geräten hervorgerufen wurde,
auch zum Markteintritt von neuen Unternehmen und Geschäftsmodellen geführt. Vor allem
im Bereich des Internets haben es Firmen wie Apple oder MySpace geschafft sich eine
Position in der Wertschöpfungskette zu sichern. Einige der neuen Marktteilnehmer werden
andere traditionelle Mitbewerber verdrängen, die die Transformation hin zur Adaption der
125
neuen Technologien und Marktgegebenheiten nicht schaffen. Als Beweis könnten hier die
Probleme des Major-Labels EMI herangezogen werden.244
Unternehmen müssen diese neue Konstellation nicht nur also Risiko sondern auch als
Chance begreifen. Die Konsolidierung der traditionellen Anbieter wird weiter fortschreiten,
jedoch werden auch die vielen jungen Web 2.0 Unternehmen die finanzielle Tragfähigkeit
ihrer Modelle unter Beweis stellen müssen. Hier entsteht noch weiteres Potenzial für
Übernahmen und Partnerschaften um die schon erwähnten 360-Grad-Deals vollständig
abdecken zu können. Des Weiteren müssen auch Strategien entwickelt werden um der zu
stark gewordenen Download Plattform iTunes, die sich die dominante Position infolge der
Quersubventionierung durch den iPod ermöglicht hat, gegenüberzutreten.
Eine Möglichkeit sind Partnerschaften von traditionellen Unternehmen mit den Web 2.0
Plattformen um die Musik wieder legal und gegen Geld zu verbreiten. Diese Strategie kann
im Jahr 2008 beobachtet werden, als erstmals Web 2.0 Portale wie Youtube oder last.fm
Lizenzverträge für die Lieder auf ihren Plattformen aushandeln. Die Web 2.0 Plattformen
entgehen somit auch dem Rechtsweg, den die Plattenfirmen sonst eingeschlagen hätten. Am
Beispiel Napster wird klar, dass dies keine Lösung wäre.
Einige der Web 2.0 Geschäftsmodelle haben sich in der Zwischenzeit als nicht wirtschaftlich
herausgestellt, andere funktionieren nur in Kombination. So wird von allen Internetseiten
eine Werbefinanzierung zumindest als Unterstützung genutzt. Neue Ertragsmodelle, neben
einem Werbemodell, müssen jedoch etabliert werden, um sinkende Bannereinnahmen
aufzufangen und rentabel agieren zu können. Auch für den Werbetreibenden hat dies den
Vorteil zielgruppengenaue Werbung anzubieten. Diesem Bereich wird auch in Zukunft auch
immer größere Aufmerksamkeit zukommen.245 Der Nutzer der Zukunft wird nun nicht mehr
durch Postwurfsendungen sondern gezielt nach seinen Interessen angesprochen. Die
persönliche Empfehlung hat im Musikbereich immer schon eine große Rolle gespielt, da die
Masse der Konsumenten eine Orientierung benötigt.
244
Vgl. o.V.: EMI streicht 2.000 Stellen
http://futurezone.orf.at/business/stories/249181/ (20.06.2008)
245
Vgl. Berman, Paul. Battino, Bill. Shipnuck, Lousia. Neus, Andreas: The end of advertising as we know it. In
IBM Institute for Business Value – Media and Entertainment Study (2007). S.2
http://www-03.ibm.com/industries/media/doc/content/resource/business/2898468111.html (10.6.2008)
126
Diese Orientierung wird nun durch die Nutzer selbst und ihren virtuellen Identitäten in
Sozialen Netzwerken und Blogs geschaffen. Dies hat für den Werbetreibenden eine höhere
Investitionsauszahlung zur Folge und ermöglicht der Werbeplattform höhere Preise für die
Werbeflächen.
Internetplattformen wie die sozialen Netzwerke MySpace oder Facebook haben durch den
massenhaften Zuwachs der Nutzerzahlen das Community Model sehr populär gemacht. Wie
wirtschaftlich dies am Ende ist, muss noch bewiesen werden. Marktschwergewichte
schätzen das Potenzial solcher Plattformen als enorm groß ein. So wurde MySpace.com von
der NewsCorporation 2005 für $580 Mio.en aufgekauft.246 Die Studenten Community
Facebook gibt zu diesem Zeitpunkt keine Auskunft über ihre finanzielle Lage und ist nicht an
der Börse notiert. Lediglich aus einem Kooperationsvertrag mit Microsoft 2007 konnte ein
hypothetischer Wert der Platform von $16 Mrd. errechnet werden.247
In Zukunft wird eine ganzheitliche Strategie erforderlich sein die auch Web 2.0 Unternehmen
miteinbezieht, da diese mittlerweile über eine enorme Kundenreichweite und –bindung
verfügen. Traditionelle Anbieter wie Musicload müssen diese neuen Marktbewegungen
adaptieren und in ihre Strategie mit einbeziehen um für Nutzer interessant zu bleiben.
Vorausgesetzt die Plattform soll autark wirtschaftlich sein.
Die Nutzung sozialer Netzwerke eröffnet die Möglichkeit auch Marktnischen zu bedienen.
Denn mit Hilfe von Persönlichkeitsprofilen kann direkt der Musikgeschmack jedes Kunden
analysiert und bedient werden kann. Damit ergibt sich für die Plattenfirmen die Möglichkeit
zum „Amazon.com“ der Musikbranche zu aufzusteigen und die individuelle Nachfrage von
Musikliebhabern mit längst vergessenen Titeln aus der eigenen Datenbank abzudecken.“ A
Long Tail“ statt Bedienung des Massenmarktes könnte sich auch hier als lohnend, zumindest
für die Plattenfirmen, herausstellen. Retailer brauchen jedenfalls eine Strategie, die solche
Schachzüge der Wettbewerber miteinbezieht.
Für die Plattenlabels könnte der alte Katalog als Stütze und Einnahmemodell dienen statt mit
wenige große Stars zu versuchen den Massenmarkt zu bedienen.
246
o.V.: News Corp in $580m internet buy (2005)
http://news.bbc.co.uk/2/hi/business/4695495.stm (10.6.2008)
247
o.V.: Facebook and Microsoft Expand Strategic Alliance (2007)
http://www.microsoft.com/Presspass/press/2007/oct07/10-24FacebookPR.mspx (10.6.2008)
127
Geschäftsmodellinnovationen, wie beispielsweise bei den Luftfahrtgesellschaften, sind nötig
um sich einen Platz im digitalen Markt zu sichern.
Im Bereich des Künstlerselbstvertriebs hat die digitale Revolution die Möglichkeiten für den
Künstler vereinfacht und ihm ermöglicht günstig selbst zu produzieren und zu vermarkten.
Prominente Beispiele hierfür sind Radiohead und Nine Inch Nails. Diese waren sehr
medienwirksam und wirtschaftlich erfolgreich. Ob dies auch für unbekannte Künstler
erfolgreich umsetzbar ist bleibt fraglich. Die Band Radiohead hatte einen „First Mover
Advantage“ sie sind weltweit bekannte Stars.
Die neue Möglichkeit der Superdistribution bleibt ihren Erfolgsbeweis bis heute schuldig. Ob
dies eine wissenschaftliche und technologische Spielerei bleibt oder ob es zum
wettbewerbsfähigen Vertriebsmodell wird bleibt abzuwarten. Ein Vorteil wäre sicher, dass
finanzielle Anreize für den Kunden geschaffen werden das Produkt legal zu kaufen, da er bei
anschließendem Wiederverkauf anteilsmäßige Provisionen erhält. Die Komplexität des
Modells ist jedoch problematisch für die Einführung in den Massenmarkt.
Die Musikunternehmen müssen ihr traditionelles Modell nicht komplett aufgeben, jedoch
die neuen Trends in eine ganzheitliche Strategie einbetten. Die Transformation kann
allerdings nicht von allen geschafft werden. Rein digitale Einzelhändler wie Musicload
müssen stärker in die vor- und nachgelagerte Wertschöpfungskette eingebunden werden
um nicht am Ende durch zu geringe Margen, einen zu hohen Druck durch den
nachfrageorientierten Markt oder durch neue Geschäftsmodelle wie sie gerade von Sony in
England mit den Telekommunikationsbetreibern getestet werden (P2P mit Abrechnung nach
Traffic und Künstler), erweitert werden.248
Ob sich dieser Trend von einzelnen Song Downloads hin zur Musikflatrate durchsetzt hängt
von der technischen Entwicklung und dem Zusammenspiel der Musikanbieter ab. Da nur ein
allgemein, für alle verfügbares Abrechnungsmodelle für Künstlerdownloads möglich wäre.
Pro Stunde oder nach Volumen kann nicht abgerechnet werden. Dies wäre zwar für den
Hörer ein logisches Modell, für den einzelnen Künstler müsste aber ein System entwickelt
werden, das erlaubt die Anzahl der Downloads genau jedem einzelnen Künstler weltweit
zuzuordnen und anzurechnen.
248
Vgl. o.V.: P2P in Groß-Britannien legalisiert
http://www.testticker.de/news/netzwerke/news20050823008.aspx (05.07.2008)
128
Von daher wäre wenn überhaupt nur eine generelle Flatrate denkbar, die wegen der
Rechtslage jedoch nur national durchsetzbar wäre. Wenn man bedenkt, dass derzeit 95% der
Musikhörer überhaupt nicht für Musik zahlen wäre ein solches Modell für die Anbieter die
Lösung dieses Problems, da der Marktpreis eben nicht bei einem Euro pro Lied liegt sondern
weitaus geringer ist. Auch wenn auf den ersten Blick iTunes sehr erfolgreich ist, liegt dies zu
einem Großteil an der ganzheitlichen Strategie und der massiven Vermarktung des iPods.
Wenn man jedoch umgekehrt die Absatzmenge erhöht und durch den geringeren Preis die
95% der illegalen Nutzer wieder als legale Käufer gewinnt, ist in der Summe der Betrag am
Ende größer. Nokia wird noch in diesem Jahr mit einem solchen Ansatz in den Markt
eintreten. Dem On-Demand Modell, wo Musikdaten direkt auf den Servern der
Plattenfirmen verbleiben, wird in Zukunft mit der Verbreitung der mobilen Plattform
verstärkt Aufmerksamkeit gewidmet werden. Dadurch wird es zu weiteren
Marktverschiebungen kommen. Insgesamt kann man abschließend festhalten:
Es bleibt spannend.
129
16. Anhang
16.1. Interview mit Tim Renner
1) In welcher Form und über welche Bezugsquellen entdecken Sie Musik?
Ich entdecke Musik gerne über mein eigenes Radio, über MySpace, über Empfehlungen von
Freunden und ich konsumiere sie über Download-Portale. Wenn es geht legal – wenn es nicht
geht eben illegal.
Zwischenfrage:
Du hast gerade eben gesagt, wenn du es nicht legal bekommen kannst, dann eben illegal.
Meinst du jetzt ein spezielles Genre, das du nicht kaufen kannst?
Das Problem das du ganz einfach hast – ich meine ich arbeite ja in der Musikindustrie und
habe keine Intention sie zu schädigen – aber du kommst ganz häufig noch immer zu dem
Problem, dass Musik für die Nutzung im Radio freigegeben wird aber nicht für die Nutzung
als legaler Song. Und da bleibt dir eben gar nichts anderes übrig. Und du kommst in die
Situation, in der du einfach neugierig bist. Wenn du weißt, ein Künstler der dich wahnsinnig
interessiert hat eine neue Platte gemacht und die Veröffentlichung wir heraus gezögert –
dann weißt du wo du die Platte kriegst.
2 a) Welche online Plattformen für Musikdownloads nutzen Sie?
Ich bin Apple User. Ich bin ansonsten Zero-Inch User. Das ist ein neues Portal für
elektronische Musik. Und Beatport.
2 b) Was sind einzelne Vorzüge dieser Plattform gegenüber anderen (warum haben Sie sich
für diese entschieden)?
Das Apple System ist perfekt abgestimmt auf die zugehörige Hardware, oder andersrum. Die
schicke, dazugehörige Hardware zwingt dann auch perfekt in das System rein. Obwohl das
System einen natürlich auch reichlich ärgert, vor allem wenn man die Qualität sieht. Ich lege
ja auch ab und an noch auf – da nervt dann die Apple-Qualität, deshalb auch Beatport und
Zero Inch.
Wenn man einen IPod hat, ist man fast drauf (ITunes) gezwungen, aber wenn du ihn hast, ist
es auch sehr sehr leicht zu verwenden.
130
3) Welchen Preis sind Sie für einen einzelnen legalen und hochwertigen Song – Download
höchstens bereit zu bezahlen?
Da bin ich atypisch. Also das geht bei mir, weil ich sie eben auch in der Dj-ing-Situation nutze,
bis zu drei Euro. Aber ich glaube da bin ich sehr untypisch.
4 a) Beurteilen Sie die Monetarisierung eines Großteils illegaler Vertriebsstrukturen als
wahrscheinlich?
Ich glaube, ja. Es hängt mit dem Leidensdruck der klassischen Musikanbieter zusammen. Die
Musikanbieter haben historisch den Fehler gemacht, Piraten schlagen zu wollen mit einem
Angebot, das schlechter ist als das der Piraten. Das liegt an DRM und an der Geschwindigkeit
der Veröffentlichungen. Das DRM fällt teilweise schon weg und wird auf Dauer fallen, da sind
sie, also insofern sind in unter Druck sind, dann doch lernfähig – zum Glück. Wie es aber auch
eigentlich alle Wirtschaftsunternehmen sein sollten. Und die nächste Stufe muss aus meiner
Sicht sein, entweder – eigentlich logisch – einfache Flatratemodelle die aber dann auch so
gut sind wie Piraterie. Das heißt, ich behalte den Song wenn ich einmal die Flatrate bezahlt
habe. Dazu gibt es ja schon Ansätze – Stichwort Universal-Nokia Deal - Stichwort tds (das
Skandinavische Telefonsystem bei dem dann aber wieder das Universal Repertoire fehlt) also
es gibt DoCoMo-Deals in Japan und Korea – also da gibt es Bewegung in diese Richtung.
Noch nicht ganz konsequent.
Ein anderer Weg ist natürlich P2P, was ermöglicht wird durch Intensivierung des Einzelnen
als Retailer. Ob da nun Systeme wie sie mit Techniken wie Potato – noch viel zu kompliziert –
möglich sind oder ob das einfach eine Whitelabel-Shop-Mechanik ist - was viel einfacher
wäre. Also quasi den Einzelnen dazu zu bringen, dass er selbst ein Interesse hat, das seine
eigene Musik auch weiterverkauft wird. Das halt ich beides für realistisch und für parallel
nebeneinander existent möglich.
4 b) Welche Elemente und Ausprägungen des digitalen Vertriebs empfinden Sie dabei als
wesentliche und ausschlaggebende Einflussfaktoren für die weitere Entwicklung des
legalen Downloadmarktes?
Also ich glaube im Internet ist es nicht anders als in der physischen Welt. In der physischen
Welt ist auch nur dann ein Schallplattenladen gut, wenn er in dem Repertoire das mich
interessiert sehr gut sortiert ist, wenn er sehr schnell in der Beschaffung ist und wenn der
131
Zustand der Ware perfekt ist. Das heißt übertragen auf einen Download-Shop: Die Band
kommt aus dem Studio und dann müsste es per Klick verfügbar sein. Er sollte im Segment
komplett vollständig sein, wo ich für einen Downloadshop kein Problem sehe, und es sollte es
ohne DRM und unter einer hohen Bitrate – die auch auf großen Anlagen gut klingt –
verfügbar sein. Dann bin ich zufrieden. Je weniger ich mich im jeweiligen Segment auskenne,
desto mehr bin ich auf Beratung angewiesen. Und dann werden schlaue Algorithmen prima,
wie sie bislang nur sehr begrenzt bei Musicload und auch schlecht bei ITunes eingesetzt
werden. Auffällig ist dabei dass man bei ITunes auch häufig auf den Imix geht, der mir Musik
zusammenstellt, die ich passend zu meiner Musik mag. Das sehe ich sowohl am eigenen
Nutzungsverhalten, als es auch die Analyse von Apple zugibt. Da sind Empfehlungen noch
häufiger als der Kauf.
Zwischenfrage: Das finde ich jetzt sehr interessant, dass du die Benutzerfreundlichkeit
eigentlich gar nicht genannt hast (auch im Vergleich der Anzahl der Clicks bei Illegalen
Angeboten)
Das liegt schlicht und einfach daran, das ich nicht Musicload benutze sondern Apple, und da
loggst du dich einmal mit drei Clicks ein bzw. sowieso automatisch, wenn du dein Gerät
angemeldet hast, und danach ist es ein Klick zum Kauf. Die Gefahr ist, wenn du hektisch
Musikzusammenstellst hast du sie ganz schnell gekauft. (lacht)
5 a) Welches sind aus Ihrer Sichtweise die Vor- und Nachteile eines Online-
Musikvertriebes, der über individuelle Abrechnungen pro Track-Download betrieben wird?
Der Vorteil ist ganz klar: Die Zuordenbarkeit ist immer 100% gegeben. Es kann kein Streit
aufkommen, wer welche Anteile von welchem Preis hat. Wobei der Preis vom Anbieter
definiert wird und er sozusagen in eine Kollektivität rein gezwungen wird. Der Nachteil ist: es
entspricht nicht dem, wie der Nutzer bereits seinen Content im Internet beschafft. Da mag
man sich noch zu sehr und auch zu Recht ärgern; das Konsumerlebnis des Konsumenten
zählt. Egal ob es legal oder illegal ist. Da liegt das große Problem am One-Track-Download.
5 b) Welches sind aus Ihrer Sichtweise die Vor- und Nachteile eines Online-
Musikvertriebes, der in Form eines Abo Modells betrieben wird?
Vorteil: Es ist sehr leicht vermittelbar. Es ist in der Tat dann endlich so gut wie der Pirat.
Wenn man es gut macht natürlich auch in einer höheren Convenience als der Pirat. Also hier
132
kann aus meiner Sicht die Musikwirtschaft soweit Hoffnung schöpfen, wenn sie auf die
innovativste Wirtschaft schaut. Und das ist immer: Die Pornowirtschaft. Die haben auch kein
anderes Prinzip: Alles was sie als Inhalt haben kriegst du draußen auch umsonst. Sie bieten
dir aber Flatratemodelle an mit einer hohen Convenience.
5 c) Welches sind aus Ihrer Sichtweise die Vor- und Nachteile eines Online-
Musikvertriebes, der über pauschale Abgaben im Sinne einer Kulturflatrate betrieben
wird?
Ich halte es bislang für schwer politisch durchsetzbar. Kulturflatrate bedingt ja, dass wir fast
eine Art GEZ aufbauen. Das wäre absolut vertretbar aber ich fürchte, das wird sich kein
Politiker wirklich trauen. Denn das bedeutet, sich mit den öffentlich-rechtlichen anzulegen.
Ich glaube nicht, dass ein Kulturflatrate ein Additivum zur GEZ sein kann, ich glaube dass sie
Teile substituieren kann. Wenn ich den Artikel 5 der Verfassung nehme, wo es um Zugang zu
Informationen geht, dann betrifft das heutzutage viel mehr das Internet als es die ganzen
klassischen Kommunikationsmedien betrifft. Dementsprechend könnte man ohne Problem
argumentieren, das GEZ-seitig genug Geld übrigbleibt, wenn die öffentlich-rechtlichen
aufhören würden, dasselbe wie die Privaten zu machen sondern ein Additivum zu den
Privaten zu machen. Dann hätte ich wahrscheinlich genug (Mittel) um Musik, Film und
andere Software mit einer Flatrate zu beglücken. Nur: Den Politiker möchte ich sehen der es
sich traut mit Medien, die ihn kommunizieren, anzulegen.
Zwischenfrage: Das wäre ja dann auch eine Sache, die nicht mehr nur Deutschland
betreffen würde sondern global ablaufen müsste?
Da kann natürlich schnell ein gewisser Druck entstehen. In dem Moment, wo die Nationen
beginnen von der Flatrate des anderen zu profitieren, setzt eine Abhängigkeit ein und die
wird ganz schnell dazu führen das Länder, die wenig Probleme damit haben Drohgebärden
auszusenden wenn es um ihre Assetts geht (z.B. USA) dann freundlich auch andere Länder
auffordern würden mitzuspielen.
6) Welche Rolle werden die folgenden Arten des Zugangs zu Musik Ihrer Einschätzung nach
in 4 Jahren (noch) spielen?
133
Traditioneller Vertriebsweg (physischer Musikvertrieb; Selbstvertrieb / Direktvertrieb
(zukünftig flat fee modell?); Traditionelle digitale Anbieter B2B; Verkauf bei live
Konzerten)
Also ich glaube, das sie in 4 Jahren noch in einer Mehrheit sind – aber in einer knappen
Mehrheit. Tendenz fallend. Weil ich hoffe, im Sinne aller mit Musik tätigen – das es dann
längst legale stimmige Flatratemodelle gibt. Aber ich glaube, dass sie nie ganz verschwinden
werden. Es wird eine größere Nische als Vinyl. Ich glaube nicht an Kulturflatrates sondern an
Flatrates von Telekommunikationsunternehmen und ähnlichen, die sich auch dadurch
voneinander Abgrenzen werden. Ich glaube, dass der physische Träger nicht ganz so stark
verschwinden wird, wie das bei der Vinyl mit 1,5% Marktanteil derzeit der Fall ist.
Tausch – und social collaboration Modelle (Web 2.0; Superdistribution; Illegale
Downloadplattformen; Legales File Sharing P2P)
Ich glaube, das illegale Downloaden wird krass runtergehen, wenn wir ein stimmiges legales
Angebot haben und ich gehe davon aus, dass es das in vier Jahren geben wird. Das legale
Filesharing wird dadurch ansteigen. Zwei Flatrate-User helfen sich ja dann eben aus der
Flatrate heraus. Geschäfte (User zu User) machen aus der Flatrate heraus das wird auch
passieren. Als auch irgendwann passieren wird, dass Leute die die Eigentumsrechte haben,
diese legal verkaufen.
Musik als Marketinginstrument (Markenartikler / Werbung; Cross Marketing (Addons
etc)
Ab und an. Ich glaube und hoffe, dass es nicht die Grundvertriebsfrom von Musik sein wird.
Denn dann würde sich Musik drohen, dem jeweiligen Vertriebsmedium unterzuordnen. Dann
wird Musik nur noch für Coca-Cola gemacht. Der Prince-Fall ist ja der: Da ist erstmal die
Musik da und dann setzt sich eine Zeitschrift mit auf. Das funktioniert auch nur bei großen
Namen aber es wird immer ein Weg sein. Jedoch kein entscheidender.
Flatratemodelle (Pauschalraten / Abo Modelle; Music like Water)
Ich glaube wir werden konkurrierende Flatratemodelle erleben. Diese werden in erster Linie
von Telekommunikationsfirmen ausgehen. Teilweise wollen auch Device-Herstellern sein wie
z.B. Apple. Sie arbeiten ja gerade an einer. Da will ich mir noch keine Prognose zutrauen. Ich
134
glaube, stimmiger sind sie für die Telekommunikationsunternehmen weil sie Zugänge
verkaufen. Sie verkaufen sowohl stationär als auch mobil, haben eine tägliche
Kundenbeziehung bereits etabliert und das ist für einen Device-Hersteller neu.
Sonstige zukunftsträchtige Modelle (Telkos / Mobile; Vertrieb via digi Radio; Vertrieb
via digi TV)
Als Betreiber eines Radios und digital-Radios hoffe ich natürlich dringend, dass das in vier
Jahren schon eine Rolle spielen wird. Die Geräte dafür gibt es eigentlich längst. Ein I-Phone
könnte das wenn es das wollte. Dass man in dem Moment, in dem das Stück im Radio läuft
auf einen Knopf drückt und sofort den Download auslöst. Das kann in der Tat auch neben
einer Flatrate ein sinnvolles Additivum sein, wo ich einfach einen kleinen Teil abkriege und es
dich als User nicht viel kostet. Du bist sowieso Flatrate User, wenn aber jemand aus der
Empfehlung eines Radiosenders meinetwegen 5 Cent pro Track zahlt, dann bin ich auch schon
glücklich weil das viele tun würden. Insofern kann ich mir vorstellen, dass es sowohl für Musik
als auch für Videodownloads sehr wohl in vier Jahren läuft. Aber sowohl Bestandteil von
Flatratemodellen sein kann, als auch One-Track-Verkauf sein kann.
7) Sehen Sie für die Zukunft die Möglichkeit zur Koexistenz von digitalem und physischem
Vertrieb?
Ja. Ich glaube, wir benutzen das solange der letzte aus meiner Generation lebt. Ich denke das
wird noch die nächsten 50-60 Jahre der Fall sein. Solange wird ein physischer Vertrieb
notwendig bleiben. Ich selbst würde mich nicht zwingend als einen konservativen Geist
einstufen, aber auch ich habe ja Sachen, die mir besonders wichtig sind gerne auch mal
physisch – nicht unbedingt als CD sondern lieber als Vinyl aber es ist dennoch eine Affinität
zum physischen hin – also das haptische Erlebnis. Ich glaube das nimmt in eurer Generation
schon deutlich ab und so eine halbe Generation später (also z.B. bei meiner älteren Tochter)
kann ich das schon gar nicht mehr feststellen. Also der ist es, glaube ich, völlig egal. Eine CD
würde sie affig finden.
8) Wird Musik in der Zukunft nur noch als Marketing Instrument und damit als reines
Mittel zur Absatzförderung anderer Produkte genutzt werden?
Ich glaube nicht. Wenn man sich die Geschichte der Musik anguckt, ist sie zwar auch immer
funktional eingesetzt worden. Aber eben mehrheitlich nicht. Mehrheitlich waren es immer
135
die neuen Kompositionen. Ich glaube deshalb nicht, dass es die Hauptvertriebsform sein wird.
Ich glaube aber auch nicht, dass die Marken anfangen nicht mehr Musik zu nutzen.
9) Welche Gedanken und Überlegungen wollen Sie uns zum Thema Musikvertrieb der
Zukunft ganz allgemein noch mit auf den Weg geben?
Wenn ich über Musikvertrieb nachdenke: Musikwirtschaft ist eben nicht nur der
heruntergeladene Track. Wer auch immer nach Erlösmodellen für Musik sucht sollte nicht nur
schauen: Wo kann ich Musik mit Marke verbinden? Sicher ist das wichtig, aber auch
gefährlich. Man sollte auch schauen: Wie kann ich die benachbarten Güter, an denen der
Künstler partizipiert, mit distributieren. Stichwort: ISRC_Code. Wann immer etwas im Netz
auftaucht, könnte heute schon eine Telekommunikations-Company den ISRC-Code, der
dranhängt, „erspähen“ und damit direkt einen Link aufbauen zum Merchandise, Auftritt…
Also auch mehr Kontrolle durch die ISPs?
Also „erspähen“ eher als Service. Also auch, wenn du illegal was runter lädst, was meiner
Meinung nach die Deutsche Telekom nichts anzugehen hat, dann sieht sie dennoch, dass ein
Datenpattern hinten dranhängt. Das ist der ISRC Code.
Personalisierte Werbung?
Du bist Benutzer und dann wird dir gezeigt was es noch von dem Künstler gibt: Du siehst den
Katalog, siehst Merch und siehst den nächsten Gig und kannst alles direkt kaufen.
Danke für das Interview!
136
16.2. Ausgewählte Meinungen und Antworten der qualitativen Umfrage
Frage 1: In welcher Form und über welche Bezugsquellen entdecken Sie Musik?
Antworten:
Beuler, Peter (BigFM, Leitung New Business):
Freunde, Podcasts, Clubs, Empfehlungen, Stores. iTunes, mybigfm.com, ssrradiouk.com,
deephousecat-podshow
Hug, Gerold (SWR3, Programmchef):
Digitale Bemusterung, Hinweise von Kollegen und Bekannten, Besuch von
Livekonzerten/Festivals, Artikel in Zeitungen, Zeitschriften, Online-Portalen
Russ, Fabian (Daimler AG, Produktmanager):
Fast ausschließlich CDs aus dem Fachhandel. Sehr wenig Download.
Wandjo, Hubert (Popakademie, Geschäftsführer):
Empfehlungen von Freunden, Bekannten und Geschäftspartnern, über e-mail/mp3, Album
Reviews diverser Musikpresse.
Putzmann, Volker (New Yorker Music & media GmbH, Geschäftsführer):
Als musik - affines Unternehmen haben wir natürlich täglich mit Musik zu tun. Privat stöbere
ich gerne in gut sortierten CD-Regalen oder lasse mir Empfehlungen geben.
Walter, Andreas (3p, Business Affairs Manager, PM):
iTunes, Brachenblätter und allgemeine Presse
Geschäftsführer eines Content-Aggregators:
Presse, Radio, TV, digitale Dienste, z.B. Napster
Sauer, Moritz (Phlow Magazine und die Zeit, Blogger und Journalist):
Zu 95% über digitale Dateiformate wie MP3 oder FLAC.
Göttlich, Oke (Finetunes, Geschäftsführer):
Finetunes, MySpace
Frage 2)
a) Welche online Plattformen für Musikdownloads nutzen Sie?
Antworten:
Beuler, Peter (BigFM, Leitung New Business):
iTunes, beatp0rt
Hug, Gerold (SWR3, Programmchef):
privat iTunes
Russ, Fabian (Daimler AG, Produktmanager):
iTunes
Wandjo, Hubert (Popakademie, Geschäftsführer):
keine
Putzmann, Volker (New Yorker Music & media GmbH, Geschäftsführer):
Als IPod-Eigentümer bin ich mit ITunes verbunden, ansonsten bin ich eher an physischen
Tonträgern interessiert.
Walter, Andreas (3p, Business Affairs Manager, PM):
iTunes
Geschäftsführer eines Content-Aggregators
Napster, iTunes, Musicload, Vodafone
138
Sauer, Moritz (Phlow Magazine und die Zeit, Blogger und Journalist):
Ich nutze zahlreiche Netlabels und persönliche Websites als Quellen für neue Musik. MP3s
selbst habe ich noch nie in einem der herkömmlichen Läden wie iTunes, Musicload und so
gekauft. Wenn ich Musik kaufe, dann auf CD, die wird digitalisiert und in den Schrank
gestellt. Der Grund dafür ist: Ich möchte die hochwertigste Musikkonserve (ohne DRM) und
das ist in der Regel immer noch eine CD.
Göttlich, Oke (Finetunes, Geschäftsführer):
Finetunes, Beatport, iTunes, MySpace
Frage 2: Was sind einzelne Vorzüge dieser Plattform gegenüber anderen (warum haben Sie
sich für diese entschieden)?
Antworten:
Beuler, Peter (BigFM, Leitung New Business):
einfachstes Handling, große Auswahl
Hug, Gerold (SWR3, Programmchef)
Einfach, übersichtlich, selbsterklärende Benutzerführung. (ich bin ein Opfer der Verkopplung
von Hardware mit Content(IPod und iTunes)
Russ, Fabian (Daimler AG, Produktmanager)
Vorzüge sind nicht relevant, da ich nicht verglichen habe. Als Mac-Nutzer ist iTunes die
naheliegende Lösung.
Putzmann, Volker (New Yorker Music & media GmbH, Geschäftsführer)
Grosse Auswahl an Musik, intuitive Benutzerführung, Unterstützung meines IPods.
Walter, Andreas (3p, Business Affairs Manager, PM)
einfache Bedienbarkeit, einfache Suchfunktionen und angenehme Integration in "meine"
technische "Welt"
139
Geschäftsführer eines Content-Aggregators
Napster: Abhören eines ganzen Albums vor Kauf möglich. iTunes und Musicload: ease of use.
Vodafone: mobil
Sauer, Moritz (Phlow Magazine und die Zeit, Blogger und Journalist)
Wie gesagt, ich habe nicht die eine Musikplattform. Wenn ich eine gute Plattform benennen
müsste, dann wäre es Beatport. Schnelle Vorhörmöglichkeit, ganz gutes Sortiment,
akzeptable Usability und eigentlich genau das richtig für jemanden der elektronische Musik
mag - das Sortiment ist teilweise noch ausbaufähig.
Göttlich, Oke (Finetunes, Geschäftsführer)
Stöberfaktoren auch im Nischensegment
Frage 3: Welchen Preis sind Sie für einen einzelnen legalen und hochwertigen Song –
Download höchstens bereit zu bezahlen?
Antworten:
Beuler, Peter (BigFM, Leitung New Business):
99 Cent
Hug, Gerold (SWR3, Programmchef)
Ein Euro pro Song bei Neuware. Maximal 50 Cent für Backkatalog-Ware.
Russ, Fabian (Daimler AG, Produktmanager)
EUR 5,00 wäre die Obergrenze, hängt aber stark von Inhalt, Länge und ggf. Bedeutung des
Stücks ab!
Wandjo, Hubert (Popakademie, Geschäftsführer)
wäre nur bereit über Flatratemodelle einzusteigen, wenn die Audioqualtät dem heutigen CD -
standard entspräche.
Putzmann, Volker (New Yorker Music & media GmbH, Geschäftsführer)
140
Da kommt es natürlich ganz stark auf die Art des Songs an, und mein persönliches Bedürfnis -
ist er aus dem Backkatalog, oder ein aktueller Charthit oder eine von mir lang gesuchte
Version eines bestimmten Interpreten. Generell finde ich z.B. die jetzigen Preismodelle von
ITunes oder Musicload in Ordnung.
Walter, Andreas (3p, Business Affairs Manager, PM)
derzeit ? 1,29
Geschäftsführer eines Content-Aggregators
1,99?
Sauer, Moritz (Phlow Magazine und die Zeit, Blogger und Journalist)
3-4 Euro - dann muss es aber ein rares Musikstück sein. Ansonsten finde ich ein Euro pro
Musikstück ok. Generell bin ich eher gewillt kleinen Künstlern mehr zu zahlen als
Blockbustern. Da ich als Journalist eh viel Musik um die Ohren habe und mit Promos
"beliefert" werde, kaufe ich derzeit noch gar nicht, sehe das aber in Zukunft positiv sobald es
überall FLAC oder ein ähnliches Lossless-Format gibt.
Göttlich, Oke (Finetunes, Geschäftsführer)
1,99 EUR
141
Frage 4: Beurteilen Sie die Monetarisierung eines Großteils illegaler Vertriebsstrukturen
als wahrscheinlich?
Antworten:
Beuler, Peter (BigFM, Leitung New Business):
absolut
Hug, Gerold (SWR3, Programmchef)
'Legale' Marken werden größere Marktanteile gewinnen. Es wird aber immer illegale
Strukturen geben. Die Umwandlung von illegalen Marken in legale Marken halte ich aus
Marketing-Überlegungen für kritisch und schwierig.
Russ, Fabian (Daimler AG, Produktmanager)
Wenn ich die Frage verstünde würde ich gerne antworten. Monetarisierung in welcher
Richtung? Illegale machen Geld draus? Oder Legalisierung und damit Bezahlung bei
entsprechenden Preisen? :-o
Wandjo, Hubert (Popakademie, Geschäftsführer)
nicht kurzfristig, mittelfristig ja
Putzmann, Volker (New Yorker Music & media GmbH, Geschäftsführer)
Wenn hier auf das "Napster"-Phänomen angespielt wird: ich denke nicht, dass sich das über
eine Tauschbörse gehandelte Material noch einmal so gezielt von einer "illegalen" zur
"legalen" Form umwandeln lässt. Dazu sind die Angebote, auch gerade durch die
zunehmende Anzahl an Blogs, mittlerweise zu versplittert.
Walter, Andreas (3p, Business Affairs Manager, PM)
ich verstehe die Frage ehrlich gesagt nicht ganz - insoweit aber gemeint, dass heute illegale
Vertriebswege zukünftig legal werden, also bspw. wie Napster, so lautet meine Antwort nein.
Napster hatte eine zentrale Schaltstelle; bei modernen Formen der Online-Piraterie gibt es
eine solche ja gerade nicht - vielmehr meinen die Benutzer unsinnigerweise untereinander
142
etwas zu tauschen. Es ist aber gar nicht im Interesse der Musikschaffenden, dass Musik von
User zu User verkauft wird.
Geschäftsführer eines Content-Aggregators
nein
Sauer, Moritz (Phlow Magazine und die Zeit, Blogger und Journalist)
So richtig verstehe ich die Frage nicht. Wenn die Frage lautet, ob ich glaube, dass
Vertriebsstrukturen wie Kazaa, Torrent oder Emule bei dem Tausch von rechtlich geschützter
Musik auf legale Beine gestellt werden, dann lautet meine Antwort: NEIN.
Dagegen wäre evtl. die Idee einer Kulturflatrate angemessener. Illegalen Tausch wird es
immer geben und wir sind noch nicht bei der maximalen Verbreitung angekommen.
Spätestens wenn jedes Mobiltelefon eine Festplatte hat, tauschen Menschen Musik, Filme,
Texte und jede Art digitaler Daten per WLAN oder einer ähnlich leicht zu handhabenden
Verbindungsmöglichkeit.
Göttlich, Oke (Finetunes, Geschäftsführer)
Ja
Frage 4:
a.)Welche Elemente u Ausprägungen des digitalen Vertriebs empfinden Sie dabei als
wesentliche und ausschlaggebende Einflussfaktoren für die weitere Entwicklung des
legalen Downloadmarktes?
Antworten:
Beuler, Peter (BigFM, Leitung New Business):
Ubiquität des Angebots, DRM-Free, Portabilität über mehrere Endgeräte
Hug, Gerold (SWR3, Programmchef)
a) Preisgestaltung (Das Netz ist qua definitionem ein Billigheimer) b) Einfachheit
143
Russ, Fabian (Daimler AG, Produktmanager)
Alle von Ihnen genannten Beispiele sind wichtig. Einfachheit, gut gemachte graphische
Oberflächen, die für den Kunden, nicht für den Leiter der Webdesign-Abteilung gemacht
wurden. Flatrate für Vielnutzer. Attraktive Einzelpreise für Gelegenheitsnutzer. Hohe
Audioqualität (lossless) muss wenigstens auf Wunsch verfügbar sein.
Wandjo, Hubert (Popakademie, Geschäftsführer)
alle in Verbindung mit Flatrate - Bezahlsystemen
Putzmann, Volker (New Yorker Music & media GmbH, Geschäftsführer)
Wichtig ist:
- die Übersichtlichkeit des Angebots (Tiefe und/oder Breite hängen hierbei vom Zweck des
Shops ab - ein DJ-Shop muss eine höhere Tiefe vorweisen als ein Rock/Pop-Shop)
- die Such-, Sortierungs-, Darstellungs- und Empfehlungssysteme
- eine gute Mischung aus Special Offers und Normalpreisangeboten, oder sogar
Gratisdownloads ausgewählter Titel.
- die Sicherheit und Bequemlichkeit in der Bezahlung der Downloads.
Walter, Andreas (3p, Business Affairs Manager, PM)
Angebotstiefe und Zahlungssysteme. Am wichtigsten ist jedoch die Qualität von Musik und
Filmen - es wird immer mehr Geld in Geräte auf der einen wie der anderen Seite investiert -
alles mit dem Ziel von High-End Aufnahmen bzw. Sound. Und am Ende soll alles in ein mp3
komprimiert werden? Das ist doch irgendwie ein Problem.
Geschäftsführer eines Content-Aggregators
Eindämmung illegaler Umsonst-Downloads
Weitere Verbreitung digitaler Abspielgeräte
Recommendation Systems, stärkere Editorials
144
stärkere Etablierung anderer Zahlsysteme neben Kreditkarte
Sauer, Moritz (Phlow Magazine und die Zeit, Blogger und Journalist)
Der legale Download-Markt muss sich mit dem illegalen messen können. Das heißt, wenn der
Benutzer auf dem illegalen Markt eine 1:1 Kopie einer CD bekommt und im z.B. iTunes-Laden
nicht, dann bedient er sich am illegalen Markt. Das gleiche gilt für Filme.
Das gleiche gilt bei der Geschwindigkeit. Erst wenn der Film via Torrent vor sich dahintröpfelt
und ich heiß bin, überlege ich, ob ich ihn vielleicht kaufen kann. Dafür gibt es aber (besonders
im Independent-Bereich) keine Möglichkeit.
Generell ist der Mensch faul, will aber die höchste Qualität. Wenn er Inhalte zu einem
angemessenen Preis bekommt, dann zahlt er vielleicht auch.
Trotzdem gebe ich digitalen Inhalten immer weniger die Chance in der Zukunft. Der Verkauf
von Musik wird auch in Zukunft weiter einbrechen, weil die meisten Menschen sich nicht um
Copyrights scheren. Und das machen sie nicht, weil sie böse sind, sondern entweder kein
Copyright-Bewusstsein haben, zu wenig Geld oder die Mechanismen zu kompliziert sind.
Göttlich, Oke (Finetunes, Geschäftsführer)
alle unten genannten sowie die gezielte Vermarktung der Produkte auf den verschiedenen
Verwertungsebenen.
Frage 4:
b.)Warum halten Sie diese Elemente für wichtig?
Antworten:
Beuler, Peter (BigFM, Leitung New Business):
Weil ich zu jeder Zeit mit meinem "Song" machen kann, will und muss was ich will. Bei
Ubiquität ist der Kaufimpuls einfach größer, wenn ich sofort kaufen kann was ich gerade,
egal wo ich bin, höre
145
Hug, Gerold (SWR3, Programmchef)
Der Verbraucher kann schlicht nachrechnen, was der Wegfall von physischen Vertrieb,
Verpackung, Print Artwork etc, an Minderaufwand bedeutet. Diesen Kostenvorteil will er
mitnehmen. Einfachheit ist das (leider nicht erreichte) Ziel aller technischen Entwicklungen.
Nur dann werden Hemmschwellen abgebaut. Warum ist es oft einfacher, ein Flugticket zu
lösen, als einen Song zu laden?
Russ, Fabian (Daimler AG, Produktmanager)
Weil ich von meiner Nutzung ausgehe und mein Verhalten und meine Ansprüche an die
Oberfläche beispielsweise als repräsentativ für eine ganze Nutzergruppe halte. Fraglich ist
dabei lediglich, ob diese Zielgruppe relevant ist für dieses Format.
Wandjo, Hubert (Popakademie, Geschäftsführer)
aus orientierungs- und convenience gründen
Putzmann, Volker (New Yorker Music & media GmbH, Geschäftsführer)
Weil diese Punkte meiner Meinung nach eine Grundlage für ein attraktives Angebot an die
Konsumenten darstellen.
Geschäftsführer eines Content-Aggregators
Solange illegal umsonst geladen wird ist der legale Markt gefährdet. Ansonsten ist es wichtig
den Service noch auszubauen und dem Kunden mehr Infos und Empfehlungen zu geben und
damit seine Bindung und Kaufbereitschaft zu stärken
Sauer, Moritz (Phlow Magazine und die Zeit, Blogger und Journalist)
Wichtig sind die folgenden Faktoren:
* einfache Bezahlung
(Beispiel: Filme runterladen bei Telekom, wenn ich dort Kunde bin, wird einfach meine
Telefonrechnung belastet)
* einfache Benutzerführung
* großes Angebot, dass in den Longtail hineinragt.
146
Göttlich, Oke (Finetunes, Geschäftsführer)
Weil nur ein guter Store gute Kunden schafft. Und gute Kunden durch gute auf ihn
zugeschnittene Vermarktung auf gute Produkte aufmerksam gemacht werden kann
Frage 5:
a) Welches sind aus Ihrer Sichtweise die Vor- und Nachteile eines Online-
Musikvertriebes, der über individuelle Abrechnungen pro Track-Download
betrieben wird?
Antworten:
Beuler, Peter (BigFM, Leitung New Business):
Vorteile: Keine aufwändige Offline-Distribution kleine Bands/Artists eröffnen sich durch
eigenen Antrieb bessere Möglichkeiten zur Eigenvermarktung und des berühmt Werdens.
Nachteile: Copyright-Verletzungen
Hug, Gerold (SWR3, Programmchef)
Ich sehe wenig bzw. keine Nachteile
Russ, Fabian (Daimler AG, Produktmanager)
Vorteile: pro Track. Keine Bindung. Kein Abo. Keine Fristen. Nachteile: für mich keine.
Wandjo, Hubert (Popakademie, Geschäftsführer)
Vorteil: Budgetsteuerung über Konsum Nachteil: kleinteilig, umständlich, Datenschutz
Putzmann, Volker (New Yorker Music & media GmbH, Geschäftsführer)
Vorteile: gezieltes Downloaden, Kostenkontrolle, und das heruntergeladene Stück bekommt
auch einen "Wert". Nachteile: aufwändige Einzelabrechnungen, hohe Kosten für den
Konsumenten z.B. wenn regelmäßig ganze Alben heruntergeladen werden.
Walter, Andreas (3p, Business Affairs Manager, PM)
so soll Musik aus Sicht des Künstlers verkauft werden
147
Geschäftsführer eines Content-Aggregators
Freie Wahl für den Kunden, ease of use, keine Abo-Bindung Nachteil: -
Sauer, Moritz (Phlow Magazine und die Zeit, Blogger und Journalist)
solange die oben genannten Faktoren berücksichtig werden, sehe ich da keine Probleme.
Göttlich, Oke (Finetunes, Geschäftsführer)
Vorteile: Transparenz, Effizienz, Innovation sowie Schonung von Rohstoff-Ressourcen
Nachteile: keine
Frage 5:
b) Welches sind aus Ihrer Sichtweise die Vor- und Nachteile eines Online-
Musikvertriebes, der in Form eines Abo Modells betrieben wird?
Antworten:
Beuler, Peter (BigFM, Leitung New Business):
das kommt auf das Abo-Modell an, grundsätzlich sehe ich hier keine Nachteile außer das ich
mir Musik nicht mehr so qualitativ aussuche und wahlloser downloade.
Hug, Gerold (SWR3, Programmchef)
Abos erinnern mich persönlich an Buchclub. Das ist auch ein auslaufendes Modell.
Russ, Fabian (Daimler AG, Produktmanager)
Vorteile: für mich keine. Nachteile: siehe oben - das genaue Gegenteil.
Wandjo, Hubert (Popakademie, Geschäftsführer)
conveniece, risikoloses testen neuer Musik
Putzmann, Volker (New Yorker Music & media GmbH, Geschäftsführer)
Vorteile: Monatliches "Freikontingent", in der Zielgruppe gelernt (z.B. wie das Konzept der
Handy-inklusiv-Minuten)
148
Nachteile: Was passiert, wenn das Abovolumen/Freikontingent nicht verbraucht wurde?
Walter, Andreas (3p, Business Affairs Manager, PM)
so will der Konsument Musik möglicher- und teilweise "kaufen"
Geschäftsführer eines Content-Aggregators
Wie bei Napster besteht die tolle Möglichkeit vor dem endgültigen Erwerb komplette Alben
anzuhören, zudem kann man sich eigene Kanäle statt Formatradio zusammenstellen
Sauer, Moritz (Phlow Magazine und die Zeit, Blogger und Journalist)
Für mich als Nutzer wäre das die Tatsache: Die Musik gehört mir nicht. Wenn ich jedoch nach
Ablauf des Abos die Musik noch haben darf, ist das OK.
Göttlich, Oke (Finetunes, Geschäftsführer)
Vorteile: Erschließung neuer Nutzungsformen, direktere Abrechnung auch von
Streamingservices (nicht über Radioausschüttungsmodelle, die mit black boxes versehen
sind)
Nachteile: schwierige Verhandlungen, verhältnismäßige Vergütung
Frage 5:
c) Welches sind aus Ihrer Sichtweise die Vor- und Nachteile eines Online-
Musikvertriebes, der über pauschale Abgaben im Sinne einer Kulturflatrate
betrieben wird?
Antworten:
Beuler, Peter (BigFM, Leitung New Business):
Siehe 5 b) analog
Hug, Gerold (SWR3, Programmchef)
Eine zunächst verlockende Idee. Sie wird sich aber aus vielfältigen Gründen vermutlich nie
durchsetzen lassen.
149
Russ, Fabian (Daimler AG, Produktmanager)
Das kann ich nicht abschätzen: Künstler und Kunst müssen ausreichend bezahlt werden.
Flatrate für die Nutzung einer "Kulturquelle" ist eine gute Idee, fraglich ist die Geltung der
Abgabe bei kommerziellen Portalen. Über GEMA, GVL und GEZ könnte man separat
diskutieren...
Wandjo, Hubert (Popakademie, Geschäftsführer)
Vorteile: siehe oben Nachteile: hoher Preis bei niedrigem Konsum
Putzmann, Volker (New Yorker Music & media GmbH, Geschäftsführer)
Vorteile: alles ist jederzeit verfügbar und downloadbar. Nachteile: Ich befürchte hier -
spätestens nach einer gewissen Zeit - die Einschränkung in der Versorgung mit qualitativen
Produktionen, da dieses Modell für die Interpreten eine schwierige Einnahmenverteilung
darstellen würde; für die Verwerter nur zum Teil, da diese sich (per Verteilungsschlüssel o.ä.)
ja an der "Flatrate" anschließen würden.
Walter, Andreas (3p, Business Affairs Manager, PM)
Vorteile einer "Kulturflatrate" sehe ich keine - warum soll das marktwirtschaftliche System
durch eine solche Kapitulation durchbrochen werden. Jeder soll - wie im echten Leben - für
das bezahlen, was er nutzt.
Geschäftsführer eines Content-Aggregators
Vorteile: - Nachteile: wird niemals die Vielfalt und Breite des Musikschaffens finanzieren
können, am Ende geht das zu Lasten der Indies und Kleinen
Sauer, Moritz (Phlow Magazine und die Zeit, Blogger und Journalist)
Das größte Problem liegt in der Verteilung der Abgaben. Da stehen ähnliche Probleme an,
wie bei der Verteilung des Geldes, dass die GEMA auf seine Mitglieder verteilt. Vielleicht
jedoch gibt es technische Möglichkeiten dass gerechter zu lösen.
Göttlich, Oke (Finetunes, Geschäftsführer)
Nachteile: Abrechenbarkeit, zu staatlich organisiert und und und
150
Frage 6:
a) Welche Rolle werden die folgenden Arten des Zugangs zu Musik Ihrer Einschätzung
nach in 4 Jahren (noch) spielen?
Traditioneller Vertriebsweg
Antworten:
Beuler, Peter (BigFM, Leitung New Business):
groß
Hug, Gerold (SWR3, Programmchef)
Kein Vertriebsweg wird generell aussterben. Je nach Genres und Zielgruppen werden sich
aber verschiedene Vertriebeswege verschieden stark durchsetzen. Ich glaube sehr stark an
eine Verkopplung von emotionalem Erlebnis (z.B. Livekonzert, Radio- TV-Sendung) mit
Kaufimpulsen.
Russ, Fabian (Daimler AG, Produktmanager)
Die größte Rolle - hoffentlich! Hier ist mein Wunsch Vater des Gedankens…
Wandjo, Hubert (Popakademie, Geschäftsführer)
wird noch bestimmender Vertriebsweg bleiben
Putzmann, Volker (New Yorker Music & media GmbH, Geschäftsführer)
Dieser wird weiterhin eine große Rolle spielen. Live-Entertainment ist immer eine gute Sache
und ist eigentlich nicht zu ersetzen durch Youtube-Musikclips oder anderweitige Downloads.
Und auch das Gefühl, beim CD-Händler des Vertrauens einen Tonträger gekauft zu haben
(meist üppig ausgestattet, mit dickem Booklet und Digipack) ist schwer zu übertreffen.
Walter, Andreas (3p, Business Affairs Manager, PM)
eine untergeordnete Rolle
Geschäftsführer eines Content-Aggregators
Für Alben CDs immer noch stationärer Handel und Internetversand sehr wichtig
151
Sauer, Moritz (Phlow Magazine und die Zeit, Blogger und Journalist)
Wird zunehmend schrumpfen, aber nicht verschwinden, weil es noch jede Menge Geräte gibt
und Menschen gerne etwas von Live-Konzerten mit nach Hause nehmen.
Göttlich, Oke (Finetunes, Geschäftsführer)
45%
Frage 6:
b) Tausch – und social collaboration Modelle
Antworten:
Beuler, Peter (BigFM, Leitung New Business):
groß
Hug, Gerold (SWR3, Programmchef)
Wird in jüngeren und technik-affinen Zielgruppen weiter eine Rolle spielen. Für den
Massenmarkt (noch) zu kompliziert.
Russ, Fabian (Daimler AG, Produktmanager)
Kann ich gar nicht beurteilen, ist mir relativ egal. Illegalität will ich nicht unterstützen.
Wandjo, Hubert (Popakademie, Geschäftsführer)
illegale Downloadplattformen werden zunehmend Schwierigkeiten haben, legale werden
zulegen.
Putzmann, Volker (New Yorker Music & media GmbH, Geschäftsführer)
Diese Methoden sind ja Ergebnisse des technischen Fortschritts; wie weit sich die
Rahmenbedingungen - auch z.B. im Rights Management - hier in den nächsten vier Jahren
ändern, vermag ich nicht zu sagen, nur so viel: das, was digital angeboten wird, wird
152
zunehmend einen größeren Kreis an Interessenten sicher noch einfacher und an jedem Ort
zur Verfügung stehen.
Walter, Andreas (3p, Business Affairs Manager, PM)
was ist denn "Legales File Sharing"? - keine Rolle
Geschäftsführer eines Content-Aggregators
Illegale Downloadplattformen - hoffentlich eine geringere durch Koop mit DSPs und MSPs.
Superdistribution - bin ich großer Fan der Idee, hoffentlich bleibt es kein unerfüllter Traum.
Web 2.0 - steigende Bedeutung aber der Zweck wird ein anderer bleiben als totale
Kommerzialisierung (auch wenn Murdoch&CO sich das anders vorstellen)
Sauer, Moritz (Phlow Magazine und die Zeit, Blogger und Journalist)
Wird noch weiter zunehmen mit der Verbreitung größerer Datenleitungen und dem Ausbau
des Internets in noch unterversorgte Regionen. Viele Menschen haben immer weniger Geld,
das verteilen sie dann auf andere Güter.
Göttlich, Oke (Finetunes, Geschäftsführer)
25%
Frage 6:
c) Musik als Marketinginstrument
Antworten:
Beuler, Peter (BigFM, Leitung New Business):
gering
Hug, Gerold (SWR3, Programmchef)
Wenn es jeder macht, wird das Instrument entwertet werden. Da geht noch was, ist aber
m.E. schon kurz vor der Sättigung.
153
Russ, Fabian (Daimler AG, Produktmanager)
Wahrscheinlich konstant, vielleicht mit leichter Zunahme.
Wandjo, Hubert (Popakademie, Geschäftsführer)
wird sich verstärken
Putzmann, Volker (New Yorker Music & media GmbH, Geschäftsführer)
Wird natürlich weiterhin eine Rolle spielen. Es kommt hierbei drauf an, ob das Produkte/die
Marke dazu passt, um Musik glaubwürdig für diese Zwecke einzusetzen.
Walter, Andreas (3p, Business Affairs Manager, PM)
eine große Rolle
Geschäftsführer eines Content-Aggregators
ständig steigende Bedeutung
Sauer, Moritz (Phlow Magazine und die Zeit, Blogger und Journalist)
Dort sehe ich für Musiker gute Chancen für ordentliche Verdienste. Wird gleichbleiben,
wobei die Honorare für Musik bei der Zunahme der Kulturproduktion wohl weiter abnehmen
werden.
Göttlich, Oke (Finetunes, Geschäftsführer)
10%
Frage 6)
d) Flatratemodelle
Antworten:
Beuler, Peter (BigFM, Leitung New Business):
gering
154
Hug, Gerold (SWR3, Programmchef)
Der Preis (siehe Telefon und DSL-Flat)wird über die Akzeptanz entscheiden.
Russ, Fabian (Daimler AG, Produktmanager)
Zunehmende Bedeutung; Abrechnungsmodelle und Verfügbarkeit werden entscheiden.
Nutzerkreis sehr groß, aber nicht zu unterschätzende Teile der Gesellschaft partizipieren hier
nicht ("meine" Eltern, ich...).
Wandjo, Hubert (Popakademie, Geschäftsführer)
werden zunehmen, Akzeptanz wird steigen
Putzmann, Volker (New Yorker Music & media GmbH, Geschäftsführer)
Siehe Antwort zu 5 B)
Walter, Andreas (3p, Business Affairs Manager, PM)
ich bin gespannt - könnte aber ein wichtiges Standbein werden
Geschäftsführer eines Content-Aggregators
Music like Water ist Quatsch, Abomodelle werden wachsen aber im Ganzen nicht ins
Unermessliche
Sauer, Moritz (Phlow Magazine und die Zeit, Blogger und Journalist)
Die Kulturflatrate ist ein spannendes Model für eine neue digitale Gesellschaft.
Göttlich, Oke (Finetunes, Geschäftsführer)
15%
155
Frage 6:
e) Sonstige zukunftsträchtige Modelle
Antworten:
Beuler, Peter (BigFM, Leitung New Business):
groß
Hug, Gerold (SWR3, Programmchef)
Vertrieb über Digitalradio und Digital-TV (auch mobil aufs Handy) sind wegen der Kopplung
aus Emotion und Kaufimpuls (siehe oben) m.E. sehr interessante Zukunftsmärkte
Russ, Fabian (Daimler AG, Produktmanager)
Nicht relevant, da dank sinnlos konkurrierender Technologien (DAB & Co.) Verbreitung sehr
gering. Mobile ("Handy") als Wachstumsträger interessant, insbesondere, wenn Geräte der
gehobenen Klasse (iPhone) entsprechend Musik mit dem Rechner tauschen und/ oder an die
Anlage angeschlossen werden können.
Wandjo, Hubert (Popakademie, Geschäftsführer)
wird stark ansteigen
Putzmann, Volker (New Yorker Music & media GmbH, Geschäftsführer)
Alles, was heute "Zukunft" ist, ist morgen schon Vergangenheit. Es kommt bei all diesen
Modellen darauf an, ob der Konsument die technischen Voraussetzungen hat, um dieses
Formen zu nutzen, und ob die Modelle attraktive Angebote im Repertoire haben (siehe auch
4 B).
Walter, Andreas (3p, Business Affairs Manager, PM)
zukunftsträchtige Modelle sind immer zukunftsträchtig - die Frage schein mit ein Zirkelschluss
zu sein
Geschäftsführer eines Content-Aggregators
mobile Superdistribution
156
Sauer, Moritz (Phlow Magazine und die Zeit, Blogger und Journalist)
Telekommunikationskonzerne wie z.B. die Telekom haben großartige Möglichkeiten in ihre
Strukturen Verkaufsangebote reinzuschrauben. Diese Möglichkeiten sind noch lange nicht
ausgeschöpft.
Göttlich, Oke (Finetunes, Geschäftsführer)
5%
Frage 7: Sehen Sie für die Zukunft die Möglichkeit zur Koexistenz von digitalem und
physischem Vertrieb?
Antworten:
Beuler, Peter (BigFM, Leitung New Business):
absolut. Der Mensch ist haptisch, will greifen, fühlen, erleben, anschauen und auch sehen.
Hug, Gerold (SWR3, Programmchef)
Ja. Der physische Vertrieb wird aber fast ausschließlich über Online-Shops abgewickelt.
Russ, Fabian (Daimler AG, Produktmanager)
Ja, wie heute auch schon. Der Fachhandel wird - vor allem bei entsprechendem Management
und Berücksichtigung durch die Musikfirmen - bestehen bleiben und für viele DER Weg zur
Musikkonserve sein.
Wandjo, Hubert (Popakademie, Geschäftsführer)
auf jeden fall
Putzmann, Volker (New Yorker Music & media GmbH, Geschäftsführer)
Ja, denn "Musik zum Anfassen" wird weiterhin eine Rolle spielen. Tonträger werden nicht nur
auf Grund des Musikstücks, sondern auch wegen dem Booklet und der Gesamtaufmachung
erworben. Der IPod steht für den Hörgenuss unterwegs, aber zu Hause werden doch noch
157
HiFi-Anlagen stehen - und im Bereich der elektronischen Musik (House und Techno) und
Jazzmusik sind ja auch Schallplatten noch weit verbreitete und begehrte Tonträger.
Walter, Andreas (3p, Business Affairs Manager, PM)
ja, warum denn nicht?
Geschäftsführer eines Content-Aggregators
auf jeden Fall
Sauer, Moritz (Phlow Magazine und die Zeit, Blogger und Journalist)
Die leben doch heute auch schon nebeneinander. Aber physischer Vertrieb wird weiter
verschwinden, weil auch die Abspielgeräte dafür verschwinden. Heute hört man Musik auf
Mobilfunktelefonen, MP3-Player und (Media-Center)Computer. Das ist komfortabler,
einfacher und PLATZSPARENDER als CDs und Vinyl. Physischer Vertrieb wird zunehmend
verschwinden.
Göttlich, Oke (Finetunes, Geschäftsführer)
Ja
Frage 8: Wird Musik in der Zukunft nur noch als Marketing Instrument und damit als reines
Mittel zur Absatzförderung anderer Produkte genutzt werden?
Antworten:
Beuler, Peter (BigFM, Leitung New Business):
sicher nicht
Hug, Gerold (SWR3, Programmchef)
Nein. Musik eignet sich bei weitem nicht für alle Produkte. Den Sampler zum Motorenöl, oder
den Titelsong der neuen Universalfräsengeneration stelle ich mir etwas schwierig vor.
Russ, Fabian (Daimler AG, Produktmanager)
Ja, siehe oben.
158
Wandjo, Hubert (Popakademie, Geschäftsführer)
nein, Musik als ein Grundbedürfnis des Menschen wird auch immer als hochwertiges 'stand
alone' Produkt konsumiert werden.
Putzmann, Volker (New Yorker Music & media GmbH, Geschäftsführer)
Nein, Musik wird weiterhin eine emotionale Ausdrucksform sein - dazu ist das Spektrum auch
zu vielschichtig.
Walter, Andreas (3p, Business Affairs Manager, PM)
sicherlich nicht "nur" aber vielleicht "auch"
Geschäftsführer eines Content-Aggregators
Nein, und das wäre das Ende der Musikvielfalt
Sauer, Moritz (Phlow Magazine und die Zeit, Blogger und Journalist)
Nicht ausschließlich aber zunehmend. Angesichts der Kulturproduktion und noch immer
preiswerter werdende Produktionsmittel wird der Markt sich weiter verschärfen.
Göttlich, Oke (Finetunes, Geschäftsführer)
Nein
Frage 9: Welche Gedanken und Überlegungen wollen Sie uns zum Thema Musikvertrieb
der Zukunft ganz allgemein noch mit auf den Weg geben?
Antworten:
Beuler, Peter (BigFM, Leitung New Business):
Sei da wo deine User sind. Und die sind überall! Off, On, Mobile, Event
159
Hug, Gerold (SWR3, Programmchef)
Vertrieb ist nur Teil des Problems. Eine kleine, feine Kultbiermarke aus dem Schwarzwald
beweist, dass Händler sogar selbst dort hinfahren, um dieses Bier zu bekommen. Wenn
Produkt und Image stimmen, wird Musik auch den Weg (die Wege) zu den Kunden finden
Russ, Fabian (Daimler AG, Produktmanager)
Vieles wird gerade an Jugendlichen, den c't-Lesern, PC-affinen Zielgruppen orientiert. Das ist
ok, man sollte nur das "Bürgertum", unsere Elterngeneration, die "reichen Alten" und die
"Anderen" nicht ganz vergessen - je nach dem, was man eben will, um die Zukunft des einen,
des anderen oder beider Vertriebswege zu gestalten. Wer mehr hören will, muss mit mir
reden...
Wandjo, Hubert (Popakademie, Geschäftsführer)
der digitale Vertrieb wird ein Meilenstein für zukünftigen Musikkonsum werden können,
wenn er höchsten Komfort, individualisierte Datenbanken mit effizienten
Emfehlungssystemen im Rahmen einer Flatrate bei höchster Audio/visueller Qualität bietet.
Putzmann, Volker (New Yorker Music & media GmbH, Geschäftsführer)
Es müssen neue Modelle entwickelt werden, um den unterschiedlichen Stil- und Zielgruppen
"ihre" persönliche Musikauswahl möglichst direkt und effizient anzubieten; Die
Talentförderung - und somit die Bereitschaft für Kunden, auch etwas Geld für (noch)
bekannte Künstler - sollte verstärkt werden; Und schlussendlich ist es notwendig, dass die
bestehenden Ansätze im Hinblick auf neue Formen des Musikmarketings - insbesondere im
Hinblick auf Cross-Promotions, virales Marketing oder Guerilla Marketing - die im
Produktbereich schon effektiv angewandt werden, auch in der Musikbranche verstärkt zum
Einsatz kommen.
Walter, Andreas (3p, Business Affairs Manager, PM)
Die Menschen werden immer Musik in ihrem Leben haben wollen
160
Geschäftsführer eines Content-Aggregators
Was anderes: Ich kreuze unten Nein an, Ihr könnt die Aussagen gern benutzen aber ohne
Namensnennung
Sauer, Moritz (Phlow Magazine und die Zeit, Blogger und Journalist)
Es konnten immer schon wenige Musiker/Künstler richtig gut von ihrer Kunst leben. Das wird
in Zukunft nicht besser oder einfacher. Musiker müssen sich auf Einzelerlebnisse
spezialisieren. Einzelerlebnisse sind Konzerte und Auftritte, die es EINMAL gibt und wenn sie
dem Zuhörer gefallen, müssen sie NOCH EINMAL erlebt bzw. bezahlt werden. Musiker
verdienen Geld mit endlichen Gütern. Das sind Fan-Artikel und Auftritte und alles
Vergängliche. Digitale Daten sind nicht vergänglich und jede Kopie ist wie das Original.
Göttlich, Oke (Finetunes, Geschäftsführer)
fight erroism!
16.3. Zusammenfassung und Einordnung der Antworten aus der Umfrage
Überschriftenerklärung:
Spezielle Erhebung: persönlich angeschriebene Experten
Öffentliche Erhebung: via Newsletter der XING Gruppe „Zukunft der Musik“
Keine Überschrift: beide Erhebungen zusammengefasst
161
Frage 1: In welcher Form und über welche Bezugsquellen entdecken Sie Musik?
Bezugsquellen - differenziert
Blogs, Podcasts etc.
pers. Empfehlungen
Fachhandel
Radio
Print
Myspace
live
iTunes
TV
Internetradio
Amazon
Promoexemplare
Last.FM
Youtube
Napster
Finetunes
0 5 10 15 20 25 30 35
Bezugsquellen - zusammengefasst
Internet
pers. Empfehlungen
Fachhandel
Radio
Print
live
TV
Promoexemplare
0 10 20 30 40 50 60 70 80
Frage 2:
a) Welche online Plattformen für Musikdownloads nutzen Sie?
Genutzte Plattformen - differenziert
iTunes
Beatport
Musicload
andere
Finetunes
Myspace
Napster
AOL Music Store
beatsdigital
Bubblebeat
Web-records
Dooload
Mp3sparks.com
7digital
Nowdio
Garageband
Ex Libris
Mp3.de
Myownmusic
Vodafone
Limewire
Amazon
0 5 10 15 20 25 30 35 40
Genutzte Plattformen - zusammengefasst
iTunes
Beatport
Musicload
Finetunes
Myspace
Napster
AOL Music Store
Andere
0 5 10 15 20 25 30 35 40
Frage 2 :
b) Was sind einzelne Vorzüge dieser Plattform gegenüber anderen (warum haben Sie sich
für diese entschieden)?
Entscheidungs - Gründe
Hardwarekopplung
Auswahl
Einfaches Handling
Preisgestaltung
Übersichtlichkeit
Intuitive Benutzerführung
Probehöroption
Suchfunktion
Dateiformat
Audioqualität
Specials, Extras
Netzwerk
Empfehlungssystem
Bekanntheit
Mobilität (vodafone)
0 5 10 15 20 25
Frage 3: Welchen Preis sind Sie für einen einzelnen legalen und hochwertigen Song –
Download höchstens bereit zu bezahlen?
Häufig angegebene Preise
Nur Flatrate
Nur Alben
Weniger
1€
1,30 €
1,50 €
2€
2,50 €
3€
4€
5€
0 5 10 15 20 25 30
Frage 4:
a) Beurteilen Sie die Monetarisierung eines Großteils illegaler Vertriebsstrukturen als
wahrscheinlich?
Monetarisierung illegaler Vertriebsstrukturen
wahrscheinlich?
- spezielle Erhebung -
Positiv
37%
Negativ
63%
Gerold Hug, SWR3 Programmchef
„es wird immer illegale Strukturen geben […]. Umwandlung von illegalen Marken in legale
Marken aus Marketingüberlegungen kritisch und schwierig“
Volker Putzmann, Geschäftsführer New Yorker Music & Media
„Angebote sind mittlerweile zu versplittert“
Moritz Sauer, Journalist und Blogger für die Zeit und Phlow Magazine
„Illegalen Tausch wird es immer geben und wir sind noch nicht bei der maximalen
Verbreitung angekommen. Spätestens wenn jedes Mobiltelefon eine Festplatte hat, tauschen
Menschen Musik, Filme, Texte und jede Art digitaler Daten per WLAN oder einer ähnlich
leicht zu handhabenden Verbindungsmöglichkeit“
Öffentliche Erhebung (via XING):
Monetarisierung illegaler Vertriebsstrukturen
wahrscheinlich?
- öffentliche Erhebung -
Negativ
38%
Positiv
62%
Stefan Semmler, EMA Gate, Event Manager u. Entertainment Consultant
„die Tiefen des www sind weiterhin unergründlich und illegale Tauschbörsen werden immer
bestand haben, solange die legal zu erwerbenden Quellen deutlich teurer sind als gegen Null
strebend!“
Nico Schellhammer, Schott Music, PM
„Wenn mir i-Tunes etwas recommendet, bin ich grundsätzlich misstrauisch ("die wollen doch
nur Geld verdienen"), wohingegen mein Buddy Jo aus Jamaica das ganz sicher nicht will und
mir so den neuen, heißen Reggae-Killersong empfiehlt, weil es einfach ein Killer ist. Diese
Recommendation gab es schon IMMER - sie war früher aber nicht so stark und globalisiert;
erst die Digitalisierung zeig den "Profis" nun, wo die Grenze ihrer Glaubwürdigkeit liegt:
niedriger als ihre Rentabilität!“
Florian Brauch, SPARTA Entertainment
„nur bei einer Kulturflatrate“
Otto Frank, Geschäftsführer Ferryhouse
„Wenn die Musikindustrie die Interessen der Kunden wieder ernst nimmt, wird sich der Kunde
dafür auch erkenntlich zeigen. Gute legale Angebote werden sicher viele auch bezahlen
wollen.“
Björn Mohr, SAE Institute
„Die (Online-)Vertriebsstrukturen sind mit der Zeit gewachsen und funktionell. Vor allem zu
einer Zeit, als Labels "geschlafen" haben, haben sich Techniken und Mechanismen entwickelt,
wo es schade wäre diese nicht auch für legale Verbreitung zu nutzen.“
Peter Riese, Tone Department
„Ich glaube dass die digitale Verbreitung der Medien zu einfach ist um sie völlig zu
kontrollieren.“
167
Frage 4:
b) Welche Elemente und Ausprägungen des digitalen Vertriebs empfinden Sie dabei als
wesentliche und ausschlaggebende Einflussfaktoren für die weitere Entwicklung des
legalen Downloadmarktes?
Einflussfaktoren auf die Entwicklung des
legalen Downloadmarkts
Angebot
Preisgestaltung/Bezahlungssystem
Einfachheit
Specials
Flatrate
Empfehlungssysteme
DRM Freiheit
Audioqualität Gesamt
Übersichtlichkeit Öffentliche Erhebung
Community Einbindung Spezielle Erhebung
Suchfunktionen
Markenbildung
Portabilität zw. Endgeräten
Verbreitung digitaler Abspielgeräte
Eindämmung illegaler Strukturen
0 5 10 15 20 25 30 35
Spezielle Erhebung:
Moritz Sauer, die Zeit
„Der legale Download-Markt muss sich mit dem illegalen messen können. Das heißt, wenn
der Benutzer auf dem illegalen Markt eine 1:1 Kopie einer CD bekommt und im z.B. iTunes-
Laden nicht, dann bedient er sich am illegalen Markt. Das gleiche gilt für Filme.
[…] Generell ist der Mensch faul, will aber die höchste Qualität. Wenn er Inhalte zu einem
angemessenen Preis bekommt, dann zahlt er vielleicht auch.
[…] Der Verkauf von Musik wird auch in Zukunft weiter einbrechen, weil die meisten
Menschen sich nicht um Copyrights scheren. Und das machen sie nicht, weil sie böse sind,
sondern entweder kein Copyright-Bewusstsein haben, zu wenig Geld oder die Mechanismen
zu kompliziert sind.“
Öffentliche Erhebung (via XING):
Otto Frank, Ferryhouse GF
„Alle untengenannten Beispiele sind wichtig und noch Ideen darüber hinaus, wie z.B.
zusätzliche Mehrwerte. Die Kundenansprüche sind unterschiedlich, zufriedene Kunden sind
Kommunikatoren für digitale Anbieter.“
Frage 4:
c) Warum halten Sie Elemente für wichtig?
Kernaussagen aus der speziellen Erhebung:
Peter Beuler, BigFM Programmchef
„Bez. Ubiquität ist der Kaufimpuls einfach größer, wenn ich sofort kaufen kann was ich
gerade, egal wo ich bin, höre“
Gerold Hug, SWR3 Programmchef
„Warum ist es oft einfacher, ein Flugticket zu lösen, als einen Song zu laden?“
Volker Putzmann, New Yorker Music & media
„Weil diese Punkte meiner Meinung nach eine Grundlage für ein attraktives Angebot an die
Konsumenten darstellen.“
169
Kernaussagen aus der öffentlichen Erhebung:
Fabian Keller, Scholz&Friends Zürich Junior Berater
„Diese Elemente begünstigen einen schnelleren Wechsel zu legalem digitalen Vertrieb.“
Wolfgang Vogl, Pushart Inhaber
„ Einfachheit ist klar, Empfehlungssysteme (ich nutze live365 und amazon), weil dies die
einzigen Möglichkeiten sind, neue Musik zu entdecken, radio- hat diesbezüglich ausgedient.
angebotstiefe - spezialisierte Plattformen für speziellen Musikgeschmack ermöglichen
zielgerichtetes suchen und finden Markenbildung, da es erkennbare Anlaufstellen für die
eigenen Bedürfnisse braucht“
Christoph von Below, Message Management GmbH
„Wenn ich etwas im Internet suche (oder finden will), dann will ich es SCHNELL und EINFACH
finden.
1. Das beginnt bei der Auswahl und dem Vertrauen in meine "Suchmaschine" (z.B. iTunes).
Früher war das noch Google ".mp3"-Suche!
2. Das Angebot muss dort stimmen, deshalb a) Breite, b) Tiefe. Im Zeitalter der
Suchmaschinen möchte ich ALLES in EINEM haben. Google bot mir irgendwann keine
"gescheiten", illegalen MP3s, deshalb verwendete ich "alltheweb.com". Nachdem dies auch
zu MÜHSAM wurde, wurde ich legaler Käufer! Wenn mir iTunes zu mühsam wird, werde ich
wieder wechseln. Und wenn ich meinen Titel dort nicht finde, ebenfalls.
3. Zahlungssystem: Ganz wichtige Vertrauenssache im Internet. Weiß jedes Kind. Einfachheit
der Anwendung ist umso wichtiger für den Vertrieb. Klick und Kauf, sonst wird es MÜHSAM
(siehe Pkt. 2)
170
4. Empfehlungen (automatisch) und Interaktion (Kommentare) geben mir Unterstützung
beim Stöbern und Sicherheit beim Kauf.
5. Die Einfachheit in der Anwendung meiner Programme mit Musiktiteln liegt mir als
kreativer Mensch am Herzen. Auch Schnickschnack wie Cover machen mir Spaß, zudem sie
die "Qualität" des gekauften Downloads unterstreichen.“
Björn Bialowons, Consol Studios Geschäftsführer
„ Flatrate: Zahlungsbereitschaft der Internetnutzer
Angebotstiefe: Wenn ich mich für eine Flatrate entscheide, möchte ich auch meinen
Geschmack wiederfinden und nicht nur Top 100 Titel.“
Otto Frank, Ferryhouse GF
„ Der Kunde will es einfach, will Empfehlungen die nur ihn betreffen, möchte reagieren
können um die Angebote zu verbessern, möchte den Anbieter auch außerhalb der Digitalen
Welt erörtern, möchte auf alles zugreifen können, möchte in seinem speziellen
Interessenbereich höchstmögliche Kompetenz, möchte ein Angebot nach seinen
Konsumansprüchen auswählen, etc. Bis hierher doch eigentlich Selbstverständlichkeiten, jetzt
noch "the cherry on the cake" bitteschön.“
Renate K Studentin
„Aufmerksamkeit als knappes Gut in einer digitalen Ökonomie“
171
Lucas Schleweis
„Wenn ich in den Laden gehe, kaufe ich auch nur, wenn ich gut beraten werde und der Preis
stimmt. Warum sollte das anders sein, wenn ich online kaufe?“
Amina Storz, Booking und Promotion
„Das Angebot bestimmt die Nachfrage ;)“
Frage 5:
a) Welches sind aus Ihrer Sichtweise die Vor- und Nachteile eines Online-Musikvertriebes,
der über individuelle Abrechnungen pro Track-Download betrieben wird?
Genannte Vorteile:
Gezielter Download, keine Bindung, keine Fristen, Budgetsteuerung, Kostenkontrolle, Freie
Wahl für den Kunden, Ease of Use, Transparenz, Effizienz, Schnelligkeit, Einzelkauf möglich
ohne Fülltracks der Alben, Pro Track Ausschüttung für Künstler, Festplatte des Users wird
nicht zugemüllt,
Genannte Nachteile:
Copyright Verletzungen, umständlich/kleinteilig, Einzelabrechnung, geringer Umsatz hoher
Aufwand, „Tod des Albums“, Preis bei Kauf mehrerer Songs, Wenig Bundle Verkäufe
möglich, keine Booklets, Anbieter können vom Verkauf einzelner Songs nur schwer leben,
Frage 5:
b) Welches sind aus Ihrer Sichtweise die Vor- und Nachteile eines Online-Musikvertriebes,
der in Form eines Abo Modells betrieben wird?
Genannte Vorteile:
Monatliches Freikontingent, risikoloses Testen neuer Musik, kundenfreundlich, regelmäßige
Zahlungseingänge für Vertrieb, einmal Zahlen und immer auswählen, up to date, evtl.
Eindämmung illegaler Musikbeschaffung, langfristige Bindung finanzkräftiger Kunden,
172
Stammkundschaft bei Genrespezialisierung, Experimentierfreudigkeit mit neuer Musik
seitens der User,
Genannte Nachteile:
Wahlloseres downloaden, Bindung, Fristen, aufzubrauchendes Abovolumen, keine Nutzung
nach Ablauf des Abos, Gewinnaufweichung für den Anbieter, ungenügende Transparenz,
Vergütungsabwicklung kompliziert, ausreichende Angebotsbreite und – tiefe fraglich,
Kaufzwang, kleinere Bands können schwerer profitieren,
Frage 5:
c) Welches sind aus Ihrer Sichtweise die Vor- und Nachteile eines Online-Musikvertriebes,
der über pauschale Abgaben im Sinne einer Kulturflatrate betrieben wird?
Genannte Vorteile:
Alles ist jederzeit verfügbar und downloadbar. Zahlungsbereitschaft der Kunden
entsprechend höher, bequem und solidarisch, Zugang zur Illegalität wird unterbunden,
Vielnutzer profitieren, regelmäßige Zahlungseingänge auf Ausschüttungssystem, Gefühl
kostenfrei, User Vorteile
Genannte Nachteile:
Einschränkung in der Versorgung mit qualitativen Produktionen, da dieses Modell für die
Interpreten eine schwierige Einnahmenverteilung darstellen würde; für die Verwerter nur
zum Teil, da diese sich (per Verteilungsschlüssel o.ä.) ja an der "Flatrate" anschließen
würden., Kapitulation des Marktwirtschaftlichen Systems, Zu Lasten der Kleinen, Verteilung
der Abgaben, weniger wirtschaftlich,
Pauschalabgabe auf Internetanschlüsse wird NIE funktionieren, da hier ja prinzipiell jeder
verfügbare Anschluss bezahlt werden müsste, egal ob er genutzt wird oder nicht. Was zählt
dann als Internetanschluss? Der WLAN-Sender, ein LAN-Port oder der Empfänger des WLAN-
Signals, der jeweils angeschlossene Rechner? Eine Zwangsgebühr wie GEZ-Gebühren oder
die Leermedienabgabe werden hier nicht durchsetzbar sein.
173
Gefahr des Ausverkaufs der Kultur, Wenignutzer sind benachteiligt, Ausschüttungssystem
schwierig zu gestalten, Nicht freiwillig, Wertverfall der Musik, Urheber Nachteile
Frage 6: Welche Rolle werden die folgenden Arten des Zugangs zu Musik Ihrer
Einschätzung nach in 4 Jahren (noch) spielen?
a) Traditioneller Vertriebsweg
Gerold Hug, SWR3 Programmchef
„Kein Vertriebsweg wird generell aussterben. Je nach Genres und Zielgruppen werden sich
aber verschiedene Vertriebeswege verschieden stark durchsetzen.“
Hubert Wandjo, Geschäftsführer Popakademie
„wird noch bestimmender Vertriebsweg bleiben“
Andreas Walter, 3P Business Affairs Manager
„eine untergeordnete Rolle“
Für Nischenmarkt und im Direktvertrieb vor allem in Verbindung mit Live Konzerten
weiterhin bedeutsame Einschätzung. Nur Vereinzelt Aussagen, die das Verschwinden
traditioneller Vertriebswege vorhersehen.
174
Frage 6:
b) Tausch – und social collaboration Modelle
Kernaussagen aus der speziellen Erhebung:
Volker Putzmann, GF New Yorker Music & Media
„das, was digital angeboten wird, wird zunehmend einen größeren Kreis an Interessenten
sicher noch einfacher und an jedem Ort zur Verfügung stehen.“
Kurt Thielen, Geschäftsführer Zebralution
„Superdistribution - bin ich großer Fan der Idee, hoffentlich bleibt es kein unerfüllter Traum.
Web 2.0 - steigende Bedeutung aber der Zweck wird ein anderer bleiben als totale
Kommerzialisierung (auch wenn Murdoch&CO sich das anders vorstellen)“
Moritz Sauer, die Zeit
„Wird noch weiter zunehmen mit der Verbreitung größerer Datenleitungen und dem Ausbau
des Internets in noch unterversorgte Regionen.“
Kernaussagen aus der öffentlichen Erhebung:
Michael, Gema IT Projektleiter
„die Jagd auf illegale Modelle wird besser, die Modelle aber auch“
Sascha Ritter, Promotion Manager Rheinkultur
„Wird immer mehr Wichtigkeit erlangen und wie in den USA schon abzusehen ist einen
großen Marktanteil einnehmen“
175
Nur sehr Vereinzelt wird ein Rückgang postuliert. Eigentlich besteht Einigkeit über
wachsenden Marktanteil.
Frage 6:
c) Musik als Marketinginstrument
Kernaussagen aus der speziellen Erhebung:
Hubert Wandjo, GF Popakademie
„wird sich verstärken“
„eine große Rolle“
In der Tendenz die Aussage aller Experten.
Moritz Sauer, die Zeit
„ Dort sehe ich für Musiker gute Chancen für ordentliche Verdienste. Wird gleichbleiben,
wobei die Honorare für Musik bei der Zunahme der Kulturproduktion wohl weiter abnehmen
werden.“
Gerold Hug, SWR3 Programmchef
„kurz vor der Sättigung“
Kernaussagen aus der öffentlichen Erhebung:
Michelle Schiller, Starfield Production
„Dort findet zurzeit eine Übersättigung statt!“
176
Gesamtübersicht der Tendenzen:
Tendenz: Rolle der Musik als reines
Marketinginstrument?
steigend
gleichbleibend
geringere Rolle
0 5 10 15 20 25
Frage 6:
e) Flatratemodelle
Gerold Hug, SWR3 Programmchef
„Der Preis (siehe Telefon und DSL-Flat)wird über die Akzeptanz entscheiden.“
Fabian Russ, Daimler AG PM
„Abrechnungsmodelle und Verfügbarkeit werden entscheiden. Nutzerkreis sehr groß, aber
nicht zu unterschätzende Teile der Gesellschaft partizipieren hier nicht“
Andreas Walter, 3p Business Affairs Manager
“könnte aber ein wichtiges Standbein werden“
Wachstum als allgemein deutlicher Tenor.
Frage 6:
f) Sonstige zukunftsträchtige Modelle
Kernaussagen aus der speziellen Erhebung:
Gerold Hug, SWR3 Programmchef
“wegen der Kopplung aus Emotion und Kaufimpuls (siehe oben) m.E. sehr interessante
Zukunftsmärkte“
Fabian Russ, Daimler AG PM
“Nicht relevant, da dank sinnlos konkurrierender Technologien (DAB & Co.) Verbreitung sehr
gering. Mobile ("Handy") als Wachstumsträger interessant.“
Moritz Sauer, die Zeit
“Telekommunikationskonzerne wie z.B. die Telekom haben großartige Möglichkeiten in ihre
Strukturen Verkaufsangebote reinzuschrauben. Diese Möglichkeiten sind noch lange nicht
ausgeschöpft.“
Kernaussagen aus der öffentlichen Erhebung:
Peter Grabert, Musikmarkt Mediaberater
„Werden kommen. Hier wird sich aber recht schnell die Spreu vom Weizen trennen und sich
heraus stellen, welche Services Sinn machen und welche dann wieder aus dem Markt
verschwinden.“
Nico Schellhammer, Schott Music PM
178
„10-15 Jahre: Side profits, aber Mobile wird in 20 Jahren mit dem Online-Bereich
amalgamiert sein, eine saubere Trennung wird bei der zukünftigen kleinteiligen Mobile-
Hardware, Implantaten usw. nicht mehr möglich sein!“
Christoph von Below, Message Management GmbH
„sehr hoch. Im Zuge der stetig wachsenden Bandbreiten und der Rückkanal-Entwicklung ein
enormes Potential.“
Zusammenfassung des Grundtenors:
Antworten schwanken zwischen euphorischer Offenheit und vorsichtigem Unverständnis,
insgesamt wird eine langsame Entwicklung dieser Märkte erwartet
Frage 7: Sehen Sie für die Zukunft die Möglichkeit zur Koexistenz von digitalem u
physischem Vertrieb?
Kernaussagen aus der speziellen Erhebung:
Peter Beuler, BigFM Programmchef
„Der Mensch ist haptisch, will greifen, fühlen, erleben, anschauen und auch sehen.“
Volker Putzmann, GF New Yorker Music & Media
„Musik zum Anfassen wird weiterhin eine Rolle spielen.“
179
Kernaussagen aus der öffentlichen Erhebung:
Stefan Semmler, EMA Gate Event Manager & Entertainment Consultant
„ja - aber mit zunehmenden Konflikten und Vertriebsschwierigkeiten für die physischen
Medien, da digitale Medien jederzeit und überall abrufbar sind“
Nico Schellhammer, Schott Music PM
“unsere Ganze Welt wird virtuell, das Physische zu einem besonderen, einzigartigen
Premiumerlebnis!“
Zusammenfassung des Grundtenors:
Verbreitung der Abspielgeräte für physische Tonträger wird als wesentlicher Indikator
genannt. Proportional zu deren Verschwinden wird der physische Vertrieb abnehmen.
Diversifizierte Bedürfnisse der Zielgruppen als Grundlage. Vergleiche zum Buchmarkt werden
häufig gezogen. Fast 100%ige Einigkeit über die Möglichkeit der Koexistenz.
Frage 8: Wird Musik in der Zukunft nur noch als Marketing Instrument und damit als
reines Mittel zur Absatzförderung anderer Produkte genutzt werden?
Kernaussagen aus der speziellen Erhebung:
Hubert Wandjo, Geschäftsführer Popakademie
„Musik als ein Grundbedürfnis des Menschen“
180
Andreas Walter, 3p Business Affairs Manager
„ sicherlich nicht "nur" aber vielleicht "auch"“
Moritz Sauer, die Zeit
“ Nicht ausschließlich aber zunehmend. Angesichts der Kulturproduktion und noch immer
preiswerter werdende Produktionsmittel wird der Markt sich weiter verschärfen.“
Kernaussagen aus der öffentlichen Erhebung:
Fabian Keller, Scholz&Friends Zürich Junior Berater
„Ganz klares NEIN. Musik begleitet den Menschen in all seinen Gefühlslagen und bleibt
wichtiges Begleitmedium durchs Leben.“
Achim Schmidt, Dreamwork Music Inhaber
„ Nicht nur. Aber sicher weitaus mehr als bisher.“
Otto Frank, Ferryhouse GF
„Zu einem großen Teil sicherlich, aber Musik wird auch als Wert an sich gesehen. Das
Spektrum der Musik ist auch größer als die Markenwelt. Künstlerische Identität war und
bleibt einem Teil der Musikliebhaber wichtig, das verbietet zu enge Markenanbindungen.“
181
Frage 9: Welche Gedanken und Überlegungen wollen Sie uns zum Thema Musikvertrieb
der Zukunft ganz allgemein noch mit auf den Weg geben?
Kernaussagen aus der speziellen Erhebung:
Peter Beuler, BigFM Programmchef
„Sei da wo deine User sind. Und die sind überall! Off, On, Mobile, Event“
Volker Putzmann, New Yorker Music & Media Geschäftsführer
“Es müssen neue Modelle entwickelt werden, um den unterschiedlichen Stil- und Zielgruppen
"ihre" persönliche Musikauswahl möglichst direkt und effizient anzubieten;
[…]
Und schlussendlich ist es notwendig, dass die bestehenden Ansätze im Hinblick auf neue
Formen des Musikmarketings - insbesondere im Hinblick auf Crosspromotions, virales
Marketing oder Guerilla Marketing - die im Produktbereich schon effektiv angewandt
werden, auch in der Musikbranche verstärkt zum Einsatz kommen.“
Moritz Sauer, die Zeit
„Musiker verdienen Geld mit endlichen Gütern. Das sind Fan-Artikel und Auftritte und alles
Vergängliche. Digitale Daten sind nicht vergänglich und jede Kopie ist wie das Original.“
182
Kernaussagen aus der öffentlichen Erhebung:
Nico Schellhammer, Schott Music PM
„Nicht zuviel auf die Cassandras unserer Zeit hören, sondern Mut zur Veränderung haben!
Unsere Spezies wird sich Technologie immer mehr einverleiben (Naniten, Implantate) und
damit werden sich Wahrnehmungsmöglichkeiten verändern und erweitern.
Der "Vertrieb" von Musik ist nur ein Mittel zum Zweck und nur weil hier früher einmal viele
Leute viel Geld verdient haben, sollte man sich nicht an solche alten gedanklichen Strukturen
klammern, etwas von A nach B transportieren zu müssen. Bald wird A B sein
(Glasfasertechnologie) und Vertriebsstrukturen überflüssig. Was bleibt ist ein riesiges, sofort
verfügbares Angebot, aus dem es gilt, hervorzustechen!“
Wolfgang Vogl, Pushart Inhaber
„ernst nehmen der Empfehlungssysteme wie amazon (bedarfsorientiert), Spartensender im
Internet mit direkter Kaufmöglichkeit wie live365.“
Otto Frank, Ferryhouse Geschäftsführer
„Wer sich die Musikliebhaber zu seinen Freunden macht wird auch Aussicht auf gute
Geschäfte haben. Da Musikliebhaber ihre Künstler schätzen, müssen vor allem diese in dem
Deal gut beteiligt sein. Musikliebhaber wollen viel erfahren und große Erlebnisse mit ihrer
Musik haben. Wenn dieses Eintritt wollen Musikliebhaber das mit ihren Mitmenschen teilen,
sie werden aus eigenem Antrieb zu Promotern der "Guten Sache". Der Markt dafür ist wieder
völlig offen, denn die Musikindustrie hat mit ihren Kampagnen grade diese leidenschaftlichen
Promoter "guter Musik" kriminalisiert, wodurch die Illegale Musikbeschaffung zum
Kavaliersdelikt mit sportlichem Ansporn wurde. Ein Umdenken der Anbieter hat hoffentlich
eingesetzt. Das "Bessere" Angebot hat also jede Chance und vielleicht ist die Effizienz sogar
wichtiger als der Preis“
183
16.4. Vergleich der Web 2.0. Portale
17. Glossar
A-la-carte- Dieser Begriff beschreibt das klassische Verkaufsmodell von digitalen
Download-Service Musikdateien. Der Konsument bezahlt für ein Musikstück oder eine
Zusammenstellung (Bundle) einen festgelegten Betrag und kann diese direkt
herunterladen.
Beta Phase Testphase eines Produkts oder einer Anwendung.
Blog Ist die Abkürzung von Weblog und steht für ein im Internet veröffentlichtes
Tagebuch.
Bricks-and-Clicks- Das Unternehmen verfolgt eine duale Strategie von Online und
Model Offlineaktivitäten und profitiert durch das oft schon vorhandene
Vertriebsnetz der traditionellen Strategie. Wird oft von älteren
Wirtschaftsunternehmen genutzt um in den Internetmarkt einzutreten und
die traditionellen Wettbewerbsvorteile in das Internet zu übertragen
Bundle Eine Zusammenstellung digitaler Musikstücke (beispielsweise ein Album oder
eine Compilation)
Community Eine Internetplattform bietet auf ihrer Seite dem Internetnutzer an, sich mit
anderen Nutzern mit gleichartigen Interessen zu treffen und zu bestimmten
Themen austauschen. Dadurch soll der Inhalt der Seite von den Nutzern
selbst geschaffen werden.
Content-Aggregator Ein sogenannter Content-Aggregator stellt die Schnittstelle zwischen
Künstlern und Plattenfirmen dar, der die digitalen Musikstücke technisch
aufbereitet, sie an den Handel übermittelt und die individuelle Abrechnung
übernimmt.
Disintermediation In Verbindung mit Wertschöpfungsketten spricht man dann von
Disintermediation, wenn einige Knoten (Vermittler) dieser Kette wegfallen.
(insbesondere durch die Anwendung von E-Business-Konzepten im E-
Commerce)
DRM (=engl. Digital Rights Management) Diese Technologie regelt die
Nutzungsarten von digitalen Musikstücken
E-Commerce (=engl: Elektronischer Handel): E-Commerce ist der virtuelle Einkaufsvorgang
via Datenfernübertragung innerhalb der Distributionspolitik des Marketings.
185
economics of scale Als Economics of scale (Skalenertrag, Größenkostenersparnis) definiert man in
der Produktionstheorie der Betriebswirtschaftslehre und in der
Mikroökonomie die Abhängigkeit der Produktionsmenge von der Menge der
eingesetzten Produktionsfaktoren. Der (marginale) Skalenertrag entspricht
der Steigung der Niveau-Produktionsfunktion. Er zeigt an, um welchen Betrag
sich die Produktionsmenge verändert, wenn der Einsatz aller
Produktionsfaktoren (marginal) um einen bestimmten Faktor erhöht wird.
GEMA Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische
Vervielfältigungsrechte (GEMA) ist eine Verwertungsgesellschaft, die in
Deutschland die Aufführungs- und Vervielfältigungsrechte von Komponisten,
Textdichtern und Verlegern von Musikwerken vertritt.
HAP =Handelsabgabepreis
Independent-Label Ein Independent-Label ist eine Tonträgerfirma, die unabhängig von den
großen vier Major-Labels arbeitet. Sie sind zumeist kleinere Firmen, die
versuchen Nischen zu besetzen, die ökonomisch für Major-Labels
uninteressant sind.
Lock-In-Effekt Käufer werden durch den Erwerb oder eine finanzielle Investitionen in
bestimmte Technologien (Windows vs. Apple) oder durch zeitliche
Investitionen Versicherungsmakler, der persönliche Situation durch
langjährige Zusammenarbeit kennt) an einen Anbieter oder an eine
Anbietergruppe langfristig gebunden. Dies bewirkt eine
Herstellerabhängigkeit. Wechseln des Anbieters ist oft mit unverhältnismäßig
hohen Kosten verbunden.
Long-Tail (engl. = langer Schwanz): Steht für Nischenmärkte, die aufgrund der stark
individualisierten Nachfrager zunächst unwirtschaftlich erscheint. Durch das
Internet kann jedoch national oder global zur geringeren Kosten angeboten
werden. Dadurch wird die Ansprache von Nischenmärkten (mit höherer
Marge als auf dem wettbewerbsintensiven Massenmarkt) jedoch attraktiv.
Major-Label Die Bezeichnung Major-Label entwickelte sich als Gegensatz zur Bezeichnung
Independent-Label und kennzeichnet die kapitalstärksten und markt-
dominierenden Plattenfirmen (auch Label genannt) in der Musikbranche.
Diese sind: Universal Music Group (Vivendi), Warner Music Group (Time
Warner), EMI (EMI Group) sowie Sony Music (Sony BMG)
Merchandising Unter Merchandising für Absatzförderung, Verkaufsförderung) wird
innerhalb der Kommunikationspolitik des Marketing von Konsumgütern die
186
Produktion, der Vertrieb und die Werbung für Markenartikel verstanden, die
das gleiche Logo oder die gleiche Botschaft transportieren wie ein bekanntes
Markenprodukt, ohne dabei jedoch den gleichen Nutzen zu bieten
P2P Die Abkürzung steht für „Peer-to-Peer“. Alle Computer die sich in einem
Peer-to-Peer Netzwerk befinden, dienen gleichzeitig als Sender und
Empfänger von Daten und sind gleichberechtigt. Sie können Dienste nutzen
und gleichzeitig zur Verfügung stellen, dadurch wird eine verteilte
Distribution zu geringeren Kosten und gleichzeitig höherer Geschwindigkeit
ermöglicht. Wird vorzugsweise von illegalen Internettauschbörsen genutzt.
Pick-a-Price (=engl.: „wähle einen Preis“):Steht für einen nicht festgelegten Verkaufspreis
seitens des Verkäufers. Der Kunde bestimmt selbst, welchen Preis er für das
Produkt bezahlt. Damit kann auf die indirekte Zahlungsbereitschaft des
Kunden entsprochen werden und die Asymmetrie bei der
Informationsverteilung überwunden werden, auch wenn klar ist, dass der
Kunde freiwillig meist weniger zahlt, als er wirklich zu zahlen bereit wäre, da
er seine individuelle Nutzenfunktion verschleiern kann.
Plug In Modul, das eine Software um bestimmte Funktionalität erweitert.
PR (=engl. Public Relations): Öffentlichkeitsarbeit
Retailer Retailer (=engl. retail) bezeichnet wörtlich den „(Klein-/Einzel-)Handel“ bzw.
den „Wiederverkauf“.
RSS Feed RSS ist ein Format um Daten über das Netz zu versenden. Diesem wird in
Zukunft immer größere Bedeutung zukommen. RSS liefert die Überschrift,
einen Textanriss und zusätzlich den Link zum Originaltext. Der RSS Feed
schickt dem Nutzer neue Informationen, sobald er einmal abonniert wurde.
Es können Webseiten, auf manchen Plattformen sogar einzelne Themen oder
Personen per RSS Feed abonniert werden.
Social-Networks Soziale Netzwerke im Internet die meist aus einer Sammlung von
Nutzerprofilen besteht, die sich aus unterschiedlichsten Gründen und
Interessensgebieten auf den Plattformen zusammenfinden und austauschen.
Stream Daten werden empfangen und gleichzeitig wiedergegeben, ohne zuerst auf
dem Rechner gespeichert zu werden.
Subscription- Der Begriff bezeichnet sogenannte Abonnement-Geschäftsmodelle. Der
Services Konsument bezahlt einen Betrag (zeitbezogen, z.B. monatlich) für die
Nutzung eines festgelegten Repertoires.
Tagcloud Eine Wolke aus Schlagworten (Tags), bei der die am häufigsten genannten
187
Schlagworte am größten und/oder am dicksten dargestellt werden.
TAN Transaktionsnummer
Web 2.0 Der Begriff Web 2.0 beschreibt den Einsatz neuer Technologien im Internet
und die damit verbundene veränderte Nutzung des Internets. Hauptaspekt:
Benutzer erstellen und bearbeiten Inhalte in quantitativ und qualitativ
entscheidendem Maße selbst. Typische Beispiele hierfür sind Wikis, Blogs,
Foto- und Videoportale (z. B. Flickr und YouTube) und soziale Online-
Netzwerke wie MySpace, Facebook und studiVZ, aber auch die schon länger
bekannten Tauschbörsen.
Widget Ein Widget (auch Gadget genannt) ist ein kleiner Web-Baustein oder ein
kleines Programm, der nicht als eigenständige Anwendung betrieben wird,
sondern in eine grafische Benutzeroberfläche oder Webseite eingebunden
wird.
188
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Dieser Analysebericht wurde im Frühjahr 2008 im Rahmen einer Projektarbeit an der Popakademie in Mannheim erstellt. Im Auftrag des Onlinemusik-Anbieters Musicload sollte eine ausführliche Analyse zum Thema „Musikvertrieb 2020 – die Zukunft der digitalen Musikdistribution“ erstellt werden. less
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