Das antiquarium, diemer
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    Das antiquarium, diemer Das antiquarium, diemer Document Transcript

    • Das Antiquarium Herzog Albrechts V. von Bayern Schicksale einer furstlichen Antikensammlung der Spatrenaissance Author(s): Dorothea Diemer and Peter Diemer Source: Zeitschrift für Kunstgeschichte, 58 Bd., H. 1 (1995), pp. 55-104 Published by: Deutscher Kunstverlag GmbH Munchen Berlin Stable URL: http://www.jstor.org/stable/1482747 Accessed: 17/05/2010 05:08 Your use of the JSTOR archive indicates your acceptance of JSTOR's Terms and Conditions of Use, available at http://www.jstor.org/page/info/about/policies/terms.jsp. JSTOR's Terms and Conditions of Use provides, in part, that unless you have obtained prior permission, you may not download an entire issue of a journal or multiple copies of articles, and you may use content in the JSTOR archive only for your personal, non-commercial use. Please contact the publisher regarding any further use of this work. Publisher contact information may be obtained at http://www.jstor.org/action/showPublisher?publisherCode=dkgmb. Each copy of any part of a JSTOR transmission must contain the same copyright notice that appears on the screen or printed page of such transmission. JSTOR is a not-for-profit service that helps scholars, researchers, and students discover, use, and build upon a wide range of content in a trusted digital archive. We use information technology and tools to increase productivity and facilitate new forms of scholarship. For more information about JSTOR, please contact support@jstor.org. Deutscher Kunstverlag GmbH Munchen Berlin is collaborating with JSTOR to digitize, preserve and extend access to Zeitschrift für Kunstgeschichte. http://www.jstor.org
    • Dorotheaund PeterDiemer Das Antiquarium Herzog AlbrechtsV. von Bayern Schicksale der einerfiirstlichenAntikensammlung Spatrenaissance Der Begriinder der Miinchner Antikensammlung Antike wissenschaftlicherforscht und gesam- ist Herzog Albrecht V. von Bayern (reg. 1550-I579), melt wurde, bedurfte es im traditionsarmen auf dessen kulturpolitischen Ehrgeiz ein guter Teil Miinchen eines den h6fischen Reprasentations- der Miinchner staatlichen Museumstraditionen formen der Renaissanceaufgeschlossenen Fiir- zuriickgeht'. Beraten von Johann Jakob Fugger, sten, um eine Antikensammlung aufzubauen- liefi Albrecht in den I56oerJahrenmit hohem Auf- die dann allerdingsauch nicht regionalenCha- wand durch Agenten, vor allem den kaiserlichen rakter trug, sondern in Umfang und Niveau Antiquar Jacopo Strada, eine beachtliche Samm- mit den grofienitalienischenSammlungen rivali- lung antiker Skulpturen, Kleinbronzen und Miin- sierte3. zen zusammentragen. Als gro6iter Schatz der Die Miinzsammlung im neuerrichteten fand her- Sammlung gait die in Venedig von Strada erwor- zoglichen Kunstkammergebaude Platz4.Fiir die bene Sammlung Loredan2. iibrigenantikenGattungen, allemSkulpturen, vor Im Unterschied zum nahen Augsburg, dessen und die - binnenkurzemzu einerInstitutionvon r6mische Vergangenheit uniibersehbar vor aller europaischer Bedeutunggediehene- Hofbiblio- Augen stand und wo seit Konrad Peutinger die thek5 entschlof mansich gemafieinemhumanisti- Spindler 1977, 335-350;WuB I980; Horst Leuchtmann, 3Zu Augsburg zusammenfassend:Ausst.Kat. Welt im Die MiinchnerFuirstenhochzeit i56& MassimoTroia- von Umbruch. Augsburg zwischen Renaissance und Ba- no: Die Dialoge, italienischund deutsch (Studien zur rock, Augsburg 1980, Bd. i, 76-88 (Hermann Kellen- Landes-und Sozialgeschichte Musik, Bd. 4), Miin- der benz). Zum zeitgeschichtlichenHorizont des Kunst- chen und Salzburg 1980;zur Kulturpolitik:Karl von sammelns vgl. u.a.: von Busch I973; The Origins of Reinhardst6ttner, Geschichtedes Humanismusund Zur Museums.The Cabinet of Curiositiesin sixteenth- and der Gelehrsamkeitin Miinchen unter Albrecht dem seventeenth-centuryEurope, edited by Oliver Impey Fiinften,Jahrbuch Miinchener fiir Geschichte 890,45- 4, and ArthurMacGregor,Oxford 1985;W/FL I987;Kry- 174;Stockbauer1874; Hartig I917;Hartig,Kunsttitigkeit sztof Pomian, Der Ursprungdes Museums.Vom Sam- I933;von Busch 1973;Seelig 1989;Bauer-Wild 1989;Petzet meln, Berlin 1988; Ingo Herklotz, Neue Literaturzur I989. - Fur grofie Hilfe beim Schreibendieses Beitrags Sammlungsgeschichte, Kunstchronik 47, I994, S. II7-135. dankenwir RosemarieBiedermann, Miinchen. Zum r6mischenSammlungswesen: PatriciaFalguieres, 2Uber die zitierte Literaturhinaus:Ausst. Kat. Glypto- La cite fictive. Les collections de cardinaux,a Rome, au thek Miinchen 183-1980, Miinchen 1980; W/FL 1987. Zu XVIe siecle, in: Les Carrache et les decorsprofanes. einer Episode der Antikenkaufe:Clifford M. Brown, Actes du Colloque organise par I'cole franpaise de The Dukes of Bavariaand Ferraraand CardinalCarlo Rome (Rome, 2-4 octobre I986), Rom 1988,2I5-333; Chri- Source7 Nr. 2, 1988, Borromeo'sAntiquities(I568-I569), stinaRiebesell,Die SammlungdesKardinalAlessandro 13-16; id. The PictureGallery of Gerolamo Garim- vgl. Farnese.Ein >studio, Kiinstlerund Gelehrte,Wein- fiir berto offered to the Duke of Bavaria,Journal of the heim i989. History of Collections 2, 1990, I99-203; Noes M. Overbee- 4Zum Kunstkammergebaude: Petzet 1989;Seelig I989. ke, CardinalOtto Truchsessvon Waldburgand his role Fur die Miinzsammlung berechnete der Bildhauer as artdealerfor AlbrechtV of Bavaria ibid.,173- (1568-73), Jordan Prechenfelder 1573 ein (verlorenes) M6bel, I79. Zu Hans Jakob Fugger: Hartig 1917,I93-223;NDB einen Schrank oder Verzierungen dazu (Diemer Bd. 5, Berlin 1961,720f. Zu Jacopo Strada:Dirk Jacob 1986, I55, Dok. I). Es k6nnte identisch sein mit je- Jansen,Jacopo Strada(15I5-I588):Antiquariodella Sacra nem, das Fickler I598in der Kunstkammerbeschrieb: CesareaMaesta,Leids Kunsthistorisch Jaarboek i, 1982 BStB, Cgm 2134,fol. 26or-264v; dazu Seelig 989, I05 und (Rudolf II and His Court), 57-69; JacopoStrada le id., et Anm. 68. commerce d'art, Revue de l'art 77 Nr. 3, I987, 1-21; id., 5Hartig 1917; Ausst. Kat. Thesaurus Librorum,425Jahre Jacopo Strada'sAntiquarianInterests:A Survey of his BayerischeStaatsbibliothek, Miinchen1983,Wiesbaden Musaeum and its Purpose, Xenia 21, 1991, 59-76. 1983;Staatsbibliothek 1992. 55
    • schen Konzept6 zu einem gemeinsamen Neubau. Betritt man heute den Raum, erinnertdarinaufer Als Baugrund bestimmte der Herzog ein Grund- den in seine Dekoration verbauten antiken Skulp- stiick auf dem sogenannten Jagerbiihl im Vorfeld turen kaum noch etwas an seinen Griinder. Schon seiner Neuveste, einer mittelalterlichen Wasser- Herzog Albrechts Sohn Wilhelm V. (reg. I579- burg am Nordrand der Stadt, das er seinem Eigen- I597) hat das urspriinglich freistehende Gebaude tiimer, dem Miinchner Franziskanerkloster, mit einer neuen Residenzanlage inkorporieren lassen, sanfter Gewalt abnahm7. I570/7I wurde der Bau die iiber die mittelalterliche, von Wassergraben aufgefiihrt, das Aufstellungskonzept fiir die Anti- umzogene Burg der Wittelsbacher hinauswuchs ken lieferte nach eigener Aussage Strada. Fur die und sich auf stadtischem Grund auszudehnen be- gebildeten Zeitgenossen, die Zugang zum Hof gann; der Grottenhofbereich der Residenz geht hatten, geh6rte dieser aus humanistischem Geist auf diese Entscheidung zuriick (Abb. i)9. Im nach italienischem Vorbild entstandene Muse- Zuge dieser Baumaginahmenhat man das Erdge- umsbau ebenso wie die Kunstkammer zu den Se- schofi, das eigentliche Antiquarium, zu einem henswiirdigkeiten Miinchens. Festsaal umgestaltet und im Sinne des Florentiner Das Konzept von Bibliothek und Antiken unter Manierismus dekoriert. Diese Dekoration und einem Dach - die gewichtigen Antiken im Erdge- Zutaten von Wilhelms Sohn Maximilian I. (reg. schofi, die Bibliothek dariiber - wurde von Al- I597-I651) bestimmen den heutigen optischen Ein- brechts Nachfolgern Wilhelm V. und Maximili- druck. Sie haben allerdings Elemente der ur- an I. etappenweise aufgegeben, doch ist das Ge- spriinglichen Ausstattung erhalten oder weiter- baude mit einem Teil der Antiken im urspriingli- verwendet. chen Raum als Bestandteil der Miinchner Resi- Dafi tatsachlich die bis zum Krieg einigermafien denz durch die Zeiten gekommen, wenn auch I944 geschlossen gebliebene Raumausstattung noch teilzerstort und anschliefiend wiederhergestellt. diejenige der Zeit Herzog MaximilianswarI0,bele- Als das friiheste und das einzige in wesentlichen gen vier Zeichnungen, die der bekannte Augsbur- Teilen erhaltene Antikenmuseum grofien An- ger Kunsthandler Philipp Hainhofer i6II durch spruchs des i6. Jahrhunderts n6rdlich der Alpen Mathias Kager fiir Herzog Philipp II. von Pom- hat das Antiquarium seit langem die Forschung mern anfertigen lassen durfte - die einzigen Bild- beschaftigt8. zeugnisse des dekorierten Antiquariums vor der 6von Busch 1973, I53-I55. nach hateinenGrofgteil durch Krieg 1945 des den geret- 7Zur Neuveste: Meitinger1970.Zur teten Mauerwerks Enteignungdes Ja- bewahrt,doch sind diese Arbeitenso gerbiihls: Hartig 1917,48f. 8Die kunsthistorische gut wie undokumentiertgeblieben,so dafiman es heute Erforschungder MiinchnerResi- in der Residenzmit einemdenkbarkomplexenGemen- denz bietet bis heute ein uneinheitlichesBild, das sich in ge von alter,verlaiflichrekonstruierteroder willkiirlich einer Publikationwie BrunnerI977spiegelt. Christian geanderterMauersubstanz Dekoration zu tun hat. wie Hiutles Versuchvon I883, eine Baugeschichte kom- des - Speziell fiir das Kriegs- und Nachkriegsschicksal des pliziert gewachsenen an Bautenkonglomerats Hand Antiquariums wichtig: Zur Eroffnung des Fest- und von Archivalienzu schreiben,ist, wenn auch iiberholt, Konzertsaalesin der MiinchenerResidenz am 3. Marz im Ganzen nicht ersetzt:Hiutle 1883.SpatereLiteratur 1953, Festschrift, Miinchen o. J. (I953), I5; Festschrift zur in Auswahl: Thoma 1937;Brigitte Kniittel, Zur Ge- Wiedereroffnung des Residenzmuseums Miinchen, schichte der MiinchnerResidenz, MiinchnerJahrbuch Miinchen I958,24f.;Fritz Haeberlein,Zur historischen der bildenden Kunst i8, 1967, S. I87-210; Stierhof 1980; Farbigkeitder Malereiim Antiquariumder Miinchner Brunner-Hojer-Seelig I990. An historischenBeschrei- Residenz, Maltechnik Restauro 1973,Heft 2, 111-114;Beil bungen sind fiir den hier angesprochenenZeitraum 1975,i8f.; Walz/Meitinger/Beil 1987.Zum zeitgeschicht- Pistorini I644und Pallavicinoi68o zu nennen. Mit der lichen Hintergrund: Ausst. Kat. Aufbauzeit. Planen Offnung der Anlage 1923fiir die Bauhistorikerbegann und Bauen Miinchen I945-1950, Miinchen I984. - Zu Bau eine Zeit der Beobachtungen und Diskussionen, die und Funktion:Nach Otto HartigsgrundlegendenFor- 1944 mit der weitgehenden Zerst6rung der Residenz schungen: Hartig 1917,I931,I933und Kunsttdtigkeit I933, durchBomben abgebrochenschien.Der Wiederaufbau hat Renate von Buschs ungedruckteDissertationiiber 56
    • I. Die Miinchner Residenz im Zustand des friihen 17.Jahrhunderts. Ausschnitt aus Wenzel Hollars Miinchner Stadtplan von 1623.Miinchen, Stadtmuseum die deutschen Antikensammlungen des I6. Jahrhun- schinger 1988;vgl. Petzet 1988, 20-22 (= Petzet 1989, 33- derts die Grundlagegeistesgeschichtlicher Interpretati- 36). Endlich hat 1989BrigitteVolk-Kniittel den gesam- on wie auch archivalischer Grundlagenklirung ge- ten (Vorkriegs-)Bestandder Deckenmalereides Anti- schaffen, auf der bis heute die Forschung fufit: von quariumsin Bild und Dokumentation erschlossenund Busch I973.Erst in den letzten Jahrenist in die Erfor- inhaltlichanalysiert:Volk-Kniittel I989. schung des MiinchnerAntiquariumswieder Bewegung 9Zu Wilhelm V.: Spindler I977, 351-36I; WuB 1980; zu gekommen, ausgehendvon iibergeordnetenwie spezi- seiner Kulturpolitik: Stockbauer I874; Baader 1933;Die- ellen Fragestellungen. Katalogder antikenund neu- Ein mer 1980; weitere Literatur bei Diemer 1986;zum Grot- zeitlichen Skulpturenvon Ellen Weski und Heike Fro- tenhofbau zuletzt: Volk-Kniittel 1989, 67-117;zur topo- sien-Leinz (hier:W/FL 1987; dazu die wichtige Rezen- graphischenund stadtebaulichenAuswirkung des Re- sion von Lietzmann1988) erschliefitseit 1987 Samm- den sidenzbaus: Heydenreuter i992, bes. 205. lungsbestanddes Museums. Er enthilt die bisher um- 'O Mit Anderungenund Verschiebungendes Antikenbe- fassendsteund zugleich in vielen Fragenweiterfuhren- standsist selbstverstindlichdurch alle Zeiten hindurch de Geschichte der Antiquariumsforschungdurch Lo- zu rechnen. Ein Vergleich der Photos in: Paul Arndt, renz Seelig:Seelig I987.Ein im selben Werk enthaltener Photographische Einzelaufnahmenantiker Skulpturen Text von Frosien-Leinz zur Bedeutungdes Antiquari- nach Auswahl und mit Text (SerieIV, Paul Arndt und ums im I6. Jahrhunderthat Gabriele Dischinger zu Walther Amelung, Miinchen 1899, Nr. 907-1035), er- einer Korrekturveranlafit,die nichts weniger ist als die weist, dafi noch seit den Jahren um 1900 Kopfe und Beantwortungder Fragenach dem I570/7I fur die Aus- Biisten umgetauscht werden konnten: Zeitschriftfur fuhrung des Baues verantwortlichenBaumeister:Di- Kunstgeschichte 52, 1989, 572. 57
    • Ara der Photographie (Abb. 35, 36)". Hainhofer, Bauherr eines vom regierenden Sohn Maximi- damals in diplomatischer Mission in Munchen, lian vollendeten festlichen Saals. Maximilian, des- hatte die Erlaubnis erhalten, die reprasentativen sen Anteil an der Ausstattung entschieden der Raume der Residenz zu besichtigen. geringste war, hatte ja auch seinen Namen grof Es ist nun kurios zu sehen, welch verkiirztes Bild und auffillig in einer Bauinschrift verewigen las- man damals bei Hofe dem doch stets am Detail sen'6. interessierten Hainhofer vermittelt hat. In seinem Gewissermafen als ein spater Triumph maximi- Bericht an den Herzog von Pommern'2gibt er eine lianischer Selbststilisierung,wie eine kunstwissen- Beschreibung des Antiquariums. Darin halt er zur schaftliche Wiederholung dieser Geschichtskor- Baugeschichte fest: >>und umb sovil hat es hertzog rektur liest sich im Antikenkatalog zum Antiqua- Maximilian tieffer graben lassen, weder [= als] es rium 1987 die These, unter Albrecht V. sei das hertzog Wilhelm gebaut hatte, damit es desto ho- Antiquarium weder fertig noch benutzbar gewe- her vnd herrlicher aussehe...<< Zur Funktion des sen; das Museum habe es nie gegeben, nicht einmal Raumes - apart dekorierter Festsaal - autiert er einen Fufiboden habe der Raum besessen'7. sich nicht, sie verstand sich fur ihn von selbst'3. Dies war der Ausgangspunkt unserer Oberle- Bereits 1603 hatte er erfahren: >bisweiln werden gungen, deren Gegenstand eben die in Hainhofers fiurstlichedenz darin ghalten<<4, und 1612notierte Aufierung aufscheinende Umnutzung, Uminter- er beilaufig: >Zu Mittag haben die Fiirstl. Perso- pretation des Antiquariums in den wenigenJahren nen im Antiquario gessenn<<I5. zwischen seiner Griindung und Hainhofers Be- Da war vieles - vielleicht nicht absichtslos - in such ist. Unser Beitrag versteht sich als Versuch, Vergessenheit geraten:nicht nur, dafi die Tieferle- das unverzichtbare, leider ungedruckte Standard- gung des Bodens nicht Maximilians Verdienst werk von Renate von Busch punktuell zu ergan- war, vor allem, dai das Antiquarium urspriinglich zen. als Museum im humanistischen Sinne erbaut wor- den war, und zwar nicht von Herzog Wilhelm, Das Antiquarium unter Herzog Albrecht V. sondern schon von dessen Vater Albrecht V. Vier- Renate von Busch hat die Quellen und Indizien zig Jahre nach Errichtung des Antikenmuseums, zur >Rekonstruktion<< urspriinglichen Raum- des der ersten so grof angelegten Sammlung dieser bildes der Antikensammlung zusammengestellt'8. Art im deutschen Raum, war die Erinnerung an Der in der ersten Planungsphase auch am Baupro- den Griinder schon eliminiert. Der im Ruhestand jekt beteiligte Jacopo Strada widmete I575 Al- lebende Herzog Wilhelm erschien Hainhofer als brecht V. seine Caesar-Ausgabe. In deren Vorrede "Wolfenbiittel, Herzog August Bibliothek, Cod. 23.3 I5 Hautle I88I, i68. '6 MAXIMILIANVS DEI GRATIA COMES PALA- Aug. fol., anscheinendZweitausfiihrungen fur den der Herzog von Pommern bestimmten Ansichten; WuB TINVS RHENI VTRIVSQUE BAVARIAE DVX. 1980 II/2, 543ff.Nr. 892c-f; Susanne Netzer, Johann Die Titulaturist im Unterschied zu zahlreichenande- Matthias Kager, Stadtmalervon Augsburg (1575-I634), ren InschriftenMaximilians nachdem Erwerbder Kur- Misc. Bavarica Monacensia, 92, Miinchen 1980, 122, Z wirde 1623nicht aktualisiert worden - m6glicherweise 27,4-7; Hainhofer (Hautle i88i) nimmt wiederholt auf hatte der Raum bis dahin durch die Fertigstellungvon die Entstehungsumstinde dieser Dokumentation Be- Herkulessaal und Kaisersaal Residenzan Reprasen- der zug: I7 (Wilhelms V. Reaktion auf die Bitte Herzog tationswert verloren. Am Gesims des Kamins steht: Philippsvon Pommern),I35 (Liste der GeschenkeWil- ABSOLVTVMANNO MDC. Das gegeniiberliegende helms an denselben)und 140(WilhelmsV. Begleitbrief Portal tragt die Inschrift:SACRAE VETVSTATIDI- zu den Zeichnungenan denselben). CATVM. Kloos 1958, i6if. I2 Hautle i88I, 7if. 17 Frosien-Leinz 1980; W/FL I987. Schon im I7. Jahrhun- 3 Er hebt dert suggeriertedie Inszenierungdes RaumesMaximi- lediglich die Stattlichkeitdes Raumes hervor: >undist diss Antiquariumwol ain K6niglichZimmer?; lians Autorschaft: Le Sieur Chapuzeau, Relation de Hautle 1881,72. l'estat present de la maison electorale et la cour de 14Wolfenbiittel,Herzog August Bibliothek, 60.21 Aug. Baviere, Paris 1673, 44; von Busch 1973, io8. oct., fol. I36v. 58
    • hat er dem Fiirsten folgendes in Erinnerung geru- fen: ,Als dann aber beschlossen war, dies alles [Bibliothek und Antiken] an einem passenden, feuersicheren Ort zusammenzufiihren, wurde auf Ihren Befehl ein grofziigiger und zweckmai3iger freistehender Palastbau errichtet, dessen gesamte Innendistribution von mir entworfen war. In ihm befinden sich zwei weitraumige Sale. Der untere weist ein stuckiertes Gewolbe auf, hier und dort stehen die Antiken in nicht unangemessener Ord- nung. Der obere hat als Schmuck eine edle, auf- wendig geschnitzte Vertafelung; dies ist die nie- mals genug gelobte Bibliothek. Der Ort des Ge- baudes war einst Garten der Franziskanerbriider. Ihre Hoheit kann aus Ihrer Festung nach Belieben ungesehen dorthin gehen<<9. Wie der Bau von aufien aussah, lai3tdas Protokoll einer Besprechung vom Juni I570 kurz vor Baube- ginn20 ahnen: ?Aufwendig soll alles glatt sein.< Die Bauabteilung der Bayerischen Schlosserver- waltung hat kiirzlich auf der Siidwestwand hinter friihen Vermauerungen Reste einer vielleicht ori- ginalen Aufenfassung gefunden - es scheint, dafg I ..-A . .1-I weitere Sondagen in diese Frage noch etwas Licht 2. Querschnittdes geplantenAntiquariumsbaues, und Wolbung Simon Zwitzel I570. Miinchen, Bayerisches Haupt- bringen k6nnten2I. Abmessungen staatsarchiv, Plansammlung 7940 des Raumes, der der Statik zuliebe und vermutlich auch wegen der besseren Lichtfiihrung vom Er- bauer etwas in die Erde eingesenkt worden war, sind noch dieselben des ersten Baues22.Baumeister konstruktive Losungen des Wolbungsproblems war der Augsburger Simon Zwitzel. Von ihm ist darstellt und einige Materialangabenenthalt (Abb. eine Querschnittskizze iiberliefert, die vor allem z). Der Plan ist wohl gleichzeitig mit der Bespre- '8von Busch 1973, I38f., 146-I8I. potest...?Die Bedeutung Quelleunterschatzt der bei I9 DasZitat ist der Vorrede zu C. J. Caesarisrerum ge- W/FL 1987, 63 Anm. 295. starum commentariiXIV, Frankfurt1575,entnommen, 20Von Hartig 1933,223 publiziert, seither verschollen; ein kompletter Abdruck dieses Textes bei Hartig I917, Hubala 1958/59, 136, und von Busch I973, 300 Anm. I05 286-289, dazu auch 44-47. Der Originaltext lautet: Jam erwagennachtragliche einesBesprechungs- Datierung verb cum constitutum esset haec omnia compararein papiers demVorjahr; Wortlaut aus der neuerdingsbei vnum aliquem commodum locum, et a calamitatibus Dischinger 85f. 1988, nachgedruckt. ignis immunem, fabricatum est iussu tuo elegantissi- 2 Freundlicher Hinweisvon Matthias Miin- Staschull, mum palatium, ac in insulam totius, structuraeordine chen, 10.11.I994. Schon Hartig, Kunsttatigkeit 1933, 224 interiori a me delineato, redactum. In eo sunt cellae Anm. 216 erwahnteinen derartigenBefund. 22 Die duae spaciosissimae, quarum inferiorforniceincrustato Baubesprechung Juni1570lahitdie Sorgeum von munitur,collocatishic illic ordine non inconcinno,ipsis den Schub des grof3enGewolbes erkennen:-Den antiquitatibus: superioreleganti tabulatu ornata est, ex Grund er[derBaumeister] holln,danneswerd soil tieff operesumptuosesecto. Hic numquam satis laudata Bi- ein grosser Lasthtdarauff khomen.<,Die Mauer soll bliothecaest. Ipse verb structuraelocus,hortusaliquan- zimblichdickhund starckhsein, sonderlich zur bis do fuit fratrum Franciscanorum.Huc Celsitudo tua Liberey.< nulli conspecta,e suo castello, quoties libet, commeare 59
    • I .. ; : " ! , > .' '-. . BrC-~': : >*.' 4* i":"l 3' ; 'F '- t'-.a-.-!. -I< w I i .- 4. L1 _ 1 ?B ', rt r? r r 5~~.r ~' "! ,1_i, '*'' j i :^.l ? t ?;- -'? t.. 4-.. I ...... ",'.~. .Y i: 3" ?.'i :iJ . "9 * ,I t 3. Alternativentwurf Neuaufstellungder Antikenim Antiquarium, zur Antonio Ponzanozugeschrieben, um I580.Miinchen,Bayerische Cod. icon. I98c Staatsbibliothek, chung, deren knappe Anweisungen erkennen las- nengewolbe iiberspannte damals wie heute einen sen, dafi man einen im Architektonischen sehr einzigen durchgehenden, nicht durch Zwischen- schlichten Bau errichten wollte23. wande unterteilten Raum. Den von Strada er- Dagegen hat man nur von wenigen Einzelheiten wahnten Deckenstuck darf man sich ziemlich der raumfesten Ausstattung Kenntnis. Das Ton- schlicht denken mit Blick auf die Zweckbestim- 23 Ausfiihrlich: Dischinger 1988. FL 1987,Taf. I7 Abb. 7. Schon von Busch 1973,302 Anm. 4 Die anskizzierte Wolbungsdekoration in dem sog. sieht den qualitativenAbstand zu Sustrisselbst, an 120 ?Schaubildentwurf? von I568 (BHStA, Plansammlung dessen Hand Hartig dachte. Dazu ist sie zu wenig 7933),dessen Urheber unbekannt bleibt und die den prazise und zu fahrig;u. E. stammt sie von Antonio neuerdingswiederentdecktenMalereirestenin Herzog Ponzano, der vielleicht- die Lesung ist nicht zwingend Albrechts Arkadenbau im Miinchner Hofgarten ih- - die BuchstabenPON auf einem der Sockel anbrachte. 26Publiziert von nelt, kann vielleicht eine Vorstellung vermitteln. Zu Hartig, Kunsttatigkeit1933, 24 und 214 dem ?Schaubildentwurf< eines Antiquariumsgebiudes Abb. 30; W/FL 1987, Taf. 24 Abb. i6. 27 1568, Hubala 1958/59 die Literatureingefiihrthat, den in Dischinger 1988, 82 Anm. 9. 6i7f., und die neuerdingsmit einer 28Zur vgl. Lietzmann1988, Frage der Treppen: von Busch 1973, I34 und i7If.; in kurioserParallelezu Dischinger 1988 publizierteZu- Stierhof in: W/FL 1987, 21; Seelig 1987, 26. Die Baube- schreibungshypothesean den AugsburgerBaumeister sprechungbestimmte zu den Zugangen:,Unnden soil BernhardZwitzel: Petzet 1988, 20-22 (= Petzet 1989, 33- von der Stiegen das Gewelb biif an das End durchaufi 36). Zu den HofgartenarkadenKlaus Endemann,Putz geen und khainUnderschiedhaben.- Gegen dem Giigl und Malerei an den Arkaden im Unteren Hofgarten. soil es ganz sein. - Dest braiterund la[n]ger mag die Restauratorische Untersuchungzur Konservierung der Stieg werden. - So soil die Thiir in mitten des Gwelbs Befunde, in: Denkmaler 1988, 233-240, bes. Abb. 8f.; gegen der Munch Garterkhommen.?- von Busch und Adrian von Buttlarund Traude Bierler-Rolly (Hrsg.), Stierhofschliegen daraus,der Hauptzugangzum Anti- Der Minchner Hofgarten. Beitrage zur Spurensiche- quarium habe in der Mitte der siidwestlichen Langs- rung, Miinchen 1988, Abb. i6f. W/FL I987, 5o negiert wand vom Franziskanerkonvent gelegen.Das wirkt her ohne Begrundungdie Uberlieferung:WVon einer Stuk- unwahrscheinlich.Die Stiege in den Oberstock wird kierungdes Raumeslii3t sich in diesem Zeitraumiiber- vielmehr *in mitten des Gwelbs?, d. h. in der Mitte haupt nichts nachweisen." einer Schmalseiteunter dem Gewolbescheitel geplant; 25BStB, Cod. icon. I98c. Publiziert von Hartig, Kunstti- doch wohl das Siidostende.Die unkorrekteBenennung tigkeit I933, 222f. und 213 Abb. 29.; weitere Abb. bei W/ in der Quelle *gegen der Munch Garter? konnte im 6o
    • mung des Antiquariums, auf die kurze Bauzeit und die anderenorts erhaltenen Hinweise auf Al- brechts Dekorationsgeschmack24.Die Langswan- de wurden durch massige, sich nach oben verjiin- gende Wandpfeiler mit schlichten Kapitellen aus Tuffstein gegliedert, die, abgearbeitet, noch heute unter den sekundaren Dekorationen stecken. Eine nahere Vorstellung von der Wandgliederung ver- mittelt eine Zeichnung der Sustriswerkstatt, die um I580entstanden sein diirfte und Vorschlage fur ein neues Arrangement der Aufstellung enthalt; sie zeigt anschaulich Fenster, Fenstervergitterung und die Pfeilergestaltung (Abb. 3)25. Die Pfeilerde- koration konnte 1924 durch eine Sondierung ge- klart werden, bei der ein Kapitell des ersten Zu- 4. Antiquarium, Kapitell, 1924 voriibergehend freige- stands voriibergehend freigelegt wurde (Abb. 4)26. legter erster Bauzustand, abgearbeitet Damals zeigte sich auch, dafi die Wandpfeiler, entgegen der Zwitzel-Zeichnung von 1570, gemau- ert und nicht in rotem Marmor ausgefiihrt sind27. Der Eingang lag u. E. von Anfang an auf der Siid- Fenster. Die urspriingliche Fufibodenh6he lai3t ostseite, der Portalwand, wo gemafi Stradas Be- sich mit Hilfe der genannten Zwitzel-Zeichnung richt ein erhoht gefiihrter Gang von der Neuveste bestimmen: 12 Fui3, d. h. ca. 3,50 m unterhalb der her in ein Treppenhaus miindete28.Das Aussehen Kapitelloberkante, somit auf der Sitzhohe der den der Schmalwande ist nicht im einzelnen bekannt; Langswanden nachtraglichvorlegten Banke (Abb. vielleicht besafi zumindest eine Schmalwand zwei 2, 21, 29)29. Gegensatz am zum ,Nufidorfer-Garten, entgegenge- lagert, dessen Grundform in Residenzplanenmaximi- setztenSchmalende verstehen zu sein. In den etwas lianischerZeit oder deren Kopie erkennbarsind und kolloquialen der Formulierungen Besprechung konnte das in seiner Substanz durch alle Umbauten hindurch auch dieser Bereich noch durchausglobal als der erhaltenblieb, z.T. iiber zwei Stockwerke hinweg. Es Monchsgarten bezeichnetwordensein;die Franziska- ist in seiner charakteristischenForm kaum anders ner hattenin der GegendHopfen angepflanzt. Die denn als Treppenturmerklarbar.Seine Mauern wur- Trasse wahrscheinlichste einesGanges derNeuve- von den - wie neuerdingsdie Bauabteilungder Schlosser- ste zum Antiquarium mufiam Ballhaus vorbeinach verwaltung beobachtet hat - sekundar (noch unter Siidenin dasSudostende Gebaudes des haben. gefiihrt Albrecht V. oder unter Wilhelm V.?) an das Anti- Man kann sich doch schlecht vorstellen,dafi der quarium angebaut. Bereits unter Maximilian I. aber Hauptzugang einem weiten Bogen iiber fremdes in muf der Anbau seine Treppenfunktion verloren ha- Gelindegelegtworden ware,zumal ?Kunsthaus? das ja ben, damalswurde sein ErdgeschofR gewolbt. Stierhof Schatze - auchvon materiellem barg. ,Oben soil Wert 1980, 277 Anm. o0, verweist auf den Befund, dai3 am ain Gangiiber das Gai31geen?, planteman 1570. Da Oktogon auf der Hofseite in den Zwickelriumen, die keineswegs belegt ist, dafi der Hofdamenstock schon beim Anbau des SchwarzenSaalsentstanden,noch ver- unter Albrecht V. gebaut wurde (so Thoma I937, I5; mauerteFenster zu beobachtensind; Schlosserverwal- Stierhof in: W/FL 1987, 21), nehmen wir an, dafi man tung Foto Nr. 8375. den Planen:P. Diemer, Materia- Zu wieder an das zur Neuveste gelegeneSiidostendedach- lien zu Entstehung und Ausbau der Kammergalerie te; das ?Gagil<ware dann das auf StradasPlanen BStB, MaximiliansI. von Bayern, in: QuS 1980, Taf. 30 und Cod. icon. 198c und BHStA, Plansammlung7939 ge- S. I37. nannte:>quie una piccola stradellache e traquesti muri 29Das in Miinchen iibliche - hier wohl verwendete - e i muri della Citta che sono alti, per6 non si pote Schuhmai3(Fritz Verdenhalven,Alte Mafle, Munzen comodamente far lumi? (von Busch I973, 124; Abb. der und Gewichte, Neustadt a. d. Aisch 1968, 24) betrug 29,2 Plane bei W/FL 1987, Tafelband, Taf. 14). - Dem Siid- cm, der AugsburgerWerkschuh(noch am Rathausab- ostende des Antiquariumsist das sog. Oktogon vorge- zumessen) 29,75 bis 29,8 cm.
    • Im Jahr 1571hat der Steinmetz und Werkmeister Zweifel um die Beschriftungen Antiken.Die der Caspar Weinhart, der unter anderem auch Al- Nachrichtist deshalbvon Interesse, weil die Fra- brechts V. Miinchner Lusthaus am Hofgarten er- ge, ob iiberhaupt, wann und wie die Aufstellung baut und die Pflasterung des Dachauer Festsaals der Antiken durch Inschriftenbegleitet wurde, iibernommen hatte30,unter der Rubrik ?Fiirstli- Das bisherkontroversbeurteiltwurde35. betrifft che Hofgebaude? fur Marmor und Arbeit die den iaueren Aspektwie den inhaltlichen. Waren enorme Summe von 245Ifl. erhalten31. in die- Da die Inschriftenauf Postamentenangebracht, auf sem Jahr kein anderes Bauvorhaben vorlag, wird eigenen Schrifttafeln, oder, bei Biisten, auf den sich die Ausgabe auf das Antiquarium beziehen. kleinenBiistensockeln? Ein gro6gerer Posten davon mag der Anschaffung Strada hatteschon 1567 schwarzeInschriftsteine von Marmor fur Biisten und Postamente - siehe ins Werk gesetzt, im Jahr daraufauch schon in unten - gegolten haben, doch kann man, da Wein- ItalienProbestiicke anfertigenlassen36; seine In- hart auch Arbeit abrechnet, an den Fuf3bodendes itiativewurdedannallerdings gebremst, dennder Antiquariums, vielleicht auch an Steinmetzarbei- Herzog wollte erstbeschliefen,zu welchenK6p- ten dort denken32. fen Biisten gemachtwerden sollten37; damals,so Damit war der Bau selbst vermutlich fertig33. Der kann man schliefien,sollten die Beschriftungen Hofbildhauer mufgteeine Tafel aus weifem Stein derAntikensichjeweilsaufdasindividuelle Stuck vorbereiten, die vermutlich, innen oder aufien, beziehen.Bishergibt es keinenAnhaltspunkt fur Trager der Bauinschrift werden sollte: >Mer ge- die Annahme, mandiesesPrinzipbalddarauf dafg macht ain Thaffel von weissem Stein, darein man aufgegeben hatte38. Prechenfelder Mit wahlteAl- die puechstaben zumb khunsthaus machen viert, brechtV. abereineneffizienteren Weg. ist ungevarlich 4 werchsuech lang und 3 preit, Uber 4000 Buchstabensind eine betrachtliche darvier 6 guldin<34. Die Quellennachrichten spie- Anzahl.Legtmanein Benennungssystem zugrun- geln die Ziigigkeit, mit der der Herzog das Projekt de, wie es unterSustrisausgefiihrtwurde,braucht vorantrieb. Bei diesem Bau war ihm offensichtlich man pro Kopf durchschnittlich Buchstaben39. 25 weder an einer palastartigen Fassadengestaltung, Und auch bei alien m6glichendenkbaren Zusat- wie sie z. B. Strada vorgeschlagen hatte, noch an zen mug mandochwohl annehmen, Prechen- daf opulenter Dekoration des Innenraums gelegen. felders Schrifttafelaktion Jahres I572 wenn des Um so rascher schritt, wie uns die Quellen erlau- nichtdengesamten, dochdenwesentlichen so Teil ben zu verfolgen, die Aufstellung der Sammlung der geplantenAufstellung abdeckte.Es verwun- fort. dertdemnachkaum,dai3in spateren Abrechnun- Die erste Nachricht, die auf eine Aufstellung der gen derHofbildhauer mehrvon Inschriften nie die Antiken schliegfen lafit, stammt schon aus dem Redeist. Jahr I572. Der Bildhauer Jordan Prechenfelder Darausfolgert,dafiPrechenfelder Inschriften die rechnet, neben Biisten fiir das Antiquarium, 4238 aufVorratfertigenkonnte.D. h., sie wurdennicht Buchstaben ab, drei Buchstaben zu 2 Kreuzer, das direktin die Biistenfiigeoderin die grofen Posta- macht 47 fl. 6 k (Dok. I). Es handelte sich ohne mentegemeifelt,denndamals von diesenEin- war 30Thieme-Becker Bd. 35,Leipzig 1942, 294f. (KarlFeucht- (475 Q 332),kann doch wohl kaum als Beleg herhalten. mayr). 33In diesem Sinn deutet einleuchtend Hartig I917,49f. 31 Hartig I931, 355,Nr. 777. Albrechts V. briefliche Einladung an Kardinal Otto 32 Die Behauptung von W/FL 5o, das Antiquarium Truchseg von Waldburgvom I5.9.1572,>>unser auf- neu habe erst I58I, zehn Jahrenach seiner Erbauung,einen gerichtlibereiund antiquitetenhaus< sehen. zu Marmorfufboden erhalten, sei deshalb vorher nicht 34Undatierte,1575 anzusetzende Bittschrift der Witwe beniitzbar gewesen, ist abwegig. Die einmalige Notiz Prechenfelderan Albrecht V.: Miinchen, Stadtarchiv, in den Wochenaufstellungen der Handwerker, man Gewerbeamt 324Ia;abgedrucktbei Diemer I986, I55f. habe an Marmorplatten das Antiquariumgehauen fur Dok. i. 62
    • richtungsgegenstanden erst der kleinste Teil fertig, sondern doch wohl auf Steintafeln, die man darin einlassen konnte. Das setzte neben den definitiven Texten natirlich auch ein festes Mafisystem fiir die verschiedenen ben6tigten Sockel voraus. Auch wenn Renate von Busch sicher richtig be- obachtet, dafi die Ausfiihrung der Arbeiten fur das Antiquarium in die Hande heimischer Handwer- ker iibergeht4 - jetzt eindrucksvoll belegt durch den Bauentwurf von Simon Zwitzel -, so hat man doch Grund anzunehmen, dafi die Planung all dieser Innenausstattung, deren Beschriftung schon bald nach Fertigstellung des Baus ausge- fiihrt vorlag, eben auf jenes von Jacopo Strada selbst vorgegebene Aufstellungskonzept zuriick- r . ~ ~~~~~~~~~~ o . ging, dessen er sich I575 riihmt. Im Zusammenhang mit der Beschriftung des L-a78~~ ?1|5a '"~ ' "'I'~~ "F Antiquariums stellt sich die Frage nach der inhalt- lichen Struktur des Museums. Welcher Ordnung i. ,' folgte die Aufstellung unter Albrecht? Versuchte '.. .': ~- man, die K6pfe antiquarischrichtig zu benennen - etwa im Sinne der Mantuaner Antikensammlung : ~ "" ~I: ,~ ~~~~~~~~...... oder in der Art der bei der Erwerbung der Samm- lung Loredan u. a. aufgestellten Listen4I -, oder verfolgte das schon bei der Baubesprechung 1570 vorliegende Verzeichnis, nach dem die Bildwerke 5. Erdglobusvon PhilippApianaus der Hofbiblio- aufgestellt werden sollten, ein abstraktes ikono- thek mit Gestellvon Hans Ernhofer.Miinchen, graphisches Programm, wie es nachher die unter Bayerische Staatsbibliothek Sustris installierte Kaiserreihe tat? Die humani- stisch ausgerichtete Intelligenz eines Strada und Fugger sowie die verballhornten Worte auf dem tung zeitgen6ssischer Antikensammlungen gene- ?Schaubildentwurf< von I568 (SESARI NERO, rell nichts bekannt. MARSSVS VENUS ET CVBITO, IP[...]RA- Prechenfelders Abrechnungen geben Einblick in TOR SESARIVS CVNSTANTINVS, S. SBA- die Herstellung von Sockeln und Biistenteilen. STANVS) machen die erste Moglichkeit wahr- Er hatte 1572 insgesamt i8 lebensgrofie Biisten scheinlicher42. Leider ist uns iiber die Beschrif- hergestellt, 7 kleinere und eine iiberlebensgrof3e 35von Busch 1973, I46-I50 fafit ihren Wissensstand iiber 40von Busch I973, 148f. die Einrichtungdes Antiquariumszusammen.Frosien- 41 Paola Barocchi, Giovanna Gaeta Bertela, Collezionis- Leinz behauptete neuerdings, W/FL 1987, 52, daf erst in mo mediceo.CosimoI, Francesco e il CardinaleFerdi- I den I59oerJahren iiberhaupt Schrifttafelnangefertigt nando. Documenti 540-1587. Collezionismo e storia wurden. dell'arte, studi e fonti, 2, Modena 1993, Bericht von 36von Busch 1973, 307f. Anm. 166-169. Ercole Basso an Herzog FrancescoI; W/FL 1987Q 20, 37von Busch 1973, 308 Anm. 169; W/FL 1987, 466 Q 133. 454f.; Q 32, 456f.; Q 39, 457f. 38So auch von Busch 1973, I49f. 42 BHStA, Plansammlung7933. 39 heutigenInschriftenstimmenmit der Abschriftder Die Tituli bei Pistorini i644, fol. 74r-78v,uberein. 63
    • (Dok. I); dafiir bekam er 346 fl.43. Schon I57i, als te Biisten47.Da ihren gr6oiten Posten Zahlungen das Antiquarium noch im Bau war, erhielt Pre- an Carlo di Cesari Pallago von 1586-88 darstellen, chenfelder etwa die Halfte dieses Betrages fiir die kommt sie zu der Annahme, dafi die Hilfte der >Kunstkammer<<44, sicher auch schon fiir Biisten Biisten erst unter Wilhelm V. gefertigt wurde. Es und Postamente. gibt jedoch keinen Hinweis darauf, dafi diese 1573hatte Prechenfelder dann i8 K6pfe bekom- Summen iiberhaupt auf Biisten bezogen waren; men, um Biisten dazu zu fertigen (Dok. I). Die wir mochten sie mit der Terrakottadekoration Herstellung solcher Biisten aus buntem Marmor verbinden48. durch Bildhauer am Ort kann man, wenn auch DagfPallago, der seit I573 im Dienst Herzog Wil- natiirlich keineswegs liickenlos, durch die ganze helms als Dekorateur in Stuck, Terrakotta und Regierungszeit Albrechts verfolgen. Ab 1573 iiber- Bronze arbeitete, 1575/76fur Herzog Albrecht die nimmt Hans Ernhofer einen Teil der Arbeit45.Die Herstellung von 13 Marmorbiisten und 8 Posta- letzten bekannten Nachrichten zur Herstellung menten abrechnete49, mag ursachlich mit dem Tod dieser Biisten stammen aus dem Jahr I58046. Dies Prechenfelders, wohl Ende Februar 1575,zusam- ist festzuhalten, denn die bisherige Forschung zur menhangen. Pallago hatte diese Arbeit im April Ausstattung von Albrechts Antiquarium hat die 1575iibernommen. Vier der sechs Gesellen und Tendenz, einen Grofiteil der Biisten viel spater zwei Steinmetzen, deren Arbeit er in Rechnung anzusetzen, was fiir die Frage der Rekonstruktion stellt, haben nur einige Monate lang bei Pallago und Fertigstellung des Antikenraumes unter Al- gearbeitet;von einem der Gesellen erwahnt er aus- brecht natiirlich von Belang ist. driicklich, er habe bei Prechenfelder gelernt. Es Renate von Busch geht rein rechnerisch vor und sieht also so aus, als habe Pallago fur eine einmali- schlieft aus belegten Lohnsummen auf hergestell- ge Aufgabe eigens Bildhauer und Steinmetzen in 43Die uns bisher bekannten Abrechnungen stimmen >Carl zu Stuckator< Kaiserk6pfen kleineMengenFar- nicht mit den Zahlungenlaut Hofzahlamtsrechnungen ben entgegennahm: rote Mennige, Griin, BleiweifS, iiberein (zusammengestellt bei von Busch 1973, 323 Kesselbraun; von Busch 1973,322Anm. 261.Der Titel Anm. 265);es scheint, dafi beide Quellengattungendie der Quelle (BHStA, HR I Fasz. 279,4) lautet: >>I586. geleisteteArbeitwie die Zahlennicht liickenlosiiberlie- Hierein wirt verzaichnetalles was ich Wolff. Pronner fern. Deshalb konnen ?Hochrechnungen?nur sehrun- von wegen meines Gened. Fiirstenund herrenszu der gefahreWerte vermitteln. Malerey geh6rig, von gemallnen und geschlagnen 44Der Begriff Kunstkammerwurde, wie Konkordanzen Goldt und Silberauchallerlaysorttenfarbenempfache, derRechnungenzeigen, von den Beamtendes Hofzahl- eynnembe und widerum ausgib, den 22. Juli zu Miin- amts auch fiir das Antiquarium verwendet; vgl. von chen.<Dieses Materialbuch brichtim Friihjahr 1590ab, Busch I973, I75f. und Petzet 1989, 24. wohl durch den Tod Pronners(BHStA, HZR 36/I590, 45 Uber die hier in Dok. I-VII neu vorgestelltenArchiva- fol. 488v),vgl. von Busch I973,3I8f.Anm. 238(andere lien hinaus sind bekannt:Nennungen in den Hofzahl- Daten bei Volk 1989,50).Das Buch wird seit Zottmann amtsrechnungen,zusammengestelltbei v. Busch 1973, I9IO der Kunstgeschichte von beniitzt,doch ist es bisher 323 Anm. 264f.Die Angabenfolgen den ausfiihrlicheren nicht ediert.- Alle oben angefiihrtenEintragestammen Exzerptenbei Hartig1931, Registers.v. Prechenfelder, s. von I588;das ist die Zeit, in der im Grottenhof die Jordan, und Aernhofer, Hans (Bildhauer),wobei die Antiken aufgerichtet wurden,s. unten. Da die Farbaus- Trennung nach HZR-Eintragen >Umb arbait< und gabesicherim Hinblick auf Stuckarbeiten Carlo di von >umbarbaitin die Kunstkammer<< natiirlicheher zufal- Cesare Pallago erfolgte, wird man entweder an die - lige Wortlautetransportiert. Die Eintragenach Har- Ausgestaltungdes Antikengartensdenken oder allen- tig bei W/FL 1987im Quellenanhangals Q 179-182 (183 falls an eine Erganzung des Biistenbestandes durch steht im Originalunter der Rubrik>FurHerzog Ferdi- Stuckbiisten, deren einige erhalten sind (W/FL 1987, nand<), i86, I88-90o, 192, i94f., 197, 20I, 204, 207, 209, 2II- Kat. Nr. 148, 26I, 266, 299, 316).Eine Mengenherstellung 226, 229-232, 234-245, 247f., 251-253, 258-261,265, 267-269, von Marmorbiistenwird man daraus keinesfalls er- 272-274, 278, 281, 283, 288f., 296, 326, 328-331. schlieftendiirfen. 46W/FL 1987, Q 328-33I. 49 Diemer 1986, 135-155, spezielle Quelle 156f. Dok. 3. die 47 von Busch 1973, I74-I77. 50Daraus erklartsich wohl der Versuch Hans Ernhofers 48 von Busch wurde auf die FahrtegefiihrtdurchEintrage Pallagovom Hof zu verdringen, vgl. Hartig 1933, 1576, in >PronnersMalbuch<,fol. 40, 66, 76, 78v, wonach 229Nr. 845. 64
    • seine Werkstatt genommen, um die Arbeiten und ihre finanzielle Abwicklung zu iiberwachen5?; Ende I575 waren die Werkleute bis auf zwei wieder entlassen. So gesehen ist es miigig, nach Stilele- menten Pallagos unter den Biisten zu suchen. Heike Frosien-Leinz hat die Tendenz, die Ent- stehung der Biisten in die Zeit Wilhelms V. und spater zu verschieben, aufgenommen, argumen- tiert aber im Gegensatz zu von Busch ausschlie3- lich stilistisch. Da sie den Bildhauern aus der Griindungsphase des Antiquariums unter Al- brecht, von denen man so gut wie nichts wisse, allenfalls Stiicke zutraut, ?die eine organische Struktur des Gewandes missen lassen5'<,gerat ge- rade diejenige Phase der Miinchner Skulptur, die 6. Hans Ernhofer, Detail des Gestells zum Erdglobus sich, wenn iiberhaupt, nur mit dem Material aus von Philipp Apian. Miinchen, Bayerische Staatsbibliothek dem Antiquarium fassen lafit, ganzlich aus dem Blick52. Man hat mehrmals den Versuch unternommen zu berechnen, wieviele Biisten unter Albrecht V. lich, dagidie Grundlage hierfiir fragwiirdig ist. Oft denn hergestellt worden seien53; hier neu vor- wird in den Abrechnungen nicht spezifiziert zwi- die gestellten Quellen machen nun noch einmal deut- schen Postamenten, Biisten, Erganzungen von 5IW/FL 1987,41. Frosien-Leinz nimmt die Entstehung schiedenerProvenienz kaufenund kombinierenkonn- einiger sehr qualititvoller Marmorkopfe fir den te. Ein vergleichbarunausgestandenesMethodenpro- MiinchnerHof um 60oo Anspruch(Kat.Nr. 277-284). in blem der Trennung von Typus und Stil zeichnet die Da die Autorin eine gesonderte 'Untersuchung zur Lokalisierung von Kat. 311und 312 aus. - Die Entste- MiinchnerMarmorskulptur frihen 17.Jahrhundert' im hung im ,Werkstattumkreisvon Krumperund Can- angekiindigt hat (394 Kat.Nr. 277 Anm. 7), soil ihren did< - was immer das bedeuten mag - nennt Kiinstler- Argumenten nicht vorgegriffen werden. Methodisch namen,die fur Marmorskulptur bestimmtnicht in Fra- fallt auf, dafials Begrindung der Lokalisierungeneiner ge kommen:Candidwar ausschlieflich Maler,und von Gruppeein Vergleichmit Zeichnungenvon Peter Can- dem Plastiker Krumper ist kein Hinweis auf Stein- did steht. Ein pausbickigerKinderkopfund eine jiinge- skulpturenbekannt. re Frau mit sorgsam geflochtener Frisur- da drangen 52W/FL 1987, 39-42. Es erscheintnicht sinnvoll,den Stiler- sich allgemeintypischeund zeittypische Merkmaleso 6rterungender Autorin im Einzelnen nachzugehen,da in den Vordergrunddes Vergleichs,dagi eine stilisti- wir ihre Pramissennicht nachvollziehbarsind. Ein ?Ent- sche Relevanz solcher Gegeniiberstellungnicht zu er- von wicklungsprozegi kraftigplastischem Faltenwerkzu kennen vermogen. Die zur Zeit unbestrittenerfahren- eng dem Korper anliegendemStoff...< (4I), der zu so ste Kennerin von Candids Werk, Brigitte Volk, lehnt apodiktischenZuweisungenfihrte wie: ?Die auieror- jede Beteiligung Candids an plastischen Werken seit dentlichdiinnenGewandereinigerBiisten...k6nnen erst jehermit Entschiedenheitab, auchwenn Frosien-Leinz im friihen I7. Jahrhundertentstandensein< (ebd.), ist durch ein mifiverstandliches Zitat das Gegenteil glaub- ebensowenigin Sichtwie eine Begrindung fur die Aus- haft zu machen scheint (Kat.Nr. 277 Anm. 6, Kat.Nr. sage:?Die Gewanddraperie greiftzwaraufFaltenforma- 278 Anm. 5). Die bei Kat.Nr. 277-284 immer wieder tionen des i6. Jahrhundertszuruck,bildet die einzelnen herangezogenen Vergleiche mit Krumper sind uns Faltenziigeabervolumin6seraus so dafi eine Datierung nicht nachvollziehbar.Was einige Kopfe der Laokoon- in das 17. Jahrhundertm6glich scheint<(42 zu >Gruppe sohne, nach dem prominentenVorbild, betrifft,scheint VI-). Auf diesem Weg kommt Frosien-Leinz zu dem das Postulat, dag der eine als Erganzung zu einem Schlug, dafi unter Albrecht V. zwar zahlreicheBiisten vorhandenen erst geschaffen werden mugte, folglich hergestellt wordensein miissen,dafidieseabernachi6o0, >weitgehendgesichert<(Kat.Nr. 280)in Miinchen ent- bis ins 19.Jahrhundert hinein, durch gleichartige Typen standensei, nicht zwingend. Es hat derlei 'Teilkopien' ersetztworden sein. >Wohindie urspriinglichen Biisten in geniigenderAnzahl gegeben, dag man Stiicke ver- kamen,konnte nicht mehrgeklartwerden.< 65
    • Antiken oder - wie wir sehen werden- grofien Die denken. Wande reichten sicher nichtaus,umdie neugeschaffenen Figuren.Zum anderensind uns 230 Marmorkopfe, I04 Statuen und 71 Reliefs aufzu- offenbar nichtalleBelegebekannt, und manwird nehmen, die von Busch errechnethat59. den Eindruck nichtlos, dai3mehrArbeitabgelie- Die Bildhauer der Biisten sind bisher bloge fertwurdealsin denHofzahlamtsrechnungen auf- Namen - Jordan Prechenfelder und Hans Ernho- scheint- alleindie in Dok. VII genannten Biisten fer -, wie iiberhaupt die Miinchner Skulptur vor Ernhofersmiiften 130 fl. kosten. Ausdriicklich dem Auftreten der italienisch geschulten Plastiker genannt werdenbis I580, wenn wir richtigzihlen, Hubert Gerhard und Carlo di Cesari Pallago in etwasiiberhundert die Biisten; fertiggestellte Zahl den I58oerJahren terra incognita blieb, obgleich diirfteaberum einigesdariiber gelegenhaben54. Hartig seit langem eine Anzahl sie betreffender Die Statuenwaren auf Sockeln aufgestellt,die Archivalien publiziert hat. Auch im Antiquarium- von denselbenBildhauern hergestelltwarenwie Katalogwerk von 1987 kommt die Skulptur am Biisten;Postamentewerden diese Sockel in den Hof Albrechts V. nicht vor, weil die kunsthistori- Quellen genannt.In Prechenfelders Abrechnung sche Bearbeiterindie Biisten in m6glichst viel spa- fillt auf, dafidie Postamenteebenso teuerwaren tere Zeit verschiebt. Doch gerade ihr Hinweis, dafi wie Biisten. I573 hat Prechenfelder sechs Posta- die im Zuge des Neubaus der Michaelskirche un- mentein Arbeit,vierseienfertigbis aufdasPolie- ter Wilhelm V. ab 1584 an die Fassade der Kirche ren.Darauslai3t entnehmen, dieseSockel sich daf versetzten Herrscherfiguren aus dem Antiquari- nicht etwaausMuschelkalk oder ahnlichem Stein um stammten6?, kann, in Wechselwirkung mit bestanden, sondernaus Marmor, was dannwohl Stilbeobachtungen an Biisten, dieses Gebiet doch den Preis rechtfertigte, denn ein Postamentfiir etwas erhellen, wenngleich das Material sparlich eine grogie er Figurberechnete mit i8 fl., kleinere bleibt. mit I5fl. (Dok. III)55. Jordan Prechenfelders Herkunft ist nicht be- Die Quellenlassentatsachlich Schlufi dafi den zu, kannt6I.I565tritt er bei Hofe auf, indem er dem in AlbrechtsAntiquarium nicht nur jede Statue, Herzog ein >>Kunststiick<< schenkt und 20 Taler sondernjeder Kopf einen eigenenfreistehenden dafiir empfingt. Im selben Jahr erhalt er das Mei- Sockelhatte56. Renatevon Buschhatdarauf hinge- sterrecht62.Bis zu seiner Tatigkeit fur das Anti- - wiesen, dafidie friihestenZeichnungen Stradas quarium ab I57I tritt er in den bisher bekannten Aufstellungsentwurf57, sog. Schaubildentwurf der Quellen nur mit kleinen Lohnsummen in Erschei- und die bereitsangesprochene Zeichnung frii- der nung. Er starb I57563. hen Sustriszeit(Abb. 3) - im Prinzip dieselben Seit I573hat man die Herstellung der Innenein- tischhohenSockelmit profilierter Deckplatteund richtung des Antiquariums beschleunigt, indem Sockel zeigen, in derenVorderseitedie Inschrift man neben Prechenfelder einen zweiten Bildhau- eingelassen ist58. er, Hans Ernhofer, beschaftigte64.Von Ernhofer Auch wenn zu Albrechts Lebzeitennichtalle weig man, dafger in Miinchen bei Hans Aflinger V. dieseSockel,Biistenu.a.fertiggestellt wordensind, lernte, als Geselle unter Arnold Abel am Grabmal muf mansich die Raummitte doch auchbestiickt Kaiser Maximilians I. in Innsbruck arbeitete65, 53 Busch 1973, I75f. von Fiife der Biisten gehandelt haben. Schon die Uberle- 54BHStA, HZR 1573fol. iz6v; Hartig i93I, 362f. Nr. 799. gung, ob im SteinbruchSteinefur Postamentevorhan- 55Frosien-Leinz'Rechnung (W/FL 1987,39f.), wonach den seien (Q 287),hitte sie vor dem Schluf bewahren es sich bei >Postamenten? in den Quellen um die k6nnen. kleinen Biistensockel handelte, entbehrt der Grund- 56W/FL 1987, Q 287. lage. Sie rechnet samtlicheiiberliefertenLohnsummen 57 BStB, Cod. icon. Ig8c,publiziert von Hartig, Kunstti- Prechenfeldersauf Postamente,nicht auf Biisten, um, tigkeit 1933, 222f. und 211Abb. 28; auch abgebildet bei kommt so zu einererstaunlichhohen Zahl und schliei3t W/FL 1987, Taf. I5 Abb. 4. daraus wieder, es k6nnte sich nur um die kleinen 58von Busch 1973, I46-I50, besonders 147f. 66
    • I i 1--i'll ,k&-', C-- - . W. ( i 1 11 - t ;i i i i j=. 7. Die Fassade der Miinchner Michaelskirche. Kupferstich aus ?Trophaea Bavarica Sancto Michaeli Archangelo<, Miinchen 1597 59von Busch 1973, I44. von dem Vorgangsind bittereDokumente einer Schat- 60Frosien-Leinz tenseite des Hofkiinstlertums erhalten: BHStA, HR 1980, 3I5. 6i Thieme-Becker Bd. 4, Leipzig 19II, 559 s. v. Brechfeld. 281/89; Miinchen, Stadtarchiv, Gewerbeamt 3241a. 62Hartig I931, 335Nr. 705 und 7I3. 64Hartig 1926; Hartig 1931, Register 378 s. v. Bildhauer, 63 Prechenfelders Witwe miihte sich nach seinem Tod um Aernhofer (statt 704a lies: 704b). die Zahlung ausstehenderForderungenihres Mannes; 65 Hartig 1931,335Nr. 704b; Dressier 1973, 47. 67
    • nach Abels Tod 1564 seinen Abschied nahm und Gewandstiicken. Ebenso bieten die weiblichen nach Miinchen zog, wo er I570 oder I57I das Mei- Biisten alle nur denkbaren - und ja im Sinne der sterrecht erwarb66. Er starb I62I. Gesamtwirkung wiinschenswerten - Variationen. In den Rechnungen der fiirstlichen Hofkammer Renate von Busch hat schon 1979 darauf aufmerk- kommt Ernhofer erstmals I572 vor. Aufier den sam gemacht, dafi in einem Codex mit Zeichnun- Biisten des Antiquariums kennen wir an erhalte- gen Stradasnach Antiken solche Biistenvarianten nen gesicherten Werken nur die geschnitzten Ge- vorformuliert sind68.Die Typeniibereinstimmung stelle der Globen Albrechts V. (Abb. 5, 6)67. Kurz geht so weit, daf man daraus schliefien muf, daf vor Weihnachten I573 hat Ernhofer wieder acht den Miinchner Handwerkern solche Vorlagen als Biisten abgeliefert, von denen er bald danach Muster vorgegeben waren. An dieser Typenge- schreiben konnte, dafi sie ?schon in meines gnadi- bundenheit miissen aber auch prinzipiell alle Han- gen Fiirsten und Herrn Kunstkammer stehen< descheidungsversuche scheitern. (Dok. VII), fiinf aus blauem Stein, drei aus rotem, Eine Ausnahme bilden solche Biisten, bei denen zwei darunter iiberlebensgroi. Appliken in Form von Masken, Lowenkopfen und Es erscheint verlockend, unter den >blauen<, ahnlichenMotiven doch etwas wie eine pers6nliche d. h. den graumarmornen erhaltenen Biisten die Note zeigen. Hier bietet sich ein Stilvergleich,der Werke Ernhofers auszumachen. Doch entziehen nicht nur zur Datierung erhaltenerBiisten verhilft, sich die Plastiken einer solchen Fragestellung. Sie sondern einen Schrittweiter fiihrt zu einer Vorstel- folgen verschiedenen Typen: mannliche mit und lung von der Raumausstattung unter Albrecht V. ohne Panzer, mit und ohne Fibeln, Schlaufen, glatt Von 1584datiert eine in der Forschung seit lange- hangenden oder iiber die Schulter geschlagenen rem debattierte, unter pers6nlicher Mitwirkung 66Volker Liedke, Das Meisterbuchder MiinchnerZunft K6nig RupprechtIII. von der Pfalz gemacht.In diesem der Maler, Bildhauer,Seidenstickerund Glaser (I566- Fall wurde Alexander der Grofle sicher zu Christoph I825), Ars Bavarica 10, 1978, 21-74, hier 25 und 50;dort das von Danemark.Julius Caesar lait sich auf dem Sub- Jahr157I.In der Stadtkammerrechnung erlegtErnhofer traktionswegermitteln:aufwelche verbleibendeStatue 1570 das Zunftgeld; vgl. Hartig I93I, 354 Nr. 770. trifft die Beschreibung der vier namenlosen Romer 67 ohne Individualitat(>die 4 aber mag man daufen wie Hartig I93I, 366 Nr. 810; Hartig 1926. 68ONB Cod. min. man w1l, haben khainen aigentlichen namen, seien 21/3;Symposion 8.-. 2. 1979.Das Anti- quarium in Miinchen - Antikensammlungendes 16 nach gedunckhengemachtworden<;Diemer 1988, 126) Jahrhunderts,Protokoll. Aufgenommen von Josefine am wenigsten zu? In Fragekommen Tassilo und Otto Eichwald.Veranstalter: Deutsches ArchaologischesIn- von Wittelsbach, wobei das charakteristischeProfil stitut Berlin,Zentralinstitutfur Kunstgeschichte,Bay- Ottos durchausCaesargemeint haben k6nnte. er. Verwaltung der StaatlichenSchl6sser, Garten und 7 Im Miinchner Bayerischen Landesamtfur Denkmal- Seen, Miinchen o.J. (1979,vervielfaltigtesManuskript); pflege habensich Fotos aus derZeit unmittelbar der vor vgl. Lietzmann 1988, 617 mit Abb. 2 und 3 S. 622f. Restaurierung erhalten,derenAnsichten und Beschrif- 69 >Verthailung grossen Stainenbilderin antiquario.< der tung AufschlufS iiber die Mafgnahmen 1907 geben. von Schade I983, bes. 65 Abb. 37; Frosien-Leinz 1980, 315; W/ Danach laift sich folgendes feststellen: FL 1987 mit schwerwiegenden Fehllesungen Q 336, Christophvon Danemark: gut erhalten, Helm vorne 475f.; Diemer I988, 92-95 und 126-128, Dok. II. erneuert; restauriert von Hermann S6fner. Foto: 7?Vergleichtman die urspriinglicheBenennung und die 871004/26,27. in der Liste festgehaltenenAnderungsplanemit dem FerdinandI.: gut erhalten,Krone abgewittert;restau- ausgefiihrtenStatuenprogramm St. Michael,ergibt von riert von Karl Satzinger. Fotos: 87IOO11/6,17; 87IooI/ sich folgendes Bild: unter gleichem Namen iibernom- 22,23. men wurdenKarlder Gro/fe,Ludwig der Bayer,Maxi- sehr von Rai- Karl der GroJ3e: gut erhalten;restauriert milian I, Karl V. und Ferdinand. Fur Ludwig den mund Liebhaber. Fotos: 87I004/20,2I; 87I004/I6,I7. Frommenerwog man mehrereM6glichkeitender Um- Karl V.:war 1907 bis auf die Krone gut erhalten; restau- benennung,Ludwig den Brandenburger (der dann fal- riert von Max Mayer. Nach dem zweiten Weltkrieg lengelassenwurde) oder Christophvon Danemark,fiir wurden ein neuer Kopf und ein neuer Wappenschild den sich aber mindestens ebenso sehr Alexander der (mit dem Reichswappen anstelle des urspriinglichen Grof3eanbot; vermutlich hat man am Ende die dritte Osterreich/Ungarn) hergestellt. Fotos: 87IOOI/26,27; M6glichkeit realisiertund aus Ludwig dem Frommen 87IOOI/28,29; 87IOOI/30,3I 68
    • Herzog Wilhelms selbst iiberarbeitete Liste von zwolf Herrscherstatuen, die sich laut Oberschrift damals ,in antiquario( befanden; sie sollen an die Fassade der geplanten Michaelskirche (Abb. 7) versetzt und dafiir teils umbenannt und heraldisch umgeriistet werden69.Was daran im Hinblick auf das Antiquarium Albrechts zuerst interessiert, ist die urspriingliche Benennung der Figuren: Karl der Grofge,Ludwig der Fromme, Ludwig IV. der Bayer, (Kaiser) Maximilian I., Karl V., Konig Fer- dinand, Alexander der Grofie, Julius Caesar und vier >Romani imperatores(, deren Namen schon 1584 vergessen waren70. Hatte Albrecht etwa auch neuzeitliche Skulpturen im Antiquarium stehen? Die Figuren der Fassade der Michaelskirche sind bisher nicht genauer betrachtet worden. Nach ei- ner Restaurierung I907, bei der fiinf Figuren abge- nommen und durch Kopien ersetzt wurden7', und der Neufassung nach dem zweiten Weltkrieg, de- ren klumpiger griin-goldener Wirtshausbarock- Ludwig der Bayer: sehr gut erhalten einschliefglich Wappen, nur das Schwert1907 erganzt;restauriert von Raimund Liebhaber. Fotos: 871002/I2,I3; 87I003/20,21. Maximilian I.: am Ort eine Kopie von Ludwig Sand. Das Original steht im Hof von St. Michael. Die Figur war 1907 rechtgut erhaltenmit AusnahmederFiifie,das Schwertabgebrochen,der Schildmit plastischemAdler zertriimmert. Otto von Wittelsbach: Kopf scheint 1907 ganz er- der neuert worden zu sein; rechter grofger Zeh, Unterarm und Sabel erganzt, im iibrigen gut erhalten;restauriert von Leo Straub. Fotos: 87I004/12,13 (wohl nach der Restaurierung); 871004/10,II; 87I004/8,9; 87Io04/I4,15. Otho: am Ort eine Kopie von JuliusSeidler.Das Origi- nal steht im Hof von St. Michael. Gegeniiber dem heutigenZustandwar 1907noch die rechteHand erhal- ten, die linke Hand wurde bei der Restaurierungnach innen gedreht; heute liegt der Helm Karls V. bei der Figur. Fotos: 871001/I2,13; 87Ioo1/8,9. ' ' ' Ruprechtvon der Pfalz: am Ort eine Kopie von Franz & ' -.a , -- .. * Drechsler. Das Original steht im Hof von St. Michael, gut erhaltenmit Ausnahme des erneuertenOrnaments 8. Hans Ernhofer zugeschrieben, Kaiser Ludwig IV. am liegenden Helm. Fotos: 871002/2,3; 87I004/36,37. der Bayer. Miinchen, St. Michael, Fassade. Tassilo:sehr gut erhalten,nur die Helmzier fehlte; re- Zustand 1907 stauriertvon Joseph Fritsch. Nach dem Krieg wurden offenbar Beine und Lowe erneuert. Fotos: 871004/2,3; 871004/4,5; 87oo004/6,7; U i966/Nr. I072; U i966/Nr. tos (abgenommen, gemeinsam mit Theodovalda): 1073. 871003/8,9; 87I003/34,35. Theodo: am Ort eine Kopie von Ludwig Dasio. Das Theodovalda:am Ort eine Kopie von Anton Wasinger. Original steht im Hof von St. Michael. 1907 war noch Das Original steht im Hof von St. Michael. Fotos wie die rechte Hand mit dem Wappenansatzerhalten.Fo- bei Theodo. 69
    • i. * i(: :1.:? - : 9. Hans Ernhofer K6nigRupprecht zugeschrieben, III. KaiserKarlder io. Hans Ernhoferzugeschrieben, St. Miinchen, Michael, Hof desJesuitenkollegs Grofe. Miinchen,St. Michael,Fassade Anstrich72 kaum noch historische Substanz ver- offensichtlich seiner gotischen Grabplatte in der muten lafit, scheinen sie die Kunstgeschichte nicht Miinchner Frauenkirche entlehnt ist. mehr gereizt zu haben. Fur den neuen Ort ist der Aufschlufreich fur Datierung und Zuschreibung Zyklus um Bildnisstatuen der bayerischen Herzo- der zwolf Herrscherfiguren aus dem Antiquarium ge Albrecht IV., Albrecht V. und Wilhelm V. aus an St. Michael ist eine nach Jordan Prechenfelders Terrakotta von Hubert Gerhard erweitert wor- Tod im Februar I575von seiner Witwe an den Hof den, die I907 unrettbar ruiniert waren und durch gerichtete Bittschrift. Sie nennt u. a. folgende Kopien ersetzt wurden73. Punkte: >>Mer auch [= auf] pevelch des wolgebor- Die schon durch den dynastischen Bezug des nen herrn Fugger, ain Fissierung, von pildwerch, wittelsbachisch-habsburgischen Programms na- zumb khunsthaus auf dem Jagerpiichl gemacht, heliegende Miinchner Entstehung wird erhartet daran gearbeit mit zweichen ges6lln, pis in die 20 durch den Portrattypus Ludwigs IV. (Abb. 8), der wochenlang, hat ainem gs6llen zu sambt dem Albrecht amOrteineKopievonGeorgAlbertsho- IV.: aus Stuck:87I003/I6,I7, 87I003/I4,15 fer. Fotos des starkkorrodierten,1907 zerstortenOrigi- Wilhelm am Ort eine Kopievon BrunoDiamant. V.: nals aus Stuck: 87I004/3I; 87004/34,35. Fotos des starkkorrodierten,1907 zerstortenOriginals AlbrechtV.:am Ort eine Kopievon Anton Schmid. aus Stuck: 87IooI/34,35; 871001/36,37. Fotos des starkkorrodierten,1907 zerstortenOriginals 72 Zu der Mafnahme: Diemer 1988, 95 und I40 Anm. I84f. 70
    • ii. JordanPrechenfelder HerzogTheo- zugeschrieben, 12. JordanPrechenfelder HerzogTheo- zugeschrieben, do. Miinchen, Michael, St. Hof desJesuitenkollegs dovalda. St. Miinchen, Michael, Hof desJesuitenkollegs disch, die wochen ain Thaller geben miiessen, ver- Bezahlung fur >vierausgemachte [d. h. vollendete] meint daran verdient zehaben 60 guldin74<. pilder75<; berechnete pro Stuck 75 fl., was be- er Fur eine Visierung, also einen detaillierten Ent- weist, dafi es sich nicht um Biisten handelte, die je wurf, ist der Ansatz von 20 Wochen Arbeitszeit nach Gr6oBe I2 oder 20 fl. kosteten. 8, fur den Meister und zwei Gesellen iuf3erst hoch; I575 ubernahm Ernhofer Prechenfelders Werk- undenkbar, dafi man fur Biisten solchen Aufwand statt. Im September I575berichtete der herzogliche getrieben hatte. Sollte es sich um Entwiirfe zu den Bauschreiber der Hofkammer, er habe >bei zwolf Herrscherstandbildern handeln? unnserm g. F. u. H. angelanngt, und gebetten, Ime Diese zunachst willkiirlich erscheinende These [Ernhofer] auf die alberaidt verferttigt (...) arbait erhalt Wahrscheinlichkeit durch die Kombination an stainen pilden etc., 200 fl. auf Rechnung zu weiterer Quellen mit dem stilistischen Befund. verordnen...<76.Anfang I576nun erhielt Ernhofer Jordan Prechenfelder verlangte im Oktober 1574 die stolze Summe von 645 fl. ?per mer pilder so in Wir revidierendie dort vertreteneMeinung, die Figu- 75Hartig 193I, S. 366 Nr. 809; BHStA, Hofkammerproto- ren konnten nicht aus dem Antiquariumstammen. kolle 9, I574, fol. 75, 2. Oktober. 73Diemer 1988,88, 92f. mit Abb. 90f. 76BHStA, Hofkammerprotokolle 15,1575, fol. 255,I5. Sep- 74Miinchen,Stadtarchiv,Gewerbeamt324Ia; abgedruckt tember. bei Diemer 1986, I55f. Dok. i. 7I
    • u. g. F. u. H. Kunst Cammer gemacht<77.Im Ok- Die Archivalien legen also die Annahme nahe, tober desselben Jahres ist wieder von ?seiner dafi Prechenfelder Entwiirfe zu den zwolf Herr- volbrachten arbaitetlicher.verferttigterBilder<<die scherfiguren herstellte und die ersten vier davon Rede78.Die Summe ist bisher von der Forschung ausfiihrte, Ernhofer nach Prechenfelders Tod den der Arbeit an den Biisten zugeschlagen worden; Auftrag mitsamt der Werkstatt iibernahm, wenn allerdings gibt es sonst nirgends einen vergleich- er nicht schon friiher, wie auch im Fall der Biisten, bar hohen Betrag fir Biisten, und es fillt auf, dafi am Auftrag beteiligt worden war. Dieser Kombi- Biisten im lokalen Sprachgebrauchder Zeit sonst nation zufolge waren die Statuen spatestens I573 in meist 'prustbilder' oder ahnlich genannt werden. Auftrag gegeben und 1576fertiggestellt worden. Gait die Zahlung also wom6glich Ganzfiguren, im Einige Nachrichten lassen das Verhaltnis der bei- Sprachgebrauchder Zeit eben 'bildern'? den Bildhauer zueinander ahnen. Im April I574 Zu fragen ware allenfalls, ob sich die Summe von beschwert sich Ernhofer, daf er fiir seine Biisten 75 f. auf die Restaurierung antiker Statuen bezie- weniger bezahlt bekomme als Prechenfelder, ob- hen kann. Man wird diese M6glichkeit grundsatz- wohl dem Herzog doch seine Stiicke, die schon im lich nicht ausschliefgen,doch erscheint auch hier- Antiquarium stehen, besser gefallen haben (Dok. fur der Betrag zu hoch, wenn man bedenkt, dafi VII). Tatsachlich ist in den Prechenfelder-Quellen Prechenfelder einmal fur die Erganzung eines des 6fteren von Reklamationen die Rede. Wohl Kopfes, eines Armes sowie einiger Flickungen 16 nach Prechenfelders Tod wurde neu iiber den Ta- fl. berechnete (Dok. II). rif verhandelt;Prechenfelder hatte fiir iiberlebens- grofie Biisten 20 fl. erhalten, Ernhofer noch keine solchen hergestellt. Prechenfelder war wohl der schonbeiHof Akkreditierte, etwasAltere79, was in erklart, er die ?VisierungenmAuftrag dafi be- kam.SeinRivaleErnhofer dagegenfiihltesich, womoglich Recht,als derFahigere war mit und ehrgeizig genug, um zu versuchen, selbst einen Carlo di Cesari Pallago vom Hof zu verdrangen8?. Der Stilbefund geht mit solchen Oberlegungen zwanglos iiberein. Die Figuren von St. Michael wirken stilistisch nicht einheitlich. Die Mehrzahl, acht, sind recht stammige Gestalten mit detailreich dekorierten Panzern, deren Gestaltung deutlich vom Florisstil bestimmt ist (Abb. 8, 9, 10, i6). Die vier restlichen sind ihnen gegeniiber gelangt, sta- tuarisch etwas unbeholfen, im Ornamentalen viel schlichter und auch in den Kopfen weniger klein- teilig durchgebildet, ihr Stil verweist auf lokale Arbeiten wie die Bauinschrift in Schlofi Dachau von I55881; an der Fassade tragen sie die Namen 77Hartig I933, 227 Nr. 838 Anm. 164. 78BHStA, Hofkammerprotokolle 19, 1576, fol. IIIv, 17. L 44 *.. f * ;-,Bsr .. . ... . 5 Oktober. 79 Die Daten des Meisterrechts sind 1565und 1570/71. 13. JordanPrechenfelderzugeschrieben,Herzog 80 Hartig 1933,229 Nr. 845. Theodovalda,Detail. Miinchen,St. Michael,Hof des 8 Elmar D. Schmid und Toni Beil, Das SchloJf Dachau. Jesuitenkollegs Geschichte und Bedeutung der ehem. Sommerresidenz 72
    • I4. JordanPrechenfelder minnliche zugeschrieben, I5. Hans Ernhoferzugeschrieben, mannlicheBiiste Biiste im AntiquariumKat.Nr. 116 im Antiquarium Kat. Nr. 142 Otto, Theodo, Theodovalda und Maximilian I. andere, Colin verwandte Stilgruppe lai3t sich (Abb. II, I2, 13). Eine Zuschreibung der acht ?rei- verdeutlichen im Vergleich der Verzierungen cheren< Figuren an Ernhofer liefie sich mit seiner auf Kat. I4284mit dem Panzer des >Ludwig IV.< Mitarbeit am Innsbrucker Maximiliansgrabmal (Abb. I5, i6); der Gruppe geh6ren auf jeden Fall und seiner Bekanntschaft mit dem Stil Alexander noch drei weitere Biisten an (Abb. 17, I8)85. Ebenso Colins sehr gut vereinbaren. deutliche Ubereinstimmungen zeigt der Panzer Nach dieser Quelleninterpretation waren die des ,>Tassilo<.Selbst solche motivischen Eigen- Herrscherfiguren und die Biisten des Antiquari- tiimlichkeiten wie die Faunshorner bei Mas- ums von denselben Bildhauern geschaffen und ken lassen sich in beiden Denkmilergruppen fin- gleichzeitig entstanden. Stilistisch laitt sich dies den86. zumal in Einzelmotiven des Dekors gut nach- Gerade die reiche Ausgestaltung der Panzer im vollziehen. Man vergleiche z. B. die schlichte Florisstil wie bei >Tassilo< zeigt, daf es falsch ist, Tierkopfapplik am Schuh des ?Theodovalda<< mit an solchen Biisten wie der schwungvollen Arbeit der Biiste Kat. 116 (Abb. 13, 14)82, die Masken auf unter Kat. 8687?barocke Tendenzen? zu diagno- dem Waffenrock desselben mit Kat. I3583. Die stizieren88. Man vergleiche nur die vegetabilen Dachau 85Kat. I33 (W/FL 1987, Taf. 387), 218 (Taf. 388), 25o (Taf. desHausesWittelsbach, I98I, I2 und I4f.; Abb. 6f. S. I8f. Wahrscheinlich 386). gehorenauchStiicke Kat.97 wie 82 W/FL 1987, Taf. 422. (Taf. 386),139(Taf. 386)und 219 (Taf. 384)dazu. 83 86Kat. 133 W/FL 1987,Taf. 400. Dieser Stilgruppe zugehorig wirken (W/FL 1987,Taf. 387)und ,Karl V.< auch Kat.263(Taf.388),39(Taf.400) und i (Taf.400). 87W/FL 1987, Taf. 433. 84W/FL 1987, Taf. 385. 88 VI. W/FL 1987,S. 42 zur ?Biistengruppe< 73
    • Panzerarmel oder, mit >Ludwig IV.<, die L6wen- den Antiken bewegte, an ihnen arbeitete, dann kopfapplik. Die Beispiele liefien sich fur beide durchaus in der Lage, in seinem Sinne >antike< Stilgruppen vermehren (Abb. I9, 20). Sie geben Statuen zu schaffen. durchaus ein Bild vom >Geschmack<< Skulptur der Es fillt zunichst nicht leicht, sich diese im Gan- unter Albrecht V., die in Qualitat und Stil dem zen wenig eleganten, im Durchschnitt mit Sockel- gehobenen Standarddeutscher Hofe entsprach89. platte 2,20 bis 2,40 m Hohe deutlichiiberlebens- Jenen drei Herrscherfiguren, die wir versuchs- grofen Figuren im Antiquariumsraumvorzustel- weise Prechenfelder zuschreiben und die fur die len. Doch sind sie nicht auf Untersicht berechnet. Fassade in die legendaren friihen Wittelsbacher Daf es sich urspriinglich trotz ihrer Gro6e wirk- umgetauft wurden, ist ein etwas grofiformig hohl lich um Innenraumfigurenhandelte, legt ihr klein- blickendes Gesicht eigen, wenig nuanciert und in teiliger Dekor, sogar auf der Innenseite des Schil- deutlichem Gegensatz zu den ganz auf Colin stili- des von Ludwig dem Bayern, ebenso nahe wie die sierten, >>individuell-knittrigen<< Gesichtern Ern- Spuren einer feinen ornamentalen Bemalung, die hofers. So sehr einige dieser Merkmale auch bei man bei >Tassilo? auf Aufnahmen von 1907 deut- Maximilian I. wiederkehren, wire es dennoch lich erkennen kann (Abb. i6). wohl zu kurz gegriffen, wollte man hierin nur Die heute unregelmaiiig abgearbeitetenFiguren- Personalstil sehen. Nach dem Augenschein sind sockel waren, wie den abgenommenen Originalen diese drei Statuen in der Liste von 1584unter den im Hof von St. Michael zu entnehmen ist, ur- vier >Romani imperatoressine nomine.. miterfafit: spriinglich rund mit einem Durchmesser von an- sie seien, so der Bericht, nach Gutdiinken gemacht nahernd 84 oder 85cm. Die oft halbrund gestaltete worden, besafien weder Portratahnlichkeit noch Riickenfolie der Figuren laiit daraufschliefien, daf Heraldik. Ganz offenbar sind diese Statuen antiki- sie auch urspriinglich in Nischen standen. Mit sierend gemeint. ihrer betrichtlichen H6he waren sie mit Sicherheit Daf die antiken Plastiken fur Prechenfelder kein nicht fiir die Langwande bestimmt, deren Fenster- ganz fremdes Gebiet waren, zeigen - fur den bis- sohlbankh6he in Zwitzels Zeichnung bei ca. herigen Forschungsstand etwas iiberraschend9? - 1,90 m liegt. Bleiben die Schmalwande (Abb. 37, seine Abrechnungen. 1573hatte er >4 grosse Bilder 38), iiber deren urspriingliches Aussehen man auszubessern mit vielen Stiicken? (Dok. I), dann nichts weigf, und wo auch, unseres Wissens, nie ?> grofes Bild darauf einen neuen Kopf gemacht eine umfassende Bauuntersuchung stattgefunden und einen neuen Arm, auch dasselbe mit etlichen hat. Kann man aus der Lokalisierung der Caesar- Stiicken ausgebessert, dafiir i6 fl.< (Dok. III). Pre- Statue 1584>Stetmitten under dem andernfenster<< chenfelder hat also auch Antiken im Hinblick auf schliei3en, eine Schmalwand habe im oberen Be- die Aufstellung erginzt, wie dies in der Zeit iiblich reich zwei Fenster besessen? Solange unbekannt war; auch Ernhofer wird solche Auftrage bekom- ist, in welchem Ausmafi die urspriingliche Treppe men haben. So war der Bildhauer, der sich unter das Siidostende verdeckte, wird man das Vorkom- 89Auch ein Bildhauerwie der 1568 gestorbene Heinrich Frosien-Leinzscheint, gibtihrTextW/FL1987, 42- so Hagarth, der fur Albrecht V. Steinfiguren zu einem 45,implizitzu erkennen,ihnendas auchkaumzuge- Brunnengemachthatte,wird den Florisstil nach Miin- trautzu haben.Diese Arbeitensind natiirlichnicht chen transportiert in haben;er hattebis 1563 Antwerpen mehrzu identifizieren. fallenErganzun- Andererseits bei CornelisFloris gearbeitetund war dannvon Arnold gen derAntikenauf,die mannichtaufBildhauer wie Abel zur Mitarbeitam Maximiliansgrab berufen wor- Hubert Gerhard mochtewegen ihrer zuriickfiihren den (Hartig 193I, 348f.Nr. 75oa.),wo er bis S566unter Ungelenkheit, diegutz. B. von einemPrechenfel- und AlexanderColin arbeitete(Dressler1973, 47 und I36 12, der stammen k6nnten, die Beinevon W/FL1987, vgl. Anm. 35). Kat. I5I (Taf. 192), 164 (Taf. 20o), I65 (Taf. 202), i66 (Taf. 90Bisher es keineHinweise gab darauf, Hofbildhauer dag 203) und I75 (Taf. 210). Albrechtsan Antikenerganzungen haben. gearbeitet 9'Vgl. Anm. 28. 74
    • men kleiner Fenster nicht ausschliefien. Wahr- scheinlicher aber ware ihre Anbringung an der Wand gegeniiber; womit die antiken Kaiser ihren Platz an der spateren Kaminwand gehabt hatten9I. Ob die je zwei Nischen der Schmalwande (in einer sekundaren Wandverblendung), in denen gemaii Sustris' Aufstellungskonzept heute erganzte anti- ke Figuren von rund 2 m H6he stehen, mit 84 cm rein zufallig annahernd denselben Durchmesser wie die Sockel der Herrscherfiguren haben, lohnte vielleicht genauere Untersuchung. Hainhofer be- schrieb anlai3lich seiner Minchenreise von 1603, wie auch spater i611, die Figuren an der Fassade als hell: ?alle in weifi marmelstain gehawen<92. Mit den Herrschern von St. Michael wird erst- mals eine iiber das rein Museale hinausgehende Ikonographie in Albrechts Antiquarium fagbar. Dafi die neu geschaffenen zwolf Herrscher einen Programmanspruch verk6rperten, wie er zu fiirstlichen Salen pafite, wird schon darin deutlich, dati sie offenbar Namensinschriften trugen. Wie hatten sonst der Kammerdiener Schelling und der Bibliothekar Pronner, als sie 1584 Liste aufstel- die len mufiten, einen Caesarund Alexander den Gro- fien identifizieren sollen? Es fallt auf, dafgdie Auf- listung der nachantiken Herrscher von I584,ver- Herzog TassiloI. i6. Hans Ernhoferzugeschrieben, mutlich vor Ort aufgenommen, chronologisch Miunchen, Michael,Fassade.Zustand1907 St. und gruppenmai3igin sich stimmig ist: Den sechs antiken ?Kaisern<(gesichert: Alexander der Gro- Um einen Begriff von der Wirkung der grofien fie und Caesar) kontrastieren nacheinander drei Herrscherfiguren in Albrechts Antikensammlung kaiserliche Wittelsbacher (Karl der Grofie, Lud- zu erhalten, muf man sich daran erinnern, dafi wig der Fromme, Ludwig der Bayer) und drei man dort zahlreiche (antike) Statuen und selbst Habsburger (Maximilian I., Karl V., Ferdinand). >Kolosse< aus Stein und Erz sah94. Renate von Ob sie einem Allianzwappen Albrechts und seiner Busch hat aus Ankaufslisten zusammengestellt, habsburgischen Gattin zugeordnet waren? Wie was an Figurenbestand unter Albrecht vorhanden die Habsburger leiteten sich auch die Wittelsba- gewesen sein muf, und kam auf I04 Marmorstatu- cher von Karl dem Grofien her. Das rekonstruier- en95.In einem solchen Raum werden die monu- te Statuenprogramm fiigt sich zwanglos in ihre mentalen Figuren von Prechenfelder und Ernho- Haustradition, die erwiesene Eignung zur Kaiser- fer kaum so unpassend, st6rend wuchtig gewirkt wurde zu demonstrieren93. haben, wie man sich das, Sustris' kleinteilige, ja 92Wolfenbuttel, Herzog August Bibliothek, 60.2I 94Dies bezeugt Adolf Occo: -...colossisitem et statuis Aug.oct., fol. I32v; Hautle I88I, 109. multifariistam marmoreisquam eneis?, siehe unten. 93Alois Schmid,Geschichtsschreibung Hofe Kurfiirst am 95von Busch 1973, 139-146,besonders I44. Maximilians I. von Bayern, in: WuB I980 II/I, 330-340. 75
    • zierliche Raumdekoration vor Augen, vorstellen mochte. Die fur spatere Zeiten bekannte Tatsache, dafi der Sammlungsraum nicht nur Steinskulpturen, vielmehr ein Gemisch der Gattungen enthielt96, gait offenbar von Beginn an: Prechenfelder be- rechnete I573 zusammen mit Arbeiten fir das An- tiquarium ein Tischgestell aus Nug3baumzu einer steinernen Tischplatte (Dok. III). Trotz aller De- tails, die aus der Uberlieferung erhellen, bleibt aber vieles von der Intention, die Albrecht mit dem Antiquarium verband, unklar. Wir wissen nicht, was auf den von Prechenfelder gemeifielten Inschriften stand, ja letztlich bleibt offen, ob die Aufstellung ein Programm verfolgte. Die Miinchner Hofbibliothek fand sogleich die Bewunderung der societas litterarum: Der Rang ihrer Bestande, nicht zuletzt ihrer Handschriften, verlieh ihr herausragende Qualitat, vergleichbar der Heidelberger Bibliotheca Palatina97. Die Miinchner Antikensammlung bedeutete dagegen I7. mannlicheBiiste Hans Ernhoferzugeschrieben, fur Deutschland eine kulturelle Pioniertat. Eine im AntiquariumKat.Nr. 133 Totenrede auf Albrecht V. aus dem Kreis der In- golstadter Universitat deutet an, daf3ihre Schatze gleichfalls einer Bildungselite zugute kamen: Quosdam delectavit Antiquarium Monachii,98. Dieser Personenkreis hat, wie man noch in An- deutung erkennen kann, auf das Angebot in der Tat aufmerksamreagiert.Einige Personlichkeiten, die Albrechts Antiken kennengelernt haben, sind namentlich iiberliefert. Die Zusammenstellung der sie betreffenden Quellen bei Renate von Busch laf3tsich nur geringfiigig erweitern, doch scheint uns ein Blick darauf lohnend. ? Im Jahr 1574schenkte der damals in salzburgi- L:. "..- ; i, of,r " z.s:i:". . . schen Diensten stehende, spater als bayerischer Detail einermann- I8. Hans Ernhoferzugeschrieben, Prinzenerzieher tatige Numismatiker Johann lichen Biiste im AntiquariumKat.Nr. 142 Baptist Fickler dem Herzog als Beigabe zu einer 96W/FL 1987, I3-15 (Gerhard Hojer). lian I. von i57 bis i593, Munchen 1962, 115-I25; Josef 97 Hartig 1917, 96-I04; Staatsbibliothek I992. Steinruck,Johann BaptistFickler.Ein Laie im Dienst 98von Busch 1973, 317Anm. 229. der Gegenreformation (Reformationsgeschichtliche 99ZuJohann Baptist Fickler (1533-I6Io): NDB Bd. 5, Berlin Studien und Texte, 89), Miinster 1965; von Busch I973, 1961, 136 (FriedrichMerzbacher); Helmut Dotterweich, 318 Anm. 23I zitiert die Quelle, BStB, Clm 714 fol. 4v: Der junge Maximilian. Jugend und Erziehung des .... aliarumrerumpriscarumnumerosamcollegistisup- bayerischenHerzogs und spiteren KurfurstenMaximi- pelectiles? 76
    • 19. JordanPrechenfelder mannliche zugeschrieben, 20. JordanPrechenfelder weibliche zugeschrieben, Biiste im AntiquariumKat.Nr. 263 Biiste im AntiquariumKat.Nr. I35 kleinen Miinzsammlung ein handschriftliches vor wenigen Tagen bin ich aus Bayern und Schwa- >Antiquariolum seu Promptuariolum rerum anti- ben von einer Reise zuriickgekehrt,um in Miinchen quarum<, worin er als erster Autor die schon vor- die nahezu k6nigliche Bibliothekund das grofiartige handenen Bestande an Munzen und sonstigen Schatzhausdes Altertums, in Augsburg die erlese- Antiken erwahnt99. nen Miinzen von Marx Fugger und jene unseres Fiir 1577sind mehrereBesucherbezeugt; in diesem gemeinsamen Freunde Adolf Occo... sorgfiltig zu Zusammenhangwerfen die Quellen ein Licht dar- betrachten?<<1. Einen guten Monat spater, am 8. auf, wie Empfehlungsschreiben vom Herzog ge- Oktober, schriebMarxFuggeran Herzog Albrecht, schitzter Experten Fremden den Zugang zu den AbrahamOrtelius, Kartograph Konigs von Spa- des herzoglichen Sammlungenbahnten. Am 3.Juli die- nien, befinde sich gemeinsam mit seinem Freund, ses Jahresschrieb der angesehene Arzt und Natur- einem vortrefflichenMaler, auf der Reise von Ant- forscher Joachim Camerarius von seiner Heimat- werpen nach Italien. Der Herzog m6ge die beiden stadt Niirnberg aus an seinen Antwerpener Brief- seine Kunstkammer sehen lassen'I'. Um dieselbe freund, den Geographen Abraham Ortelius: ?Erst Zeit schrieb auch Adolf Occo einen Empfehlungs- '00ZuJoachim (I534-I598):Christian Camerarius Gottlieb dies ex Bauaria et Suevia, ut Monad Regiam prope J6cher, Bd. Gelehrten-Lexicon, I, Leipzig Allgemeines bibliothecam et antiquitatis sacrarium amplissimum, I750, Sp. I594f. Der Brief seit Hartig 1917, 96, bekannt; Augustae vero Vindelicorumnummos selectissimos D. von Busch 1973, 318 Anm. 231. Doch hat erst Vignau- MarciFuggeri,et D. Adolphi Occoniscommunisamici Wilberg 1985, I06-II2, speziell Io Anm. 32, die ge- nostri...diligenterperlustrarem.? schichtlichenund biographischenZusammenhange er- '01Zu Marx Fugger (1529-I597): NDB Bd. 5, Berlin 1961, hellt. Die Briefstelle im Wortlaut: ?Redii ante paucos 72If. (Wolfgang Zorn); von Busch 1973, 304 Anm. 134; 77
    • 21. Antiquarium, Blick in Richtung Portalwand 22. Antiquarium, Blick auf Estrade und Kaminwand
    • brief fur Ortelius und seinen Begleiter,der auch hier knappen Weltbeschreibung halt Freige in Bayern namenlos bleibt, jedoch den Umstanden nach nie- lediglich zwei Sehenswiirdigkeitenfiir erwihnens- mand anderes gewesen sein kann als der gelehrte wert:MiinchnerHofbibliothek und Antikensamm- Maler Joris Hoefnagel; hier geht es um Zugang zu lungen:?Miinchenist neben viel anderemfur Gebil- Miinzen und Statuen des Altertums sowie Biblio- dete sehenswert wegen der ausgezeichnetenBiblio- thek und anderes02. thek, der antiken Miinzen, Marmorarbeiten, Statu- Die Empfehlungen fiihrten zum Erfolg. Dag iib- en und sonstigen Altertiimer, die Herzog Albrecht rigens Occo das Antiquarium selbst aus personli- fur viele tausende Taler erworben hat?<04. cher Anschauung kannte, zeigt die konkret for- Vollends ging das Antiquarium ins Handbuch- mulierte Widmung seines 1579 in Antwerpen er- wissen ein durch das Stadtewerk von Braun und schienenen Buches Imperatorum Romanorum Hogenberg, an dem Hoefnagel beteiligt war und Numismata an Albrecht: ?Jener groi3artige und dessen Miinchen-Beschreibung festhalt: ?Unter hochst seltene Schatz von Altertumern... mit sei- dem [Bibliotheks]saal befindet sich der Statuen- nen vielfiltigen riesigen und normalgrofen Statu- raum mit den antiken Denkmalern und Bildnis- en aus Marmor und Bronze, aufgestellt in Ihrem sen, die fiir teures Geld aus Rom und anderswo grofiartigen und schonen, eigens zu diesem Zweck erworben worden sind<I05. errichteten Gebaude<I?3. Doch als der Band von Braun-Hogenberg er- Im selben Jahr, Herzog Albrechts Todesjahr, pu- schien, war sein Hinweis auf das Antiquarium blizierte der vielseitig gelehrte Johann Thomas Frei- bereits von der Wirklichkeit iiberholt. Nach ge, damals Gymnasiumsrektor in Altdorf, in seinen knapp einem Jahrzehnt seines Bestehens hatte es Quaestionesphysicae eine Wiirdigung, die auf einen Herzog Albrechts Nachfolger schliefien lassen, Qualitatssprung im 6ffentlichen Bewufitsein von well er anderweitig iiber den Raum zu verfiigen der Existenz der Sammlung hindeutet. In seiner wiinschteI?6. Vignau-Wilberg 985,I07. Gegenstandder Empfehlung monimenta, multis aureorum millibus per illustriss. ist die >KunstCamer<. Brief abgedrucktbei Hartig Der principem Albertum comparata., Zu Freige (1543-1583): 1917,350, und Vignau-Wilberg 1985,159(A-2). ADB Bd. 7, Leipzig 1878, 341-343 (Stintzing). Erster '02 Zu Adolf (III) Occo (I524-I606): ADB Bd. 24, Leipzig Hinweis auf die Stelle: Staatsbibliothek I992, I3. 1887,127 (H. A. Lier); Vignau-Wilberg 985, I07 und no. 105Infra vero theatrumhoc, statuariumest antiquissimo- Die Passagezitiert bei von Busch 1973,I38Anm. I34, der rum monumentorum atque imaginum,quae Romae et Brief komplett bei Hartig 1917,35of.,und Vignau-Wil- aliunde magno aere congestaesunt.? Georg Braunund berg, I59 (A-3). Es geht hier ur: >aliquaantiquitatis Franz Hogenberg,Liberquartusurbiumpraecipuarum monumenta, sive nummos sive statuas, sive libros aut totiusmundi,Koln 1588 spater.Staatsbibliothek und 1992, tabulasgeographicasaut aliaspicturas... Zu Abraham ii. Als Verfasserder Miinchenbeschreibung Anselm gilt ADB Bd. 24, Leipzig 1887, 428-433. Ortelius (1527-1598): St6ckel. Hartig 1917, 54 Anm. 4 weist auf Ubernahme Zu Joris Hoefnagel (1542-I600) zuletzt Vignau-Wilberg diesesTextesin dasParvumtheatrumurbiumsive Urbi- I985 und dies., Archetypa studiaque patris Georgii um praecipuarumtotius orbis et methodica descriptio, Hoefnagelii i592 Natur, Dichtung und Wissenschaft in Frankfurt M. 1595, AdrianusRomanushin. a. von 106Der der Kunst um I6oo,Ausst. Kat. Miinchen I994. Zeitpunkt der Schliefiungist nicht quellenmagig ac 103 >>...thesaurus antiquitatum...amplissimus rarissi- ille prazisedatiert,sie wird mit Beginnder Bauarbeiten um mus:quem una cum bibliothecailla tua, multis iisdem- I58I geschehen sein. von Busch 1973, I63, urteilt anders item et statuismulti- colossis que... librisinstructissima... als wir: >>DieResonanz des fertigen Antiquariumsge- fariis tam marmoreisquam eneis... in amplissimailla et biudes war bei den Zeitgenossen gering.<Die Diskre- speciosa domo tua, in eum usum constructa,recondi- panz der Ansichten hangt mit der Einschatzung der tus...,< (zitiert nach von Busch I973, 307 Anm. I62). Zuginglichkeit zusammen;u. E. ist die noch quellen- I04 Quaestionesphysicae. In quibus methodus doctrinam mai3igfag3bare Resonanz ansehnlich,bedenkt man die physicam legitime docendi describendiquerudi Miner- kurze Frist, die der Sammlunggegeben war. Wahrend va descripta est, libris XXXVI, Basel 1579, S. 548: -Mo- der folgenden anderthalbJahrzehntewaren die Anti- nacumpraeter alia multa, doctis hominibusaspectuiu- ken nicht zu besichtigen, und in der Folge hing die cunda civitas est, propter insignem bibliothecam,anti- Einwilligung dazu an einem durchausiibelwollenden qua nomismata, marmora, statuas et alia antiquitatis Herrscher. 79
    • Die Neugestaltung des Raumes unter Wilhelm V.: richten in Form von Materialabrechnungen,weil Auflosung des Museums das Material eben nicht teuer ist. Bisher liegen Wilhelms V. Umbau des Antiquariums ab I581 auch keine Versuche der Forschung vor, diese unter der Leitung von Friedrich Sustris lag der Formen stilistisch und chronologisch enger einzu- Gedanke zugrunde, den Antikenraum an die neu grenzen'09.Schon Bassermann-Jordan i900 auf hat errichteten Grottenhofbauten anzuschliefien und die engste Verwandtschaft gerade der plastischen ihn fiir die fiirstliche Tafel und fur Feste nutzbar Ausstattung mit den Raumen des Augsburger zu machen (Abb. 21-24, 29, 30, 37, 38)1?7. Fuggerhauses und der Trausnitzdekoration hin- 1583 stand eine Besichtigung des Antiquariums gewiesen?10, ohne dafi die Literaturzum Antiqua- offenbar nicht mehr zur Debatte. In diesem rium bisher die Konsequenz gezogen hatte, dafiir Jahr gab der Herzog Anweisung, einen hochge- den Namen des Carlo di Cesari Pallago zu nen- stellten Gast nicht in den Gartenbau hineinzulas- nen"'. Tatsachlich sind sich die Dekorationen bis sen, weil >gar nichts noch zur Zeit darinn zube- in kleinste Einzelheiten so ahnlich, dafi an einer sichtigen, sonnder alles noch in weitleuffigkhait Zuschreibung der Antiquariumsdekoration an ist<<?8. Pallagos Werkstatt nicht zu zweifeln ist. Pallago, An die Stelle von Albrechts vermutlich kargem I573-1579 den Kronprinzen Wilhelm V. auf der fur Deckenstuck trat eine iippige Neudekoration Trausnitz, dann I585-I588 1593-I597 Miinch- und am nach moderner Florentiner Art, bei der plastische ner Hof tatig, war als Spezialist fur Stuck und und gemalte Zierate einander erganzten. Zu den Terrakotta ohnehin der gegebene - man m6chte plastischen Teilen der Dekoration - Kapitellen sagen: der zustandige - Mann. (Abb. 24), grotesken Masken, Girlanden u. a. aus Diese Zuschreibung erlaubt auch eine gewisse Terrakottaund Stuck - gibt es keine Quellennach- zeitliche Eingrenzung. Renate von Busch hat dar- I07 ZurAusgestaltung Antiquariums Wilhelm des unter V.: Leinzebenfalls 17. ins Jahrhundert mochte verschieben Hans Thoma, Die MiinchenerResidenz, Bremen und (ebd. Abb. 29-31), wecken keinerleiVerdacht,nicht aus Berlin 1937, 6 (Zusammenfassung); Bassermann-Jordan Pallagos Kampagnen 1587 stammen. Verwir- um zu - I900; Zottmann I9I0; Steinbart I928; von Busch 1973; Volk die von rendist beiFrosien-Leinz Abbildung Stuckde- 1989.Zur von dieserMafinahmeinspiriertenNutzungs- also tails ohne AngabeihrerPlazierung, auch ohne tradition: Elna Utermohle, in: Munchner Merkur Differenzierung Ausstattungskampagnen. sei der Dies I7.7.I987, 3; dazu und zu weitergehenden M6glichkeiten kurznachgeholt: 26Abb.21-27 Masken Taf. sind unter- vgl. auch Gottfried Knapp, in: SiiddeutscheZeitung halbderKapitelle Langswande, der Pallagos Arbeiten i. April 1992, i6 (mit Abb.). von I587/88 zuzurechnen diesem (in der Bereich Deko- I08 BHStA, KurbaiernAufgeres Archiv I98I, WilhelmV. an ist rationen iibrigens generell nichtkenntlich mit ge- den Haushofmeister,26.Juni I583. machten Nachkriegserganzungenrechnen). 28 zu Nr. 109 Einzig Frosien-Leinz (W/FL 1987, 52f.) nennt verschie- - sitzt im Scheitel einer Fensterlaibung. Taf. 27 Nr. 29 dene Kiinstlernamen,doch fallen ihre Vergleiche im (Druckfehler: 22) und 30 kommenvom Scheitelder breitesten Rahmen manieristischerDekoration, von Stichkappen, 31 aus der Rahmung Nr. einerStadtan- Vasari bis Krumper,wahllos aus. Um eine historisch sicht.Siesindalsogleichfalls PallagosKampagne zuzu- wahrscheinliche Zuschreibungoder Datierungbemiiht rechnen. 32ausderKartusche demKamin Nr. iiber ist sie sich nicht, z. B. wenn sie auf rein motivischerBasis einefreieNachkriegssch6pfung, derVergleich wie mit Maskenaus dem Scheitelder Stichkappen(Taf.27Abb. SV derVorkriegsaufnahme 8884 belegt.Nr. 33-35 sind 29-31) mit Werken Hans Krumpers aus den I62oer Jah- Details des maximilianischen Stuckmarmorkamins, insinuiert;sie ren vergleichtund so eine Spatdatierung zwischen I597und i600 nicht mehr von Pallago ausge- entsprechen vollkommen Pallagos Motivschatz und fiihrt,sondernwohl von der Werkstatt - Fistulator. Stil. Nur fur die Frauenk6pfean den Rahmender Tu- Taf. 28Nr. 36 ist Detail eines PallagoschenKapitellsan gendbilder wird die Autorin das Richtige getroffen den Langwanden.Nr. 37 darunterhat ihren Ort zwi- haben:man hat offenbardie urspriinglichenStuckrah- schen den Pfeilern der maximilianischenEingangs- men abgeschlagen, mandie ersteTugendenfolgemit als Stirnseite,Originaloder Nachkriegssch6pfung? 38 Nr. Holztafelbildern iiberdeckte,und daraufhindie Rah- ziert den Sockel einer der beiden unterenBiisten beim men mit neuen Masken versehen (vgl. ebd. Abb. 42, Kamin.Nr. 39 ist die Maske am maximilianischen Ka- 45f.). Frau Volk, der wir den Hinweis auf diese min iiber dem Wappen.Nr. 40 hat ebendortunterhalb Neustuckierungverdanken,datiertdie Mafinahmeum der Schrifttafelihren Ort. - Taf. 29 Nr. 4I und 45, von I6I5/20. Die iibrigenGroteskenk6pfeaber,die Frosien- Pallago,habenihrenOrt an der Fensterseiteder Stadte- 80
    • in Biistenaufstellung einemJoch des Antiquariums 23. Antiquarium, auf aufmerksam gemacht, dafi man 1587offenbar nischt hat, um darin die Antiken aufzustellen. die Ausmalung der Stichkappenunterbrochen hat; >Manhatte sich also erst nach Beginn der Ausma- sie nimmt an, dafi man wahrenddessen die Pfeiler lung entschlossen, die Innenarchitektur geringfii- der Langswande und die Gewolbeanfanger ausge- gig zu verandern, indem man Wandpfeiler und " Rahmen,Nr. 43 auf der Stuckvoluteuber dem Kamin, Bassermann-Jordan 900o, 94; Diemer 1988;Dorothea Nr. 47 (Maskeiiber der Inschriftam Kamin)und Nr. 48 Diemer, Hans FuggersSammlungskabinette, Ausst. in: (ebd. am Wappen) datierenwieder von 1597und I6oo. Kat. Die Fuggerund die Musik, Augsburg x993, I3-40. Nr. 44 gehort vermutlichder Zeit an, als die erste Serie "' W/FL 1987, 52, verweist lediglich auf Sustris' stilbilden- Tugendbilder ersetzt wurde, nach Volk um I615/20. Nr. den Einflufi; von Busch 1973, 174 schlagt die hohen 46, maximilianisch,sitzt an den Rahmen der ovalen an seiner Zahlungen Pallago ArbeitandenBiistenzu. Tugendbilder. 8i
    • 24. Antiquarium, der WerkstattCarloPallagos von 25. Antiquarium, Anstog des Kamingiebels am dekoriertesKapitell,Vorkriegsaufnahme Mittelrisalit Kaminwand der Gewolbeanfanger ausnischte und die Kapitelle lich auf das Antiquarium beziehen darf, denn neu stuckierteI112. Wortlaut der Baunachrich- Der gleichzeitig wurde der ?Gartenbau<< Grotten- mit ten zumJahr 1587erlaubt diese Interpretation zwar hallen und Garten ausgestattet. Es ist in dieser nicht zweifelsfrei, auf jeden Fall sind die Unter- Bauphase der Residenz stets daran zu erinnern, brechung der Ausmalung und gleichzeitige Mau- dafi die sicherlich anspruchsvollsten Teile, die her- rerarbeiten gesichert. Dai3 die Nischen nicht zum zoglichen Appartements, spurlos untergegangen urspriinglichen Bau gehoren, belegt die Wiederga- sind. Die Arbeiten werden bis zum Friihjahr I588 be einer Langswand vor den Mainahmen Wil- fertig gewesen sein, denn vom Mai dieses Jahres helms V. in der schon genannten Zeichnung der datiert ein Empfehlungsschreiben des Herzogs fur Sustriswerkstatt, die eine Aufstellung der Statuen Pallago, der in seine Florentiner Heimat zuriick- auf Sockeln vorsieht (Abb. 3), und dafi die ur- kehren wollte14. Damit ist gut zu vereinbaren, dafi spriinglichen, in Tuffstein gemeifielten Kapitelle ab Juni I588 in Pronners Materialausgabenbuch plan gehauen und mit Stuck und Terrakotta iiber- wieder Farbabgaben fur das Antiquarium einset- dekoriert worden sind, wurde bereits erwahnt. zen, die bis Mai 1589 kontinuierlich fortlaufen15. Es fallt auf, dai31587,im Jahr der Unterbrechung 1588erhalt der Malergehilfe Hans Degler Farben der Malerei, Pallago laut Hofzahlamtsrechnung fur die Umrahmungen von sechs Stadteansichten; die enorme Summe von I685 fl. ?auf raittung und ein weiteres indirektes Indiz dafiir, dafi die Stuk- arbait< erhalten hat"13. ?Raittung< bedeutet Rech- kierung damals fertig war"6. 1596 haben zwei nung. Da der Materialwert zu vernachlassigen ist, Lehrjungen von Pallago noch einmal im Antiqua- mugfdie Summe einem betrachtlichen Arbeitsauf- rium gearbeitet; die einmalige Notiz jedoch lafit wand gelten, den man allerdings nicht ausschlie3- auf keinen grofien Auftrag schliefien"7. "2 von Busch I973, i67f.; ebd. 319Anm. 239 stellt die Er- dai am schon soweit aufgestellt, das Brunnenbecken in wahnungen denHofbaunachrichten zusammen.Wir Ort war (BHStA, HR II, 12, I587, fol. 44v), man hat am wonach es sich um die geben ihrer Interpretation, Pflaster der Grottenhalle gearbeitet (vgl. Diemer 1987, Wandpfeilerhandelte, Vorzugvor derseit Hartig den 112). Dagegensinddie von von Buschherangezogenen gangigen,auch von Frosien-Leinz (W/FL 1987,5I) Nachrichten zu Gesimsen 1587 und 1588meist auf die ubernommenen Ansicht,der Abbruchhabeam Mer- Grottenhallezu beziehen, die ebenfallsals das >Gwelb? kurbrunnen In stattgefunden. gleichemSinne argu- oder ?Grote Gwelb? bezeichnet wurde. mentiertSeelig 1987,28. Der Muschelbrunnenwar 1587 "3BHStA, HZR 33, I587, 509v. 82
    • 26. Antiquarium,linkerPutto an der Portalwand 27. Antiquarium,rechterPutto an der Portalwand von CarloPallago von CarloPallago Die Stirnwande gehen auf eine Erneuerung unter Maximilian gleich nach Abdankung Wilhelms V. zuriick. Aber waren sie bis dahin Rohbau geblie- ben? Neuere Bauuntersuchungen haben eine senkrechte Fuge festgestellt, die sich zwischen dem mittleren Mauermassiv hinter Maximilians Stuckmarmorkamin (Abb. 25) und den seitlichen Fiillmauern befindet. Das bedeutet, dafi an dieser I Wand offenbar schon zu Wilhelms Zeit ein schma- lerer Kamin bestand - sehr im Einklang mit der sonstigen Raumausstattung, auf die wir gleich zu sprechen kommen. Mit Bestimmtheit kann man die vier Girlanden tragenden Putti aus Stuck, die auffallig klein und verloren in den Giebeln des Kamins und des Por- tals sitzen, fur Reste einer vormaximilianischen ^^ Dekoration halten (Abb. 26, 27). Sie gleichen bis in kleinste Einzelheiten denjenigen Putti, die Pallago i i I569-I573 fur die Dekoration des kleineren Samm- i:,t lungsraumes im Augsburger Wohnhaus Hans iI Fuggers geschaffen hatte (Abb. z8). Auch die Putti I4 Diemer 1986, I6o. 5W/FL 1987,Quellenanhang476-478. ,6 Volk-Kniittel 1989, 68. 28. Augsburg, Fuggerhaus, ,Bibliothek?, Putto 17BStA, Hofkammerprotokolle 126, 1596, I9ov: >Item von Carlo Pallago des Carolo Pelagi Bildhauers zween Pueben, so im Antiquario gearbait,unnd die Sachen zu Ende bracht, 40 fl.<;Zottmann I9IO, 9if. 83
    • am bayerischen Wappen unter dem Erzengel Mi- nicht schwer, sich Putti und Girlandenals Zier chael an der Fassade der Michaelskirche aus den eines Kaminsvorzustellen, - was lagenaher- die I59oerJahrenbieten gute VergleicheI8. Pallago hat vielleichtauchschon ein Wappenumgaben'2l. fir Herzog Maximilian, der ihn bis dahin nicht An der dem groflenPortalgegeniiberliegenden beschaftigt zu haben scheint, auch nach dessen Wandlief WilhelmeinenkleinenDurchgang vom Regierungsiibernahme kaum arbeiten k6nnen, Antiquarium zum Grottenhofeinbrechen(Abb. denn er verliefi Miinchen I597oder Anfang I598I19. Tiir 37, linke Tiir; die rechts gegeniiberliegende Seine Arbeiten fur den bayerischen Hof waren, in fiuhrt einenNebenraum). Den dadurch gegebe- soweit wir sie iiberblicken, regelmai3igmit Sustris' nen Niveausprung von ca. i m am Raumende122 Entwiirfen und Werkstatt verbunden. In ihrer er- nutzte man zur Anlage einer Estrade (Abb. 22, 29). sten Verwendung haben die Putti ganz offensicht- Auf einerEstrade speisen,war in Parisjiingste zu lich nicht auf einem geraden Gebalk gesessen, son- h6fische Mode123. Die Anlage dieser Plattform dern, aus ihrer Beinstellung zu schlietien, auf gie- (nicht notwendig ihre heutige Balustradenform) belartigen Schragen.Zum Versatz auf Maximilians wird,Hainhoferfolgend,erstWilhelmsSohnMa- Stuckmarmoreinbautenhat man ihnen zum Aus- ximilian I. zugeschrieben.Man hat dabei nicht gleich ihrer Stellung dicke ?Polster< aus Stuck- bedacht,dafider Niveausprung schon unterWil- friichten untergeschoben; darunter geht, wie die im helmeineArt Zwischenplateau Raumnotwen- Restauratoren der Schl6sserverwaltung kiirzlich dig machte. festgestellt haben, die Inkarnatfassungweiter. Auf diese Estradefur das fiirstlicheBanketthin Man kann fragen, ob nicht einiges der aus Terra- warnatiirlich Kaminausgerichtet. der Zweiiippig kotta, Holz und Blech geformten Fruchtgirlanden verzierte Kredenzen, als deren Entwerfer nur gleichfalls noch dieser Vorgangerdekoration ent- Sustris,d. h. ebenfallsdie Ara WilhelmsV., in stammt. Solche Girlanden waren ein stetes Requi- Frage kommt, nahmendie Tiefe der Fensterni- sit von Sustris?o2;dem Geschmack Herzog Maxi- schen seitlich des Kamins ein (Abb. 30, 3I)124. Spa- milians - dem, was sich bald nach seiner Regie- testens im Jahr I6oo stand auf der Estradeein rungsiibernahme als Hofstil herausbildete und langer Tisch mit kostbarerScagliolaplatte, den wohl nicht zuletzt auf den Wechsel zu deutschen Hainhofer I603 beschreibtund den Kager i6ii Baumeistern zuriickzufiihren ist - waren solche >>Firstentafel< nennt.Seelighat dieseund weitere naturalistischen Materialspiele ganz fremd, und Nachrichten mit Vorsicht auf einen 1944zerst6r- sie tauchen unter ihm spater nie mehr auf. Es fallt ten Prunktisch bezogen, von dem sich ein Foto "8Vgl. Diemer 1986, I35-I55,bes. Abb. 27 und 32-35.Neue- 61Anm.I7o. 1597 ist Pallago noch in Munchen nachge- ste Literaturzu Carlo di CesariPallago:MonikaMeine, wiesen, vgl. Diemer 1986, I54. Die Grablege der Wettinerim Dom zu Freiberg,Die I20 Nachstliegende Beispiele sind die Grottenhalle der Umgestaltungdes Domchores durch Giovanni Maria MiinchnerResidenz und einige Raumeder Landshuter Nosseni 1585-194, Diss. phil. G6ttingen 1988,Miinchen Trausnitz. 1992;Hilda Lietzmann, Unbekannte Nachrichten zur 121Ob sich in PronnersMalbuchgenanntegrofe Wappen Biographievon Antonio Abondio und Carlo Pallago, hierbefanden,bleibt unsicher:fol. 3:Anno 1589, Febr: 7. Jahrbuch des Zentralinstituts Kunstgeschichte fur 5/6, gemeltem[Antonio Ponzano] z.z. lotringischenwapen. I989/90, 327-350, bes. 337ff.; Monika Meine-Schawe, - fol. 20: Anno 1589, i6. Febr.: Anto Pintzony zu 2 Giovanni MariaNosseni, Ein Hofkiinstler in Sachsen, grossenwapen [3 Lot gelbe Farbe];auch fol. 48 und 90. Herbert Keutner,The Venus Anadyome- ebd., 283-325; '22Vom Boden des Grottenhofs bis zur Sitzflache der ne attributed to Carlo di Cesare del Palagio (1540-I598), langswandparallelen Banke, die dem ursprunglichen Christie's International Magazine Winter I991/92, 8-II; Fufibodenniveau entspricht,messenwir 101,5cm Diffe- ders., Carlo di Cesare del Palagio (I540 - I598). Eine renz. Bronzevenus aus dem Garten der Burg Trausnitz?, 123Hans Ottomeyer, Les Salles a mangerde la Residence MiinchnerJahrbuchder bildendenKunst 3. Folge Bd. de Munich et leurs dispositions, in: Tables royales et 43, I992, 93 - II2. festins de courten Europe,I661-1789.Actes du i3e collo- 19 Neue Evidenz dazu bietet Pallagos Testament im Ar- que internationalde l'ecole du Louvre, Paris (im Er- chiv von Mantua vom 22. August 1598,vgl. W/FL 1987, scheinen).Wir danken Hans Ottomeyer fur hilfreiche 84
    • 29. Antiquarium, im Niveausprung Estradenbereich erhalten hat (Abb. 32). Die Dekorformen des Un- te Einrichtung des Antiquariums als fiirstlicher tergestells lassen auch hier Sustris als Entwerfer Speisesaal auf Wilhelm V. zuriick125. erkennen und stehen motivisch den reicher ver- Augierhalb des Estradenbereichs grub man den zierten Kredenzen nahe; wenn Seeligs einleuch- Fufboden noch rund 75cm tiefer. Leitgedanke der tende Hypothese zutrifft, ging somit die komplet- Bodensenkung dirfte der Wunsch gewesen sein, Auskinfte. Zum Speisenin der Offentlichkeit am 5Lorenz Einlegearbeiten Steinund Seelig,Farbige aus Miinchner Hof: Klingensmith 162-168, besonders I993, Stuck in MiinchnerSchlossern,in: Schondruck,Wider- 288 Anm. 125. druck. Schriften-Fest Michael Meier zum 20. De- fur 4Hautle 1881,71. Die Kredenzen werden aufgrund des zember I985Miinchen-BerlinI985,28-45,hier 29f. stellt Stilvergleichs dem Chorgestiihlder MunchnerMi- mit dieQuellenzusammen formuliert offenen und die Fra- chaelskircheiberzeugend Sustris zugeschrieben und, gen. Paralleldazu entstanden:GerhardHojer, Antiqui- wohl in Anlehnung an die Daten der Kirche, um I590 taten und Antiken. Zur Sammlungsgeschichte An- des angesetzt,doch mufidie engereDatierungoffenbleiben. tiquariums,in:W/FL 1987,bes. 13und Textband,Abb. I. EineWurdigungder rarenMobel bei Brunner1977,275f. Ferner:Heinrich Kreisel,Die Kunstdes deutschenM6- mit Abb. Sie wurden vor einiger Zeit voriibergehend bels. I Von den Anfangen bis zum Hochbarock,Miin- durch den Einbau einer Verstarkeranlage die Nut- fiir chen 1968,Abb. 244. Es handelte sich um einen sehr zung des Antiquariums Bankettsaal als durchdie bayeri- langenTisch mit drei Unterschrinken und ausladender sche Staatskanzleieiner bis dahinunbekanntenBestim- Standplatte.Fiir die Datierung der Tischplatte mit ih- mungzugefiihrt.Hans Ottomeyer (wie oben) hat ermit- rem prunkvollenfriihmaximilianischen Scaglioladekor telt, dagidie Kredenzen fur Albrechts V. Majolikage- konnte die Nachricht von 1600 iiber die Herstellung schirr(dazu:Ausst. Kat. Die anstandigeLust. Von Ef3- einerkostbarenSchutzdeckeeinen Hinweis geben. Das kultur und Tafelsitten,hrsg. von Ulrike Zischka,Hans Gestell dagegen geht, wie der feine, kleinteilige Dekor und Ottomeyer Susanne Miinchen Baumler, 1993, Kat. und die Einzelmotive zeigen, sicher auf einen Entwurf Nr. 3.2.2. S. 123-I25) ausgelegt waren. von Sustriszurick, somit in die Zeit WilhelmsV. Wohl 85
    • Bereichvor der Kaminwand Kredenz. 30. Antiquarium, mit Vorkriegszustand dem gedriickten Raum mehr Festsaalcharakterzu tralen Biisten weit unter Augenhohe, auf Bauch- verleihen. Diese Tieferlegung des Fufibodens ist, hohe der Besucher sozusagen, aufgestellt hatte. wenngleich sie seit Hainhofer als Tat Maximilians Man kann sich die unpraktische und unasthetische gilt, u. E. von der Neudekoration durch Sustris Wirkung so tief gestellter Biisten heute zu Seiten nicht zu trennen, wie schon ein Blick auf den der Estrade klarmachen. Wenn auch die albrecht- Wandaufrifi lehrt (Abb. 29, 30): undenkbar, dafi sche Bodenhohe um eine Stufe niedriger lag, fiber- man die untersten, jeweils fur das Programm zen- zeugt man sich doch miihelos davon, dafi der um wegen der Unterschranke dachte Brunner 1977, 275, an lig fest, dafi Unterschranke (fiir Tischgerat?) und einen Bibliothekstisch und vermutete als urspriingli- Standplattedie Benutzung als Speisetisch unbequem chen Bestimmungsort die Hofbibliothek. Allerdings gemachthabenmussen. Sollte die urspriingliche Tisch- gibt es sonst keine Nachrichten, dafiWilhelm V. in die platte weiter ausgeladenhaben? War vielleicht die im Bibliothek investierte,und die Ahnlichkeit mit der De- Foto gezeigte Standplatte sekundar? Bevor die Identifi- koration der Kredenzengeht so weit, dafi man sich die zierung als gesichert gelten darf, sind auch einige Wi- Mobel gut zusammengehorigvorstellenkann. Generell derspriicheder Uberlieferung zu erklaren:Hainhofer liegt die Annahme nahe, dafi Kredenzenund Festtafel beschreibt den Dekor der Platte teilweise vom Photo miteinanderbestelltwurden.Allerdingshalt schon See- abweichend,Kagerzeichnet den Tisch langer. 86
    • die Bankh6he verkiirzte Lingswandaufrifi schwer ertraglich ist, zumal alle h6heren Biisten konse- quent eine doppelte Sockelung, Sockel und Bii- stenfug, besitzen. Zudem waren die so geschaffe- nen die Langswande begleitenden Sitzbanke fiir die neue Verwendung geeignet. Die Seitenbanke sind nicht in ihrem urspriingli- chen Aussehen iiberkommen. Dieses zeigt eine Zeichnung von Mathias Kager von I6II (Abb. 36). Dort wiederholen die profilierten Felder die wei- ter oben an der Wand gemalten Formen, dazwi- schen sieht man Rosetten, fur Sustris' Entwiirfe sehr typische Formen, wie z. B. ein Vergleich mit den Stuckentwiirfen fiir die Michaelskirche lehrtI26.Noch naher liegt ein Vergleich mit den Kredenzen im Antiquarium selbst (Abb. 31).Diese Kredenzbeim Durchgangzum 31. Antiquarium, Banke stellen wir uns aus praktischen Griinden Grottenhof urspriinglich in Holz vor. Das Antiquarium wurde so prachtig dekoriert, fertigen, doch setzte sich dann die Tendenz durch, um als Tanz- und Bankettsaal zu dienen. Deshalb die Antiken ganz in die Wandtiefe zu drangen. war Wilhelm V. daran gelegen, es - im Wortsinn - Man versah die Pfeiler mit Nischen und staffelte ?freizuraumen<<. zwolf Herrscherstatuen von Die die Busten in die kredenzartig gestuften Wandfli- Prechenfelder und Ernhofer aus der Ara Albrechts chen. Daf Sustris es vermochte, den funktionsbe- V. schob er nach St. Michael ab. Doch wohin mit stimmten Vorgaben eine in hohem Mafi anspre- dem Rest, den Postamenten, den Inschriftplatten, chende Gestaltung abzugewinnen, spricht fur sei- den antiken oder weniger antiken Statuen, Vasen ne Fihigkeit. Auch unter Wilhelm V. fielen einzel- und Reliefs? ne Antikenerginzungen an, die sich stilistisch mit Schon der 6fters erwahnten um I580 entstande- Hubert Gerhard verbinden lassen27. nen Zeichnung aus der Sustriswerkstatt, die drei Heike Frosien-Leinz hat eine iiberzeugende L6- unterschiedliche Neuaufstellungen vorschlagt, sung fiir die Frage vorgeschlagen, was Wilhelm liegt dieser Verdrangungswille zugrunde: Statuen mit den ?iiberzahligen<Antiken, speziell den Sta- von iiber 1,50 m Hohe konnten in einem solchen tuen, gemacht hat: sie wanderten grofienteils ins Konzept keinen Platz finden (Abb. 3). Man stellte Freie, um zu einem der italienischen Mode ent- sich noch Biisten auf grogen Sockeln vor, doch sprechenden Antikengarten zu dienen'28. Hainho- war auch schon der Gedanke wirksam, die Bestin- fer notiert I603: >Imgarten rings herumb stehen de zusammenzudrangen, Biisten auf Wandkonso- schone stainerne grof und klaine biilder in lustiger len unterzubringen. In dieser Planungsphase ordnung<<129. Alte Ansichten des Grottenhofs zei- dachte man offenbar noch daran, neue Sockel mit gen dessen doppelst6ckige Umfassungswande ar- Dekor nach neuem Entwurf mit Girlanden zu chitektonisch gegliedert und mit Figuren berei- 126Wagner/Keller 1983, I20, Abb. 75. Zur Veranderungs- Liliane Chatelet-Lange, Die Statue ?a l'antique< im und Restaurierungsgeschichte Fufbodens seit ma- des franz6sischenGartendes i6. Jahrhunderts. Renais- Zur ximilianischerZeit: Seelig 1987, 30 Anm. 4of. sance eines plastischen Themas, OsterreichischeZeit- '27 Diemer 1988, I02. schriftfiir Kunst und Denkmalpflege 41, 1987, 97-I05. '28W/FL 1987,56-58.Zu r6mischen Statuengarten: David '29Wolfenbiittel, Herzog August Bibliothek 60.21 R. Coffin, Gardens and Gardening in Papal Rome, Aug.oct., fol. I35v. Princeton 1991, 17-27. Zur franzosischen Situation vgl. 87
    • chert; Reste solcher Gliederung konnten noch am Kein Wunder, dag der bayerische Winter die von Befund festgestellt werden?30, und einige Antiken Albrecht V. unter Anstrengungen zusammenge- haben stark restauriertiiberlebt (Abb. 34)13. brachten Antiken nach und nach zum Verschwin- Dafi die von MatthiasDisel um 1720 rings um den den gebracht hat. Dies ist der Weg, auf dem die Grottenhof im Stich dargestellten Figuren (Abb. Miinchner Sammlung zu ihrer notorischen 33)I32 schon im spaten i6. Jahrhundert ihre Platze >Kopflastigkeit< kam. Ob die funktionslos ge- erhalten hatten, bestitigen aufier Augenzeugen wordenen grogen Sockel der Antiken sofort neu- wie Hainhofer und Pallavicino'33auch archivali- en Verwendungen zugefiihrt wurden oder erst im sche Hinweise in den Bauakten der Jahre I588und Laufe der Zeit verschwanden, ist ungeklart'39. i6oo. An Tuffsteinsockeln >auf die Maur zue den Albrecht hatte in seinen Testamenten vom 14. Pildern< wird gearbeitetI34.Gerade aus dem zufal- April I572 und vom ii. April 1578 die Antiken- lig erhaltenen Jahrgang I588sind so viele Einzel- sammlung ebenso wie Bibliothek, Schatzkammer nachrichteniiber Arbeiten im Grottenhof iiberlie- und Kunstkammer zum unantastbaren Haus- fert, dag wir uns nicht Heike Frosien-Leinz an- schatz erklart'40.Vor diesem Hintergrund ist es zu schliefien k6nnen, die annimmt, Maximilian habe bewerten, wenn Wilhelm das Antiquarium seinem den Grottenhof ganz umgebaut'35, zumal die alte eigenen Nutzungsraum zuschlug und die seiner Ansicht nicht gegen einen Entwurf der Wandge- Obhut anvertrauten Kunstwerke der Witterung staltung durch Sustris spricht. Im Jahre i6oo hat preisgab; giinstigstenfalls geschah es auf einen un- Maximilian eine neue Altane iiber dem den Grot- bedachten Rat des an italienisches Klima gewohn- tenhof siidlich begrenzenden Bau anbringen las- ten Sustris hin. sen, wobei Stuckdekoration ausgefiihrt und die Besser erging es den Biisten, die sich im Saalzum in >>Bilder< den Nischen untermauert wurden 36. Wanddekor verwenden lieien. Man reihte sie um i6II sah Hainhofer nicht nur in Maximilians >Som- den gesamten Raum zu Zyklen, die mit Hilfe von merzimmern<< ?antichische k6pf und bilder<'37, Namensschildern die chronologische Abfolge der sondern auch im Residenzgarten138. romischen Herrscher und ihrer Angeh6rigen vor- Nirgends gibt es in den uns bekannten Archivali- stellten (Abb. 23).Ein nobles Programm,das vielen en der Zeit einen Hinweis auf die Herstellung der der meist unbekannten Dargestellten zu einer be- Figuren - es miissen vierzig Statuen rund um den trachtlichenRangsteigerungverholfen hat; erkauft Grottenhof gestanden haben -, so dag die Annah- um den Preis, dag man, schon weil Dubletten nicht me, es handelte sich um schon vorhandene Stiicke, vorkommen durften, hinsichtlich der Benennung auch von der Quellenlage her einleuchtet. weit hinterden Forschungsstandder Zeit zuriickfiel 30W/FL1987,Tafelband, 36Abb.66f. Taf. seusbrunnens Gerhard ?Vienecircondato von fort: in 31 UlrichSchiegl, Vgl. der der Ergebnisse Untersuchung forma Teatro di corona moltestatue, bustiben dalla di e Fassungsreste denSkulpturenfragmentenGrot- an des di lavorati marmo.? Johann Schmid,Triumphierendes tenhofes, in: W/FL I987, 87f. Mutmafgliche Originale Wunder-Gebaw der ChurfiirstlichenResidenz zu befinden sich noch auf beiden Giebeln des Brunnen- Miinchen, Miincheni685,274 iibersetztPallavicino: hofs und auf dem Giebel iiber der Reichen Kapelle. >daselbstenvermercke auch noch einen gantzen ich I32 Diemer I987,IIo, Abb. 54.;MatthiasDiesel, Kurbayeri- Reyhen sch6nen der Statuen Brustbilderalleaug und / scheSchldsser. Nach einerVedutenfolge 1720, um erlautert Marmel wol gearbeitet.< fast Gleichlautend Chri- noch und mit einemNachwortvon PeterVolk (Die bibliophi- stoph Kalmbach, Triumphierendes Wunder-Gebdu..., len Taschenbiicher, 240),Dortmund1981,Taf. 6f. zum Drittenmahl.. vorgestellet,Miinchen 1719,287. I33Hainhofer beschrieb I61i den Grottenhof: >... Runds I34BHStA,HR II/I2, 1588,I9.-22. und 24. Woche. vmbhero zwischen den fenstern stehen inn der maur I35W/FL 1987, 57. Wohl aber hat Maximiliandas Werk gantze stainerneBilder, auf einer seitten dess gartenss seines Vaters der fortgesetzt: BildhauerJohann Damian ist inn der h6he aine sch6ne grosseAltanen mit vergiil- hatte etliche I613 Biisten Putti?thails und thails anderst, ten gattern vnd stangen, welches hiibsche bilder tra- vonneuem zemachen? (BHStA, Hofbauamtsrechnung gen...<<;Hiutle I881,73. PallavicinoI68o,I47, fahrt nach 1613) und I6I5 fir die Giebel des Brunnenhofesbe- der Beschreibungdes Grottenhofgartensund des Per- stimmte zu Marmorbiisten verandern (ebenda 1615). 88
    • 32. Ehem.MunchnerResidenz(1944 zerst6rt),Prunktisch und nur die wenigsten, wenn iiberhaupt einzelne teter Zyklus von Tugendpersonifikationen mit Identifizierungen zutrafen. Was ein Antiquar wie Fama als Mitte, die restliche Flache gefillt von rei- Stradawohl zu dieser pomp6sen Inszenierung ge- chem und vielgestaltigen Groteskenschmuck nach sagt hatte, welche die Antiken einem inhaltlichen Florentiner Art, der in den StichkappenAnsichten wie formalen Anordnungssystem einband und sie bayerischer Ortschaften einschlieft (Abb. 21), als zugleich einer Marginalisierungunterwarf'41? Ne- Hinweis auf die fiirstlicheLandesherrschaft pro- ein ben den Biisten wirkt seitdem die flachendeckende vinzielles Gegenstiick zu den fiirstlichen Landkar- Ausmalung des Gewolbes durch die Hofmaler un- tengalerien und zum Hof des Florentiner Palazzo ter Sustris bestimmendI42: Zenith ein ausgebrei- im Vecchio'43. 136 BHStA, HR II/I2, 600o,14. September. Liberey, Item das Gwelb mit den Antiquiteten, Item 137Hautle I881, 70. dieKunstCamer, allem wasdarinnen unnd mit dem ist, 138Hautlei88i, 73f.und 76. wir noch dareinverordnenm6chten,allerdingsun- '39Feuchtmayr schrieb (?)in eineminternen I924 Bericht gethailt unnd yeder Zeit unverwendt beysamen blei- iiber die Baumafgnahmen, in der Residenz notig die ben-. wurden: -...Der Raum war der gegebene Ort fiir 4I Zum Kaiserzyklus:von Busch 1973, 77-I85; vgl. W/FL die Aufstellung mehrerer,vom BayerischenNational- 1987, 54-56. Schon Hainhofer 1611urteilt distanziert: museum iiberlassenen Busten, die mit ihren Saulen- >Zwischeniedem fenster stehn 6 Antichische brustbil- sockeln noch von der ersten Ausstattungdes Antiqua- der fein gleich gesetzt mit von gold auf schwartzem riums unter Albrecht V. stammen und daher fiir die stain darunder geschriben: [villeicht aber nit all Zeit Entstehungsgeschichte dieser friihesten Miinchner zugetroffenem]namen,dessen effigiemes repraesentie- Sammlungvon besondererWichtigkeit sind<;Feucht- ren solle<; Hautle I881, 71. mayr-NachlafS, BStB, Ana 563, Kasten Residenz 142 Die Ausmalungdes Antiquariumswirft eigene Fragen Miinchen. auf, die vor kurzem durch Volk-Kniittel 1989, 67-117, '40Das Testament von I572: GHA, Hausurkunde 1248, umfassend dargestellt worden sind. Sie bleiben hier enthalt die spater w6rtlich ubernommene Passage: beiseite. ?Allso wellen wir auch, das unnser new aufgerichte 143W/FL 1987, 53. 89
    • ~~ i~~S~~b~jy .T ""?l'*C? ?..?I .:.r I , ~ ~ h ~ i I f l I~~~~~~~~?. A ? r'sr, .... ,,?*._.*?rrai..liuri ?????l??iu -x 33. JohannAugust CorvinusnachMatthias Diesel, Der Grottenhofder Miinchner Residenz nach Westen, um 1722 Veranderungendes Gebiudes unter Maximilian I. Sustris entworfenen Teilen, den Langwanden des Wilhelm V. dankte I597 ab. Sein Sohn und Nach- Antiquariums und der Grottenhalle, und sind si- folger Maximilian baute sofort um. Die Stirnwan- cher erst nach Maximilians Regierungsiibernahme de wurden neugestaltet (Abb. 37,38).Ihr Schildbo- 1597geplant. Auch das Gelander der Estrade und gen besteht aus 15bis i8 cm tiefen Gugstuckteilen, der Eingangstreppe konnte der Gestaltung nach und genau so weit verdeckt dieser Einbau die eben unter Maximilian verandert worden sein, und er erst vollendete Malerei'44. lief3- wohl spater - die hier eigentiimlich fremd Die Einbauten aus rotem Stuckmarmor an den wirkenden ScagliolaarbeiteneinfiigenI45. Schmalseiten des Antiquariums, ein raumhoher In den Appliken der Stuckmarmoraufbautenan Kamin auf der Siidostseite und eine ebenso hohe den Stirnwanden zeigt sich deutlich ein Stilwandel Portalrahmung im Nordwesten, sind die friihe- nach Pallagos Weggang aus Miinchen; hier ist in sten Zeugen eines typisch maximilianischen, der Ornamentik bereits der beruhigt-verbindliche prunkvoll-klobigen Stils in der Miinchner Resi- Geschmack der Generation Krumpers ausge- denz. Sie stehen in krassem Gegensatz zu den von pragtI46. Da unter Maximilian alle Arten der '44von Busch 1973, Wir dankenherzlichden Restaura- I70. Der AugsburgerJurist Dr. Hierony- I48Friedrich Roth, fiir des toren der Schlosserverwaltung Uberpriifung mus Froschel und seine Hauschronik von 1528-I600, Befunds. des fur und Vereins Schwaben Zeitschrift Historischen 145von Busch 1973, I71;Neumann I959, 129. Neuburg 38, 1912, I-82, hier 57 Anm. 2. 149 '46W/FL 1987, Taf. 25 Abb. i8f.; Taf. 27 Abb. 33-35;Taf. 28 vgl. von Busch 1973, 3. Abb.39f.;Taf. 29 Abb. 43, 47f. Der junge Maximilian. 15oHelmutDotterweich, Jugend '47 Thieme-BeckerBd. 12, Leipzig 1916, 57;Neumann 1959, und Erziehung bayerischen des Herzogsundspiteren 126-144. Maximilian von i573 i593, Miinchen Kurfiirsten I. bis 9o
    • Stuckmarmor- und Scagliolaherstellung der Werkstatt der Familie Pfeiffer (Fistulator) obla- gen'47, wird man diesen Stilwandel, wie in der '"^s gleichzeitigen Architektur am Hofe, weitgehend ?..... mit der Ablosung von Italienern durch deutsche Handwerker unter Maximilian erklaren konnen. Wenn wir annehmen, dafi noch unter Wilhelms V. Regierungszeit, bis I597,auch eine Dekoration der Stirnwande des Antiquariums stattgefunden hatte, dafi der Raum in der Konzeption zumindest fertig war, auch wenn Hieronymus Fr6schel 1596 e"==,..;z^ x s~~~:??-..' _w t.r-- schreibt, die r6mischen >bild und antiquiteten< im Antiquarium seien ?noch nit alle in ordinem dis- poniert?<48, dann miissen die Eingriffe, durch wel- im j? i che Maximilian sogleich nach seiner Regierungs- .i . .t... li.-UF'7 . I l iibernahme den noch nach Farbe riechenden Bau seinen Vorstellungen anpafite, auf seine Umge- r- - -. . . .. .. . . . ..l ; -... .....- 1...I bung doch etwas Demonstratives an sich gehabt haben: fortan prangte im Antiquarium nur mehr Maximilians Name mit dem herzoglichen Wap- j rE UM,-... _ t y S - pen am Kamin, mit zweimaliger Nennung des Jahres i6oo. >Sacrae vetustati dicatum, liefi Maximilian am Portal den Raum betiteln. Der ehemalige Ingol- stadter Student mag dabei an den Buchriicken des an diesem Ort 1524 erschienenen Werkes Inscrip- 34. Grottenhofder MiinchnerResidenzmit Ab- tiones sacrosanctae vetustatis...149gedacht haben. giissenantikerStatuen(Originaleim Inneren), bustengeschmiickter Giebelder ReichenKapelle Maximilian lag der historische, archaologische zum Grottenhofhin, Zustand1994 Aspekt der grofivaterlichen Sammlungen gewifi naher als seinem ahistorisch veranlagten Vater, noch 1636rechnete Hainhofer die >antiquiteten? und sicher nicht zufillig klingt der Wortlaut der zu seinen Liebhabereieno5?. Seine Widmungsin- Bauinschrift an humanistische Wendungen der schrift >Sacrae vetustati dicatum.. erklart den Griindungsjahre an - >antiquitatis sacrariumam- Raum demonstrativ erneut zum Antikenmuseum. plissimum.., ein grofiartiges Schatzhaus des Alter- Ein ahnliches Denkmal von Maximilians durchaus tums, hatte Joachim Camerarius I577 den Raum auch gefiihlsmafiigerVerehrung des Altertums ist genannt. Maximilian hatte schon als Ingolstadter in Gestalt des zwischen 1618 und 1624 fiir den Student sein Zimmer mit r6mischen Kaisern aus Herzog von Christoph Angermair geschaffenen Terrakotta dekorieren lassen; I603 liefi er ?Statu- Elfenbeinschreins zur Aufbewahrung der antiken en< in drei Kisten aus Italien iiberfiihren, und Miinzen erhaltenI5I. 1962, Io6; D. und P. Diemer, rez. W/FL 1987, Zeitschrift sehr delectierenvnnd hohes Iudiciumvon Jugendtauff fur Kunstgeschichte 52, 1989, 569; Hautle I881, 293, wo die darinnenhaben.? Rede ist von Juwelen und Kunstwerken, ?in welchen Georg Himmelheber,Kabinettschrinke(Bayer.Natio- 15I bayden,alss in ioyis, gemmis,picturiset rebusartificia- nalmuseum Bildfiihrer 4), Miinchen I977, 27-34; WuB libus, neben den Lustgartten vnnd antiquiteten Ihre 1980 11,2, 202-207, Nr. 301. Churfrstl. Dhlt. zur recreation vnnd zur Zierde sich 9I
    • So verwundert es nicht, dag Maximilian gleich brechts zuwiderlaufen muflte, der ein einheitliches nach seinem Regierungsantritt Bemiihungen un- Sammlungsgebaude fiir Antiken und Wissen- ternahm, die Aufstellung und Beschriftung im schaften vorgeschwebt hatte. Rupert Hacker hat Sinne antiquarischer Richtigkeit zu revidieren. aber gezeigt, dag der Plan, den Raum der Biblio- Sein ehemaliger Prazeptor, der als Numismatiker thek fiir Reprasentationsbediirfnisse nutzbar zu schon Albrecht V. bekannt gewordene Johann machen, erst zu Maximilians Entschliissen geh6rt Baptist Fickler, entwickelte dafiir Konzepte und haben muf154. I598ist erstmals von dem Plan einer erwog zeitweise sogar, die Kredenzen zu verban- Verlegung der Biicher die RedeI5, i6oo ist die Bi- nen und den frei werdenden Platz wieder museal bliothek schon in den Alten Hof verbracht'56. zu nutzen'52.Doch aus all dem wurde nichts, denn Die Zerst6rung des kultivierten Bibliotheksen- Maximilians gestalterischer Ehrgeiz suchte sich sembles ohne gro6ere Notwendigkeit, lediglich bald gr6ofere, eigene Betatigungsfelder. Wenig- um den Nutzungsbereich seiner Residenz kraftig stens dienten die M6bel hinfort zeitweise einem auszudehnen und Fremde auf Distanz zu bringen, musealen Zweck: 1611sah Hainhofer die >Cre- bedeutete keine kleinere Riicksichtslosigkeit des dentztisch oder tresor mit schonen Heidnischen jungen Regenten als zuvor die Umnutzung des kriiegen, schaalen und andern geschiirren dar- Antiquariums durch seinen Vater. Hier entstan- ob<<I53. den denn die zweckdienlichen, eher schlichten Die einschneidendste Veranderung von Al- Gastezimmer, die Hainhofer i6II beschriebI57. Al- brechts Antikengebaude unter Maximilian ge- brechts V. imposantes Konzept der vereinigten schah aber gar nicht im Souterrain, sondern im Sammlungen war nach gerade drei Jahrzehnten Obergeschof: Maximilian plante, kaum an der definitiv zerst6rt. Macht, die Hofbibliothek auszuraumen und in Wie die fortschreitende Anbindung des Antiqua- den Alten Hof zu verbringen. Man hat friiher rium-Bibliotheksbaues an die herzogliche Feste angenommen, schon Wilhelm V. hatte diese Mag- verlief, ist noch nicht ganz geklart. Der gedeckte nahme getroffen, welche samtlichen humanisti- Gang, der von der Neuveste dorthin fiihrte, schen Vorstellungen aus der Generation Al- scheint sukzessive in einen der Bibliothek nach i52Zum Programm Biistenreihen J. B. Ficklers der und i58Thoma I937, 44, datiert den Bau >um I58o?.Hiutle 1883,13, Bemiihungen eineemendierte um Aufstellung Be- und halt den Bau offenbarfiir unterMaximiliangebaut.von schriftung: von Busch I973, 177-181. Busch 1973, 171gibt an, der Schwarze-Saal-Bau sei >>59o I53 Philipp Hainhofer: Hautle I881, 71. begonnen?,bezieht sich aber auch nur auf einen Resi- I54 Hacker 1980, 353;Seelig I987, 31 Anm. 64. denzfiihrerohne Angabevon Quellen oder Griinden. I55In dem von Hacker 1980 herangezogenen Dekret Maxi- '59 Heydenreuter 1992, 205. Schon I584 hatte man auf dem milians vom 8.8.1598 (BStB, Cbm Cat. 207/I, fol. ir/v), JagerbiihlauchWasserleitungen angelegt;Sustriszeigte das Aegidius Albertinus als Verwalter der Bibliothek an, >daser zu dem fl. pronnenwerckauf demJegerpichl einsetzt und damitauchdem Bibliothekarseines Vaters noch 20 centenplei bediirftig...?,BHStA, Hofkammer- Wilhelm V., Wolf Prommer, alle Verfiigungsgewalt protokoll Bd. 62, I584, fol. I67v. nimmt, heigt es: ?Was sonnsten verrnersdie verwal- i6oDieser Brunnenhof bestand in seiner auf alien Seiten tung und anordnungsolcher Bibliothec, und derosel- umbauten Gestalt - entgegen bisheriger Annahme - ben Registratur betr., unnd noch verrners disem schon spatestensI603; Hainhofer beschreibtihn in sei- werckh anhengig,wellen seine f. Dl. wann die vorha- nem Tagebuch 1603: >Im eingang ain langer hoff [= bende Translationfiirgenommenwiirdet, in ein orden- Kapellenhof],auf disem kombt man gar in ain grofen liche Instruction verfassen lassen, unnd soll er aber runden hoff, alles mit schonem gebew umbgeben? zumittelst, mit guettachtenund zuethuen def Biblio- (Wolfenbiittel, Herzog August Bibliothek, 60.21 thecarijWolfgangen Prummers,als der in seiner f. D1. Aug.oct., fol. I35r; Otto Hartig,UnbekannteReisen vgl. besoldung verbleibet, die Bibliothek, bestes vleis ver- des jungen Hainhofer nach Miinchen und Stuttgart wahren.? I603-I607, Der Sammler Jg. 93, Nr. 118,2). I56BHStA, HR II/i, Hofbaurechnung I6oo, sub Fiirge- i6i Das Datum ?I6o2? fiir die Deckenmalereifindet sich ding, 7. Oktober. Dort ist schon von der ?neuenLiberei ohne Quellenangabebei Karl Feuchtmayrin Thieme- im Altenhof< die Rede; Hacker 1980, 360 Anm. 3. Becker Bd. 35, Leipzig I942, 397 s.v. Werl, Hans. Geiss- I57Hiutle i88x,69. ler 1978, 90 Anm. 54 nahm an, dafg bei der Restaurie- 92
    • , a- .-4 35. MathiasKager,Blick auf die Portalwanddes Antiquariums, Wolfenbiittel,Herzog August i6II. Bibliothek,Cod. 23.3Aug.fol. 36. MathiasKager,Aufrifisystem Langswande der des Antiquariums, Wolfenbiittel,Herzog i6II. ......... ,.. ? ....~,,~47~ ....~,-'-'", ....... , ........... ,'" ......"."..... ".< *1.. ~_....:..~ ' _: '4? August Bibliothek,Cod. 23.3 Aug.fol. Osten vorgelegten Saal, den spater sogenannten fes fertig, die den urspriinglichen Verbindungs- Schwarzen Saal, erweitert worden zu sein, der von gang Antiquarium-Neuveste in eine einheitliche der Neuveste wie auch separatvon aufien zugang- Architekturkulisse aufnahm'I6. Maximilian hat lich war. Die Entstehungszeit dieses Bauteils ist nach der Auslagerung der Hofbibliothek dem ungewifi358; vielleicht liefi ihn schon Wilhelm V. Eingangssaalzu den Gasteappartementseine neue errichten, denn 1586 warfen ihm Biirgermeister Ausstattung gegeben. Die illusionistische Dek- und Rat der Stadt Miinchen vor, er habe den ge- kenmalerei des Hans Werl, die aus dem fast flach- samten ?Jaigerbiihel< Stadt entfremdet, um die der gedeckten Raum eine prunkvolle mehrst6ckige Neuveste zu erweiternI59.Spatestens 1603 jeden- Architektur mit Anklangen an die Gestaltung des falls war die gesamte Umbauung des Brunnenho- Antiquariums machte, stammte von i602161. rung1939 eineentsprechende Inschrift wor- gefunden der Suggestion NamensChristoph des mit Schwarz, den ist. Die Zuschreibungan Werl geht auf Hainhofers dem man friiherdie Malereiverbundenhatte;Schwarz Berichtvon 1611 zuriick;Werl war i608 gestorben. Die war 1592gestorben. Stierhof 1980,269f.,nimmt Entste- friihereDatierung des Saalssteht vielleicht noch unter hung unter Wilhelm V. an ohne Erlauterung. 93
    • if ; E. ~._ ? ,- s.. . Kaminwand. 37. Antiquarium, Vorkriegszustand Die im zweiten Weltkrieg mitsamt der iibrigen ihre Identitat verloren. Diese Attribute sind auf Saalausstattung zerstorten etwa lebensgrof3en einer Entwurfszeichnung von Sustris fur einen Stuck- oder Terrakottafiguren am Kamin des Kamin zu erkennen, deren Zusammenhang mit Schwarzen Saals, der am ehesten als eine Art Vor- den Figuren des Schwarzen Saals Geissler erkannt raum zu den Gastezimmern diente, wenn die Ga- hatI62.Auch wies Geissler schon darauf hin, daf ste von der Neuveste her kamen, stellten ur- der Stil der Figuren nicht mit ihrer traditionellen spriinglich Fides und Justitia dar (Abb. 39). Ur- Ansetzung um 1623vereinbar ist, und schrieb sie spriinglich:weil sie offenbar spater einem anderen, einem Ensemble der Ara Wilhelms V. zu. etwas h6heren Kaminaufbau adaptiert wurden Fides und Justitia (nach R6m. 9, 30), dies ent- und ihrer Attribute verlustig gingen, womit sie spricht aber inhaltlich entschieden mehr dem I62 Geissler 1978, 75-77. Agnosce dole emenda: WuB 1980 11/2, 62f. Nr. 93 (Jo- I63Zu Maximilians Erichsen, Johannes Selbststilisierung: hannes Erichsen). armisdecoratus. Ikonographie Zur Kurfiirst 65Zum Stiftergrabmal: WuB I980 II/2, 83-93 (Dorothea Princeps Maximilians I., WuB 1980 II/i, 1980, 196-224. Diemer Diemer), und Diemer 1980;zu FeliceTraballesi: i64Charakteristische V.: Devisender SpatzeitWilhelms I987, 133-140. Vincit vim virtus; Cynosura duce obdurandum; i66Als Sustris' Todesdatum gilt nach Feuchtmayr,Thie- 94
    • Portalwand. 38. Antiquarium, Vorkriegszustand Herrschaftsprogramm und der Selbstdarstel- 1596/97 drei der Tumbareliefs zu Wilhelms V. lung des tatkraftigen Juristen Maximilian'63; Wil- Grabmal in der Michaelskirche geschaffen hat helms Raumausstattungen, die wir beurteilen (Abb. 40); wir identifizieren ihn hypothetisch mit konnen, und seine pers6nlichen Devisen sprechen dem Florentiner Felice Traballesi, der dokumen- eine andere, starker pers6nliche Sprache'64.Mit tarisch belegt 1596-I600 in Miinchen lebte und fur einer Datierung in die Zeit der Verlegung der Hof- den Hof arbeitete'65. Unabhangig von dieser Hy- bibliothek und der Einrichtung des Gastetrakts pothese gibt die sehr enge Obereinstimmung der geht auch der Stilbefund iiberraschend gut iiber- Ensembles in einem Stil, der sonst nicht in Miin- ein. chen vertreten ist, einen Hinweis auf die Datie- Die Figuren stammten, soweit nach Fotos zu rung der Kaminfiguren. Offen bleibt dabei, ob beurteilen, offenbar von demselben Bildhauer, der Sustris, der 600o starb'66,noch fur Maximilian ge- me-Becker Bd. 32, I938, 306-316, die Zeit um Pfingsten Absterben, Ausstenndt anno 99 die drei Quartal, de 1599. Allerdings heifit es in HZR 600o, fol. 298, unter vasten,Pfingsten unndMichaelis, scheins Frl. craft von >Leibgeding, provision und genaden dienstgellt(: Hof Cammer fl. 450-?; d. h., manhatimJahri600 ... ,FriedrichenSusstris,welschen Paumaisters Provision, Sustrisnochnichtausgezahlte Rentevon I599 nacher- ist jerlichen 600 fl. gewest, bezallt Ime, bis auf sein stattet, beiderdamaligen ein Finanzsituation Hof- der 95
    • Antiquarium darunterbesuchen durften, ist unge- wif. Die Nachrichten von Besuchern sind derart rar,dafi man vermuten m6chte, Herzog Maximili- an habe die Antiken ebenso streng gehiitet wie seine Reiche Kapelle und seine Kammergalerie. Hainhofer empfand es als Auszeichnung, daig er, der bereits 1603 das Antiquarium besucht hatte'68, i6II die Residenz mitsamt dem Antiquarium sehen durfte: ?dass wol nit allzeit, auch wol gegen hohen standspersohnen nit, pflegt zu geschehen<<69. Fiir- sten und diplomatischer Besuch werden weniger Schwierigkeiten damit gehabt haben als die Ge- lehrten; 1603 lernte Herzog Julius Philipp von Pommern-Wolgast das Antiquarium kennen'7?, 1613 sahen es die Gaste der Neuburger Hochzeit'7', Man darf annehmen, dafi der Raum zum Pro- gramm von gelegentlichen Residenzfuhrungen im Rahmen h6fischer Reprasentation gehortel72.Au- fier Baldassare Pistorini, einem Sanger bei Hofe, ' der i644 Maximilian eine ausfiihrliche Residenz- * beschreibung widmete'73,aber wissen wir iiber die F *' *;S" ''i Genannten hinaus nur einen weiteren Besucher 39. Kaminim SchwarzenSaalder Miinchner namentlich zu nennen, der unter Maximilians lan- Residenz. 1944 zerstort ger Regierung nachweislich das Antiquarium be- treten durfte: den neulateinischen Dichter und da- maligen Hofhistoriographen Jakob Balde S.J.I74. arbeitet hat, oder ob der Bildhauer eine altere Gemeinsam mit anderen Besuchern sah Balde, Zeichnung verwendete'67. der durchaus einen Sinn fur die Werke der bilden- Wieviele der Gaste der Appartements, die an der den Kunst besafgund von 1638-1646 Hofpredi- als Stelle der Bibliothek eingerichtet waren, auch das ger und Prinzenerzieher am Miinchner Hof wirk- kammer hiufiger Vorgang (diese Nachricht aus nahmen finanziert; Verpflichtung, Maximilian eine fur Feuchtmayrs Nachlafi). Neuerdings ist auch ein von zu arbeiten, sich daraussicher nicht abgeleitet; hat Sustris eigenhandigbeschriftetesund an Neujahr 600o BHStA, Hofkammerprotokoll Bd. 133,1598, fol. 84v; datiertesStammbuchblatt bekanntgeworden,eine Dar- HZR I597, fol. 527v; HZR i598, fol. 264; HZR I599, fol. stellung von Seneca im Laufgitter mit der Beischrift 262V; HZR 600o, fol. 298 (Feuchtmayr-Nachlaf).Volk ?Ancora imparoo,vgl. Olga Sugrobowa,Drei Munch- 1989,70, nimmt demgegenuberan, dafi Sustris bis zu ner Zeichnungenvon FriedrichLambertSustrissowie seinem Tode ?Kunstintendant< blieb. Egidius und RaphaelSadelerim Puschkin-Museumin '68Wolfenbiittel,Herzog August Bibliothek, 60.2z Aug. Moskau, Ars bavarica 61/62, 1990, 23-28. In der Staatli- oct., fol. I35r-I36v, I36r/v. ?Aug disem sein wir in hier chen Graphischen Sammlung Miinchen gibt es eine das antiquariumgefiiret worden, welches ain vberaufg Zeichnungnach derselbenVorlage(Stichvon Agostino costlicher langer saal mit schonem marmelstain ge- Veneziano), mit deutscherBeschriftung,die 1599 datiert pflostert, gar hoch das getiill von vberaufB kunstlich ist (Kastenunbekanntdeutsch). gmalten tafflen, im ganzen saal herumb durchab mit, I67 Geissler 1978, ging von einerDatierungdes Schwar- 77, in stain gehauenen, Romanorum et heroum effigie- zen Saalsum I580aus und datiertedie Zeichnungdem- bus und imaginibus,so brustbiildersein, mit merckhli- nach. Aufiere Anhaltspunkte fur eine Datierung der chen uncosten amplificiert. Die biilder stehn alls Zeichnung fehlen. Die Gehaltsfortzahlung,die Sustris creuzweig bis zu seinem Tode ?aus Gnaden<erhielt,war 1598von Wilhelm V. bewilligt worden und wurde iiber Zollein- 96
    • 40. Erweckung des Lazarus. Relief fur das Grabmonument Wilhelms V. und der Renata von Lothringen. Miinchen, St. Michael Under jedlichemin schwarz marmelstain guldinen mit 73 Pistorinii644; der Reisebericht des Friedrich von buchstabensein nam.Heroben ists was erh6chtda steth Dohna bleibt hier wegen seiner zeitlichen Unge- gar aine sch6ne lange taffel alles mit marmelstainfigur reimtheiten und seiner inhaltlichen Abhingigkeit und bluemweifigarkiinstlicheingelegt,alSwans gemahlt von anderer Quelle unverwertbar:Rainer A. Miil- wer, etlich w6llen sie seye alR in gibs gemacht, und ler, Friedrich von Dohnas Reise durch Bayern in abgeriibendas glinzge wie stain,hat ain sch6nen guldin den Jahren 1592/93, Oberbayerisches Archiv IoI, 1976, teppichdariiber. Unden und oben im saalligt ainkhiind- 301-313. lin auf aim kiisselin in alabastergehawen./ Der saal ist 74NDB Bd. i, I953, 549 (Friedrich Wilhelm Wentzlaff- oben widerumberh6cht, gleich unden, hat 34 fensterin Eggebrecht); Giinter Hess, Fracta Cithara oder Die der hohe auf iedlicherseiten 17und ist in jedlichemain zerbrochene Laute. Zur Allegorisierung der Bekeh- statt in Bayrn im grundt mit umbligenden schl6ssern rungsgeschichteJacob Baldes im I8. Jahrhundert,in: abgemahlt, der bayrfiirst Stattunderihm hat,und dan 34 Formen und Funktionen der Allegorie, Symposion schezt man disen saaletlich1ooooo f. wehrt sein,werden Wolfenbiittel 1978,hrsg. von Walter Haug, Stuttgart biiweiln fiirstlichedenz drin ghalten.< 1979, 605-631; Dieter Breuer, Princeps et Poeta. Jacob I69 Hautle I881, 68: Die Herzogin selbst gab Anweisung, Baldes Verhaltniszu KurfiirstMaximilianI. von Bay- Hainhofer herumzufiihren. ern, in: WuB 1980 II/I, 341-35I; ders. Oberdeutsche Lite- '70JohannesBolte, Friedrich Gerschow iiber Miinchen raturI565-1650. Deutsche Literaturgeschichte Terri- und (I6o3),Jahrbuch MunchenerGeschichte4, i890, 423- fiir in torialgeschichte friihabsolutistischerZeit (Zeitschrift 427, hier 425. fiir bayerischeLandesgeschichte, Beiheft [Reihe B] 119, I7IHautle I881, 234. Miinchen 1979, 218-276; Ausst.Kat. DieJesuiten in Bay- Kurfiirst Besu- 172Eine solche Fuhrung genehmigte der ern i549-1773, Miinchen 1991, I83f. Nr. 169 und 197-199 chern aus Hamburg fur den I7.6.I651; Klingensmith Nr. 177-179 (Rupprecht Wimmer). 1993, i26. 97
    • te, die Sammlung in den Jahren 1640 und I64I. Nach der Vertreibung der Gelehrten aus Herzog Beide Male reagierte er auf das Erlebnis mit einer Albrechts Museum waren die Antiken Teil eines Ode: 1640 entwarf er, ausgehend von der Biste friihabsolutistischen Fiirstenlobs geworden. Die Neros, ein Portrit der GierI75, 1641beschwor er unter Wilhelm V. auf einer Seite der an der Gew6l- angesichts der Kaiserreihevehement die Verging- bemitte angebrachtengemalten Ruhmespersonifi- lichkeit aller Macht'76. Balde kannte sich im Alter- kation angebrachte Sentenz >Fama post mortem tum derart profund aus, dag er sich selbst Dich- vivere facitt< meinte die Herrscher der Bayern tungen in oskischer Sprachezutrauen konnte. Sei- nicht weniger als die der Romer. Die als Gegen- ne feindselige Reaktion gilt denn auch nicht dem stiick dienende Inschrift proklamiert ahnlich einzelnen antiken Kunstwerk - es konnte in der vollmundig: >>Fama virtutes reddit illustriores'<78; auf Serienwirkung angelegten Sustris-Dekoration eine Wunschbehauptung, welcher Balde mit Hef- seine Individualitat schliefilich auch kaum entfal- tigkeit widerspricht: Splendida gloriae / Me nesci- ten -, vielmehr fiihrt ihn der Widerspruch zwi- entem gloria nesciat. Es liegt im Riickblick eine schen dem Respekt heischenden r6mischen Kai- Art Trost darin, dafBsich im intellektuellen Um- serzyklus und dem Wissen des Historikers um das kreis des Hofes ein sensibler, auch in der ihm niedrige, ja verbrecherische Leben hinter der ma- aufgen6tigten Rolle des Hofhistoriographen un- jestatischen Fassade des Imperium Romanum auf angepafiterGeist fand, der im Namen einer funda- den Gedanken, welch ein verstiegener Wahn irdi- mental christlichen Wertekritik den anmafienden sche Machthaber dazu treibt, sich mit irdischen Charakter der h6fischen Inszenierung blofigelegt Mitteln verewigen zu wollen'77. hat. Baldee Societate Lyricorum IV, Epo- '75Jacobi Jesu Lib. 0, inuidendis arcear atrijs. don Lib. unus,Miinchen1643,Lib. II, Ode XLIII Nero- MetalisaltasedeLararij nemCaesarem, insatiabile omnium manci- cupiditatum Proculremotum, nullaspectet pium, divitibusdocumento posse:ut ne se pravis esse Posteritas, tumul6rque totus. animidesideriis,transversos patiantur. agi Enthusias- Megleba in paruocondat angulo, musinAntiquario Serensiss. Electoris MaximilianiA.M. Et absquepompa. latuitbene, Qui DC.XL, II7f. Bene& quieuit. postsepulcrum, '76Jacobi Balde e SocietateJesu Sylvarumlibri VII, Miin- Non habear & tabulis aere, chen I643, Lib. V, Ode 5, II: Enthusiasmus quemprae- Macraque Vatesdignusimagine, sentibus sociis,Auctorpassus in Antiquario est Serenif3. Gyps6que aris.ahmiseri, & quibus Electoris Maximiliani: ibi quumRomanas Statuas con- Haecvotasubsultant. abeste templaretur. MDC.XLI EineUbersetzung AN. stellt Caesareimiseranda, Larua, vor:BeatePromberger, JacobBaldeim Antiquarium Rubigofastis. Splendida gloriae derMiinchner in Literatur Bayern. Residenz, Viertel- Menescientem glorianesciat. jahrsschrift Literatur, fir Literaturkritik Litera- und turwissenschaft21, I990, 27-31. Unsere Interpretation In Ubersetzung: derOde stehtim Einklang DieterBreuers mit Umbe- Soil ich die Triumphe loben?Soil ich die Bildnisse der wertung politischen EinstellungBaldes. dieserFiirsten betrachten, unterdemMar- aufgereiht '77Die entscheidende Passagelautetin der Typographie morbogender W6lbung? Allerdingshat es einigen der Erstausgabe Miinchen 1643, I8: Wert,daflsievermochten, festenZubiIf Todes den des Laudem triumphos? marmoreo tholi etwaszu verzogern, Horumlocatas DVCVM effigies daf sie nichtspurlos beimLeichenfeuer die Lufte in Mirer arcu? sub nempe strictos verflogen sondern sind, Erinnerungen sichhinterlas- an EstaliquidpotuisseLeti in senhaben alsHalbgotter ehrfurchtgebietenden und Tardare nec denteis, penitis rogo Grabmalern wurden. beigesetzt in Fugisse auras: memores sed sui Wehe, du,redlicher was Afrikaner, gesagt hattest: Wo Notasreliquisse, verendis & sienichtsind,dawerden allesamt Statuen sie mit gelobt, Semideim loculisreponi. undwo siesind,dawerden in ewigem sie Feuer gequalt. Eheu!quodAFERcandide dixeras: Oh, m6geichmichvonneidweckenden Hofenfern- Landantur omnesin statuis, vbi halten! VomhohenSitzeinessolchenHerdeswill ich Non sunt,& ardentes, sunt, vbi weit entfernt sein,keineNachweltsoll michschauen, Perpetuo crucianturigni. undganzundgarwill ich begraben werden! 98
    • In einem kleinen Winkel und ohne Aufsehen soil dig halten. Ach ihr Elenden, in denen solche Wiinsche mich die Erde aufnehmen.Wer gut verborgen gelebt leben! Sei fern, du Larve,erbarmlicher Rost hat, ruht auch gut. Nach dem Begrabnis kaiserlichen Prunks! StrahlenderRuhm soll mich soil man mich Dichter nicht der Tafeln, des Erzes, nicht kennen und ich ihn nicht. eines magerenPortrats,des Stucks,der Altare fiir wiir- I78Kloos 1958,I64. Verzeichnis der in den Anmerkungen verwendeten Ab- DIEMER 1986 kiirzungen: Dorothea Diemer, Bronzeplastik um I600 in Miinchen. Neue Quellen und Forschungen. I. Teil, Jahrbuch des BAADER 1943 BerndtPh. Baader,Der bayerische Zentralinstitutsfiir Kunstgeschichte I986, 107-176 2, RenaissancehofHerzog Wilhelms V. (1568-1579). Ein Beitrag zur bayerischen und DIEMER 1987 allgemeinenKulturgeschichte 6.Jahrhunderts(Samm- des Dorothea Diemer, Bronzeplastik um 600oin Miinchen. lung Heitz. Akad. Abhandlungenzur KulturgeschichteV Neue Quellen und Forschungen. II. Teil, Jahrbuch des 3), Leipzig und Strafiburg I943 Zentralinstituts Kunstgeschichte I987, 109-168 fiir 3, 1900 BASSERMANN-JORDAN DIEMER 1988 Ernst Bassermann-Jordan, Die dekorative Malerei der Dorothea Diemer, Hubert Gerhardund Carlo Pallago als Renaissanceam bayerischenHofe, Miinchen 1900 Terrakottaplastiker,Jahrbuch des Zentralinstituts fiir BAUER-WILD Kunstgeschichte 4, I988, 19-141 1989 Anne Bauer-Wild in Corpus 1989,33-48 (Lusthaus im nach- DISCHINGER 1988 maligenHofgarten) GabrieleDischinger,Ein AugsburgerPlanfiir dasMiinch- ner Antiquarium,OberbayerischesArchiv II2, I988,8i-86 BEILI975 Toni Beil, Residenz Miinchen, Wiederaufbau 1945-I975, DRESSLER 1973 Miinchen o. J. (I975,vervielfaltigtesManuskript) Helga Dressier,Alexander Colin, Diss. KarlsruheI973 BHStA FROSIEN-LEINZ 1980 Miinchen BayerischesHauptstaatsarchiv Heike Frosien-Leinz, Das Antiquariumder Residenz:er- stes Antikenmuseum Miinchens, in Ausst. Kat. Glypto- BRUNNER 1977 thek Miinchen i830o-180, Miinchen 1980, 310-321 Herbert Brunner,Die Kunstschitze der MiinchnerResi- denz, hrsg. von Albrecht Miller, Miinchen I977 GHA Geheimes HausarchivMiinchen 1979 BRUNNER-HOJER HerbertBrunnerund GerhardHojer, ResidenzMiinchen, HACKER 1980 Ausgabe Miinchen 1979 RupertHacker,Die MiinchnerHofbibliothek unterMaxi- milian I., in: WuB II/i, 353-363 BStB BayerischeStaatsbibliothekMiinchen HAUTLEI88I VONBUSCHI973 Christian Hautle (Hrsg.), Die Reisen des Augsburgers Renate von Busch, Studien zu deutschenAntikensamm- Philipp Hainhofer nach Eichstadt,Miinchenund Regens- burg in den Jahren i611, 612 und I613- Hainhofers Reisen lungen des I6 Jahrhunderts,Diss. Tiibingen I973(verviel- nach Miinchen und Neuburg a/D in den Jahren1613, 1614 faltigtes Manuskript) und 1636,Zeitschriftdes HistorischenVereinsfiir Schwa- CORPUS 1989 ben und Neuburg 8, i88i, 1-316 HermannBauerund BernhardRupprecht(Hrsg.), Corpus der barockenDeckenmalereiin Deutschland,Bd. 3, Stadt HAUTLE1883 und LandkreisMiinchen, Teil 2 Profanbauten,Miinchen Christian Hautle, Geschichteder Residenz zu Miinchen 1989 von ihrenfriihesten Zeiten bis herab zum Jahre 1777nach archivalischenQuellen, Leipzig 1883 DENKMALER 1988 Denkmaler am Miinchner Hofgarten. Forschungenund HARTIGI917 Berichte zu Planungsgeschichte und historischemBaube- Otto Hartig, Die Griindung der MiinchenerHofbiblio- stand (Arbeitsheftedes Bayer. Landesamtsfiir Denkmal- thek durch Albrecht V. und Johann Jakob Fugger (Ab- pflege, 41), Miinchen 1988 handlungender K6niglich Bayer. Akad. d. Wiss., Philo- DIEMER soph.-philolog. und historischeKlasse,XXVIII. Band, 3. 1980 Dorothea Diemer, Quellen und Untersuchungenzum Stif- Abh.), Miinchen 1917 tergrabHerzog WilhelmsV. und der Renata von Lothrin- HARTIG 1926 gen in der MiinchnerMichaelskirche, QuS 1980, 7-82 in: Otto Hartig, Die Globen in der BayerischenStaatsbiblio- 99
    • thek und ihre MiinchnerMeister,Kultur des Handwerks die MiinchnerArchitekturder Renaissance,in: Denkma- Heft i, 1926, 242-248 ler 1988, 9-27 HARTIG1931 PETZET1989 Otto Hartig, MiinchnerKiinstlerund Kunstsachen.Aus- Michael Petzet, Das ehemaligeMarstall-und Kunstkam- ziige aus Archivalienund handschriftlichen Aufzeichnun- mergebaude Miinchenund sein Ausbauzur k6niglichen in gen der staatl.und stadt. Archive Miinchens nebst Ergan- Miinze, Jahrbuch der bayerischenDenkmalpflege 40 fiir zungen aus der gedrucktenLiteratur[Titelvariiertgering- das Jahr I986, I989, I5-Ioo fiigig], - III. Vom Jahre1560-1575,MiinchnerJahrbuch der PISTORINI 1644 bildenden Kunst 8, 1931, 322-384 BaldassarePistorini, Descrittione CompendiosaDel Pa- HARTIG 1933 lagio Sede De' SerenissimiDi Baviera, Miinchen, Bayer. - IV. I576-I579, ebd. 10, 1933,226-246 Cod. ital.409 (Handschriftaus demJahre Staatsbibliothek, HARTIG, KUNSTTATIGKEIT 1933 i644) Otto Hartig, Die Kunsttatigkeitin Miinchen unter Wil- QuS 1980 helm IV. und Albrecht V. 1520-I579. Neue Forschungen, Quellen und Studien zur Kunstpolitikder Wittelsbacher ebd. 10, 1933,I47-225 vom 6. bis zum I8.Jahrhundert,hrsg.von Hubert Glaser, HEYDENREUTER1992 Miinchenund Zurich1980 Reinhard Heydenreuter, Der Magistratals Befehlsemp- SCHADE I983 fanger, in: Richard Bauer (Hrsg.), Geschichte der Stadt Herbert Schade,Die Monumentalisierung Gewissens des Miinchen, Miinchen 1992, I89-2Io und der Kampfzwischen Licht und Finsternis.Zur Fassa- HUBALA de der St. Michaelskirchein Miinchenund zur ?Genealo- 1958/59 Erich Hubala, Ein Entwurf fir das Antiquarium der gie? ihrerHerrscherbilder, Wagner/KellerI983,23-80 in: MiinchnerResidenz I568, MiinchnerJahrbuch bilden- der SEELIG 1987 den Kunst 9/10, I958/59, I28-146 Lorenz Seelig, Literaturbericht zum Antiquarium,in: W/ HZR FL 1987, 23-31 Hofzahlamtsrechnungen SEELIG 1989 KLOOS 1958 Lorenz Seelig, Die MiinchnerKunstkammer.Geschichte, Rudolf M. Kloos, Die Inschriftender Stadt und des Land- der Anlage, Ausstattung,Jahrbuch Bayerischen Denkmal- kreisesMiinchen (Die deutschen Inschriften,Bd. 5, Miin- pflege 40, 1986 (I989), 101-138 chenerReihe Bd. i), StuttgartI958 SPINDLER1977 KLINGENSMITH1993 Max Spindler (Hrsg.), Handbuch der Bayerischen Ge- SamuelJohnKlingensmith,The Utility of Splendor.Cere- schichte, 2. Band, 2. verb. Nachdruck Miinchen 1977 mony, Social Life, and Architecture the Court of Bava- at STAATSBIBLIOTHEK 1992 Chicago und London I993 ria, I6oo-I800, KlausHaller (Auswahlund Kommentierung), Bayeri- Die LIETZMANN 1988 sche Staatsbibliothek in historischen Beschreibungen, Hilda Lietzmann, rez. W/FL 1987,Kunstchronik 1988, 41, Miinchen, New York und London 1992. 61O-625 STIERHOF 1980 MEITINGER 1970 Horst H. Stierhof, Zur Baugeschichte der Maximiliani- Otto Meitinger,Baugeschichteder Neuveste (Die bauge- schen Residenz, in: WuB II/I, 269-278 schichtlicheEntwicklung der Neuveste. Ein Beitrag zur Geschichteder Minchner Residenz) (= Oberbayerisches STOCKBAUER 1874 Archiv 92, 1970), Miinchen 1970 Die am JacobStockbauer, Kunstbestrebungen Bayerischen NEUMANN I959 Hof unter Herzog Albrecht V. und seinem Nachfolger Wilhelm V. (Quellenschriften fur Kunstgeschichte und Erwin Neumann, Materialienzur Geschichteder Scaglio- Kunsttechnikdes Mittelaltersund der Renaissance,Bd. 8), la,Jahrbuchder kunsthistorischenSammlungenin Wien55, Wien 1874 I959, 75-158 THOMAI937 NDB Hans Thoma, Residenz Miinchen, Amtlicher Fiihrer, Neue Deutsche Biographie,Berlin I953ff. Miinchen 1937 ONB VIGNAU-WILBERG I985 Wien, OsterreichischeNationalbibliothek TheaVignau-Wilberg,Joris Hoefnagels Tatigkeitin Miin- PALLAVICINOI680 chen, Jahrbuch der kunsthistorischenSammlungen in Ranuccio Pallavicino,I trionfi dell'architettura nella son- Wien 8i, I985, I03-167 tuosaResidenza di Monaco...,Augsburg i680 VOLK-KNUTTEL I989 PETZET1988 BrigitteVolk-Kniittel in: Corpus1989,49-66 Grottenhof- MichaelPetzet, Die Arkaden am Unteren Hofgarten und Schwarzer Saal hallen, 67-117 Antiquarium, 117-119 I00
    • WAGNER/KELLER 1983 Riederer, Ulrich Schiefil,LorenzSeeligund Horst H. Karl Wagner und Albert Keller (Hrsg.), St. Michael in Textband Tafelband, Stierhof, und MiinchenI987 Miinchen.Festschrift zum 400. Jahrestagder Grundsteinle- WuB I980 gung und zum Abschlufl des Wiederaufbaus,Miinchen Ausst. Kat. Wittelsbachund Bayern.II Um Glauben und und Zurich 1983 Reich. Kurfirst Maximilian I., hrsg. von Hubert Glaser, WALZ/MEITINGER/BEIL Miinchen und Zurich 1980 Tino Walz,Otto Meitinger, Toni Beil,Die Residenz zu - II/I Beitragezur BayerischenGeschichteundKunst i573- Miinchen. Entstehung,Zerstorung,Wiederaufbau(Bava- i65i ria antiqua),Miinchen 1987 - II/2 Katalog der Ausstellung in der Residenz in Miin- W/FL 1987 chen I980 Das EllenWeskiundHeikeFrosien-Leinz, Antiquarium ZOTTMANN I9Io der MiinchnerResidenz.Katalog der Skulpturen.Mit Bei- UberdieGemalde Michaelshofkir- Zottmann, Ludwig der tragenvon Wolf-DieterGrimm,GerhardHojer,Josef der che, MiinchnerJahrbuch bildendenKunst5,I90, 71-93 Dokumentenanhang: (Der Verstandlichkeit zuliebe sind Interpunkti- onszeichen eingesetzt.) I Mer 7 prusten gemacht, seindt khleiner als mans Aufstellung von Arbeiten des Bildhauers Jordan prusten, aine per 8 fl macht 56 fl Prechenfelderfur das Antiquarium, eigenhdndig, thuent beide posten laudt des gedings 251 fl Anfang 1573.Miinchen, BHStA, HR I, 281/89 Auff solliche jetzt gemelt zwo posten hab ich ent- Verzeichnus, was ich Jordan Brechenfelder in I572 fanghen vom dem bauschreiber nach 5 gegebenen Jars gemacht habe unnd in 73Jars noch by hendig bekantnisen 280 fl habe unnd was ich vom bauschreiber entfanghin habe an gelt, wie nacher v6lgt Also hab ich vom bauschreiberbis hierher auff alle angezeigte arbeit entfangen 422 fl Erstlich gemach in dem obbemelten 72 Jar 5 pru- sten mans gr6s, aine per I5 fl Dar gegen thuet mein arbeit 393fl 6 k mer ain prust ist grosser alls mans gr6s per 20 fl bleibt noch im Reste auff Nachvolgente arbeit threffen die 6 prusten laudt des gedings 95 fl 29 fl mer gemacht 4238buechstaben vom 3 buechstaben Weitter ist mir im 73 Jars iberanttwort worden 18 2 khreitzer die machen 47 fl 6 k steinen khopf, dar an gemacht 12prusten bis an des aufsetzen und vergiessen, dreffen macherlon in die Diese zwo posten sein mit mir durch den bau- 8o0fl schreiber den 20 tag Sebtembris des vorgemelten Jars abgezalt unnd betzalt worden laudt ainer be- Mer hab ich untterhanden 4 grosse pilder aus zu- kantnus, so ich ime darumen geben habe 142fl 6 k besseren mit fillen stiickhen zemachen Mer gemacht 13prusten mans gr6s, ane per iS fl, Zu den selben hab ich 6 postement im werch, drift 195 fl darauff die pilder stein werden, darunter sint 4 OI0
    • verfertigt andii3 bist pallieren. arbeit mirnit Die ist Erstlich i groi3bildt, darauffain neuen khopff angedingt worden. gemachund ain neuenarmbe,auchdas selbe mit etlichenstiickhenausgebesert,darvor i6 fl Auff sollicharbeit,so ich im 73Jarsuntterhanden, habich nit mervom dembauschreiber entfanghen Merainkhleinsbildtmit etlichenstiickhenausge- dan den vorgemelten Rest, welicher ist 29 fl besert per 2 fl. Was nun an diser aller arbeitmanglbelangt,sol Mer ain neus postement,dar auff das gros bildt durchmich gewendtwerden;bitt dem aliennach stiet, darvor i8 fl E. G. unttertheniglichen, wellen mir mit gna- die den auffmeinsuippliciren verornen gelt lasen,auf Mer 3 postementen, darauff khlinergansse[= die das ich mein glaubigerzu fridten stellen moge. ganze] bilder stien, ains per I5 fl, thuet 45 fl Solchswil ich umb E. G. in alleruntterthengheit geflissensein zuverdienen. Mer ain dischghestil vom nusbaumen hols gemach zu dem steinen dischblat darvor 22 fl II Suma thuet dise ausgemacht unangedinte arbeit Aufstellung iiber abgelie- Jordan Prechenfelders 103 fl ferte Arbeiten fiir das Antiquarium, datiert I573. Munchen BHStA, HR I, 281/89 Zemerckhen, was ich Jordann Brechenfelder bilt- IV hauer an ausgemachterArbeit habe iberanttwurdt SchreibenJordan Prechenfeldersan Johann Jakob denn 20 tag Junyus des volgt hernach Fugger, undatiert (I573/1574). Miinchen, BHStA, HR I, 281/89 Erstlich i Grofie brusten, ist grosser als mans gro- se, per 20 fl P. hat noch BezahlungfiirArbeiten zum Antiqua- rium ausstindig. Er bittet um Anweisung von Ioo Mer 6 brusten mans grogf,ain per I5 fl, thuett fl., da er sonst seine Gesellen nicht bezahlen kann. 90 fl Sechs Postamente sind in Arbeit. Mer 3 brusten sent khleiner als mans gros, ain per 8 Wolgeborener Genediger Herr, Nachdem I2 fl, thuet 24 fl khleine Marbelsteinen brustbilder, auch 28 bru- sten mans gros samb aimb grossen brust unnd 4238 Suma thuet dise ausgemacht angedingte arbeit buechstaben durch mich seint verfertig worden, 134 fl ist mir an khleine per 8 fl, ain grosse per I5fl mer 2 buesstaben per 3 k [sic, vgl. Dok. I], wellchs als alls macht 583 fl, daran habe ich entfangen 422 fl; III als aber E. G. dise arbeit besichtig hat, haben E. G. AufstellungJordan Prechenfelders iiberfertigeAr- an etlichen bilder mengl ersehen, die selben mir beiten fiir das Antiquarium, undatiert (i571/1574). zuwenden bevolen; das ist nun mals durch mich Munchen, BHStA, HR I, 281/89 gescheen, nachdem aber mein gesellen samb an- dern willen von mir betzalt sein, so glanget an E. Zemerckhen, was ich Jordann Brechenfelder bild- G. mein untterthengs bitten, die wellen mir mit hauer an ausgemacht arbeit dem 17 Junyus iber genaden meinen ausstant, wellicher ist 161fl, zege- antwordt habe ben bevelhen. 102
    • Weitter Gh. H. so wisen E. G. wol, das ich 6 grosse unraths daraus entspriinge, das wenig E. F. G. postement, weliche in die 90 fl werden driffen, und damit gedienet wiirde; wil auch gern ainen Gesel- auch etliche bilder untter die handt habe; die sel- len sehen oder herrn, deme ich seinen Lidlon ben wil man vom mir unverzogenlich haben, wie (wann man mier gellt geben hat) vorgehalten. dan schon 4 postement daruntter verferttig sindt, Demnach gelanngt an E. F. G. mein underthenigs die weille ich aber soliche arbait auff meinen kho- bitten, die wellen genedige verordnung thuen, das sten nit vermag zu verferttigen, mues auch alle mier gedachter pawschreiber mein gelt zuestelle, woche auf mein gesellen und haushaltung bei 15fl unnd mier nit mit meine gesellen fiirgreiffe;bin ich haben, so langt an E. G. in dem auch mein bitten, inen was zuthuen, sollen sy one clag, wie bifhero die willen mich mit ain hundert gulden auff Recht- beschehen, trewlich von mier bezallt werden, nung zegeben in genediger bedenkhung zu geben bevolhen. Thue mich E. G. unttertheng bevelhen. Vernner Genediger Fiirst unnd Herr, weil ich Jordan Brechenfelder dann 6 passement unnd pilder unnderhannden, bilthauer darauf die grossen pilder steen werden, unnd 4 passement darunder verfertigt, die mier nit ange- dingt sein, unnd bif in die 6o fl davon meine V Gesellen zethuen schuldig; weil dann solche unan- Schreiben Jordan Prechenfelders an Herzog Al- gedingte arbait in meinem vermigen nit zuverle- brecht V., undatiert (i573). Miinchen, BHStA, HR gen, bitt ich E. F. G. gannz underthenigclich, die I, 281/89 wellen Genedige verschaffung thuen, das man mit mier hanndl, damit ich solche arbait one schaden P. beklagt sich, daft er keinen Lohn erhalt und daft verrichten unnd vollennden mige, oder aber mier der BauschreiberunrechtmiJ3igseine Gesellen be- Ioo fl auf Rechnung schaffen zegeben, auf dise zahlt hat, ohne ihn davon in Kenntnis zu setzen. bemelde arbait, damit ich wesste, wefi ich mich Hat sechs Postamente in Arbeit, darunter vier halten solle; das umb E. F. G. beger ich underthe- ohne schriftlichen Vertrag (vgl. Dok. VI). nigclich zuverdiennen, E. F. G. Durchleuchtiger Hochgebornner Fiirst, Genedi- Unndertheniger ger Herr, Ich hab bifhero meine Gesellen, wann Jordan Preckhenvelder man mier gellt hat geben, aufrecht unnd redlich bezallt, wie ich dann jungstlich den 20. Februarii ich von dem pawschreiber auf Rechnung 50 fl VI empfanngen, die ich ebenmessig unnder meine SchreibenJordan Prechenfeldersan Johann Jakob Gesellen bif in die 42 fl dispensirt auf rechnung, Fugger, undatiert (1573/1574). Miinchen, BHStA, daran sy zefriden gwest. Dieweil ich dann, Gene- HR I, 281/89 diger Fiirst unnd Herr, an meiner arbait was zu wennden gwest, hab ich die bezallung nit bekhu- P. bittet um Abschlagszahlung auf seine geleistete men kh6nnen, also meine Gesellen umb ir bezal- Arbeit, bis diese begutachtet sein wird, denn er hat lung bey E. F. G. supplicanndo angehalten, ist ime Schulden machen missen. dise Genedige Signatur ervolgt, das mans entrich- ten solle. Nun aber Genediger Fiirst und Herr, Wolgebornner Genediger Herr Fugger. Nachdem understeet sich E. F. G. Pawschreiber, mir meine mir von den gemachten prustpildern, vermug ai- Gesellen one mein vorwissen zu bezallen, das mier ner unnderschidlichen verzaichnus, noch 214 fl zum hechsten beschwerlich, dann ich unnd nit Er unbezalt aussteen, habe ich umb entrichtung der- Maister ist, Es wiirde auch mir ain verclainerung selben supplicando angehalten, darauf von E. G. sein, unnd bey den Gesellen khain volg, unnd vil mir zu bschaid ervolgt, das dieselben meine ver- I03
    • ferttigtearbaitbesehen, volgendsmirdie bezalung mer sten, darunder 5 priist von plabem stain, und verordnenwellen. Weil dann E. G. bisheer die drei von rodtem, auch under obgemeldten acht gelegenhaitnicht haben kh6nden,das dieselben Pristen seindt zwo yber die mans gref, und 6 die werenbesichtigt worden,ich noch daryber schon mans grefi; wirdt dem Maister Jhordan von ainer verfertigtearbaithab,dardurch michzuunder- ich Prust yber die mans grefi geben 20 fl., von ainer die haltungdes haushabens schuldenlasst in gestos- mans grefl I5fl., unangesehen so er sunst vil merer sen, derowegen ich durch meine gleibigertegli- fortl hadt wan ich; one raim zu reden, so hadt mein chen ersuecht,auchvor meinerbiirgerlichen ob- Genediger herr ain merers wolgefallen gehabt an rigkhaitbeclagtwirde. Demnachan E. G. mein meiner arbaitt weder an deren, so der Jhordan underthenigs bitten ist, die wellen genedigever- gemacht hat. Versich mich gantz underthenig, ordnungthuen, damit mir entzwischen,bifi das auch mich bei sollicher Bezallung bleiben zu las- die arbaitdurch E. G. besichtigtwirdet, Ioo fl sen. gegeben werden,undich meinegleibiger zumthail abrichten, auch meine haushaben unndhalten Ferner habe ich zwai Khugel gestel geschnidten kh6nde.Das umbE. G., denenich mich,bevehlen mit fier [..?..], khrackhstainen,fier delfinen, sambt thue, beger ich gannz underthenigzuverdienen, ander zier noch mer, auf fiurstlicheliberei, ist mein genedigen beschaids gewarttund. Begern fir ain gestell 34 fl., duett paide 68 fl., des E.G. ainer doch dreilich verdientt hadt, woldt geleich Unndertheniger des so baldt die Brist gemacht haben dan ain solich JordanPrechenfelder khugel gestell. [Bitte umAbrechnung: den ihm zustehenden Von ig8fl. hat E. 49 erhalten, folglich stehennoch i49 VII aus.] SchreibenHans Ernhofersan die herzoglichen Kammerrate, kurz vor dem I7.4 574. Miinchen, Reversvermerk: Pauschreiber den hiriiber sei- mit BHStA, HR I 280/40, fol. 4. nem Bericht zeh6rn 17. Aprilis 1574. [Anrede] Der im Reversvermerk angeforderte Berichtdes Ich habe acht tag vor weinachten pei eirn Genaden Bauschreibers Wentzeslaus Voglan den Kammer- gantz underthenig angehalten umb ettlich gelt auf prasidenten bei,fol. 7,ohneDatum:Der Bau- liegt mein angefangne und zum thail verrichte arbait, meisterhat die Kugelgestelle besichtigt.Ernhofer welliches dan genediglich beschehen ist. Habe ich soil dafiir58oder 60fl. bekommen.Zu den acht nun aber solliche und merere arbait gantz alberait Biistenstellterfest,daftE. bisdahinfiirlebensgro- gar verferdigt, daran dan mein Genedigister fiirst fie Stiicke i4 /2fl. bekommen hat, uberlebensgro- und Herr ain sunders wolgefallen gehabt hadt, fie hat er bishernichtgemacht.Prechenfelder er- und mir hierauf gantz genediger Beschaidt erfolgt halt dafiir 20fl.; es steht beim Kammerprasidenten, ist. Benedtliche arbait gewesen 8 Prist, so schon in welcherdie Arbeit beaufsichtigt, entscheiden, zu meines Genedigen Fiirsten und heren Kunstkha- was E. dafiirbekommen soll. Photonachweis: 6, I3, i8, 22, 23, 25, 26, 27, 28, 29, 34 Autoren. - 3, 5, 7 BStB. - 2 BHStA. - (S. 29), 33(S. 32) Corpus 1989. - 40 R. Franke, Miinchen. - 8 (87I003-21), i6 (87I004-7) Landesamt fiir Denkmalpflege Miinchen. - io M. Prugger Miinchen, 60-5.- 4 (88i6), 14 (9042), I5 (9127), I7 (9340), I9 (9132), 20 (9178), 21 (88o5), 24 (8817), 30 (8808), 3I(8812),32 (SNonI6o8),37 (8775),38(8774), 39 (6212)Schlosserverwaltung Miinchen.- 35(S. 20), 36 (S. I9) W/FL I987. - 9 (85/333A6), I (85/324A6), 12 (85/280 A6) Zentralinstitut fiir Kunstgeschichte, M. Behrens.